Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen

Nahrung von Zwergchamäleons in unterschiedlichen Lebensräumen

Wissenschaft

Zoologen der Universität von Johannesburg haben sich kürzlich damit beschäftigt, welche Futtertiere von Zwergchamäleons in verschiedenen Lebensräumen aufgenommen werden. Dazu sammelten sie jeweils in den Provinzen Westkap und Ostkap in Südafrika Chamäleons  der beiden Arten Bradypodion damaranum und Bradypodion ventrale. Die Tiere wurden für maximal 24 h gehältert, bis Kot abgesetzt wurde. Insgesamt konnten so 22 Kotproben gewonnen werden, elf von jeder Art. Davon stammten jeweils sechs Kotproben aus natürlichen Habitaten und fünf aus städtischem Umfeld.

Die verschiedenen Kotproben wurden mittels DNA-Analysen ausgewertet. Anschließend wurden statistisch untersucht, welche unterschiedlichen Nahrungsbestandteile in den verschiedenen Populationen von Zwergchamäleons gefunden worden waren.

41 verschiedene Arten von Arthropoden sowie eine Art Wurm, vermutlich von einem Mistkäfer, wurden im Kot gefunden. Die Schmeißfliege Stomorhina lunata war am häufigsten als Futtertier vertreten, direkt gefolgt von einer Baumwanze (Glypsus conspicuus) und einer Raubwanze (Rhynocoris kumari). Sowohl Bradypodion damaranum als auch Bradypodion ventrale ernährte sich hauptsächlich von Käfern, Zweiflüglgern, Schmetterlingen und Schnabelkerfen.

Zur Überraschung der Wissenschaftler stellte sich heraus, dass sich die Nahrung der beiden Chamäleonarten in unterschiedlichen Lebensräumen kaum voneinander unterschied. Insgesamt zeigten sich Unterschiede vor allem auf Art- und weniger auf Ordnungsebene. Die Populationen in natürlichen Lebensräumen ernährten sich dabei unter anderem von etwas mehr Fliegen und Spinnentieren, während die im städtischen Umfeld mehr auf Schmetterlinge zurückgriffen. Erstmals als Futtertiere von Bradypodion wurden Netzflügler, Fransenflügler und Köcherfliegen dokumentiert.

Peri-urban sustenance: unexpectedly broad overlap in dwarf chameleon (Bradypodion) diets between natural and transformed habitats
Matthew G. Adair, Peter R. Teske, Krystal A. Tolley
Urban Ecosystems 2026, 29:92.
DOI: nicht verfügbar
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Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Das aktuell kleinste Chamäleon der Welt wurde vor wenigen Jahren in Sorata im Norden Madagaskars entdeckt. Der Wald von Sorata gehört zum Korridor Marojejy-Anjanaharibe Süd-Tsaratanana, einem Gebiet von fragmentierten Waldresten zwischen den genannten großen Nationalparks und dem Réserve Naturelle Intégrale. Er wird derzeit vom WWF in Zusammenarbeit mit einer lokalen Organisation namens Ambodimandresy Miaro ny Ala verwaltet.

Wissenschaftler der Universitäten von Antsiranana und Antananarivo haben nun in Sorata die Bestandsdichte von Brookesia nana untersucht. 14 Tage lang suchten sie während der Regenzeit nachts entlang 14 je 150 m langer Transekte nach den kleinen Chamäleons.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler 0,33 Individuen pro 100 m. Konkret bedeutet das, dass auf 2100 m Transekt nur sieben Brookesia nana überhaupt gefunden wurden. Die Weibchen waren etwas größer als die Männchen. Alle Chamäleons wurden auf sehr niedrigen Pflanzen schlafend gefunden, im Schnitt nur 7 cm über dem Boden.

Das niedrige Vorkommen macht weitere Studien in weiteren Wäldern des COMATSA-Korridors notwendig, um die exakte Verbreitung von Brookesia nana herauszufinden. Interessant ist außerdem, dass Brookesia nana offenbar seltene vorzukommen scheint als andere Arten der minima-Gruppe und damit möglicherweise eine höhere Gefährdung der Art vorliegt.

A brief overview of the natural history of the recently described, miniaturised leaf chameleon, Brookesia nana Glaw et al., 2021, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Asmeralie Willian, Crispin Jaohasy, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 19, 2026: 123-128.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia nana, die in der genannten Studie gefunden wurden, fotografiert von Asmeralie William

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Die Tsingy de Namoroka liegen im heißen Westen Madagaskars. Sie bestehen aus nadelspitzem Karstgestein mit Grotten darunter und umgeben von Trockenwaldfragmenten. Obwohl die Tsingy inzwischen ein Nationalpark sind, ist der Zugang mangels jeglicher Infrastruktur und Wegen bisher nur äußerst schwierig und während der Regenzeit sogar überhaupt nicht möglich.

Die Wissenschaftler führten an drei verschiedenen Orten innerhalb des Nationalparks Übersichtsstudien durch. Dazu nutzten sie jeweils drei 1000 bis 1500 m Transektlinien an jedem Ort und Grubenfallen. Zusätzlich wurden spezielle Lebensräume wie Grotten gezielt aufgesucht.

Insgesamt wurden 57 Tierarten in Namoroka nachgewiesen werden, davon 41 Reptilienarten. An allen drei untersuchten Standorten konnten Brookesia brygooi, Furcifer angeli und Furcifer oustaleti nachgewiesen werden. Das in Namoroka endemische Brookesia bonsi dagegen konnte nur an einem einzigen Standort gefunden werden. Es handelt sich dabei um ein 87 m „hoch“ gelegenes Gebiet mit Bäumen zwischen 6 und 15 m Höhe und relativ offenem Blätterdach. Das Gebiet zeichnet sich durch dichtes, nahezu undurchdringbares Unterholz vor allem in feuchten, felsigen Schluchten zwischen den Tsingy aus.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Brandrodung und daraus resultierende, unkontrollierbare Buschfeuer nach wie vor ein großes Risiko für die Lebensräume der Tiere in Namoroka darstellt. Auch Holzschlag sowie das Ernten wilden Honigs, wilden Wurzelknollen und Heilpflanzen sorgt dafür, dass die Lebensräume des Nationalparks gestört werden. Auch Zebus werden zum Weiden in den Nationalpark getrieben. Der tatsächliche Schutz des Gebiets ist auf Grund der ablegenen Lage und der hohen Armut der Bevölkerung vor Ort sehr schwierig.

Aperçu des amphibiens et des reptiles du Parc National de Namoroka: Diversité biologique, intérêt biogéographique et représentativité en matière de conservation
Hajaniaina Rasoloarison, Bernard Ranriamahatantsoa, Nirhy Rabibisoa, Christopher J. Raxworthy
Malagasy Nature 2026, 20: 30-46.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia bonsi in Namoroka, aus der genannten Publikation

Online Vortrag über Herpetologie in Südafrika

Online Vortrag über Herpetologie in Südafrika

Vorträge Webinare Wissenschaft

Am Mittwoch, den 11.02.2026, wird Wade Stanton-Jones einen online Vortrag über seine Forschung in Südafrika halten.

Wade ist der neue Vertreter für Studierende und Nachwuchswissenschaftler der Herpetological Association of Africa (HAA). Er wird über seine bisherigen und aktuelle Forschungsarbeiten sprechen und darüber informieren, was Studierende und Nachwuchswissenschaftler in den nächsten Monaten erwartet. Wade hat bisher vor allem am Riesen-Gürtelschweif Smaug giganteus geforscht. Weitere seiner Arbeiten beschäftigten sich jedoch auch intensiv mit den Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion, von denen es in Südafrika mehrere Arten gibt. Bitte meldet euch bei Interesse am Vortrag über diesen Link zur Teilnahme an. Die Teilnahme am Webinar ist kostenlos.

Wade Stanton-Jones A brief journey in African Herpetology: Community, Research, and the road ahead
Online Webinar
Vortragsbeginn 17.00 Uhr (Achtung Zeitverschiebung! In Johannisburg ist es dann 18 Uhr wie in der Vortragsankündigung angegeben.)

Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Verbreitung Wissenschaft

Dass Chamaeleo africanus in der Lagune von Gialova, Region Pylos (Griechenland) vorkommt, ist inzwischen lange bekannt. Es unterscheidet sich nicht nur optisch, sondern auch genetisch von den im südlichen Europa relativ weit verbreiteten Chamaeleo chameleon. Sporadische Berichte von weiteren Vorkommen von Chamaeleo africanus in Griechenland gibt es immer wieder, bisher fehlte jedoch ein wissenschaftlicher Nachweis der Art in anderen Gebieten als Pylos.

Wissenschaftler haben nun eine zweite Population der Art identifiziert. Sie konnten mindestens sieben Individuen der Art rund 130 km nördlich der Gialova-Laguna auf dem Peloponnes finden. Die Chamäleons leben in einem Natura 2000-Gebiet namens Limnothalassa Kalogrias /Dasos Strogylias Kai Elos Lamias. Ein Jungtier wurde per Backenabstrich beprobt, um genetisch die Art Chamaeleo africanus zu bestätigen.

Genetic evidence for the presence of Chamaeleo africanus in Greece outside the Pylos region
Erika Lego, Maria Koutsokali, Michael Valachas
Conservation Genetics Resourecs 18(5), 2026
DOI: 0.1007/s12686-026-01409-w
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Foto: Chamaeleo africanus, fotografiert von Benny Trapp, CC BY-SA 3.0

Vorkommen des Lappenchamäleons im Norden Mosambiks

Vorkommen des Lappenchamäleons im Norden Mosambiks

Verbreitung Wissenschaft

Wissenschaftler haben kürzlich nach Reptilien in der Gemeinde Mocuba im Norden Mosambiks gesucht, um die vorkommenden Arten zu inventarisieren. Sie untersuchten dabei einen sogenannten Miombo-Trockenwald (eine Art weitständige Waldsavanne mit kaum Unterholz) sowie einen nahe gelegenen Granitfelsen namens Mount Morué, der nur insgesamt 361 m hoch ist.

Während mehrerer Monate in der Regen- und Trockenzeit wurde für jeweils sieben Tage (insgesamt 42) beide Habitate durchsucht. Die Wissenschaftler nutzten Grubenfallen und suchten mit dem bloßen Auge tagsüber entlang festgelegter Transekte. Reptilien wurden an Hand vorhandener Field Guides und mit Hilfe von Experten identifiziert. Zusätzlich wurden einige Tiere getötet und der Sammlung der Universtität Zambezi zugeführt.

Insgesamt wurden 23 verschiedene Reptilienarten beobachtet. Chamaeleo dilepis wurde sechs Mal gefunden. Alle Chamäleons wurden im Miombo woodland gefunden und kein einziges Chamäleon auf dem Granitfelsen Mount Morué. Zwei Chamäleons befanden sich zwei gerade auf Beutesuche, zwei andere befanden sich noch in Schlafposition bei Fund am frühen Morgen. Ein weiteres Lappenchamäleon war in einer Grubenfalle gelandet. Die Art ist in Mosambik bereits von vielen Funden bekannt. Von Mocuba standen Funde bisher jedoch noch aus.

Beyond the asymptote: a near-complete reptile inventory in the Miombo woodland and on Mount Morué, Mocuba Municipality, with a major range extension for the lizard Nucras boulengeri Neumann, 1900
Avelino R. Miguel, Berta I. Sitole, Nando A.M. Calonga, Celso H. Duarte, Dolescêncio Armando, Célia J.A. Nanvonamuquitxo, Hinrich Kaiser
Herpetology Notes 18: 1051-1071.
DOI: unbekannt
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Foto: Chamaeleo dilepis an einer Fundstelle in den Miombo Woodlands, fotografiert von Miguel Avelino

[:de]Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons[:en]Presentation in Munster about Madagascar’s chameleons[:]

[:de]Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons[:en]Presentation in Munster about Madagascar’s chameleons[:]

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

[:de]

Die DGHT Münster startet ebenfalls mit vielen Chamäleons ins neue Jahr. Am Freitag, den 16.01.2026, wird Philip-Sebastian Gehring einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine vielen Chamäleons halten.

Madagaskar beherbergt nahezu die Hälfte aller weltweit bekannten Chamäleonarten, die allesamt ausschließlich auf dieser Insel vorkommen. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht die Chamäleons Madagaskars zu einem bedeutenden Forschungsobjekt für die Wissenschaft, da sie einzigartige Einblicke in die Mechanismen von Evolution und Anpassung bieten. In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Studien und neue Entdeckungen unser Verständnis der Artenvielfalt und der evolutionären Prozesse innerhalb dieser Echsengruppe maßgeblich erweitert. Besonders die Identifikation und Beschreibung neuer Arten sowie die Untersuchung ihrer genetischen Unterschiede haben zentrale Erkenntnisse zur Entstehung und Differenzierung von Arten geliefert. Im Vortrag wird ein umfassender Überblick über diese Forschungsarbeiten gegeben und der aktuelle Stand zur Erforschung der madagassischen Chamäleons anschaulich präsentiert.

Dr. Philip-Sebastian Gehring Evolution und Diversität der Chamäleons Madagaskars – Neues aus der Forschung
DGHT Stadtgruppe Münster
Zooschule des Allwetterzoos Münster
Sentruper Straße 315
48161 Münster
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über den Haupteingang des Zoos

Fotos: kleine Calumma-Art auf Madagaskar, fotografiert von Philip-Sebastian Gehring[:en]

The DGHT Münster is also starting the new year with lots of chameleons. On Friday, 16 January 2026, Philip-Sebastian Gehring will give a detailed lecture on Madagascar and its many chameleons.

Madagascar is home to almost half of all known chameleon species worldwide, all of which are found exclusively on this island. This extraordinary diversity makes Madagascar’s chameleons an important subject of scientific research, as they offer unique insights into the mechanisms of evolution and adaptation. Over the past 20 years, numerous studies and new discoveries have significantly expanded our understanding of species diversity and evolutionary processes within this group of reptiles. In particular, the identification and description of new species and the investigation of their genetic differences have provided key insights into the origin and differentiation of species. The lecture will provide a comprehensive overview of this research and clearly present the current state of research on Madagascan chameleons.

Dr. Philip-Sebastian Gehring Evolution and diversity of Madagascar’s chameleons – Latest research findings [German]
DGHT city group Munster
Zoo school of Allwetterzoo Munster
Sentruper Straße 315
48161 Münster
Lecture begins at 7 p.m., doors open at 6:30 p.m. via the main entrance of the zoo.

Photos: small Calumma species in Madagascar, photographed by Philip-Sebastian Gehring[:]

[:de]Vortrag in Frankfurt über Madagaskar[:en]Presentation in Frankfurt about Madagascar[:]

[:de]Vortrag in Frankfurt über Madagaskar[:en]Presentation in Frankfurt about Madagascar[:]

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

[:de]

Die DGHT Frankfurt startet mit einem Highlight in das neue Jahr. Aufgrund eines Heimatbesuchs haben sie das große Glück, Rainer Dolch von der Association Mitsinjo in Andasibe, Madagaskar, begrüßen zu können. Am Freitag, den 09.01.2026, wird er einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine herpetologische Vielfalt halten.

Madagaskars Amphibien und Reptilien bewohnen die verschiedensten Lebensräume, von Tieflandegenwäldern über die höchsten Berggipfel zu Karstgebieten, Trockenwäldern und einzigartigen Halbwüsten. Die lange Isolation Madagaskars nach dem Zerfall des Urkontinents Gondwana, seine Geographie und die enorme Vielfalt seiner Lebensräume hat evolutive Prozesse befördert, die zahlreiche endemische Arten von Amphibien und Reptilien hervorgebracht haben. Viele dieser Taxa kommen allopatrisch und mikroendemisch vor, sie sind also auf sehr kleine eng begrenzte Gebiete beschränkt. So haben endemische Familien wie die Madagaskarfrösche (Mantellidae), die Madagaskarnattern (Pseudoxyrhophiidae) und die Madagaskarleguane (Opluridae) jeweils große Radiationen erfahren. Eine große Vielfalt beinloser Skinke sowie einige der seltensten Schildkröten der Welt gehören ebenfalls zur außergewöhnlichen Herpetofauna der Insel. Schließlich ist Madagaskar ein Hotspot der Chamäleondiversität, insbesondere in der Chamäleongattung Calumma sind erst in jüngster Zeit viele kryptische Arten beschrieben worden, die zwar äußerlich fast identisch aussehen, aber genetisch so verschieden sind, dass sie sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. Viele der in Madagaskar heimischen Amphibien und Reptilien und die von ihnen bewohnten Habitate werden ebenso vorgestellt wie Bedrohungen und Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Dr. Rainer Dolch Mikroendemismus, kryptische Arten, faszinierende Vielfalt: Eine Tour d’Horizon durch die Herpetofauna Madagaskars
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zooschule des Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über das Ausgangstor am Haupteingang Alfred-Brehm-Platz (Tor zwischen Zoo-Shop und Zoogesellschaftshaus)

Fotos: herpetologische Vielfalt Madagaskars, fotografiert von Rainer Dolch[:en]

The DGHT Frankfurt is kicking off the new year with a highlight. Thanks to a visit home, they are fortunate to welcome Rainer Dolch from the Association Mitsinjo in Andasibe, Madagascar. On Friday, 9 January 2026, he will give a detailed lecture on Madagascar and its herpetological diversity.

Madagascar’s amphibians and reptiles inhabit a wide variety of habitats, from lowland forests to the highest mountain peaks, karst areas, dry forests and unique semi-deserts. Madagascar’s long isolation after the break-up of the supercontinent Gondwana, its geography and the enormous diversity of its habitats have promoted evolutionary processes that have produced numerous endemic species of amphibians and reptiles. Many of these taxa are allopatric and microendemic, meaning they are restricted to very small, confined areas. Endemic families such as the Madagascar frogs (Mantellidae), the Madagascar snakes (Pseudoxyrhophiidae) and the Madagascar iguanas (Opluridae) have each undergone major radiation. A wide variety of legless skinks and some of the world’s rarest turtles also belong to the island’s extraordinary herpetofauna. Finally, Madagascar is a hotspot for chameleon diversity. In the chameleon genus Calumma in particular, many cryptic species have only recently been described which, although they look almost identical externally, are genetically so different that they can no longer reproduce with each other. Many of the amphibians and reptiles native to Madagascar and the habitats they inhabit are presented, as are the threats they face and measures taken to protect them.

Dr. Rainer Dolch Microendemism, cryptic species, fascinating diversity: a tour d’horizon through the herpetofauna of Madagascar [German]
DGHT city group Frankfurt
Zoo school of Frankfurt zoo
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main

Lecture begins at 7 p.m., doors open at 6:30 p.m. via the exit gate at the main entrance on Alfred-Brehm-Platz (gate between the zoo shop and the zoo society building).

Photos: Herpetological diversity of Madagascar, photographed by Rainer Dolch[:]

[:de]Calumma-Arten in drei Hochlandwäldern Madagaskars[:en]Calumma species in three highland forests of Madagascar[:]

[:de]Calumma-Arten in drei Hochlandwäldern Madagaskars[:en]Calumma species in three highland forests of Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Biologen der Universität Antananarivo haben kürzlich untersucht, wie sich die verschiedenen Lebensräume auf das Vorhandensein von vier Calumma-Arten auf Madagaskar auswirken. Als Studiengebiete wählten sie das Spezialreservat Ambohitantely, verwaltet von Madagascar National Parks, sowie zwei Wälder im Korridor von Anjozorobe-Angavo: Anorana, offiziell nicht als Schutzgebiet deklariert und von lokalen Gemeinschaften verwaltet, und Antsahabe unter der Führung der NGO Fanamby. Die drei Studiengebiete deckten dabei von intaktem Regenwald bis zu Waldfragmenten mit vor allem jungen Bäumen verschiedenste Waldtypen ab, darunter auch Flächen nach Brandrodung. Alle drei Gebiete liegen im nördlichen Hochland Madagaskars.

Innerhalb der Trocken- und Regenzeiten zweier Jahre suchten die Biologen entlang 50 m langer Transekte (pro Ort je 14 Transekte mit je 3 parallel verlaufenden Linien) nach Chamäleons. Die Suchen wurden jeweils zu zweit nachts mit Taschenlampen durchgeführt. Jedes gefundene Chamäleon wurde artbestimmt, vermessen und verschiedene Daten zum Fundort aufgenommen. Zusätzlich wurden 16 botanische Transekte über je 100 m Länge genutzt, um Daten zum umgebenden Lebensraum zu sammeln.

Die Ergebnisse einzelner Transekte mussten aus der Auswertung entfernt werden, da in ihrer Nähe zeitnah zu den Suchnächten Brandrodung erfolgte und ein Einfluss auf die Tiere nicht ausgeschlossen werden konnte. Insgesamt konnten dadurch noch 32 Transekte ausgewertet werden.

Grundlegend wurden erst einmal sowohl Calumma gastrotaenia als auch Calumma globifer, Calumma crypticum und Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe an allen drei Studiengebieten gefunden. Am häufigsten wurde mit weitem Abstand Calumma gastrotaenia entdeckt.  Generell konnten wie erwartet deutlich mehr Chamäleons während der Regenzeit als während der Trockenzeit entdeckt werden, darunter vor allem mehr Schlüpflinge. An allen drei Orten waren zu allen Jahreszeiten mehr Weibchen als Männchen zu finden. In ungestörtem, intaktem Regenwald waren mehr Chamäleons unterwegs als in zerstörten Gebieten. Neben den gesuchten Calumma-Arten konnten auch Brookesia ramanantsoai, Brookesia thieli und Furcifer willsii entdeckt werden.

Zwischen Regen- und Trockenzeit konnten keine Unterschiede in der bevorzugten Höhe der zum Schlafen genutzten Plätze gefunden werden. Insgesamt nutzten die Chamäleons eine sehr hohe Bandbreite an Vegetation zum Schlafen. Schlüpflinge und Jungtiere nutzten allgemein schmalere und höher gelegene Schlafplätze als adulte Chamäleons.

Die höchste Populationsdichte von Calumma globifer fand sich in Anorana mit 88 Individuen pro Hektar. Im Durchschnitt schliefen die Tiere dieser Art zwischen 0,5 und 5 m Höhe und fast 40% saß dabei auf Lianen. Jungtiere konnten ab und an auf Bambus, Drachenbäumen (Dracaena ssp.) und Steineiben (Podocarpus madagascariensis). Calumma gastrotaenia und Calumma globifer bevorzugten Lebensräume mit großen Bäumen und dichterem Bewuchs zwischen 2 und 4 m Höhe. Calumma globifer bewohnte vor allem Lebensräume mit geschlossenem Blätterdach.

Die höchste Populationsdichte von Calumma gastrotaenia fand sich in Ambohitantely mit 60 Individuen pro Hektar. Die Art war vor allem in Unterholz mit Bambus, Farnen, Pflanzen mit länglichen Blättern und Gräsern vertreten. Dabei fiel auf, dass über 30% der Schlafplätze Bambus waren. Insgesamt schien die Art besser als die anderen mit zerstörtem Lebensraum zurecht zu kommen.

Die höchste Populationsdichte der Calumma nasutum-Gruppe fand sich in Ambohitantely mit 61 Individuen pro Hektar. Sie kamen vergleichsweise häufig auch während der Trockenzeit in Ambohitantely und Antsahabe vor. Die Art bevorzugte vor allem die Enden kleiner, dünner Äste und Kletterpflanzen zum Schlafen. Sie saßen meist zwischen 0,3 und 6 m Höhe. Über die Hälfte der gefundenen Tiere der Calumma nasutum-Gruppe waren auf den Ästen von Sträuchern und Blättern, die andere Hälfte fand sich auf Lianen und kletterndem Bambus (Nastus ssp.).

Calumma crypticum zeigte eine im Gegensatz zu den anderen Arten sehr viel geringere Populationsdichte in den untersuchten Wäldern, mit maximal 9 Individuen pro Hektar in Antsahabe. Calumma crypticum war während der Regenzeit als einzige Art höher zu finden als während der Trockenzeit, auf durchschnittlich 4 bis 6 m. Die Art zeigte aber auch allgemein eine hohe Variation in der Höhe der Schlafplätze, ein Chamäleon wurde auf nur 0,5 m Höhe entdeckt. Die Art bevorzugte vor allem dickere Äste. Sowohl Calumma crypticum als auch Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe bevorzugten offene Lebensräume, die trotzdem reich an Ästen waren. Unklar bleibt, ob insgesamt nur sieben im gesamten Studiengebiet aufgefundene Calumma brevicorne tatsächlich dieser Art zuzurechnen sind oder es sich hierbei um nicht zur fast 150 Jahre alten Originalbeschreibung passenden Individuen handelt.

Schlussendlich bestätigte sich, dass die Vegetationstruktur eines Lebensraums die Populationsdichte der untersuchten Calumma-Arten stark beeinflusst. Der von den Wissenschaftlern am als besten für Calumma-Arten geeignet beschriebenes Habitat boten die Wälder von Antsahabe und Anorana, beide befinden sich im Anjozorobe-Angavo-Korridor. In letzterem fanden sich auch die maximale Gesamtzahl an Calumma gastrotaenia und Calumma globifer. Das Reservat Ambohitantely dagegen fiel vor allem wegen sehr viel zerstörtem Waldgebiet auf. Allein in zwei Jahren während der Studie hatten mehrere große Feuer nach Brandrodung zu massivem Baumverlust geführt. Ambohitantely ist der Ort, von dem die Erstbeschreibung von Calumma crypticum stammt – dabei war genau diese Art in den Studiengebieten am geringsten vertreten.

Habitat use, selection, and population density of chameleon communities (Calumma spp.) in the fragmented central highland forests of Madagascar
Fandresena Raktoroarimalala, Arianna L. Kuhn, Achille P. Raselimanana, A. Tahinarivovny Jacquis, Sara Ruane
MBC Ecology and Evolution 25: 137.
DOI: 10.1186/s12862-025-02479-4
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Foto: Calumma globifer in Maintsoanala, fotografiert von Alex Negro[:en]

Biologists from the University of Antananarivo recently investigated how different habitats affect the presence of four Calumma species in Madagascar. They chose the Ambohitantely Special Reserve, managed by Madagascar National Parks, and two forests in the Anjozorobe-Angavo corridor as their study areas: Anorana, not officially declared a protected area and managed by local communities, and Antsahabe, managed by the NGO Fanamby. The three study areas covered a wide variety of forest types, from intact rainforest to forest fragments with mainly young trees, including areas that had been cleared by burning. All three areas are located in the northern highlands of Madagascar.

During the dry and rainy seasons of two years, biologists searched for chameleons along 50-metre-long transects (14 transects per location, each with three parallel lines). The searches were carried out in pairs at night using torches. Each chameleon found was identified, measured and various data on the location of the find was recorded. In addition, 16 botanical transects, each 100 m long, were used to collect data on the surrounding habitat.

The results of individual transects had to be removed from the evaluation because slash-and-burn farming had taken place in their vicinity shortly before the search nights and an impact on the animals could not be ruled out. A total of 32 transects could still be evaluated.

Basically, Calumma gastrotaenia, Calumma globifer, Calumma crypticum and chameleons of the Calumma nasutum group were found in all three study areas. Calumma gastrotaenia was by far the most frequently discovered species. As expected, significantly more chameleons were discovered during the rainy season than during the dry season, including more hatchlings in particular. At all three locations, more females than males were found in all seasons. More chameleons were found in undisturbed, intact rainforest than in destroyed areas. In addition to the Calumma species sought, Brookesia ramanantsoai, Brookesia thieli and Furcifer willsii were also discovered.

No differences in the preferred height of sleeping places were found between the rainy and dry seasons. Overall, the chameleons used a very wide range of vegetation for sleeping. Hatchlings and juveniles generally used narrower and higher sleeping places than adult chameleons.

The highest population density of Calumma globifer was found in Anorana, with 88 individuals per hectare. On average, the animals of this species slept at heights between 0.5 and 5 m, with almost 40% sitting on lianas. Juveniles were occasionally found on bamboo, dragon trees (Dracaena ssp.) and stone pines (Podocarpus madagascariensis). Calumma gastrotaenia and Calumma globifer preferred habitats with large trees and denser vegetation between 2 and 4 m in height. Calumma globifer mainly inhabited habitats with a closed canopy.

The highest population density of Calumma gastrotaenia was found in Ambohitantely with 60 individuals per hectare. The species was mainly found in undergrowth with bamboo, ferns, plants with elongated leaves and grasses. It was noticeable that over 30% of the roosting sites were bamboo. Overall, the species seemed to cope better than the others with destroyed habitat.

The highest population density of the Calumma nasutum group was found in Ambohitantely, with 61 individuals per hectare. They were also relatively common during the dry season in Ambohitantely and Antsahabe. The species preferred the ends of small, thin branches and climbing plants for sleeping. They usually sat at a height of between 0.3 and 6 m. More than half of the animals found in the Calumma nasutum group were on the branches of shrubs and leaves, while the other half were found on lianas and climbing bamboo (Nastus ssp.).

In contrast to the other species, Calumma crypticum showed a much lower population density in the forests studied, with a maximum of 9 individuals per hectare in Antsahabe. Calumma crypticum was the only species found higher during the rainy season than during the dry season, at an average of 4 to 6 m. However, the species also showed a high variation in the height of its roosting places, with one chameleon discovered at a height of only 0.5 m. The species preferred thicker branches in particular. Both Calumma crypticum and chameleons of the Calumma nasutum group preferred open habitats that were nevertheless rich in branches. It remains unclear whether the seven Calumma brevicorne found in the entire study area can actually be attributed to this species or whether these are individuals that do not match the original description, which is almost 150 years old.

Ultimately, it was confirmed that the vegetation structure of a habitat has a significant influence on the population density of the Calumma species studied. The habitat described by the scientists as most suitable for Calumma species was found in the forests of Antsahabe and Anorana, both located in the Anjozorobe-Angavo corridor. The latter also had the highest total number of Calumma gastrotaenia and Calumma globifer. The Ambohitantely reserve, on the other hand, was notable mainly for its heavily destroyed forest area. In just two years during the study, several large fires following slash-and-burn practices had led to massive tree loss. Ambohitantely is the place where Calumma crypticum was first described – yet this species was the least represented in the study areas.

Habitat use, selection, and population density of chameleon communities (Calumma spp.) in the fragmented central highland forests of Madagascar
Fandresena Raktoroarimalala, Arianna L. Kuhn, Achille P. Raselimanana, A. Tahinarivovny Jacquis, Sara Ruane
MBC Ecology and Evolution 25: 137.
DOI: 10.1186/s12862-025-02479-4
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Picture: Calumma globifer in Maintsoanala, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert[:en]The optic nerve of chameleons is highly specialised[:]

[:de]Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert[:en]The optic nerve of chameleons is highly specialised[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Dass Chamäleons sehr spezielle Augen haben, ist schon lange bekannt. Besonders faszinierend ist, dass sie ihre Augen unabhängig voneinander in nahezu alle Richtungen bewegen können. Ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, dass auch der Sehnerv bei Chamäleons extrem spezialisiert ist.

Sie untersuchten adulte Schuppenkriechtiere 34 verschiedener Arten an Hand von CT-Modellen. Brookesia superciliaris, Rieppeleon brevicaudatus und Chamaeleo calyptratus repräsentierten dabei die Familie der Chamäleons. Dabei stellten sie fest, dass bei allen drei Chamäleon-Arten der Sehnerv quasi aufgerollt war. Diese anatomische Besonderheit führt dazu, dass der Nervus opticus bei Chamäleons insgesamt wesentlich länger ist, als es bei einem ruhig geradeaus schauendem Auge nötig wäre. Er ermöglicht den Tieren wahrscheinlich ihre extrem beweglichen Augen, ohne dabei Einschränkungen der Sehfähigkeit hinnehmen zu müssen. Vereinfacht erklärt funktioniert der Sehnerv also ein bisschen wie eine Flexileine: Bewegt sich das Auge stark, wird ein Teil des Sehnervs „ausgerollt“. Bewegt das Auge sich zurück, schnellt der Sehnerv zurück an seine ursprüngliche Position, ohne dass die Nervenfasern dabei überdehnt wurden.

A new twist in the evolution of chameleons uncovers an extremely specialized optic nerve morphology
Emily Collins, Aaron M. Bauer, Raul E. Diaz Junior, Alexandra Herrera-Martínez, Esteban Lavilla, Edward L. Stanley, Monte L. Thies, Juan D. Daza
Scientific Reports 15, 2025: 38270.
DOI: 10.1038/s41598-025-20357-3
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Foto: Portrait von Brookesia superciliaris, fotografiert von Alex Negro[:en]

It has long been known that chameleons have very special eyes. What is particularly fascinating is that they can move their eyes independently of each other in almost any direction. A team of US scientists has now discovered that the optic nerve in chameleons is also extremely specialised.

They examined adult reptiles of 34 different species using CT models. Brookesia superciliaris, Rieppeleon brevicaudatus and Chamaeleo calyptratus represented the chameleon family. They found that in all three chameleon species, the optic nerve was extremely curled. This anatomical feature means that the optic nerve in chameleons is much longer than would be necessary for an eye looking straight ahead. It probably enables the animals to have extremely mobile eyes without compromising their vision. Put simply, the optic nerve functions a bit like a flexi leash: when the eye moves sharply, part of the optic nerve is ‘unrolled’. When the eye moves back, the optic nerve curls back to its original position without overstretching the nerve fibres.

A new twist in the evolution of chameleons uncovers an extremely specialized optic nerve morphology
Emily Collins, Aaron M. Bauer, Raul E. Diaz Junior, Alexandra Herrera-Martínez, Esteban Lavilla, Edward L. Stanley, Monte L. Thies, Juan D. Daza
Scientific Reports 15, 2025: 38270.
DOI: 10.1038/s41598-025-20357-3
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Photo: Portrait of Brookesia superciliaris, photographed by Alex Negro[:]