Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Parasiten bei Chamäleons in der Terraristik in Deutschland

Tiermedizin Wissenschaft

Tierärzte der Uni Gießen und Exomed haben kürzlich eine retrospektive Studie zu Parasitenbefall bei Chamäleons in Menschenobhut durchgeführt. Dazu wurden zwischen 2012 und 2019 insgesamt 670 Kotproben von Chamäleons untersucht. Über 85% davon stammten von Privathaltern aus ganz Deutschland, die die Kotproben selbst zu ExoMed eingesandt hatten. 10% der Proben waren von Tierärztinnen und Tierärztinnen direkt eingeschickt worden, der Rest stammte aus Zoos. Alle Kotproben wurden mittels Nativausstrichen untersucht. Zusätzlich wurden 31 tote Chamäleons obduziert, aus deren Darm weitere Kotproben für Nativausstriche und Anzucht von Bakterien entnommen wurden.

Fast drei Viertel aller Kotproben stammte von Panther- und Jemenchamäleon (Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus). Danach rangierten weit abgeschlagen mit 15% Kotproben, bei denen die Chamäleonart auf dem Einsendeformular leider nicht angegeben worden war. Die übrigen Kotproben teilten sich auf 23 weitere Chamäleonarten auf. In über einem Drittel aller eingesandten Kotproben konnten Parasiten nachgewiesen werden. In absteigender Reihenfolge der Häufigkeit waren dies Oxyuriden-Eier, Kokzidien-Oozysten, begeißelte Protozoen („Flagellaten“), Heterakiden-Eier, dünnschalige Nematodeneier (Strongyloides oder Rhabdias spp.), Trematodeneier, Pentastomideneier, Spulwurmeier, Amöbenzysten und Physalopteroides-Eier. Bandwurmeier wurden in keiner Kotprobe gefunden.

In knapp 10% der positiv getesteten Chamäleonkotproben wurde mehr als eine Parasitengattung gleichzeitig gefunden. Die häufigsten davon waren Kokzidien und Nematoden, weniger häufig traten Nematoden parallel zu Geißeltierchen oder Kokzidien parallel zu Geißeltierchen auf. Chamaeleo calyptratus hatte überdurchschnittlich häufig Oxyuriden im Vergleich zu Furcifer pardalis. Es fanden sich keine Zusammenhänge zwischen Parasitenbefall und Alter oder Geschlecht der Chamäleons.

Bei 61% der obduzierten toten Chamäleons zeigte sich Parasitenbefall, wobei dies bei mindestens 40% auch die Todesursache war. In absteigender Reihenfolge waren die zuletzt genannten an Kokzidien, Heterakiden, Oxyuriden und je ein Einzeltier an einer Coinfektion aus Leptomonaden, Trichomonaden und Filarien sowie einer Coinfektion mit Leptomonaden und Trichomonaden verstorben. Andere Todesursachen waren Gicht, Pilzbefall, bakterielle Infektionen, Verstopfung, mechanische Traumata, Adenokarzinome, Mangelernährung und Hypervitaminose D3 (bei den beiden letzten jeweils ein Einzeltier). Nur bei zwei der 31 Chamäleons konnte die Todesursache nicht sicher ermittelt werden.

Gastrointestinal protozoan and helminth parasite infections in captive chameleons in Germany
Paula Sapion-Miranda, Anja Taubert, Carlos Hermosilla, Malek J. Hallinger
Parasitology Research 125, 2026: 69
DOI: 10.1007/s00436-026-08704-3
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Fotos: Von links oben nach rechts unten Aufnahmen eines Oxyuriden-Ei, einer Isospora-Oozyste, einem angefärbten Leptomonas-Throphozoit, eines Trematoden-Ei, eines Pentastomiden-Ei und eines Spulwurmei aus den Kotproben verschiedener Chamäleons, Bilder aus der genannten Publikation

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Lebenserwartung, Langlebigkeit und Nachzuchten von Chamäleons in Zoos

Wissenschaft

Tierärztinnen der Universität von Montreal (Kanada) haben kürzlich untersucht, welche Chamäleons weltweit in Zoos gehalten und nachgezüchtet werden. Sie nutzten dazu die sogenannte Species360 Datenbank des Zoologischen Informations-Management-System (ZIMS, früher ISIS), deren Chamäleondaten sie statistisch auswerteten. Rund 1400 Zoos, Aquarien und Forschungszentren aus rund 100 Ländern nutzen diese Datenbank und füttern sie mit den in ihren Institutionen gesammelten Daten. Die Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich, sondern erfordert eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Die Tierärztinnen untersuchten dabei Geburten oder Schlupfe zwischen Juli 2020 und Juli 2021 sowie Daten von 1980 bis 2024 zur Berechnung von Lebenserwartungen. Ausgenommen wurden Chamäleons, die abgegeben und nicht mehr nachverfolgbar waren oder bei denen Geburtsdaten ungenauer als der Monat angegeben waren. Zur Berechnung der Lebenserwartung wurden nur Arten genutzt, von denen mehr als 50 Individuen gehalten worden waren. Die Statistiken zur Langlebigkeit wurden nur bei solchen Arten durchgeführt, die mehr als 70 Individuen in Zoos aufwiesen. Dabei wurde jeweils der Durchschnitt der 5% der ältesten Individuen für beide Geschlechter errechnet. Chamäleons, die länger lebten als 99% ihrer Artgenossen sowie Tiere, die kürzer als einen Tag gelebt hatten, wurden von der Berechnung ausgeschlossen. Da teilnehmende Einrichtungen in Asien, Südamerika und Afrika weniger als 10 Chamäleons registriert hatten, wurden diese Kontinente aus der Studie entfernt.

Insgesamt wurden 2021 in 203 ZIMS-Institutionen 975 Chamäleons gehalten. Dabei waren weniger als 20% der weltweit beschriebenen Arten vertreten. Über zwei Drittel der gehaltenen Chamäleons waren Jemen- und Pantherchamäleon (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis). Alle anderen Arten folgten dahinter mit sehr weitem Abstand, an dritter Stelle stand Trioceros jacksonii ohne Nennung der Unterart mit 8,4%. Von acht Arten, darunter Brookesia stumpffi, Chamaeleo africanus, Furcifer verrucosus, Kinyongia boehmei und Trioceros cristatus, wurden überhaupt nur Einzeltiere in den teilnehmenden Zoos gehalten.

Die Zoos hatten 35% der Chamäleons als männlich, 22% als weiblich und beeindruckende 43% als „unbestimmt“ angegeben. Bei den Pantherchamäleons waren deutlich mehr Männchen vorhanden, während es bei Parsons Chamäleons (Calumma parsonii) und dem Europäischen Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) mehr Weibchen waren.

Zwischen 2020 und 2021 waren zu 22% der gehaltenen Chamäleons Nachzuchten ins ZIMS eingetragen worden. Über 300 Geburten und Schlupfe waren registriert worden, davon entfielen über die Hälfte auf die Art Trioceros jacksonii, knapp 17 % auf Furcifer pardalis und über 11% auf Chamaeleo calyptratus. Nicht erwähnt wurde, wie viele Eier bei oviparen Arten gelegt worden waren.

Die Lebenserwartung bei Geburt wurde für elf Arten ermittelt. Sie lag für Chamaeleo calyptratus bei 2,1 Jahren, für Chamaeleo dilepis bei 1,1 Jahren, für Furcifer oustaleti bei 1,2 Jahren, für Furcifer pardalis bei 2,1 Jahren, für Rieppeleon brevicaudatus bei 1,2 Jahren und für Trioceros melleri bei 2,7 Jahren. Für Chamaeleo chamaeleon, Trioceros hoehnelli, Furcifer lateralis, Trioceros jacksonii und Trioceros montium wurden Lebenserwartungen von unter einem Jahr errechnet.

Sowohl bei Jemen- als auch bei Pantherchamäleons lebten Männchen länger als Weibchen. Die ältesten Calumma parsonii wurden im Schnitt 8 Jahre alt, ähnlich lagen die ältesten Chamaeleo calyptratus, Furcifer pardalis und Trioceros melleri.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Zahl an Männchen bei Panther- und Jemenchamäleons vor allem an der höheren optischen Attraktivität der Männchen für Zoobesucher liegen könnte. Erstaunlicherweise wurden auch 50% der Jemenchamäleons als „unbestimmt“ ins ZIMS eingetragen, obwohl bei dieser Art das Geschlecht bereits beim Schlupf leicht zu erkennen ist. Die Autoren schlagen vor, dass auch Chamäleons langfristig in internationale Zuchtprogramme aufgenommen werden und dabei Hand in Hand mit Schutzprojekten in den Lebensräumen der Tiere gehen.

Evaluation of the sex and species distribution, breeding, and life expectancy of zoo-housed chameleons
Amélie Aduriz, Floriane Plard, Claire Vergneau-Grosset
Zoo Biology, 2026: 1-15
DOI: 10.1002/zoo.70078
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Foto: Kinyongia tavetana

[:de]Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert[:en]The optic nerve of chameleons is highly specialised[:]

[:de]Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert[:en]The optic nerve of chameleons is highly specialised[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Dass Chamäleons sehr spezielle Augen haben, ist schon lange bekannt. Besonders faszinierend ist, dass sie ihre Augen unabhängig voneinander in nahezu alle Richtungen bewegen können. Ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, dass auch der Sehnerv bei Chamäleons extrem spezialisiert ist.

Sie untersuchten adulte Schuppenkriechtiere 34 verschiedener Arten an Hand von CT-Modellen. Brookesia superciliaris, Rieppeleon brevicaudatus und Chamaeleo calyptratus repräsentierten dabei die Familie der Chamäleons. Dabei stellten sie fest, dass bei allen drei Chamäleon-Arten der Sehnerv quasi aufgerollt war. Diese anatomische Besonderheit führt dazu, dass der Nervus opticus bei Chamäleons insgesamt wesentlich länger ist, als es bei einem ruhig geradeaus schauendem Auge nötig wäre. Er ermöglicht den Tieren wahrscheinlich ihre extrem beweglichen Augen, ohne dabei Einschränkungen der Sehfähigkeit hinnehmen zu müssen. Vereinfacht erklärt funktioniert der Sehnerv also ein bisschen wie eine Flexileine: Bewegt sich das Auge stark, wird ein Teil des Sehnervs „ausgerollt“. Bewegt das Auge sich zurück, schnellt der Sehnerv zurück an seine ursprüngliche Position, ohne dass die Nervenfasern dabei überdehnt wurden.

A new twist in the evolution of chameleons uncovers an extremely specialized optic nerve morphology
Emily Collins, Aaron M. Bauer, Raul E. Diaz Junior, Alexandra Herrera-Martínez, Esteban Lavilla, Edward L. Stanley, Monte L. Thies, Juan D. Daza
Scientific Reports 15, 2025: 38270.
DOI: 10.1038/s41598-025-20357-3
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Foto: Portrait von Brookesia superciliaris, fotografiert von Alex Negro[:en]

It has long been known that chameleons have very special eyes. What is particularly fascinating is that they can move their eyes independently of each other in almost any direction. A team of US scientists has now discovered that the optic nerve in chameleons is also extremely specialised.

They examined adult reptiles of 34 different species using CT models. Brookesia superciliaris, Rieppeleon brevicaudatus and Chamaeleo calyptratus represented the chameleon family. They found that in all three chameleon species, the optic nerve was extremely curled. This anatomical feature means that the optic nerve in chameleons is much longer than would be necessary for an eye looking straight ahead. It probably enables the animals to have extremely mobile eyes without compromising their vision. Put simply, the optic nerve functions a bit like a flexi leash: when the eye moves sharply, part of the optic nerve is ‘unrolled’. When the eye moves back, the optic nerve curls back to its original position without overstretching the nerve fibres.

A new twist in the evolution of chameleons uncovers an extremely specialized optic nerve morphology
Emily Collins, Aaron M. Bauer, Raul E. Diaz Junior, Alexandra Herrera-Martínez, Esteban Lavilla, Edward L. Stanley, Monte L. Thies, Juan D. Daza
Scientific Reports 15, 2025: 38270.
DOI: 10.1038/s41598-025-20357-3
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Photo: Portrait of Brookesia superciliaris, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons[:en]Ultrasound of the urogenital tract in chameleons[:]

[:de]Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons[:en]Ultrasound of the urogenital tract in chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

In den letzten Jahren gab es erste Studien zur Bildgebung in der Diagnose von Erkrankungen speziell bei Chamäleons. Eine weitere Untersuchung von Tierärzten der Universität Leipzig legt nun weitere Vergleichsdaten zum Urogenitaltrakt von Chamäleons vor.

Sie untersuchten Nieren, Blase und Geschlechtsorgane von 42 Echsen, die von privaten Haltern an der Uniklinik vorgestellt wurden, mittels Ultraschall. Unter den Patienten waren sieben Chamaeleo calyptratus, fünf Furcifer pardalis. Von diesen 12 Chamäleons waren sechs männlich und sechs weiblich. Alle Organe wurden vermessen, beschrieben und Beispielbilder gespeichert.

Leider konnten bei keinem der weiblichen Chamäleons die Geschlechtsorgane für die Studie beurteilt werden, da sie entweder krankhaft verändert oder mittels vorangehender Operation bereits entfernt worden waren. Als Ankopplungsort für den Ultraschall der Nieren stellte sich bei den Chamäleons eine seitliche Ankopplung etwa einen Zentimeter vor der Hüfte als günstig heraus. Der postpelvine Anteil der Nieren war stets kleiner als der präpelvine. Die Nieren wiesen bei allen männlichen Chamäleons heterogene Flecken auf, während die Nieren der Weibchen stets homogen waren. Diese Streifung ist vermutlich auf Sexualsegmente in den Nieren bei Männchen zurückzuführen. Das Nierengewebe war isoechogen zu Muskelgewebe und hypoechogener als Fettgewebe. Die Hoden der männlichen Chamäleons lagen jeweils im hinteren Drittel der Coelomhöhle direkt unter der Wirbelsäule und vor den Nieren. Der rechte Hoden lag jeweils etwas weiter vorne als der linke. Die Kapsel war bei allen Männchen hyperechogen, während die Hodenstruktur stets homogen war. Durchschnittliche Maße der Nieren und Hoden der Jemen- und Pantherchamäleons werden in der Studie ebenfalls angegeben.

Die Daten entsprechen größtenteils den bereits von Aßmann 2015 zusammengetragenen Daten zum Ultraschall des Urogenitaltrakts von Chamäleons. Lediglich die Nierenlänge unterschied sich deutlich (länger) von vorhergehenden Untersuchungen.

Comparative sonographic studies of the urogenital tract of lizards
Nils B. Klützow, Volker Schmidt
Veterinary Radiology & Ultrasound 2025, 66:e70075
DOI: 10.1111/vru.70075
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In recent years, initial studies have been conducted on imaging in the diagnosis of diseases specifically in chameleons. A further study by veterinarians at the University of Leipzig (Germany) now presents additional comparative data on the urogenital tract of chameleons.

They examined the kidneys, bladder and reproductive organs of 42 lizards brought to the university hospital by private owners using ultrasound. Among the patients were seven Chamaeleo calyptratus and five Furcifer pardalis. Of these 12 chameleons, six were male and six were female. All organs were measured, described and sample images were saved.

Unfortunately, the sex organs of none of the female chameleons could be assessed for the study, as they were either pathologically altered or had already been removed during previous surgery. The most suitable location for coupling the ultrasound probe to the kidneys of the chameleons was found to be approximately one centimetre in front of the hip. The postpelvic portion of the kidneys was always smaller than the prepelvic portion. The kidneys of all male chameleons showed heterogeneous stripes, while the kidneys of the females were always homogeneous. This striping is probably due to sexual segments in the kidneys of males. The kidney tissue was isoechogenic to muscle tissue and more hypoechoic than adipose tissue. The testes of the male chameleons were located in the posterior third of the coelomic cavity, directly below the spine and in front of the kidneys. The right testicle was slightly further forward than the left. The capsule was hyperechoic in all males, while the testicular structure was always homogeneous. The study also provides average measurements of the kidneys and testicles of Yemen and panther chameleons.

The data largely correspond to the data already compiled by Aßmann in 2015 on ultrasound of the urogenital tract of chameleons. Only the kidney length differed significantly (longer) from previous studies.

Comparative sonographic studies of the urogenital tract of lizards
Nils B. Klützow, Volker Schmidt
Veterinary Radiology & Ultrasound 2025, 66:e70075
DOI: 10.1111/vru.70075
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[:de]Gencodierung bei Chamäleonzähnen[:en]Gene evolution in chameleon teeth[:]

[:de]Gencodierung bei Chamäleonzähnen[:en]Gene evolution in chameleon teeth[:]

Wissenschaft

[:de]

Chamäleons verfügen über akrodonte, das heißt dem Knochen direkt aufsitzende, Zähne. Säuger dagegen haben sogenannte Alveolen, in denen die Zähne sitzen. Wissenschaftler aus Michigan (USA) haben nun die genetische evolutionäre Entwicklung der Zahnstrukturen im Vergleich von Säugetieren zu akrodonten Reptilien untersucht.

Dazu verglichen sie die Genome von 24 akrodonten Reptilien und 12 Säugetierarten. Unter den akrodonten Reptilien befanden sich unter anderem die Chamäleonarten Furcifer pardalis, Trioceros harennae und Chamaeleo calyptratus sowie nicht auf Artebene bestimmte Chamäleons der Gattungen Chamaeleo, Bradypodion und Trioceros.  Die Gene für Aminosäuren, aus denen bestimmte Eiweiße des Zahnschmelzes gebaut werden, wurden mittels verschiedener Berechnungen und Analysen verglichen.

Dabei kam heraus, dass der Verlust des Zahnwechsels bei akrodonten Reptilien tatsächlich zu Veränderungen in den Genen für die Zahnschmelzbildung führte.

Reduction of tooth replacement disproportionately affects the evolution of enamel matrix proteins

John Abramyan, Gengxin Li, Hannah Khansa
Journal of Molecular Evolution 93, 2025: 494-510.
DOI: 10.1007/s00239-025-10258-4
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Foto: Präparat eines Pantherchamäleon-Schädels mit akrodonten Zähnen, fotografiert von Alex Negro[:en]

Chameleons have acrodont teeth, which means that their teeth are directly attached to the bone. Mammals, on the other hand, have so-called alveoli in which the teeth are seated. Scientists from Michigan (USA) have now investigated the genetic evolutionary development of tooth structures by comparing mammals with acrodont reptiles.

To do this, they compared the genomes of 24 acrodont reptiles and 12 mammal species. The acrodont reptiles included the chameleon species Furcifer pardalis, Trioceros harennae and Chamaeleo calyptratus, as well as chameleons of the genera Chamaeleo, Bradypodion and Trioceros that were not identified at the species level. The genes for amino acids, from which certain proteins in tooth enamel are built, were compared using various calculations and analyses.

The results showed that the loss of tooth replacement in acrodont reptiles did indeed lead to changes in the genes responsible for tooth enamel formation.

Reduction of tooth replacement disproportionately affects the evolution of enamel matrix proteins
John Abramyan, Gengxin Li, Hannah Khansa
Journal of Molecular Evolution 93, 2025: 494-510.
DOI: 10.1007/s00239-025-10258-4
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Photo: Specimen of a panther chameleon skull with acrodont teeth, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Zweiter Supermuskel in der Chamäleonzunge entdeckt[:en]Scientists discover second ’super muscle‘ in chameleon tongues[:]

[:de]Zweiter Supermuskel in der Chamäleonzunge entdeckt[:en]Scientists discover second ’super muscle‘ in chameleon tongues[:]

Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler beschäftigen sich seit Menschengedenken damit, wie die Zunge von Chamäleons so extrem lang aus dem Maul herausgeschossen werden kann. US-amerikanishe Biologen  haben nun ein weiteres Puzzlestück zur Funktion der Chamäleonzunge klären könen.

In der Studie wurde an 15 Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) verschiedenen Experimente durchgeführt. Alle 15 Tiere wurden zunächst mittels überdosierter Gasnarkose narkotisiert, um sie dann mittels Dekapitation zu töten.  Die vier Zungenmuskeln wurden dann herauspräpariert und in Messgeräte eingespannt. Mittels Stroms wurden die Muskeln stimuliert und die passive/aktive Kräfte sowie verschiedene Muskellängen gemessen. Anschließend wurden eine Reihe Berechnungen durchgeführt und Muskeln histologisch untersucht. Zusätzlich wurden Embryonen immunhistochemisch untersucht, die man zuvor aus Eiern gewonnen hatte, um festzustellen, ob die Zungenmuskeln in ihrer Entwicklung aus der gleichen oder zwei unterschiedlichen Muskelanlagen hervorgehen.

Die Ergebnisse der Studie sind sehr interessant und stützen sich vor allem auf die sogennanten Sarkomere der Muskeln. Ein Sarkomer ist die kleinste kontraktile Einheit des Muskels – also der Teil, der für die Ausdehnung und Kontraktion der Muskulatur zuständig ist. An beiden Enden jedes Sarkomers liegen die sogenannten Zwischenscheiben, abgekürzt Z-Scheiben. Quergestreifte Muskulatur, also unter anderem die Muskeln, die Arme, Beine und Körperstamm eines Wirbeltieres bewegen, können sich etwa auf die Hälfte ihrer Ruhelänge verkürzen. Bei Chamäleons gibt es jedoch einen ganz speziellen Typ Muskel, den sogenannten superkontrahierenden Muskel. Dabei handelt es sich per Definition um einen quergestreiften Muskel, dem es möglich ist, sich auch auf weniger als die Hälfte seiner Ruhelänge zu verkürzen. Beim Rektraktor der Zunge, dem Musculus hyoglossus, handelt es sich um genau so einen Muskel. Bei diesem Muskel sorgen perforierte Z-Scheiben an den Sarkomeren dafür, dass er sich weitaus besser ausdehnen kann als normale quergestreifte Muskulatur.

In der vorliegenden Studie wurde festgestellt, dass noch ein zweiter superkontrahierender Muskel am Zungenschuss beteiligt ist: Der Musculus sternohyoideos superficialis. Bei seinem Gegenstück, dem Musculus sternohyoideus profundus, konnten jedoch keine perforierten Z-Scheiben an den Sarkomeren nachgewiesen werden. Sein Längen-Spannungs-Verhältnis entsprach jedoch den beiden superkontrahierenden Zungenmuskeln. Das könnte aber durch den sehr breiten Ansatz des Muskels am Zungenbein kompensiert werden. Während des Zungenschusses werden diese Bereiche des Zungenbeins schnell gedreht, was die Sarkomere mechanisch verändern könnte.

Mittels Immunhistochmie konnten die Biologen außerdem an Chamäleon-Embryonen zeigen, dass die beiden Muskeln sich aus unterschiedlichen Anlagen entwickeln, was zur unterschiedlichen Ausprägung der Sarkomere passt. Sowohl der Musculus hyoglossus als auch die Musculi sternohyoidei bilden einen gemeinsamen Muskelapparat, wobei einer der Muskeln sogar bis ans Brustbein reicht. Das bedeutet, dass die maximale Länge der Chamäleonzunge beim Schuss nicht nur durch die besonderen Eigenschaften der Zungenmuskulatur ermöglicht wird, sondern auch durch die Gesamtlänge des Muskelapparates. Bei keinem anderen Wirbeltier weltweit wurden bisher zwei superkontrahierende Muskeln nachgewiesen.

Feats of supercontractile strength: functional convergence of supercontracting muscle properties among hyoid musculature in chameleons
Nikole G. Schneider, Nicholas A. Henchal, Raul E. Diaz Jr., Christopher V. Anderson
Proceedings B of Royal Society Publishing, 2025
DOI: 10.1098/rspb.2025.0078

Abbildung: Schematische Darstellung der Zungenmuskulatur und des Zungenbeins beim Jemenchamäleon aus der genannten Publikation[:en]

Scientists have been investigating how chameleons‘ tongues can shoot out of their mouths to such an extreme length for as long as anyone can remember. US biologists have now been able to solve another piece of the chameleon tongue puzzle.

In the study, experiments were carried out on 15 Veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus). All 15 animals were first anaesthetised using overdosed gas anaesthesia and then killed by decapitation. The four tongue muscles were then dissected out and clamped in measuring devices. The muscles were stimulated with an electric current and the passive/active forces and various muscle lengths were measured. A series of calculations were then carried out and muscles were examined histologically. In addition, embryos previously obtained from eggs were analysed immunohistochemically to determine whether the tongue muscles develop from the same or two different muscle systems.

The results of the study are very interesting and focus primarily on the so-called sarcomeres of the muscles. A sarcomere is the smallest contractile unit of the muscle – i.e. the part that is responsible for the expansion and contraction of the muscles. At both ends of each sarcomere are the so-called intermediate discs (German „Zwischenscheibe“), abbreviated as Z-discs. Transverse striated muscles, i.e. the muscles that move the arms, legs and trunk of a vertebrate, can shorten to about half their resting length. In chameleons, however, there is a very special type of muscle, the so-called supercontracting muscle. By definition, this is a striated muscle that is able to shorten to less than half its resting length. The rectractor of the tongue, the hyoglossus muscle, is just such a muscle. In this muscle, perforated Z-discs on the sarcomeres ensure that it can stretch far better than normal striated muscles.

In the present study, it was found that a second supercontracting muscle is involved in the tongue shot: the sternohyoid superficialis muscle. In its counterpart, the sternohyoid profundus muscle, surprisingly, no perforated Z-discs could be detected at the sarcomeres. However, its length-tension ratio corresponded to the two supercontracting tongue muscles. This could be compensated for by the very broad attachment of the muscle to the hyoid bone. During tongue shooting, these areas of the hyoid bone are rapidly rotated, which could mechanically alter the sarcomeres.

Using immunohistochemistry, the biologists were also able to show in chameleon embryos that the two muscles develop from different origins, which is consistent with the different sarcomeres. Both the hyoglossus muscle and the sternohyoid muscles form a muscular unit, with one of the muscles even extending to the sternum. This means that the maximum length of the chameleon tongue when shooting is not only made possible by the special properties of the tongue muscles, but also by the overall length of the muscular unit. No other vertebrate in the world has ever been found to have two supercontracting muscles.

Feats of supercontractile strength: functional convergence of supercontracting muscle properties among hyoid musculature in chameleons
Nikole G. Schneider, Nicholas A. Henchal, Raul E. Diaz Jr., Christopher V. Anderson
Proceedings B of Royal Society Publishing, 2025
DOI: 10.1098/rspb.2025.0078

Figure: Schematic representation of the tongue muscles and hyoid bone in the Veiled chameleon from the aforementioned publication[:]

[:de]Jemenchamäleon in 12 weiteren Countys in Florida (USA) verbreitet[:en]Veiled chameleon distributed over 12 new counties in Florida (USA)[:]

[:de]Jemenchamäleon in 12 weiteren Countys in Florida (USA) verbreitet[:en]Veiled chameleon distributed over 12 new counties in Florida (USA)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Bereits mindestens seit 2002 leben eingeschleppte Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) in Florida (USA). Die ersten Funde wild lebender Jemenchamäleons stammten aus Collier County, zwei Jahre später wurden Tiere in Fort Myers in Lee County beobachtet. Es folgten Funde in Hendry, Miamia-Dade, Broward, St. Lucie, Palm Beach, Monroe, Alachua und Hillsborough. Nun berichet ein Autor im Herpetological Review von 12 weiteren Populationen in Florida: In Brevard, Charlotte, De Soto, Glades, Indian River, Lake, Manatee, Osceola, Pinellas, Polk, Sarasota und Seminole County.

Er verwendete dafür Funddaten von iNaturalist sowie EDDMapS. Der Autor vermutet, dass die meisten Neufunde sogenanntes Chameleon Ranching als Ursache haben könnten. Dabei werden Chamäleons gezielt in weiteren Lebensräumen ausgesetzt, um später die daraus resultierenden Jungtiere absammeln und verkaufen zu können. Aber auch ohne vorheriges Aussetzen ist das Absammeln der Tiere zu Verkaufszwecken eine Einkommensquelle in Florida geworden, was parallel dazu geführt hat, dass Verbreitungsdaten über neue Populationen kaum veröffentlicht werden. Inzwischen ist es eine übliche Freizeitbeschäftigung in Florida, nachts nach Jemenchamäleons zu suchen. Es gibt sogar kommerzielle Anbieter, die geführte Touren anbieten.

Ein Problem daran sind zunehmend die Eigentümer von Privatgrundstücken, die sich vom „Chamäleontourismus“ gestört fühlen. Die Auswirkungen auf einheimische Wildtiere in den USA ist bisher unklar. Theoretisch könnten Jemenchamäleons kleinere Säugetiere oder junge Vögel fressen, über derartige Vorkommnisse gibt es jedoch aus Florida bisher keinerlei Berichte.

Die eingeschleppten Jemenchamäleons wieder loswerden zu können, erscheint dabei immer unwahrscheinlicher. Ein einjähriger Versuch in Lake Worth Beach (Palm Beach) resultierte in 1043 gefangenen Chamäleons während 71 Sammelaktionen, jedoch nicht in der Elimination der dort lebenden Population.

New County Records for the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Florida, USA
Kevin M. Enge
Herpetological Review 55 (2), 2025: 223-226.
DOI: nicht verfügbar

Foto: Chamaeleo calyptratus, gefunden und fotografiert in Fort Myers (USA) von Andrew Durso, CC-BY[:en]

Introduced Veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) have been living in Florida (USA) since at least 2002. The first wild Veiled chameleons were found in Collier County, two years later animals were observed in Fort Myers in Lee County. This was followed by findings in Hendry, Miamia-Dade, Broward, St. Lucie, Palm Beach, Monroe, Alachua and Hillsborough County. Now an author in the Herpetological Review reports on 12 further populations in Florida: in Brevard, Charlotte, De Soto, Glades, Indian River, Lake, Manatee, Osceola, Pinellas, Polk, Sarasota and Seminole County.

He used data from iNaturalist and EDDMapS. The author suspects that most of the new finds could be due to so-called chameleon ranching. Chameleons are deliberately released into other habitats in order to later collect and sell the resulting juveniles. But even without prior release, collecting (‚harvesting‘) animals for sale has become a source of income in Florida, which has also led to the fact that distribution data on new populations is rarely published. It is now a common recreational activity in Florida to search for Veiled chameleons at night. There are even commercial operators offering guided tours.

One problem is increasingly the owners of private property who feel disturbed by ‘chameleon tourism’. The impact on native wildlife in the USA is still unclear. Theoretically, Veiled chameleons could eat smaller mammals or young birds, but there have been no reports of such incidents in Florida to date.

It seems increasingly unlikely that it will be possible to get rid of the introduced Veiled chameleons. A one-year trial in Lake Worth Beach (Palm Beach) resulted in 1043 chameleons being caught during 71 collection campaigns, but not in the elimination of the population living there.

New County Records for the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Florida, USA
Kevin M. Enge
Herpetological Review 55 (2), 2025: 223-226.
DOI: not available

Photo: Chamaeleo calyptratus, found and photographed in Fort Myers (USA) by Andrew Durso, CC-BY[:]

[:de]Interessenten für Nachzuchtprojekt mit Chamaeleo calyptratus calcarifer gesucht[:en]Interested parties wanted for breeding project with Chamaeleo calyptratus calcarifer[:]

[:de]Interessenten für Nachzuchtprojekt mit Chamaeleo calyptratus calcarifer gesucht[:en]Interested parties wanted for breeding project with Chamaeleo calyptratus calcarifer[:]

Abzugeben Projekte

[:de]

Die größere Unterart des Jemenchamäleons, Chamaeleo calyptratus calcarifer, aus der Tihama auf der arabischen Halbinsel hat in den letzten Jahren eher wenig Beachtung in der Terraristik erhalten. So wundert es nicht, dass Notizen zu dieser Unterart in der aktuellen Literatur nicht besonders häufig sind und es auch an Haltungs- und Nachzuchtberichten mangelt. Sophie Obermaier, Mitglied der AG Chamäleons aus Berlin, möchte das gerne ändern und die Art langfristig nachzüchten. Sie selbst hat einige adulte Tiere der Art und bereits über 50 Eier, die derzeit inkubiert werden. Wer Erfahrungen mit der Unterart gemacht hat, sich selbst gerne mit der Haltung einiger Tiere beteiligen oder Jungtiere für wissenschaftliche Arbeiten übernehmen möchte, ist herzlich eingeladen, sich per Mail bei Sophie unter chartar.0702@gmail.com zu melden.

[:en]

The larger subspecies of the Veiled Chameleon, Chamaeleo calyptratus calcarifer, from the Tihama on the Arabian Peninsula has received little attention in the herpetoculture hobby in recent years. It is therefore not surprising that notes on this subspecies are not particularly frequent in the current literature and that there is also a lack of husbandry and breeding reports. Sophie Obermaier, a member of AG Chamäleons from Berlin, would like to change this and breed the species in the long term. She herself has several adults of the species and already has over 50 eggs that are currently being incubated. Anyone who has had experience with the subspecies, would like to participate by keeping a few animals themselves or would like to take on young animals for scientific work is cordially invited to contact Sophie by email at chartar.0702@gmail.com.

[:]

[:de]Jemenchamäleons suchen neue Halter[:]

[:de]Jemenchamäleons suchen neue Halter[:]

Abzugeben

[:de]

Gestern sind in der Auffangstation für Reptilien in München zwei Jemenchamäleons angekommen. Beide Tiere stammen aus einer Beschlagnahmung und werden nicht an die ursprünglichen Halter zurückgehen, so dass sie voraussichtlich schon in Kürze zur Vermittlung freigegeben werden können. Es handelt sich um zwei adulte Weibchen, die bisher einen gesunden Eindruck machen. Die Ergebnisse des Blut-Check-Ups sowie die Quarantäne der Auffangstation stehen aber noch aus. Wer sich jedoch schon für die beiden bzw. eines der Weibchen interessiert, kann sich gerne bereits jetzt an die Auffangstation wenden. Ein Fragebogen für Interessenten findet sich auf der Website.

Foto: Eines der weiblichen Jemenchamäleons, fotografiert in der Auffangstation für Reptilien, München[:en]

Two Veiled Chameleons arrived at the reptile rescue centre in Munich yesterday. Both animals were confiscated and will not be returned to their original owners, so they will probably be released for rehoming shortly. They are two adult females who so far appear to be healthy. The results of the blood check-up and the quarantine at the rescue centre are still pending. However, anyone who is already interested in the two or one of the females is welcome to contact the rescue centre now. A questionnaire for interested parties can be found on their website.

Photo: One of the female Veiled Chameleons, photographed at the reptile rescue centre, Munich

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[:de]Geschlechtschromosomen bei Chamäleons[:en]Sex chromosomes in chameleons[:]

[:de]Geschlechtschromosomen bei Chamäleons[:en]Sex chromosomes in chameleons[:]

Wissenschaft

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Welches bei Chamäleons die Geschlechtschromosomen sind, ist bisher eher spärlich untersucht worden. Von der madagassischen Chamäleongattung Furcifer ist bekannt, dass sie über Z und W-Chromosomen verfügen, wobei manchmal auch mehrere Z-Chromosomen auftreten, so genannte Neo-Geschlechtschromosomen. Kürzlich wurde nun in Tschechien mehr dazu geklärt.

Blut- und Gewebeproben wurden von 13 Chamäleon entnommen, um DNA zu isolieren. Zu den beprobten Tieren gehörten jeweils ein Männchen und ein Weibchen der Arten Brookesia therezieni, Calumma glawi, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Furcifer campani, Furcifer labordi, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Furcifer rhinoceratus, Furcifer viridis, Kinyongia boehmei und Trioceros johnstoni. Lediglich bei den Furcifer oustaleti wurden zwei Weibchen beprobt. Anschließend wurden die Z1-Chromosomen der Pantherchamäleons und die Z- und W-Chromosomen mittels Mikrodissektion untersucht. Gene Coverage Analysen wurden für Teppich- und Pantherchamäleons durchgeführt. Außerdem wurden qPCRs durchgeführt, um die Homologie der Z-Chromosomen zu vergleichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Morphologie der Z1-Chromosomen von Pantherchamäleons dem Z-Chromosom der gesamten Gattung Furcifer entspricht. Das Z1-Chromosom der Pantherchamäleons entspricht damit dem Z-Chromosom bei Furcifer oustaleti. Das Z2-Chromosom der Pantherchamäleons dagegen ist ein Neo-Geschlechtschromosom. Sowohl das Z- als auch das W-Chromosom bei Furcifer oustaleti sind wahrscheinlich pseudautosomal. 42 Gene wurden als spezifisch für das W-Chromosom beschrieben.

Insgesamt wurden 16.947 Gene in Furcifer lateralis und 16.909 Gene in Furcifer pardalis identifiziert. Das Verhältnis der Genzahl zwischen Weibchen und Männchen beträgt 0,35 und 0,65 für die beiden Arten. Bei Panther- und Teppichchamäleons stellte sich heraus, dass die meisten Gene der W- und Z-Chromosomen gleich sind, verhältnismäßig wenige Gene fanden sich nur auf dem W-Chromosom. Diese Erkenntnis ist überraschend, da die Forscher eigentlich erwartet hätten, dass das heterochromatische W bei Furcifer-Arten einen Großteil seiner Gene gegenüber dem Z-Chromosom verloren hätte.

Die Geschlechtschromosomen der Gattung Furcifer haben sich wahrscheinlich vor mindestens 20 Millionen Jahren entwickelt, was etwa dem Zeitpunkt der Absplittung der Art Furcifer campani von den übrigen Furcifer-Arten entspricht.

Heteromorphic ZZ/ZW sex chromosomes sharing gene content with mammalian XX/XY are conserved in Madagascan chameleons of the genus Furcifer
Michail Rovatsos, Sofia Mazzoleni, Barbora Augstenová, Marie Altmanová, Petr Velenský, Frank Glaw, Antonio Sanchez, Lukáš Kratochvíl
Scientific Reports 14, 2024: 4898.
DOI: 10.1038/s41598-024-55431-9[:en]

Which sex chromosomes are present in chameleons has so far been studied rather sparsely. The Madagascan chameleon genus Furcifer is known to have Z and W chromosomes, although sometimes several Z chromosomes occur, so-called neo-sex chromosomes. Recently in the Czech Republic, scientists examined this deeper.

Blood and tissue samples were taken from 13 chameleons to isolate DNA. The animals sampled included one male and one female each of the species Brookesia therezieni, Calumma glawi, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Furcifer campani, Furcifer labordi, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Furcifer rhinoceratus, Furcifer viridis, Kinyongia boehmei and Trioceros johnstoni. Only in Furcifer oustaleti were two females sampled. Subsequently, the Z1 chromosomes of the panther chameleons and the Z and W chromosomes were analysed by microdissection. Gene coverage analyses were performed for carpet and panther chameleons. In addition, qPCRs were performed to compare the homology of the Z chromosomes.

The results show that the morphology of the Z1 chromosomes of panther chameleons corresponds to the Z chromosome of the entire genus Furcifer. The Z1 chromosome of panther chameleons thus corresponds to the Z chromosome of Furcifer oustaleti. The Z2 chromosome of panther chameleons, on the other hand, is a neo-sex chromosome. Both the Z and W chromosomes in Furcifer oustaleti are probably pseudautosomal. 42 genes have been described as specific for the W chromosome.

A total of 16,947 genes were identified in Furcifer lateralis and 16,909 genes in Furcifer pardalis. The ratio of the number of genes between females and males is 0.35 and 0.65 for the two species. In panther and carpet chameleons, most of the genes on the W and Z chromosomes were found to be the same, with relatively few genes found only on the W chromosome. This finding is surprising, as the researchers had actually expected that the heterochromatic W in Furcifer species would have lost most of its genes compared to the Z chromosome.

The sex chromosomes of the genus Furcifer probably evolved at least 20 million years ago, which roughly corresponds to the time when the species Furcifer campani split off from the other Furcifer species.

Heteromorphic ZZ/ZW sex chromosomes sharing gene content with mammalian XX/XY are conserved in Madagascan chameleons of the genus Furcifer
Michail Rovatsos, Sofia Mazzoleni, Barbora Augstenová, Marie Altmanová, Petr Velenský, Frank Glaw, Antonio Sanchez, Lukáš Kratochvíl
Scientific Reports 14, 2024: 4898.
DOI: 10.1038/s41598-024-55431-9

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