Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Tiermedizin Wissenschaft

Tierärzte der Uni Gießen und Exomed haben kürzlich eine retrospektive Studie zu Parasitenbefall bei Chamäleons in Menschenobhut durchgeführt. Dazu wurden zwischen 2012 und 2019 insgesamt 670 Kotproben von Chamäleons untersucht. Über 85% davon stammten von Privathaltern aus ganz Deutschland, die die Kotproben selbst zu ExoMed eingesandt hatten. 10% der Proben waren von Tierärztinnen und Tierärztinnen direkt eingeschickt worden, der Rest stammte aus Zoos. Alle Kotproben wurden mittels Nativausstrichen untersucht. Zusätzlich wurden 31 tote Chamäleons obduziert, aus deren Darm weitere Kotproben für Nativausstriche und Anzucht von Bakterien entnommen wurden.

Fast drei Viertel aller Kotproben stammte von Panther- und Jemenchamäleon (Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus). Danach rangierten weit abgeschlagen mit 15% Kotproben, bei denen die Chamäleonart auf dem Einsendeformular leider nicht angegeben worden war. Die übrigen Kotproben teilten sich auf 23 weitere Chamäleonarten auf. In über einem Drittel aller eingesandten Kotproben konnten Parasiten nachgewiesen werden. In absteigender Reihenfolge der Häufigkeit waren dies Oxyuriden-Eier, Kokzidien-Oozysten, begeißelte Protozoen („Flagellaten“), Heterakiden-Eier, dünnschalige Nematodeneier (Strongyloides oder Rhabdias spp.), Trematodeneier, Pentastomideneier, Spulwurmeier, Amöbenzysten und Physalopteroides-Eier. Bandwurmeier wurden in keiner Kotprobe gefunden.

In knapp 10% der positiv getesteten Chamäleonkotproben wurde mehr als eine Parasitengattung gleichzeitig gefunden. Die häufigsten davon waren Kokzidien und Nematoden, weniger häufig traten Nematoden parallel zu Geißeltierchen oder Kokzidien parallel zu Geißeltierchen auf. Chamaeleo calyptratus hatte überdurchschnittlich häufig Oxyuriden im Vergleich zu Furcifer pardalis. Es fanden sich keine Zusammenhänge zwischen Parasitenbefall und Alter oder Geschlecht der Chamäleons.

Bei 61% der obduzierten toten Chamäleons zeigte sich Parasitenbefall, wobei dies bei mindestens 40% auch die Todesursache war. In absteigender Reihenfolge waren die zuletzt genannten an Kokzidien, Heterakiden, Oxyuriden und je ein Einzeltier an einer Coinfektion aus Leptomonaden, Trichomonaden und Filarien sowie einer Coinfektion mit Leptomonaden und Trichomonaden verstorben. Andere Todesursachen waren Gicht, Pilzbefall, bakterielle Infektionen, Verstopfung, mechanische Traumata, Adenokarzinome, Mangelernährung und Hypervitaminose D3 (bei den beiden letzten jeweils ein Einzeltier). Nur bei zwei der 31 Chamäleons konnte die Todesursache nicht sicher ermittelt werden.

Gastrointestinal protozoan and helminth parasite infections in captive chameleons in Germany
Paula Sapion-Miranda, Anja Taubert, Carlos Hermosilla, Malek J. Hallinger
Parasitology Research 125, 2026: 69
DOI: 10.1007/s00436-026-08704-3
Kostenloser Download des Artikels

Fotos: Von links oben nach rechts unten Aufnahmen eines Oxyuriden-Ei, einer Isospora-Oozyste, einem angefärbten Leptomonas-Throphozoit, eines Trematoden-Ei, eines Pentastomiden-Ei und eines Spulwurmei aus den Kotproben verschiedener Chamäleons, Bilder aus der genannten Publikation

[:de]Parasitenbehandlung bei Erdchamäleons[:en]Parasite treatment in leaf chameleons[:]

[:de]Parasitenbehandlung bei Erdchamäleons[:en]Parasite treatment in leaf chameleons[:]

Tiermedizin

[:de]

Am letzten Wochenende fand die Herbsttagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten statt. Die AG ARK istmit über 500 Mitgliedern einer der stärksten Untergruppierungen der DGHT und gleichzeitig die größte Vereinigung von Tierärzten für Amphibien und Reptilien in Europa. Entsprechend war die Herbsttagung in Münster wie immer ausgebucht. Neben dem Hauptthema der Tagung, asiatische Schildkröten, wurde auch ein Fallbericht zur Parasitenbehandlung bei Erdchamäleons vorgestellt.

Dabei wurden 7,5 subadulte und adulte Brookesia stumpffi (5 Wildfänge, 7  deutsche Nachzuchten aus verschiedenen Haltungen) für ein Zuchtprojekt erworben. Kotuntersuchungen aller Erdchamäleons wurden durchgeführt. Dabei wurden in Flotation und Nativpräparaten massenweise Choleoeimeria spp., vermutlich Choleoeimeria brookesiae, bei nahezu allen Erdchamäleons gefunden. Zusätzlich waren vereinzelt Koinfektionen mit Heterakis spp. und Trematoden vorhanden. Im Kot mehrerer Tiere wurden strongyliden-artige Eier mit dünner Schale und Larve sowie adulte Nematoden gefunden. Ein Behandlungsprotokoll  mit Baycox 50 mg/ml (Elanco Animal Health, Rathausplatz 12, 61352 Bad Homburg, Wirkstoff Toltrazuril) an Tag 1, 7 und 14 sowie Panacur 10% (Intervet Deutschland, Feldstraße 1a, 85716 Unterschleißheim, Wirkstoff Fenbendazol) an Tag 3 und 13 erwies sich als erfolgreich. Die verdünnten Lösungen wurden mit einer 100 µl-Pipette ins Maul gegeben. Als praxistaugliches Protokoll wurden Kotuntersuchungen zu Beginn der Quarantäne sowie an Tag 14, 28 und 42 nach Behandlung vorgeschlagen.

Das größte Problem während der Behandlung stellte die Reinfektion mit Kokzidien-Oozysten aus der Umgebung dar. Die Erdchamäleons reinfizierten sich unter anderem über nicht entfernte Futtertiere sowie Kotreste an bekletterter Gaze und lebenden Pflanzen. Eine erfolgreiche Quarantäne wurde schließlich unter folgenden Parametern erreicht: Einzelhaltung ohne Sichtkontakt in getrennten Terrarien, täglicher Austausch des Küchenpapiers am Boden und eines frisch geschnittenen Holunderasts, Verwendung neuer Handschuhe für jedes Chamäleon, langsam bewegliches Futter aus täglich in kochendem Wasser desinfizierten Näpfen, wöchentliche Desinfektion mit gebrauchsfertigem Interkokask® (Albert Kerbl GmbH, Felizenzell 9, 84428 Buchbach, Wirkstoff Chlorkresol). Eine extrem strikte Einhaltung aller Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen war notwendig.

Parasitenbehandlung bei Erdchamäleons (Brookesia stumpffi)
Dr. Alexandra Laube
Tagungsband der 57. Arbeitstagung der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten, Schwerpunktthema: Asiatische Schildkröten
Münster, 04.-06. November 2022[:en]

Last weekend, the autumn meeting of the AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten (working group on amphibian and reptile diseases) took place. With over 500 members, the AG ARK is one of the strongest sub-groups of the DGHT and at the same time the largest association of veterinarians for amphibians and reptiles in Europe. Accordingly, the autumn meeting in Münster was fully booked as usual. Besides the main topic of the meeting, Asian turtles, one veterinarian presented a case report on parasite treatment in leaf chameleons.

In this case, 7.5 subadult and adult Brookesia stumpffi (5 wild-caught, 7 German offspring from different husbandries) were acquired for a breeding project. Fecal examinations of all terrestrial chameleons were carried out. Masses of Choleoeimeria spp., presumably Choleoeimeria brookesiae, were found in flotation and native preparations of almost all terrestrial chameleons. In addition, there were isolated co-infections with Heterakis spp. and trematodes. Strongylid-like eggs with thin shells and larvae as well as adult nematodes were found in the feces of several animals. A treatment protocol with Baycox 50 mg/ml (Elanco Animal Health, Rathausplatz 12, 61352 Bad Homburg, Germany, active ingredient toltrazuril) on days 1, 7, and 14 and Panacur 10% (Intervet Germany, Feldstraße 1a, 85716 Unterschleissheim, Germany, active ingredient fenbendazole) on day 3 and 13 proved successful. The diluted solutions were given into the mouth with a 100 µl pipette. Fecal examinations at the beginning of quarantine and on days 14, 28, and 42 after treatment were suggested as a practical protocol for veterinarians.

The biggest problem during treatment was reinfection with coccidial oocysts from the environment. The leaf chameleons reinfected themselves, among other things, via left feeders and fecal remains on climbed gauze and living plants. Successful quarantine was finally achieved under the following parameters: individual keeping without visual contact in separate terrariums, daily exchange of kitchen paper on the floor and a freshly cut elder branch, use of new gloves for each chameleon, slow-moving food from bowls disinfected daily in boiling water, weekly disinfection with ready-to-use Interkokask® (Albert Kerbl GmbH, Felizenzell 9, 84428 Buchbach, active ingredient chlorocresol). Extremely strict compliance with all cleaning and disinfection measures was necessary.

Parasite treatment in leaf chameleons (Brookesia stumpffi)
Dr. Alexandra Laube
Proceedings of the 57th Workshop of the WG Amphibian and Reptile Diseases, Focus: Asian Turtles
Münster, 04 – 06 November 2022[:]