Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neubeschreibungen Wissenschaft

Die Taxonomie der großen Calumma-Arten mit Occipitallappen aus Madagaskar bedarf seit Jahren weiterer Klärung. Nun haben sich Forscher daran gemacht, diese Chamäleons der sogenannten cucullatum-Gruppe erneut unter die Lupe zu nehmen.

Zwischen 1996 und 2025 beprobten die Wissenschaftler unzählige Chamäleons auf Madagaskar selbst, aber auch konservierte Museumsexemplare. Die teils im 19. Jahrhundert konservierten Holotypen von Chamaeleo brevicornis, Chamaeleon cucullatus, Chamaeleon gularis, Chamaeleon malthe und Chamaeleo brevicornis tsarafidyi wurden ebenfalls zu genetischen Untersuchungen herangezogen.

Das wichtigste Ergebnis: Eine neue Art wurde beschrieben! Der Name der neuen Art ist der bekannten Chamäleonforscherin Krystal Tolley gewidmet. Calumma krystalae lebt im Norden Madagaskars und ist eine relativ große Calumma-Art. Es kommt in den Regenwäldern von Marojejy, Sorata, Tsaratananan, Andrevorevo, Bemanevika und Ampotsidy auf Höhen von 1280 bis 1638 m vor. Mit seinen großen Occipitallappen sieht Calumma krystalae seiner Schwesternart Calumma malthe ähnlich, unterscheidet sich aber in vielen Merkmalen wie der Zahl der Schuppen auf den Occipitallappen oder dem Aussehen des Rückenkamms.

Weitere, spannende Ergebnisse der Studie: C. brevicorne und C. crypticum bieten leider nach wie vor ein schwierigeres Feld. Genetisch sind die Unterschiede, die im Aussehen zwischen verschiedenen Populationen deutlich sind, nicht derart eindeutig nachzuvollziehen. Insgesamt fanden sich bis zu sieben genetische Linien, von denen sechs einer gemeinsamen Clade angehören und eine in einer Clade zusammen mit C. amber und C. peltierorum steht. Die Autoren belassen es daher vorerst bei der Benennung dieser Chamäleons als „brevicorne/crypticum-Komplex“, bis weitere Forschung die Taxonomie und Morphologie vollständig klären kann.

Genome-scale molecular systematics of Madagascar’s occipital-lobed chameleons reveals polyphyly and mito-nuclear discordances
Miguel Vences, Laila-Denise Rothe, Frank Glaw, Mark D. Scherz, Philip-Sebastian Gehring, Oliver Hawlitschek, Arianna Kuhn, Malte Multzsch, Alice Petzold, Michaela Preick, Fandresena Rakotoarimalala, Achille P. Raselimanana, Fanomezana M. Ratsoavina, Sara Ruane, David R. Vieites, Michael Hofreiter, Christophe Dufresnes
Molecular Phylogenetics and Evolution, 2026
DOI: 10.1016/j.ympev.2026.108689
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Fotos: Verschiedene Calumma krystallae aus der genannten Publikation

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Nachdem vor zwei Jahren eine erste kleine Studie über die Herpetofauna von Ivohiboro veröffentlicht wurde, gibt es nun weitere Forschungsarbeit von dort. Das Schutzgebiet Ivohiboro liegt im Südosten Madagaskars, südwestlich der südlichsten Ausläufer des Andringitra-Gebirges. Der Wald selbst ist rund 8,58 km² groß und nimmt damit nur einen kleinen Teil des 37,82 km² großen Schutzgebietes ein. Er ist umgeben von Savannen und überspannt Höhenlagen von 650 bis 1460 m über Meeresniveau. Das Schutzgebet wird derzeit von lokalen Organisationen sowie dem madagassischen Umweltministerium verwaltet.

2016 und 2023 wurden auf je 16 und 26 Bäumen sogenannten „vertical surveys“ in Ivohibory und Analamary durchgeführt. Dabei wird ein Baum von unten nach oben beklettert und jedes gefundene Tier dokumentiert und ggf. beprobt. Außerdem wird am Boden in einem 10 m Radius um den Baum nach Tieren gesucht. Leider setzte in beiden Jahren die Regenzeit verzögert ein, so dass es trockener als erwartet war, was für die Herpetofauna eher ungünstig ist. Zusätzlich wurden einige Einzelbeobachtungen in die Studie mit einbezogen.

Alle gefundenen Tiere wurden dokumentiert und, wenn möglich, bis auf Gattungs- oder Artebene bestimmt. Gefundene Frösche wurden zwecks genetischer Untersuchungen beprobt. Insgesamt konnten 22 verschiedene Arten von Amphibien und 32 Arten Reptilien gefunden werden.

An Chamäleons wurden Calumma andringitraense, Calumma crypticum, Calumma oshaughnessyi, eine bisher genetisch noch nicht untersuchte Population von Calumma cf. fallax, Furcifer lateralis und Palleon nasus in Ivohiboro gefunden. Dabei war auffällig, dass vor allem die Calumma-Arten im Mittel stets weit oben in den Bäumen gefunden wurden.

From ground to canopy: A molecularly verified herpetofaunal inventory of a Madagascar Protected Area
Edmund W. Basham, Matteo D. Masotti, Iris E. Schmeder, Miguel Vences, Denis Razafitsimialona, Georges M. Andrianantenaina, Dina Andrianoely, Chloé M. Allen-Love, Brett R. Scheffers, Kelly R. Zamudio, Patricia C. Wright
Journal of Herpetology 60(2), 2026: 1-12
DOI: 10.1670/2644616
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Foto: In Ivohiboro gefundenen Chamäleons, von links oben nach rechts unten Calumma crypticum, Calumma andringitraense, Calumma fallax und Calumma oshaughnessyi, aus der genannten Publikation

Besenderung von Parsons Chamäleons

Besenderung von Parsons Chamäleons

Projekte Wissenschaft

Telemetrie wird seit Jahrzehnten bei Tieren genutzt, um ihren Standort und damit Bewegungsdaten zu verfolgen. Bei Chamäleons stellte sich das Besendern der Tiere selbst jedoch häufig als schwierig heraus. Für ein Feldprojekt auf Madagaskar wurden nun im Chester Zoo in Großbritannien über Monate ausprobiert, wie man Sender am geschicktesten an Parsons Chamäleons (Calumma parsonii parsonii) anbringt.

Zwei verschiedene Varianten der Anbringung wurden getestet: Einmal ein dünnes Plastikband und einmal eine Art Geschirr aus Schaumstoff, mit einem Gewicht von 4 bis 4,5 Gramm. Das  Plastikband wurde bei den Chamäleons vor den Hinterbeinen befestigt. Das Geschirr dagegen wurde über die Schultern und Arme gezogen und im Brustbereich verschlossen. Als Probanden standen ein männliches und sechs weibliche Parsons Chamäleons des Chester Zoo zur Verfügung.

Die Pfleger und Pflegerinnen wurden anschließend gebeten, die Geschirre nach sechs Kriterien zu beurteilen. Alle berichteten einstimmig, dass beide Varianten nicht zu Verhaltensänderungen geführt hatten. Insgesamt stellte sich heraus, dass die Geschirre im Brust-Schulter-Bereich besser zu verwenden waren, vor allem da auf Madagaskar später zusätzlich zum Peilsender noch ein kleiner, runder Datenlogger befestigt werden sollte.

Genau diese Geschirre wurden anschließend im östlichen Hochland Madagaskars in Vohimana verwendet, um fünf wilde Parsons Chamäleons zu besendern. Dies klappt bisher gut. Veröffentlichungen wie diese werten die gewonnenen Daten bereits aus.

Calumma parsonii: A journey with the largest chameleon on the planet. From zoo to field.
Jay Redbond, Laura Naidenov, Olivier Marquis, Sébastien Métrailler, Benjamin Drouet, Angelina Rene de Roland, Liantsoa Nourally, Joshua Fulford, Karen Lambert, Adam Trimmings, Kieran Richardson, Gerardo Garcia
British Herpetological Society Reports 7, 2026: 12-17
DOI: nicht verfügbar
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Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Diese Woche wurde eine Beobachtung veröffentlicht, in der eine Katzenaugennatter an der Ostküste Madagaskars dabei gesehen wurde, wie sie ein bereits totes Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) verspeist. Das tote Chamäleon war bereits am Vortag auf dem Boden des Regenwalds gefunden worden, die Schlange traf offenbar zufällig darauf und bediente sich.

Die Schlangenart Madagascarophis colubrinus ist auf Madagaskar weit verbreitet und ist schon länger bekannt dafür, dass sie einen breit gefächerten Speiseplan zu haben scheint. Einige neuere Nachweise vom Verzehr von Amphibien und Geckos auf iNaturalist werden im Paper ebenfalls erwähnt. Dass Madagascarophis colubrinus auch Chamäleons frisst, wurde aber bisher nur von der Schwesternart Madagascarophis meridionalis nachgewiesen. Dass die Art sich auch über Kadaver hermacht, ist ebenfalls neu.

Rotten ready-to-eat: observation of a Malagasy Cat-eyed Snake, Madagascarophis colubrinus (Schlegel, 1837), feeding on the carcass of a Panther Chameleon, Furcifer pardalis (Cuvier, 1829)
Alexandra Negro, Harison Zoe Radimbiniaina
Herpetology Notes 19, 2026: 399-401
DOI: not available
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Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Eine Studie zur Verbreitung und den Lebensräumen verschiedener Chamäleonarten wurde kürzlich in Vohimana in Madagaskar durchgeführt. Das Reservat Vohimana liegt zwischen 800 und 1000 m Höhe im östlichen Hochland der Insel. Es erstreckt sich über eine Fläche von 15 km², davon 6 km² Primärregenwald, 8,5 km² Sekundärvegetation und etwas über 1 km² Eukalyptusforst. Die Regenzeit reicht von Oktober bis Mai und ist vor allem von vermehrtem Regen gekennzeichnet, wobei die Trockenzeit ebenfalls über verhältnismäßig viele Niederschläge verfügt.

An insgesamt 195 Tagen, davon 158 in der Regenzeit und 37 in der Trockenzeit wurden Chamäleons innerhalb des Reservats entlang der vorhandenen Wege mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen insgesamt 350 km Strecke. 80% der Datenerhebung fand nachts statt, nur 20% tagsüber. Jedes gefundene Chamäleon wurde fotografiert sowie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und UV-Index am Fundort gemessen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

Während der gesamten Studienzeit konnten 577 Chamäleons dokumentiert werden. Darunter befanden sich ein einziges Calumma brevicorne, sieben Furcifer willsii, zwei Brookesia ramanantsoai, sieben Brookesia thieli, 143 Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni (zusammengefasst zu einer Gruppe), 53 Calumma furcifer, 207 kleine Calumma des nasutum-Komplexes (auf Grund von Schwierigkeiten bei der der rein äußerlichen Artbestimmung zu einer Gruppe zusammengefasst), 24 Calumma parsonii, 118 Calumma pinocchio, 11 Furcifer bifidus und 4 Furcifer pardalis.

Am häufigsten in Vohimana waren Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni, kleine Chamäleons des Calumma nasutum-Komplex und Calumma pinocchio. Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni und Calumma furcifer wurden nur selten außerhalb des Primärwaldes aufgefunden. Calumma pinocchio war am häufigsten in einem kleinen Primärwaldrest im Nordosten des Reservats zu finden. Alle übrigen Arten konnten die Wissenschaftler sowohl in Primärwald als auch in Sekundärvegetation immer wieder entdecken. Calumma parsonii, Calumma pinocchio als auch Arten des nasutum-Komplexes wurden häufig im Bereich von Waldrändern gefunden.

Die Temperaturen der Fundorte lagen in der Regenzeit durchschnittlich bei 24,2°C, in der Trockenzeit dagegen bei durchschnittlich 18,3°C. Während der Regenzeit wurden tagsüber mehr Chamäleons an Orten mit höherem UV-Index gemessen (durchschnittlich 0,5). Die relative Luftfeuchtigkeit war in Vohimana das ganze Jahr über hoch mit einem Durchschnitt über 90% für beide Jahreszeiten. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Chamäleonarten waren eher gering, was die Mikroklimata anging. Einzelne Furcifer pardalis und Furcifer willsii wurde zu den höchsten gemessenen Tages- und Nachttemperaturen (29°C und 27,5° tagsüber, 25°C nachts) gefunden. Diese beiden Arten sonnten auch im höchsten durchschnittlich gemessenen UVI (8,2 für Furcifer pardalis und 7,7 für Furcifer willsii). Die UV-Indizes aller übrigen Arten lagen im Durchschnitt deutlich niedriger.

Diversity, distribution, and microclimatic conditions experienced by the chameleons of the Vohimana Reserve, Madagascar
Olivier Marquis, Marc Gansuana, Sébastian Métrailler
Herpetological Conservation and Biology 21(1), 2026: 101-119
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Calumma pinocchio im Reservat von Vohimana, fotografiert von Alex Negro

Vortrag in Landau über Madagaskar

Vortrag in Landau über Madagaskar

Reiseberichte Vorträge

Am Samstag, den 21.03.2026, wird Patrick Schönecker einen reich bebilderten Vortrag über Madagaskar halten. Und Chamäleons werden nicht zu kurz kommen!

Seit 25 Jahren bereist Patrick Schönecker die Insel Madagaskar und hat dabei zahlreiche Lebensräume quer durch das Land erkundet. In den letzten Jahren richteten sich seine Reisen verstärkt auf die feuchten und halbtrockenen Regionen – mit besonderem Fokus auf die Arten-Hotspots sowie die letzten verbliebenen Regen- und Trockenwaldgebiete. Entstanden ist ein Vortrag, der mit eindrucksvollen Naturaufnahmen die außergewöhnliche Artenvielfalt Madagaskars dokumentiert und insbesondere die faszinierende Herpetofauna in den Mittelpunkt stellt.

Im Zentrum des Vortrags stehen zwei naturräumlich recht gegensätzliche Gebiete: Zum einen der Regenwaldgürtel rund um Andasibe, in dem ein Verbund staatlicher und privater Schutzgebiete die Durchwanderbarkeit des östlichen Hochlands gewährleistet. Zum anderen die Waldreste im Norden der Insel, deren kalksteinreiche Landschaften eine Vielzahl lokaler Mikrohabitate und Endemiten hervorgebracht haben.

Obwohl der Fokus auf der Herpetofauna liegt, lässt unser Referent auch die enorme Vielfalt endemischer Säugetiere, Insekten und Pflanzen nicht außer Acht – und lädt seine Zuhörer zu einem eindrucksvollen Streifzug durch die bedrohten Naturparadiese einer der einzigartigsten Inseln unseres Planeten ein.

Patrick Schönecker Madagaskars faszinierende Reptilien- und Amphibienwelt – Einblicke in die Artenvielfalt der Hotspots im zentralen Hochland und Norden der Insel 
DGHT Regionalgruppe Kurpfalz
Reptilium Landau
Werner-Heisenberg-Straße 1
76829 Landau in der Pfalz
Vortragsbeginn 20.00 Uhr, Einlass ab 19.00 Uhr

Foto: Calumma parsonii parsonii, fotografiert von Patrick Schönecker

Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Vorkommen des kleinsten Chamäleons der Welt (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Das aktuell kleinste Chamäleon der Welt wurde vor wenigen Jahren in Sorata im Norden Madagaskars entdeckt. Der Wald von Sorata gehört zum Korridor Marojejy-Anjanaharibe Süd-Tsaratanana, einem Gebiet von fragmentierten Waldresten zwischen den genannten großen Nationalparks und dem Réserve Naturelle Intégrale. Er wird derzeit vom WWF in Zusammenarbeit mit einer lokalen Organisation namens Ambodimandresy Miaro ny Ala verwaltet.

Wissenschaftler der Universitäten von Antsiranana und Antananarivo haben nun in Sorata die Bestandsdichte von Brookesia nana untersucht. 14 Tage lang suchten sie während der Regenzeit nachts entlang 14 je 150 m langer Transekte nach den kleinen Chamäleons.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler 0,33 Individuen pro 100 m. Konkret bedeutet das, dass auf 2100 m Transekt nur sieben Brookesia nana überhaupt gefunden wurden. Die Weibchen waren etwas größer als die Männchen. Alle Chamäleons wurden auf sehr niedrigen Pflanzen schlafend gefunden, im Schnitt nur 7 cm über dem Boden.

Das niedrige Vorkommen macht weitere Studien in weiteren Wäldern des COMATSA-Korridors notwendig, um die exakte Verbreitung von Brookesia nana herauszufinden. Interessant ist außerdem, dass Brookesia nana offenbar seltene vorzukommen scheint als andere Arten der minima-Gruppe und damit möglicherweise eine höhere Gefährdung der Art vorliegt.

A brief overview of the natural history of the recently described, miniaturised leaf chameleon, Brookesia nana Glaw et al., 2021, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Asmeralie Willian, Crispin Jaohasy, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 19, 2026: 123-128.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia nana, die in der genannten Studie gefunden wurden, fotografiert von Asmeralie William

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Chamäleons in Namoroka (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Die Tsingy de Namoroka liegen im heißen Westen Madagaskars. Sie bestehen aus nadelspitzem Karstgestein mit Grotten darunter und umgeben von Trockenwaldfragmenten. Obwohl die Tsingy inzwischen ein Nationalpark sind, ist der Zugang mangels jeglicher Infrastruktur und Wegen bisher nur äußerst schwierig und während der Regenzeit sogar überhaupt nicht möglich.

Die Wissenschaftler führten an drei verschiedenen Orten innerhalb des Nationalparks Übersichtsstudien durch. Dazu nutzten sie jeweils drei 1000 bis 1500 m Transektlinien an jedem Ort und Grubenfallen. Zusätzlich wurden spezielle Lebensräume wie Grotten gezielt aufgesucht.

Insgesamt wurden 57 Tierarten in Namoroka nachgewiesen werden, davon 41 Reptilienarten. An allen drei untersuchten Standorten konnten Brookesia brygooi, Furcifer angeli und Furcifer oustaleti nachgewiesen werden. Das in Namoroka endemische Brookesia bonsi dagegen konnte nur an einem einzigen Standort gefunden werden. Es handelt sich dabei um ein 87 m „hoch“ gelegenes Gebiet mit Bäumen zwischen 6 und 15 m Höhe und relativ offenem Blätterdach. Das Gebiet zeichnet sich durch dichtes, nahezu undurchdringbares Unterholz vor allem in feuchten, felsigen Schluchten zwischen den Tsingy aus.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Brandrodung und daraus resultierende, unkontrollierbare Buschfeuer nach wie vor ein großes Risiko für die Lebensräume der Tiere in Namoroka darstellt. Auch Holzschlag sowie das Ernten wilden Honigs, wilden Wurzelknollen und Heilpflanzen sorgt dafür, dass die Lebensräume des Nationalparks gestört werden. Auch Zebus werden zum Weiden in den Nationalpark getrieben. Der tatsächliche Schutz des Gebiets ist auf Grund der ablegenen Lage und der hohen Armut der Bevölkerung vor Ort sehr schwierig.

Aperçu des amphibiens et des reptiles du Parc National de Namoroka: Diversité biologique, intérêt biogéographique et représentativité en matière de conservation
Hajaniaina Rasoloarison, Bernard Ranriamahatantsoa, Nirhy Rabibisoa, Christopher J. Raxworthy
Malagasy Nature 2026, 20: 30-46.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Brookesia bonsi in Namoroka, aus der genannten Publikation

Chamäleons als moralische Instanz

Chamäleons als moralische Instanz

Beobachtungen

Obwohl die Gegend um Maroantsetra im Norden Madagaskars sich größtenteils zum Christentum bekennt, ist der Ahnenkult nach wie vor weit verbreitet. Dazu gehören auch heilige Tiere, Orte, Ver- oder Gebote sowie über Generationen überlieferte Tabus. Ein Theologe hat nun untersucht, was es in der Umgebung des Masoala Nationalparks mit dem sogenannten hiaña auf sich hat.

Er befragte dazu innerhalb dreier Monate 20 Personen im Alter zwischen 12 und über 60 Jahren aus Maroantsetra. Elf männliche und neun weibliche Personen, alle aus der Volksgruppe der Betsimisaraka, nahmen an der Befragung teil. Zusätzlich beobachtete der Theologe Interaktionen mit Chamäleons in und um Maroantsetra.

Die Befragten gaben an, dass Chamäleons in der Gegend bevorzugt amboalava, übersetzt langer Hund, genannt werden. In anderen Regionen Madagaskars werden überwiegend die Begriffe tanalahy und tarondro genutzt, bei den Betsimisaraka aus Maroantsetra finden diese weniger Anwendung.

Unter hiaña verstanden die Befragten eine spirituelle, gottgegebene Kraft, die vor allem Chamäleons, aber auch besonderen Orten innewohnt. In Maroantsetra soll besonders das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) hiaña besitzen, vermutlich weil man es mit am häufigsten antrifft. Andere Befragte gaben an, dass Chamäleons sogar als eine Art moralische Instanz fungieren, durch die die Ahnen die Belange der Lebenden steuern.

Alle Befragten gaben an, dass das Verletzen eines Chamäleons negative Konsequenzen seitens der Ahnen nach sich zöge. Wie diese Konsequenzen allerdings aussehen, unterschied sich erheblich zwischen den Antworten der verschiedenen Personen. Eine Person berichtete, verletzte ein Mensch ein Chamäleon, werde dem Menschen die gleiche Verletzung widerfahren. Das verletzte hiaña müsse ähnlich eines Fluchs sodann durch das Ritual eines traditionellen Heilers wieder kuriert werden. Eine Person erzählte, dass er ein Chamäleon verletzt und danach selbst an starken Schmerzen gelitten habe. Erst, als er das verletzte Chamäleon tötete, hörten die Schmerzen auf. Eine andere Person berichtete, ihr Kind sei nach dem unbeabsichtigten Töten eines Chamäleons selbst verstorben. Es gibt also keine einheitliche Deutung des hiaña, sondern vielmehr individuelle Geschichten, die mit dem hiaña im Nachhinein verwoben und passend gedeutet werden.

Mehrere Befragte gaben an, dass Chamäleons zwar über hiaña verfügten, es einem gläubigen Christen aber nichts anhaben könne, da der christliche Glaube über dem althergebrachten Ahnenkult stehe. Interessanterweise gaben vor allem die jüngeren Menschen in den Interviews an, dass Chamäleons wichtige und eher friedlich gesinnte Lebewesen seien. Sie assoziierten die Tiere nicht negativ mit hiaña. Mehrere Jungen gaben an, bereits ohne negative Konsequenzen mit Chamäleons interagiert zu haben.

Hiaña as a moral-ecological system: Chameleons, sacred potency, and human-animal relations in Maroantsetra, Madagascar
Olivier Randrianjaka
Preprint
DOI: 10.13140/RG.2.2.30826.38088
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Foto: Furcifer pardalis in Maroantsetra, fotografiert von Alex Negro

Vortrag in Dortmund über Kenia

Vortrag in Dortmund über Kenia

Reiseberichte Vorträge

Am Freitag, den 06.02.2026, wird Rolf Mätzkow einen reich bebilderten Vortrag über eine spannende Reise in Kenia halten. Und Chamäleons werden nicht zu kurz kommen!

Kenia lockt nicht nur mit einer hohen Artenvielfalt, sondern auch mit ganz unterschiedlichen Landschaftstypen. Die kleine herpetologische Rundreise führt die Zuschauer über Naivasha in den Kakamega Regenwald, dem einzigen tropischen kenianischen (Tiefland-) Regenwald. Auf der Weiterfahrt laden die chamäleonreichen Höhen von Njoro zu einem Stop ein, bevor die Reise in den Mount Kenia Nationalpark führt – nicht nur der Chamäleons wegen. Natürlich darf bei der Rundreise die Savannenlandschaft nicht fehlen und so fügt sich der Tsavo Nationalpark mit Schlangen, Echsen und Schildkröten nahtlos in unser Tourkonzept ein. Der Besuch der Küstenlandschaft von Watamu, wo wir zu guter Letzt Korallenskinke kennlernen dürfen, bildet schließlich den harmonischen Ausklang der kleinen Rundreise.

Rolf Mätzkow Kenia – eine herpetologische Rundreise
DGHT Stadtgruppe Dortmund
Restaurant Olympia – Zur alten Post
Im alten Dorf 2
59192 Bergkamen
Vortragsbeginn 19.30 Uhr

Fotos: Collage von Rolf Mätzkow zum Vortrag