Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Diese Woche wurde eine Beobachtung veröffentlicht, in der eine Katzenaugennatter an der Ostküste Madagaskars dabei gesehen wurde, wie sie ein bereits totes Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) verspeist. Das tote Chamäleon war bereits am Vortag auf dem Boden des Regenwalds gefunden worden, die Schlange traf offenbar zufällig darauf und bediente sich.

Die Schlangenart Madagascarophis colubrinus ist auf Madagaskar weit verbreitet und ist schon länger bekannt dafür, dass sie einen breit gefächerten Speiseplan zu haben scheint. Einige neuere Nachweise vom Verzehr von Amphibien und Geckos auf iNaturalist werden im Paper ebenfalls erwähnt. Dass Madagascarophis colubrinus auch Chamäleons frisst, wurde aber bisher nur von der Schwesternart Madagascarophis meridionalis nachgewiesen. Dass die Art sich auch über Kadaver hermacht, ist ebenfalls neu.

Rotten ready-to-eat: observation of a Malagasy Cat-eyed Snake, Madagascarophis colubrinus (Schlegel, 1837), feeding on the carcass of a Panther Chameleon, Furcifer pardalis (Cuvier, 1829)
Alexandra Negro, Harison Zoe Radimbiniaina
Herpetology Notes 19, 2026: 399-401
DOI: not available
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Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Tiermedizin Wissenschaft

Tierärzte der Uni Gießen und Exomed haben kürzlich eine retrospektive Studie zu Parasitenbefall bei Chamäleons in Menschenobhut durchgeführt. Dazu wurden zwischen 2012 und 2019 insgesamt 670 Kotproben von Chamäleons untersucht. Über 85% davon stammten von Privathaltern aus ganz Deutschland, die die Kotproben selbst zu ExoMed eingesandt hatten. 10% der Proben waren von Tierärztinnen und Tierärztinnen direkt eingeschickt worden, der Rest stammte aus Zoos. Alle Kotproben wurden mittels Nativausstrichen untersucht. Zusätzlich wurden 31 tote Chamäleons obduziert, aus deren Darm weitere Kotproben für Nativausstriche und Anzucht von Bakterien entnommen wurden.

Fast drei Viertel aller Kotproben stammte von Panther- und Jemenchamäleon (Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus). Danach rangierten weit abgeschlagen mit 15% Kotproben, bei denen die Chamäleonart auf dem Einsendeformular leider nicht angegeben worden war. Die übrigen Kotproben teilten sich auf 23 weitere Chamäleonarten auf. In über einem Drittel aller eingesandten Kotproben konnten Parasiten nachgewiesen werden. In absteigender Reihenfolge der Häufigkeit waren dies Oxyuriden-Eier, Kokzidien-Oozysten, begeißelte Protozoen („Flagellaten“), Heterakiden-Eier, dünnschalige Nematodeneier (Strongyloides oder Rhabdias spp.), Trematodeneier, Pentastomideneier, Spulwurmeier, Amöbenzysten und Physalopteroides-Eier. Bandwurmeier wurden in keiner Kotprobe gefunden.

In knapp 10% der positiv getesteten Chamäleonkotproben wurde mehr als eine Parasitengattung gleichzeitig gefunden. Die häufigsten davon waren Kokzidien und Nematoden, weniger häufig traten Nematoden parallel zu Geißeltierchen oder Kokzidien parallel zu Geißeltierchen auf. Chamaeleo calyptratus hatte überdurchschnittlich häufig Oxyuriden im Vergleich zu Furcifer pardalis. Es fanden sich keine Zusammenhänge zwischen Parasitenbefall und Alter oder Geschlecht der Chamäleons.

Bei 61% der obduzierten toten Chamäleons zeigte sich Parasitenbefall, wobei dies bei mindestens 40% auch die Todesursache war. In absteigender Reihenfolge waren die zuletzt genannten an Kokzidien, Heterakiden, Oxyuriden und je ein Einzeltier an einer Coinfektion aus Leptomonaden, Trichomonaden und Filarien sowie einer Coinfektion mit Leptomonaden und Trichomonaden verstorben. Andere Todesursachen waren Gicht, Pilzbefall, bakterielle Infektionen, Verstopfung, mechanische Traumata, Adenokarzinome, Mangelernährung und Hypervitaminose D3 (bei den beiden letzten jeweils ein Einzeltier). Nur bei zwei der 31 Chamäleons konnte die Todesursache nicht sicher ermittelt werden.

Gastrointestinal protozoan and helminth parasite infections in captive chameleons in Germany
Paula Sapion-Miranda, Anja Taubert, Carlos Hermosilla, Malek J. Hallinger
Parasitology Research 125, 2026: 69
DOI: 10.1007/s00436-026-08704-3
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Fotos: Von links oben nach rechts unten Aufnahmen eines Oxyuriden-Ei, einer Isospora-Oozyste, einem angefärbten Leptomonas-Throphozoit, eines Trematoden-Ei, eines Pentastomiden-Ei und eines Spulwurmei aus den Kotproben verschiedener Chamäleons, Bilder aus der genannten Publikation

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Wissenschaft

Tierärztinnen der Universität von Montreal (Kanada) haben kürzlich untersucht, welche Chamäleons weltweit in Zoos gehalten und nachgezüchtet werden. Sie nutzten dazu die sogenannte Species360 Datenbank des Zoologischen Informations-Management-System (ZIMS, früher ISIS), deren Chamäleondaten sie statistisch auswerteten. Rund 1400 Zoos, Aquarien und Forschungszentren aus rund 100 Ländern nutzen diese Datenbank und füttern sie mit den in ihren Institutionen gesammelten Daten. Die Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich, sondern erfordert eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Die Tierärztinnen untersuchten dabei Geburten oder Schlupfe zwischen Juli 2020 und Juli 2021 sowie Daten von 1980 bis 2024 zur Berechnung von Lebenserwartungen. Ausgenommen wurden Chamäleons, die abgegeben und nicht mehr nachverfolgbar waren oder bei denen Geburtsdaten ungenauer als der Monat angegeben waren. Zur Berechnung der Lebenserwartung wurden nur Arten genutzt, von denen mehr als 50 Individuen gehalten worden waren. Die Statistiken zur Langlebigkeit wurden nur bei solchen Arten durchgeführt, die mehr als 70 Individuen in Zoos aufwiesen. Dabei wurde jeweils der Durchschnitt der 5% der ältesten Individuen für beide Geschlechter errechnet. Chamäleons, die länger lebten als 99% ihrer Artgenossen sowie Tiere, die kürzer als einen Tag gelebt hatten, wurden von der Berechnung ausgeschlossen. Da teilnehmende Einrichtungen in Asien, Südamerika und Afrika weniger als 10 Chamäleons registriert hatten, wurden diese Kontinente aus der Studie entfernt.

Insgesamt wurden 2021 in 203 ZIMS-Institutionen 975 Chamäleons gehalten. Dabei waren weniger als 20% der weltweit beschriebenen Arten vertreten. Über zwei Drittel der gehaltenen Chamäleons waren Jemen- und Pantherchamäleon (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis). Alle anderen Arten folgten dahinter mit sehr weitem Abstand, an dritter Stelle stand Trioceros jacksonii ohne Nennung der Unterart mit 8,4%. Von acht Arten, darunter Brookesia stumpffi, Chamaeleo africanus, Furcifer verrucosus, Kinyongia boehmei und Trioceros cristatus, wurden überhaupt nur Einzeltiere in den teilnehmenden Zoos gehalten.

Die Zoos hatten 35% der Chamäleons als männlich, 22% als weiblich und beeindruckende 43% als „unbestimmt“ angegeben. Bei den Pantherchamäleons waren deutlich mehr Männchen vorhanden, während es bei Parsons Chamäleons (Calumma parsonii) und dem Europäischen Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) mehr Weibchen waren.

Zwischen 2020 und 2021 waren zu 22% der gehaltenen Chamäleons Nachzuchten ins ZIMS eingetragen worden. Über 300 Geburten und Schlupfe waren registriert worden, davon entfielen über die Hälfte auf die Art Trioceros jacksonii, knapp 17 % auf Furcifer pardalis und über 11% auf Chamaeleo calyptratus. Nicht erwähnt wurde, wie viele Eier bei oviparen Arten gelegt worden waren.

Die Lebenserwartung bei Geburt wurde für elf Arten ermittelt. Sie lag für Chamaeleo calyptratus bei 2,1 Jahren, für Chamaeleo dilepis bei 1,1 Jahren, für Furcifer oustaleti bei 1,2 Jahren, für Furcifer pardalis bei 2,1 Jahren, für Rieppeleon brevicaudatus bei 1,2 Jahren und für Trioceros melleri bei 2,7 Jahren. Für Chamaeleo chamaeleon, Trioceros hoehnelli, Furcifer lateralis, Trioceros jacksonii und Trioceros montium wurden Lebenserwartungen von unter einem Jahr errechnet.

Sowohl bei Jemen- als auch bei Pantherchamäleons lebten Männchen länger als Weibchen. Die ältesten Calumma parsonii wurden im Schnitt 8 Jahre alt, ähnlich lagen die ältesten Chamaeleo calyptratus, Furcifer pardalis und Trioceros melleri.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Zahl an Männchen bei Panther- und Jemenchamäleons vor allem an der höheren optischen Attraktivität der Männchen für Zoobesucher liegen könnte. Erstaunlicherweise wurden auch 50% der Jemenchamäleons als „unbestimmt“ ins ZIMS eingetragen, obwohl bei dieser Art das Geschlecht bereits beim Schlupf leicht zu erkennen ist. Die Autoren schlagen vor, dass auch Chamäleons langfristig in internationale Zuchtprogramme aufgenommen werden und dabei Hand in Hand mit Schutzprojekten in den Lebensräumen der Tiere gehen.

Evaluation of the sex and species distribution, breeding, and life expectancy of zoo-housed chameleons
Amélie Aduriz, Floriane Plard, Claire Vergneau-Grosset
Zoo Biology, 2026: 1-15
DOI: 10.1002/zoo.70078
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Foto: Kinyongia tavetana

Das Europäische Chamäleon auf Malta

Das Europäische Chamäleon auf Malta

Verbreitung Wissenschaft

Das Europäische Chamäleon, Chamaeleo chamaeleon, ist schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf Malta nachgewiesen und vermutlich von Menschenhand auf die Insel gebracht worden. Über seine aktuelle Verbreitung und Ökologie auf der Insel ist allerdings bisher eher wenig bekannt. Maltesische Biologen haben nun eine Studie durchgeführt, um genau das zu ändern.

Sie führten Datenerhebungen in 37 Transekten von je 100 x 10 m Größe an 13 verschiedenen Orten auf Malta durch: In l-Aħrax tal-Mellieħa, Ghadira Nature Reserve, il-Miżieb, Simar Nature Reserve, Kennedy Grove, Dwejra Lines, Chadwick Lakes, Ta’qali, Buskett, Siggiewi, Xrobb l-ghagin, Bormla Gardens und Wied ghollieqa. Pro Datenerhebung wurde ein Transekt zwei Mal in verschiedener Richtung in der Nacht durchlaufen. Die meisten Orte wurden zwischen Juli und Oktober besucht, einige zusätzliche Besuche im Januar und Februar gab es in l-Aħrax tal-Mellieħa, Kennedy Grove und il-Miżieb.

Für jedes gefundene Chamäleon wurde die Pflanze, auf der das Tier entdeckt wurde, notiert, die Sitzposition und -höhe des Chamäleons, sowie ob weitere Chamäleons in 3 m Umgebung schliefen. Die Chamäleons wurden während der gesamten Studie nicht angefasst, es wurden lediglich Fotos gemacht, um die Körpergröße der Chamäleons zu bestimmen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

An allen 13 Orten auf Malta konnte Chamaeleo chamaeleon nachgewiesen werden. Die höchste Chamäleondichte fand sich in Kennedy Grove mit 12,5 Individuen pro 1000 m² und il-Miżieb mit 12 Individuen pro 1000 m². Im Zentrum und Süden Maltas wurden geringere Chamäleondichten gefunden, vermutlich wegen des weniger geeigneten Lebensraums. Während des maltesischen Winters wurden deutlich weniger Chamäleons gefunden als im Sommer. Je weiter ein Transekt von Straßen entfernt war, desto mehr Chamäleons hielten sich dort auf. Da Koniferen an den meisten Standorten dominierten, fanden sich auch die meisten Chamäleons auf Koniferen und anderen Bäumen. Deutlich weniger häufig hielten die Tiere sich in Büschen und niedriger Vegetation auf. Die meisten Chamaeleo chamaeleon schliefen auf Höhen zwischen 1 und 3 m über dem Boden, wobei kleinere Chamäleons niedriger zu finden waren. Die Mehrheit der aufgefundenen Chamäleons war zwischen 2,6 und 7 cm groß. Die Tiere schliefen vorwiegend solitär.

Distribution and microhabitat use of naturalized Common Chameleons, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758), in Malta
Kristyl Farrugia, Joseph A. Borg, Patrick J. Schembri
Herpetology Notes 19, 2026: 275-281
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Chamaeleo chamaeleon im natürlichen Lebensraum, fotografiert von Markus Grimm

Exporte von Nachzucht-Chamäleons aus Kenia gestiegen

Exporte von Nachzucht-Chamäleons aus Kenia gestiegen

Allgemeines Wissenschaft

Eine Ökologin, ein Umweltwissenschaftler und ein Tierarzt haben sich kürzlich mit den CITES-Exportzahlen für Kenia beschäftigt. Sie untersuchten dabei ausschließlich Exporte, bei denen die Tiere in Gefangenschaft gezüchtet oder auf Farmen nachgezogen wurden, innerhalb eines Zeitraumes von 2013 bis 2023.

Insgesamt wurden in diesen zehn Jahren 886 Exporte unter CITES als Nachzuchten oder Farmzuchten gemeldet. Die Zahlen stiegen dabei zwischen 2013 und 2023 deutlich an: Waren es 2013 nur 53 Exporte dieser Art, wurden 2023 über doppelt so viele, nämlich 110 Exporte, gezählt.

80% der Exporte waren lebende Tiere, in Zahlen 871,783 Individuen in zehn Jahren. 20% der Exporte entfielen auf Federn, Häute (vor allem von Krokodilen), Gewebeproben, Fleisch und zwei einzelne Skelette. Reptilien lagen bei den Lebendexporten von Nach- oder Farmzuchten mit über 96% zahlenmäßig an erster Stelle. Erst weit davon abgeschlagen waren mit 15% Vögel und nur 3,5% Säugetiere exportiert worden. Die am häufigsten exportierten Nach- oder Farmzuchten bei den Reptilien waren Stigmochelys pardalis, Trioceros jacksonii, Trioceros hoehnelli, Kinyongia boehmei sowie Trioceros ellioti. Bei den Chamäleons wurde keines als Farmzucht exportiert. Alle Chamäleons waren entweder in Gefangenschaft gezüchtet oder lediglich in Gefangenschaft geboren/geschlüpft.

Interessanterweise befanden sich auch einzelne Kinyongia fischeri und Furcifer pardalis unter den Exporten. Es handelte sich hier vermutlich um bereits früher importierte Tiere, denn die beiden Arten kommen in Kenia selbst nicht natürlicherweise vor.

Die Zielländer der Exporte waren mit 43 Nationen vielfältig. Die Mehrheit ging mit 177 Exporten in die USA, dahinter steht Deutschland mit 95 und Spanien mit 62 Exporten als Zielland. Das am zweithäufigsten in die USA importierte Tier war Trioceros jacksonii mit insgesamt 55.944 Chamäleons in zehn Jahren. Direkt dahinter lagen in den USA Trioceros hoehnelli it 14.266 Tieren und Kinyongia boehmei mit 11497 Tieren, die zwischen 2013 und 2023 importiert wurden. In der gleichen Zeit importierte Deutschland nur 5.577 Trioceros jacksonii und 4.456 Kinyongia boehmei.

Zwei der gehandelten Chamäleonarten, Kinyongia boehmei und Kinyongia fischeri, gelten als potenziell gefährdet (‚near threatened‘). Die Autoren bemängeln, dass bei diesen und anderen Chamäleon-Arten der Wissensstand um die aktuelle Populationsgröße und -trends unzureichend ist. Ob der Handel mit diesen Tieren deshalb nachhaltig ist, kann nur eingeschränkt beurteilt werden. Ebenfalls stellen sie die Frage, ob es sich bei den gehandelten Tieren tatsächlich um Nachzuchten handelt und inwiefern das individuelle Tierwohl bei Exporten generell berücksichtigt wird.

Hinweis: Alle drei Autoren der Studie arbeiten bei World Animal Protection, es kann hier also ein gewisser Interessenskonflikt nicht ausgeschlossen werden.

Rising reptile trade from Kenya: Analysis of CITES-listed captive-bred wildlife exports
Angie Elwin, Ephraim Batungbacal, Patrick Muinde
Conservation 2026, 6: 56
DOI: 10.3390/conservation6020056
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Foto: Trioceros hoehnelli, fotografiert von Marius Burger, CC0

Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Eine Studie zur Verbreitung und den Lebensräumen verschiedener Chamäleonarten wurde kürzlich in Vohimana in Madagaskar durchgeführt. Das Reservat Vohimana liegt zwischen 800 und 1000 m Höhe im östlichen Hochland der Insel. Es erstreckt sich über eine Fläche von 15 km², davon 6 km² Primärregenwald, 8,5 km² Sekundärvegetation und etwas über 1 km² Eukalyptusforst. Die Regenzeit reicht von Oktober bis Mai und ist vor allem von vermehrtem Regen gekennzeichnet, wobei die Trockenzeit ebenfalls über verhältnismäßig viele Niederschläge verfügt.

An insgesamt 195 Tagen, davon 158 in der Regenzeit und 37 in der Trockenzeit wurden Chamäleons innerhalb des Reservats entlang der vorhandenen Wege mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen insgesamt 350 km Strecke. 80% der Datenerhebung fand nachts statt, nur 20% tagsüber. Jedes gefundene Chamäleon wurde fotografiert sowie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und UV-Index am Fundort gemessen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

Während der gesamten Studienzeit konnten 577 Chamäleons dokumentiert werden. Darunter befanden sich ein einziges Calumma brevicorne, sieben Furcifer willsii, zwei Brookesia ramanantsoai, sieben Brookesia thieli, 143 Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni (zusammengefasst zu einer Gruppe), 53 Calumma furcifer, 207 kleine Calumma des nasutum-Komplexes (auf Grund von Schwierigkeiten bei der der rein äußerlichen Artbestimmung zu einer Gruppe zusammengefasst), 24 Calumma parsonii, 118 Calumma pinocchio, 11 Furcifer bifidus und 4 Furcifer pardalis.

Am häufigsten in Vohimana waren Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni, kleine Chamäleons des Calumma nasutum-Komplex und Calumma pinocchio. Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni und Calumma furcifer wurden nur selten außerhalb des Primärwaldes aufgefunden. Calumma pinocchio war am häufigsten in einem kleinen Primärwaldrest im Nordosten des Reservats zu finden. Alle übrigen Arten konnten die Wissenschaftler sowohl in Primärwald als auch in Sekundärvegetation immer wieder entdecken. Calumma parsonii, Calumma pinocchio als auch Arten des nasutum-Komplexes wurden häufig im Bereich von Waldrändern gefunden.

Die Temperaturen der Fundorte lagen in der Regenzeit durchschnittlich bei 24,2°C, in der Trockenzeit dagegen bei durchschnittlich 18,3°C. Während der Regenzeit wurden tagsüber mehr Chamäleons an Orten mit höherem UV-Index gemessen (durchschnittlich 0,5). Die relative Luftfeuchtigkeit war in Vohimana das ganze Jahr über hoch mit einem Durchschnitt über 90% für beide Jahreszeiten. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Chamäleonarten waren eher gering, was die Mikroklimata anging. Einzelne Furcifer pardalis und Furcifer willsii wurde zu den höchsten gemessenen Tages- und Nachttemperaturen (29°C und 27,5° tagsüber, 25°C nachts) gefunden. Diese beiden Arten sonnten auch im höchsten durchschnittlich gemessenen UVI (8,2 für Furcifer pardalis und 7,7 für Furcifer willsii). Die UV-Indizes aller übrigen Arten lagen im Durchschnitt deutlich niedriger.

Diversity, distribution, and microclimatic conditions experienced by the chameleons of the Vohimana Reserve, Madagascar
Olivier Marquis, Marc Gansuana, Sébastian Métrailler
Herpetological Conservation and Biology 21(1), 2026: 101-119
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Calumma pinocchio im Reservat von Vohimana, fotografiert von Alex Negro

Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika

Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika

Verbreitung Wissenschaft

Ein polnischer Biologe hat kürzlich ausgewertet, wie viele eingeschleppte Reptilien- und Amphibienarten es in Subsahara-Afrika gibt.

Unter den in andere Länder eingeschleppte Arten finden sich auch einige Chamäleons: Das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) wurde bereits vor 1830 in La Réunion eingeführt. Es kommt bis heute auf der Insel vor. Das Kap-Zwergchamäleon (Bradypodion pumilum) wurde in den 1990er Jahren in Namibia ausgesetzt und bildete kleine Populationen in Swakopmund, Walvis Bay, Lüderitz und Windhoek. Alle diese Populationen sind heute jedoch ausgestorben. Das Parsons Chamäleon (Calumma parsonii parsonii) wurde in den 1960er Jahren von Madagaskar nach Mauritius gebracht. Eine überlebensfähige Population wurde daraus jedoch nicht. Das Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) wurde vor 1978 in die südafrikanische Provinz Freistaat verschleppt, scheint dort aber ebenfalls keine eigenständige Population gebildet zu haben. Und zuletzt wurden verschiedene Zwergchamäleon-Arten (Bradypodion ssp.) im Jahr 1939 in die Provinz Freistaat in Südafrika gebracht. Auch sie erzeugten keine bleibende Population.

Insgesamt sind vor allem Echsen in Subsahara-Afrika in fremde Länder eingeschleppt worden (23 Arten), direkt dahinter kommen Amphibien (21 Arten) und Schlangen (14 Arten). Die meisten eingeschleppten Arten werden in Südafrika beobachtet, außerdem aber auch in Madagaskar, den Maskarenen und umliegenden Inseln. Unklar ist, ob weiter nördlich gelegene afrikanische Länder eingeschleppte Arten geringer beobachten oder dort tatsächlich weniger vorhanden sind. Zwei Drittel der eingeschleppten Arten, die eigene Populationen etablierten konnten, kamen aus anderen Regionen Afrikas oder der umliegenden Inseln sowie dem Orient. Bei den Arten, die sich nach ihrer Verschleppung nicht vermehren konnten, sieht das deutlich anders aus.

Die frühesten Verschleppungen in Subsahara-Afrika sind aus dem 17. Jahrhundert bekannt, darunter der Vierkrallengecko (Gehyra mutilata) und der Maskarenenfrosch (Ptychadena mascareniensis). Mit dem Kolonialismus steigen die Zahlen verschleppter Arten stark an. Ein weiterer Peak liegt ab etwa 2000 mit steigendem internationalem Handel.

Die Gründe für die Verschleppungen sind vielfältig, zumeist aber passiert es unbeabsichtigt. Vor allem Geckos und Frösche werden häufig als blinde Passagiere mit Obsttransporten, Container auf Schiffen oder im Gepäck von Touristen verschleppt. Seltener werden Reptilien und Amphibien absichtlich ausgesetzt, wie im Fall des Kap-Zwerggecko (Lygodactylus capensis), der in einer Gärtnerei ausgesetzt wurde. Das Aussetzen von als Haustieren gehaltenen Reptilien und Amphibien führt meist nicht zur Etablierung von sich vermehrenden Populationen. Zwei Fälle von beabsichtigtem Aussetzen zur biologischen Kontrolle anderer Tierarten sind bekannt, ebenfalls drei beabsichtigte Freilassungen ohne Gründe.

Potenzielle Probleme der eingeschleppten Arten sind vor allem die Verdrängung anderer einheimischer Arten, aber auch das Fressen einheimischer Arten. Die Hybridisierung mit einheimischen Arten findet sehr selten statt. Die Verbreitung von Krankheiten, beispielsweise Parasitosen, ist ein häufiges Problem. Von verschleppten Chamäleons ist bisher keines dieser Probleme bekannt, allerdings gibt es auch vielerorts kaum Studien zum Thema.

Herping the African Continent: Alien Amphibians and Reptiles in Sub-Saharan Africa
Grzegorz Kopij
Biology 2026, 15: 639
DOI: 10.3390/biology15080639
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Foto: Ein Furcifer pardalis auf La Réunion, fotografiert von Jason Berger, CC BY 4.0

Vier neue Nadzikambia-Arten in Mosambik

Vier neue Nadzikambia-Arten in Mosambik

Neubeschreibungen Wissenschaft

Das South East Africa Montane Archipelago (SEAMA) erstreckt sich quer über den Norden Mosambiks und bis ins südliche Malawi hinein. Es handelt sich dabei um eine Kette rund 30 sogenannter Inselberge, die durch Täler völlig voneinander isoliert liegen. Sie sind seit Längerem bekannt als Hot Spots der Artenvielfalt. Über Jahrzehnte war es auf Grund anhaltender Unruhen schwierig, die Inselberge herpetologisch zu erkunden. Und als schließlich die Möglichkeit wieder bestand, fand man prompt neue Chamäleon-Arten – je eine auf jedem der bisher untersuchten Inselberge. Inzwischen wurden die neuen Arten genetisch und morphologisch untersucht. Vier neue Nadzikambia-Arten wurden dabei beschrieben.

Nadzikambia franklinae erhielt seinen Namen zu Ehren der britischen Biochemikerin Rosalind Franklin. Die Art kommt in den Feuchtwäldern Mahno und Ukalini auf dem Mount Namuli in Mosambik vor. Sie wurde bisher auf Höhen zwischen 1618 und 1632 m gefunden. Die Männchen tragen einen höheren und runderen Helm mit glatteren Schuppenkämmen als andere Nadzikambia-Arten. Die drei verbliebenen Lebensräume der Art sind nur je rund 0,67 km² groß und massiv von der Gewinnung von Flächen für kleinbäuerliche Landwirtschaft, wie Mais- und Kartoffelanbau, bedroht.

Nadzikambia goodallae wurde nach der kürzlich verstorbenen Schimpansenforscherin Jane Goodall benannt. Die Art lebt im Feuchtwald am Westhang des Mount Ribáuè in Mosambik.  Sie wurde bisher auf eng begrenzten Höhen zwischen 1052 und 1142 m entdeckt. Auch diese Art wird sehr stark von Brandrodung und Abholzung ihres Lebensraumes bedroht. Nur noch 4,8 km² Waldfläche sind aktuell übrig. Die Männchen von Nadzikambia goodallae tragen einen flachen, breiten Helm mit rauen Schuppen.

Nadzikambia evanescens wurde benannt nach dem lateinischen Wort für Vergänglichkeit. Es soll auf den extremen Bedrohungsstatus der Art hinweisen. Die Chamäleonart kommt nur noch in einem einzigen Feuchtwaldfragment auf dem Mount Inago in Mosambik vor. Allein seit 2009 wurden 85% der damals vorhandenen Waldfläche gerodet. Aktuell sind gerade einmal 2,3 km² noch vorhanden. Der kleine Lebensraum liegt auf 1235 bis 1281 m. Die Männchen der Art tragen einen hohen, runden Helm mit glatten Schuppenkämmen.

Nadzikambia nubila wurde benannt nach dem lateinischen Wort für Wolken. Ihr Lebensraum, der Mount Chaperone, sorgt für mit seinen umgebenden Wolkenformationen den für das Überleben der Region notwendigen Niederschlag. Von Nadzikambia nubila sind bisher nur Weibchen bekannt, Männchen hat man noch keine gefunden. Die Chamäleons bewohnen Feuchtwald in Höhen zwischen 1017 und 1053 m, wobei sich die vorhandene Waldfläche seit 2009 vor allem durch Brandrodung und Abholzung mehr als halbiert hat. Aktuell sind gerade einmal 7 km² noch vorhanden. Zusätzlich scheinen sich die höchsten Lagen des Mount Chaperone, die weniger von menschlichem Zutun bedroht sind, von geschlossenen Waldflächen zu mehr Granitflächen zu wandeln. Die Autoren vermuten, dass dies auf den Klimawandel zurückgehen könnte.

Die bereits bekannte Art Nadzikambia mlanjensis steht leider in Sachen Bedrohung den neuen Arten in nichts nach. Und das, obwohl sie auf Höhen zwischen 600 und fast 2000 m vorkommt, womit sie deutlich variablere Lebensräume bewohnt. Die vor Jahrzehnten auf dem Mount Mlanje in Malawi geschlossene Waldfläche besteht heute nur noch aus winzigen, voneinander isolierten Waldfragmenten. Insgesamt sind vielleicht noch 12 km² übrig, der Rest wurde bereits abgeholzt. Auch vom Ruo Gorge Forest, dem ersten Fundort der Art, ist nicht mehr viel über. Ob Nadzikambia mlanjensis auch auf dem nahe gelegenen Mount Mchese vorkommt, ist noch ungeklärt.

Etwas besser scheint es noch die sechste und letzte Art der Gattung getroffen zu haben, Nadzikambia baylissi. Die Art kommt in Feuchtwäldern zwischen 1000 und 1400 m auf dem Mount Mabu in Mosambik vor. Hier ist der Wald noch weitestgehend intakt, auch wenn die Waldränder mit Brandrodung zu kämpfen haben. Ob die angenommenen 48 km² Lebensraum für diese Chamäleonart noch aktuell sind, ist jedoch nicht vollständig geklärt.

Sky islands of Mozambique harbour cryptic species of chameleons: Description of four new species of sylvan chameleons (Squamat: Chamaeleonidae: Nadzikambia Tilbury, Tolley & Branch, 2006)
Krystal A. Tolley, Werner Conradie
Vertebrate Zoology 76, 2026: 207-246
DOI: 10.3897/vz.76.e178403
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Fotos: Von links oben nach rechts unten Nadzikambia franklinae, Nadzikambia goodallae, Nadzikambia avanescens und Nadzikambia nubila

Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons

Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons

Beobachtungen Wissenschaft

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich im Zuge einer Beobachtungsstudie mit dem Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons Bradypodion damaranum beschäftigt. Ort der Studie war ein Park in George in der Provinz Westkap. Der Park wird vorwiegend von Fußgängern, Radfahrern und Hundehaltern zur Erholung genutzt, so dass die Chamäleons dort an Menschen in gewissem Rahmen gewöhnt sind.

Sechs adulte Bradypodion damaranum wurden abends im Licht von Taschenlampen gefunden und mit Transmittern versehen. Die Transmitter wurden mit Gewebekleber an die Flanke geklebt. Tagsüber wurde dann je ein Chamäleon von einem Wissenschaftler für bis zu 4,5 h beobachtet, darunter auch unbesenderte Tiere. Anschließend wurden die besenderten Chamäleons aufgesucht und die Sender wieder entfernt.

Insgesamt konnten 30 Chamäleons beobachtet werden, davon sechs besenderte und 24 unbesenderte Tiere. Bei steigenden Temperaturen mit Spitzen zwischen 36 und 40°C um die Mittagszeit konnten insgesamt sechs Bradypodion damaranum dabei beobachtet werden, wie sie sich zügig in schattigere, niedriger gelegenere Bereiche der Vegetation verzogen. Die meisten färbten sich dabei deutlich heller als zuvor. An einem anderen Tag lagen die Temperaturen bei Sonnenaufgang erst bei 8°C. Mehrere Chamäleons wurden dabei beobachtet, wie sie sich sehr langsam zu Sonnenplätzen bewegten. Zwei wurden bei 12°C bei der Futteraufnahme beobachtet.

Zudem wurde zwei Mal verschiedene Bradypodion damaranum bei der Aufnahme reifer Beeren von Fruchtsträuchen (Halleria lucida) gesehen. Frugivorie war bisher von dieser Art nicht bekannt. Ein weiteres Chamäleon wurde dabei beobachtet, wie es die Blüte eines Blitzstrauches (Clutia pulchella) verzehrte. Insgesamt scheint dies aber selten vorzukommen, da es während 142 Stunden Beobachtungszeit nur wenige Male beobachtet werden konnte.

Natural history observation of the Knsysna Dwarf Chameleon, Bradypodion damaranum (Boulenger, 1887): thermal extremes and feeding on flora
Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander
Herpetology Notes 19, 2026: 219-228.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Ein Bradypodion damaranum, dass vor den steigenden Temperaturen Zuflucht am Stamm eines Karminroten Zylinderputzers (Callistemon citrinus) gesucht hat, aus der genannten Publikation

Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Neubeschreibungen Wissenschaft

Der Chamaeleo dilepis-Komplex wirft nach wie vor sehr viele Fragen auf. Eine weite Teile Afrikas übergreifende Untersuchung der Genetik und der Morphologie steht noch aus. 2025 beschrieb Nečas im von ihm selbst veröffentlichten Magazin Archaius die Art Chamaeleo incognitus. Außerdem erhob er die Unterarten Chamaeleo dilepis roperi sowie Chamaeleo dilepis martensi in den Artstatus. Südafrikanische Forscher haben sich nun noch einmal eingehender mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass sowohl die Neubeschreibung als auch die Artstatusänderungen ungültig sind.

Die Autoren des aktuellen Papers weisen auf mehrere Probleme hin, die dieser Artbeschreibung zugrunde liegen. Einmal geht Nečas davon aus, dass ein konserviertes Chamäleon aus Mombasa (Kenia) das „echte“ Chamaeleo dilepis ist. Die Typuslokalität von Chamaeleo dilepis ist jedoch Gabun, rund 3300 km von den ostafrikanischen Chamaeleo dilepis entfernt. Des Weiteren existieren vom Holotyp, also dem zuerst unter dem Namen Chamaeleo dilepis beschriebenen Tier, gar keine ausführliche Beschreibung der Hemipenes. Lediglich eine Publikation aus 2007 erwähnt die Hemipenes von Chamaeleo dilepis kurz in neun Worten. Trotzdem nutzt Nečas diese paar Worte als feststehende Beschreibung und erklärt, dass die Hemipenes von Chamaeleo incognitus davon abwichen. Was er dann sehr knapp beschreibt, entspricht jedoch den Hemipenes von Chamaeleo dilepis roperi. In den Fotos der Hemipenes von Chamaeleo incognitus erkennen die südafrikanischen Wissenschaftler – nur um die Verwirrung noch zu erhöhen – jedoch die gleichen Merkmale wie die an den Hemipenes der Chamaeleo dilepis aus Mombasa.

Dazu kommt, dass bereits eine Veröffentlichung 2022 mittels genetischer Untersuchungen feststellte, dass die Chamaeleo dilepis Ostafrikas sich deutlich von den Chamaeleo dilepis Westafrikas unterscheiden. Dabei bilden sowohl die Tiefland- als auch die Hochlandarten Ostafrikas eine zusammengehörige Clade. Rein äußerlich sind die Chamaeleo dilepis roperi aus dem Küstengebiet und die aus dem Hochland dabei nicht sicher zu unterscheiden. Würde man also eine der beiden Populationen als eigene Art – hier die im Hochand als Chamaeleo incognitus – beschreiben wollen, bräuchte es dafür genetische Beweise. Diese fehlen in der Veröffentlichung von Nečas. Es bleibt als einziger Artunterschied der unterschiedliche Lebensraum bzw. die Höhenlage – das ist für die südafrikanischen Wissenschaftler nicht ausreichend, um eine eigene Art zu beschreiben. Chamaeleo incognitus ist daher als Synonym zu Chamaeleo dilepis roperi zu sehen.

Die Beschreibung erfolgte außerdem nicht nach den Regeln des ICZN (international code of zoological nomenclature).  Gängige „best practice“-Regeln wie beispielsweise ein Hinweis auf den Interessenskonflikt wurden nicht beachtet. Dazu zählt beispielsweise, einen Artikel ohne Begutachtung durch Fachkundige (sogenanntes Peer Review) im eigenen Magazin zu veröffentlichen.

Chamaeleo incognitus or Chamaeleo ignotus? Questioning the taxonomic validity of a new chameleon species
Devon C. Main, Colin R. Tilbury
African Journal of Herpetology, April 2026
DOI: 0.1080/21564574.2025.2595158
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Foto: Chamaeleo dilepis aus Botswana