Das Europäische Chamäleon auf Malta

Das Europäische Chamäleon auf Malta

Verbreitung Wissenschaft

Das Europäische Chamäleon, Chamaeleo chamaeleon, ist schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf Malta nachgewiesen und vermutlich von Menschenhand auf die Insel gebracht worden. Über seine aktuelle Verbreitung und Ökologie auf der Insel ist allerdings bisher eher wenig bekannt. Maltesische Biologen haben nun eine Studie durchgeführt, um genau das zu ändern.

Sie führten Datenerhebungen in 37 Transekten von je 100 x 10 m Größe an 13 verschiedenen Orten auf Malta durch: In l-Aħrax tal-Mellieħa, Ghadira Nature Reserve, il-Miżieb, Simar Nature Reserve, Kennedy Grove, Dwejra Lines, Chadwick Lakes, Ta’qali, Buskett, Siggiewi, Xrobb l-ghagin, Bormla Gardens und Wied ghollieqa. Pro Datenerhebung wurde ein Transekt zwei Mal in verschiedener Richtung in der Nacht durchlaufen. Die meisten Orte wurden zwischen Juli und Oktober besucht, einige zusätzliche Besuche im Januar und Februar gab es in l-Aħrax tal-Mellieħa, Kennedy Grove und il-Miżieb.

Für jedes gefundene Chamäleon wurde die Pflanze, auf der das Tier entdeckt wurde, notiert, die Sitzposition und -höhe des Chamäleons, sowie ob weitere Chamäleons in 3 m Umgebung schliefen. Die Chamäleons wurden während der gesamten Studie nicht angefasst, es wurden lediglich Fotos gemacht, um die Körpergröße der Chamäleons zu bestimmen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

An allen 13 Orten auf Malta konnte Chamaeleo chamaeleon nachgewiesen werden. Die höchste Chamäleondichte fand sich in Kennedy Grove mit 12,5 Individuen pro 1000 m² und il-Miżieb mit 12 Individuen pro 1000 m². Im Zentrum und Süden Maltas wurden geringere Chamäleondichten gefunden, vermutlich wegen des weniger geeigneten Lebensraums. Während des maltesischen Winters wurden deutlich weniger Chamäleons gefunden als im Sommer. Je weiter ein Transekt von Straßen entfernt war, desto mehr Chamäleons hielten sich dort auf. Da Koniferen an den meisten Standorten dominierten, fanden sich auch die meisten Chamäleons auf Koniferen und anderen Bäumen. Deutlich weniger häufig hielten die Tiere sich in Büschen und niedriger Vegetation auf. Die meisten Chamaeleo chamaeleon schliefen auf Höhen zwischen 1 und 3 m über dem Boden, wobei kleinere Chamäleons niedriger zu finden waren. Die Mehrheit der aufgefundenen Chamäleons war zwischen 2,6 und 7 cm groß. Die Tiere schliefen vorwiegend solitär.

Distribution and microhabitat use of naturalized Common Chameleons, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758), in Malta
Kristyl Farrugia, Joseph A. Borg, Patrick J. Schembri
Herpetology Notes 19, 2026: 275-281
DOI: nicht verfügbar
Kostenloser Download des Artikels

Foto: Chamaeleo chamaeleon im natürlichen Lebensraum, fotografiert von Markus Grimm

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

Wissenschaft

[:de]

Auf der iberischen Halbinsel ist das Europäische Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) zwar lokal verbreitet, sein Lebensraum wird jedoch im Bereich der dicht besiedelten Küste vielfach von Straßen durchschnitten. Biologen der Universität von Málaga (Spanien) haben kürzlich untersucht, ob und wie sich stark frequentierte Straßen auf das Verhalten und die Populationsdichte des Europäischen Chamäleons auswirkt.

Sie untersuchten ein Studiengebiet in Privatbesitz in der Provinz Málaga im Süden Spanien, das sich am Rand der Autobahn A7 befindet. Die A7 hat ein hohes Verkehrsaufkommen mit täglich rund 43.121 Autos. Das Studiengebiet bestand aus aufgegebenen Oliven- und Mandelhainen, aber vor allem großen Gebieten mit Buschland aus gelbem Ginster und ginsterähnlichen Gewächsen wie Lavendel, Fenchel und grünen Zwergpalmen.

Die Biologen teilten das Studiengebiet in fünf je 225 m breite Felder ein, die unterschiedlich weit von der A7 entfernt waren. Nachts wurde dann mit Taschenlampen nach Chamäleons gesucht. Geschlecht, Saison, Gewichte und Position gefundener Chamaeleo chamaeleon wurden aufgenommen und ihr Vorkommen statistisch ausgewertet. Zusätzlich wurde notiert, in welcher Vegetation die Tiere sich befanden und ob Nahrung verfügbar war. Um die Verfügbarkeit von Arthropoden besser einschätzen zu können, wurden diese mit Fallen gefangen und gezählt.

Insgesamt konnten 148 adulte und 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo gefunden werden, wobei 592 Kontrollpunkte ohne Chamäleonbeobachtungen blieben. Es fiel auf, dass die Populationsdichte von Chamaeleo chamaeleon in den Feldern, die am weitesten von der A7 entfernt lagen, am höchsten war. Nur 24,3% der adulten Chamäleons wurde in direkter Nähe zur Autobahn entdeckt, 62,2% dagegen befanden sich in den am weitesten von der Autobahn entfernten Bereichen. In den beiden Feldern direkt an der Autobahn fanden sich dazu passend auch die wenigstens Jungtiere. Die Chamäleons scheinen also von der Autobahn gestört zu sein und ziehen sich aus deren Nähe zurück. Das Angebot an Arthropoden, also potenziellem Futter), war in allen fünf Bereichen jedoch vergleichbar groß. Interessanterweise stellte sich außerdem heraus, dass mehr Chamäleons in Bereichen mit weniger Sträuchern vorkamen. Das spricht dafür, dass Chamaeleo chamaeleo Lebensräume mit sehr dichtem Gestrüpp eher meidet.

Die Ergebnisse der Studie passen zu denen bei anderen Reptilien, die unter anderem die sogenannte Road-effect zone beschreiben. Dabei handelt es sich um das Phänomen, das gerade und über weite Strecken verlaufende Straßen auch dann zu sehr viel ungeeignetem Lebensraum führen, wenn sie „nur“ schmale Säume haben, die von den Tieren vermieden werden. Die Länge der Straße und die Vielzahl der Straßen kann dann trotzdem den Lebensraum einer Art extrem stark beschneiden oder verkleinern. Diese Erkenntnis ist für das Europäische Chamäleon neu und für den Artenschutz wichtig.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gebiete mit hoch frequentierten Straßen in weniger als 500 bis 675 m Entfernung für Chamaeleo chamaeleon ungeeignete Lebensräume darstellen.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
Kostenloser Download des Artikels[:en]

Although the European chameleon (Chamaeleo chamaeleon) is locally widespread on the Iberian Peninsula, its habitat is often cut through by roads in densely populated coastal areas. Biologists at the University of Málaga (Spain) recently investigated whether and how busy roads affect the behaviour and population density of the European chameleon.

They studied a privately owned study area in the province of Málaga in southern Spain, located on the edge of the A7 motorway. The A7 has a high volume of traffic, with 43,121 cars passing through every day. The study area consisted of abandoned olive and almond groves, but mainly large areas of scrubland with yellow broom and broom-like plants such as lavender, fennel and green dwarf palms.

The biologists divided the study area into five 225-metre-wide fields, each at different distances from the A7 motorway. At night, they searched for chameleons using torches. The sex, season, weight and position of any Chamaeleo chamaeleon found were recorded and their occurrence statistically evaluated. In addition, they noted the type of vegetation in which the animals were found and whether food was available. In order to better assess the availability of arthropods, these were caught in traps, identified and counted.

A total of 148 adult and 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo were found, with 592 control points remaining without chameleon observations. It was noticeable that the population density of Chamaeleo chamaeleon was highest in the fields furthest away from the A7 motorway. Only 24.3% of adult chameleons were discovered in the immediate vicinity of the motorway, while 62.2% were found in the areas furthest from the motorway. Accordingly, the two fields directly adjacent to the motorway also had the fewest juveniles. The chameleons therefore appear to be disturbed by the motorway and retreat from its vicinity. However, the availability of arthropods (i.e. potential food) was comparable in all five areas. Interestingly, it was also found that more chameleons were present in areas with fewer shrubs. This suggests that Chamaeleo chamaeleo tends to avoid habitats with very dense undergrowth.

The results of the study are consistent with those for other reptiles, which describe, among other things, the so-called road effect zone. This is the phenomenon whereby straight roads running over long distances lead to a large amount of unsuitable habitat, even if they ‘only’ have narrow verges that are avoided by the animals. The length of the road and the number of roads can still severely restrict or reduce the habitat of a species. This finding is new for the European chameleon and important for species conservation. The authors conclude that areas with highly frequented roads less than 500 to 675 metres away are unsuitable habitats for Chamaeleo chamaeleon.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
Free download of the article[:]

[:de]Zeckenart erstmals an Chamäleon nachgewiesen[:en]Tick species detected on chameleon for the first time[:]

[:de]Zeckenart erstmals an Chamäleon nachgewiesen[:en]Tick species detected on chameleon for the first time[:]

Beobachtungen Tiermedizin

[:de]

Zecken sind bei Chamäleons ein eher seltener Parasit. Ein aktueller Fallbericht von Zeckenbefall bei einem Chamäleon kommt aus dem Süden der Türkei.

Ein Chamaeleo chamaeleon mit einer vollgesogenen Zecke über dem rechten Auge fiel direkt neben einem Weg auf dem Campus einer Abteilung der Behörde für Agrarforschung und -politik in Demre einem Tierarzt auf. Er entfernte die Zecke und ließ sie weiter untersuchen. Unter dem Mikroskop stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine Nymphe der Art Hyalomma aegypticum handelte. Hyalomma aegypticum ist bisher bei Reptilien vor allem von Schildkröten der Gattung Testudo bekannt, zum Spektrum möglicher Wirte zählen aber auch zahlreiche Säugetiere. Chamäleons waren bisher als Wirte nicht bekannt, es handelt sich also um den ersten Fall weltweit.

Seit etwa zehn Jahren gibt es Zecken der Gattung Hyalomma übrigens auch in Deutschland. Sie können im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten „aktiv jagen“, das heißt ihren Wirt verfolgen, und sind dank medialer Übertreibung dadurch gewissermaßen „berühmt-berüchtigt“ geworden. Außerdem übertragen einige Arten das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber (CCHF), andere das Fleckfieber auf den Menschen. Bezugnehmend auf die aktuelle Veröffentlichung wäre interessant, ob andere Hyalomma-Arten, die hierzulande heimisch sind, möglicherweise potenzielle Wirte für Chamäleons in Außengehegen darstellen.

A novel host record: Hyalomma aegypticum (Linnaeus, 1758) infestation on the Mediterranean Chameleon, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758) in Türkiye
Gokhan Eren
Eurasian Journal of Veterinary Sciences 2025: 41:e0454
DOI: 10.63673/eurasianjvetsci.454

Foto: Die gefundene Zecke samt Wirtschamäleon aus der genannten Publikation[:en]

Ticks are a relatively rare parasite in chameleons. A recent case report of tick infestation in a chameleon comes from southern Turkey.

A Chamaeleo chamaeleon with an engorged tick above its right eye was noticed by a veterinarian right next to a path on the campus of a department of the Agricultural Research and Policy Authority in Demre. He removed the tick and had it examined further. Under the microscope, it turned out to be a nymph of the species Hyalomma aegypticum. Hyalomma aegypticum is known to date in reptiles, especially tortoises of the genus Testudo, but the spectrum of possible hosts also includes numerous mammals. Chameleons were not previously known as hosts, so this is the first case worldwide.

Incidentally, ticks of the genus Hyalomma have also been present in Germany for about ten years. Unlike many other tick species, they can ‘actively hunt’, i.e. pursue their host, and have become ‘notorious’ thanks to media exaggeration. In addition, some species transmit Crimean-Congo haemorrhagic fever (CCHF) to humans, while others transmit spotted fever. With reference to the current publication, it would be interesting to know whether other Hyalomma species native to this country are potentially hosts for chameleons in outdoor enclosures.

A novel host record: Hyalomma aegypticum (Linnaeus, 1758) infestation on the Mediterranean Chameleon, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758) in Türkiye
Gokhan Eren
Eurasian Journal of Veterinary Sciences 2025: 41:e0454
DOI: 10.63673/eurasianjvetsci.454

Photo: The tick found, together with the host chameleon, from the publication mentioned above.[:]

[:de]Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae[:en]First vertebrate with annual allochrony: Chamaeleo chamaeleon musae[:]

[:de]Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae[:en]First vertebrate with annual allochrony: Chamaeleo chamaeleon musae[:]

Wissenschaft

[:de]

Allochronie beschreibt das Phänomen, dass zwei oder mehr Populationen einer Art zeitlich unterschiedliche Fortpflanzungszyklen haben, obwohl sie im gleichen Lebensraum vorkommen. Bei der sogenannten jährlichen Allochronie pflanzen sich die Populationen zu unterschiedlichen Jahreszeiten fort. Allochronie ist von vielen verschiedenen Arten bekannt, beispielsweise bei Insekten und Korallen, die zu verschiedenen Zeiten am Tag reproduzieren. Jährliche Allochronie dagegen ist extrem selten und bei Wirbeltieren bisher noch nie nachgewiesen worden. Zwei Wissenschaftler aus Israel haben nun bei Chamäleons dieses Phänomen erstmals festgestellt.

Sie untersuchten zwischen 2009 und 2021 an je zwei Nächten pro Monat die Chamaeleo chamaeleon musae Populationen im Holot Mash’abim Nature Reserve in Israel. Das Reservat liegt im nördwestlichen Bereich der Wüste Negev. Bei der Studie wurden die Chamäleons von einem langsam fahrenden Auto aus mit Taschenlampen entlang eines 4 km langen Weges gesucht. Gefundene Tiere wurden vermessen, das Geschlecht bestimmt, der Fundort aufgenommen und die Krallen in einer bestimmten Abfolge zur Identifikation gekürzt. Alle Tiere wurden innerhalb weniger als 20 Minuten wieder an ihrem Fundort freigelassen. Um das Alter der Tiere einzuschätzen, wurden zum einen die Zeiträume zwischen den Wiederfunden bereits markierter Tiere genutzt, aber auch ein mittels XGBoost entwickelter Algorithmus. Die Chamäleons konnten so den Altersklassen < 1 Jahr, 1-2 Jahre und > 2 Jahre zugewiesen werden. Alle Daten wurden statistisch ausgewertet.

Die erstaunlichen Ergebnisse zeigen, dass Chamaeleo chamaeleon musae wahrscheinlich in zwei voneinander durch jährliche Allochronie getrennte Population in der Wüste Negev vorkommt. In ungeraden Jahren schlüpft eine Population der Chamäleons im September. Diese Tiere überleben etwa bis November des darauffolgenden Jahres. In geraden Jahren schlüpft die zweite Population der Chamäleons, deren Tiere ebenfalls bis zum November des Folgejahrs leben. Die Lebenszeit der beiden Populationen überschneidet sich nur in einem kurzen Zeitraum, in dem gerade die eine Population schlüpft, die bereits adulten Tiere der anderen Population aber gerade Eier legen. Die fortpflanzungsfähigen Chamaeleo chamaeleon musae beider Populationen überschneiden sich damit nicht oder nur sehr selten durch sehr wenige, länger lebende Individuen.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler 1289 Chamäleons < 1 Jahr, 231 im Alter von 1 bis 2 Jahren und 27 Chamäleons > 2 Jahre finden. Davon waren 713 Chamaeleo chamaeleon musae bereit als Jungtiere erstmalig gefangen worden, so dass deren Alter sehr gut geschätzt werden konnte. Nur 9 davon wurden im Alter zwischen 1 und 2 Jahren noch einmal wiederentdeckt. Die Überlebensrate der Schlüpflinge bis zu ihrer ersten Fortpflanzungssaison war extrem niedrig. In ungeraden Jahren lag sie bei 1%, in geraden bei 2,5%. Das erste Jahr überlebten sogar noch weniger Chamäleons, mit 0,46% und 1,3%. Beide Populationen von Chamaeleo chamaeleon musae waren im ersten und zweiten Schlupfmonat am größten, um dann zügig abzusinken. Männliche Chamäleons überlebten die erste Fortpflanzungssaison ein bisschen seltener als weibliche, insgesamt war die Überlebensrate aber bei beiden Geschlechtern ähnlich. In jedem Beobachtungsjahr tauchten die ersten Schlüpflinge zwischen Mitte September und Mitte Oktober auf, zum Ende der heißen Saison. Während der kühleren und nässeren Saison von Dezember bis März wurden deutlich weniger Chamäleons, davon die meisten Jungtiere, gefunden.

Diese sehr spannende Studie wirft natürlich viele weitere Fragen auf. Kurzlebige Chamäleons gibt es einige, doch von nur wenigen wie Furcifer labordi ist der gesamte Lebenszyklus überhaupt bekannt oder untersucht. Möglicherweise finden sich noch mehr Wirbeltiere mit jährlicher Allochronie unter den Chamäleons – das gilt es noch zu erforschen!

First evidence of yearly allochrony in a terrestrial vertebrate: A case study of an annual chameleon
Liran Sagi, Amos Bouskila
Ecology 106(6), 2025: e70144
DOI: 10.1002/ecy.70144

Foto: Chamaeleo chamaeleon, fotografiert von Markus Grimm[:en]

Allochrony describes the phenomenon that two or more populations of a species have different reproductive cycles over time, even though they occur in the same habitat. In so-called annual allochrony, the populations reproduce at different times of the year. Allochrony is known from many different species, such as insects and corals, which reproduce at different times of the day. Annual allochrony, on the other hand, is extremely rare and has never been demonstrated in vertebrates. Two scientists from Israel have now discovered this phenomenon in chameleons for the first time.

Between 2009 and 2021, they studied the Chamaeleo chamaeleon musae populations in the Holot Mash’abim Nature Reserve in Israel on two nights per month. The reserve is located in the northwestern part of the Negev desert. During the study, the chameleons were searched for from a slow-moving car with flashlights along a 4 km long path. Animals found were measured, sexed, location recorded and claws clipped in a specific sequence for identification. All animals were released at their location within less than 20 minutes. In order to estimate the age of the animals, the time periods between the recovery of previously marked animals were used, as well as an algorithm developed using XGBoost. The chameleons could thus be assigned to the age classes < 1 year, 1-2 years and > 2 years. All data was statistically analyzed.

The astonishing results show that Chamaeleo chamaeleon musae probably occurs in two populations in the Negev desert, separated by annual allochrony. In odd-numbered years, one population of chameleons hatches in September. These animals survive until about November of the following year. In even-numbered years, the second population of chameleons hatches, whose animals also live until November of the following year. The lifespans of the two populations only overlap for a short period of time, when one population is hatching and the already adult animals of the other population are laying eggs. The reproductive Chamaeleo chamaeleon musae of both populations therefore do not overlap or only very rarely due to very few, longer-lived individuals.

The scientists were able to find a total of 1289 chameleons < 1 year old, 231 aged 1 to 2 years and 27 chameleons > 2 years old. Of these, 713 Chamaeleo chamaeleon musae had already been caught for the first time as juveniles, so that their age could be estimated very well. Only 9 of these were rediscovered between 1 and 2 years of age. The survival rate of the hatchlings until their first breeding season was extremely low. In odd-numbered years it was 1%, in even-numbered years 2.5%. Even fewer chameleons survived the first year, at 0.46% and 1.3%. Both populations of Chamaeleo chamaeleon musae were highest in the first and second month of hatching and then declined rapidly. Male chameleons were slightly less likely to survive the first breeding season than females, but overall survival rates were similar for both sexes. In each year of observation, the first hatchlings emerged between mid-September and mid-October, at the end of the hot season. During the cooler and wetter season from December to March, significantly fewer chameleons, most of them juveniles, were found.

This very exciting study naturally raises many more questions. There are several short-lived chameleons, but the entire life cycle of only a few, such as Furcifer labordi, is even known or has been studied. It is possible that there are even more vertebrates with annual allochrony among the chameleons – this still needs to be researched!

First evidence of yearly allochrony in a terrestrial vertebrate: A case study of an annual chameleon
Liran Sagi, Amos Bouskila
Ecology 106(6), 2025: e70144
DOI: 10.1002/ecy.70144

Picture: Chamaeleo chamaeleon, photographed by Markus Grimm[:]

[:de]Chamäleons in Marsa El Brega (Libyen)[:en]Chameleons in Marsa El Brega (Lybia)[:]

[:de]Chamäleons in Marsa El Brega (Libyen)[:en]Chameleons in Marsa El Brega (Lybia)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Während andere Gebiete Afrikas regelmäßig Gegenstand von Publikationen und Expeditionen sind, ist die Herpetofauna Libyens nicht vollständig erforscht. Speziell über die Reptilien der Küstenregion Marsa El Brega ist kaum etwas bekannt. Marsa El Brega liegt im Norden Libyens direkt am Mittelmeer und verfügt dementsprechend über ein mediterranes Klima. Die Vegetation besteht vorwiegend aus wüstenartigen Landschaft mit niedrigen Sträuchern wie Nitraria retusa und kleinen Dattelpalm-Oasen dazwischen.

Ein ungarischer Herpetologe hat während zweier Expeditionen die Reptilienvorkommen in Marsa El Brega untersucht. Das genaue Vorgehen zum Auffinden von Tieren wird leider nicht im Artikel erwähnt. Alle aufgefundenen Tiere wurden fotografiert und Arten nach vorhandenen Field Guides phänotypisch bestimmt.

Insgesamt fand der Autor 25 Reptilienarten in der Region Marsa El Brega, darunter zwei Chamaeleo chameleon, je eines im Abstand von zwei Tagen. Die angegebenen Koordianten zum Fundort liegen im Außenbereich der Stadt Brega, direkt neben dem Garten eines Bed’n’Breakfast in Richtung Strand. Der Autor gibt vor allem streunende Hunde und Katzen als potenziell größte Gefahr für die lokale Herpetofauna an. Außerdem war der untersuchte Küstenbereich massiv vermüllt.

Some reptiles from Marsa El Brega, Libya (Reptilia: Chamaeleonidae, Gekkonidae, Phyllodactylidae, Lacertidae and Scincidae)
Attila Haris
Natura Somogyiensis 45: 17-26, 2025
DOI: 10.24394/NatSom.2025.45.17[:en]

While other areas of Africa are regularly the subject of publications and expeditions, the herpetofauna of Libya has not been fully researched. Little is known about the reptiles of the coastal region of Marsa El Brega in particular. Marsa El Brega is located in the north of Libya directly on the Mediterranean Sea and therefore has a Mediterranean climate. The vegetation consists mainly of a desert-like landscape with low shrubs such as Nitraria retusa and small date palm oases in between.

A Hungarian herpetologist has investigated the reptile populations in Marsa El Brega during two expeditions. Unfortunately, the exact procedure for finding animals is not mentioned in the article. All animals found were photographed and species phenotyped according to existing field guides.

The author found a total of 25 reptile species in the Marsa El Brega region, including two Chamaeleo chameleons, one each two days apart. The coordinates given for the find site are in the outskirts of the town of Brega, right next to the garden of a bed’n’breakfast facing the beach. The author cites stray dogs and cats as the greatest potential threat to the local herpetofauna. In addition, the coastal area investigated was heavily littered.

Some reptiles from Marsa El Brega, Libya (Reptilia: Chamaeleonidae, Gekkonidae, Phyllodactylidae, Lacertidae and Scincidae)
Attila Haris
Natura Somogyiensis 45: 17-26, 2025
DOI: 10.24394/NatSom.2025.45.17[:]

[:de]Das Europäische Chamäleon in Belezma (Algerien)[:en]The Common Chameleon in Belezma (Algeria)[:]

[:de]Das Europäische Chamäleon in Belezma (Algerien)[:en]The Common Chameleon in Belezma (Algeria)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das Belezma Biosphärenreservat wurde erst 2015 gegründet und liegt in der Provinz Batna im Norden Algeriens. Es überspannt eine Fläche von 262 km² in den Belezmabergen und liegt auf Höhen zwischen 915 und 2136 m üNN. Das Gelände besteht aus mediterranen Zedern-, Pinien- und Eichenwäldern, typischen Buschlandschaften (sogenannter Macchia), Klippen und nur saisonal vorhandenen Wasserläufen (sogennanten Oueds); etwa 53 km² bestehen aus Zedernwald. Bisher gab es von dort nur vereinzelte Veröffentlichungen zur Herpetofauna.  Eine aktuelle Übersichtsstudie zu dort vorkommenden Amphibien und Reptilien wurde nun von Biologen der Universität Batna erarbeitet.

Macchia im Belezma Biosphärenreservat

Die Tiere wurden ausschließlich mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen sowohl tagsüber als auch nachts unsystematisch Transekte ab, insgesamt 500 Stunden lang an 28 Orten innerhalb des Reservats. Die gefundenen Tiere wurden entweder direkt identifiziert oder fotografiert und wieder freigelassen.

Insgesamt konnten 23 Amphibien- und Reptilienarten gefunden und identifiziert werden. Chamaeleo chamaeleon wurde erstmals in Belezma nachgewiesen. Die Chamäleons wurden auf rund 1040 m in der charakteristischen Macchia sowie auf 1280 m in offenem Gelände gefunden. Die Macchia in Belezma besteht vorwiegend aus Eichen- und Olivenbäumen sowie Mastixsträuchern und phönizischem Wacholder.

Herpetofauna of Belezma Biosphere Reserve, province of Batna, northeastern Algeria
Messaoud Saoudi, Mohamed Bensaci, Abdeldjabar Necer, Houria Baazi, Zohra Nemili, Farouk Khelfaoui
African Journal of Biological Sciences 6 (15), 2024
DOI: 10.48047/AFJBS.6.15.2024.10672-10700[:en]

The Belezma Biosphere Reserve was only established in 2015 and is located in the province of Batna in northern Algeria. It covers an area of 262 km² in the Belezma Mountains and lies at altitudes between 915 and 2136 metres above sea level. The terrain consists of Mediterranean cedar, pine and oak forests, typical scrubland (so-called maquis), cliffs and only seasonal watercourses (so-called oueds); around 53 km² consist of cedar forest. So far, there have only been a few publications on the herpetofauna there. A recent overview study of the amphibians and reptiles found there has now been compiled by biologists from the University of Batna.

Maquis in Belezma Biosphere Reserve

The animals were searched for visually only. Various people walked transects unsystematically both during the day and at night, for a total of 500 hours at 28 locations within the reserve. The animals found were either identified directly or photographed and released.

A total of 23 amphibian and reptile species were found and identified. Chamaeleo chamaeleon was identified for the first time in Belezma. The chameleons were found at around 1040 metres in the characteristic shrublands and at 1280 metres in open terrain. The maquis in Belezma consists mainly of oak and olive trees as well as mastic bushes and Phoenician juniper.

Herpetofauna of Belezma Biosphere Reserve, province of Batna, northeastern Algeria
Messaoud Saoudi, Mohamed Bensaci, Abdeldjabar Necer, Houria Baazi, Zohra Nemili, Farouk Khelfaoui
African Journal of Biological Sciences 6 (15), 2024
DOI: 10.48047/AFJBS.6.15.2024.10672-10700

[:]

[:de]Vorkommen des Europäischen Chamäleons in Tlemcen (Algerien)[:en]Occurrence of the European chameleon in Tlemcen (Algeria)[:]

[:de]Vorkommen des Europäischen Chamäleons in Tlemcen (Algerien)[:en]Occurrence of the European chameleon in Tlemcen (Algeria)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das 21,6 km² große Tlemcen Hunting Reserve liegt im Norden Algeriens, in der gleichnamigen Provinz. Das Klima ist mediterran, die Provinz grenzt an das Alborán-Meer (den westlichsten Teil des Mittelmeers) und liegt direkt gegenüber dem Südosten Spaniens. Das Reservat liegt rund 26 km südwestlich der Stadt Tlemcen, der zweitgrößten Stadt Algeriens, und überspannt die höchsten Gebiete der Tlemcenberge.

Ein Tierarzt und eine Biologin vor Ort haben kürzlich eine Übersichtsstudie durchgeführt, welche Tiere aktuell im Reservat vorkommen. Um die Herpetofauna zu untersuchen, wurde entlang abgemessener Transekte manuell gesucht oder Fallen gestellt. Chamaeleo chamaeleon wurde mehrfach während der Studie vorgefunden.

Inventory of wildlife in the Tlemcen Hunting Reserve
Rafiq Rahmouni, Louiza Derouiche
Genetics and Biodiversity Journal 8(2), 2024
DOI: nicht vorhanden

Foto: Chamaeleo chameleon, fotografiert von Peter A. Mansfeld, Lizenz Creative Commons Attribution 3.0 Unported[:en]

The 21.6 km² Tlemcen Hunting Reserve is located in the north of Algeria, in the province of the same name. The climate is Mediterranean, the province borders the Alborán Sea (the westernmost part of the Mediterranean Sea) and lies directly opposite south-east Spain. The reserve is located around 26 kilometres southwest of the city of Tlemcen, the second largest city in Algeria, and spans the highest areas of the Tlemcen Mountains.

A local veterinarian and biologist recently carried out a survey study of the animals currently found in the reserve. In order to investigate the herpetofauna, manual searches or traps were set along measured transects. Chamaeleo chamaeleon was found several times during the study.

Inventory of wildlife in the Tlemcen Hunting Reserve
Rafiq Rahmouni, Louiza Derouiche
Genetics and Biodiversity Journal 8(2), 2024
DOI: not available

Picture: Chamaeleo chameleon, photographed by Peter A. Mansfeld, licence Creative Commons Attribution 3.0 Unported[:]

[:de]Vortrag in Basel über das Europäische Chamäleon[:en]Presentation in Basel about the European Chameleon[:]

[:de]Vortrag in Basel über das Europäische Chamäleon[:en]Presentation in Basel about the European Chameleon[:]

Haltungsberichte Vorträge

[:de]

Markus Grimm, langjähriges Mitglied der AG Chamäleons und seit vielen Jahren in der Schweiz mit der Durchführung von Sachkunde-Kursen für die Chamäleonhaltung betraut, zeigt am 28. Juni 2024 in Basel (Schweiz) einen ausführlichen Vortrag über das europäische Chamäleon.

Das Europäische Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) beschreibt gewissermaßen den Urtyp des Chamäleons als solches und hat dadurch Statuscharakter für die menschliche Vorstellung von Chamäleons. Die eher selten gehaltene Chamäleonart stellt einige Ansprüche an Haltung und Zucht, die Markus sowohl bei Reisen ins Habitat als auch bei der Haltung im Terrarium ergründen konnte. Nach einer kurzen Einführung, zu der auch die Systematik gehört, gibt Markus Einblicke in den Lebensraum dieses Chamäleons in der Natur. Außerdem erfahren die Zuhörer die wichtigsten Parameter für eine erfolgreiche Haltung und Zucht im Terrarium. Es wird also auf jeden Fall sehr spannend – wer sich für Chamäleons interessiert, sollte sich diesen Vortrag unbedingt anschauen!

Markus Grimm Das Europäische Chamäleon – Habitat, Haltung und Zucht
Schildkrotte Grubbe Regio Basel
Gasthof Zur Saline
Rheinstraße 23
4133 Pratteln-Schweizerhalle (Schweiz)
Vortragsbeginn 19.30 Uhr[:en]

Markus Grimm, long-time member of the AG Chameleons and for many years entrusted in Switzerland with the implementation of expert courses for chameleon keeping, will give a detailed lecture on the European chameleon on 28 June 2024 in Basel (Switzerland).

The European chameleon (Chamaeleo chamaeleon) describes the archetype of the chameleon as such and thus has status character for the human conception of chameleons. The rather seldom kept chameleon species makes some demands on keeping and breeding, which Markus was able to fathom during trips to the habitat as well as during keeping in the terrarium. After a short introduction, which includes systematics, Markus gives insights into the habitat of this chameleon in nature. In addition, the audience will learn the most important parameters for successful keeping and breeding in the terrarium. So it will definitely be very exciting – anyone interested in chameleons should definitely watch this lecture!

Markus Grimm The European Chameleon – Habitat, husbandry & breeding
Schildkrotte Grubbe Regio Basel
Gasthof Zur Saline
Rheinstraße 23
4133 Pratteln-Schweizerhalle (Switzerland)
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Picture: Markus Grimm[:]

[:de]Potenzielle neue Verbreitungsgebiete des Europäischen Chamäleons[:en]Potential new distribution areas of the European chameleon[:]

[:de]Potenzielle neue Verbreitungsgebiete des Europäischen Chamäleons[:en]Potential new distribution areas of the European chameleon[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das europäische Chamäleon (Chamaeleo chameleon) kam historisch in einigen kleinen Gebieten des Mittelmeerraums und in Mittelasien vor. Heute jedoch ist es viel weiter verbreitet. Man geht heute davon aus, dass die Tiere durch Menschen in ihre neuen Verbreitungsgebiete gebracht wurden und sich dort auf Grund der günstigen klimatischen Verhältnisse weiter vermehren konnten. Wissenschaftler haben sich nun damit beschäftigt, wo es weitere geeignete Habitate für das europäische Chamäleon gibt und wie die vorhandenen Populationen sich in den nächsten 50 Jahren entwickeln könnten.

Untersucht wurden die drei Unterarten Chamaeleo chamaeleon chamaeleon, Chamaeleo chamaeleon musae und Chamaeleo chamaeleon reticrista. Erstere ist bisher vom südlichen Rand Portguals und Spaniens sowie aus Süditalien, Algerien, Ägypten, Libyen, Malta, Marokko, Tunesien, der westlichen Sahara und aus dem Jemen bekannt. Zweitere Unterart kommt aktuell im Jordan, Israel und Ägypten vor. Die dritte Unterart kommt zwischen Griechenland und der Türkei vor, auf Zypern, in Israel, im Libanon und Syrien, ist aber eigentlich beheimatet im Norden Afrikas und im Mittleren Osten. Sie wurde wohl von Menschen im Süden Spaniens und Portguals eingeführt, wird dort heute aber als native species angesehen.

Zur Studie wurden die bisher vorhandene Literatur durchforstet, Beprobungen durch den Autor selbst, OpenStreetMaps und Informationen der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) herangezogen und statistisch aufbereitet sowie ausgewertet. Klima, Topographie, Habitat der Fundorte und Verbindungen der bestehenden Poplationen wurden für Vorhersagen zu potenziell geeigneten neuen Lebensräumen genutzt.

Insgesamt flossen 553 Funde von Chamaeleo chamaeleon in die Studie ein. 22% der Funde konnten Stadtgebieten zugeordnet werden, 21% Buschland und 18% fielen auf landwirtschaftlich genutzten Grund. Die meisten Funde wurden auf Höhen von 0 bis 100 m üNN gemacht. Nicht verwunderlich war, dass die aktuell von Chamaeleo chamaeleon besiedelten Gebiete sich als sehr geeignetes Habitat erwiesen. Potenzielle gut geeignete, neue Verbreitungsgebiete in der Zukunft könnten die Iberische Insel zwischen Murcia und der Algarve in Portugal sein, Sizilien, Kalabrien, Apulien und Sardinien in Italien, Marokko, Tunesien, Libyen, die Region zwischen Israel und dem Libanon im Mittleren Osten, Zypern sowie alle Küsten und Inseln des Ägäischen Meeres sein. Insgesamt wird für die nächsten 50 Jahre eine progressive Zunahme an allen schon vorhandenen Habitaten des europäischen Chamäleons vermutet. Davon ausgenommen sind wahrscheinlich lediglich einige Regionen in Tunesien sowie der Türkei. Weitere Habitatsverluste werden an der Ägäischen Küste in der Türkei und Israel angenommen. In Spanien und Portgual könnte das Verbreitungsgebiet sich nach Westen verschieben.

Habitat suitability and connectivity modelling predict a latitudinal-driven expansion in the Mediterranean basin for a historically introduced reptile
Davide Serva, Viviana Cittadino, Ilaria Bernabò, Maurizio Biondi, Mattia Iannella
European Journal of Wildlife Resarch 70 (27), 2024
DOI: 10.1007/s10344-024-01780-9

Die beiden Grafiken stammen beide aus der genannten Veröffentlichung.[:en]

The European chameleon (Chamaeleo chameleon) was historically found in some small areas of the Mediterranean and Central Asia. Today, however, it is much more widespread. It is now assumed that the animals were brought to their new distribution areas by humans and were able to reproduce there due to the favourable climatic conditions. Scientists have now investigated where there are further suitable habitats for the European chameleon and how the existing populations could develop over the next 50 years.

The three subspecies studied were Chamaeleo chamaeleon chamaeleon, Chamaeleo chamaeleon musae and Chamaeleo chamaeleon reticrista. The former is known from the southern edge of Portgual and Spain as well as from southern Italy, Algeria, Egypt, Libya, Malta, Morocco, Tunisia, the western Sahara and Yemen. The second subspecies is currently found in Jordan, Israel and Egypt. The third subspecies occurs between Greece and Turkey, in Cyprus, Israel, Lebanon and Syria, but is actually native to northern Africa and the Middle East. It was probably introduced by people in southern Spain and Portgual, but is now considered a native species there.

For the study, the existing literature, sampling by the author himself, OpenStreetMaps and information from the Global Biodiversity Information Facility (GBIF) were used, statistically processed and analysed. Climate, topography, habitat of the sites and connections of existing populations were used to predict potentially suitable new habitats.

A total of 553 Chamaeleo chamaeleon findings were included in the study. 22% of the finds could be assigned to urban areas, 21% to scrubland and 18% to agricultural land. Most of the finds were made at altitudes of 0 to 100 metres above sea level. Not surprisingly, the areas currently colonised by Chamaeleo chamaeleon proved to be very suitable habitat. Potential well-suited new distribution areas in the future could be the Iberian Islands between Murcia and the Algarve in Portugal, Sicily, Calabria, Apulia and Sardinia in Italy, Morocco, Tunisia, Libya, the region between Israel and Lebanon in the Middle East, Cyprus and all coasts and islands of the Aegean Sea. Overall, a progressive increase in all existing habitats of the European chameleon is expected over the next 50 years. The only exceptions to this are probably some regions in Tunisia and Turkey. Further habitat losses are assumed on the Aegean coast in Turkey and Israel. In Spain and Portgual, the distribution area could shift westwards.

Habitat suitability and connectivity modelling predict a latitudinal-driven expansion in the Mediterranean basin for a historically introduced reptile
Davide Serva, Viviana Cittadino, Ilaria Bernabò, Maurizio Biondi, Mattia Iannella
European Journal of Wildlife Resarch 70 (27), 2024
DOI: 10.1007/s10344-024-01780-9

The two graphics are both from the publication mentioned.[:]

[:de]Was Farbmuster bei Chamäleons beeinflusst[:en]What influences colour patterns in chameleons[:]

[:de]Was Farbmuster bei Chamäleons beeinflusst[:en]What influences colour patterns in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Chamäleons sind bekannt wegen ihrer Fähigkeit zum Farbwechsel. Was genau verschiedene Farbmuster in verschiedenen Populationen beeinflusst, haben jetzt internationale Wissenschaftler untersucht. Sie wollen wissen, inwiefern der Lebensraum selbst, die Entfernung zu anderen Populationen oder soziale Interaktionen den Farbwechsel beeinflussten.

Als Probanden wurden zum einen Europäische Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon) in La Herradura und Sanlúcar in Spanien gefangen. Die beiden Regionen liegen rund 230 km voneinander entfernt. Weitere Chamaeleo chameleon wurden in der nördwestlichen Negev und an der Carmel Küste in Israel entnommen (rund 180 km voneinander getrennt). Zum anderen wurden Lappenchamäleons (Chamaeleo dilepis) in Simbithi, Zulu Falls und Maduma Boma in Südafrika gefangen. Die drei Orte liegen zwischen 100 und 550 km voneinander entfernt.

Jedes Chamäleon wurde zwei Experimenten unterzogen. Im ersten ließen die Wissenschaftler das Chamäleon zwei Meter auf einem horizontalen Stock, der in der Sonne rund einen Meter über dem Boden aufgestellt wurde, laufen. Im zweiten Experiment wurde auf den gleichen Stock 50 cm entfernt vom ersten Chamäleon ein zweites der gleichen Art gesetzt. Die Farbmuster, die das Tier während der Experimente zeigte, sowie das Verhalten wurden 20 Minuten lang aufgezeichnet. Anschließend wurden die Daten mittels Computerprogrammen ausgewertet. Blut wurde allen Chamäleons aus einer abgeschnittenen Kralle entnommen und genetisch untersucht. Die Lebensräume und Bodengegebenheiten wurden auf verschiedene Weisen zusätzlich untersucht und statistisch ausgewertet. Die eingefangenen Tiere wurden maximal 12 h in belüfteten Plastikkäfigen gehalten und nach den Untersuchungen wieder freigelassen. Wie viele Chamäleons insgesamt gefangen und freigelassen wurden, wird leider in der Studie nicht erwähnt.

Wie erwartet stellte sich heraus, dass die einzelnen Populationen sich sowohl beim Europäischen als auch beim Lappenchamäleon genetisch voneinander unterschieden. Dabei wiesen die Populationen von Chamaeleo dilepis signifikant unterschiedliche Haplotypen auf.

Beim Lappenchamäleon waren die Weibchen an zwei Orten deutlich größer als die Männchen, lediglich in Simbithi nicht. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Farbmuster der drei untersuchten Populationen klar voneinander unterscheiden ließen. Sie schlossen aus den Ergebnissen, dass die Farbmuster bei Chamaeleo dilepis vor allem von genetischer Isolation abhängig sind. Das Habitat selbst und die Größe der Chamäleons hatten keinen Einfluss auf die Farbmuster.

Beim Europäischen Chamäleon sah das jedoch anders aus: Die Körpergröße und die genetische Distanz zu anderen Populationen sagten die Farbmuster bei Männchen sehr gut voraus. Dafür waren die Farbmuster unabhängig vom Ort, an dem die Tiere gefunden worden waren. Boden- oder Vegetationsfarben hatten nur bei Weibchen einen geringen Einfluss auf die Farbe.

Genetic and behavioural factors affecting interpopulation colour pattern variation in two congeneric chameleon species
Tammy Keren-Rotem, Devon C. Main, Adi Barocas, David Donaire-Barroso, Michal Haddas-Sasson, Carles Vila, Tal Shaharabany, Lior Wolf, Krystal A. Tolley, Eli Geffen
Royal Society Open Science 11: 231554
DOI:  0.1098/rsos.231554

[:en]

Chameleons are known for their ability to change colour. International scientists have now investigated what exactly influences different colour patterns in different populations. They want to know to what extent the habitat itself, the distance to other populations or social interactions influence the colour change.

The test subjects were European chameleons (Chamaeleo chamaeleon) caught in La Herradura and Sanlúcar in Spain. The two regions are around 230 kilometres apart. Other Chamaeleo chameleon were collected in the north-western Negev and on the Carmel coast in Israel (around 180 km apart). On the other hand, flap-necked chameleons (Chamaeleo dilepis) were captured in Simbithi, Zulu Falls and Maduma Boma in South Africa. The three locations are between 100 and 550 kilometres apart.

Each chameleon was subjected to two experiments. In the first, the scientists let the chameleon walk two metres on a horizontal stick, which was placed in the sun about one metre above the ground. In the second experiment, a second chameleon of the same species was placed on the same stick 50 cm away from the first. The colour patterns shown by the animal during the experiments and its behaviour were recorded for 20 minutes. The data was then analysed using computer programs. Blood was taken from a cut claw of all chameleons and genetically analysed. The habitats and soil conditions were also analysed in various ways and statistically evaluated. The captured animals were kept in ventilated plastic cages for a maximum of 12 hours and released after the analyses. Unfortunately, the study does not mention how many chameleons were caught and released in total.

As expected, it turned out that the individual populations of both the European and the flap-necked chameleon differed genetically from each other. The populations of Chamaeleo dilepis had significantly different haplotypes.

In the flap-necked chameleon, the females were significantly larger than the males in two locations, but not in Simbithi. The scientists also found that the colour patterns of the three populations studied could be clearly distinguished from each other. They concluded from the results that the colour patterns in Chamaeleo dilepis are primarily dependent on genetic isolation. The habitat itself and the size of the chameleons did not influence the colour patterns.

In the European chameleon, however, the situation was different: Body size and genetic distance to other populations predicted colour patterns in males very well. However, the colour patterns were independent of the location where the animals were found. Soil or vegetation colours only had a minor influence on the colour of females.

Genetic and behavioural factors affecting interpopulation colour pattern variation in two congeneric chameleon species
Tammy Keren-Rotem, Devon C. Main, Adi Barocas, David Donaire-Barroso, Michal Haddas-Sasson, Carles Vila, Tal Shaharabany, Lior Wolf, Krystal A. Tolley, Eli Geffen
Royal Society Open Science 11: 231554
DOI:  0.1098/rsos.231554[:]