Exporte von Nachzucht-Chamäleons aus Kenia gestiegen

Exporte von Nachzucht-Chamäleons aus Kenia gestiegen

Allgemeines Wissenschaft

Eine Ökologin, ein Umweltwissenschaftler und ein Tierarzt haben sich kürzlich mit den CITES-Exportzahlen für Kenia beschäftigt. Sie untersuchten dabei ausschließlich Exporte, bei denen die Tiere in Gefangenschaft gezüchtet oder auf Farmen nachgezogen wurden, innerhalb eines Zeitraumes von 2013 bis 2023.

Insgesamt wurden in diesen zehn Jahren 886 Exporte unter CITES als Nachzuchten oder Farmzuchten gemeldet. Die Zahlen stiegen dabei zwischen 2013 und 2023 deutlich an: Waren es 2013 nur 53 Exporte dieser Art, wurden 2023 über doppelt so viele, nämlich 110 Exporte, gezählt.

80% der Exporte waren lebende Tiere, in Zahlen 871,783 Individuen in zehn Jahren. 20% der Exporte entfielen auf Federn, Häute (vor allem von Krokodilen), Gewebeproben, Fleisch und zwei einzelne Skelette. Reptilien lagen bei den Lebendexporten von Nach- oder Farmzuchten mit über 96% zahlenmäßig an erster Stelle. Erst weit davon abgeschlagen waren mit 15% Vögel und nur 3,5% Säugetiere exportiert worden. Die am häufigsten exportierten Nach- oder Farmzuchten bei den Reptilien waren Stigmochelys pardalis, Trioceros jacksonii, Trioceros hoehnelli, Kinyongia boehmei sowie Trioceros ellioti. Bei den Chamäleons wurde keines als Farmzucht exportiert. Alle Chamäleons waren entweder in Gefangenschaft gezüchtet oder lediglich in Gefangenschaft geboren/geschlüpft.

Interessanterweise befanden sich auch einzelne Kinyongia fischeri und Furcifer pardalis unter den Exporten. Es handelte sich hier vermutlich um bereits früher importierte Tiere, denn die beiden Arten kommen in Kenia selbst nicht natürlicherweise vor.

Die Zielländer der Exporte waren mit 43 Nationen vielfältig. Die Mehrheit ging mit 177 Exporten in die USA, dahinter steht Deutschland mit 95 und Spanien mit 62 Exporten als Zielland. Das am zweithäufigsten in die USA importierte Tier war Trioceros jacksonii mit insgesamt 55.944 Chamäleons in zehn Jahren. Direkt dahinter lagen in den USA Trioceros hoehnelli it 14.266 Tieren und Kinyongia boehmei mit 11497 Tieren, die zwischen 2013 und 2023 importiert wurden. In der gleichen Zeit importierte Deutschland nur 5.577 Trioceros jacksonii und 4.456 Kinyongia boehmei.

Zwei der gehandelten Chamäleonarten, Kinyongia boehmei und Kinyongia fischeri, gelten als potenziell gefährdet (‚near threatened‘). Die Autoren bemängeln, dass bei diesen und anderen Chamäleon-Arten der Wissensstand um die aktuelle Populationsgröße und -trends unzureichend ist. Ob der Handel mit diesen Tieren deshalb nachhaltig ist, kann nur eingeschränkt beurteilt werden. Ebenfalls stellen sie die Frage, ob es sich bei den gehandelten Tieren tatsächlich um Nachzuchten handelt und inwiefern das individuelle Tierwohl bei Exporten generell berücksichtigt wird.

Hinweis: Alle drei Autoren der Studie arbeiten bei World Animal Protection, es kann hier also ein gewisser Interessenskonflikt nicht ausgeschlossen werden.

Rising reptile trade from Kenya: Analysis of CITES-listed captive-bred wildlife exports
Angie Elwin, Ephraim Batungbacal, Patrick Muinde
Conservation 2026, 6: 56
DOI: 10.3390/conservation6020056
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Foto: Trioceros hoehnelli, fotografiert von Marius Burger, CC0

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

Wissenschaft

[:de]

Auf der iberischen Halbinsel ist das Europäische Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) zwar lokal verbreitet, sein Lebensraum wird jedoch im Bereich der dicht besiedelten Küste vielfach von Straßen durchschnitten. Biologen der Universität von Málaga (Spanien) haben kürzlich untersucht, ob und wie sich stark frequentierte Straßen auf das Verhalten und die Populationsdichte des Europäischen Chamäleons auswirkt.

Sie untersuchten ein Studiengebiet in Privatbesitz in der Provinz Málaga im Süden Spanien, das sich am Rand der Autobahn A7 befindet. Die A7 hat ein hohes Verkehrsaufkommen mit täglich rund 43.121 Autos. Das Studiengebiet bestand aus aufgegebenen Oliven- und Mandelhainen, aber vor allem großen Gebieten mit Buschland aus gelbem Ginster und ginsterähnlichen Gewächsen wie Lavendel, Fenchel und grünen Zwergpalmen.

Die Biologen teilten das Studiengebiet in fünf je 225 m breite Felder ein, die unterschiedlich weit von der A7 entfernt waren. Nachts wurde dann mit Taschenlampen nach Chamäleons gesucht. Geschlecht, Saison, Gewichte und Position gefundener Chamaeleo chamaeleon wurden aufgenommen und ihr Vorkommen statistisch ausgewertet. Zusätzlich wurde notiert, in welcher Vegetation die Tiere sich befanden und ob Nahrung verfügbar war. Um die Verfügbarkeit von Arthropoden besser einschätzen zu können, wurden diese mit Fallen gefangen und gezählt.

Insgesamt konnten 148 adulte und 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo gefunden werden, wobei 592 Kontrollpunkte ohne Chamäleonbeobachtungen blieben. Es fiel auf, dass die Populationsdichte von Chamaeleo chamaeleon in den Feldern, die am weitesten von der A7 entfernt lagen, am höchsten war. Nur 24,3% der adulten Chamäleons wurde in direkter Nähe zur Autobahn entdeckt, 62,2% dagegen befanden sich in den am weitesten von der Autobahn entfernten Bereichen. In den beiden Feldern direkt an der Autobahn fanden sich dazu passend auch die wenigstens Jungtiere. Die Chamäleons scheinen also von der Autobahn gestört zu sein und ziehen sich aus deren Nähe zurück. Das Angebot an Arthropoden, also potenziellem Futter), war in allen fünf Bereichen jedoch vergleichbar groß. Interessanterweise stellte sich außerdem heraus, dass mehr Chamäleons in Bereichen mit weniger Sträuchern vorkamen. Das spricht dafür, dass Chamaeleo chamaeleo Lebensräume mit sehr dichtem Gestrüpp eher meidet.

Die Ergebnisse der Studie passen zu denen bei anderen Reptilien, die unter anderem die sogenannte Road-effect zone beschreiben. Dabei handelt es sich um das Phänomen, das gerade und über weite Strecken verlaufende Straßen auch dann zu sehr viel ungeeignetem Lebensraum führen, wenn sie „nur“ schmale Säume haben, die von den Tieren vermieden werden. Die Länge der Straße und die Vielzahl der Straßen kann dann trotzdem den Lebensraum einer Art extrem stark beschneiden oder verkleinern. Diese Erkenntnis ist für das Europäische Chamäleon neu und für den Artenschutz wichtig.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gebiete mit hoch frequentierten Straßen in weniger als 500 bis 675 m Entfernung für Chamaeleo chamaeleon ungeeignete Lebensräume darstellen.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
Kostenloser Download des Artikels[:en]

Although the European chameleon (Chamaeleo chamaeleon) is locally widespread on the Iberian Peninsula, its habitat is often cut through by roads in densely populated coastal areas. Biologists at the University of Málaga (Spain) recently investigated whether and how busy roads affect the behaviour and population density of the European chameleon.

They studied a privately owned study area in the province of Málaga in southern Spain, located on the edge of the A7 motorway. The A7 has a high volume of traffic, with 43,121 cars passing through every day. The study area consisted of abandoned olive and almond groves, but mainly large areas of scrubland with yellow broom and broom-like plants such as lavender, fennel and green dwarf palms.

The biologists divided the study area into five 225-metre-wide fields, each at different distances from the A7 motorway. At night, they searched for chameleons using torches. The sex, season, weight and position of any Chamaeleo chamaeleon found were recorded and their occurrence statistically evaluated. In addition, they noted the type of vegetation in which the animals were found and whether food was available. In order to better assess the availability of arthropods, these were caught in traps, identified and counted.

A total of 148 adult and 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo were found, with 592 control points remaining without chameleon observations. It was noticeable that the population density of Chamaeleo chamaeleon was highest in the fields furthest away from the A7 motorway. Only 24.3% of adult chameleons were discovered in the immediate vicinity of the motorway, while 62.2% were found in the areas furthest from the motorway. Accordingly, the two fields directly adjacent to the motorway also had the fewest juveniles. The chameleons therefore appear to be disturbed by the motorway and retreat from its vicinity. However, the availability of arthropods (i.e. potential food) was comparable in all five areas. Interestingly, it was also found that more chameleons were present in areas with fewer shrubs. This suggests that Chamaeleo chamaeleo tends to avoid habitats with very dense undergrowth.

The results of the study are consistent with those for other reptiles, which describe, among other things, the so-called road effect zone. This is the phenomenon whereby straight roads running over long distances lead to a large amount of unsuitable habitat, even if they ‘only’ have narrow verges that are avoided by the animals. The length of the road and the number of roads can still severely restrict or reduce the habitat of a species. This finding is new for the European chameleon and important for species conservation. The authors conclude that areas with highly frequented roads less than 500 to 675 metres away are unsuitable habitats for Chamaeleo chamaeleon.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
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[:de]Potenzielle neue Verbreitungsgebiete des Europäischen Chamäleons[:en]Potential new distribution areas of the European chameleon[:]

[:de]Potenzielle neue Verbreitungsgebiete des Europäischen Chamäleons[:en]Potential new distribution areas of the European chameleon[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das europäische Chamäleon (Chamaeleo chameleon) kam historisch in einigen kleinen Gebieten des Mittelmeerraums und in Mittelasien vor. Heute jedoch ist es viel weiter verbreitet. Man geht heute davon aus, dass die Tiere durch Menschen in ihre neuen Verbreitungsgebiete gebracht wurden und sich dort auf Grund der günstigen klimatischen Verhältnisse weiter vermehren konnten. Wissenschaftler haben sich nun damit beschäftigt, wo es weitere geeignete Habitate für das europäische Chamäleon gibt und wie die vorhandenen Populationen sich in den nächsten 50 Jahren entwickeln könnten.

Untersucht wurden die drei Unterarten Chamaeleo chamaeleon chamaeleon, Chamaeleo chamaeleon musae und Chamaeleo chamaeleon reticrista. Erstere ist bisher vom südlichen Rand Portguals und Spaniens sowie aus Süditalien, Algerien, Ägypten, Libyen, Malta, Marokko, Tunesien, der westlichen Sahara und aus dem Jemen bekannt. Zweitere Unterart kommt aktuell im Jordan, Israel und Ägypten vor. Die dritte Unterart kommt zwischen Griechenland und der Türkei vor, auf Zypern, in Israel, im Libanon und Syrien, ist aber eigentlich beheimatet im Norden Afrikas und im Mittleren Osten. Sie wurde wohl von Menschen im Süden Spaniens und Portguals eingeführt, wird dort heute aber als native species angesehen.

Zur Studie wurden die bisher vorhandene Literatur durchforstet, Beprobungen durch den Autor selbst, OpenStreetMaps und Informationen der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) herangezogen und statistisch aufbereitet sowie ausgewertet. Klima, Topographie, Habitat der Fundorte und Verbindungen der bestehenden Poplationen wurden für Vorhersagen zu potenziell geeigneten neuen Lebensräumen genutzt.

Insgesamt flossen 553 Funde von Chamaeleo chamaeleon in die Studie ein. 22% der Funde konnten Stadtgebieten zugeordnet werden, 21% Buschland und 18% fielen auf landwirtschaftlich genutzten Grund. Die meisten Funde wurden auf Höhen von 0 bis 100 m üNN gemacht. Nicht verwunderlich war, dass die aktuell von Chamaeleo chamaeleon besiedelten Gebiete sich als sehr geeignetes Habitat erwiesen. Potenzielle gut geeignete, neue Verbreitungsgebiete in der Zukunft könnten die Iberische Insel zwischen Murcia und der Algarve in Portugal sein, Sizilien, Kalabrien, Apulien und Sardinien in Italien, Marokko, Tunesien, Libyen, die Region zwischen Israel und dem Libanon im Mittleren Osten, Zypern sowie alle Küsten und Inseln des Ägäischen Meeres sein. Insgesamt wird für die nächsten 50 Jahre eine progressive Zunahme an allen schon vorhandenen Habitaten des europäischen Chamäleons vermutet. Davon ausgenommen sind wahrscheinlich lediglich einige Regionen in Tunesien sowie der Türkei. Weitere Habitatsverluste werden an der Ägäischen Küste in der Türkei und Israel angenommen. In Spanien und Portgual könnte das Verbreitungsgebiet sich nach Westen verschieben.

Habitat suitability and connectivity modelling predict a latitudinal-driven expansion in the Mediterranean basin for a historically introduced reptile
Davide Serva, Viviana Cittadino, Ilaria Bernabò, Maurizio Biondi, Mattia Iannella
European Journal of Wildlife Resarch 70 (27), 2024
DOI: 10.1007/s10344-024-01780-9

Die beiden Grafiken stammen beide aus der genannten Veröffentlichung.[:en]

The European chameleon (Chamaeleo chameleon) was historically found in some small areas of the Mediterranean and Central Asia. Today, however, it is much more widespread. It is now assumed that the animals were brought to their new distribution areas by humans and were able to reproduce there due to the favourable climatic conditions. Scientists have now investigated where there are further suitable habitats for the European chameleon and how the existing populations could develop over the next 50 years.

The three subspecies studied were Chamaeleo chamaeleon chamaeleon, Chamaeleo chamaeleon musae and Chamaeleo chamaeleon reticrista. The former is known from the southern edge of Portgual and Spain as well as from southern Italy, Algeria, Egypt, Libya, Malta, Morocco, Tunisia, the western Sahara and Yemen. The second subspecies is currently found in Jordan, Israel and Egypt. The third subspecies occurs between Greece and Turkey, in Cyprus, Israel, Lebanon and Syria, but is actually native to northern Africa and the Middle East. It was probably introduced by people in southern Spain and Portgual, but is now considered a native species there.

For the study, the existing literature, sampling by the author himself, OpenStreetMaps and information from the Global Biodiversity Information Facility (GBIF) were used, statistically processed and analysed. Climate, topography, habitat of the sites and connections of existing populations were used to predict potentially suitable new habitats.

A total of 553 Chamaeleo chamaeleon findings were included in the study. 22% of the finds could be assigned to urban areas, 21% to scrubland and 18% to agricultural land. Most of the finds were made at altitudes of 0 to 100 metres above sea level. Not surprisingly, the areas currently colonised by Chamaeleo chamaeleon proved to be very suitable habitat. Potential well-suited new distribution areas in the future could be the Iberian Islands between Murcia and the Algarve in Portugal, Sicily, Calabria, Apulia and Sardinia in Italy, Morocco, Tunisia, Libya, the region between Israel and Lebanon in the Middle East, Cyprus and all coasts and islands of the Aegean Sea. Overall, a progressive increase in all existing habitats of the European chameleon is expected over the next 50 years. The only exceptions to this are probably some regions in Tunisia and Turkey. Further habitat losses are assumed on the Aegean coast in Turkey and Israel. In Spain and Portgual, the distribution area could shift westwards.

Habitat suitability and connectivity modelling predict a latitudinal-driven expansion in the Mediterranean basin for a historically introduced reptile
Davide Serva, Viviana Cittadino, Ilaria Bernabò, Maurizio Biondi, Mattia Iannella
European Journal of Wildlife Resarch 70 (27), 2024
DOI: 10.1007/s10344-024-01780-9

The two graphics are both from the publication mentioned.[:]

[:de]Was Farbmuster bei Chamäleons beeinflusst[:en]What influences colour patterns in chameleons[:]

[:de]Was Farbmuster bei Chamäleons beeinflusst[:en]What influences colour patterns in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Chamäleons sind bekannt wegen ihrer Fähigkeit zum Farbwechsel. Was genau verschiedene Farbmuster in verschiedenen Populationen beeinflusst, haben jetzt internationale Wissenschaftler untersucht. Sie wollen wissen, inwiefern der Lebensraum selbst, die Entfernung zu anderen Populationen oder soziale Interaktionen den Farbwechsel beeinflussten.

Als Probanden wurden zum einen Europäische Chamäleons (Chamaeleo chamaeleon) in La Herradura und Sanlúcar in Spanien gefangen. Die beiden Regionen liegen rund 230 km voneinander entfernt. Weitere Chamaeleo chameleon wurden in der nördwestlichen Negev und an der Carmel Küste in Israel entnommen (rund 180 km voneinander getrennt). Zum anderen wurden Lappenchamäleons (Chamaeleo dilepis) in Simbithi, Zulu Falls und Maduma Boma in Südafrika gefangen. Die drei Orte liegen zwischen 100 und 550 km voneinander entfernt.

Jedes Chamäleon wurde zwei Experimenten unterzogen. Im ersten ließen die Wissenschaftler das Chamäleon zwei Meter auf einem horizontalen Stock, der in der Sonne rund einen Meter über dem Boden aufgestellt wurde, laufen. Im zweiten Experiment wurde auf den gleichen Stock 50 cm entfernt vom ersten Chamäleon ein zweites der gleichen Art gesetzt. Die Farbmuster, die das Tier während der Experimente zeigte, sowie das Verhalten wurden 20 Minuten lang aufgezeichnet. Anschließend wurden die Daten mittels Computerprogrammen ausgewertet. Blut wurde allen Chamäleons aus einer abgeschnittenen Kralle entnommen und genetisch untersucht. Die Lebensräume und Bodengegebenheiten wurden auf verschiedene Weisen zusätzlich untersucht und statistisch ausgewertet. Die eingefangenen Tiere wurden maximal 12 h in belüfteten Plastikkäfigen gehalten und nach den Untersuchungen wieder freigelassen. Wie viele Chamäleons insgesamt gefangen und freigelassen wurden, wird leider in der Studie nicht erwähnt.

Wie erwartet stellte sich heraus, dass die einzelnen Populationen sich sowohl beim Europäischen als auch beim Lappenchamäleon genetisch voneinander unterschieden. Dabei wiesen die Populationen von Chamaeleo dilepis signifikant unterschiedliche Haplotypen auf.

Beim Lappenchamäleon waren die Weibchen an zwei Orten deutlich größer als die Männchen, lediglich in Simbithi nicht. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Farbmuster der drei untersuchten Populationen klar voneinander unterscheiden ließen. Sie schlossen aus den Ergebnissen, dass die Farbmuster bei Chamaeleo dilepis vor allem von genetischer Isolation abhängig sind. Das Habitat selbst und die Größe der Chamäleons hatten keinen Einfluss auf die Farbmuster.

Beim Europäischen Chamäleon sah das jedoch anders aus: Die Körpergröße und die genetische Distanz zu anderen Populationen sagten die Farbmuster bei Männchen sehr gut voraus. Dafür waren die Farbmuster unabhängig vom Ort, an dem die Tiere gefunden worden waren. Boden- oder Vegetationsfarben hatten nur bei Weibchen einen geringen Einfluss auf die Farbe.

Genetic and behavioural factors affecting interpopulation colour pattern variation in two congeneric chameleon species
Tammy Keren-Rotem, Devon C. Main, Adi Barocas, David Donaire-Barroso, Michal Haddas-Sasson, Carles Vila, Tal Shaharabany, Lior Wolf, Krystal A. Tolley, Eli Geffen
Royal Society Open Science 11: 231554
DOI:  0.1098/rsos.231554

[:en]

Chameleons are known for their ability to change colour. International scientists have now investigated what exactly influences different colour patterns in different populations. They want to know to what extent the habitat itself, the distance to other populations or social interactions influence the colour change.

The test subjects were European chameleons (Chamaeleo chamaeleon) caught in La Herradura and Sanlúcar in Spain. The two regions are around 230 kilometres apart. Other Chamaeleo chameleon were collected in the north-western Negev and on the Carmel coast in Israel (around 180 km apart). On the other hand, flap-necked chameleons (Chamaeleo dilepis) were captured in Simbithi, Zulu Falls and Maduma Boma in South Africa. The three locations are between 100 and 550 kilometres apart.

Each chameleon was subjected to two experiments. In the first, the scientists let the chameleon walk two metres on a horizontal stick, which was placed in the sun about one metre above the ground. In the second experiment, a second chameleon of the same species was placed on the same stick 50 cm away from the first. The colour patterns shown by the animal during the experiments and its behaviour were recorded for 20 minutes. The data was then analysed using computer programs. Blood was taken from a cut claw of all chameleons and genetically analysed. The habitats and soil conditions were also analysed in various ways and statistically evaluated. The captured animals were kept in ventilated plastic cages for a maximum of 12 hours and released after the analyses. Unfortunately, the study does not mention how many chameleons were caught and released in total.

As expected, it turned out that the individual populations of both the European and the flap-necked chameleon differed genetically from each other. The populations of Chamaeleo dilepis had significantly different haplotypes.

In the flap-necked chameleon, the females were significantly larger than the males in two locations, but not in Simbithi. The scientists also found that the colour patterns of the three populations studied could be clearly distinguished from each other. They concluded from the results that the colour patterns in Chamaeleo dilepis are primarily dependent on genetic isolation. The habitat itself and the size of the chameleons did not influence the colour patterns.

In the European chameleon, however, the situation was different: Body size and genetic distance to other populations predicted colour patterns in males very well. However, the colour patterns were independent of the location where the animals were found. Soil or vegetation colours only had a minor influence on the colour of females.

Genetic and behavioural factors affecting interpopulation colour pattern variation in two congeneric chameleon species
Tammy Keren-Rotem, Devon C. Main, Adi Barocas, David Donaire-Barroso, Michal Haddas-Sasson, Carles Vila, Tal Shaharabany, Lior Wolf, Krystal A. Tolley, Eli Geffen
Royal Society Open Science 11: 231554
DOI:  0.1098/rsos.231554[:]

[:de]Vortrag in Ulm über Spanien[:en]Lecture in Ulm about Spain[:]

[:de]Vortrag in Ulm über Spanien[:en]Lecture in Ulm about Spain[:]

Reiseberichte Vorträge

[:de]

Heiko Werning, bekannt als Redakteur der Reptilia und Kolumnenautor der taz, eigt am 18. November 2023 in Neu-Ulm (Bayern) einen bilderreichen Vortrag über nicht nur, aber auch Chamäleons.

Auf einer spannenden Reise quer durch Spanien zeigt er, wie viele Reptilien und Amphibien das europäische Land zu bieten hat. Und die Vielfalt ist beeindruckend! Heikos Reise beginnt im Baskenland und führt dann durch Galizien bis nach Nordkastilien mit seinen wunderschönen Salamandern. In den mittelspanischen Gebirgszügen begegnet der Herpetologe den urigen Gebirgseidechsen. Ein paar Autostunden westlich von Madrid, in der Extremadura, findet sich Heiko im wahrsten Sinne des Wortes unter Geiern wieder. Und an der südspanischen Atlantikküste trifft er dann endlich auch auf das Europäische Chamäleon und seinen Lebensraum. Zuletzt nimmt Heiko seine Zuschauer mit in den Südosten Spaniens, wo er unter anderem Maurische Landschildkröten und den Europäischen Fransenfinger in der einzigen Wüste Europas gefunden hat. Insgesamt ein buntes Feuerwerk an Bildern und unterhaltsamen Anekdoten – hier sollte jeder Reptilienfreund auf seine Kosten kommen!

Heiko Werning Das spanische Festland – Ein Reiseziel (auch) für herpetologische Feinschmecker
DGHT Stadtgruppe Ulm
Il Mio Ristorante
Europastraße 15
89231 Neu-Ulm
Treffen ab 18.30 Uhr[:en]

Heiko Werning, known as the editor of Reptilia and columnist for the taz, will be giving an illustrated lecture on 18 November 2023 in Neu-Ulm (Bavaria) about not only, but also chameleons in Spain.

On an exciting journey across Spain, he will show how many reptiles and amphibians the European country has to offer. And the diversity is impressive! Heiko’s journey begins in the Basque Country and then leads through Galicia to northern Castile with its beautiful salamanders. In the central Spanish mountain ranges, the herpetologist encounters the quaint mountain lizards. A few hours‘ drive west of Madrid, in Extremadura, Heiko finds himself among vultures in the truest sense of the word. And on the southern Spanish Atlantic coast, he finally encounters the European chameleon and its habitat. Finally, Heiko takes his viewers to south-east Spain, where he has found, among other things, Moorish tortoises and the European fringed finger in the only desert in Europe. All in all, a colourful firework display of images and entertaining anecdotes – every reptile lover should get their money’s worth here!

Heiko Werning The Spanish mainland – A destination (also) for herpetological gourmets
DGHT City Group Ulm
Il Mio Ristorante
Europastraße 15
89231 Neu-Ulm
Meeting from 6.30 pm

[:]

[:de]Neuerscheinung: Ein Buch über das Europäische Chamäleon[:en]New publication: A book about the European Chameleon[:]

[:de]Neuerscheinung: Ein Buch über das Europäische Chamäleon[:en]New publication: A book about the European Chameleon[:]

Bucherscheinungen

[:de]

„Das gemeine Chamäleon – Chamaeleo chamaeleon“ schließt eine kleine Lücke auf dem Reptilien-Buchmarkt, denn bisher gab es kein vergleichbares Buch, das sich nur mit dieser Art beschäftigt. Die Autoren sind Jürg Meier, emeritierter Professor für Zoologie  der Unversität Basel in der Schweiz und Mitglied der AG Chamäleons, Juan Pablo González de la Vega, Herpetologe aus Andalusien und Joaquín Santaolalla, Leiter des Kontrollzentrums für Biodiversität im Veterinäramt Málaga.

Zu Beginn des Buches wird die Art Chamaeleo chamaeleon vorgestellt, ihr Lebensraum und die Unterschiede zu Chamaeleo africanus, der zweiten in Europa heimischen Chamäleonart. Die übrige erste Hälfte des Buches beschäftigt sich dann vor allem mit Grundwissen zu Chamäleons generell. Der Körperbau, die umgebauten Hände und Füße, das hoch spezialisierte Auge, die Fähigkeit zum Farbwechsel und der berühmte Zungenschuss werden unter anderem besprochen. Dabei wurden immer wieder Ergebnisse aus wissenschaftlichen Arbeiten in den Text eingearbeitet. Die zweite Hälfte des Buches thematisiert Lebenszyklus und Vorkommen von Chamaeleo chamaeleon. Fressfeinde werden vorgestellt, Paarung und Fortpflanzung sowie die verschiedenen Farbkleider der Tiere erklärt. Fotos vom Nestbau, der Eiablage und dem Schlupf der kleinen Chamäleons komplettieren die Vorstellung der Art. Zum Schluss wird auf die Gefährdung des europäischen Chamäleons und aktuelle Schutzbemühungen in Spanien eingegangen. Sehr viele Fotos und Grafiken bebildern den Text.

Das Buch richtet sich an Laien – Menschen, die von Chamäleons noch nicht viel wissen und gerne mehr erfahren möchten. Es ist leicht zu lesen und gut verständlich, nur wenige Abschnitte verlieren sich ein wenig in wissenschaftlichen Ausdrücken. Ein wenig schade sind einige verpixelte und insgesamt sehr bunt zusammengewürfelte Grafiken im Buch, die den wertigen Gesamteindruck schmälern. Letztlich tut das dem Zweck des Buches aber keinen Abbruch. Es weckt die Begeisterung für Chamäleons vor allem bei interessierten Naturfreunden, die bis dahin noch nichts mit diesen faszinierenden Reptilien zu tun hatten. Und genau dafür wurde es konzipiert. Das Buch wird derzeit in Málaga als kleines Lehrbuch im Umweltunterricht in der Schule verwendet und als käufliche Lektüre für neugierige Reisende und Einheimische angeboten.

Das Buch ist auf Deutsch und Spanisch erhältlich. Es ist im Eigenverlag erschienen und kann momentan über den Autor (siehe unten) oder im Chamäleon-Zentrum des Veterinäramtes Málaga, Spanien, bezogen werden.

Das Gemeine Chamäleon – Chamaeleo chamaeleon
Jürg Meier, Juan Pablo Gonzalez de la Vega, Joaquín Santaolalla
128 Seiten, Jumeba Sachbuch Verlag
ISBN 978-3-907338-00-1

20 € inklusive Versand
Bestellung unter https://jumeba.ch/shop/ oder direkt über den Erstautor j.meier@jumeba.ch[:en]

„The common chameleon – Chamaeleo chamaeleon“ fills a small gap in the reptile book market, because until now there was no comparable book dealing only with this species. The authors are Jürg Meier, professor emeritus of zoology at the University of Basel in Switzerland and member of the AG Chamäleons, Juan Pablo González de la Vega, herpetologist from Andalusia and Joaquín Santaolalla, head of the Biodiversity Control Centre at the Málaga Veterinary Office.

At the beginning of the book, the species Chamaeleo chamaeleon is introduced, its habitat and the differences to Chamaeleo africanus, the second chameleon species native to Europe. The rest of the first half of the book then deals mainly with basic knowledge about chameleons in general. The body structure, the modified hands and feet, the highly specialised eye, the ability to change colour and the famous tongue shot are discussed among other things. Again and again, results from scientific studies are incorporated into the text. The second half of the book deals with the life cycle and occurrence of Chamaeleo chamaeleon. Predators are introduced, and mating and reproduction, as well as the different colour dresses of the animals, are explained. Photos of nest-building, egg-laying and hatching of the small chameleons complete the presentation of the species. Finally, the endangerment of the European chameleon and current conservation efforts in Spain are discussed. Many photos and graphics illustrate the text.

The book is aimed at laymen – people who do not know much about chameleons and would like to learn more. It is easy to read and easy to understand, only a few sections get a little lost in scientific terms. A bit of a pity is some pixelated and altogether very colourful graphics in the book, which detract from the valuable overall impression. Ultimately, however, this does not detract from the purpose of the book. It awakens enthusiasm for chameleons, especially among interested nature lovers who have had nothing to do with these fascinating reptiles until now. And that is exactly what it was designed for. The book is currently being used in Málaga as a small textbook in environmental lessons at school and as a purchasable read for curious travellers and locals.

The book is available in German and Spanish. It is self-published and can currently be obtained from the author (see below) or from the Chameleon Centre of the Veterinary Office of Málaga, Spain.

The common chameleon – Chamaeleo chamaeleon
Jürg Meier, Juan Pablo Gonzalez de la Vega, Joaquín Santaolalla
128 pages, Jumeba Sachbuch Verlag
ISBN 978-3-907338-00-1

20 € including shipping
Order under https://jumeba.ch/shop/ or directly via the first author j.meier@jumeba.ch[:]