Chamäleons in Hadejia Wetlands (Nigeria)       

Chamäleons in Hadejia Wetlands (Nigeria)       

Verbreitung Wissenschaft

Biologen aus Nigeria haben kürzlich eine Studie zur Datenerhebung bezüglich der Herpetofauna des Hadejia Wetlands National Park (Nigeria) durchgeführt. Die Hadejia-Nguru Wetlands liegen im Norden Nigerias, südlich der Sahelwüste. Sie werden regelmäßig von den Flüssen Kafin Hausa und Katagum geflutet und verfügen über eine Fläche von 320 km².

Während der Regen- und der Trockenzeit 2025 suchten je drei Personen je drei Stunden am Tage und in der Nacht entlang 1 km lange Transekte visuell nach Reptilien. Einige wurden zwecks Identifikation gefangen und 50 m entfernt freigelassen, andere nur fotografiert.

Insgesamt wurden 141 Reptilien gefunden, die zu 21 Arten gehörten. Zwei Chamäleon-Arten wurden dabei nachgewiesen: Zwei Chamaeleo gracilis und vier Chamaeleo africanus. Chamaeleo gracilis wurde ausschließlich im Wald gefunden, bei Chamaeleo africanus wurden drei Individuen im Wald und eines in der Savanne entdeckt. Beide Arten sind aus Nigeria bekannt, die letzten dokumentierten Sichtungen aus Hadejia waren aber nicht aktuell.

Species composition and diversity of reptile in Hadejia Wetlands National Park Jigawa State, Nigeria
Tukur Yahuza Nasir, Ali Abubakar, Callistus Akosim
Journal of Science Research and Reviews
DOI: 10.70882/josrar.2026.v3i4.239
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Foto: Chamaeleo gracilis, Creative Commons Attribution 4.0 kogia

Erstnachweis von Devriesea agamarum beim Jemenchamäleon

Erstnachweis von Devriesea agamarum beim Jemenchamäleon

Tiermedizin Wissenschaft

Devriesea agamarum ist ein Gram positives Bakterium, das erst 2008 beschrieben wurde und bei verschiedenen Echsenarten zu Hauterkrankungen mit typischen gelben Krusten führen kann. Bei einigen Echsenarten führt es zu Blutvergiftungen, die dann auch zum Tod führen können.

Polnische Tierärzte haben nun 80 Abstriche, die zur bakteriellen Untersuchung an ein Labor geschickt wurden, genauer untersucht und ausgewertet. Von den 80 Abstrichen stammten 38 von Echsen mit Krankheitsanzeichen und 42 von scheinbar gesunden Echsen aus ganz Polen. Bei den erkrankten Tieren waren Abstriche der veränderten Gewebe genommen worden, bei den gesunden vor allem Abstriche aus der Maulhöhle. Unter den Probanden befanden sich auch zwei Furcifer pardalis, zwei Chamaeleo calyptratus und ein Chamäleon, dessen Art nicht angegeben worden war.

Bei 18 Proben der 38 symptomatischen Echsen konnte Devriesea agamarum nachgewiesen werden. Aber auch bei 11 Proben der 42 gesunden Echsen konnte das Bakterium identifiziert werden.

Wie bereits bekannt erwiesen sich auch in dieser Studie als symptomlose Träger vor allem Bartagamen (Pogona vitticeps) als auch Uromastyx-Arten. Mehrere Chamäleons wurden ebenfalls positiv auf Devriesea agamarum getestet: Ein Furcifer pardalis mit Hautläsionen, ein Chamaeleo calptratus mit Abszessen sowie ein Chamäleon nicht genannter Art, das eine Konjunktivitis zeigte. Nachdem 2020 erstmals Devriesea agamarum bei einem Pantherchamäleon nachgewiesen worden war, weist die vorliegende Studie nun auf die potenzielle Gefährdung von Jemenchamäleons hin – und möglicherweise anderen Chamäleonarten.

Mehrere durchgeführte Resistzenztests zeigten, dass alle Isolate von Devriesea agamarum gegenüber Colistin resistent waren. Gut funktionierten dagegen Amoxicillin-Clavulansäure, Ampicillin, Ceftiofur, Cephalotin, Erythromycin, Florfenicol, Tetracycline, Tiamulin, Tilmicosin und Tulathromycin. Die Sensibilität der Devriesea-Isolate gegenüber Enrofloxacin, Gentamicin, Penicillin und Trimethoprim/Sulfamethoxazol variierte je nach Isolat.

Occurrence, antimicrobial susceptibility and genetic diversity of Devriesea agamarum strains isolated from captive lizard collections
Jarosław Król, Magdalena Florek, Gabriela Motyka, Anna Bogucka, Anna Wanecka, Maja Marynowska, Aleksandra Pliszczak-Król, Aleksandra Napierała, Sylwia Banaszkiewicz, Filip Pater-Jajdelski, Łukasz Skomorucha
BMC Veterinary Research 2026
DOI:  10.1186/s12917-026-05785-1
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Foto: Ein Resistenztest verschiedener Antibiotika auf einer mit Bakterien besiedelten Agarplatte, CC by SA 4.0 Ajay Kumar Chaurasiya

Chamäleons in drei Waldfragmenten Ruandas

Chamäleons in drei Waldfragmenten Ruandas

Verbreitung Wissenschaft

Viele Teile des ostafrikanischen Grabens sind heute erforscht. Andere, vor allem kleinere Waldfragmente, warten noch immer auf Forscher. Im Bereich des Albertine-Grabens in Ruanda haben Wissenschaftler nun die Herpetofauna drei kleiner Waldreste untersucht. Alle drei Waldreste sind massiv von Abholzung für Feuerholz und Brandrodung zur Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Flächen bedroht.

Sanza ist ein Waldfragment im Westen Ruandas, das auf Höhen zwischen 1600 und 1950 m liegt. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Wald um über 50% geschrumpft und besteht aktuell nur noch aus einer Waldfläche von 0,24 km².  Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 15 bis 18°C.

Die Waldreste Nyagasenyi und Ibanda-Makera dagegen liegen beide an der östlichen Grenze Ruandas zu Tansania. Nyagasenyi liegt auf Höhen zwischen 1315 und 1340 m. Auch die Fläche dieses Waldrest hat sich seit den 1980er Jahren um fast 60% reduziert, so dass es 2015 nur noch 0,19 km² waren. Ibanda-Makera ist mit aktuell 1,69 km² noch etwas größer und liegt auf Höhen zwischen 1300 und 1400 m.

Insgesamt wurden während der Regenzeit an 12 Tagen für je ein bis anderthalb Stunden an bis zu 18 Punkten pro Wald Übersichtsstudien durchgeführt. Dazu wurde mit dem bloßen Auge nach Reptilien gesucht, während Amphibien vorwiegend gekeschert wurden. Alle Tiere wurden soweit möglich artbestimmt und dann wieder freigelassen

Insgesamt konnten 17 Amphibien- und 13 Reptilienarten dokumentiert werden. Unter den gefundenen Arten befanden sich zwei Chamäleons: Trioceros ellioti und Trioceros rudis. Dabei wurden mehrere Trioceros ellioti in Nyagasenyi und Ibanda-Makera gefunden, in Sanza dagegen lediglich zwei Individuen von Trioceros rudis. Trioceros rudis ist endemisch im Albertine Rift, während Trioceros ellioti weiterverbreitet ist. Trioceros ellioti schien dabei vor allem nicht-überflutete Sträucher gebunden zu sein, während Trioceros rudis vor allem am Waldrand vorkam.

Diversity and community composition of herpetofauna from Ibanda-Makera, Sanza, and Nyagasenyi remnant forests, Eastern Rwanda
Mapendo Mindje, Edmond Twagirayezu, Vensute Nsengimana
Discover environment 2026, 4: 370
DOI: 10.1007/s44274-026-00903-0
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Fotos: Links Trioceros rudis, rechts Trioceros ellioti, die in der Studie gefunden wurden

Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Evolution von Genfamilien in südafrikanischen Zwergchamäleons

Wissenschaft

Bei den südafrikanischen Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion haben sich verschiedene Körpermerkmale offenbar an ihren Lebensraum angepasst. Ein Beispiel dafür sind Bradypodion pumilum und ventrale, die in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen.

Wissenschaftler aus Südafrika haben sich nun damit beschäftigt, ob die Evolution verschiedener Gene im Zusammenhang mit der Diversifizierung der beiden unterschiedlichen Bradypodion-Arten steht. Sie verwendeten dabei Genome von Bradypodion-Arten sowie als Vergleich vier bereits veröffentlichte Genome anderer Reptilien.

Die Forscher identifizierten orthologe Genfamilien, d.h. Gene in Bradypodion pumilum und Bradypodion ventrale, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammten und sich durch die Artbildung auseinander entwickelt haben. Bradypodion zeigten dabei Erweiterungen des genetischen Codes, die vor allem Nervenverbindungen, Synaptische Struktur, Zell-Zell-Erkennung und Erhalt des Genoms betrafen. Bradypodion pumilum zeigte Erweiterungen, die sich auf synaptische Organisation, Lokalisierung postsynaptischer Rezeptoren und membranassoziierte Signalübertragung konzentrierten. Dies deutet darauf hin, dass hier eine funktionelle Differenzierung durch die Besiedelung des Lebensraums Wald stattgefunden hat. Dagegen zeigte Bradypodion ventrale, das eher in offener Buschvegetation lebt, Erweiterungen des genetischen Codes in der Formbildung des Nervensystems während der Embryogenese, bei der Zelladhäsion, der Gewebestruktur und der Entwicklungssignalwege. Die beiden in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommenden Arten unterscheiden sich genetisch also nicht nur im Vorhandensein erweiterter Genfamilien, sondern auch in den Funktionen, für die die Gene codieren.

Lineage-specific neural and morphogenetic gene family expansions accompany habitat divergence in Southern African Dwarf Chameleons (Bradypodion)
Jody M. Taft, Krystal A. Tolley, Graham J. Alexander, Anthony J. Geneva
Evolutionary Journal of the Linnean Society, 2026
DOI: 10.1093/evolinnean/kzag013

Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neue Art auf Madagaskar: Calumma krystalae

Neubeschreibungen Wissenschaft

Die Taxonomie der großen Calumma-Arten mit Occipitallappen aus Madagaskar bedarf seit Jahren weiterer Klärung. Nun haben sich Forscher daran gemacht, diese Chamäleons der sogenannten cucullatum-Gruppe erneut unter die Lupe zu nehmen.

Zwischen 1996 und 2025 beprobten die Wissenschaftler unzählige Chamäleons auf Madagaskar selbst, aber auch konservierte Museumsexemplare. Die teils im 19. Jahrhundert konservierten Holotypen von Chamaeleo brevicornis, Chamaeleon cucullatus, Chamaeleon gularis, Chamaeleon malthe und Chamaeleo brevicornis tsarafidyi wurden ebenfalls zu genetischen Untersuchungen herangezogen.

Das wichtigste Ergebnis: Eine neue Art wurde beschrieben! Der Name der neuen Art ist der bekannten Chamäleonforscherin Krystal Tolley gewidmet. Calumma krystalae lebt im Norden Madagaskars und ist eine relativ große Calumma-Art. Es kommt in den Regenwäldern von Marojejy, Sorata, Tsaratananan, Andrevorevo, Bemanevika und Ampotsidy auf Höhen von 1280 bis 1638 m vor. Mit seinen großen Occipitallappen sieht Calumma krystalae seiner Schwesternart Calumma malthe ähnlich, unterscheidet sich aber in vielen Merkmalen wie der Zahl der Schuppen auf den Occipitallappen oder dem Aussehen des Rückenkamms.

Weitere, spannende Ergebnisse der Studie: C. brevicorne und C. crypticum bieten leider nach wie vor ein schwierigeres Feld. Genetisch sind die Unterschiede, die im Aussehen zwischen verschiedenen Populationen deutlich sind, nicht derart eindeutig nachzuvollziehen. Insgesamt fanden sich bis zu sieben genetische Linien, von denen sechs einer gemeinsamen Clade angehören und eine in einer Clade zusammen mit C. amber und C. peltierorum steht. Die Autoren belassen es daher vorerst bei der Benennung dieser Chamäleons als „brevicorne/crypticum-Komplex“, bis weitere Forschung die Taxonomie und Morphologie vollständig klären kann.

Genome-scale molecular systematics of Madagascar’s occipital-lobed chameleons reveals polyphyly and mito-nuclear discordances
Miguel Vences, Laila-Denise Rothe, Frank Glaw, Mark D. Scherz, Philip-Sebastian Gehring, Oliver Hawlitschek, Arianna Kuhn, Malte Multzsch, Alice Petzold, Michaela Preick, Fandresena Rakotoarimalala, Achille P. Raselimanana, Fanomezana M. Ratsoavina, Sara Ruane, David R. Vieites, Michael Hofreiter, Christophe Dufresnes
Molecular Phylogenetics and Evolution, 2026
DOI: 10.1016/j.ympev.2026.108689
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Fotos: Verschiedene Calumma krystallae aus der genannten Publikation

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Nachdem vor zwei Jahren eine erste kleine Studie über die Herpetofauna von Ivohiboro veröffentlicht wurde, gibt es nun weitere Forschungsarbeit von dort. Das Schutzgebiet Ivohiboro liegt im Südosten Madagaskars, südwestlich der südlichsten Ausläufer des Andringitra-Gebirges. Der Wald selbst ist rund 8,58 km² groß und nimmt damit nur einen kleinen Teil des 37,82 km² großen Schutzgebietes ein. Er ist umgeben von Savannen und überspannt Höhenlagen von 650 bis 1460 m über Meeresniveau. Das Schutzgebet wird derzeit von lokalen Organisationen sowie dem madagassischen Umweltministerium verwaltet.

2016 und 2023 wurden auf je 16 und 26 Bäumen sogenannten „vertical surveys“ in Ivohibory und Analamary durchgeführt. Dabei wird ein Baum von unten nach oben beklettert und jedes gefundene Tier dokumentiert und ggf. beprobt. Außerdem wird am Boden in einem 10 m Radius um den Baum nach Tieren gesucht. Leider setzte in beiden Jahren die Regenzeit verzögert ein, so dass es trockener als erwartet war, was für die Herpetofauna eher ungünstig ist. Zusätzlich wurden einige Einzelbeobachtungen in die Studie mit einbezogen.

Alle gefundenen Tiere wurden dokumentiert und, wenn möglich, bis auf Gattungs- oder Artebene bestimmt. Gefundene Frösche wurden zwecks genetischer Untersuchungen beprobt. Insgesamt konnten 22 verschiedene Arten von Amphibien und 32 Arten Reptilien gefunden werden.

An Chamäleons wurden Calumma andringitraense, Calumma crypticum, Calumma oshaughnessyi, eine bisher genetisch noch nicht untersuchte Population von Calumma cf. fallax, Furcifer lateralis und Palleon nasus in Ivohiboro gefunden. Dabei war auffällig, dass vor allem die Calumma-Arten im Mittel stets weit oben in den Bäumen gefunden wurden.

From ground to canopy: A molecularly verified herpetofaunal inventory of a Madagascar Protected Area
Edmund W. Basham, Matteo D. Masotti, Iris E. Schmeder, Miguel Vences, Denis Razafitsimialona, Georges M. Andrianantenaina, Dina Andrianoely, Chloé M. Allen-Love, Brett R. Scheffers, Kelly R. Zamudio, Patricia C. Wright
Journal of Herpetology 60(2), 2026: 1-12
DOI: 10.1670/2644616
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Foto: In Ivohiboro gefundenen Chamäleons, von links oben nach rechts unten Calumma crypticum, Calumma andringitraense, Calumma fallax und Calumma oshaughnessyi, aus der genannten Publikation

Neuer Fundort von Rhampholeon temporalis (Tansania)

Neuer Fundort von Rhampholeon temporalis (Tansania)

Verbreitung Wissenschaft

Rhampholeon temporalis war bisher nur von den East Usambara Mountains und dem Magrotto Hill im Osten Tansanias bekannt. Auf einer Forschungsreise nach Tansania haben Wissenschaftler die Art rund 40 km entfernt gefunden: Während einer Nachtexkursion in den West Usambara Bergen entdeckten sie vier Individuen der Art nahe eines kleinen Baches in Mitten eines Regenwaldfragments. Der Fundort liegt rund 240 m höher als die bisher bekannten Höhenlagen, auf denen Rhampholeon temporalis vorkommt.

In anderen Regenwaldfragmenten in der näheren Umgebung konnten sie die Art jedoch nicht entdecken. Das scheint die Annahme zu bestätigen, dass Rhampholeon temporalis ein größeres Verbreitungsgebiet als gedacht hat. Genetische Untersuchungen sollten jedoch zunächst klären, ob es sich bei den gefundenen Tieren tatsächlich um Rhampholeon temporalis und nicht eine nah verwandte, noch unbeschriebene Art oder das ähnlich aussehende Rhampholeon viridis handelt.

A record of the chameleon Rhampholeon cf. temporalis in West Usambara, eastern Tanzania
Frank Glaw, David Prötzel, Carlos Zanotelli
Spixiana 48(2): 214
DOI:  nicht verfügbar
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Foto: Eines der gefundenen Chamäleons aus der genannten Publikation

Neue Erkenntnisse zum Aufbau von Chamäleonzähnen

Neue Erkenntnisse zum Aufbau von Chamäleonzähnen

Tiermedizin Wissenschaft

Bereits lange ist bekannt, dass Chamäleons akrodont sind. Das bedeutet, die Zähne sitzen dem Kieferknochen direkt auf und befinden sich nicht in Alveolen wie beim thekodonten Säuger. Wie genau die Verbindung zwischen Zahn und Kiefer sowie das Innere des Zahns aussieht, war bisher aber noch nicht ganz klar. Kanadische Wissenschaftler haben sich jetzt genauer damit beschäftigt.

Sie nutzten konservierte Museumsexemplare je eines Chamaeleo dilepis, eines Chamaeleo laevigatus, eines Trioceros johnstoni und eines unbestimmten Trioceros für Untersuchungen mittels des bloßen Auges, einem MikroCT und für histologische Gewebsschnitte. Zum Vergleich wurden histologische Schnitte eines Krokodils und eines grünen Leguans herangezogen.

Alle untersuchten Zähne an Chamäleons wiesen das gleiche Implantationsmuster („wie sitzt der Zahn im Knochen“) auf. Sie waren allesamt dreispitzig und mediolateral komprimiert. An allen Zähnen war mit steigendem Alter des Chamäleons Abrieb zu beobachten.

Außerdem konnte bereits makroskopisch eine schmale Furche erkannt werden, die jeweils die Zahnkrone vom Kieferknochen trennt. Auf der Seite der Lippe schiebt sich der Zahn teilweise in den Knochen hinein, auf der Zungenseite sitzt der Zahn dem Kieferknochen auf. Das entspricht nicht ganz exakt der ursprünglichen Vorstellung von Akrodontie, bei der die Zahnkrone vollständig oben auf dem Kieferknochen sitzen müsste. Die Fläche, entlang der Zahn den Kieferknochen berührt, ist insgesamt nicht plan.

Die Zahnkrone besteht aus Dentin, die an den Seiten von einem dünnen Epithel überzogen ist. Im inneren der Zahnkrone befindet sich eine Pulpahöhle, was in vorhergehenden Publikationen so teils nicht vermutet worden war. Zwischen Zahnkrone und Alveolarknochen befindet sich eine sehr dünne Schicht einer Art azellulären Zements, in den Sharpey-Fasern aus dem Alveolarknochen ziehen.

Histologisch weist der Alveolarknochen Osteozyten-Lakunen und eine unregelmäßige Ausrichtung der Gewebefasern auf. Der Zement weist eine unregelmäßige Matrix ähnlich des Alveolarknochens auf, jedoch ohne Gefäße oder Lakunen. Eine sogenannte „Umkehrlinie“ (reversal line), ein organisierter Bereich zwischen Unterkiefer- und Alveolarknochen, ist deutlich zu erkennen und hier zum ersten Mal bei Chamäleons beschrieben. Das Dentin der Zahnkrone verfügt über feine Dentinkanälchen, ein Merkmal des Orthodentin.

Man ging bisher davon aus, dass jeder Zahn mittels Ankylosen auf einer Art Knochenfortsatz befestigt wäre. Die aktuelle Studie widerlegt diese Vorstellung. Es sind bei Trioceros Alveolarknochen, Zement und periodontales Ligament vorhanden, also eine Art rudimentärer Zahnhalteapparat (Parodont).

Weitere Forschung bei anderen Chamäleongattungen wäre nun spannend, um herauszufinden, ob der Zahnaufbau tatsächlich bei allen Chamäleons gleich ist oder es möglicherweise zwischen einzelnen Gattungen oder sogar Arten noch feine Unterschiede gibt.

A description of dental microanatomy and implantation geometry in Chamaeleonidae
Giles D. Sukkert, Ilaria Paparella, Michael R. Doschak, Aaron R.H. LeBlanc, Michael W. Caldwell
Journal of Anatomy, 2026, 00: 1-15
DOI: 10.1111/joa.70194
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Besenderung von Parsons Chamäleons

Besenderung von Parsons Chamäleons

Projekte Wissenschaft

Telemetrie wird seit Jahrzehnten bei Tieren genutzt, um ihren Standort und damit Bewegungsdaten zu verfolgen. Bei Chamäleons stellte sich das Besendern der Tiere selbst jedoch häufig als schwierig heraus. Für ein Feldprojekt auf Madagaskar wurden nun im Chester Zoo in Großbritannien über Monate ausprobiert, wie man Sender am geschicktesten an Parsons Chamäleons (Calumma parsonii parsonii) anbringt.

Zwei verschiedene Varianten der Anbringung wurden getestet: Einmal ein dünnes Plastikband und einmal eine Art Geschirr aus Schaumstoff, mit einem Gewicht von 4 bis 4,5 Gramm. Das  Plastikband wurde bei den Chamäleons vor den Hinterbeinen befestigt. Das Geschirr dagegen wurde über die Schultern und Arme gezogen und im Brustbereich verschlossen. Als Probanden standen ein männliches und sechs weibliche Parsons Chamäleons des Chester Zoo zur Verfügung.

Die Pfleger und Pflegerinnen wurden anschließend gebeten, die Geschirre nach sechs Kriterien zu beurteilen. Alle berichteten einstimmig, dass beide Varianten nicht zu Verhaltensänderungen geführt hatten. Insgesamt stellte sich heraus, dass die Geschirre im Brust-Schulter-Bereich besser zu verwenden waren, vor allem da auf Madagaskar später zusätzlich zum Peilsender noch ein kleiner, runder Datenlogger befestigt werden sollte.

Genau diese Geschirre wurden anschließend im östlichen Hochland Madagaskars in Vohimana verwendet, um fünf wilde Parsons Chamäleons zu besendern. Dies klappt bisher gut. Veröffentlichungen wie diese werten die gewonnenen Daten bereits aus.

Calumma parsonii: A journey with the largest chameleon on the planet. From zoo to field.
Jay Redbond, Laura Naidenov, Olivier Marquis, Sébastien Métrailler, Benjamin Drouet, Angelina Rene de Roland, Liantsoa Nourally, Joshua Fulford, Karen Lambert, Adam Trimmings, Kieran Richardson, Gerardo Garcia
British Herpetological Society Reports 7, 2026: 12-17
DOI: nicht verfügbar
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Lianennattern beim Fraß von Lappenchamäleons beobachtet (Mosambik)

Lianennattern beim Fraß von Lappenchamäleons beobachtet (Mosambik)

Beobachtungen Wissenschaft

Und gleich eine zweite und dritte spannende Beobachtung wurde letzte Woche veröffentlicht: Im Ngazi Camp im Osten Mosamiks wurden zwei Lianennattern beim Verzehr von Lappenchamäleons gesehen.

Die erste Thelotornis mossambicanus befand sich in einem Baum auf 1,8 bis 2,5 m Höhe mit einem noch lebenden Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) in der Nähe, als sie gefunden wurde. Wenige Minuten später fanden die Beobachter die Schlange auf dem Boden beim Versuch, das inzwischen tote Lappenchamäleon zu verschlingen. Die Natter bugsierte das tote Chamäleon dann in höher gelegene Vegetation, wo sie es schließlich größtenteils auffraß, dann aber aus Sichtweite verschwand.

Bei einer zweiten Gelegenheit konnte ein anderes Individuum der gleichen Schlangenart ebenfalls auf dem Boden dabei beobachtet werden, wie es ein anderes Chamaeleo dilepis vollständig verschlang.

Die Schlangenart Thelotornis mossambicanus war bereits dafür bekannt, einen breit gefächerten Speiseplan zu haben. Die meisten Informationen darüber stammten bisher jedoch aus der Untersuchung von Mageninhalten. Fotos, wie die Art Chamäleons frisst, gab es bisher keine.

Arboreal duels in a shared niche: Direct observations of vinesnake (Thelotornis mossambicus) predation on chameleons (Chamaeleo dilepis) reveal complex foraging dynamics
Avelino R. Miguel, Hinrich Kaiser, Willem D. Briers-Louw, Tamar A. Kendon, Dário A. Ngalijuane, Tiago Gomes dos Santos
African Journal of Ecology, 2026: 64:e70190
DOI: 10.1111/aje.70190
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