Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Wissenschaft

Tierärztinnen der Universität von Montreal (Kanada) haben kürzlich untersucht, welche Chamäleons weltweit in Zoos gehalten und nachgezüchtet werden. Sie nutzten dazu die sogenannte Species360 Datenbank des Zoologischen Informations-Management-System (ZIMS, früher ISIS), deren Chamäleondaten sie statistisch auswerteten. Rund 1400 Zoos, Aquarien und Forschungszentren aus rund 100 Ländern nutzen diese Datenbank und füttern sie mit den in ihren Institutionen gesammelten Daten. Die Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich, sondern erfordert eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Die Tierärztinnen untersuchten dabei Geburten oder Schlupfe zwischen Juli 2020 und Juli 2021 sowie Daten von 1980 bis 2024 zur Berechnung von Lebenserwartungen. Ausgenommen wurden Chamäleons, die abgegeben und nicht mehr nachverfolgbar waren oder bei denen Geburtsdaten ungenauer als der Monat angegeben waren. Zur Berechnung der Lebenserwartung wurden nur Arten genutzt, von denen mehr als 50 Individuen gehalten worden waren. Die Statistiken zur Langlebigkeit wurden nur bei solchen Arten durchgeführt, die mehr als 70 Individuen in Zoos aufwiesen. Dabei wurde jeweils der Durchschnitt der 5% der ältesten Individuen für beide Geschlechter errechnet. Chamäleons, die länger lebten als 99% ihrer Artgenossen sowie Tiere, die kürzer als einen Tag gelebt hatten, wurden von der Berechnung ausgeschlossen. Da teilnehmende Einrichtungen in Asien, Südamerika und Afrika weniger als 10 Chamäleons registriert hatten, wurden diese Kontinente aus der Studie entfernt.

Insgesamt wurden 2021 in 203 ZIMS-Institutionen 975 Chamäleons gehalten. Dabei waren weniger als 20% der weltweit beschriebenen Arten vertreten. Über zwei Drittel der gehaltenen Chamäleons waren Jemen- und Pantherchamäleon (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis). Alle anderen Arten folgten dahinter mit sehr weitem Abstand, an dritter Stelle stand Trioceros jacksonii ohne Nennung der Unterart mit 8,4%. Von acht Arten, darunter Brookesia stumpffi, Chamaeleo africanus, Furcifer verrucosus, Kinyongia boehmei und Trioceros cristatus, wurden überhaupt nur Einzeltiere in den teilnehmenden Zoos gehalten.

Die Zoos hatten 35% der Chamäleons als männlich, 22% als weiblich und beeindruckende 43% als „unbestimmt“ angegeben. Bei den Pantherchamäleons waren deutlich mehr Männchen vorhanden, während es bei Parsons Chamäleons (Calumma parsonii) und dem Europäischen Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) mehr Weibchen waren.

Zwischen 2020 und 2021 waren zu 22% der gehaltenen Chamäleons Nachzuchten ins ZIMS eingetragen worden. Über 300 Geburten und Schlupfe waren registriert worden, davon entfielen über die Hälfte auf die Art Trioceros jacksonii, knapp 17 % auf Furcifer pardalis und über 11% auf Chamaeleo calyptratus. Nicht erwähnt wurde, wie viele Eier bei oviparen Arten gelegt worden waren.

Die Lebenserwartung bei Geburt wurde für elf Arten ermittelt. Sie lag für Chamaeleo calyptratus bei 2,1 Jahren, für Chamaeleo dilepis bei 1,1 Jahren, für Furcifer oustaleti bei 1,2 Jahren, für Furcifer pardalis bei 2,1 Jahren, für Rieppeleon brevicaudatus bei 1,2 Jahren und für Trioceros melleri bei 2,7 Jahren. Für Chamaeleo chamaeleon, Trioceros hoehnelli, Furcifer lateralis, Trioceros jacksonii und Trioceros montium wurden Lebenserwartungen von unter einem Jahr errechnet.

Sowohl bei Jemen- als auch bei Pantherchamäleons lebten Männchen länger als Weibchen. Die ältesten Calumma parsonii wurden im Schnitt 8 Jahre alt, ähnlich lagen die ältesten Chamaeleo calyptratus, Furcifer pardalis und Trioceros melleri.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Zahl an Männchen bei Panther- und Jemenchamäleons vor allem an der höheren optischen Attraktivität der Männchen für Zoobesucher liegen könnte. Erstaunlicherweise wurden auch 50% der Jemenchamäleons als „unbestimmt“ ins ZIMS eingetragen, obwohl bei dieser Art das Geschlecht bereits beim Schlupf leicht zu erkennen ist. Die Autoren schlagen vor, dass auch Chamäleons langfristig in internationale Zuchtprogramme aufgenommen werden und dabei Hand in Hand mit Schutzprojekten in den Lebensräumen der Tiere gehen.

Evaluation of the sex and species distribution, breeding, and life expectancy of zoo-housed chameleons
Amélie Aduriz, Floriane Plard, Claire Vergneau-Grosset
Zoo Biology, 2026: 1-15
DOI: 10.1002/zoo.70078
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Foto: Kinyongia tavetana

[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Montréal (Frankreich) haben kürzlich die Todesursachen bei in Zoos gehaltenen Chamäleons zwischen 2011 und 2022 untersucht. Über das Zoological Information Management System (ZIMS) wurden Zoos gesucht, die aktuell Chamäleons halten oder seit 2011 hielten. Fragebögen wurden an insgesamt 245 Zoos verschickt. In den Fragebögen wurde die Zahl, Art und Geschlecht gehaltener Chamäleons abgefragt, außerdem ausgesuchte Haltungsbedingungen (kühlste und wärmste Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Fütterung) und Sektionsergebnisse.

Rund 1000 Chamäleons 36 verschiedener Arten werden derzeit in Zoos weltweit gehalten. 65 der befragten Zoos nahmen an der Studie teil, wovon immerhin 48 regelmäßig Sektionen an Chamäleons durchführten. Jedoch konnten nur 29 der teilnehmenden Zoos Sektionsergebnisse vorlegen. Insgesamt wurden 412 Pathologiebefunde von 14 verschiedenen Chamäleonarten ausgewertet. Unter den gehaltenen Arten waren Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, Chamäleons des Genus Brookesia ohne Artangabe, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium und Trioceros quadricornis. Am häufigsten wurden Pantherchamäleons gehalten (226 Tiere).

Die statistische Auswertung ergab, dass mit 46,8% die meisten Chamäleons in den teilnehmenden Zoos an infektiösen Erkrankungen starben. Zu den infektiösen Erkrankungen wurden dabei Septikämien, aber auch Entzündungen von Maulhöhle, Lunge, Leber und Nieren sowie Darm gezählt. Fast 20% der infektiösen Erkrankungen fielen auf den Bereich der Maulhöhle. Bei den Bakterien kamen Enterococcus und Pseudomonas am häufigsten vor. Bei den Pilzen waren Nannizziopsis einschließlich CANV, Fusarium und Metarhizium vertreten. Gut ein Drittel der Sektionsberichte gab zusätzlich Parasitosen an, wobei diese sowohl als Todesursache als auch als Zufallsbefund vorkamen. Kokzidien und Trematoden sowie diverse Nematoden waren hier oft vorhanden. Als zweithäufigste Todesursache in den teilnehmenden Zoos wurden mit 11,4% nichtinfektiöse Nierenerkrankungen angegeben. Nur knapp dahinter rangierten mit 10,7% der Fälle Erkrankungen des Reproduktionstraktes, darunter Legenot und Eidottercoelomitis.

Entgegen der ersten Annahme der Autoren zeigte sich kein Zusammenhang zwischen den abgefragten Haltungsparametern im Terrarium und dem Vorkommen von Nierenerkrankungen. Grundlegend gab es eine Tendenz zu vermehrten Nierenerkrankungen in Ländern, in denen die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit generell niedriger lag.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Foto: Pantherchamäleon auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro[:en]

Scientists at the University of Veterinary Medicine Montréal (France) recently analysed the causes of death in chameleons kept in zoos between 2011 and 2022. The Zoological Information Management System (ZIMS) was used to search for zoos that currently keep chameleons or have kept them since 2011. Questionnaires were sent to a total of 245 zoos. The questionnaires asked about the number, species and sex of chameleons kept, as well as selected husbandry conditions (coolest and warmest temperatures, humidity, feeding) and dissection results.

Around 1000 chameleons of 36 different species are currently kept in zoos worldwide. 65 of the zoos surveyed took part in the study, 48 of which regularly carried out dissections on chameleons. However, only 29 of the participating zoos were able to provide dissection results. A total of 412 pathological findings from 14 different chameleon species were analysed. Among the species kept were Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, chameleons of the genus Brookesia without species identification, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium and Trioceros quadricornis. Panther chameleons were kept most frequently (226 specimens).

The statistical analysis showed that most of the chameleons in the participating zoos died of infectious diseases (46.8%). Infectious diseases included septicaemia, but also inflammation of the oral cavity, lungs, liver, kidneys and intestines. Almost 20% of the infectious diseases were in the area of the oral cavity. The most common bacteria were Enterococcus and Pseudomonas. Among the fungi, Nannizziopsis including CANV, Fusarium and Metarhizium were represented. A good third of the necropsy reports also indicated parasitoses, with these occurring both as a cause of death and as an incidental finding. Coccidia and trematodes as well as various nematodes were often present. The second most common cause of death in the participating zoos was non-infectious kidney diseases (11.4%). This was closely followed by diseases of the reproductive tract, including egg loss and egg yolk coelomitis, which accounted for 10.7% of cases.

Contrary to the authors‘ initial assumption, there was no correlation between the surveyed husbandry parameters in the cages and the incidence of kidney disease. Basically, there was a tendency towards an increased incidence of kidney disease in countries where the average humidity was generally lower.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Photo: Panther chameleon in Madagascar, photographed by Alex Negro[:]