[:de]Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika[:en]Invasive chameleons in subsaharan Africa[:]

[:de]Eingeschleppte Chamäleons in Subsahara-Afrika[:en]Invasive chameleons in subsaharan Africa[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Ein polnischer Biologe hat kürzlich ausgewertet, wie viele eingeschleppte Reptilien- und Amphibienarten es in Subsahara-Afrika gibt.

Unter den in andere Länder eingeschleppte Arten finden sich auch einige Chamäleons: Das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) wurde bereits vor 1830 in La Réunion eingeführt. Es kommt bis heute auf der Insel vor. Das Kap-Zwergchamäleon (Bradypodion pumilum) wurde in den 1990er Jahren in Namibia ausgesetzt und bildete kleine Populationen in Swakopmund, Walvis Bay, Lüderitz und Windhoek. Alle diese Populationen sind heute jedoch ausgestorben. Das Parsons Chamäleon (Calumma parsonii parsonii) wurde in den 1960er Jahren von Madagaskar nach Mauritius gebracht. Eine überlebensfähige Population wurde daraus jedoch nicht. Das Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) wurde vor 1978 in die südafrikanische Provinz Freistaat verschleppt, scheint dort aber ebenfalls keine eigenständige Population gebildet zu haben. Und zuletzt wurden verschiedene Zwergchamäleon-Arten (Bradypodion ssp.) im Jahr 1939 in die Provinz Freistaat in Südafrika gebracht. Auch sie erzeugten keine bleibende Population.

Insgesamt sind vor allem Echsen in Subsahara-Afrika in fremde Länder eingeschleppt worden (23 Arten), direkt dahinter kommen Amphibien (21 Arten) und Schlangen (14 Arten). Die meisten eingeschleppten Arten werden in Südafrika beobachtet, außerdem aber auch in Madagaskar, den Maskarenen und umliegenden Inseln. Unklar ist, ob weiter nördlich gelegene afrikanische Länder eingeschleppte Arten geringer beobachten oder dort tatsächlich weniger vorhanden sind. Zwei Drittel der eingeschleppten Arten, die eigene Populationen etablierten konnten, kamen aus anderen Regionen Afrikas oder der umliegenden Inseln sowie dem Orient. Bei den Arten, die sich nach ihrer Verschleppung nicht vermehren konnten, sieht das deutlich anders aus.

Die frühesten Verschleppungen in Subsahara-Afrika sind aus dem 17. Jahrhundert bekannt, darunter der Vierkrallengecko (Gehyra mutilata) und der Maskarenenfrosch (Ptychadena mascareniensis). Mit dem Kolonialismus steigen die Zahlen verschleppter Arten stark an. Ein weiterer Peak liegt ab etwa 2000 mit steigendem internationalem Handel.

Die Gründe für die Verschleppungen sind vielfältig, zumeist aber passiert es unbeabsichtigt. Vor allem Geckos und Frösche werden häufig als blinde Passagiere mit Obsttransporten, Container auf Schiffen oder im Gepäck von Touristen verschleppt. Seltener werden Reptilien und Amphibien absichtlich ausgesetzt, wie im Fall des Kap-Zwerggecko (Lygodactylus capensis), der in einer Gärtnerei ausgesetzt wurde. Das Aussetzen von als Haustieren gehaltenen Reptilien und Amphibien führt meist nicht zur Etablierung von sich vermehrenden Populationen. Zwei Fälle von beabsichtigtem Aussetzen zur biologischen Kontrolle anderer Tierarten sind bekannt, ebenfalls drei beabsichtigte Freilassungen ohne Gründe.

Potenzielle Probleme der eingeschleppten Arten sind vor allem die Verdrängung anderer einheimischer Arten, aber auch das Fressen einheimischer Arten. Die Hybridisierung mit einheimischen Arten findet sehr selten statt. Die Verbreitung von Krankheiten, beispielsweise Parasitosen, ist ein häufiges Problem. Von verschleppten Chamäleons ist bisher keines dieser Probleme bekannt, allerdings gibt es auch vielerorts kaum Studien zum Thema.

Herping the African Continent: Alien Amphibians and Reptiles in Sub-Saharan Africa
Grzegorz Kopij
Biology 2026, 15: 639
DOI: 10.3390/biology15080639
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Foto: Ein Furcifer pardalis auf La Réunion, fotografiert von Jason Berger, CC BY 4.0[:en]

A Polish biologist has recently assessed the number of introduced reptile and amphibian species in sub-Saharan Africa.

Among the species introduced into other countries are also a number of chameleons: the panther chameleon (Furcifer pardalis) was introduced to Réunion before 1830. It is still found on the island today. The Cape dwarf chameleon (Bradypodion pumilum) was released in Namibia in the 1990s and established small populations in Swakopmund, Walvis Bay, Lüderitz and Windhoek. However, all these populations are now extinct. The Parsons’ chameleon (Calumma parsonii parsonii) was introduced from Madagascar to Mauritius in the 1960s. However, this did not result in a viable population. The frilled chameleon (Chamaeleo dilepis) was introduced to the South African province of the Free State before 1978, but does not appear to have established a self-sustaining population there either. Finally, various species of dwarf chameleon (Bradypodion ssp.) were introduced to the Free State province in South Africa in 1939. They, too, failed to establish a permanent population.

Overall, lizards have been introduced into non-native countries in sub-Saharan Africa more than any other group (23 species), followed closely by amphibians (21 species) and snakes (14 species). Most introduced species are observed in South Africa, but also in Madagascar, the Mascarene Islands and surrounding islands. It is unclear whether introduced species are observed less frequently in African countries further north, or whether they are actually less prevalent there. Two-thirds of the introduced species that managed to establish their own populations originated from other regions of Africa or the surrounding islands, as well as the Middle East. The situation is quite different for species that were unable to reproduce after being introduced.

The earliest cases of species introduction in sub-Saharan Africa date back to the 17th century, including the four-clawed gecko (Gehyra mutilata) and the Mascarene frog (Ptychadena mascareniensis). With the advent of colonialism, the number of introduced species rose sharply. A further peak occurred from around the year 2000 onwards, coinciding with an increase in international trade.

There are many reasons why animals are transported unintentionally, but in most cases it happens by accident. Geckos and frogs, in particular, are frequently transported as stowaways in fruit shipments, in shipping containers, or in tourists’ luggage. Less commonly, reptiles and amphibians are deliberately released, as in the case of the Cape dwarf gecko (Lygodactylus capensis), which was released at a nursery. The release of reptiles and amphibians kept as pets does not usually lead to the establishment of breeding populations. Two cases of deliberate release for the purpose of biological control of other animal species are known, as are three deliberate releases for no apparent reason. The release of reptiles and amphibians kept as pets does not usually lead to the establishment of breeding populations. Two cases of deliberate release for the purpose of biological control of other animal species are known, as are three deliberate releases for no apparent reason.

The main potential problems posed by introduced species are the displacement of other native species, but also predation on native species. Hybridisation with native species occurs very rarely. The spread of diseases, such as parasitic infections, is a common problem. None of these problems have been reported in relation to introduced chameleons to date; however, there are very few studies on the subject in many places.

Herping the African Continent: Alien Amphibians and Reptiles in Sub-Saharan Africa
Grzegorz Kopij
Biology 2026, 15: 639
DOI: 10.3390/biology15080639
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Photo: A Furcifer pardalis on Réunion, photographed by Jason Berger, CC BY 4.0[:]

[:de]Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons[:en]Frugivory and temperature-regulated behaviour in the Knysna dwarf chameleon[:]

[:de]Frugivorie und Temperatur steuerndes Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons[:en]Frugivory and temperature-regulated behaviour in the Knysna dwarf chameleon[:]

Beobachtungen Wissenschaft

[:de]

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich im Zuge einer Beobachtungsstudie mit dem Verhalten des Knysna-Zwergchamäleons Bradypodion damaranum beschäftigt. Ort der Studie war ein Park in George in der Provinz Westkap. Der Park wird vorwiegend von Fußgängern, Radfahrern und Hundehaltern zur Erholung genutzt, so dass die Chamäleons dort an Menschen in gewissem Rahmen gewöhnt sind.

Sechs adulte Bradypodion damaranum wurden abends im Licht von Taschenlampen gefunden und mit Transmittern versehen. Die Transmitter wurden mit Gewebekleber an die Flanke geklebt. Tagsüber wurde dann je ein Chamäleon von einem Wissenschaftler für bis zu 4,5 h beobachtet, darunter auch unbesenderte Tiere. Anschließend wurden die besenderten Chamäleons aufgesucht und die Sender wieder entfernt.

Insgesamt konnten 30 Chamäleons beobachtet werden, davon sechs besenderte und 24 unbesenderte Tiere. Bei steigenden Temperaturen mit Spitzen zwischen 36 und 40°C um die Mittagszeit konnten insgesamt sechs Bradypodion damaranum dabei beobachtet werden, wie sie sich zügig in schattigere, niedriger gelegenere Bereiche der Vegetation verzogen. Die meisten färbten sich dabei deutlich heller als zuvor. An einem anderen Tag lagen die Temperaturen bei Sonnenaufgang erst bei 8°C. Mehrere Chamäleons wurden dabei beobachtet, wie sie sich sehr langsam zu Sonnenplätzen bewegten. Zwei wurden bei 12°C bei der Futteraufnahme beobachtet.

Zudem wurde zwei Mal verschiedene Bradypodion damaranum bei der Aufnahme reifer Beeren von Fruchtsträuchen (Halleria lucida) gesehen. Frugivorie war bisher von dieser Art nicht bekannt. Ein weiteres Chamäleon wurde dabei beobachtet, wie es die Blüte eines Blitzstrauches (Clutia pulchella) verzehrte. Insgesamt scheint dies aber selten vorzukommen, da es während 142 Stunden Beobachtungszeit nur wenige Male beobachtet werden konnte.

Natural history observation of the Knsysna Dwarf Chameleon, Bradypodion damaranum (Boulenger, 1887): thermal extremes and feeding on flora
Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander
Herpetology Notes 19, 2026: 219-228.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Ein Bradypodion damaranum, dass vor den steigenden Temperaturen Zuflucht am Stamm eines Karminroten Zylinderputzers (Callistemon citrinus) gesucht hat, aus der genannten Publikation

[:en]

South African scientists have conducted an observational study into the behaviour of the Knysna dwarf chameleon (Bradypodion damaranum). The study was carried out in a park in George, in the Western Cape province. The park is mainly used by walkers, cyclists and dog owners for recreational purposes, meaning that the chameleons there are, to a certain extent, accustomed to people.

Six adult Bradypodion damaranum were found in the evening by torchlight and fitted with transmitters. The transmitters were attached to their flanks using tissue adhesive. During the day, one chameleon at a time was observed by a researcher for up to 4.5 hours, including those without transmitters. The chameleons fitted with transmitters were then located and the transmitters removed.

A total of 30 chameleons were observed, six of which were tagged and 24 untagged. As temperatures rose, peaking between 36 and 40°C around midday, a total of six Bradypodion damaranum were observed quickly retreating to shadier, lower-lying areas of the vegetation. Most of them turned noticeably paler than before. On another day, temperatures at sunrise were only 8°C. Several chameleons were observed moving very slowly towards sunny spots. Two were observed feeding at 12°C.

In addition, two Bradypodion damaranum were observed feeding on ripe berries from fruit bushes (Halleria lucida). Frugivory had not previously been recorded in this species. Another chameleon was observed consuming the flower of a Clutia pulchella. Overall, however, this appears to be a rare occurrence, as it was observed only a few times during 142 hours of observation.

Natural history observation of the Knsysna Dwarf Chameleon, Bradypodion damaranum (Boulenger, 1887): thermal extremes and feeding on flora
Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander
Herpetology Notes 19, 2026: 219-228.
DOI: not available
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Photo: A Bradypodion damaranum that has sought refuge from the rising temperatures on the trunk of a carmine-red bottlebrush (Callistemon citrinus), from the publication mentioned

[:]

[:de]Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen[:en]The diet of dwarf chameleons in different habitats[:]

[:de]Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen[:en]The diet of dwarf chameleons in different habitats[:]

Wissenschaft

[:de]

Zoologen der Universität von Johannesburg haben sich kürzlich damit beschäftigt, welche Futtertiere von Zwergchamäleons in verschiedenen Lebensräumen aufgenommen werden. Dazu sammelten sie jeweils in den Provinzen Westkap und Ostkap in Südafrika Chamäleons  der beiden Arten Bradypodion damaranum und Bradypodion ventrale. Die Tiere wurden für maximal 24 h gehältert, bis Kot abgesetzt wurde. Insgesamt konnten so 22 Kotproben gewonnen werden, elf von jeder Art. Davon stammten jeweils sechs Kotproben aus natürlichen Habitaten und fünf aus städtischem Umfeld.

Die verschiedenen Kotproben wurden mittels DNA-Analysen ausgewertet. Anschließend wurden statistisch untersucht, welche unterschiedlichen Nahrungsbestandteile in den verschiedenen Populationen von Zwergchamäleons gefunden worden waren.

41 verschiedene Arten von Arthropoden sowie eine Art Wurm, vermutlich von einem Mistkäfer, wurden im Kot gefunden. Die Schmeißfliege Stomorhina lunata war am häufigsten als Futtertier vertreten, direkt gefolgt von einer Baumwanze (Glypsus conspicuus) und einer Raubwanze (Rhynocoris kumari). Sowohl Bradypodion damaranum als auch Bradypodion ventrale ernährte sich hauptsächlich von Käfern, Zweiflüglgern, Schmetterlingen und Schnabelkerfen.

Zur Überraschung der Wissenschaftler stellte sich heraus, dass sich die Nahrung der beiden Chamäleonarten in unterschiedlichen Lebensräumen kaum voneinander unterschied. Insgesamt zeigten sich Unterschiede vor allem auf Art- und weniger auf Ordnungsebene. Die Populationen in natürlichen Lebensräumen ernährten sich dabei unter anderem von etwas mehr Fliegen und Spinnentieren, während die im städtischen Umfeld mehr auf Schmetterlinge zurückgriffen. Erstmals als Futtertiere von Bradypodion wurden Netzflügler, Fransenflügler und Köcherfliegen dokumentiert.

Peri-urban sustenance: unexpectedly broad overlap in dwarf chameleon (Bradypodion) diets between natural and transformed habitats
Matthew G. Adair, Peter R. Teske, Krystal A. Tolley
Urban Ecosystems 2026, 29:92.
DOI: nicht verfügbar
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Zoologists at the University of Johannesburg have recently investigated which prey items are consumed by dwarf chameleons in different habitats. To this end, they collected chameleons of the two species Bradypodion damaranum and Bradypodion ventrale in the Western Cape and Eastern Cape provinces of South Africa. The animals were kept in captivity for a maximum of 24 hours until faeces were produced. A total of 22 faecal samples were obtained, eleven from each species. Of these, six faecal samples from each species came from natural habitats and five from peri-urban environments.

The various faecal samples were analysed using DNA techniques. Subsequently, statistical analyses were carried out to determine which different food components had been found in the various populations of dwarf chameleons.

41 different species of arthropods, as well as one species of worm, presumably from a dung beetle, were found in the faeces. The blowfly Stomorhina lunata was the most common prey species, closely followed by a tree bug (Glypsus conspicuus) and a predatory bug (Rhynocoris kumari). Both Bradypodion damaranum and Bradypodion ventrale fed mainly on beetles, dipterans, butterflies and leafhoppers.

To the scientists’ surprise, it turned out that the diet of the two chameleon species in different habitats hardly differed from one another. Overall, differences were observed primarily at the species level rather than the order level. Populations in natural habitats fed, among other things, on slightly more flies and arachnids, whilst those in urban environments relied more on butterflies. For the first time, lace-wings, thrips and caddiesflies were documented as prey for Bradypodion.

Peri-urban sustenance: unexpectedly broad overlap in dwarf chameleon (Bradypodion) diets between natural and transformed habitats
Matthew G. Adair, Peter R. Teske, Krystal A. Tolley
Urban Ecosystems 2026, 29:92.
DOI: not available
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[:de]Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?[:en]Do different ecomorphs use different perches?[:]

[:de]Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?[:en]Do different ecomorphs use different perches?[:]

Wissenschaft

[:de]

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ob sich der Körperbau eines Zwergchamäleons auf die von ihm bevorzugt genutzten Äste auswirkt. In Südafrika sind drei verschiedene sogenannte Ektomorphe, also Körperbautypen, bei Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion bekannt: Einmal den Waldtyp. Dieser Typ kommt in geschlossenen Wäldern vor, ist groß mit langem Schwanz, aber dabei relativ zierlich. Typisch für den Waldtyp sind leuchtende Farben und auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung. Der zweite Typ ist der des „kleinen braunen Chamäleons“, das in offenen Lebensräumen wie Heide, Grassavanne oder Fynbos vorkommt. Wie der Name es schon vermuten lässt, ist dieser Chamäleontyp klein, unauffällig braun oder grünlich gefärbt und zeigt eine stark reduzierte Kehl- und Helmbeschuppung. Der dritte Ektomorph ist der Buschlandtyp: Chamäleons in Buschland oder Dickicht, die groß, aber insgesamt eher plump und kurzschwänzig sind, eher unauffällig gefärbt, dabei aber eine auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung aufweisen.

Die Wissenschaftler maßen die Durchmesserung und Winkelung der von verschiedenen Bradypodion-Arten genutzten Ästen. Folgende Arten waren unter den Probanden: B. barabtulum, B. baviaanense, B. caffrum, B. damaranum, B. ketanicum, B. melanocephalum, B. occidentale, B. pumilum, B. setaroi, B. taeniabronchum, B. thamnobates, B. transvaalense und B. ventrale, zusätzlich die drei candidate species „emerald“, „groendal“ und „karkloof“. Chamäleons aus 38 verschiedenen Populationen in ganz Südafrika wurden jeweils nachts vermessen und in eine der drei genannten Körperbau-Typen sortiert. Zusätzlich wurde entlang je 100 m langer, zufällig ausgewählter Transekte alle 10 m Ast-Durchmesser und -winkel im Umkreis von je einem Meter vermessen.

Anschließend wurden die Daten statistisch ausgewertet. Im Zeitraum von 2007 bis 2024 konnten insgesamt 1755 adulte Bradypodion und deren Äste vermessen werden. Im Wald stand den Chamäleons eine wesentlich höhere Vielfalt and Durchmesser und Winkelung geeigneter Äste zur Verfügung als in den beiden anderen Habitaten. Die Chamäleons zeigten im Wald keine Bevorzugung bestimmter Äste, sondern „nutzten was da war“. Der Lebensraum der „kleinen braunen Chamäleons“ dagegen wies deutlich mehr vertikale, dünnere Äste als der Wald auf, die aber eine ähnliche Winkelung hatten. Die Dichte an Zweigen war in diesem Habitat am höchsten. Die „kleinen braunen Chamäleons“ wählten jedoch signifikant weniger häufig vertikale und meist auch dickere Äste als in ihrem Lebensraum vorhanden gewesen wäre. Im Buschland fanden die Wissenschaftler mehr vertikale und dünnere Äste als im Wald, und in der Zahl unterschieden sich die Äste nicht vom offenen Lebensraum wie Fynbos, aber durch einen anderen Astdurchmesser. Der Buschland-Körpertyp war größer als in den beiden anderen Lebensräumen. Auffällig war bei den Buschland-Chamäleons, dass Weibchen lieber dickere Äste nutzten und auch lieber weniger vertikale Äste als vorhanden waren.

Die Studie zeigt, dass tatsächlich unterschiedliche Ektomorphe von Zwergchamäleons in Südafrika auch unterschiedliche Lebensraumstrukturen besetzen.

Comparing perch availability and perch use between African dwarf chameleon (Bradypodion) ectomorphs
Jody M. Barends, Melissa A. Petford, Krystal A. Tolley
Current Zoology 71(5), 2025: 633-644
DOI: 10.1093/cz/zoae076
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Grafik: Die drei unterschiedlichen Körperbau-Typen, aus der oben genannten Publikation[:en]

South African scientists have investigated whether the physique of a dwarf chameleon affects the branches it prefers to use. In South Africa, three different ectomorphs, or body types, are known among dwarf chameleons of the genus Bradypodion: First, there is the forest ecomorph. This ecomorph is found in closed canopy forests, is large with a long tail, but relatively gracile. Typical for the forest ecomorph are bright colours and conspicuous gular and and casque ornamentations. The second ecomorph is the ‘small brown chameleon’, which occurs in open habitats such as heathland, grass savannah or fynbos. As the name suggests, this type of chameleon is small, inconspicuous brown or greenish in colour and has reduced gular and casque ornamentation. The third ecomorph is the bushland ecomorph: chameleons in bushland or thickets that are large but generally rather heavy-bodied and short-tailed, rather inconspicuous in colour, but with conspicuous gular and casque ornamentation.

The scientists measured the diameter and angle of the branches used by different Bradypodion species. The following species were among the test subjects: B. barabtulum, B. baviaanense, B. caffrum, B. damaranum, B. ketanicum, B. melanocephalum, B. occidentale, B. pumilum, B. setaroi, B. taeniabronchum, B. thamnobates, B. transvaalense and B. ventrale, as well as the three candidate species ‘emerald’, “groendal” and ‘karkloof’. Chameleons from 38 different populations across South Africa were measured at night and sorted into one of the three body types mentioned above. In addition, branch diameters and angles were measured every 10 metres along randomly selected 100-metre-long transects within a radius of one metre.

The data was then statistically evaluated. Between 2007 and 2024, a total of 1,755 adult Bradypodion and their branches were measured. The forest ecomorph chameleons had access to a much greater variety of suitable branches in terms of diameter and angle than in the other two habitats. The chameleons did not show a preference for certain branches in the forest, but rather ‘used what was available’. The habitat of the ‘small brown chameleons’, on the other hand, had significantly more vertical, thinner branches than the forest, but these had a similar angle. The density of branches was highest in this habitat. However, the ‘small brown chameleons’ chose vertical and usually thicker branches significantly less often than would have been available in their habitat. In the shrubland, the scientists found more vertical and thinner branches than in the forest, and in terms of number, the branches did not differ from the open habitat such as fynbos, but differed in branch diameter. The shrubland ecomorph was larger than those ecomorphs of the other two habitats. It was noticeable that the female shrubland chameleons preferred to use thicker branches and also preferred fewer vertical branches than were available.

The study shows that different ectomorphs of dwarf chameleons in South Africa do indeed occupy different habitat structures.

Comparing perch availability and perch use between African dwarf chameleon (Bradypodion) ecomorphs
Jody M. Barends, Melissa A. Petford, Krystal A. Tolley
Current Zoology 71(5), 2025: 633-644
DOI: 10.1093/cz/zoae076
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Graphic: The three different ecomorphs, from the above-mentioned publication[:]

[:de]Bradypodion pumilum: Doch ein Lauerjäger[:en]Cape dwarf chameleons are ambush predators[:]

[:de]Bradypodion pumilum: Doch ein Lauerjäger[:en]Cape dwarf chameleons are ambush predators[:]

Beobachtungen Wissenschaft

[:de]

Klassisch wurde lange nur zwischen zwei Varianten der Nahrungssuche unterschieden: Verfolgungsjäger (active forage) und Lauerjäger (sit and wait oder ambush foragers). Vor vielen Jahren stuften zwei Veröffentlichungen Chamäleons dann als „cruise forager“, also sich langsam durch das Gebüsch bewegende Jäger, ein. Eine Studie aus Südafrika beschäftigt sich nun damit, ob das stimmt und ob nicht weitere Faktoren zur Bewegung beitragen. Denn um den Modus der Nahrungssuche bewerten zu können, müsste man eigentlich auch Bewegung zur Regulation der Körpertemperatur, dem Ausweichen vor Fressfeinden oder Kontrahenten, der Suche nach Weibchen oder für Mate Guarding „herausrechnen“.

Dazu wurden 38 markierte (12 davon besenderte) Bradypodion pumilum über 10 Tage im April und 10 Tage im Februar begleitet. Die Chamäleons leben im Brümmer Park in Stellenbosch in der Provinz Westkap. Sie teilten sich auf in 17 männliche, 19 weibliche und 2 unbestimmte Bradypodion pumilum. Die Tiere wurden jeden Abend und jeden Morgen an den genannten Tagen mittels Telemetrie und bloßem Auge lokalisiert. Jedes Chamäleon wurde für 60 bis 180 Minuten am Stück beobachtet, wobei je zwei bis vier Beobachter sich dabei mit einem Fernglas zwischen 5 und 10 m vom zu beobachtenden Chamäleon weg befanden. Die Forscher zeichneten Bewegungen und stillsitzendes Verhalten auf und ordneten den Bewegungen jeweils die dazugehörige Motivation zu, nahmen Futteraufnahme und Schusszahlen auf.

Insgesamt kamen 171 Stunden Beobachtungszeit zusammen. Die überwiegende Zeit des Tages (über 75%) verbrachten die Bradypodion pumilum im Brümmer Park unbeweglich auf ihrem Ast. Am Morgen saßen sie sogar zu über 80% herum, wobei fast die Hälfte dieser Zeit gesonnt wurde, vermutlich um sich aufzuwärmen, und die andere Hälfte in schattiger Vegetation verbracht wurde. 26 Bradypodion pumilum fraßen im Beobachtungszeitraum insgesamt 110 Mal. Dabei fraßen sie signifikant häufiger (über 80%), wenn sie sich gerade nicht bewegten. Ein starker Faktor für Bewegung war die Interaktion mit Artgenossen – während den Beobachtungen wurde ein Männchen sogar von einem Weibchen so vertrieben, das es vom Baum fiel.

Die Autoren schließen aus ihrer Studie, dass es sich bei Bradypodion pumilum wohl doch eher um einen Lauerjäger handelt.

 A multi-index approach to assessing foraging mode: a case study using chameleons
Wade K. Stanton-Jones, Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Graham J. Alexander
Current Zoology, 2025, zoaf065
DOI: 10.1093/cz/zoaf065
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Foto: Besendertes Bradypodion pumilum aus der genannten Studie[:en]

For a long time, only two types of foraging behaviour were distinguished: active foragers and sit-and-wait or ambush foragers. Many years ago, two publications classified chameleons as ‘cruise foragers’, i.e. hunters that move slowly through the bushes, stop to feed and then move on. A study from South Africa is now investigating whether this is true and whether other factors contribute to movement. In order to evaluate the mode of foraging, one would actually have to ‘factor out’ movement for regulating body temperature, evading predators or opponents, searching for females or mate guarding.

To this end, 38 tagged (12 of them radio-tagged) Bradypodion pumilum were tracked over 10 days in April and 10 days in February. The chameleons live in Brümmer Park in Stellenbosch in the Western Cape province. They were divided into 17 male, 19 female and 2 indeterminate Bradypodion pumilum. The animals were located every evening and every morning on the specified days using telemetry and the naked eye. Each chameleon was observed for 60 to 180 minutes at a time, with two to four observers using binoculars from a distance of 5 to 10 metres from the chameleon being observed. The researchers recorded movements and stationary behaviour and assigned the corresponding motivation to each movement, noting food intake and number of shots.

A total of 171 hours of observation time was accumulated. Bradypodion pumilum spent most of the day (over 75%) stationary on their branches in Brümmer Park. In the morning, over 80% of them were sitting around, with almost half of this time spent sunbathing, presumably to warm up, and the other half spent stationary in shady vegetation. During the observation period, 26 Bradypodion pumilum fed a total of 110 times. They ate significantly more often (over 80%) when they were not moving. A strong factor for movement was interaction with conspecifics – during the observations, one male was even chased away by a female, causing it to fall from the tree.

The authors conclude from their study that Bradypodion pumilum is more likely to be a ambush hunter.

A multi-index approach to assessing foraging mode: a case study using chameleons
Wade K. Stanton-Jones, Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Graham J. Alexander
Current Zoology, 2025, zoaf065
DOI: 10.1093/cz/zoaf065
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Photo: Bradypodion pumilum tagged with a transmitter from the study mentioned above[:]

[:de]Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika[:en]Comparisons between dwarf chameleons in South Africa[:]

[:de]Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika[:en]Comparisons between dwarf chameleons in South Africa[:]

Wissenschaft

[:de]

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich kürzlich damit beschäftigt, ob drei sehr nah verwandte Bradypodion Linien in der Provinz Ostkap, Südafrika, auf Grund ihrer unterschiedlichen Lebensräume unterschiedlich entwickelt haben oder andere Ursachen dafür verantwortlich sind.

Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit den beiden Arten Bradypodion ventrale aus der Nama-Karoo und Bradypodion taeniabronchium aus den Elandsberg und Tsitsikamma Mountains und dem Fynbos von Thyspunt und Honeyville sowie einer bisher nicht als eigenen Art beschriebenen Population von Zwergchamäleons aus dem Fynbos der Groot Winterhoek Mountains. Letztere werden, da sie unter anderem im Groendal Nature Reserve vorkommen, häufig als Bradypodion sp. „groendal“ bezeichnet.

Nachts wurden mittels Taschenlampe und bloßen Augen Chamäleons gesucht. Adulte Chamäleons mit einer Körperlänge (SVL) von über 36 mm wurden über Nacht mitgenommen, um am nächsten Tag wieder an der Fundstelle ausgesetzt zu werden. Alle Tiere wurden genau vermessen. Gewebeproben von der Schwanzspitze wurden entnommen. Zusätzlich wurde die Astdicke und -höhe der Äste gemessen, auf denen die Chamäleons gefunden wurden. Weitere Astdicken wurden entlang je drei 100 m langer Transekte in jeder Population aufgezeichnet. Die erhobenen Daten wurden statistisch ausgewertet, die Gewebeproben genetisch untersucht.

Insgesamt konnten 232 Chamäleon für die Studie beprobt werden. Bradypodion taeniabronchium zeigte deutlich kleinere Kopfmerkmale als die beiden anderen Arten, dafür aber größere Hände und Füße. Bradypodion ventrale war insgesamt größer als die anderen, hatte aber längere Extremitäten. Bradypodion taeniabronchium nutzte die breitesten Äste (durchschnittlich 2,83 mm im Durchmesser), aber auch die niedrigsten (durchschnittlich 82 cm über dem Boden). Bradypodion ventrale dagegen nutze die dünnsten Äste (durchschnittlich 1,52 mm im Durchmesser), dafür aber die höchsten (durchschnittlich knapp 93 cm über dem Boden).

Die Forscher stellten fest, dass es bei allen drei Populationen von Zwergchamäleons eine erhöhte äußere Ähnlichkeit (Konvergenz) gab, wenn sie in gleichen Lebensräumen vorkamen und sich Chamäleons weniger ähnlich sahen (Divergenz), wenn sie in unterschiedlichen Lebensräumen vorkamen. Die Zwergchamäleons nutzten dabei nach Populationen getrennt bestimmte Astdicken bevorzugt, obwohl in ihrem Lebensraum auch andere Äste vorhanden gewesen wären. Die Autoren weisen zuletzt auch darauf hin, dass alle bisher vorhandenen Indizien dafür sprechen, dass die noch nicht beschriebenen Zwergchamäleons des Groendal Nature Reserves eine eigene Art darstellen.

Ecological factors promote convergent evolution and ecological speciation in dwarf chameleons (Bradypodion)
Krystal A. Tolley, Devon C. Main, Keith M. Dube, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica M. da Silva
Zoosystematics and Evolution 101(3) 2025: 1227-1247
DOI: 10.3897/zse.101.151926

Foto: Bradypodion ventrale, aus der genannten Publikation[:en]

South African scientists have recently been investigating whether three closely related Bradypodion lineages in the Eastern Cape Province of South Africa have evolved differently due to their different habitats or whether other causes are responsible.

The scientists are studying the two species Bradypodion ventrale from the Nama Karoo and Bradypodion taeniabronchium from the Elandsberg and Tsitsikamma Mountains and the fynbos of Thyspunt and Honeyville, as well as a population of dwarf chameleons from the fynbos of the Groot Winterhoek Mountains that has not yet been described as a separate species. The latter are often referred to as Bradypodion sp. ‘groendal’ because they occur in the Groendal Nature Reserve, among other places.

At night, chameleons were searched for using flashlights and the naked eye. Adult chameleons with a body length (SVL) of more than 36 mm were taken away overnight to be released back at the site where they were found the next day. All animals were measured accurately. Tissue samples were taken from the tip of the tail. In addition, the thickness and height of the branches on which the chameleons were found were measured. Further branch thicknesses were recorded along three 100 m long transects in each population. The data collected was statistically evaluated and the tissue samples were genetically examined.

A total of 232 chameleons were sampled for the study. Bradypodion taeniabronchium had significantly smaller head features than the other two species, but larger hands and feet. Bradypodion ventrale was larger overall than the others, but had longer limbs. Bradypodion taeniabronchium used the widest branches (average diameter 2.83 mm), but also the lowest (average height 82 cm above the ground). Bradypodion ventrale, on the other hand, used the thinnest branches (average diameter 1.52 mm), but the highest (average just under 93 cm above the ground).

The researchers found that all three populations of dwarf chameleons showed increased external similarity (convergence) when they occurred in the same habitats and less similarity (divergence) when they occurred in different habitats. The dwarf chameleons preferred certain branch thicknesses depending on their population, even though other branches were also available in their habitat. Finally, the authors point out that all the evidence available so far suggests that the as yet undescribed dwarf chameleons of the Groendal Nature Reserve represent a separate species.

Ecological factors promote convergent evolution and ecological speciation in dwarf chameleons (Bradypodion)
Krystal A. Tolley, Devon C. Main, Keith M. Dube, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica M. da Silva
Zoosystematics and Evolution 101(3) 2025: 1227-1247
DOI: 10.3897/zse.101.151926

Photo: Bradypodion ventrale, from the publication cited[:]

[:de]Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons[:en]UV fluorescence in dwarf chameleons[:]

[:de]Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons[:en]UV fluorescence in dwarf chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Chamäleons verfügen vor allem am Kopf über fensterartige, durchscheinende Schuppen über bestimmten Knochenfortsätzen. Bescheint man den Knochen an diesen Stellen mit UV-Licht, leuchten die Bereiche auf. Man geht bisher davon aus, dass diese UV-Fluoreszenz bzw. die fluoreszierenden Tuberkel zur innerartlichen Kommunikation verwendet werden. Südafrikanische Wissenschaftler haben dies nun an Zwergchamäleons weiter untersucht.

Fünf Bradypodion-Arten in verschiedenen Lebensräumen (Fynbos, Wald, Buschland) wurden dafür untersucht.

Wenn die fluoreszierenden Tuberkel der Kommunikation zwischen Männchen und Weibchen bei der Fortpflanzung dienen, müsste man annehmen, dass sich ihre Anzahl zwischen Männchen und Weibchen stark unterscheidet. Chamäleons, die in einem dichten Wald leben, müssten außerdem mehr davon aufweisen als Tiere in offenem und damit für Fressfeinde einfach einzusehendem Gelände.

Das Ergebnis der Studie ist ganz erstaunlich: Das jeweils größere Geschlecht der verschiedenen Zwergchamäleon-Arten wies die höhere Anzahl an fluoreszierenden Tuberkeln auf. Bradypodion gleicher Größe hatten dagegen immer in etwa die gleiche Zahl an fluoreszierenden Tuberkeln am Kopf. Die verschiedenen Lebensräume schienen keinen Einfluss auf die Zahl der fluoreszierenden Tuberkel zu haben. Auch zwischen sehr von Menschen beeinflussten Lebensräumen wie Gärten und naturnahen, unberührten Landschaften bestand kein Unterschied.

Die Autoren schließen daraus, dass die fluoreszierenden Knochentuberkel bei südafrikanischen Zwergchamäleons wohl eher nicht zur Kommunikation genutzt werden. Es bleibt nun spannend, ob dies auch bei anderen Chamäleonarten der Fall ist.

Body size, not habitat or sex, best explains the extent of ultraviolet fluorescence in African dwarf chameleons (Bradypodion)
Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander, Krystal A. Tolley
Journal of Zoology
DOI: 10.1111/jzo.70032

Foto: stammt aus der oben genannten Publikation[:en]

Chameleons have window-like, translucent scales over certain bony processes, especially on the head. If the bone is illuminated with UV light at these points, the areas light up. It has previously been assumed that this UV fluorescence or the fluorescent tubercles are used for intra-species communication. South African scientists have now investigated this further in dwarf chameleons.

Five Bradypodion species in different habitats (fynbos, forest, bushland) were studied.

If the fluorescent tubercles are used for communication between males and females during reproduction, one would have to assume that their number differs greatly between males and females. Chameleons that live in a dense forest should also have more of them than animals in open terrain that is easy for predators to see.

The result of the study is quite astonishing: the larger sex of each of the different dwarf chameleon species had the higher number of fluorescent tubercles. Bradypodion of the same size, on the other hand, always had approximately the same number of fluorescent tubercles on their heads. The different habitats did not appear to have any influence on the number of fluorescent tubercles. There was also no difference between habitats heavily influenced by humans, such as gardens, and near-natural, unspoilt landscapes.

The authors conclude that the fluorescent bone tubercles in South African dwarf chameleons are probably not used for communication. It remains to be seen whether this is also the case in other chameleon species.

Body size, not habitat or sex, best explains the extent of ultraviolet fluorescence in African dwarf chameleons (Bradypodion)
Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander, Krystal A. Tolley
Journal of Zoology
DOI: 10.1111/jzo.70032[:]

[:de]Das Mikrobiom im Darm südafrikanischer Zwergchamäleons[:en]The microbiome in the gut of South African dwarf chameleons[:]

[:de]Das Mikrobiom im Darm südafrikanischer Zwergchamäleons[:en]The microbiome in the gut of South African dwarf chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Schon seit einigen Jahren ist der Begriff Mikrobiom in aller Munde. Darunter versteht man im Darm die Gesamtheit aller Mikroorganismen, vor allem Bakterien, die die Schleimhaut des Darms besiedeln. Nun hat sich eine Forschergruppe in Südafrika erstmals mit dem Darm-Mikrobiom bei Chamäleons und mit der Veränderung desselben in unterschiedlichen Lebensräumen beschäftigt.

Drei Arten Zwergchamäleons wurden nachts in der Provinz KwaZulu Natal mit Hilfe von Taschenlampen gesucht: Bradypodion melanocephalum, Bradypodion thamnobates und Bradypodion setaroi. Alle Tiere wurden 24 h in Behältern untergebracht und dann wieder an der Fundstelle freigelassen. Pro Art wurden je 10 Backenabstriche und 10 Kotproben jeweils in einem natürlichen und einem städtischen Lebensraum gesammelt, so dass insgesamt 120 Proben zusammenkamen. Im Labor wurde aus den Proben DNA extrahiert, per PCR vervielfältigt und anschließend sequenziert. Phylogenetische Bäume wurden erstellt und statistische Vergleiche zwischen den Proben vorgenommen.

Die Proben wurden zusätzlich auf Zoonose-Erreger wie Salmonellen untersucht. Im humanpathogenen Bereich konnten aber lediglich Campylobacter, Escherichia und Serratia im Kot nachgewiesen werden. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass das Zoonosepotenzial des Mikrobioms von Zwergchamäleons sehr gering ist.

Insgesamt konnten im Mikrobiom der Zwergchamäleons knapp 350 verschiedene Bakterienarten nachgewiesen werden, was anderen Reptilien wie Anolis und Schildkröten entspricht. Proteobakterien, Firmicutes und Bacteroidota waren in allen Proben am häufigsten vorhanden. Insgesamt war das Mikrobiom sich sowohl bei Backenabstrich als auch Kotproben sehr ähnlich mit nur wenigen Ausnahmen und nur artabhängig etwas unterschiedlich. Die Unterschiede im Mikrobiom zwischen natürlichen und städtischen Lebensräumen waren sehr viel geringer als gedacht. Das Mikrobiom des Backenabstrichs in städtischer Umgebung lebender Bradypodion melanocephalum wies mehr Caulobacteraceae und weniger Enterococcaceae auf als das in natürlichen Habitaten, und im Kot städtischer Tiere waren häufiger Desulfovibrionaceae. Das Mikrobiom von Bradypodion thamnobates wies in den Kotproben städtisch vorkommender Chamäleons mehr Ruminococcaceae und Akkermanisaceae auf. Auffällig ist bei den Zwergchamäleons der Unterschied zwischen den Mikrobiota im Mund und Enddarm, der so bei anderen Wirbeltieren bisher nicht festgestellt werden konnte. Es ist noch offen, ob Chamäleons im Tierreich ein besonderes Mikrobiom haben, das diese Unterschiede begründen könnten.

Anthropogenic reverberations on the gut microbiome of dwarf chameleons (Bradypodion)
Matthew G. Adair, Krystal A. Tolley, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica Marie da Silva
PeerJ 13, 2025
DOI: 10.7717/peerj.18811

Foto: Bradypodion melanocephalum, fotografiert von Marius Burger[:en]

The term microbiome has been on everyone’s lips for some years now. In the intestine, this refers to the entirety of all microorganisms, especially bacteria, that colonise the mucous membrane. Now a group of researchers in South Africa has for the first time studied the gut microbiome in chameleons and how it changes in different habitats.

Three species of dwarf chameleons were searched for at night in the province of KwaZulu Natal with the help of torches: Bradypodion melanocephalum, Bradypodion thamnobates and Bradypodion setaroi. All animals were kept in containers for 24 hours and then released at the site. For each species, 10 buccal swabs and 10 faecal samples were collected in a natural and an urban habitat, resulting in a total of 120 samples. In the laboratory, DNA was extracted from the samples, amplified by PCR and then sequenced. Phylogenetic trees were created and statistical comparisons were made between the samples.

The samples were also analysed for zoonotic pathogens such as salmonella. However, only Campylobacter, Escherichia and Serratia were detected in human pathogens in the faeces. The authors conclude that the zoonotic potential of the microbiome of dwarf chameleons is very low.

In total, almost 350 different bacterial species were detected in the microbiome of the dwarf chameleons, which corresponds to other reptiles such as anoles and turtles. Proteobacteria, Firmicutes and Bacteroidota were most abundant in all samples. Overall, the microbiome was very similar in both buccal swab and faecal samples with only a few exceptions and slightly different depending on the species. The differences in the microbiome between natural and urban habitats were much smaller than expected. The microbiome of the buccal swab of Bradypodion melanocephalum living in urban environments showed more Caulobacteraceae and less Enterococcaceae than that in natural habitats, and Desulfovibrionaceae were more common in the faeces of urban animals. The microbiome of Bradypodion thamnobates showed more Ruminococcaceae and Akkermanisaceae in the faecal samples of urban chameleons. A striking feature of dwarf chameleons is the difference between the microbiota in the mouth and rectum, which has not yet been observed in other vertebrates. It remains to be seen whether chameleons in the animal kingdom have a specialized microbiome that could explain these differences.

Anthropogenic reverberations on the gut microbiome of dwarf chameleons (Bradypodion)
Matthew G. Adair, Krystal A. Tolley, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica Marie da Silva
PeerJ 13, 2025
DOI: 10.7717/peerj.18811

Photo: Bradypodion melanocephalum, photographed by Marius Burger[:]

[:de]Nutzung von Lappenchamäleons auf städtischen Heiler-Märkten in Südafrika[:en]Utilisation of flap-necked chameleons at urban markets in South Africa[:]

[:de]Nutzung von Lappenchamäleons auf städtischen Heiler-Märkten in Südafrika[:en]Utilisation of flap-necked chameleons at urban markets in South Africa[:]

Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler der African Amphibian Conservation Research Group haben die existente Literatur zum Thema ausgewertet. Fortunate M. Phaka besuchte außerdem sechs städtische Märkte in Durban, Johannesburg, Petermaritzburg, Polokwane und Pretoria. Auf den Märkten suchte er nach für medizinische Zwecke verkaufte Amphibien und Reptilien und deren Benennung durch die Verkäufer. 11 traditionelle Gesundheitspraktiker in Limpopo, Gauteng und KwaZulu-Natal konnte er ausführlich befragen, von neun davon durfte er Proben der verkauften Amphibien und Reptilien zur Artidentifikation mitnehmen.

Insgesamt konnten 33 Arten Reptilien und eine Amphibienart in der Nutzung für traditionelle Medizin identifiziert werden. Bei den Marktbesuchen wurden neun davon vor Ort gefunden und identifiziert. Die befragten traditionellen Heiler gaben an, die genutzten Tierteile entweder selbst gejagt, Jägern abgekauft oder aus überfahrenen Tieren entnommen zu haben. Fett und innere Organe werden entfernt, die Karkassen mit Asche oder Salz eingerieben und in der Sonne getrocknet. Gewöhnlich werden keine vollständigen Karkassen von den Kunden der Heiler gekauft, sondern nur kleine Teile der angebotenen Reptilien. Von den 111 entnommenen Tierproben konnte bei 90 noch genügend DNA zur Identifikation der Art gewonnen werden. 23% der getesteten Proben waren falsch benannt worden.

Chamaeleo dilepis war unter den genutzten Reptilienarten. Es konnte zwar kein vollständiges Chamäleon auf den besuchten Märkten gefunden werden. Auf dem Warwick Muthi Market in KwaZulu-Natal wurden aber mehrere Reptilienteile beprobt, die laut DNA-Vergleich von Lappenchamäleons stammten. Chamäleons generell wurden von den Heilern nicht auf Artebene bestimmt. Das IsiZulu Wort unwabu steht für jedes Chamäleon.

Barcoding and traditional health practitioner perspectives are informative to monitor and conserve frogs and reptiles traded for traditional medicine in urban South Africa
Fortunate M. Phaka, Edward C. Netherlands, Maarten Van Steenberge, Erik Verheyen, Gontran Sonet, Jean Hugé, Louis H. du Preez, Maarten P.M. Vanhove

Molecular Ecology Resources Vol 25(2), 2025
DOI: 10.1111/1755-0998.13873[:en]

Scientists from the African Amphibian Conservation Research Group have analysed the existing literature on the subject. Fortunate M. Phaka also visited six municipal markets in Durban, Johannesburg, Petermaritzburg, Polokwane and Pretoria. At the markets, he searched for amphibians and reptiles sold for medicinal purposes and the names given to them by the vendors. He was able to interview 11 traditional health practitioners in Limpopo, Gauteng and KwaZulu-Natal in detail, from nine of whom he was allowed to take samples of the amphibians and reptiles sold for species identification.

In total, 33 species of reptiles and one species of amphibian used for traditional medicine were identified. Nine of these were found and identified on site during the market visits. The traditional healers interviewed stated that they had either hunted the animal parts themselves, bought them from hunters or taken them from roadkill. Fat and internal organs are removed, the carcasses are rubbed with ash or salt and dried in the sun. Usually, the healers‘ customers do not buy complete carcasses, but only small parts of the reptiles on offer. Of the 111 animal samples taken, sufficient DNA to identify the species was obtained from 90 of them. 23% of the samples tested were incorrectly named by the healers.

Chamaeleo dilepis was among the reptile species utilised. No complete chameleon could be found at the markets visited. At the Warwick Muthi Market in KwaZulu-Natal, however, several reptile parts were sampled which, according to DNA comparisons, came from lobed chameleons. Chameleons in general were not identified to species level by the healers. The IsiZulu word unwabu stands for any chameleon.

Barcoding and traditional health practitioner perspectives are informative to monitor and conserve frogs and reptiles traded for traditional medicine in urban South Africa
Fortunate M. Phaka, Edward C. Netherlands, Maarten Van Steenberge, Erik Verheyen, Gontran Sonet, Jean Hugé, Louis H. du Preez, Maarten P.M. Vanhove
Molecular Ecology Resources Vol 25(2), 2025
DOI: 10.1111/1755-0998.13873

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[:de]Zwergchamäleons in Südafrika in städtischer Umgebung größer als in der Natur[:en]Dwarf chameleons in South Africa larger in urban environments than in the wild[:]

[:de]Zwergchamäleons in Südafrika in städtischer Umgebung größer als in der Natur[:en]Dwarf chameleons in South Africa larger in urban environments than in the wild[:]

Wissenschaft

[:de]

Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion aus Südafrika sind seit Längerem dafür bekannt, sich sehr gut auch an städtische Lebensräume anzupassen. Zwei Wissenschaftler Aus Kapstadt und Johannesburg haben nun untersucht, wie sich verschiedene Populationen in Körpergröße, -gewicht und Body Condition Score voneinander innerhalb städtischer und natürlicher Umgebungen unterscheiden.

Untersucht wurden innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren insgesamt 1107 Individuen von fünf verschiedenen Zwergchamäleon-Arten. Dazu wurden Bradypodion damaranum in George (Westkap), Bradypodion melanocephalum in Durban (KwaZulu-Natal), Bradypodion setaroi in St. Lucia (KwaZulu-Natal), Bradypodion thamnobates in Howick (KwaZulu-Natal) und Bradypodion ventrale in Jeffrey’s Bay (Ostkap) and jeweils drei bis acht Standorten nachts gesucht. Als “natürlicher Standort” wurden Waldfragmente, Grassavannen oder Küstenbuschland in weniger als 15 km Entfernung vom Zentrum der nächsten Stadt eingestuft. Als „städtisch“ wurde alle Standorte eingestuft, die innerhalb einer Stadt lagen und aus sowohl eingeschleppter als auch einheimischer, von Menschenhand regelmäßig zurückgeschnittener Flora bestanden (Gärten, öffentliche Parks und Grünflächen, Straßenränder). Die gefundenen Zwergchamäleons wurden vermessen, gewogen, geschlechtsbestimmt und mit einem Filzstift markiert, um doppelte Messungen an gleichen Tieren zu vermeiden. Offensichtich trächtige Weibchen wurden nicht vermessen.

Bei der statistischen Auswertung und Vergleichen fiel auf, dass die Chamäleons an natürlichen Standorten im Durchschnitt stets kleiner und leichter waren als die Populationen der gleichen Arten an städtischen Standorten. Signifikant größer und schwerer in der Stadt waren bei Bradypodion damaranum beide Geschlechter, bei Bradypodion melanocephalum, ventrale und setaroi die Männchen und bei Bradypodion thamnobates die Weibchen. Der Body Condition Score war in Stadtgebieten bei beiden Geschlechtern von Bradypodion damaranum und setaroi sowie Männchen von Bradypodion melanocephalum höher als bei den Chamäleons an Naturstandorten. Bei Bradypodion ventrale und thamnobates zeigten sich keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen im Body Condition Score.

Forschung, wie es genau zu diesen spannenden Unterschieden kommt, steht noch aus.

Big cities, big bodies: urbanisation correlates with large body sizes and enhanced body condition in African dwarf chameleons (Genus: Bradypodion)
Jody M. Barends, Krystal A. Tolley
African Zoology 2024, 59(3)
DOI: 10.1080/15627020.2024.2402256

Foto: Bradypodion melanocephalum, fotografiert von suncana, Lizenz Creative Commons Attribution 4.0 International

 [:en]

Dwarf chameleons of the genus Bradypodion from South Africa have long been known to adapt very well to urban habitats. Two scientists from Cape Town and Johannesburg have now investigated how different populations differ in body size, body weight and body condition score within urban and natural environments.

A total of 1107 individuals of five different dwarf chameleon species were studied over a period of four years. Bradypodion damaranum in George (Western Cape), Bradypodion melanocephalum in Durban (KwaZulu-Natal), Bradypodion setaroi in St Lucia (KwaZulu-Natal), Bradypodion thamnobates in Howick (KwaZulu-Natal) and Bradypodion ventrale in Jeffrey’s Bay (Eastern Cape) were each searched at night at three to eight locations. Forest fragments, grass savannahs or coastal bushland less than 15 km from the centre of the nearest town were classified as ‘natural sites’. All sites located within a city and consisting of both introduced and native flora regularly cut back by humans (gardens, public parks and green spaces, roadsides) were categorised as ‘urban’. The dwarf chameleons found were measured, weighed, sexed and marked with a felt-tip pen to avoid duplicate measurements on the same animals. Obviously pregnant females were not measured.

Statistical analyses and comparisons revealed that the chameleons at natural sites were always smaller and lighter on average than the populations of the same species at urban sites. Significantly larger and heavier in the city were both sexes in Bradypodion damaranum, the males in Bradypodion melanocephalum, ventrale and setaroi and the females in Bradypodion thamnobates. The body condition score was higher in urban areas for both sexes of Bradypodion damaranum and setaroi and males of Bradypodion melanocephalum than for the chameleons in natural habitats. In Bradypodion ventrale and thamnobates, there were no differences in body condition score between the different populations.

Research into exactly how these exciting differences come about is still pending.

Big cities, big bodies: urbanisation correlates with large body sizes and enhanced body condition in African dwarf chameleons (Genus: Bradypodion)
Jody M. Barends, Krystal A. Tolley
African Zoology 2024, 59(3)
DOI: 10.1080/15627020.2024.2402256

Photo: Bradypodion melanocephalum, photographed by suncana, licence Creative Commons Attribution 4.0 International[:]