Eiablage in lehmigen Boden beobachtet (Madagaskar)

Eiablage in lehmigen Boden beobachtet (Madagaskar)

Allgemeines Beobachtungen

Biologen haben kürzlich eine Beobachtung von der Insel Nosy Komba (Madagaskar) veröffentlicht. Dabei waren sie in Sekundärvegetation auf etwa 300 m Höhe unterwegs. Sie beobachteten ein weibliches, trächtiges Pantherchamäleon, das im Boden grub, vermutlich zur Eiablage. Dabei war der Bodengrund sehr stark lehmhaltig und feucht, was die Autoren als eher ungewöhnlich erachten. In der Literatur wird bisher vor allem Sand- oder Erdboden als potenzielles Substrat für Eiablagen genannt.

Toil in the soil: putative nest excavation by an adult female panther chameleon Furcifer pardalis (Cuvier, 1829) in moist, clayey soil on Nosy Komba, Madagascar
Hinrich Kaiser, Przemysław Zdunek
Journal of Threatened Taxa 18(9): 29784-29786
DOI: 10.11609/jot.10315.18.9.29784-29786
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Foto: Das weibliche Pantherchamäleon beim Graben, aus der genannten Publikation

Haltung von Chamaeleo calyptratus calcarifer

Haltung von Chamaeleo calyptratus calcarifer

Haltungsberichte Zeitungsartikel

In der Herbstausgabe der ELAPHE, der Mitgliederzeitschrift der DGHT, gibt es auch noch etwas Neues aus der AG Chamäleons: Sophie Obermeier berichtet über die Haltung von Chamaeleo calyptratus calcarifer, der zweiten, aber eher unbekannten Unterart des Jemenchamäleons. Haltungsanforderungen sowie Unterschiede zur bekannteren Unterart des Jemenchamäleons werden erläutert. Sogar im Verhalten zeichnen sich Unterschiede zwischen den beiden Unterarten ab! Die erfolgreiche Verpaarung, Inkubation der Eier und Aufzucht von Schlüpflingen sind weitere Themen des Artikels.

Die Haltung und Nachzucht von Chamaeleo calyptratus calcarifer
Sophie Obermeier
Elaphe 04/2026

Aktueller Stand zu UV-B-LEDs in der Terraristik

Aktueller Stand zu UV-B-LEDs in der Terraristik

Allgemeines Terraristik

In der Herbst-Ausgabe der ELAPHE, der Mitgliederzeitschrift der DGHT, gibt es einen sehr spannenden Artikel zum aktuellen Stand zu UV-B-LEDs in der Terraristik. Wie bereits länger bekannt ist, werden in der gesamten EU ab 2027 bestimmte Leuchtmittel verboten, die bisher in sehr vielen Terrarien standardmäßig eingesetzt wurden. Bisher ist noch keine Ausnahme von dieser Regelung für Terraristik-Leuchtmittel vorgesehen. Die Entwicklung von UV-B-LEDs ist jedoch gerade erst in ihren Kinderschuhen, ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt also noch gar nicht möglich… oder? Die Physikerin Sarina Wunderlich hat in ihrem Artikel präzise zusammengefasst, wie der aktuelle Stand der Entwicklung ist, welche Lampen bereits getestet wurden und welche für Terrarien geeignet sind.

Drohendes Lampenverbot, UVB-LEDs und was das für die Terraristik bedeutet
Sarina Wunderlich
Elaphe 04/2026

Chamäleons in Hadejia Wetlands (Nigeria)       

Chamäleons in Hadejia Wetlands (Nigeria)       

Verbreitung Wissenschaft

Biologen aus Nigeria haben kürzlich eine Studie zur Datenerhebung bezüglich der Herpetofauna des Hadejia Wetlands National Park (Nigeria) durchgeführt. Die Hadejia-Nguru Wetlands liegen im Norden Nigerias, südlich der Sahelwüste. Sie werden regelmäßig von den Flüssen Kafin Hausa und Katagum geflutet und verfügen über eine Fläche von 320 km².

Während der Regen- und der Trockenzeit 2025 suchten je drei Personen je drei Stunden am Tage und in der Nacht entlang 1 km lange Transekte visuell nach Reptilien. Einige wurden zwecks Identifikation gefangen und 50 m entfernt freigelassen, andere nur fotografiert.

Insgesamt wurden 141 Reptilien gefunden, die zu 21 Arten gehörten. Zwei Chamäleon-Arten wurden dabei nachgewiesen: Zwei Chamaeleo gracilis und vier Chamaeleo africanus. Chamaeleo gracilis wurde ausschließlich im Wald gefunden, bei Chamaeleo africanus wurden drei Individuen im Wald und eines in der Savanne entdeckt. Beide Arten sind aus Nigeria bekannt, die letzten dokumentierten Sichtungen aus Hadejia waren aber nicht aktuell.

Species composition and diversity of reptile in Hadejia Wetlands National Park Jigawa State, Nigeria
Tukur Yahuza Nasir, Ali Abubakar, Callistus Akosim
Journal of Science Research and Reviews
DOI: 10.70882/josrar.2026.v3i4.239
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Foto: Chamaeleo gracilis, Creative Commons Attribution 4.0 kogia

Warum hat das Pinocchio-Chamäleon so eine lange Nase?

Warum hat das Pinocchio-Chamäleon so eine lange Nase?

Allgemeines Beobachtungen Zeitungsartikel

Im letzten Jahr wurde das ehemalige Calumma gallus aus dem östlichen Hochland Madagaskars zu Calumma pinocchio umbenannt. Ein aktueller Artikel im RHJ beschäftigt sich nun damit, weshalb die Natur dieses Chamäleon mit einer derart langen Nase versehen hat.

In der vorhandenen Literatur wird dieses Thema bereits seit vielen Jahren immer mal wieder diskutiert. Zum einen hilft der Nasenfortsatz dabei, dass Artgenossen sich gegenseitig erkennen bzw. von anderen Arten unterscheiden können. Letzteres ist vor allem zur Paarfindung von Männchen und Weibchen entscheidend. Damit wird versehentliche Hybridisierung mit anderen kleinen Chamäleonarten vermieden. Allein an Hand der charakteristischen Silhouette können Chamäleons Calumma pinocchio zuverlässig erkennen und von anderen, im gleichen Waldgebiet vorkommenden Arten abgrenzen. Interessant ist zudem die Frage, inwiefern Social Signaling bei Chamäleons von Bedeutung ist.

Ob Männchen mit ihren Nasen für ein Weibchen werben oder besonders schöne Nasen von Weibchen bevorzugt werden, ist noch ungeklärt. Zumindest könnte sie aber der Konkurrenz unter den Männchen eine Rolle spielen. Die lange Nase könnte auch mit visuellem Territorialverhalten zusammenhängen.

Eine Theorie des Autors ist, dass junge Männchen mit noch nicht ausgewachsenen, eher rot gefärbten Nasenfortsätzen eine Art Sexualmimikry anwenden. Sie ahmen damit möglicherweise das Aussehen von Weibchen nach, um nicht von adulten Männchen angegriffen zu werden. Ebenfalls möglich wäre, dass die Nasenform von Calumma pinocchio die  Tarnung der Tiere verbessert: Die Form ähnelt den Blattspitzen von Farnen, in denen sie häufig leben.

Letztendlich handelt es sich bei der bunten, langen Nase von Calumma pinocchio wohl um eine multifunktionale Anpassung an die Lebensumstände des kleinen Chamäleons.

The sword of truth: Why the Pinocchio Chameleon has such a long nose
Petr Nečas
Responsible Herpetoculture Journal 28, 2026
DOI: nicht vorhanden
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Grafik: Titelbild des genannten Artikels

Gemeinsam für Sachkunde und gegen pauschale Positivlisten

Gemeinsam für Sachkunde und gegen pauschale Positivlisten

Allgemeines Politik

🇪🇺 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽ä𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗦𝗼𝗹𝗶𝗱𝗮𝗿𝗶𝘁ä𝘁𝘀𝗮𝘂𝗳𝗿𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗿 𝗗𝗚𝗛𝗧 / 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗲𝗮𝗻 𝗖𝗮𝗹𝗹 𝗳𝗼𝗿 𝗦𝗼𝗹𝗶𝗱𝗮𝗿𝗶𝘁𝘆 𝗳𝗿𝗼𝗺 𝘁𝗵𝗲 𝗗𝗚𝗛𝗧

🇩🇪 𝗚𝗲𝗺𝗲𝗶𝗻𝘀𝗮𝗺 𝗳ü𝗿 𝗦𝗮𝗰𝗵𝗸𝘂𝗻𝗱𝗲, 𝘃𝗲𝗿𝗮𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁𝘂𝗻𝗴𝘀𝘃𝗼𝗹𝗹𝗲 𝗧𝗶𝗲𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗽𝗮𝘂𝘀𝗰𝗵𝗮𝗹𝗲 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝘃𝗹𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) ruft die deutschen und europäischen Tierhalter-, Züchter- und Fachverbände dazu auf, die französischen Halterverbände in ihrem Einsatz gegen eine pauschale Positivliste solidarisch zu unterstützen. Die Diskussion in Frankreich betrifft längst nicht mehr nur französische Tierhalter. Sie ist von europäischer Bedeutung. Was heute in einem Mitgliedstaat als Modell eingeführt wird, kann morgen zum politischen Vorbild für andere Staaten und schließlich für eine europaweite Regulierung werden.

Eine Positivliste bedeutet einen grundlegenden Wechsel des bisherigen Regelungsprinzips: Nicht mehr die nachgewiesene Sachkunde des einzelnen Halters, die tatsächlichen Haltungsbedingungen und die Möglichkeit einer verantwortungsvollen Haltung stehen im Mittelpunkt. Stattdessen entscheidet die Aufnahme einer Tierart in eine staatliche Liste darüber, ob ihre private Haltung überhaupt noch zulässig ist. Diesem Paradigmenwechsel müssen die europäischen Fachverbände gemeinsam entgegentreten.

Die DGHT ist überzeugt: Tierschutz darf nicht von der Zugehörigkeit einer Tierart zu einer politischen Liste abhängen. Entscheidend muss sein, ob ein Halter über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt und die konkreten Bedürfnisse des Tieres dauerhaft erfüllen kann. Genau deshalb setzt sich die DGHT für Sachkunde, fachlich fundierte Haltungsanforderungen und wirksame Kontrolle ein – und lehnt eine pauschale Positivliste für Heimtiere ab.

Eine solche Liste würde weitreichende Folgen haben: für bestehende Tierhaltungen, für private Züchter, für Nachzuchten, für den Fachhandel und für jahrzehntelang aufgebaute Erhaltungszuchten. Gleichzeitig droht wertvolles Wissen verloren zu gehen, das von erfahrenen privaten Haltern und Züchtern erworben und weitergegeben wird. Die DGHT weist ausdrücklich darauf hin, dass Terrarianer durch Nachzucht und den Aufbau von Reservepopulationen auch einen Beitrag zur Arterhaltung leisten.

Deshalb darf kein europäischer Fachverband schweigend zusehen, wenn in einem anderen Mitgliedstaat die Grundlagen verantwortungsvoller privater Tierhaltung infrage gestellt werden. Die DGHT appelliert an ihre Partnerverbände in Deutschland und ganz Europa: 𝗦𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗴𝗲𝗺𝗲𝗶𝗻𝘀𝗮𝗺 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗲𝗶𝘁𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗳𝗿𝗮𝗻𝘇𝗼̈𝘀𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗧𝗶𝗲𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿.

Wir sollten unsere fachliche Kompetenz bündeln, Erfahrungen austauschen, politische Entscheidungsträger informieren und gemeinsam für ein europäisches Regelungsmodell eintreten, das auf Sachkunde statt Pauschalverboten, wissenschaftlichen Erkenntnissen statt politischen Listen und Verantwortung statt Generalverdacht beruht. Es geht dabei nicht darum, notwendige Regulierung abzulehnen. Im Gegenteil: Verantwortungsvolle Tierhalter und ihre Verbände haben ein eigenes Interesse an hohen Standards, wirksamem Tierschutz, der Bekämpfung illegalen Handels und dem Schutz wildlebender Populationen. Aber Regulierung muss geeignet, erforderlich, verhältnismäßig und wissenschaftlich begründet sein. Die Vielfalt verantwortungsvoller Tierhaltung darf nicht dadurch verloren gehen, dass komplexe biologische und tierschutzfachliche Fragen auf eine einfache Liste reduziert werden.

Unser Appell lautet daher: 𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮̈𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗧𝗶𝗲𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿𝘃𝗲𝗿𝗯𝗮̈𝗻𝗱𝗲: 𝗨𝗻𝘁𝗲𝗿𝘀𝘁𝘂̈𝘁𝘇𝘁 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗳𝗿𝗮𝗻𝘇𝗼̈𝘀𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗣𝗮𝗿𝘁𝗻𝗲𝗿!

Lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass die Zukunft der Tierhaltung in Europa nicht durch pauschale Positivlisten bestimmt wird, sondern durch Sachkunde, Verantwortung, Wissenschaft und wirksamen Tierschutz. Was heute in Frankreich entschieden wird, kann morgen ganz Europa betreffen.

𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮𝘄𝗲𝗶𝘁 𝘇𝘂𝘀𝗮𝗺𝗺𝗲𝗻𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻 – 𝗳𝘂̈𝗿 𝘀𝗮𝗰𝗵𝗸𝘂𝗻𝗱𝗶𝗴𝗲 𝗧𝗶𝗲𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴, 𝗳𝘂̈𝗿 𝗔𝗿𝘁𝗲𝗻𝘃𝗶𝗲𝗹𝗳𝗮𝗹𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗳𝘂̈𝗿 𝘃𝗲𝗿𝗮𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁𝘂𝗻𝗴𝘀𝘃𝗼𝗹𝗹𝗲 𝗛𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿.

Oʟɪᴠᴇʀ Wɪᴛᴛᴇ, Vizepräsident DGHT (Terraristik)

Vortrag in Hamburg über Madagaskar

Vortrag in Hamburg über Madagaskar

Reiseberichte Vorträge

Der DGHT Landesverband Hamburg startet mit vielen Chamäleons in den Herbst. Am Freitag, den 04.09.2026, wird Philip-Sebastian Gehring einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und die Herpetofauna der Insel halten.

Entlang der Ostküste der Insel Madagaskar erstreckt sich eines der artenreichsten Regenwaldgebiete der Erde. Aufgrund der besonderen Topologie der Insel lassen sich unterschiedliche Typen von Regenwäldern auf kleinem Raum finden. Von Küstenwäldern, die auf sandigen Böden bis ans Meer wachsen, bis hin zu Nebelwäldern, die die Berge Madagaskars bedecken. Obwohl der Regenwaldgürtel Madagaskars einst die gesamte Ostküste bedeckte, sind viele Arten, die diese Wälder bewohnen, nur sehr kleinräumig verbreitet, und die Zusammensetzung der Artengemeinschaften verändert sich mitunter innerhalb geringster Entfernungen grundlegend. Dies lässt sich an vielen Gruppen der Herpetofauna, zum Beispiel Chamäleons oder Geckos, verdeutlichen. Im Vortrag werden die unterschiedlichen Regenwaldtypen Madagaskars und ihre beeindruckende Biodiversität sowie neueste Ergebnisse aus der Forschung vorgestellt, die Licht auf die Ursprünge dieser Artenvielfalt werfen.

Dr. Philip-Sebastian Gehring Vom Meer bis in die Wolken – Streifzüge durch die Regenwälder auf Madagaskar
DGHT Landesverband Hamburg
Vereinsgaststätte „Castello“
Sportplatzring 47
22527 Hamburg
Vortragsbeginn 19.45 Uhr, Treffen zum vorherigen Essen ab 18:00 Uhr

Fotos: Verschiedene auf Madagaskar gefundene Arten, fotografiert von Philip-Sebastian Gehring

Erstnachweis von Devriesea agamarum beim Jemenchamäleon

Erstnachweis von Devriesea agamarum beim Jemenchamäleon

Tiermedizin Wissenschaft

Devriesea agamarum ist ein Gram positives Bakterium, das erst 2008 beschrieben wurde und bei verschiedenen Echsenarten zu Hauterkrankungen mit typischen gelben Krusten führen kann. Bei einigen Echsenarten führt es zu Blutvergiftungen, die dann auch zum Tod führen können.

Polnische Tierärzte haben nun 80 Abstriche, die zur bakteriellen Untersuchung an ein Labor geschickt wurden, genauer untersucht und ausgewertet. Von den 80 Abstrichen stammten 38 von Echsen mit Krankheitsanzeichen und 42 von scheinbar gesunden Echsen aus ganz Polen. Bei den erkrankten Tieren waren Abstriche der veränderten Gewebe genommen worden, bei den gesunden vor allem Abstriche aus der Maulhöhle. Unter den Probanden befanden sich auch zwei Furcifer pardalis, zwei Chamaeleo calyptratus und ein Chamäleon, dessen Art nicht angegeben worden war.

Bei 18 Proben der 38 symptomatischen Echsen konnte Devriesea agamarum nachgewiesen werden. Aber auch bei 11 Proben der 42 gesunden Echsen konnte das Bakterium identifiziert werden.

Wie bereits bekannt erwiesen sich auch in dieser Studie als symptomlose Träger vor allem Bartagamen (Pogona vitticeps) als auch Uromastyx-Arten. Mehrere Chamäleons wurden ebenfalls positiv auf Devriesea agamarum getestet: Ein Furcifer pardalis mit Hautläsionen, ein Chamaeleo calptratus mit Abszessen sowie ein Chamäleon nicht genannter Art, das eine Konjunktivitis zeigte. Nachdem 2020 erstmals Devriesea agamarum bei einem Pantherchamäleon nachgewiesen worden war, weist die vorliegende Studie nun auf die potenzielle Gefährdung von Jemenchamäleons hin – und möglicherweise anderen Chamäleonarten.

Mehrere durchgeführte Resistzenztests zeigten, dass alle Isolate von Devriesea agamarum gegenüber Colistin resistent waren. Gut funktionierten dagegen Amoxicillin-Clavulansäure, Ampicillin, Ceftiofur, Cephalotin, Erythromycin, Florfenicol, Tetracycline, Tiamulin, Tilmicosin und Tulathromycin. Die Sensibilität der Devriesea-Isolate gegenüber Enrofloxacin, Gentamicin, Penicillin und Trimethoprim/Sulfamethoxazol variierte je nach Isolat.

Occurrence, antimicrobial susceptibility and genetic diversity of Devriesea agamarum strains isolated from captive lizard collections
Jarosław Król, Magdalena Florek, Gabriela Motyka, Anna Bogucka, Anna Wanecka, Maja Marynowska, Aleksandra Pliszczak-Król, Aleksandra Napierała, Sylwia Banaszkiewicz, Filip Pater-Jajdelski, Łukasz Skomorucha
BMC Veterinary Research 2026
DOI:  10.1186/s12917-026-05785-1
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Foto: Ein Resistenztest verschiedener Antibiotika auf einer mit Bakterien besiedelten Agarplatte, CC by SA 4.0 Ajay Kumar Chaurasiya

Chamäleons in drei Waldfragmenten Ruandas

Chamäleons in drei Waldfragmenten Ruandas

Verbreitung Wissenschaft

Viele Teile des ostafrikanischen Grabens sind heute erforscht. Andere, vor allem kleinere Waldfragmente, warten noch immer auf Forscher. Im Bereich des Albertine-Grabens in Ruanda haben Wissenschaftler nun die Herpetofauna drei kleiner Waldreste untersucht. Alle drei Waldreste sind massiv von Abholzung für Feuerholz und Brandrodung zur Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Flächen bedroht.

Sanza ist ein Waldfragment im Westen Ruandas, das auf Höhen zwischen 1600 und 1950 m liegt. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Wald um über 50% geschrumpft und besteht aktuell nur noch aus einer Waldfläche von 0,24 km².  Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 15 bis 18°C.

Die Waldreste Nyagasenyi und Ibanda-Makera dagegen liegen beide an der östlichen Grenze Ruandas zu Tansania. Nyagasenyi liegt auf Höhen zwischen 1315 und 1340 m. Auch die Fläche dieses Waldrest hat sich seit den 1980er Jahren um fast 60% reduziert, so dass es 2015 nur noch 0,19 km² waren. Ibanda-Makera ist mit aktuell 1,69 km² noch etwas größer und liegt auf Höhen zwischen 1300 und 1400 m.

Insgesamt wurden während der Regenzeit an 12 Tagen für je ein bis anderthalb Stunden an bis zu 18 Punkten pro Wald Übersichtsstudien durchgeführt. Dazu wurde mit dem bloßen Auge nach Reptilien gesucht, während Amphibien vorwiegend gekeschert wurden. Alle Tiere wurden soweit möglich artbestimmt und dann wieder freigelassen

Insgesamt konnten 17 Amphibien- und 13 Reptilienarten dokumentiert werden. Unter den gefundenen Arten befanden sich zwei Chamäleons: Trioceros ellioti und Trioceros rudis. Dabei wurden mehrere Trioceros ellioti in Nyagasenyi und Ibanda-Makera gefunden, in Sanza dagegen lediglich zwei Individuen von Trioceros rudis. Trioceros rudis ist endemisch im Albertine Rift, während Trioceros ellioti weiterverbreitet ist. Trioceros ellioti schien dabei vor allem nicht-überflutete Sträucher gebunden zu sein, während Trioceros rudis vor allem am Waldrand vorkam.

Diversity and community composition of herpetofauna from Ibanda-Makera, Sanza, and Nyagasenyi remnant forests, Eastern Rwanda
Mapendo Mindje, Edmond Twagirayezu, Vensute Nsengimana
Discover environment 2026, 4: 370
DOI: 10.1007/s44274-026-00903-0
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Fotos: Links Trioceros rudis, rechts Trioceros ellioti, die in der Studie gefunden wurden

Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Wissenschaft

Bei den südafrikanischen Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion haben sich verschiedene Körpermerkmale offenbar an ihren Lebensraum angepasst. Ein Beispiel dafür sind Bradypodion pumilum und ventrale, die in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen.

Wissenschaftler aus Südafrika haben sich nun damit beschäftigt, ob die Evolution verschiedener Gene im Zusammenhang mit der Diversifizierung der beiden unterschiedlichen Bradypodion-Arten steht. Sie verwendeten dabei Genome von Bradypodion-Arten sowie als Vergleich vier bereits veröffentlichte Genome anderer Reptilien.

Die Forscher identifizierten orthologe Genfamilien, d.h. Gene in Bradypodion pumilum und Bradypodion ventrale, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammten und sich durch die Artbildung auseinander entwickelt haben. Bradypodion zeigten dabei Erweiterungen des genetischen Codes, die vor allem Nervenverbindungen, Synaptische Struktur, Zell-Zell-Erkennung und Erhalt des Genoms betrafen. Bradypodion pumilum zeigte Erweiterungen, die sich auf synaptische Organisation, Lokalisierung postsynaptischer Rezeptoren und membranassoziierte Signalübertragung konzentrierten. Dies deutet darauf hin, dass hier eine funktionelle Differenzierung durch die Besiedelung des Lebensraums Wald stattgefunden hat. Dagegen zeigte Bradypodion ventrale, das eher in offener Buschvegetation lebt, Erweiterungen des genetischen Codes in der Formbildung des Nervensystems während der Embryogenese, bei der Zelladhäsion, der Gewebestruktur und der Entwicklungssignalwege. Die beiden in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommenden Arten unterscheiden sich genetisch also nicht nur im Vorhandensein erweiterter Genfamilien, sondern auch in den Funktionen, für die die Gene codieren.

Lineage-specific neural and morphogenetic gene family expansions accompany habitat divergence in Southern African Dwarf Chameleons (Bradypodion)
Jody M. Taft, Krystal A. Tolley, Graham J. Alexander, Anthony J. Geneva
Evolutionary Journal of the Linnean Society, 2026
DOI: 10.1093/evolinnean/kzag013