Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Wissenschaft

Bei den südafrikanischen Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion haben sich verschiedene Körpermerkmale offenbar an ihren Lebensraum angepasst. Ein Beispiel dafür sind Bradypodion pumilum und ventrale, die in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen.

Wissenschaftler aus Südafrika haben sich nun damit beschäftigt, ob die Evolution verschiedener Gene im Zusammenhang mit der Diversifizierung der beiden unterschiedlichen Bradypodion-Arten steht. Sie verwendeten dabei Genome von Bradypodion-Arten sowie als Vergleich vier bereits veröffentlichte Genome anderer Reptilien.

Die Forscher identifizierten orthologe Genfamilien, d.h. Gene in Bradypodion pumilum und Bradypodion ventrale, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammten und sich durch die Artbildung auseinander entwickelt haben. Bradypodion zeigten dabei Erweiterungen des genetischen Codes, die vor allem Nervenverbindungen, Synaptische Struktur, Zell-Zell-Erkennung und Erhalt des Genoms betrafen. Bradypodion pumilum zeigte Erweiterungen, die sich auf synaptische Organisation, Lokalisierung postsynaptischer Rezeptoren und membranassoziierte Signalübertragung konzentrierten. Dies deutet darauf hin, dass hier eine funktionelle Differenzierung durch die Besiedelung des Lebensraums Wald stattgefunden hat. Dagegen zeigte Bradypodion ventrale, das eher in offener Buschvegetation lebt, Erweiterungen des genetischen Codes in der Formbildung des Nervensystems während der Embryogenese, bei der Zelladhäsion, der Gewebestruktur und der Entwicklungssignalwege. Die beiden in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommenden Arten unterscheiden sich genetisch also nicht nur im Vorhandensein erweiterter Genfamilien, sondern auch in den Funktionen, für die die Gene codieren.

Lineage-specific neural and morphogenetic gene family expansions accompany habitat divergence in Southern African Dwarf Chameleons (Bradypodion)
Jody M. Taft, Krystal A. Tolley, Graham J. Alexander, Anthony J. Geneva
Evolutionary Journal of the Linnean Society, 2026
DOI: 10.1093/evolinnean/kzag013

Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neubeschreibungen Wissenschaft

Die Taxonomie der großen Calumma-Arten mit Occipitallappen aus Madagaskar bedarf seit Jahren weiterer Klärung. Nun haben sich Forscher daran gemacht, diese Chamäleons der sogenannten cucullatum-Gruppe erneut unter die Lupe zu nehmen.

Zwischen 1996 und 2025 beprobten die Wissenschaftler unzählige Chamäleons auf Madagaskar selbst, aber auch konservierte Museumsexemplare. Die teils im 19. Jahrhundert konservierten Holotypen von Chamaeleo brevicornis, Chamaeleon cucullatus, Chamaeleon gularis, Chamaeleon malthe und Chamaeleo brevicornis tsarafidyi wurden ebenfalls zu genetischen Untersuchungen herangezogen.

Das wichtigste Ergebnis: Eine neue Art wurde beschrieben! Der Name der neuen Art ist der bekannten Chamäleonforscherin Krystal Tolley gewidmet. Calumma krystalae lebt im Norden Madagaskars und ist eine relativ große Calumma-Art. Es kommt in den Regenwäldern von Marojejy, Sorata, Tsaratananan, Andrevorevo, Bemanevika und Ampotsidy auf Höhen von 1280 bis 1638 m vor. Mit seinen großen Occipitallappen sieht Calumma krystalae seiner Schwesternart Calumma malthe ähnlich, unterscheidet sich aber in vielen Merkmalen wie der Zahl der Schuppen auf den Occipitallappen oder dem Aussehen des Rückenkamms.

Weitere, spannende Ergebnisse der Studie: C. brevicorne und C. crypticum bieten leider nach wie vor ein schwierigeres Feld. Genetisch sind die Unterschiede, die im Aussehen zwischen verschiedenen Populationen deutlich sind, nicht derart eindeutig nachzuvollziehen. Insgesamt fanden sich bis zu sieben genetische Linien, von denen sechs einer gemeinsamen Clade angehören und eine in einer Clade zusammen mit C. amber und C. peltierorum steht. Die Autoren belassen es daher vorerst bei der Benennung dieser Chamäleons als „brevicorne/crypticum-Komplex“, bis weitere Forschung die Taxonomie und Morphologie vollständig klären kann.

Genome-scale molecular systematics of Madagascar’s occipital-lobed chameleons reveals polyphyly and mito-nuclear discordances
Miguel Vences, Laila-Denise Rothe, Frank Glaw, Mark D. Scherz, Philip-Sebastian Gehring, Oliver Hawlitschek, Arianna Kuhn, Malte Multzsch, Alice Petzold, Michaela Preick, Fandresena Rakotoarimalala, Achille P. Raselimanana, Fanomezana M. Ratsoavina, Sara Ruane, David R. Vieites, Michael Hofreiter, Christophe Dufresnes
Molecular Phylogenetics and Evolution, 2026
DOI: 10.1016/j.ympev.2026.108689
Kostenloser Download des Artikels

Fotos: Verschiedene Calumma krystallae aus der genannten Publikation

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Nachdem vor zwei Jahren eine erste kleine Studie über die Herpetofauna von Ivohiboro veröffentlicht wurde, gibt es nun weitere Forschungsarbeit von dort. Das Schutzgebiet Ivohiboro liegt im Südosten Madagaskars, südwestlich der südlichsten Ausläufer des Andringitra-Gebirges. Der Wald selbst ist rund 8,58 km² groß und nimmt damit nur einen kleinen Teil des 37,82 km² großen Schutzgebietes ein. Er ist umgeben von Savannen und überspannt Höhenlagen von 650 bis 1460 m über Meeresniveau. Das Schutzgebet wird derzeit von lokalen Organisationen sowie dem madagassischen Umweltministerium verwaltet.

2016 und 2023 wurden auf je 16 und 26 Bäumen sogenannten „vertical surveys“ in Ivohibory und Analamary durchgeführt. Dabei wird ein Baum von unten nach oben beklettert und jedes gefundene Tier dokumentiert und ggf. beprobt. Außerdem wird am Boden in einem 10 m Radius um den Baum nach Tieren gesucht. Leider setzte in beiden Jahren die Regenzeit verzögert ein, so dass es trockener als erwartet war, was für die Herpetofauna eher ungünstig ist. Zusätzlich wurden einige Einzelbeobachtungen in die Studie mit einbezogen.

Alle gefundenen Tiere wurden dokumentiert und, wenn möglich, bis auf Gattungs- oder Artebene bestimmt. Gefundene Frösche wurden zwecks genetischer Untersuchungen beprobt. Insgesamt konnten 22 verschiedene Arten von Amphibien und 32 Arten Reptilien gefunden werden.

An Chamäleons wurden Calumma andringitraense, Calumma crypticum, Calumma oshaughnessyi, eine bisher genetisch noch nicht untersuchte Population von Calumma cf. fallax, Furcifer lateralis und Palleon nasus in Ivohiboro gefunden. Dabei war auffällig, dass vor allem die Calumma-Arten im Mittel stets weit oben in den Bäumen gefunden wurden.

From ground to canopy: A molecularly verified herpetofaunal inventory of a Madagascar Protected Area
Edmund W. Basham, Matteo D. Masotti, Iris E. Schmeder, Miguel Vences, Denis Razafitsimialona, Georges M. Andrianantenaina, Dina Andrianoely, Chloé M. Allen-Love, Brett R. Scheffers, Kelly R. Zamudio, Patricia C. Wright
Journal of Herpetology 60(2), 2026: 1-12
DOI: 10.1670/2644616
Kostenloser Download des Artikels

Foto: In Ivohiboro gefundenen Chamäleons, von links oben nach rechts unten Calumma crypticum, Calumma andringitraense, Calumma fallax und Calumma oshaughnessyi, aus der genannten Publikation

Neuer Fundort von Rhampholeon temporalis (Tansania)

Neuer Fundort von Rhampholeon temporalis (Tansania)

Verbreitung Wissenschaft

Rhampholeon temporalis war bisher nur von den East Usambara Mountains und dem Magrotto Hill im Osten Tansanias bekannt. Auf einer Forschungsreise nach Tansania haben Wissenschaftler die Art rund 40 km entfernt gefunden: Während einer Nachtexkursion in den West Usambara Bergen entdeckten sie vier Individuen der Art nahe eines kleinen Baches in Mitten eines Regenwaldfragments. Der Fundort liegt rund 240 m höher als die bisher bekannten Höhenlagen, auf denen Rhampholeon temporalis vorkommt.

In anderen Regenwaldfragmenten in der näheren Umgebung konnten sie die Art jedoch nicht entdecken. Das scheint die Annahme zu bestätigen, dass Rhampholeon temporalis ein größeres Verbreitungsgebiet als gedacht hat. Genetische Untersuchungen sollten jedoch zunächst klären, ob es sich bei den gefundenen Tieren tatsächlich um Rhampholeon temporalis und nicht eine nah verwandte, noch unbeschriebene Art oder das ähnlich aussehende Rhampholeon viridis handelt.

A record of the chameleon Rhampholeon cf. temporalis in West Usambara, eastern Tanzania
Frank Glaw, David Prötzel, Carlos Zanotelli
Spixiana 48(2): 214
DOI:  nicht verfügbar
Kostenloser Download des Artikels

Foto: Eines der gefundenen Chamäleons aus der genannten Publikation

Neue Erkenntnisse zum Aufbau von Chamäleonzähnen

Neue Erkenntnisse zum Aufbau von Chamäleonzähnen

Tiermedizin Wissenschaft

Bereits lange ist bekannt, dass Chamäleons akrodont sind. Das bedeutet, die Zähne sitzen dem Kieferknochen direkt auf und befinden sich nicht in Alveolen wie beim thekodonten Säuger. Wie genau die Verbindung zwischen Zahn und Kiefer sowie das Innere des Zahns aussieht, war bisher aber noch nicht ganz klar. Kanadische Wissenschaftler haben sich jetzt genauer damit beschäftigt.

Sie nutzten konservierte Museumsexemplare je eines Chamaeleo dilepis, eines Chamaeleo laevigatus, eines Trioceros johnstoni und eines unbestimmten Trioceros für Untersuchungen mittels des bloßen Auges, einem MikroCT und für histologische Gewebsschnitte. Zum Vergleich wurden histologische Schnitte eines Krokodils und eines grünen Leguans herangezogen.

Alle untersuchten Zähne an Chamäleons wiesen das gleiche Implantationsmuster („wie sitzt der Zahn im Knochen“) auf. Sie waren allesamt dreispitzig und mediolateral komprimiert. An allen Zähnen war mit steigendem Alter des Chamäleons Abrieb zu beobachten.

Außerdem konnte bereits makroskopisch eine schmale Furche erkannt werden, die jeweils die Zahnkrone vom Kieferknochen trennt. Auf der Seite der Lippe schiebt sich der Zahn teilweise in den Knochen hinein, auf der Zungenseite sitzt der Zahn dem Kieferknochen auf. Das entspricht nicht ganz exakt der ursprünglichen Vorstellung von Akrodontie, bei der die Zahnkrone vollständig oben auf dem Kieferknochen sitzen müsste. Die Fläche, entlang der Zahn den Kieferknochen berührt, ist insgesamt nicht plan.

Die Zahnkrone besteht aus Dentin, die an den Seiten von einem dünnen Epithel überzogen ist. Im inneren der Zahnkrone befindet sich eine Pulpahöhle, was in vorhergehenden Publikationen so teils nicht vermutet worden war. Zwischen Zahnkrone und Alveolarknochen befindet sich eine sehr dünne Schicht einer Art azellulären Zements, in den Sharpey-Fasern aus dem Alveolarknochen ziehen.

Histologisch weist der Alveolarknochen Osteozyten-Lakunen und eine unregelmäßige Ausrichtung der Gewebefasern auf. Der Zement weist eine unregelmäßige Matrix ähnlich des Alveolarknochens auf, jedoch ohne Gefäße oder Lakunen. Eine sogenannte „Umkehrlinie“ (reversal line), ein organisierter Bereich zwischen Unterkiefer- und Alveolarknochen, ist deutlich zu erkennen und hier zum ersten Mal bei Chamäleons beschrieben. Das Dentin der Zahnkrone verfügt über feine Dentinkanälchen, ein Merkmal des Orthodentin.

Man ging bisher davon aus, dass jeder Zahn mittels Ankylosen auf einer Art Knochenfortsatz befestigt wäre. Die aktuelle Studie widerlegt diese Vorstellung. Es sind bei Trioceros Alveolarknochen, Zement und periodontales Ligament vorhanden, also eine Art rudimentärer Zahnhalteapparat (Parodont).

Weitere Forschung bei anderen Chamäleongattungen wäre nun spannend, um herauszufinden, ob der Zahnaufbau tatsächlich bei allen Chamäleons gleich ist oder es möglicherweise zwischen einzelnen Gattungen oder sogar Arten noch feine Unterschiede gibt.

A description of dental microanatomy and implantation geometry in Chamaeleonidae
Giles D. Sukkert, Ilaria Paparella, Michael R. Doschak, Aaron R.H. LeBlanc, Michael W. Caldwell
Journal of Anatomy, 2026, 00: 1-15
DOI: 10.1111/joa.70194
Kostenloser Download des Artikels

Besenderung von Parsons Chamäleons

Besenderung von Parsons Chamäleons

Projekte Wissenschaft

Telemetrie wird seit Jahrzehnten bei Tieren genutzt, um ihren Standort und damit Bewegungsdaten zu verfolgen. Bei Chamäleons stellte sich das Besendern der Tiere selbst jedoch häufig als schwierig heraus. Für ein Feldprojekt auf Madagaskar wurden nun im Chester Zoo in Großbritannien über Monate ausprobiert, wie man Sender am geschicktesten an Parsons Chamäleons (Calumma parsonii parsonii) anbringt.

Zwei verschiedene Varianten der Anbringung wurden getestet: Einmal ein dünnes Plastikband und einmal eine Art Geschirr aus Schaumstoff, mit einem Gewicht von 4 bis 4,5 Gramm. Das  Plastikband wurde bei den Chamäleons vor den Hinterbeinen befestigt. Das Geschirr dagegen wurde über die Schultern und Arme gezogen und im Brustbereich verschlossen. Als Probanden standen ein männliches und sechs weibliche Parsons Chamäleons des Chester Zoo zur Verfügung.

Die Pfleger und Pflegerinnen wurden anschließend gebeten, die Geschirre nach sechs Kriterien zu beurteilen. Alle berichteten einstimmig, dass beide Varianten nicht zu Verhaltensänderungen geführt hatten. Insgesamt stellte sich heraus, dass die Geschirre im Brust-Schulter-Bereich besser zu verwenden waren, vor allem da auf Madagaskar später zusätzlich zum Peilsender noch ein kleiner, runder Datenlogger befestigt werden sollte.

Genau diese Geschirre wurden anschließend im östlichen Hochland Madagaskars in Vohimana verwendet, um fünf wilde Parsons Chamäleons zu besendern. Dies klappt bisher gut. Veröffentlichungen wie diese werten die gewonnenen Daten bereits aus.

Calumma parsonii: A journey with the largest chameleon on the planet. From zoo to field.
Jay Redbond, Laura Naidenov, Olivier Marquis, Sébastien Métrailler, Benjamin Drouet, Angelina Rene de Roland, Liantsoa Nourally, Joshua Fulford, Karen Lambert, Adam Trimmings, Kieran Richardson, Gerardo Garcia
British Herpetological Society Reports 7, 2026: 12-17
DOI: nicht verfügbar
Kostenloser Download des Artikels

Lianennattern beim Fraß von Lappenchamäleons beobachtet (Mosambik)

Lianennattern beim Fraß von Lappenchamäleons beobachtet (Mosambik)

Beobachtungen Wissenschaft

Und gleich eine zweite und dritte spannende Beobachtung wurde letzte Woche veröffentlicht: Im Ngazi Camp im Osten Mosamiks wurden zwei Lianennattern beim Verzehr von Lappenchamäleons gesehen.

Die erste Thelotornis mossambicanus befand sich in einem Baum auf 1,8 bis 2,5 m Höhe mit einem noch lebenden Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) in der Nähe, als sie gefunden wurde. Wenige Minuten später fanden die Beobachter die Schlange auf dem Boden beim Versuch, das inzwischen tote Lappenchamäleon zu verschlingen. Die Natter bugsierte das tote Chamäleon dann in höher gelegene Vegetation, wo sie es schließlich größtenteils auffraß, dann aber aus Sichtweite verschwand.

Bei einer zweiten Gelegenheit konnte ein anderes Individuum der gleichen Schlangenart ebenfalls auf dem Boden dabei beobachtet werden, wie es ein anderes Chamaeleo dilepis vollständig verschlang.

Die Schlangenart Thelotornis mossambicanus war bereits dafür bekannt, einen breit gefächerten Speiseplan zu haben. Die meisten Informationen darüber stammten bisher jedoch aus der Untersuchung von Mageninhalten. Fotos, wie die Art Chamäleons frisst, gab es bisher keine.

Arboreal duels in a shared niche: Direct observations of vinesnake (Thelotornis mossambicus) predation on chameleons (Chamaeleo dilepis) reveal complex foraging dynamics
Avelino R. Miguel, Hinrich Kaiser, Willem D. Briers-Louw, Tamar A. Kendon, Dário A. Ngalijuane, Tiago Gomes dos Santos
African Journal of Ecology, 2026: 64:e70190
DOI: 10.1111/aje.70190
Kostenloser Download des Artikels

Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Katzenaugennatter frisst Chamäleonkadaver (Madagaskar)

Beobachtungen Wissenschaft

Diese Woche wurde eine Beobachtung veröffentlicht, in der eine Katzenaugennatter an der Ostküste Madagaskars dabei gesehen wurde, wie sie ein bereits totes Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) verspeist. Das tote Chamäleon war bereits am Vortag auf dem Boden des Regenwalds gefunden worden, die Schlange traf offenbar zufällig darauf und bediente sich.

Die Schlangenart Madagascarophis colubrinus ist auf Madagaskar weit verbreitet und ist schon länger bekannt dafür, dass sie einen breit gefächerten Speiseplan zu haben scheint. Einige neuere Nachweise vom Verzehr von Amphibien und Geckos auf iNaturalist werden im Paper ebenfalls erwähnt. Dass Madagascarophis colubrinus auch Chamäleons frisst, wurde aber bisher nur von der Schwesternart Madagascarophis meridionalis nachgewiesen. Dass die Art sich auch über Kadaver hermacht, ist ebenfalls neu.

Rotten ready-to-eat: observation of a Malagasy Cat-eyed Snake, Madagascarophis colubrinus (Schlegel, 1837), feeding on the carcass of a Panther Chameleon, Furcifer pardalis (Cuvier, 1829)
Alexandra Negro, Harison Zoe Radimbiniaina
Herpetology Notes 19, 2026: 399-401
DOI: not available
Kostenloser Download des Artikels

Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Tiermedizin Wissenschaft

Tierärzte der Uni Gießen und Exomed haben kürzlich eine retrospektive Studie zu Parasitenbefall bei Chamäleons in Menschenobhut durchgeführt. Dazu wurden zwischen 2012 und 2019 insgesamt 670 Kotproben von Chamäleons untersucht. Über 85% davon stammten von Privathaltern aus ganz Deutschland, die die Kotproben selbst zu ExoMed eingesandt hatten. 10% der Proben waren von Tierärztinnen und Tierärztinnen direkt eingeschickt worden, der Rest stammte aus Zoos. Alle Kotproben wurden mittels Nativausstrichen untersucht. Zusätzlich wurden 31 tote Chamäleons obduziert, aus deren Darm weitere Kotproben für Nativausstriche und Anzucht von Bakterien entnommen wurden.

Fast drei Viertel aller Kotproben stammte von Panther- und Jemenchamäleon (Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus). Danach rangierten weit abgeschlagen mit 15% Kotproben, bei denen die Chamäleonart auf dem Einsendeformular leider nicht angegeben worden war. Die übrigen Kotproben teilten sich auf 23 weitere Chamäleonarten auf. In über einem Drittel aller eingesandten Kotproben konnten Parasiten nachgewiesen werden. In absteigender Reihenfolge der Häufigkeit waren dies Oxyuriden-Eier, Kokzidien-Oozysten, begeißelte Protozoen („Flagellaten“), Heterakiden-Eier, dünnschalige Nematodeneier (Strongyloides oder Rhabdias spp.), Trematodeneier, Pentastomideneier, Spulwurmeier, Amöbenzysten und Physalopteroides-Eier. Bandwurmeier wurden in keiner Kotprobe gefunden.

In knapp 10% der positiv getesteten Chamäleonkotproben wurde mehr als eine Parasitengattung gleichzeitig gefunden. Die häufigsten davon waren Kokzidien und Nematoden, weniger häufig traten Nematoden parallel zu Geißeltierchen oder Kokzidien parallel zu Geißeltierchen auf. Chamaeleo calyptratus hatte überdurchschnittlich häufig Oxyuriden im Vergleich zu Furcifer pardalis. Es fanden sich keine Zusammenhänge zwischen Parasitenbefall und Alter oder Geschlecht der Chamäleons.

Bei 61% der obduzierten toten Chamäleons zeigte sich Parasitenbefall, wobei dies bei mindestens 40% auch die Todesursache war. In absteigender Reihenfolge waren die zuletzt genannten an Kokzidien, Heterakiden, Oxyuriden und je ein Einzeltier an einer Coinfektion aus Leptomonaden, Trichomonaden und Filarien sowie einer Coinfektion mit Leptomonaden und Trichomonaden verstorben. Andere Todesursachen waren Gicht, Pilzbefall, bakterielle Infektionen, Verstopfung, mechanische Traumata, Adenokarzinome, Mangelernährung und Hypervitaminose D3 (bei den beiden letzten jeweils ein Einzeltier). Nur bei zwei der 31 Chamäleons konnte die Todesursache nicht sicher ermittelt werden.

Gastrointestinal protozoan and helminth parasite infections in captive chameleons in Germany
Paula Sapion-Miranda, Anja Taubert, Carlos Hermosilla, Malek J. Hallinger
Parasitology Research 125, 2026: 69
DOI: 10.1007/s00436-026-08704-3
Kostenloser Download des Artikels

Fotos: Von links oben nach rechts unten Aufnahmen eines Oxyuriden-Ei, einer Isospora-Oozyste, einem angefärbten Leptomonas-Throphozoit, eines Trematoden-Ei, eines Pentastomiden-Ei und eines Spulwurmei aus den Kotproben verschiedener Chamäleons, Bilder aus der genannten Publikation

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Wissenschaft

Tierärztinnen der Universität von Montreal (Kanada) haben kürzlich untersucht, welche Chamäleons weltweit in Zoos gehalten und nachgezüchtet werden. Sie nutzten dazu die sogenannte Species360 Datenbank des Zoologischen Informations-Management-System (ZIMS, früher ISIS), deren Chamäleondaten sie statistisch auswerteten. Rund 1400 Zoos, Aquarien und Forschungszentren aus rund 100 Ländern nutzen diese Datenbank und füttern sie mit den in ihren Institutionen gesammelten Daten. Die Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich, sondern erfordert eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Die Tierärztinnen untersuchten dabei Geburten oder Schlupfe zwischen Juli 2020 und Juli 2021 sowie Daten von 1980 bis 2024 zur Berechnung von Lebenserwartungen. Ausgenommen wurden Chamäleons, die abgegeben und nicht mehr nachverfolgbar waren oder bei denen Geburtsdaten ungenauer als der Monat angegeben waren. Zur Berechnung der Lebenserwartung wurden nur Arten genutzt, von denen mehr als 50 Individuen gehalten worden waren. Die Statistiken zur Langlebigkeit wurden nur bei solchen Arten durchgeführt, die mehr als 70 Individuen in Zoos aufwiesen. Dabei wurde jeweils der Durchschnitt der 5% der ältesten Individuen für beide Geschlechter errechnet. Chamäleons, die länger lebten als 99% ihrer Artgenossen sowie Tiere, die kürzer als einen Tag gelebt hatten, wurden von der Berechnung ausgeschlossen. Da teilnehmende Einrichtungen in Asien, Südamerika und Afrika weniger als 10 Chamäleons registriert hatten, wurden diese Kontinente aus der Studie entfernt.

Insgesamt wurden 2021 in 203 ZIMS-Institutionen 975 Chamäleons gehalten. Dabei waren weniger als 20% der weltweit beschriebenen Arten vertreten. Über zwei Drittel der gehaltenen Chamäleons waren Jemen- und Pantherchamäleon (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis). Alle anderen Arten folgten dahinter mit sehr weitem Abstand, an dritter Stelle stand Trioceros jacksonii ohne Nennung der Unterart mit 8,4%. Von acht Arten, darunter Brookesia stumpffi, Chamaeleo africanus, Furcifer verrucosus, Kinyongia boehmei und Trioceros cristatus, wurden überhaupt nur Einzeltiere in den teilnehmenden Zoos gehalten.

Die Zoos hatten 35% der Chamäleons als männlich, 22% als weiblich und beeindruckende 43% als „unbestimmt“ angegeben. Bei den Pantherchamäleons waren deutlich mehr Männchen vorhanden, während es bei Parsons Chamäleons (Calumma parsonii) und dem Europäischen Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) mehr Weibchen waren.

Zwischen 2020 und 2021 waren zu 22% der gehaltenen Chamäleons Nachzuchten ins ZIMS eingetragen worden. Über 300 Geburten und Schlupfe waren registriert worden, davon entfielen über die Hälfte auf die Art Trioceros jacksonii, knapp 17 % auf Furcifer pardalis und über 11% auf Chamaeleo calyptratus. Nicht erwähnt wurde, wie viele Eier bei oviparen Arten gelegt worden waren.

Die Lebenserwartung bei Geburt wurde für elf Arten ermittelt. Sie lag für Chamaeleo calyptratus bei 2,1 Jahren, für Chamaeleo dilepis bei 1,1 Jahren, für Furcifer oustaleti bei 1,2 Jahren, für Furcifer pardalis bei 2,1 Jahren, für Rieppeleon brevicaudatus bei 1,2 Jahren und für Trioceros melleri bei 2,7 Jahren. Für Chamaeleo chamaeleon, Trioceros hoehnelli, Furcifer lateralis, Trioceros jacksonii und Trioceros montium wurden Lebenserwartungen von unter einem Jahr errechnet.

Sowohl bei Jemen- als auch bei Pantherchamäleons lebten Männchen länger als Weibchen. Die ältesten Calumma parsonii wurden im Schnitt 8 Jahre alt, ähnlich lagen die ältesten Chamaeleo calyptratus, Furcifer pardalis und Trioceros melleri.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Zahl an Männchen bei Panther- und Jemenchamäleons vor allem an der höheren optischen Attraktivität der Männchen für Zoobesucher liegen könnte. Erstaunlicherweise wurden auch 50% der Jemenchamäleons als „unbestimmt“ ins ZIMS eingetragen, obwohl bei dieser Art das Geschlecht bereits beim Schlupf leicht zu erkennen ist. Die Autoren schlagen vor, dass auch Chamäleons langfristig in internationale Zuchtprogramme aufgenommen werden und dabei Hand in Hand mit Schutzprojekten in den Lebensräumen der Tiere gehen.

Evaluation of the sex and species distribution, breeding, and life expectancy of zoo-housed chameleons
Amélie Aduriz, Floriane Plard, Claire Vergneau-Grosset
Zoo Biology, 2026: 1-15
DOI: 10.1002/zoo.70078
Kostenloser Download des Artikels

Foto: Kinyongia tavetana