Warum hat das Pinocchio-Chamäleon so eine lange Nase?

Warum hat das Pinocchio-Chamäleon so eine lange Nase?

Allgemeines Beobachtungen Zeitungsartikel

Im letzten Jahr wurde das ehemalige Calumma gallus aus dem östlichen Hochland Madagaskars zu Calumma pinocchio umbenannt. Ein aktueller Artikel im RHJ beschäftigt sich nun damit, weshalb die Natur dieses Chamäleon mit einer derart langen Nase versehen hat.

In der vorhandenen Literatur wird dieses Thema bereits seit vielen Jahren immer mal wieder diskutiert. Zum einen hilft der Nasenfortsatz dabei, dass Artgenossen sich gegenseitig erkennen bzw. von anderen Arten unterscheiden können. Letzteres ist vor allem zur Paarfindung von Männchen und Weibchen entscheidend. Damit wird versehentliche Hybridisierung mit anderen kleinen Chamäleonarten vermieden. Allein an Hand der charakteristischen Silhouette können Chamäleons Calumma pinocchio zuverlässig erkennen und von anderen, im gleichen Waldgebiet vorkommenden Arten abgrenzen. Interessant ist zudem die Frage, inwiefern Social Signaling bei Chamäleons von Bedeutung ist.

Ob Männchen mit ihren Nasen für ein Weibchen werben oder besonders schöne Nasen von Weibchen bevorzugt werden, ist noch ungeklärt. Zumindest könnte sie aber der Konkurrenz unter den Männchen eine Rolle spielen. Die lange Nase könnte auch mit visuellem Territorialverhalten zusammenhängen.

Eine Theorie des Autors ist, dass junge Männchen mit noch nicht ausgewachsenen, eher rot gefärbten Nasenfortsätzen eine Art Sexualmimikry anwenden. Sie ahmen damit möglicherweise das Aussehen von Weibchen nach, um nicht von adulten Männchen angegriffen zu werden. Ebenfalls möglich wäre, dass die Nasenform von Calumma pinocchio die  Tarnung der Tiere verbessert: Die Form ähnelt den Blattspitzen von Farnen, in denen sie häufig leben.

Letztendlich handelt es sich bei der bunten, langen Nase von Calumma pinocchio wohl um eine multifunktionale Anpassung an die Lebensumstände des kleinen Chamäleons.

The sword of truth: Why the Pinocchio Chameleon has such a long nose
Petr Nečas
Responsible Herpetoculture Journal 28, 2026
DOI: nicht vorhanden
Kostenloser Download des Artikels

Grafik: Titelbild des genannten Artikels

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Furcifer labordi ist bekannt als das kurzlebigste Chamäleon der Welt. Innerhalb von drei Monaten wachsen diese Tiere vom Schlüpfling zum adulten Chamäleon, verpaaren sich, legen Eier und sterben größtenteils direkt danach. Wissenschaftler der Universtität Göttingen forschten darüber, ob die kurze Lebensdauer einen Einfluss auf die Paarungsstrategie von Furcifer labordi hat.

Studienort war der Trockenwald von Kirindy im Westen Madagaskars. Kirindy liegt rund 60 km nördlich der Küstenstadt Morondava und etwa 20 km vom Meer entfernt in der Region Menabe. In der Regenzeit Anfang 2020 wurden dort 39 Furcifer labordi beiden Geschlechts mit Radio-Transmittern versehen. Gewicht und Körperlänge beim Fund sowie einige andere Werte wurden gemessen, die Schlafhöhe der nachts aufgefundenen Tiere wurde notiert. Danach wurden die Tiere am Fundort ausgesetzt. Im Folgenden machten die Forscher die Chamäleons über mehrere Wochen zwei Mal tagsüber und einmal nachts mittels Telemetrie ausfindig, um GPS-Daten aufzunehmen und Bewegungs- und Verhaltensmuster zu erstellen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass weibliche Furcifer labordi in Kirindy sehr standorttreu sind. Sie legen nur kurze Wegstrecken zurück. Im Gegensatz dazu bewegen sich männliche Furcifer labordi wesentlich mehr und über weitere Wegstrecken, so dass in einem Waldabschnitt sieben bis vierzehn Mal mehr Männchen als Weibchen beobachtet werden konnten. Die beobachteten Weibchen paarten sich mit bis zu sechs verschiedenen Männchen – allerdings fanden die Forscher immer wieder nicht markierte Männchen bei den beobachteten Weibchen. Das deutet darauf hin, dass Furcifer labordi tatsächlich eine deutlich höhere Zahl verschiedener Fortpflanzungspartner haben könnte. Die individuell sehr unterschiedliche Körpergröße der Männchen sowie unterschiedlich stark ausgeprägte Nasenfortsätze hatten keine Verbindung zu Bewegungsmustern. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Furcifer labordi keine Reviere besetzt und verteidigt. Das bedeutet, dass vermutlich die kurze Lebenszeit tatsächlich dazu führt, dass der Wettbewerb um die wenigen vorhandenen Weibchen intensiver – und wie Beobachtungen zeigen auch aggressiver – geführt wird als bei anderen Chamäleonarten. Es handelt sich bei der Studie um die erste Untersuchung des Paarungssystems eines madagassischen Chamäleons.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Erschienen in Scientific Reports 12
Open Access (kostenloser Download möglich)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

 [:en]

Furcifer labordi is known as the world’s shortest-lived chameleon. Within three months, these animals grow from hatchling to adult chameleons, mate, lay eggs and mostly die immediately afterwards. Scientists at the University of Göttingen researched whether the short lifespan has an influence on the mating strategy of Furcifer labordi.

The study site was the dry forest of Kirindy in western Madagascar. Kirindy is located about 60 km north of the coastal town of Morondava and about 20 km from the sea in the Menabe region. During the rainy season in early 2020, 39 Furcifer labordi of both sexes were fitted with radio transmitters there. Weight and body length at the time of discovery as well as some other values were measured, and the sleeping height of the animals found at night was noted. The animals were released at the site where they were found. The researchers then tracked the chameleons twice during the day and once at night for several weeks using telemetry to record GPS data and establish movement and behaviour patterns.

The results of the study show that female Furcifer labordi in Kirindy are very site-faithful. They only cover short distances. In contrast, male Furcifer labordi move much more and over longer distances, so that seven to fourteen times more males than females could be observed in a forest section. The observed females mated with up to six different males – however, the researchers repeatedly found unmarked males among the observed females. This suggests that Furcifer labordi could actually have a significantly higher number of different reproductive partners. The individually very different body sizes of the males as well as differently pronounced nasal processes had no connection to movement patterns. Furthermore, it could be shown that Furcifer labordi does not occupy and defend territories. This means that presumably the short lifespan actually leads to competition for the few available females being more intense – and as observations show also more aggressive – than in other chameleon species. This study is the first investigation of the mating system of a Malagasy chameleon.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Published in Scientific Reports 12
Open Access (free download possible)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

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