Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Eine Studie zur Verbreitung und den Lebensräumen verschiedener Chamäleonarten wurde kürzlich in Vohimana in Madagaskar durchgeführt. Das Reservat Vohimana liegt zwischen 800 und 1000 m Höhe im östlichen Hochland der Insel. Es erstreckt sich über eine Fläche von 15 km², davon 6 km² Primärregenwald, 8,5 km² Sekundärvegetation und etwas über 1 km² Eukalyptusforst. Die Regenzeit reicht von Oktober bis Mai und ist vor allem von vermehrtem Regen gekennzeichnet, wobei die Trockenzeit ebenfalls über verhältnismäßig viele Niederschläge verfügt.

An insgesamt 195 Tagen, davon 158 in der Regenzeit und 37 in der Trockenzeit wurden Chamäleons innerhalb des Reservats entlang der vorhandenen Wege mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen insgesamt 350 km Strecke. 80% der Datenerhebung fand nachts statt, nur 20% tagsüber. Jedes gefundene Chamäleon wurde fotografiert sowie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und UV-Index am Fundort gemessen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

Während der gesamten Studienzeit konnten 577 Chamäleons dokumentiert werden. Darunter befanden sich ein einziges Calumma brevicorne, sieben Furcifer willsii, zwei Brookesia ramanantsoai, sieben Brookesia thieli, 143 Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni (zusammengefasst zu einer Gruppe), 53 Calumma furcifer, 207 kleine Calumma des nasutum-Komplexes (auf Grund von Schwierigkeiten bei der der rein äußerlichen Artbestimmung zu einer Gruppe zusammengefasst), 24 Calumma parsonii, 118 Calumma pinocchio, 11 Furcifer bifidus und 4 Furcifer pardalis.

Am häufigsten in Vohimana waren Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni, kleine Chamäleons des Calumma nasutum-Komplex und Calumma pinocchio. Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni und Calumma furcifer wurden nur selten außerhalb des Primärwaldes aufgefunden. Calumma pinocchio war am häufigsten in einem kleinen Primärwaldrest im Nordosten des Reservats zu finden. Alle übrigen Arten konnten die Wissenschaftler sowohl in Primärwald als auch in Sekundärvegetation immer wieder entdecken. Calumma parsonii, Calumma pinocchio als auch Arten des nasutum-Komplexes wurden häufig im Bereich von Waldrändern gefunden.

Die Temperaturen der Fundorte lagen in der Regenzeit durchschnittlich bei 24,2°C, in der Trockenzeit dagegen bei durchschnittlich 18,3°C. Während der Regenzeit wurden tagsüber mehr Chamäleons an Orten mit höherem UV-Index gemessen (durchschnittlich 0,5). Die relative Luftfeuchtigkeit war in Vohimana das ganze Jahr über hoch mit einem Durchschnitt über 90% für beide Jahreszeiten. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Chamäleonarten waren eher gering, was die Mikroklimata anging. Einzelne Furcifer pardalis und Furcifer willsii wurde zu den höchsten gemessenen Tages- und Nachttemperaturen (29°C und 27,5° tagsüber, 25°C nachts) gefunden. Diese beiden Arten sonnten auch im höchsten durchschnittlich gemessenen UVI (8,2 für Furcifer pardalis und 7,7 für Furcifer willsii). Die UV-Indizes aller übrigen Arten lagen im Durchschnitt deutlich niedriger.

Diversity, distribution, and microclimatic conditions experienced by the chameleons of the Vohimana Reserve, Madagascar
Olivier Marquis, Marc Gansuana, Sébastian Métrailler
Herpetological Conservation and Biology 21(1), 2026: 101-119
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Calumma pinocchio im Reservat von Vohimana, fotografiert von Alex Negro

Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika

Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika

Verbreitung Wissenschaft

Ein polnischer Biologe hat kürzlich ausgewertet, wie viele eingeschleppte Reptilien- und Amphibienarten es in Subsahara-Afrika gibt.

Unter den in andere Länder eingeschleppte Arten finden sich auch einige Chamäleons: Das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) wurde bereits vor 1830 in La Réunion eingeführt. Es kommt bis heute auf der Insel vor. Das Kap-Zwergchamäleon (Bradypodion pumilum) wurde in den 1990er Jahren in Namibia ausgesetzt und bildete kleine Populationen in Swakopmund, Walvis Bay, Lüderitz und Windhoek. Alle diese Populationen sind heute jedoch ausgestorben. Das Parsons Chamäleon (Calumma parsonii parsonii) wurde in den 1960er Jahren von Madagaskar nach Mauritius gebracht. Eine überlebensfähige Population wurde daraus jedoch nicht. Das Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) wurde vor 1978 in die südafrikanische Provinz Freistaat verschleppt, scheint dort aber ebenfalls keine eigenständige Population gebildet zu haben. Und zuletzt wurden verschiedene Zwergchamäleon-Arten (Bradypodion ssp.) im Jahr 1939 in die Provinz Freistaat in Südafrika gebracht. Auch sie erzeugten keine bleibende Population.

Insgesamt sind vor allem Echsen in Subsahara-Afrika in fremde Länder eingeschleppt worden (23 Arten), direkt dahinter kommen Amphibien (21 Arten) und Schlangen (14 Arten). Die meisten eingeschleppten Arten werden in Südafrika beobachtet, außerdem aber auch in Madagaskar, den Maskarenen und umliegenden Inseln. Unklar ist, ob weiter nördlich gelegene afrikanische Länder eingeschleppte Arten geringer beobachten oder dort tatsächlich weniger vorhanden sind. Zwei Drittel der eingeschleppten Arten, die eigene Populationen etablierten konnten, kamen aus anderen Regionen Afrikas oder der umliegenden Inseln sowie dem Orient. Bei den Arten, die sich nach ihrer Verschleppung nicht vermehren konnten, sieht das deutlich anders aus.

Die frühesten Verschleppungen in Subsahara-Afrika sind aus dem 17. Jahrhundert bekannt, darunter der Vierkrallengecko (Gehyra mutilata) und der Maskarenenfrosch (Ptychadena mascareniensis). Mit dem Kolonialismus steigen die Zahlen verschleppter Arten stark an. Ein weiterer Peak liegt ab etwa 2000 mit steigendem internationalem Handel.

Die Gründe für die Verschleppungen sind vielfältig, zumeist aber passiert es unbeabsichtigt. Vor allem Geckos und Frösche werden häufig als blinde Passagiere mit Obsttransporten, Container auf Schiffen oder im Gepäck von Touristen verschleppt. Seltener werden Reptilien und Amphibien absichtlich ausgesetzt, wie im Fall des Kap-Zwerggecko (Lygodactylus capensis), der in einer Gärtnerei ausgesetzt wurde. Das Aussetzen von als Haustieren gehaltenen Reptilien und Amphibien führt meist nicht zur Etablierung von sich vermehrenden Populationen. Zwei Fälle von beabsichtigtem Aussetzen zur biologischen Kontrolle anderer Tierarten sind bekannt, ebenfalls drei beabsichtigte Freilassungen ohne Gründe.

Potenzielle Probleme der eingeschleppten Arten sind vor allem die Verdrängung anderer einheimischer Arten, aber auch das Fressen einheimischer Arten. Die Hybridisierung mit einheimischen Arten findet sehr selten statt. Die Verbreitung von Krankheiten, beispielsweise Parasitosen, ist ein häufiges Problem. Von verschleppten Chamäleons ist bisher keines dieser Probleme bekannt, allerdings gibt es auch vielerorts kaum Studien zum Thema.

Herping the African Continent: Alien Amphibians and Reptiles in Sub-Saharan Africa
Grzegorz Kopij
Biology 2026, 15: 639
DOI: 10.3390/biology15080639
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Foto: Ein Furcifer pardalis auf La Réunion, fotografiert von Jason Berger, CC BY 4.0

Vier neue Nadzikambia-Arten in Mosambik

Vier neue Nadzikambia-Arten in Mosambik

Neubeschreibungen Wissenschaft

Das South East Africa Montane Archipelago (SEAMA) erstreckt sich quer über den Norden Mosambiks und bis ins südliche Malawi hinein. Es handelt sich dabei um eine Kette rund 30 sogenannter Inselberge, die durch Täler völlig voneinander isoliert liegen. Sie sind seit Längerem bekannt als Hot Spots der Artenvielfalt. Über Jahrzehnte war es auf Grund anhaltender Unruhen schwierig, die Inselberge herpetologisch zu erkunden. Und als schließlich die Möglichkeit wieder bestand, fand man prompt neue Chamäleon-Arten – je eine auf jedem der bisher untersuchten Inselberge. Inzwischen wurden die neuen Arten genetisch und morphologisch untersucht. Vier neue Nadzikambia-Arten wurden dabei beschrieben.

Nadzikambia franklinae erhielt seinen Namen zu Ehren der britischen Biochemikerin Rosalind Franklin. Die Art kommt in den Feuchtwäldern Mahno und Ukalini auf dem Mount Namuli in Mosambik vor. Sie wurde bisher auf Höhen zwischen 1618 und 1632 m gefunden. Die Männchen tragen einen höheren und runderen Helm mit glatteren Schuppenkämmen als andere Nadzikambia-Arten. Die drei verbliebenen Lebensräume der Art sind nur je rund 0,67 km² groß und massiv von der Gewinnung von Flächen für kleinbäuerliche Landwirtschaft, wie Mais- und Kartoffelanbau, bedroht.

Nadzikambia goodallae wurde nach der kürzlich verstorbenen Schimpansenforscherin Jane Goodall benannt. Die Art lebt im Feuchtwald am Westhang des Mount Ribáuè in Mosambik.  Sie wurde bisher auf eng begrenzten Höhen zwischen 1052 und 1142 m entdeckt. Auch diese Art wird sehr stark von Brandrodung und Abholzung ihres Lebensraumes bedroht. Nur noch 4,8 km² Waldfläche sind aktuell übrig. Die Männchen von Nadzikambia goodallae tragen einen flachen, breiten Helm mit rauen Schuppen.

Nadzikambia evanescens wurde benannt nach dem lateinischen Wort für Vergänglichkeit. Es soll auf den extremen Bedrohungsstatus der Art hinweisen. Die Chamäleonart kommt nur noch in einem einzigen Feuchtwaldfragment auf dem Mount Inago in Mosambik vor. Allein seit 2009 wurden 85% der damals vorhandenen Waldfläche gerodet. Aktuell sind gerade einmal 2,3 km² noch vorhanden. Der kleine Lebensraum liegt auf 1235 bis 1281 m. Die Männchen der Art tragen einen hohen, runden Helm mit glatten Schuppenkämmen.

Nadzikambia nubila wurde benannt nach dem lateinischen Wort für Wolken. Ihr Lebensraum, der Mount Chaperone, sorgt für mit seinen umgebenden Wolkenformationen den für das Überleben der Region notwendigen Niederschlag. Von Nadzikambia nubila sind bisher nur Weibchen bekannt, Männchen hat man noch keine gefunden. Die Chamäleons bewohnen Feuchtwald in Höhen zwischen 1017 und 1053 m, wobei sich die vorhandene Waldfläche seit 2009 vor allem durch Brandrodung und Abholzung mehr als halbiert hat. Aktuell sind gerade einmal 7 km² noch vorhanden. Zusätzlich scheinen sich die höchsten Lagen des Mount Chaperone, die weniger von menschlichem Zutun bedroht sind, von geschlossenen Waldflächen zu mehr Granitflächen zu wandeln. Die Autoren vermuten, dass dies auf den Klimawandel zurückgehen könnte.

Die bereits bekannte Art Nadzikambia mlanjensis steht leider in Sachen Bedrohung den neuen Arten in nichts nach. Und das, obwohl sie auf Höhen zwischen 600 und fast 2000 m vorkommt, womit sie deutlich variablere Lebensräume bewohnt. Die vor Jahrzehnten auf dem Mount Mlanje in Malawi geschlossene Waldfläche besteht heute nur noch aus winzigen, voneinander isolierten Waldfragmenten. Insgesamt sind vielleicht noch 12 km² übrig, der Rest wurde bereits abgeholzt. Auch vom Ruo Gorge Forest, dem ersten Fundort der Art, ist nicht mehr viel über. Ob Nadzikambia mlanjensis auch auf dem nahe gelegenen Mount Mchese vorkommt, ist noch ungeklärt.

Etwas besser scheint es noch die sechste und letzte Art der Gattung getroffen zu haben, Nadzikambia baylissi. Die Art kommt in Feuchtwäldern zwischen 1000 und 1400 m auf dem Mount Mabu in Mosambik vor. Hier ist der Wald noch weitestgehend intakt, auch wenn die Waldränder mit Brandrodung zu kämpfen haben. Ob die angenommenen 48 km² Lebensraum für diese Chamäleonart noch aktuell sind, ist jedoch nicht vollständig geklärt.

Sky islands of Mozambique harbour cryptic species of chameleons: Description of four new species of sylvan chameleons (Squamat: Chamaeleonidae: Nadzikambia Tilbury, Tolley & Branch, 2006)
Krystal A. Tolley, Werner Conradie
Vertebrate Zoology 76, 2026: 207-246
DOI: 10.3897/vz.76.e178403
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Fotos: Von links oben nach rechts unten Nadzikambia franklinae, Nadzikambia goodallae, Nadzikambia avanescens und Nadzikambia nubila

Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons

Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons

Beobachtungen Wissenschaft

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich im Zuge einer Beobachtungsstudie mit dem Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons Bradypodion damaranum beschäftigt. Ort der Studie war ein Park in George in der Provinz Westkap. Der Park wird vorwiegend von Fußgängern, Radfahrern und Hundehaltern zur Erholung genutzt, so dass die Chamäleons dort an Menschen in gewissem Rahmen gewöhnt sind.

Sechs adulte Bradypodion damaranum wurden abends im Licht von Taschenlampen gefunden und mit Transmittern versehen. Die Transmitter wurden mit Gewebekleber an die Flanke geklebt. Tagsüber wurde dann je ein Chamäleon von einem Wissenschaftler für bis zu 4,5 h beobachtet, darunter auch unbesenderte Tiere. Anschließend wurden die besenderten Chamäleons aufgesucht und die Sender wieder entfernt.

Insgesamt konnten 30 Chamäleons beobachtet werden, davon sechs besenderte und 24 unbesenderte Tiere. Bei steigenden Temperaturen mit Spitzen zwischen 36 und 40°C um die Mittagszeit konnten insgesamt sechs Bradypodion damaranum dabei beobachtet werden, wie sie sich zügig in schattigere, niedriger gelegenere Bereiche der Vegetation verzogen. Die meisten färbten sich dabei deutlich heller als zuvor. An einem anderen Tag lagen die Temperaturen bei Sonnenaufgang erst bei 8°C. Mehrere Chamäleons wurden dabei beobachtet, wie sie sich sehr langsam zu Sonnenplätzen bewegten. Zwei wurden bei 12°C bei der Futteraufnahme beobachtet.

Zudem wurde zwei Mal verschiedene Bradypodion damaranum bei der Aufnahme reifer Beeren von Fruchtsträuchen (Halleria lucida) gesehen. Frugivorie war bisher von dieser Art nicht bekannt. Ein weiteres Chamäleon wurde dabei beobachtet, wie es die Blüte eines Blitzstrauches (Clutia pulchella) verzehrte. Insgesamt scheint dies aber selten vorzukommen, da es während 142 Stunden Beobachtungszeit nur wenige Male beobachtet werden konnte.

Natural history observation of the Knsysna Dwarf Chameleon, Bradypodion damaranum (Boulenger, 1887): thermal extremes and feeding on flora
Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander
Herpetology Notes 19, 2026: 219-228.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Ein Bradypodion damaranum, dass vor den steigenden Temperaturen Zuflucht am Stamm eines Karminroten Zylinderputzers (Callistemon citrinus) gesucht hat, aus der genannten Publikation

Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Neubeschreibungen Wissenschaft

Der Chamaeleo dilepis-Komplex wirft nach wie vor sehr viele Fragen auf. Eine weite Teile Afrikas übergreifende Untersuchung der Genetik und der Morphologie steht noch aus. 2025 beschrieb Nečas im von ihm selbst veröffentlichten Magazin Archaius die Art Chamaeleo incognitus. Außerdem erhob er die Unterarten Chamaeleo dilepis roperi sowie Chamaeleo dilepis martensi in den Artstatus. Südafrikanische Forscher haben sich nun noch einmal eingehender mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass sowohl die Neubeschreibung als auch die Artstatusänderungen ungültig sind.

Die Autoren des aktuellen Papers weisen auf mehrere Probleme hin, die dieser Artbeschreibung zugrunde liegen. Einmal geht Nečas davon aus, dass ein konserviertes Chamäleon aus Mombasa (Kenia) das „echte“ Chamaeleo dilepis ist. Die Typuslokalität von Chamaeleo dilepis ist jedoch Gabun, rund 3300 km von den ostafrikanischen Chamaeleo dilepis entfernt. Des Weiteren existieren vom Holotyp, also dem zuerst unter dem Namen Chamaeleo dilepis beschriebenen Tier, gar keine ausführliche Beschreibung der Hemipenes. Lediglich eine Publikation aus 2007 erwähnt die Hemipenes von Chamaeleo dilepis kurz in neun Worten. Trotzdem nutzt Nečas diese paar Worte als feststehende Beschreibung und erklärt, dass die Hemipenes von Chamaeleo incognitus davon abwichen. Was er dann sehr knapp beschreibt, entspricht jedoch den Hemipenes von Chamaeleo dilepis roperi. In den Fotos der Hemipenes von Chamaeleo incognitus erkennen die südafrikanischen Wissenschaftler – nur um die Verwirrung noch zu erhöhen – jedoch die gleichen Merkmale wie die an den Hemipenes der Chamaeleo dilepis aus Mombasa.

Dazu kommt, dass bereits eine Veröffentlichung 2022 mittels genetischer Untersuchungen feststellte, dass die Chamaeleo dilepis Ostafrikas sich deutlich von den Chamaeleo dilepis Westafrikas unterscheiden. Dabei bilden sowohl die Tiefland- als auch die Hochlandarten Ostafrikas eine zusammengehörige Clade. Rein äußerlich sind die Chamaeleo dilepis roperi aus dem Küstengebiet und die aus dem Hochland dabei nicht sicher zu unterscheiden. Würde man also eine der beiden Populationen als eigene Art – hier die im Hochand als Chamaeleo incognitus – beschreiben wollen, bräuchte es dafür genetische Beweise. Diese fehlen in der Veröffentlichung von Nečas. Es bleibt als einziger Artunterschied der unterschiedliche Lebensraum bzw. die Höhenlage – das ist für die südafrikanischen Wissenschaftler nicht ausreichend, um eine eigene Art zu beschreiben. Chamaeleo incognitus ist daher als Synonym zu Chamaeleo dilepis roperi zu sehen.

Die Beschreibung erfolgte außerdem nicht nach den Regeln des ICZN (international code of zoological nomenclature).  Gängige „best practice“-Regeln wie beispielsweise ein Hinweis auf den Interessenskonflikt wurden nicht beachtet. Dazu zählt beispielsweise, einen Artikel ohne Begutachtung durch Fachkundige (sogenanntes Peer Review) im eigenen Magazin zu veröffentlichen.

Chamaeleo incognitus or Chamaeleo ignotus? Questioning the taxonomic validity of a new chameleon species
Devon C. Main, Colin R. Tilbury
African Journal of Herpetology, April 2026
DOI: 0.1080/21564574.2025.2595158
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Foto: Chamaeleo dilepis aus Botswana

Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen

Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen

Wissenschaft

Zoologen der Universität von Johannesburg haben sich kürzlich damit beschäftigt, welche Futtertiere von Zwergchamäleons in verschiedenen Lebensräumen aufgenommen werden. Dazu sammelten sie jeweils in den Provinzen Westkap und Ostkap in Südafrika Chamäleons  der beiden Arten Bradypodion damaranum und Bradypodion ventrale. Die Tiere wurden für maximal 24 h gehältert, bis Kot abgesetzt wurde. Insgesamt konnten so 22 Kotproben gewonnen werden, elf von jeder Art. Davon stammten jeweils sechs Kotproben aus natürlichen Habitaten und fünf aus städtischem Umfeld.

Die verschiedenen Kotproben wurden mittels DNA-Analysen ausgewertet. Anschließend wurden statistisch untersucht, welche unterschiedlichen Nahrungsbestandteile in den verschiedenen Populationen von Zwergchamäleons gefunden worden waren.

41 verschiedene Arten von Arthropoden sowie eine Art Wurm, vermutlich von einem Mistkäfer, wurden im Kot gefunden. Die Schmeißfliege Stomorhina lunata war am häufigsten als Futtertier vertreten, direkt gefolgt von einer Baumwanze (Glypsus conspicuus) und einer Raubwanze (Rhynocoris kumari). Sowohl Bradypodion damaranum als auch Bradypodion ventrale ernährte sich hauptsächlich von Käfern, Zweiflüglgern, Schmetterlingen und Schnabelkerfen.

Zur Überraschung der Wissenschaftler stellte sich heraus, dass sich die Nahrung der beiden Chamäleonarten in unterschiedlichen Lebensräumen kaum voneinander unterschied. Insgesamt zeigten sich Unterschiede vor allem auf Art- und weniger auf Ordnungsebene. Die Populationen in natürlichen Lebensräumen ernährten sich dabei unter anderem von etwas mehr Fliegen und Spinnentieren, während die im städtischen Umfeld mehr auf Schmetterlinge zurückgriffen. Erstmals als Futtertiere von Bradypodion wurden Netzflügler, Fransenflügler und Köcherfliegen dokumentiert.

Peri-urban sustenance: unexpectedly broad overlap in dwarf chameleon (Bradypodion) diets between natural and transformed habitats
Matthew G. Adair, Peter R. Teske, Krystal A. Tolley
Urban Ecosystems 2026, 29:92.
DOI: nicht verfügbar
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Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Das aktuell kleinste Chamäleon der Welt wurde vor wenigen Jahren in Sorata im Norden Madagaskars entdeckt. Der Wald von Sorata gehört zum Korridor Marojejy-Anjanaharibe Süd-Tsaratanana, einem Gebiet von fragmentierten Waldresten zwischen den genannten großen Nationalparks und dem Réserve Naturelle Intégrale. Er wird derzeit vom WWF in Zusammenarbeit mit einer lokalen Organisation namens Ambodimandresy Miaro ny Ala verwaltet.

Wissenschaftler der Universitäten von Antsiranana und Antananarivo haben nun in Sorata die Bestandsdichte von Brookesia nana untersucht. 14 Tage lang suchten sie während der Regenzeit nachts entlang 14 je 150 m langer Transekte nach den kleinen Chamäleons.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler 0,33 Individuen pro 100 m. Konkret bedeutet das, dass auf 2100 m Transekt nur sieben Brookesia nana überhaupt gefunden wurden. Die Weibchen waren etwas größer als die Männchen. Alle Chamäleons wurden auf sehr niedrigen Pflanzen schlafend gefunden, im Schnitt nur 7 cm über dem Boden.

Das niedrige Vorkommen macht weitere Studien in weiteren Wäldern des COMATSA-Korridors notwendig, um die exakte Verbreitung von Brookesia nana herauszufinden. Interessant ist außerdem, dass Brookesia nana offenbar seltene vorzukommen scheint als andere Arten der minima-Gruppe und damit möglicherweise eine höhere Gefährdung der Art vorliegt.

A brief overview of the natural history of the recently described, miniaturised leaf chameleon, Brookesia nana Glaw et al., 2021, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Asmeralie Willian, Crispin Jaohasy, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 19, 2026: 123-128.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia nana, die in der genannten Studie gefunden wurden, fotografiert von Asmeralie William

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Die Tsingy de Namoroka liegen im heißen Westen Madagaskars. Sie bestehen aus nadelspitzem Karstgestein mit Grotten darunter und umgeben von Trockenwaldfragmenten. Obwohl die Tsingy inzwischen ein Nationalpark sind, ist der Zugang mangels jeglicher Infrastruktur und Wegen bisher nur äußerst schwierig und während der Regenzeit sogar überhaupt nicht möglich.

Die Wissenschaftler führten an drei verschiedenen Orten innerhalb des Nationalparks Übersichtsstudien durch. Dazu nutzten sie jeweils drei 1000 bis 1500 m Transektlinien an jedem Ort und Grubenfallen. Zusätzlich wurden spezielle Lebensräume wie Grotten gezielt aufgesucht.

Insgesamt wurden 57 Tierarten in Namoroka nachgewiesen werden, davon 41 Reptilienarten. An allen drei untersuchten Standorten konnten Brookesia brygooi, Furcifer angeli und Furcifer oustaleti nachgewiesen werden. Das in Namoroka endemische Brookesia bonsi dagegen konnte nur an einem einzigen Standort gefunden werden. Es handelt sich dabei um ein 87 m „hoch“ gelegenes Gebiet mit Bäumen zwischen 6 und 15 m Höhe und relativ offenem Blätterdach. Das Gebiet zeichnet sich durch dichtes, nahezu undurchdringbares Unterholz vor allem in feuchten, felsigen Schluchten zwischen den Tsingy aus.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Brandrodung und daraus resultierende, unkontrollierbare Buschfeuer nach wie vor ein großes Risiko für die Lebensräume der Tiere in Namoroka darstellt. Auch Holzschlag sowie das Ernten wilden Honigs, wilden Wurzelknollen und Heilpflanzen sorgt dafür, dass die Lebensräume des Nationalparks gestört werden. Auch Zebus werden zum Weiden in den Nationalpark getrieben. Der tatsächliche Schutz des Gebiets ist auf Grund der ablegenen Lage und der hohen Armut der Bevölkerung vor Ort sehr schwierig.

Aperçu des amphibiens et des reptiles du Parc National de Namoroka: Diversité biologique, intérêt biogéographique et représentativité en matière de conservation
Hajaniaina Rasoloarison, Bernard Ranriamahatantsoa, Nirhy Rabibisoa, Christopher J. Raxworthy
Malagasy Nature 2026, 20: 30-46.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia bonsi in Namoroka, aus der genannten Publikation

Online Vortrag über Herpetologie in Südafrika

Online Vortrag über Herpetologie in Südafrika

Vorträge Webinare Wissenschaft

Am Mittwoch, den 11.02.2026, wird Wade Stanton-Jones einen online Vortrag über seine Forschung in Südafrika halten.

Wade ist der neue Vertreter für Studierende und Nachwuchswissenschaftler der Herpetological Association of Africa (HAA). Er wird über seine bisherigen und aktuelle Forschungsarbeiten sprechen und darüber informieren, was Studierende und Nachwuchswissenschaftler in den nächsten Monaten erwartet. Wade hat bisher vor allem am Riesen-Gürtelschweif Smaug giganteus geforscht. Weitere seiner Arbeiten beschäftigten sich jedoch auch intensiv mit den Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion, von denen es in Südafrika mehrere Arten gibt. Bitte meldet euch bei Interesse am Vortrag über diesen Link zur Teilnahme an. Die Teilnahme am Webinar ist kostenlos.

Wade Stanton-Jones A brief journey in African Herpetology: Community, Research, and the road ahead
Online Webinar
Vortragsbeginn 17.00 Uhr (Achtung Zeitverschiebung! In Johannisburg ist es dann 18 Uhr wie in der Vortragsankündigung angegeben.)

Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Verbreitung Wissenschaft

Dass Chamaeleo africanus in der Lagune von Gialova, Region Pylos (Griechenland) vorkommt, ist inzwischen lange bekannt. Es unterscheidet sich nicht nur optisch, sondern auch genetisch von den im südlichen Europa relativ weit verbreiteten Chamaeleo chameleon. Sporadische Berichte von weiteren Vorkommen von Chamaeleo africanus in Griechenland gibt es immer wieder, bisher fehlte jedoch ein wissenschaftlicher Nachweis der Art in anderen Gebieten als Pylos.

Wissenschaftler haben nun eine zweite Population der Art identifiziert. Sie konnten mindestens sieben Individuen der Art rund 130 km nördlich der Gialova-Laguna auf dem Peloponnes finden. Die Chamäleons leben in einem Natura 2000-Gebiet namens Limnothalassa Kalogrias /Dasos Strogylias Kai Elos Lamias. Ein Jungtier wurde per Backenabstrich beprobt, um genetisch die Art Chamaeleo africanus zu bestätigen.

Genetic evidence for the presence of Chamaeleo africanus in Greece outside the Pylos region
Erika Lego, Maria Koutsokali, Michael Valachas
Conservation Genetics Resourecs 18(5), 2026
DOI: 0.1007/s12686-026-01409-w
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Foto: Chamaeleo africanus, fotografiert von Benny Trapp, CC BY-SA 3.0