[:de]Neues Erdchamäleon aus Madagaskar beschrieben[:en]New leaf chameleon in Madagascar[:]

[:de]Neues Erdchamäleon aus Madagaskar beschrieben[:en]New leaf chameleon in Madagascar[:]

Neubeschreibungen

[:de]

An vielen Orten Madagaskars gibt es winzige Chamäleons, darunter sogar die kleinsten der Welt. Nun wurde von madagassischen und deutschen Wissenschaftlern ein weiteres winziges Erdchamäleon beschrieben: Brookesia nofy.

Brookesia nofy lebt in einem kleinen Rest von Tieflandregenwald an der zentralen Ostküste Madagaskars, im Reservat Akanin’ny Nofy. Es kommt wahrscheinlich auch im benachbarten Reservat Vohibola vor. Die neue Art ist verwandt mit Brookesia ramanantsoai, die aber im östlichen Hochland und nicht ganz so küstennah vorkommt. Die Tieflandregenwälder Madagaskars sind extrem von Abholzung bedroht. Umso schöner ist es, dass dieses kleine Chamäleon bereits in zwei Schutzgebieten lebt. Der Name nofy ist übrigens das madagassische Wort für Traum und passt somit in zweierlei Hinsicht: Einmal, weil es im „Nest der Träume“ gefunden wurde, und zum zweiten, weil es in seinem eigenen Schutzgebiet lebt und damit sein Überleben erstmal gesichert ist.

A new miniaturized species of leaf chameleon, genus Brookesia, from a littoral forest fragment in eastern Madagascar
Andolalao Rakotoarison, Alida Frankline Hasiniaina, Frank Glaw, Miguel Vences
Zootaxa Vol. 5506(4):533-547
DOI: 10.11646/zootaxa.5506.4.3

Foto: Brookesia nofy in Akanin’ny Nofy, fotografiert von Alex Negro[:en]

There are tiny chameleons in many places in Madagascar, including the smallest in the world. Now another tiny terrestrial chameleon has been described by Malagasy and German scientists: Brookesia nofy.

Brookesia nofy lives in a small remnant of lowland rainforest on the central east coast of Madagascar, in the Akanin’ny Nofy reserve. It probably also occurs in the neighbouring Vohibola reserve. The new species is related to Brookesia ramanantsoai, which occurs in the eastern highlands and not quite as close to the coast. Madagascar’s lowland rainforests are extremely threatened by deforestation. It is therefore all the better that this small chameleon already lives in two protected areas. Incidentally, the name nofy is the Malagasy word for dream and is therefore appropriate in two respects: firstly, because it was found in the ‘nest of dreams’ and secondly, because it lives in its own protected area, thus ensuring its survival for the time being.

A new miniaturized species of leaf chameleon, genus Brookesia, from a littoral forest fragment in eastern Madagascar
Andolalao Rakotoarison, Alida Frankline Hasiniaina, Frank Glaw, Miguel Vences
Zootaxa Vol. 5506(4):533-547
DOI: 10.11646/zootaxa.5506.4.3

Picture: Brookesia nofy in Akanin’ny Nofy, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Bewegungsmuster von Brookesia superciliaris[:en]Movement pattern of Brookesia superciliaris[:]

[:de]Bewegungsmuster von Brookesia superciliaris[:en]Movement pattern of Brookesia superciliaris[:]

Wissenschaft

[:de]

Bisher wurden Bewegungsmuster bei Chamäleons vor allem an Baum bewohnenden Arten erforscht. Die vorwiegend Boden bewohnenden Gattungen wie Brookesia, Rhampholeon, Palleon und Rieppeleon, die immerhin rund ein Drittel aller aktuell bekannten Chamäleons darstellen, wurden nur selten beachtet. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern hat nun das Erdchamäleon Brookesia superciliaris genauer angeschaut.

Dabei wurde die Bewegung lebender Brookesia superciliaris auf verschiedenen Untergründen vermessen und Vergleiche mit Baum bewohnenden Chamäleons und anderen anderen Echsen angestellt. Erstaunlicherweise wiesen die Erdhamäleons Bewegungsmerkmale sowohl Baum bewohnender als auch Boden bewohnender Tiere auf. Auf Ästen bewegte sich Brookesia superciliaris langsamer als auf einen Boden imitierendem Substrat. Die Ganggeschwindigkeit wurde hauptsächlich durch die Schrittfrequenz und nicht durch die Schrittlänge reguliert. Obwohl zu Beginn eines Schrittes der Oberarm stark gestreckt wird, ein typisches Merkmal einer aborealen Fortbewegung, sind Schulter- und Hüftbewegungen auf Ästen geringer als für Baumbewohner üblich. Das könnte auf eine vorwiegend terrestrische Lebensweise hindeuten. Bewegt sich Brookesia superciliaris sehr langsam, nutzt es häufig eine sehr ungewöhnliche Schrittfolge und verfällt in einen Passgang. Brookesia superciliaris könnte wegen seiner frühen evolutionären Abspaltung von der Entwicklungslinie anderer Chamäleons als Beispiel für ein Zwischenstadium zwischen Boden- und Baumbewohner gelten.

Locomotor characteristics of the ground-walking chameleon Brookesia superciliaris
Chukwuyem Ekhator, Arnavi Varshney, Melody W. Young, Daniel Tanis, Michael C. Granatosky, Raul E. Diaz, Julia L. Molnar
Journal of Experimental Zoology Part A 339 (4), 2023
DOI: 10.1002/jez.2703[:en]

Until now, movement patterns in chameleons have mainly been studied in tree-dwelling species. The predominantly ground-dwelling genera such as Brookesia, Rhampholeon, Palleon and Rieppeleon, which represent about a third of all currently known chameleons, have only rarely been considered. A group of US researchers has now taken a closer look at the terrestrial chameleon Brookesia superciliaris.

The movement of living Brookesia superciliaris on different surfaces was measured and comparisons made with tree-dwelling chameleons and other lizards. Surprisingly, the terrestrial chameleons showed movement characteristics of both tree-dwelling and ground-dwelling animals. Brookesia superciliaris moved slower on branches than on substrate imitating soil. The gait speed was mainly regulated by the step frequency and not by the step length. Although at the beginning of a step the upper arm is strongly extended, a typical feature of aboreal locomotion, shoulder and hip movements on branches are less than usual for arboreal dwellers. This could indicate a predominantly terrestrial lifestyle. When Brookesia superciliaris moves very slowly, it often uses a very unusual step sequence and lapses into a passing gait. Brookesia superciliaris could be considered an example of an intermediate stage between ground and arboreal dwellers because of its early evolutionary split from the developmental lineage of other chameleons.

Locomotor characteristics of the ground-walking chameleon Brookesia superciliaris
Chukwuyem Ekhator, Arnavi Varshney, Melody W. Young, Daniel Tanis, Michael C. Granatosky, Raul E. Diaz, Julia L. Molnar
Journal of Experimental Zoology Part A 339 (4), 2023
DOI: 10.1002/jez.2703[:]

[:de]Wirbelsäulen von Baum- und Boden bewohnenden Chamäleons[:en]Spines of tree- and ground-dwelling chameleons[:]

[:de]Wirbelsäulen von Baum- und Boden bewohnenden Chamäleons[:en]Spines of tree- and ground-dwelling chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Von Säugetieren, insbesondere Primaten, sind verschiedene anatomische Anpassungen der Wirbelsäule zwischen Boden- und Baumbewohnern bekannt. Teils werden die unterschiedlichen Wirbel sogar mit bestimmten Bewegungsmustern verbunden. Zwei Wissenschaftler aus New York (USA) haben nun in einer vergleichenden Studie untersucht, worin sich die Wirbelsäule Boden und Baum bewohnender Chamäleons unterscheidet.

Sie vermaßen die bereits vorhandenen CT-Scans auf Morphosource.org von insgesamt 28 Chamäleons verschiedener Arten. Brookesia perarmata, Brookesia superciliaris, Brookesia thieli, Palleon nasus, Rhampholeon platyceps, Rhampholeon spectrum, Rieppeleon brevicaudatus und Rieppeleon kerstenii wurden als Bodenbewohner eingeteilt. Archaius tigris, Bradypodion melanocephalum, Bradypodion pumilum, Bradypodion thamnobates, Calumma amber, Calumma brevicorne, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo gracilis, hamaeleo zeylanicus, Furcifer lateralis, Furcifer pardalis, Furcifer verrucosus, Kinyongia carpenteri, Kinyongia tavetana, Kinyongia xenorhina, Nadzikambia mlanjensis, Trioceros feae, Trioceros jacksonii und Trioceros quadricornis wurden als Baumbewohner betrachtet. Die Wirbel wurden gezählt und Breite der Lamina, Länge, Breite, Höhe des Wirbelkörpers sowie die Höhe des Dornfortsatzes und der Querfortsätze an jedem Wirbel gemessen. Zusätzlich wurde der sogenannte präzygapophyseale Winkel bestimmt. Dabei handelt es sich um den Winkel des Zwischenwirbelgelenks, also der Kontaktflächen zwischen den einzelnen Wirbeln. Die Messungen von Boden- und Baumbewohnern wurden miteinander verglichen und statistisch ausgewertet. Betrachtet wurde dabei lediglich die Wirbelsäule des Rumpfes, die Schwanzwirbelsäule blieb außen vor.

Zunächst fiel bei den Ergebnissen auf, dass Boden bewohnende Chamäleons generell weniger Rumpfwirbel (15 bis 19) als Baum bewohnende Chamäleons (18 bis 23) aufweisen. Die Rumpfwirbelsäule konnte bei fast allen Arten in die schon bekannten drei Bereiche eingeteilt werden: Halswirbelsäule sowie vordere und hintere Rückenwirbelsäule. Eine Brust- und Lendenwirbelsäule wie beim Säugetier unterscheidet man beim Chamäleon wegen der durchgehenden Rippen allgemein nicht. Bei fünf Chamäleonarten existierten statt der drei Regionen vier: Sie zeigten eine vordere und eine hintere Halswirbelsäule, wobei die vordere lediglich aus zwei Wirbeln mit Rippenfortsätzen bestand. Sechs Chamäleonarten wiesen zwei zusätzliche Lendenwirbel auf und bei einer Art kamen drei Übergangswirbel im Bereich zwischen Hals- und Rückenwirbelsäule vor. Bei Kinyongia carpenteri konnten insgesamt sogar fünf Regionen in der Rumpfwirbesäule unterschieden werden: Das Chamäleon wies sowohl vordere und hintere Halswirbelsäule als auch vordere und hintere Rückenwirbelsäule sowie zwei zusätzliche Lendenwirbel auf. Brookesia perarmata war ebenfalls ein Sonderfall: Die Rumpfwirbelsäule dieses Chamäleons bestand nur aus zwei Regionen und gleichzeitig aus der geringsten Zahl Wirbeln aller untersuchter Arten.

Die größten Unterschiede zwischen Boden und Baum bewohnenden Chamäleons zeigten sich im präzygapophysealen Winkel (PZA) und der Höhe des Dornfortsatzes. Die Zwischenwirbelgelenksflächen im vorderen Rückenwirbelbereich der Baum bewohnenden Chamäleons waren deutlich mehr dorsoventral orientiert und kleiner als bei Boden bewohnenden Arten. Etliche Baumbewohner zeigten einen PZA von weniger als 90°. Bei Baum bewohnenden Chamäleons befanden sich die größten Dornfortsätze am Übergang von der Hals- zur Rückenwirbelsäule. Ähnlich verliefen die Dornfortsätze unter den Boden bewohnenden Arten lediglich bei Palleon nasus. Bei Boden bewohnenden Chamäleons variierte das Aussehen des Dornfortsatzes sehr stark. Beispielsweise Rieppeleon zeigte schmale, nach hinten geneigte Dornfortsätze, während die Dornfortsätze bei Brookesia eher eine Art Knochenbrücke als einen Fortsatz darstellten. Eine Ausnahme stellte Archaius tigris dar: Die Dornfortsätze bei diesem Chamäleon unterschieden sich kaum entlang der gesamten Wirbelsäule.

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass die Anatomie der unterschiedlichen Wirbelsäulen stark mit der Lebensweise der Chamäleons und der unterschiedlichen Fortbewegung zu tun haben. Die Zwischenwirbelgelenksflächen bei Baum bewohnenden Chamäleons sind wahrscheinlich für das Klettern wichtig, indem sie die Funktion des Schultergürtels unterstützen. Eine verringerte Beweglichkeit in der mediolateralen Ebene sorgt für eine größere Steifigkeit des Rumpfes, was Baumbewohnern das Klettern erleichtert. Eine Versteifung des Achsenskeletts (Schädel, Rumpfwirbelsäule und Brustkorb) ist auch von Baum bewohnenden Säugetieren bekannt. Die größeren Dornfortsätze bei größeren Chamäleons könnte die Rotation des Schultergürtels und die Muskelbewegung erleichtern, wodurch eine größere Schrittlänge, eine bessere Unterstützung des Kopfes und damit gegebenenfalls eine leichtere Futteraufnahme einherginge.

Morphological and functional regionalization of trunk vertebrae as an adaption for arboreal locomotion in chameleons
Julia Molnar, Akinobu Watanabe
Royal Society Open Science 10, 2023: 221509
DOI: 10.1098/rsos.221509

Abbildung: Wirbelsäulen verschiedener Chamäleonarten[:en]

Various anatomical adaptations of the spine between ground and tree dwellers are known from mammals, especially primates. In some cases, the different vertebrae are even associated with certain movement patterns and bodily functions. In a comparative study, two scientists from New York (USA) have now investigated how the spine of ground- and tree-dwelling chameleons differs.

They measured the already existing CT scans on Morphosource.org of a total of 28 chameleons of different species. Brookesia perarmata, Brookesia superciliaris, Brookesia thieli, Palleon nasus, Rhampholeon platyceps, Rhampholeon spectrum, Rieppeleon brevicaudatus and Rieppeleon kerstenii were classified as ground dwellers. Archaius tigris, Bradypodion melanocephalum, Bradypodion pumilum, Bradypodion thamnobates, Calumma amber, Calumma brevicorne, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo gracilis, hamaeleo zeylanicus, Furcifer lateralis, Furcifer pardalis, Furcifer verrucosus, Kinyongia carpenteri, Kinyongia tavetana, Kinyongia xenorhina, Nadzikambia mlanjensis, Trioceros feae, Trioceros jacksonii and Trioceros quadricornis were considered arboreal. The vertebrae were counted and the width of the lamina, length, width, height of the vertebral body, and the height of the spinous process and transverse processes on each vertebra were measured. In addition, the so-called prezygapophysial angle was determined. This is the angle of the intervertebral joint, i.e. the contact surfaces between the individual vertebrae. The measurements of ground and tree dwellers were compared and statistically evaluated. Only the vertebral column of the trunk was considered, the caudal vertebral column was left out.

First of all, the results showed that ground-dwelling chameleons generally have fewer trunk vertebrae (15 to 19) than tree-dwelling chameleons (18 to 23). The trunk spine of almost all species could be divided into the already known three areas: Cervical spine and anterior and posterior dorsal spine. A thoracic and lumbar spine as in mammals is generally not distinguished in chameleons because of the continuous ribs. Five chameleon species had four regions instead of three: they had an anterior and a posterior cervical spine, the anterior one consisting of only two vertebrae with rib processes. Six chameleon species had two additional lumbar vertebrae and one species had three transitional vertebrae in the region between the cervical and dorsal spine. In Kinyongia carpenteri, a total of five regions could be distinguished in the trunk spine: The chameleon had anterior and posterior cervical vertebrae as well as anterior and posterior dorsal vertebrae and two additional lumbar vertebrae. Brookesia perarmata was also a special case: the trunk spine of this chameleon consisted of only two regions and at the same time the smallest number of vertebrae of all species studied.

The greatest differences between ground and tree-dwelling chameleons were found in the prezygapophyseal angle (PZA) and the height of the spinous process. The intervertebral joint surfaces in the anterior dorsal vertebrae of tree-dwelling chameleons were clearly more dorsoventrally oriented and smaller than in ground-dwelling species. Several tree-dwellers showed a PZA of less than 90°. In tree-dwelling chameleons, the largest spinous processes were located at the transition from the cervical to the dorsal spine. Among the ground-dwelling species, the spinous processes were similar only in Palleon nasus. In ground-dwelling chameleons, the appearance of the spinous process varied greatly. Rieppeleon, for example, showed narrow, backward-sloping spinous processes, while the spinous processes in Brookesia were more like a kind of bone bridge than a process. Archaius tigris was an exception: The spinous processes in this chameleon hardly differed along the entire spine.

The authors conclude from the results that the anatomy of the different vertebrae is strongly related to the chameleons‘ way of life and different locomotion. The intervertebral joint surfaces in tree-dwelling chameleons are probably important for climbing by supporting the function of the shoulder girdle. Reduced mobility in the mediolateral plane provides greater trunk stiffness, which facilitates climbing in arboreal dwellers. Stiffening of the axial skeleton (skull, trunk spine and thorax) is also known from tree-dwelling mammals. The larger spinous processes in larger chameleons could facilitate shoulder girdle rotation and muscle movement, resulting in increased stride length, better head support, and thus possibly easier feeding.

Morphological and functional regionalization of trunk vertebrae as an adaption for arboreal locomotion in chameleons
Julia Molnar, Akinobu Watanabe
Royal Society Open Science 10, 2023: 221509
DOI: 10.1098/rsos.221509

Illustration: Spines of different chameleon species[:]

[:de]Haltung und Zucht von Brookesia thieli[:en]Keeping and breeding Brookesia thieli[:]

[:de]Haltung und Zucht von Brookesia thieli[:en]Keeping and breeding Brookesia thieli[:]

Haltungsberichte

[:de]

Die Zucht von Erdchamäleons außerhalb Madagaskars gelingt bereits seit den 1990er Jahren. Trotzdem gibt es nur wenige Halter, die langfristig Zuchterfolge nachweisen können oder sich über Jahre mit einzelnen Erdchamäleon-Arten beschäftigen. Michael Nash aus den USA hat nun einen ausführlichen Haltungs- und Zuchtbericht zu Brookesia thieli veröffentlicht.

Er hält seine Tiere in den bei uns gängigen Terrarien mit komplett belüftetem Deckel und entweder Lüftungen im Frontboden oder der gesamten Front als Lüftung, lebenden Pflanzen und lebendem Bodengrund. Als Beleuchtung kommen T5 HO und Halogenspots zum Einsatz. Die besten Zuchterfolge gelangen mit Haltung von zwei oder drei Männchen gemeinsam mit vier Weibchen. Dabei konnte der Autor spannende Beobachtungen zum Abwehrverhalten bei Männchen machen, bei denen die Tiere ihr Maul nicht nur aufreißen, sondern ihre Maulhöhle regelrecht vorstülpen. Bei der Ernährung nutzt der Autor neben dem üblichen Kleinfutter wie Microheimchen, Bohnenkäfer und diverse Fliegen auch Zelus renardii, eine Art Raubkäfer aus Nordamerika. Dieser wird als Nützling verkauft und beispielsweise im Mittelmeerraum zur Bekämpfung bestimmter Schädlinge in Olivenplantagen eingesetzt. Außerdem nahmen Brookesia thieli beim Autor angebotene geflügelte Termiten besonders gerne, was ebenfalls ein interessantes und für Chamäleons bisher kaum genutztes Futtertier sein dürfte.

Um Paarungsverhalten auszulösen, werden Trocken- und Regenzeit imitiert. Die Trockenzeit kennzeichnet sich vor allem durch eine massive Nachtabsenkung der Temperatur bis 13°C und weniger Beregnung. Während der imitierten Regenzeit steigen die Temperaturen tagsüber auf um 26°C und nachts 19-21°C, zusätzlich wird über Tag vermehrt beregnet. Die Weibchen legen nach durchschnittlich 30 bis 60 Tagen Trächtigkeit 3-5 Eier, wobei pro Weibchen bis zu drei Gelege pro Saison vorkommen. Die besten Inkubationserfolge wurden mit 21-23°C tagsüber und 19-20°C nachts erzielt. Der Autor merkt an, dass die Schlupfraten nach Supplementation des Futters mit präformiertem Vitamin A alle zwei Monate gestiegen sind.

Insgesamt handelt es sich um einen sehr lesenswerter Haltungsbericht mit vielen spannenden Details. Es bleibt zu hoffen, dass die Daten Halter bei der Nachzucht und langfristigen Erhaltung dieser spannenden Erdchamäleonart im Terrarium unterstützen.

Keeping and breeding Brookesia thieli
Michael Nash
Responsible Herpetoculture Journal 5, 2022
keine DOI vorhanden[:en]

The breeding of leaf chameleons outside Madagascar has been successful since the 1990s. Nevertheless, there are only a few keepers who can prove breeding success in the long term or who have been dealing with individual leaf chameleon species for years. Michael Nash from the USA has now published a detailed husbandry and breeding report on Brookesia thieli.

He keeps his animals in the terrariums we commonly use with completely ventilated lids and either vent in the front bottom or the entire front as ventilation area, living plants, and bioactive substrate. T5 HO and halogen spotlights are used for lighting. The best breeding results were achieved by keeping two or three males together with four females. The author was able to make exciting observations on the defensive behaviour of males, where the animals not only open their mouths but actually protrude their mouth cavities. For food, the author uses Zelus renardii, a type of predatory beetle from North America, in addition to the usual small food such as micro crickets, bean beetles, and various flies. This is sold as a beneficial insect and is used, for example, in the Mediterranean region to control certain pests in olive plantations. In addition, Brookesia thieli particularly liked winged termites offered by the author, which might also be an interesting food animal that has hardly been used by chameleon keepers so far.

To trigger mating behaviour, dry and rainy seasons are imitated. The dry season is characterised above all by a massive night-time drop in temperature to 13°C and less irrigation. During the imitated rainy season, temperatures rise to around 26°C during the day and 19-21°C at night, and there is also increased irrigation during the day. Females lay 3-5 eggs after an average gestation of 30-60 days, with up to three clutches per female per season. The best incubation success was achieved at 21-23°C during the day and 19-20°C at night. The author notes that hatching rates increased after supplementing the diet with preformed vitamin A every two months.

Overall, this is a very readable husbandry report with many interesting details. Hopefully that the data will support keepers in the breeding and long-term conservation of this exciting leaf chameleon species.

Keeping and breeding Brookesia thieli
Michael Nash
Responsible Herpetoculture Journal 5, 2022
keine DOI vorhanden[:]

[:de]Entstehung der Artenvielfalt von Chamäleons[:en]Species diversification in chameleons[:]

[:de]Entstehung der Artenvielfalt von Chamäleons[:en]Species diversification in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Aus früheren Studien weiß man, dass sich die ersten Chamäleons in der späten Kreidezeit, etwa vor 90 Millionen Jahren, auf dem Festland Afrikas entwickelten. Etwa an der Grenze zwischen Kreidezeit und Tertiär, vor rund 65 Millionen Jahren, begannen sich verschiedene Arten zu entwickeln. Unklar ist bis heute, welche Faktoren zur Artenvielfalt beigetragen haben. Zwei Forscher der Swansea Universität in Wales haben nun mit verschiedenen Berechnungsmodellen der Phylogenetik untersucht, was die Diversifikation (die Aufsplittung der Chamäleons in viele verschiedene Arten) beeinflusst haben könnte.

Zum einen untersuchten sie die Diversifikation der Chamäleon-Arten auf Madagaskar. Es gibt evolutionsgeschichtlich zwei Zeitpunkte, an denen sich Chamäleons offenbar übers Meer vom Festland Afrikas nach Madagaskar ausbreiteten. Einer liegt etwa 65 Millionen Jahre in der Vergangenheit, der andere 45 Millionen Jahre. Man könnte nun denken, dass die klimatisch extrem unterschiedlichen Lebensräume auf Madagaskar die Artentwicklung nach der Verbreitung übers Meer sehr schnell vorangetrieben haben könnten. Zur Überraschung der Forscher fand sich jedoch kein Hinweis darauf. Der Artenreichtum an Chamäleons auf Madagaskar muss also daher kommen, dass sich Chamäleons dort schon sehr früh verbreiteten und damit einfach nur sehr viel mehr Zeit hatten, sich zu verschiedenen Arten zu entwickeln, als anderswo.

Des Weiteren untersuchten die Forscher, ob der Wechsel zwischen zwei Ökomorphen – von Boden bewohnenden Stummelschwanzchamäleons zu Baum bewohnenden Chamäleons mit längeren Schwänzen – einen Einfluss auf die Artenvielfalt hatte. Eher überraschend war, dass dies nicht der Fall zu sein schien. Die Entwicklung zu Baumbewohnern mit längeren Schwänzen fand relativ früh zu ein oder zwei Gelegenheiten statt. Es konnten keine Hinweise darauf gefunden werden, dass der Wechsel zwischen Ökomorphen die Diversifizierung beschleunigt hätte. Stattdessen stellte sich heraus, dass Artbildungsraten sich in den letzten 60 Millionen Jahren immer weiter verlangsamten. Nur ein sehr früher Verbreitungsevent der Gattung Bradypodion in Südafrika vor rund 10 Millionen Jahren ging  mit einer doppelt bis vierfachen Artbildungsrate einher.

Als dritten Studienschwerpunkt untersuchten die Forscher die Gattung Bradypodion. Während des Klimawandels im Miozän vor rund 10 Millionen Jahren veränderten sich Südafrika sehr stark. Wälder verschwanden, zurück blieben isolierte Waldlebensräume und dazwischen Savannen, die heute zum Teil  sogenannte Hot Spots der Artenvielfalt sind. In zwei davon, der Cape Floristic Region am südwestlichen Zipfel Südafrikas und Maputuland-Pondoland-Albany an der Ostküste Südafrikas, kommen besonders viele Bradypodion-Arten vor. Jede Art ist dabei auf ein geografisch sehr klar begrenztes Gebiet limitiert. Die Forscher vermuten deshalb, dass sich Bradypodion-Arten tatsächlich unter Einfluss der Lebensraum-Veränderung schneller entwickelt haben. Es ist anzumerken, dass die Diversifikationsrate der Gattung Bradypodion wahrscheinlich eher unterschätzt wird, da noch von etlichen versteckten Arten auszugehen ist.

Diversification dynamics of chameleons (Chamaeleonidae)
Stephen Giles, Kevin Arbuckle
Journal of Zoology, 2022
DOI: 10.1111/jzo.13019[:en]

From earlier studies, we know that the first chameleons evolved in the late Cretaceous, about 90 million years ago, on mainland of Africa. Around the border between the Cretaceous and Tertiary periods, about 65 million years ago, different species began to evolve. It is still unclear today which factors contributed to the diversity of species. Two researchers from Swansea University in Wales have now used various computational models of phylogenetics to investigate what might have influenced diversification (the splitting of chameleons into many different species).

First, they studied the diversification of chameleon species in Madagascar. In terms of evolutionary history, there are two points in time when chameleons apparently spread across the sea from mainland Africa to Madagascar. One is about 65 million years in the past, the other 45 million years. You could now think that the climatically extremely different habitats in Madagascar could have driven the evolution of the species very quickly after the spread across the sea. To the surprise of the researchers, however, no evidence of this was found. The species richness of chameleons on Madagascar must therefore come from the fact that chameleons spread there very early and thus simply had much more time to develop into different species than elsewhere.

Furthermore, the researchers investigated whether switching between two ecomorphs – from ground-dwelling stub-tailed chameleons to tree-dwelling chameleons with longer tails – had an impact on species diversity. Rather surprisingly, this did not seem to be the case. The evolution to tree-dwellers with longer tails occurred relatively early on one or two occasions. No evidence could be found that different ecomorphs accelerated diversification. Instead, speciation rates were found to slow down progressively over the last 60 million years. Only a very early dispersal event of the genus Bradypodion in South Africa around 10 million years ago was accompanied by a two- to fourfold diversification rate.

As a third focus of the study, the researchers examined the genus Bradypodion. During the climate change in the Miocene around 10 million years ago, South Africa changed a lot. Forests disappeared, leaving behind isolated forest habitats and, in between, savannahs, some of which are now so-called hot spots of biodiversity. Two of them, the Cape Floristic Region at the southwestern tip of South Africa and Maputuland-Pondoland-Albany on the east coast of South Africa, are home to a particularly large number of Bradypodion species. Each species is limited to a geographically very clearly defined area. The researchers, therefore, suspect that Bradypodion species have actually evolved faster under the influence of habitat change. It should be noted that the diversification rate of the genus Bradypodion is probably rather underestimated, as there are still many hidden species to be assumed.

Diversification dynamics of chameleons (Chamaeleonidae)
Stephen Giles, Kevin Arbuckle
Journal of Zoology, 2022
DOI: 10.1111/jzo.13019[:]

[:de]Unerwartete genetische Vielfalt bei Erdchamäleons im Westen Madagaskars[:en]Unexpected genetic diversity in leaf chameleons in western Madagascar[:]

[:de]Unerwartete genetische Vielfalt bei Erdchamäleons im Westen Madagaskars[:en]Unexpected genetic diversity in leaf chameleons in western Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Bisher dachte man, dass das Erdchamäleon Brookesia bonsi ausschließlich in den Tsingy von Namoroka im Westen Madagaskars vorkommt. Deutsche und madagassische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass gut 150 km weiter nördlich unweit der Küstenstadt Mahajanga sehr nahe Verwandte der Art leben. Die Erdchamäleons aus einem Wald bei Antsanitia sehen zwar äußerlich eher Brookesia decaryi ähnlich, genetisch sind sie aber näher verwandt mit Brookesia bonsi. Dagegen scheinen die echten Brookesia decaryi aus Ankarafantsika, 80 km östlich von Mahajanga, ausschließlich auf dieses Vorkommen beschränkt und nicht weiter verbreitet zu sein, wie man ursprünglich angenommen hatte. In den gleichen Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass eine weitere Population Erdchamäleons aus dem UNESCO Weltnanturerbe Tsingy de Bemaraha ebenfalls nahe verwandt mit Brookesia bonsi ist. Die Erdchamäleons der dort vorkommenden Population hatte man rein optisch bisher eher Brookesia brygooi zugeordnet.

Weitere Arbeiten sind nun notwendig, um die genaue genetische Identität der Brookesia aff. bonsi zu klären. Sind es eigene Arten oder lediglich lokal isolierte Populationen von Brookesia bonsi? Eins jedoch ist schon jetzt sicher: Der Lebensraum nahe Mahajanga sollte dringend unter Schutz gestellt werden. Die Erdchamäleons müssen geschützt werden, damit sie überhaupt weiter erforscht werden können. Nach der aktuellen Datenlage könnten sie bereits jetzt vom Aussterben bedroht (IUCN: critically endangered) sein. Und die weitere Forschung könnte noch sehr spannend werden!

New records of threatened leaf chameleons highlight unexpected genetic diversity of the Brookesia decaryi / B. bonsi species complex in western Madagascar
Frank Glaw, Njaratiana A. Raharinoro, Rojo N. Ravelojaona, David Prötzel und Miguel Vences
Der Zoologische Garten 90, 2022 (1)
DOI 10.53188/zg003[:en]

Until now, it was thought that the earth chameleon Brookesia bonsi occurs exclusively in the Tsingy of Namoroka in western Madagascar. German and Malagasy researchers have now discovered that very close relatives of the species live a good 150 km further north, not far from the coastal town of Mahajanga. The earth chameleons from a forest near Antsanitia look more like Brookesia decaryi on the outside, but genetically they are more closely related to Brookesia bonsi. In contrast, the true Brookesia decaryi from Ankarafantsika, 80 km east of Mahajanga, seems to be exclusively restricted to this occurrence and not more widespread, as originally assumed. In the same studies, the scientists found that another population of leaf chameleons from the UNESCO World Heritage Site Tsingy de Bemaraha is also closely related to Brookesia bonsi. The leaf chameleons of the population found there had previously been assigned to Brookesia brygooi on a purely visual basis.

Further work is now necessary to clarify the exact genetic identity of Brookesia aff. bonsi. Are they separate species or merely locally isolated populations of Brookesia bonsi? One thing, however, is already certain: the habitat near Mahajanga should urgently be placed under protection. The leaf chameleons must be protected so that they can be studied further. According to current data, they could already be critically endangered (IUCN). And further research could still be very exciting!

New records of threatened leaf chameleons highlight unexpected genetic diversity of the Brookesia decaryi / B. bonsi species complex in western Madagascar
Frank Glaw, Njaratiana A. Raharinoro, Rojo N. Ravelojaona, David Prötzel und Miguel Vences
Der Zoologische Garten 90, 2022 (1)
DOI 10.53188/zg003[:]