Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Chamäleons im Schutzgebiet Ivohiboro (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Nachdem vor zwei Jahren eine erste kleine Studie über die Herpetofauna von Ivohiboro veröffentlicht wurde, gibt es nun weitere Forschungsarbeit von dort. Das Schutzgebiet Ivohiboro liegt im Südosten Madagaskars, südwestlich der südlichsten Ausläufer des Andringitra-Gebirges. Der Wald selbst ist rund 8,58 km² groß und nimmt damit nur einen kleinen Teil des 37,82 km² großen Schutzgebietes ein. Er ist umgeben von Savannen und überspannt Höhenlagen von 650 bis 1460 m über Meeresniveau. Das Schutzgebet wird derzeit von lokalen Organisationen sowie dem madagassischen Umweltministerium verwaltet.

2016 und 2023 wurden auf je 16 und 26 Bäumen sogenannten „vertical surveys“ in Ivohibory und Analamary durchgeführt. Dabei wird ein Baum von unten nach oben beklettert und jedes gefundene Tier dokumentiert und ggf. beprobt. Außerdem wird am Boden in einem 10 m Radius um den Baum nach Tieren gesucht. Leider setzte in beiden Jahren die Regenzeit verzögert ein, so dass es trockener als erwartet war, was für die Herpetofauna eher ungünstig ist. Zusätzlich wurden einige Einzelbeobachtungen in die Studie mit einbezogen.

Alle gefundenen Tiere wurden dokumentiert und, wenn möglich, bis auf Gattungs- oder Artebene bestimmt. Gefundene Frösche wurden zwecks genetischer Untersuchungen beprobt. Insgesamt konnten 22 verschiedene Arten von Amphibien und 32 Arten Reptilien gefunden werden.

An Chamäleons wurden Calumma andringitraense, Calumma crypticum, Calumma oshaughnessyi, eine bisher genetisch noch nicht untersuchte Population von Calumma cf. fallax, Furcifer lateralis und Palleon nasus in Ivohiboro gefunden. Dabei war auffällig, dass vor allem die Calumma-Arten im Mittel stets weit oben in den Bäumen gefunden wurden.

From ground to canopy: A molecularly verified herpetofaunal inventory of a Madagascar Protected Area
Edmund W. Basham, Matteo D. Masotti, Iris E. Schmeder, Miguel Vences, Denis Razafitsimialona, Georges M. Andrianantenaina, Dina Andrianoely, Chloé M. Allen-Love, Brett R. Scheffers, Kelly R. Zamudio, Patricia C. Wright
Journal of Herpetology 60(2), 2026: 1-12
DOI: 10.1670/2644616
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Foto: In Ivohiboro gefundenen Chamäleons, von links oben nach rechts unten Calumma crypticum, Calumma andringitraense, Calumma fallax und Calumma oshaughnessyi, aus der genannten Publikation

[:de]Invasive Pflanze tötet Chamäleons[:en]Invasive plant kills chameleons[:]

[:de]Invasive Pflanze tötet Chamäleons[:en]Invasive plant kills chameleons[:]

Beobachtungen

[:de]

Eine interessante Beobachtung machte ein Madagaskarreisender mit seinem Guide im letzten Jahr: In Ranomafana im südlichen Hochland der Insel beobachtete er zwei Mal, dass Calumma oshaughnessyi Jungtiere sich in einer invasiven Pflanze verfangen und offenbar in Folge dessen gestorben waren. Die Autoren vermuten, dass die Tiere sich nicht mehr von den kleinen, feinen Widerhaken der Pflanze lösen konnten und dadurch möglicherweise verhungerten.

Die betreffende Pflanze ist der Spanische Klee (Desmodium uncinatum), der sich heute bereits weltweit verbreitet hat. Er ist eine gute Futterpflanze für Vieh, das auf Madagaskar einen hohen Symbolwert hat. Aus Indien und Australien gibt es jedoch Fallberichte, laut denen sich Fledermäuse und andere kleine Säugetiere an den klett-ähnlichen Pflanzenstängeln verfingen und starben. Untersuchungen zu diesem Thema wären sicher spannend und insbesondere für Jungtiere von Chamäleons auch durchaus wichtig.

Natural History Notes: Calumma oshaughnessyi
Michael Nash, Patrick Adriamihaja
Herpetological Review 55(3), 2024
DOI: nicht vorhanden

Foto: aus der genannten Publikation[:en]

An interesting observation was made by a Madagascar traveler and his guide last year: in Ranomafana in the southern highlands of the island, he observed Calumma oshaughnessyi juveniles twice becoming entangled in an invasive plant and apparently dying as a result. The authors suspect that the animals were unable to free themselves from the small, fine barbs of the plant and may have starved to death as a result.

The plant in question is the Spanish clover (Desmodium uncinatum), which has already spread worldwide. It is a good fodder plant for cattle, which has a high symbolic value in Madagascar. However, there are case reports from India and Australia of bats and other small mammals becoming entangled in the Velcro-like plant stems and dying.

Natural History Notes: Calumma oshaughnessyi
Michael Nash, Patrick Adriamihaja
Herpetological Review 55(3), 2024
DOI: not available

Photo: from the publication mentioned[:]