Tagungsbericht 2026

Tagungsbericht 2026

Tagungsberichte

Vom 29. bis 31. Mai 2026 trafen sich die Mitglieder und Freunde der AG Chamäleons zu ihrer erst zweiten „Auswärtstagung“, die diesmal in Hannover stattfand. Bereits am Freitagabend kamen die ersten Teilnehmer im italienischen Restaurant XII Apostel im Pelikanviertel zusammen. Viele neue Gesichter sorgten für angeregte Gespräche und einen lebhaften Austausch. Selbst ein abendliches Unwetter konnte der guten Stimmung nichts anhaben, sodass der Auftakt der Tagung in entspannter Atmosphäre verlief.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Chamäleons. Nach der Begrüßung durch DGHT-Präsident Uli Joger im Stadtteilzentrum Lister Turm eröffnete Dr. Johannes Hetterich von der Tierärztlichen Hochschule Hannover das Vortragsprogramm. Der Fachtierarzt für Reptilien berichtete aus seinem Praxisalltag und stellte neben klassischen Fällen von Rachitis bei Jemenchamäleons auch eher ungewöhnliche Krankheitsbilder wie Aufnahmen eines Chamäleons mit einem Darmprolaps durch die Haut vor.

Anschließend gewährte Christoph Trappe Einblicke in ein sehr spezielles Haltungsprojekt. Im Kellerraum eines Mietshauses pflegt er verschiedene Trioceros-Arten und erläuterte, wie er die klimatischen Bedingungen für die Haltung montaner Chamäleons technisch umsetzen konnte. Dabei ging er offen auf die Herausforderungen ein, die von kleineren Überschwemmungen durch die Klimaanlage über die Ableitung warmer Lampenluft bis hin zu den Vor- und Nachteilen einer Haltung von Chamäleons außerhalb der eigentlichen Wohnräume generell reichen.

 

Dr. Alex Negro stellte danach den Bau mehrerer Außengehege für Parsons Chamäleons (Calumma parsonii parsonii) vor. Ihre Tiere verbringen bei geeigneter Witterung mehrere Sommermonate im Freien. Die automatische Beregnung über einen Perlschlauch erleichtert die Pflege erheblich, bringen jedoch auch unerwartete Besucher wie Wespen mit sich. Darüber hinaus müssen Außengehege zuverlässig gegen nächtliche Besucher wie Waschbären und Dachse, aber ebenso gegen menschliche Eindringlinge gesichert werden.

Nach der Mittagspause berichtete Dr. Timo Weiß über die erfolgreiche Haltung und Nachzucht des Namaqua-Chamäleons (Chamaeleo namaquensis), das aufgrund seiner Lebensweise oft als das „am wenigsten chamäleonartige Chamäleon“ bezeichnet wird. Die Art bewohnt offene Sandflächen und niedriges Buschwerk, jagt aktiv laufend nach Insekten und nutzt Feuchtigkeit am frühen Morgen als wichtige Wasserquelle. Besonders interessant waren die Beobachtungen zur Fortpflanzung, etwa die rosa Färbung paarungsbereiter Weibchen im Terrarium. Diskutiert wurde außerdem die Empfehlung einiger Halter, Männchen vor der Verpaarung über Nacht sehr kühl unterzubringen, um die Befruchtungsrate zu verbessern. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den rechtlichen Aspekten der Haltung. Da für die Art derzeit keine CITES-Quote besteht, sind lückenlose Herkunftsnachweise – hier über rund 20 Jahre – von Bedeutung.

 

Andreas Augustin widmete sich anschließend Calumma parsonii cristifer und den Besonderheiten des Reproduktionszyklus gegenüber Calumma parsonii parsonii. Sein Bestand geht auf ursprünglich beschlagnahmte Tiere zurück, die ihm zur Haltung und Nachzucht überlassen wurden. Er berichtete über Probleme wie dem sogenannten „Eierwerfen“ trächtiger Weibchen, Augenfehlbildungen bei bestimmten Verpaarungen sowie den teilweise erheblichen Farbunterschieden innerhalb der Populationen.

Ein Highlight des Nachmittags war der Fotowettbewerb, der in diesem Jahr wieder in zwei Kategorien ausgetragen wurde. Bei den Naturaufnahmen setzte sich Markus Bartels mit einem beeindruckenden Foto von Brookesia betschi aus dem Regenwald von Marojejy auf Madagaskar durch. In der Kategorie Terraristik überzeugte Benjamin Ludwig mit seiner Aufnahme eines Trioceros jacksonii merumontanus. Beide Gewinner erhielten ExoTerra Terrasky-UV-Lampen im Gesamtwert von 280 Euro. Weitere Platzierungen gingen bei den Naturaufnahmen an Thorsten Negro mit einem Teppichchamäleon sowie Lars Dwinger mit einer bislang unbeschriebenen Chamäleonart. In der Kategorie Terraristik belegten Michael Schuchard mit einem Kinyongia boehmei und Gerd Fritzsche mit zwei Bradypodion damaranum die Plätze zwei und drei. Sie wurden mit Gutscheinen von Der Terraristikladen beziehungsweise QB Insects ausgezeichnet.

Die Gewinner des Fotowettbewerbs: Hintere Reihe von links Dr. Gerd Fritzsche, Benjamin Ludwig, Lars Dwinger und AG-Sprecherin Alex Negro, vordere Reihe von links Michael Schuchard, Thorsten Negro und Markus Bartels

Im Anschluss nahm Dr. Philip-Sebastian Gehring die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Evolutions- und Forschungsgeschichte der madagassischen Chamäleons. Warum beherbergt gerade Madagaskar eine derart außergewöhnliche Vielfalt dieser Tiere? Wie gelangten ihre Vorfahren überhaupt auf die Insel? Und welche Erkenntnisse haben die letzten zwei Jahrzehnte gebracht? Besonders die modernen genetischen Untersuchungsmethoden haben zahlreiche neue Einblicke ermöglicht und viele lange offene Fragen beantwortet. Gleichzeitig zeigen sie, dass vermeintlich bekannte Artenkomplexe wie Calumma gallus in Wirklichkeit aus einer Vielzahl nah verwandter Arten besteht. Trotz aller Fortschritte bleibt die Erforschung der madagassischen Chamäleonfauna ein Wettlauf gegen die Zeit, denn viele bislang unerforschte Waldfragmente sind akut von Abholzung bedroht. Dass die Zahl der derzeit 100 beschriebenen Chamäleonarten auf Madagaskar weiter steigen wird, gilt als gesichert.

Den Abschluss des Vortragsprogramms gestaltete Dr. Frank Glaw. Gemeinsam mit seinem Sohn Timon hatte er vor zwei Jahren eine Forschungsreise in den Nordosten Madagaskars unternommen. Die Expedition führte in den Parc Naturel de Makira sowie in weitgehend unerforschte Bereiche des Nationalparks Masoala und das Schutzgebiet Bobangira. Ziel war die Suche nach bislang unentdeckten Amphibien und Reptilien – mit Erfolg. Neben zahlreichen seltenen Arten konnten auch unbeschriebene Erdchamäleons nachgewiesen werden. Eindrucksvolle Beobachtungen von Calumma vatosoa, Calumma marojezense und Calumma cucullatum rundeten den Vortrag ab. Ebenso spannend waren die Berichte über die Strapazen der Expedition: einfachste Feldlager, schwierige Wege während der Regenzeit, ein Motorradunfall mit glücklicherweise nur leichten Verletzungen sowie mehrtägige Märsche durch abgelegene Regionen bis zur nächsten Siedlung.

 

Eine kurze Mitgliederversammlung beendeten den Samstagnachmittag. AG-Sprecherin Dr. Alex Negro blickte in ihrem Jahresbericht auf die vielfältigen Aktivitäten des Leitungsteams im vergangenen Jahr zurück. Neben der Organisation der Jahrestagung, der Beantwortung zahlreicher Anfragen sowie der Betreuung der Social-Media-Kanäle wurden unter anderem neue Care Sheets für verschiedene Chamäleonarten erarbeitet. Diese sollen künftig als kostenlose Downloads auf der Website der AG zur Verfügung stehen und auf Terraristikbörsen interessierten Einsteigern als Informationsmaterial dienen. Darüber hinaus wurden regelmäßig Newsletter verschickt und ein neues Roll-Up für die Öffentlichkeitsarbeit angeschafft. Mit Blick auf die kommenden Monate steht bereits das nächste große Projekt fest: Die 50. Jubiläumsausgabe der CHAMAELEO.

Der Samstagabend klang schließlich in geselliger Runde im benachbarten Restaurant Pharos aus, wo die Gespräche über die Vorträge und die gemeinsame Leidenschaft für Chamäleons bis in die späten Abendstunden fortgesetzt wurden.

 

Am Sonntag stand – auch dies erst das zweite Mal in den letzten Jahren – eine Exkursion auf dem Programm. Ziel war der Zoo Hannover, wo die Teilnehmer das erst vor zwei Jahren eröffnete Amphibium besuchten. Die gemeinsam mit Citizen Conservation entwickelte Anlage entstand in einem ehemaligen Restaurantgebäude des Zoos und präsentiert auf rund 250 Quadratmetern eindrucksvoll gestaltete Terrarien, Paludarien und Aquarien. Bei einer exklusiven Führung erhielten die Teilnehmer zudem spannende Einblicke hinter die Kulissen und viele Informationen, wie das Thema „Haltung rettet Arten“ hier dem Besucher nahegebracht wird.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Vortragenden, die mit ihren abwechslungsreichen und informativen Beiträgen zum Erfolg der Tagung beigetragen haben. Ebenso bedanken wir uns besonders bei den Sponsoren des Fotowettbewerbs – ExoTerra, Der Terraristikladen und QB Insects – für ihre großzügige Unterstützung. Zum Abschluss der Tagung gab es außerdem noch zwei Spenden an die AG:  Jutta Dwinger spendete den Erlös der von ihr verkauften, handgenähten Taschen in Höhe von 70 €. Caro Vierbücher spendete ihre 125 € Einnahmen aus dem Verkauf handbemalten Porzellans. Einen ganz herzlichen Dank an beide!

[:de]Namaqua-Chamäleons in Namibe (Angola) entdeckt[:en]Namaqua chameleons discovered in Namibe (Angola)[:]

[:de]Namaqua-Chamäleons in Namibe (Angola) entdeckt[:en]Namaqua chameleons discovered in Namibe (Angola)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Der Westen Angolas ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Herpetologen gerückt. Der Reptilienbestand des Nationalparks Iona an der Grenze zu Namibia wirft jedoch noch einige Fragen auf. Auf der Suche nach der Zwergpuffotter Bitis peringueyi hat ein internationales Forschungsteam auch Chamaeleo namaquensis gefunden. Die Übersichtsstudie zu Reptilienvorkommen wurde im Küstenbereich, im Sandmeer und in den Wanderdünen der Schotterebenen durchgeführt.

Insgesamt konnten dabei 27 Reptilienarten entdeckt werden – die eigentlich gesuchte Zwergpuffotter war allerdings nicht darunter. Chamaeleo namaquensis konnte entlang der Straße EN100 etwa 50 km südlich von Moçamedes gefunden werden. Ein zweiter Fundort lag rund 10 km nördlich von Salondjmba, dem Eingang zum Nationalpark Iona in Ponta Albina.

Noteworthy herpetological notes from Naimbe Province, Angola
Javier Lobón-Rovira, Pablo Sierra, Rubén Portas, Pedro Vaz Pinto, Fernando Martínez-Freiría
Herpetology Notes Vol 18: 99-105
DOI: nicht vorhanden

Foto: Daniel S. Katz, Creative Commons Attribution 4.0 International[:en]

Western Angola has increasingly become the focus of herpetologists in recent years. However, the reptile population of the Iona National Park on the border with Namibia still raises some questions. Whilst searching for the dwarf puff adder Bitis peringueyi, an international research team also found Chamaeleo namaquensis. The survey of reptile populations was carried out in the coastal area, in the sand sea and in the shifting sand dunes of the gravel plains.

A total of 27 reptile species were discovered – although the dwarf puff adder was not among them. Chamaeleo namaquensis was found along the EN100 road about 50 kilometres south of Moçamedes. A second site was found around 10 km north of Salondjmba, the entrance to the Iona National Park in Ponta Albina.

Noteworthy herpetological notes from Naimbe Province, Angola
Javier Lobón-Rovira, Pablo Sierra, Rubén Portas, Pedro Vaz Pinto, Fernando Martínez-Freiría
Herpetology Notes Vol 18: 99-105
DOI: nicht vorhanden

Picture: Daniel S. Katz, Creative Commons Attribution 4.0 International[:]

[:de]Vergleichende Anatomie der Vorderarme verschiedener Chamäleons[:en]Comparative anatomy of the forearms of different chameleons[:]

[:de]Vergleichende Anatomie der Vorderarme verschiedener Chamäleons[:en]Comparative anatomy of the forearms of different chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Die Anatomie der Chamäleons scheint stark an ihre Lebensweise angepasst. Baumbewohner unterscheiden sich dabei in vielen Aspekten von Bodenbewohnern. Mehrere Untersuchungen an der Universität von South Dakota haben sich in diesem Jahr bereits mit verschiedenen anatomischen Aspekten bei Chamäleon beschäftigt. Eine neue Untersuchung widmet sich un den Händen und Armen.

Zur Untersuchung wurden aus bereits vorhandenen Mikrocomputertomographie-Scans von insgesamt 12 Chamäleons jeweils die Arme und Hände isoliert in 3D dargestellt. Diese wurden mittels einer Software auf rund 30 verschiedene Längen und Breiten vermessen. Scans der Arten Bradypodion damaranum, Bradypodion occidentale, Calumma hilleniusi, Calumma crypticum, Chamaeleo namaquensis, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rhampholeon temporalis, Trioceros goetzei goetzei und Trioceros werneri wurden ausgewertet. Bei der Auswahl der Arten wurde darauf geachtet, pro Gattung jeweils ein strikt Baum bewohnendes Chamäleon sowie ein mehr Boden bewohnendes Chamäleon auszuwählen.

Die Auswertung ergab, dass Baum bewohnende Chamäleons nur wenige Unterschiede in der Anatomie der Vordergliedmaße im Vergleich mit Boden bewohnenden Chamäleons aufweisen. Baum bewohnende Arten zeigten mehrheitlich getrennte Metacarpalknochen 1-3, während Boden bewohnende Arten miteinander verschmolzene Mittelhandknochen aufweisen. Interessanterweise unterscheidet sich die Untersuchung damit von früheren Studien anderer Autoren, die andere Ergebnisse brachten. Möglicherweise hängt die insgesamt relativ kleine Zahl untersuchter Tiere damit zusammen. Größer angelegte Studien könnten hier hilfreich sein.

Ecological and evolutionary drivers of chameleon forelimb variation
Ellie M. Schley
Honors Thesis 302 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: gibt es nicht[:en]

The anatomy of chameleons seems to be strongly adapted to their way of life. Tree-dwellers differ in many aspects from ground-dwellers. Several studies at the University of South Dakota this year have already looked at various anatomical aspects of chameleons. A new study is dedicated to the hands and arms.

For the investigation, the arms and hands of a total of 12 chameleons were isolated from existing microcomputer tomography scans and displayed in 3D. These were measured to about 30 different lengths and widths using software. Scans of the species Bradypodion damaranum, Bradypodion occidentale, Calumma hilleniusi, Calumma crypticum, Chamaeleo namaquensis, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rhampholeon temporalis, Trioceros goetzei goetzei and Trioceros werneri were evaluated. When selecting the species, care was taken to select one strictly tree-inhabiting chameleon and one more ground-inhabiting chameleon per genus.

The evaluation revealed that tree-dwelling chameleons show few differences in forelimb anatomy compared to ground-dwelling chameleons. Tree-dwelling species showed a majority of separated metacarpal bones 1-3, while ground-dwelling species showed fused metacarpal bones. Interestingly, this study differs from earlier studies by other authors, which yielded different results. The relatively small number of animals studied may be related to this. Larger studies could be helpful here.

Ecological and evolutionary drivers of chameleon forelimb variation
Ellie M. Schley
Honors Thesis 302 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: gibt es nicht[:]

[:de]Vergleich von Beckengürteln verschiedener Chamäleons[:en]Comparison of pelvic girdles in chameleons[:]

[:de]Vergleich von Beckengürteln verschiedener Chamäleons[:en]Comparison of pelvic girdles in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Die Anatomie der Chamäleons ist stark an ihre Lebensweise angepasst. Baumbewohner unterscheiden sich dabei in vielen Aspekten von Bodenbewohnern. Der Beckengürtel ist anatomisch bei Chamäleons bisher wenig untersucht – eine Veröffentlichung aus den USA beschäftigt sich nun eingehender damit.

Zur Untersuchung wurden aus bereits vorhandenen Mikrocomputertomographie-Scans von insgesamt 22 Chamäleons jeweils die Beckengürtel isoliert in 3D dargestellt. Diese wurden mittels einer Software auf 16 verschiedene Längen und Winkel vermessen. Archaius tigris, Bradypodion damaranum, Calumma gallus, Calumma parsonii parsonii, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Kinyongia matschiei, Kinyongia tavetana, Nadzikambia mlanjense und Trioceros quadricornis gracilior wurden den Baumbewohnern zugeteilt. Brookesia brygooi, Chamaeleo namaquensis, Palleon nasus nasus, Rhampholeon temporalis und Rieppeleon brachyurus wurden den Boden bewohnenden Arten zugeschrieben. Die Arten Bradypodion occidentale, Brookesia ebenaui, Chamaeleo anchietae, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rieppeleon kerstenii kerstenii und Trioceros goetzei goetzei wurden als semiarboreal eingestuft. Es wurden vorwiegend Männchen untersucht.

Die Auswertung ergab wie erwartet, dass Baum bewohnende Chamäleons schmalere, kürzere Hüftgürtel aufwiesen als Boden bewohnende. Der schmalere Beckengürtel vereinfacht es, sich hinter Ästen verstecken und den Körper maximal abflachen zu können. Außerdem sorgt er dafür, dass der Körperschwerpunkt näher am Ast ist und erhöht so die Stabilität beim Klettern. Boden bewohnende Chamäleons dagegen wiesen größere und breitere Beckengürtel auf. Diese ermöglichen ihnen eine schnellere Schrittfolge und höhere Stabilität beim Laufen auf Bodenflächen.

How phylogeny and arboreality affect pelvic girdle anatomy of chameleons
Dakota J. John
Honors Thesis 299 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: nicht vorhanden[:en]

The anatomy of chameleons is strongly adapted to their way of life. Tree-dwellers differ in many aspects from ground-dwellers. The pelvic girdle has been little studied anatomically in chameleons so far – a publication from the USA now deals with it in more detail.

For the study, the pelvic girdles of 22 chameleons were isolated from existing microcomputer tomography scans and displayed in 3D. These were measured to 16 different lengths and angles using software. Archaius tigris, Bradypodion damaranum, Calumma gallus, Calumma parsonii parsonii, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Kinyongia matschiei, Kinyongia tavetana, Nadzikambia mlanjense and Trioceros quadricornis gracilior were assigned to tree dwellers. Brookesia brygooi, Chamaeleo namaquensis, Palleon nasus nasus, Rhampholeon temporalis and Rieppeleon brachyurus were attributed to ground-dwelling species. The species Bradypodion occidentale, Brookesia ebenaui, Chamaeleo anchietae, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rieppeleon kerstenii kerstenii and Trioceros goetzei goetzei were classified as semiarboreal. Mainly males were examined.

As expected, the evaluation showed that tree-dwelling chameleons had narrower, shorter girdles than ground-dwelling ones. The narrower pelvic girdle makes it easier to hide behind branches and flatten the body to the maximum. It also ensures that the body’s centre of gravity is closer to the branch and thus increases stability when climbing. Ground-dwelling chameleons, on the other hand, had larger and wider pelvic girdles. These allow them to step more quickly and provide greater stability when walking on ground surfaces.

How phylogeny and arboreality affect pelvic girdle anatomy of chameleons
Dakota J. John
Honors Thesis 299, University of South Dakota, 2023
DOI: none

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[:de]Vortrag in Hamburg über Namibia[:en]Presentation in Hamburg about Namibia[:]

[:de]Vortrag in Hamburg über Namibia[:en]Presentation in Hamburg about Namibia[:]

Reiseberichte Vorträge

[:de]

Der erste Vorsitzende des DGHT Landesverbandes Hamburg zeigt am 31. März 2023 in Hamburg einen bilderreichen Vortrag über eine Reise nach Namibia und das westliche Südafrika. Es geht dabei von Kapstadt bis in den Etosha Nationalpark. Namibia, auch das „Land der roten Stille“ genannt, ist eines der faszinierendsten und facettenreichsten Länder der Erde. Stationen auf Rüdigers Reise waren unter anderem das Namaqualand, das ihn in herrlicher Blütenpracht empfing, mehrere namibische Gebirgsstöcke, die Namib um Swakopmund mit einer tollen Reptilientour und einer Fahrt durch das Welwitschia-Gebiet sowie die Dünengebiete bei Sossusvlei und der Fish River Canyon. Neben den Großsäugern des Etosha-Nationalparks galt Rüdigers Hauptaugenmerk auf dieser atemberaubenden Reise natürlich den Reptilien – und auch ein paar Chamäleons gab es zu sehen. Ein Feuerwerk für Naturliebhaber!

Rüdiger Schlepper Namibia – In 22 Tagen durch den Südwesten Afrikas
DGHT Landesverband Hamburg
Vereinsgaststätte „Am Sportplatzring“
Sportplatzring 47
22527 Hamburg
Vortragsbeginn 20 Uhr

Foto: Blütenteppich im Namaqualand, fotografiert von Rüdiger Schlepper[:en]

The first chairman of the DGHT Landesverband Hamburg will give a lecture full of pictures about a journey to Namibia and western South Africa on 31 March 2023 in Hamburg. The travel goes from Cape Town to the Etosha National Park. Namibia, also called the „Land of Red Silence“, is one of the most fascinating and multifaceted countries on earth. Stops on Rüdiger’s journey included Namaqualand, which welcomed him in glorious blossom, several Namibian mountain ranges, the Namib around Swakopmund with a great reptile tour and a drive through the Welwitschia area, as well as the dune areas near Sossusvlei and the Fish River Canyon. Besides the large mammals of Etosha National Park, Rüdiger’s main focus on this breathtaking trip was, of course, the reptiles – and there were also a few chameleons to see. A firework for nature lovers!

Rüdiger Schlepper Namibia – In 22 days through the Southwest of Africa
DGHT Landesverband Hamburg
Vereinsgaststätte „Am Sportplatzring“
Sportplatzring 47
22527 Hamburg
Presentation starts at 8 pm

Photo: Flower carpet in Namaqualand, photographed by Rüdiger Schlepper[:]

[:de]Chamaeleo namaquensis Nachzuchten in der AG[:en]Chamaeleo namaquensis offspring in the AG[:]

[:de]Chamaeleo namaquensis Nachzuchten in der AG[:en]Chamaeleo namaquensis offspring in the AG[:]

AG Interna Nachzuchten

[:de]

Ein toller Nachzuchterfolg ist dem AG-Mitglied und ehemaligem AG-Sprecher Timo Weiß diese Woche gelungen: Seine Chamaeleo namaquensis Nachzuchten sind erfolgreich geschlüpft. Herzlichen Glückwunsch!

Das Namaqua-Chamäleon ist eines der wenigen existenten Chamäleons, die tatsächlich in echten Wüsten vorkommen. Es lebt in der Natur in Namibia, Südafrika und Angola auf dem afrikanischen Kontinent. Im Gegensatz zu vielen anderen Chamäleon-Arten bewohnt es vorwiegend den Boden und niedrige Sträucher.

Foto: Einen Tag altes Jungtier auf der Hand des erfolgreichen Halters[:en]

A great breeding success was achieved by AG-member and former AG-speaker Timo Weiß this week: His Chamaeleo namaquensis offspring hatched successfully. Congratulations!

The Namaqua chameleon is one of the few existing chameleons that actually occur in real deserts. It lives in the wild in Namibia, South Africa and Angola on the African continent. Unlike many other chameleon species, it inhabits mainly the ground and low shrubs.

Photo: One-day-old juvenile on the hand of the successful keeper[:]

[:de]Versteckte Arten innerhalb der Gattung Chamaeleo[:en]Hidden species within the genus Chamaeleo[:]

[:de]Versteckte Arten innerhalb der Gattung Chamaeleo[:en]Hidden species within the genus Chamaeleo[:]

Wissenschaft

[:de]

Die Bestimmung von Arten ist heute dank genetischer Untersuchungen viel genauer möglich als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Genetik wirft jedoch dadurch auch immer neue Fragen auf. Die Gattung Chamaeleo verfügt über aktuell 14 Arten. Wissenschaftler aus Südafrika haben jetzt untersucht, ob es in der Gattung womöglich weitere, ‚versteckte‘ Arten der Gattung Chamaeleo gibt. Parallel untersuchten sie, wo wohl der Ursprung der Gattung Chamaeleo liegt. Dazu wurde genetisches Material aller 14 bisher anerkannten Arten untersucht. Dabei kamen spannende Ergebnisse zutage: Von den vierzehn Chamaeleo-Arten wurden 13 bestätigt, eine jedoch in Frage gestellt. Zusätzlich konnten mehrere neue candidate species ausgemacht werden.

Die beiden unterschiedlichen Populationen von Chamaeleo anchietae im westlichen Angola sowie im südöstlichen Kongo und Tansania stellen vermutlich zwei unterschiedliche Arten dar. Sollten die Tiere aus der Demokratischen Republik Kongo und Tansania in Zukunft tatsächlich in den Artstatus erhoben werden, müssten sie der Taxonomie und einer Artbeschreibung von 1950 nach Chamaeleo vinckei genannt werden.

Chamaeleo gracilis scheint – was auf Grund seiner weiten Verbreitung nicht weiter verwunderlich wäre – mindestens drei eigenständige Arten zu verstecken. Die „echten“ Chamaeleo gracilis kämen demnach in Liberia vor, außerdem in Sierra Leone und Guinea. Die beiden anderen Gruppen stammen  zum einen aus dem Länderdreieck zwischen Chad, Kamerun und zentralafrikanischer Republik und von der Ländergrenze zwischen Kenia und Tansania. Leider wurden von Chamaeleo gracilis nur Einzeltiere beprobt, so dass an dieser Stelle noch keine weiter reichende Empfehlung zur Aufsplittung von Arten gegeben werden kann.

Das derzeit als eine einzige Art beschriebene Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) könnte insgesamt drei Arten beinhalten. Eine der genetisch unterschiedlichen Populationen kommt im Osten Afrikas in Tansania und Ruanda vor, während eine zweite Art im südlichen und östlichen Afrika, von Südafrika über Botswana, Sambia, Namibia, Mosambik und Malawi bis nach Südtansania, lebt. Die dritte Art wäre im Westen Zentralafrikas zwischen Angola und dem Kongo verbreitet. Dabei passt keine der candidate species zu den acht bisher rein vom Aussehen beschriebenen Unterarten. Hier ist also eine vollständige Aufarbeitung der bisherigen Unterarten, deren Status sowie dem Artstatus der drei neu aufgetauchten clades notwendig.

Interessant sind zudem die Untersuchungsergebnisse zu Chamaeleo necasi aus Benin. Es stellte sich heraus, dass die Genetik das beprobte Tier als Chamaeleo gracilis identifizierte. Das Exemplar selbst wurde von den Forschern jedoch nicht untersucht. Es könnte sich dabei um ein durch sein Aussehen falsch eingeordnetes Chamaeleo gracilis handeln. Hier müssten die zur Artbeschreibung 2007 verwendeten Exemplare noch einmal gesichtet und beprobt werden, um mehr Informationen über den tatsächlichen Artstatus zu erhalten.

Im Zuge der genetischen Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass der Ursprung der Gattung Chamaeleo vermutlich in Südafrika liegt. Chamaeleo namaquensis, das einzige terrestrisch lebende Chamäleon der Gattung Chamaeleo, spaltete sich bereits vor 40 Millionen Jahren im Eozän von den anderen Chamaeleo-Arten ab. Damit ist das Namaqua-Chamäleon aus der Namibwüste und Damaraland das „älteste“ Chamäleon der Gattung Chamaeleo. Chamaeleo anchietae folgte etwa vor 29 Millionen Jahren.

Out of southern Africa: origins and cryptic speciation in Chamaeleo, the most widespread chameleon genus
Devon C. Main, Bettine Jansen van Vuuren, Colin R. Tilbury & Krystal A. Tolley Conceptualisation
Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 175, Oktober 2022
DOI: 10.1016/j.ympev.2022.107578[:en]

Thanks to genetic studies, the identification of species is much more precise today than it was a few decades ago. However, genetics always raises new questions. The genus Chamaeleo currently has 14 species. Scientists from South Africa have now investigated whether there might be other ‚hidden‘ species of the genus Chamaeleo. At the same time, they investigated where the origin of the genus Chamaeleo might lie. For this purpose, the genetic material of all 14 species recognised so far was examined. Exciting results came to light: of the fourteen Chamaeleo species, thirteen were confirmed, but one was questioned. In addition, several new candidate species were identified.

The two different populations of Chamaeleo anchietae in western Angola and in south-eastern Congo and Tanzania probably represent two different species. If the animals from the Democratic Republic of Congo and Tanzania were true to be elevated to species status in the future, they would have to be named Chamaeleo vinckei according to taxonomy and a species description from 1950.

Chamaeleo gracilis seems to hide – which would not be surprising due to its wide distribution – at least three independent species. The „real“ Chamaeleo gracilis would be found in Liberia, Sierra Leone and Guinea. The other two groups originate from the triangle of countries between Chad, Cameroon and the Central African Republic and from the border between Kenya and Tanzania. Unfortunately, only single specimens of Chamaeleo gracilis have been sampled, so no more far-reaching recommendation on the splitting of species can be made at this point.

The flap-necked chameleon (Chamaeleo dilepis), currently described as a single species, could contain a total of three species. One of the genetically distinct populations occurs in eastern Africa in Tanzania and Rwanda, while a second species is found in southern and eastern Africa, from South Africa through Botswana, Zambia, Namibia, Mozambique and Malawi to southern Tanzania. The third species would be distributed in west central Africa between Angola and the Congo. None of the candidate species matches the eight subspecies described so far purely on the basis of appearance. Therefore, a complete review of the previous subspecies, their status and the species status of the three newly emerged clades is necessary.

The results of the study on Chamaeleo necasi from Benin are also interesting. It turned out that the genetics identified the sampled animal as Chamaeleo gracilis. However, the specimen itself was not examined by the researchers. It could be a Chamaeleo gracilis misclassified by its appearance. In this case, the specimens used for the species description in 2007 would have to be viewed and sampled again in order to obtain more information about the actual species‘ status.

In the course of the genetic investigations, the researchers found out that the origin of the genus Chamaeleo probably lies in South Africa. Chamaeleo namaquensis, the only terrestrial chameleon of the genus Chamaeleo, split off from the other Chamaeleo species as early as 40 million years ago in the Eocene. This makes the Namaqua chameleon from the Namib Desert and Damaraland the „oldest“ chameleon of the genus Chamaeleo. Chamaeleo anchietae followed about 29 million years ago.

Out of southern Africa: origins and cryptic speciation in Chamaeleo, the most widespread chameleon genus
Devon C. Main, Bettine Jansen van Vuuren, Colin R. Tilbury & Krystal A. Tolley Conceptualisation
Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 175
DOI: 10.1016/j.ympev.2022.107578[:]