[:de]Chamäleons als Beute von Compsophis infralineatus[:en]Chameleons as prey of Compsophis infralineatus[:]

[:de]Chamäleons als Beute von Compsophis infralineatus[:en]Chameleons as prey of Compsophis infralineatus[:]

Beobachtungen Wissenschaft

[:de]

Einige interessante Beobachtungen wurde kürzlich im zentralen Osten Madagaskars gemacht. Zwei Schlangen der Art Compsophis infralineatus, wurden dabei beobachtet, wie sie versuchten, Chamäleons als Beute zu verschlingen. Insgesamt weiß man von diesen Schlangen nicht besonders viel, man hielt sie jedoch lange vor allem für Frosch- und Eierfresser. Eine Beobachtung von 2018 berichtet bereits von einem Fressversuch einer anderen Compsophis-Art bei einem Chamäleon, das jedoch wieder ausgewürgt wurde.

Die aktuellen Beobachtungen wurden im privaten Regenwald von Vallombre Natiora nahe Mandraka gemacht. Bei Nachtwanderungen konnte eine adulte Compsophis infralineatus beim Verzehr eines adulten Calumma gastrotaenia entdeckt werden. Es wurde nicht der gesamte Prozess des Verzehrs beobachtet, die Schlange war bei Rückkehr an den Ort verschwunden, das Chamäleon ebenfalls. Die Autoren gehen davon aus, dass das Chamäleon erfolgreich verschlungen wurde. In der gleichen Nacht wurde eine weitere Schlange der gleichen Art beim Versuch, ein adultes Calumma crypticum zu fressen, gesehen. Das Chamäleon lebte noch und versuchte sich von der Umwindung der Schlange zu befreien, was jedoch zunächst nicht gelang. Später wurde die gleiche Schlange erneut gesehen, sie hing mit dem Maul im Rücken des offenbar noch lebenden, aber nicht mehr von der Schlange umschlungenen Chamäleons. Auf dem Foto scheint es, als würde das Chamäleon noch leben.

Predation on the chameleons Calummy crypticum Raxworthy and Nussbaum, 2006 and C. gastrotaenia (Boulenger, 1888) by the snake Compsophis infralineatus (Günther 1882) near Mandaka, Madagascar
Devin A. Edmonds and Samina S. Sam-Edmonds
Herpetology Notes (17), 2024: pp. 327-328
DOI:  nicht vorhanden

Foto: entstammt der oben genannten Publikation, CC BY-NC-ND 4.0[:en]

Some interesting observations were recently made in central eastern Madagascar. Two snakes of the species Compsophis infralineatus were observed trying to devour chameleons as prey. Overall, not much is known about these snakes, but they were long thought to be primarily frog and egg eaters. An observation from 2018 already reports an attempt by another Compsophis species to eat a chameleon, which was regurgitated.

The current observations were made in the private rainforest of Vallombre Natiora near Mandraka. During night walks, an adult Compsophis infralineatus was discovered eating an adult Calumma gastrotaenia. The entire process of consumption was not observed, the snake had disappeared on return to the site, as had the chameleon. The authors assume that the chameleon was successfully devoured. On the same night, another snake of the same species was seen attempting to eat an adult Calumma crypticum. The chameleon was still alive and tried to free itself from the snake’s coils, but seemed unsuccessful first. Later, the same snake was seen again, hanging with its mouth in the back of the chameleon, which was apparently still alive but no with the snake wrapped around it. In the photo, it appears that the chameleon is still alive.

Predation on the chameleons Calummy crypticum Raxworthy and Nussbaum, 2006 and C. gastrotaenia (Boulenger, 1888) by the snake Compsophis infralineatus (Günther 1882) near Mandaka, Madagascar
Devin A. Edmonds and Samina S. Sam-Edmonds
Herpetology Notes (17), 2024: pp. 327-328
DOI:  not available

Picture: from the above-mentioned publication, CC BY-NC-ND 4.0[:]

[:de]Länger im Ei als am Leben[:en]Longer in the egg than alive[:]

[:de]Länger im Ei als am Leben[:en]Longer in the egg than alive[:]

Internationaler Chamäleontag

[:de]

Ein Chamäleon, das länger im Ei ist als am Leben? Das gibt es! Natürlich ist es nicht bei jedem Labords Chamäleon (Furcifer labordi) so. Aber tatsächlich handelt es sich dabei um das wahrscheinlich kurzlebigste Chamäleon der Welt. Sie leben im Westen Madagaskars, wo es die meiste Zeit des Jahres sehr heiß und trocken ist. In der kurzen, intensiven Regenzeit schlüpfen die Chamäleons, wachsen in Rekordgeschwindigkeit zum adulten Tier heran, paaren sich sofort und legen schnell Eier, bevor die meisten noch in der gleichen Saison sterben. Das durchschnittliche Labords Chamäleon lebt dadurch nur drei bis fünf Monate! Dagegen liegen die Eier bis zur nächsten Regenzeit zwischen acht und zehn Monaten im Boden. Je nachdem, wie eine Regenzeit im Westen Madagaskars ausfällt, kann es also beim Labords Chamäleon passieren, dass im schlechtesten Fall die gesamte Population dieser Art nur im Ei existiert. Eine faszinierende, aber auch etwas gruselige Vorstellung.

#showyourcolours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Foto: Furcifer labordi Männchen, fotografiert von Lennart Hudel, Creative Commons Attribution 4.0 International[:en]

A chameleon that’s been in the egg longer than it’s been alive? It does exist! Of course, not every Labord’s chameleon (Furcifer labordi) is like this. But this is probably the shortest-lived chameleon in the world. They live in western Madagascar, where it is very hot and dry most of the year. During the short, intense rainy season, the chameleons hatch, grow to adulthood at record speed, mate immediately and lay eggs quickly before most of them die in the same season. The average Labord’s chameleon therefore only lives for three to five months! In contrast, the eggs lie in the ground for between eight and ten months until the next rainy season. Depending on how a rainy season turns out in western Madagascar, the Labord’s chameleon’s entire population may only exist in eggs in the worst-case scenario. A fascinating, but also somewhat creepy idea.

#showyourcolours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Picture: Furcifer labordi male, photographed by Lennart Hudel, Creative Commons Attribution 4.0 International[:]

[:de]Über 100 Jahre verschollen[:en]Lost for more than 100 years[:]

[:de]Über 100 Jahre verschollen[:en]Lost for more than 100 years[:]

Internationaler Chamäleontag

[:de]

Wusstest du, dass es ein Chamäleon gibt, das über 100 Jahre als verschollen galt? Das Voeltzkows Chamäleon (Furcifer voeltzkowi) war zuletzt 1913 gesehen worden. Seitdem galt es als verschollen, weil man weder den genauen Fundort kannte noch wusste, wie die Weibchen aussehen. Tatsächlich lebte die Art im Westen Madagaskars auf einer Halbinsel direkt gegenüber der großen Küstenstadt Mahajanga völlig ungestört vor sich hin. Bis sich 2018 ein deutsch-madagassisches Forscherteam auf den Weg machte, um die lang verschollene Art wiederzuentdecken. Es gelang ihnen – in einem Hotelgarten! Weshalb die Art so lange nicht beobachtet worden war, liegt vermutlich vor allem an der schlechten Erreichbarkeit der Halbinsel, auf der sie leben, und der Kurzlebigkeit der Tiere. Man geht davon aus, dass sie wie Furcifer labordi, einer nah verwandten Art, nur wenige Monate leben. Man kann sie daher nur zu einer bestimmten Jahreszeit finden.

#showyourcolours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Fotos: Furcifer voeltzkowi, Männchen und Weibchen, fotografiert von Alex Laube

[:en]

Did you know that there is a chameleon that was considered lost for over 100 years? Voeltzkow’s chameleon (Furcifer voeltzkowi) was last seen in 1913. Since then, it was considered lost because neither the exact location where it was found nor what the females looked like was known. In fact, the species lived completely undisturbed in western Madagascar on a peninsula directly opposite the large coastal town of Mahajanga. Until 2018, when a German-Madagascan research team set out to rediscover the long-lost species. They succeeded – in a hotel garden! The main reason why the species had not been observed for so long is probably due to the poor accessibility of the peninsula on which they live and the short lifespan of the animals. It is assumed that, like Furcifer labordi, a closely related species, they only live for a few months. They can therefore only be found at a certain time of year.

#showyourcolours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Photos: Furcifer voeltzkowi, male and female, photographed by Alex Laube

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[:de]Das größte Chamäleon der Welt[:en]The largest chameleon[:]

[:de]Das größte Chamäleon der Welt[:en]The largest chameleon[:]

Internationaler Chamäleontag

[:de]

Das größte Chamäleon der Welt – naja, eigentlich streiten sich mehrere Arten um den Titel. Drei Anwärter gibt es: Das Mellers Chamäleon (Trioceros melleri) aus Festland-Afrika, das Parsons Chamäleon (Calumma parsonii parsonii) aus Madagaskar und das Madagaskar-Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti).

Das Mellers Chamäleon kommt in den Bergen Tansanias, Nord-Mosambiks und Malawis vor. Als Hauptverbreitungsgebiet ist der Berg Zomba bekannt. Das größte bisher vermessene Chamäleons dieser Art soll 76 cm von der Nasen- bis zur Schwanzspitze gemessen und 600 g gewogen haben. Das Parsons Chamäleon dagegen kommt an verschiedenen Orten der zentralen und südlichen Ostküste Madagaskars vor. Hier soll das größte bisher gemessene Chamäleon 72 cm gehabt haben, aber beim Gewicht gibt es sogar Messungen über 700 g. Schwerer ist das Parsons Chamäleon also auf jeden Fall, die Größe kommt bei einigen Tieren gut an das Mellers Chamäleon heran. Bleibt noch das Madagaskar-Riesenchamäleon. Es kommt auf fast 70 cm und gewichtstechnisch bleibt es trotz teils beeindruckenden Größen fast immer unter 500 g. Es muss sich trotz seines Namens also wohl mit Platz drei begnügen.

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Fotos:
Trioceros melleri
Creative Commons Attribution 4.0 International, fotografiert von John Lyakurwa
Calumma parsonii parsonii, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, fotografiert von Jialiang Gao
Furcifer oustaleti, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, fotografiert von Sharp Photography

[:en]

The largest chameleon in the world – well, actually several species are fighting for the title. There are three contenders: the Meller’s chameleon (Trioceros melleri) from mainland Africa, the Parson’s Chameleon (Calumma parsonii parsonii) from Madagascar and the Madagascar giant chameleon (Furcifer oustaleti).

The Meller’s chameleon is found in the mountains of Tanzania, northern Mozambique and Malawi. The main distribution area is known to be Mount Zomba. The largest chameleon of this species measured to date is said to have measured 76 cm from the tip of its nose to the tip of its tail and weighed 600 g. The Parson’s chameleon, on the other hand, is found in various places on the central and southern east coast of Madagascar. Here, the largest chameleon measured so far is said to have been 72 cm long, but there are even measurements of over 700 g in weight. The Parson’s Chameleon is therefore definitely heavier, and the size of some animals comes close to that of the Meller’s chameleon. That leaves the Madagascar Giant Chameleon. It reaches almost 70 cm and, despite its sometimes impressive size, it almost always weighs less than 500 g. So despite its name, it will probably have to make do with third place.

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Pictures:
Trioceros melleri
Creative Commons Attribution 4.0 International, photographed by John Lyakurwa
Calumma parsonii parsonii, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, photographed by von Jialiang Gao
Furcifer oustaleti, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, photographed by Sharp Photography[:]

[:de]Das kleinste Chamäleon der Welt[:en]The smallest chameleon of the Earth[:]

Internationaler Chamäleontag

[:de]

Das kleinste Chamäleon der Welt ist zeitgleich auch der kleinste Amniot der Welt. Es heißt Brookesia nana – Nano-Chamäleon – und wurde erst 2021 entdeckt. Das ist bei seiner Größe auch gar nicht weiter verwunderlich – es wird nur 22 mm lang! Dabei ist das Männchen sogar noch etwas kleiner als das Weibchen, das mit 29 mm Gesamtlänge aber wahrlich auch kein Riese ist. Seine Heimat ist die Insel Madagaskar im Indischen Ozean, genauer im Sorata-Massif im Norden Madagaskars. Es lebt in Laubschichten am Fuße großer Bäume. Spannend ist auch noch eine andere Eigenschaft: Im Verhältnis zu seiner Körpergröße hat das Männchen dieser Art unglaublich große Hemipenes! Ja, Chamäleons haben zwei Penes statt einem einzigen Penis – praktisch, wenn mal einer kaputt geht. Aber beim Nano-Chamäleon betragen die Hemipenes 18,5% der gesamten Körperlänge. Das wäre beim Mensch so, als wäre der Penis bei einem 1,80 m großen Mann 33 cm lang.

Aber zurück zum Nano-Chamäleon selbst. Trotz seiner winzigen Größe pflanzt es sich wie viele andere Chamäleonarten über Eier fort, die im Laub abgelegt werden. Daraus schlüpfen noch winzigere Jungtiere, die sich von kleinsten Mikroinsekten am Boden ernähren. Insgesamt dürften die Winzlinge es jedoch relativ schwer im Regenwald haben, denn selbst jede Spinne ist größer als sie und sieht ein kleines Chamäleon sicher als willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan.Tatsächlich ist die Hautpbedrohung für die kleinen Chamäleons aber der Mensch. Das Nano-Chamäleon ist vermutlich schon vor seiner Entdeckung vom Aussterben bedroht gewesen.

Die Entdeckung war damals ein ziemlich großes Ding. Überall wurde berichtet, zum Beispiel in Die Welt, auf National Geographic, bei Scinexx, im GoodNews Magazin oder bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Original-Veröffentlichung findest du übrigens hier kostenlos zum Download. Und was wir bis heute noch nicht wissen: Gibt es vielleicht sogar noch ein kleineres Chamäleon? Nach Brookesia minima, Brookesia micra und Brookesia nana fehlt eigentlich nur noch Brookesia pika. Madagaskar hat ja schon einige Überraschungen bereit gehalten…vielleicht auch diese noch?

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

 

Video: EndangeREX, Timon Glaw[:en]

The world’s smallest chameleon is also the world’s smallest amniote. It is called Brookesia nana – Nano chameleon – and was only discovered in 2021. Given its size, this is hardly surprising – it is only 22 mm long! The male is even a little smaller than the female, which at 29 mm in total length is no giant either. Its home is the island of Madagascar in the Indian Ocean, more precisely in the Sorata Massif in northern Madagascar. It lives in layers of foliage at the foot of large trees. There is another exciting feature: in relation to its body size, the male of this species has incredibly large hemipenes! Yes, chameleons have two penes instead of a single penis – handy if one breaks. But in the nano chameleon, the hemipenes make up 18.5% of the total body length. In humans, that would be the same as if the penis of a 1.80 metre tall man were 33 cm long.

But back to the nano chameleon itself. Despite its tiny size, like many other chameleon species it reproduces by laying eggs in the foliage. These hatch into even tinier young, which feed on the smallest micro-insects on the ground. Overall, however, the tiny creatures are likely to have a relatively hard time in the rainforest, as even any spider is bigger than them and certainly sees a small chameleon as a welcome change on the menu, but in fact the main threat to the small chameleons is humans. The nano-chameleon was probably already threatened with extinction before it was discovered.

The discovery was a pretty big deal at the time. It was reported everywhere, for example in Die Welt, auf National Geographic, bei Scinexx, im GoodNews Magazin oder bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung. You can download the original publication for free here. And what we still don’t know: Is there perhaps even a smaller chameleon? After Brookesia minima, Brookesia micra and Brookesia nana, the only thing missing is Brookesia pika. Madagascar has already had a few surprises in store… maybe this one too?

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

 

Video: EndangeREX, Timon Glaw[:]

[:de]Neue Hoffnung für das Tarzan-Chamäleon[:en]New hope for Calumma tarzan[:]

[:de]Neue Hoffnung für das Tarzan-Chamäleon[:en]New hope for Calumma tarzan[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Calumma tarzan, das Tarzan-Chamäleon, wurde erst 2010 beschrieben. Es wurde damals benannt nach seinem Fundort Tarzanville, einem kleinen Dorf in der Region Anosibe An’Ala im zentralen Osten Madagaskars. Auf Grund des bis dahin angenommenen sehr kleinem Verbreitungsgebiet wurde die Art auf der roten Liste der IUCN direkt als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) eingestuft.

In den Jahren 2020 und 2021 haben madagassische Wissenschaftler an vielen weiteren Orten im Osten Madagaskars nach der Art gesucht – und sind prompt fündig geworden, wie eine aktuelle Publikation berichtet. Dazu suchten sie 46 Transekte von je einem Kilometer Länge in 23 verschiedenen Waldfragmenten ab. Weitere 28 Transekte von je 200 Meter Länge wurden untersucht, um die Populationsdichte einschätzen zu können.

Calumma tarzan konnte in 14 von 23 untersuchten Waldfragmenten gefunden werden. Keines dieser Vorkommen davon war zuvor bekannt. Die Art kam auf Höhen von 604 bis 1048 m vor. Die Populationsdichtenschätzung fiel sehr unterschiedlich aus. In einigen Gebieten leben nur 25 Chamäleons pro Hektar, in anderen mehr als dreimal so viele, nämlich 78.

Aktuell sind nur wenige der Waldfragmente geschützt. Die vorliegende Arbeit unterstreicht daher, wie dringend es ist, weitere Schutzgebiete in den östlichen Regenwäldern Madagaskars zu errichten. Nur so kann das Tarzan-Chamäleon noch gerettet werden.

New distribution records and population density of the critically endangered Tarzan chameleon (Calumma tarzan), eastern Madagascar
Alain J.V. Rakotondrina, Raphali R. Andriantsimanarilafy, Hanta J. Razafimanahaka, Achille P. Raselimanana, Rikki Gumbs, Caleb Ofori-Boateng, Jody M. Taft, Fanomezana M. Ratsoavina
African Journal of Herpetology, 2024
DOI: 10.1080/21564574.2023.2291358[:en]

Calumma tarzan, the Tarzan chameleon, was only described in 2010. It was named after the place where it was found, Tarzanville, a small village in the Anosibe An’Ala region in the centre-east of Madagascar. Due to the previously assumed very small distribution area, the species was immediately classified as „critically endangered“ on the IUCN Red List.

In 2020 and 2021, Malagasy scientists searched for the species in many other places in eastern Madagascar – and promptly found it, as a recent publication reports. They searched 46 transects, each one kilometre long, in 23 different forest fragments. A further 28 transects, each 200 metres long, were examined in order to assess the population density. Calumma tarzan was found in 14 of the 23 forest fragments analysed. None of these occurrences were previously known. The species occurred at altitudes of 604 to 1048 metres. Population density estimates varied greatly. In some areas there are only 25 chameleons per hectare, in others more than three times as many, namely 78.

Only a few of the forest fragments are currently protected. This study therefore emphasises how urgent it is to establish further protected areas in Madagascar’s eastern rainforests. This is the only way to save the Tarzan chameleon.

New distribution records and population density of the critically endangered Tarzan chameleon (Calumma tarzan), eastern Madagascar
Alain J.V. Rakotondrina, Raphali R. Andriantsimanarilafy, Hanta J. Razafimanahaka, Achille P. Raselimanana, Rikki Gumbs, Caleb Ofori-Boateng, Jody M. Taft, Fanomezana M. Ratsoavina
African Journal of Herpetology, 2024
DOI: 10.1080/21564574.2023.2291358[:]

[:de]Hautverfärbungen nach Mückenstichen[:en]Mosquito bites may induce skin colour change[:]

[:de]Hautverfärbungen nach Mückenstichen[:en]Mosquito bites may induce skin colour change[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Manchmal beginnt Wissenschaft ganz klein: Auf der Onlineplattform iNaturalist postete jemand letztes Jahr ein Foto eines Calumma globifer, auf dem eine Stechmücke saß. Genau dort konnte man eine schwarze Verfärbung der Schuppen erkennen. Ob da wohl ein Zusammenhang bestand?

Eine Hand voll neugieriger Menschen suchte mehr Fotos von Stechmücken auf Chamäleons und wurde fündig: Auf Facebook gab es welche von Jemenchamäleons, auf iNaturalist weitere von Furcifer minor und Furcifer nicosiai. Allerdings fanden sich auch sechs Beobachtungen mit Stechmücken auf Chamäleons, bei denen keine schwarzen Punkte vorhanden zu sein schienen.

Um den Zusammenhang zu testen, setzen Wissenschaftler auf Madagaskar zwei Furcifer oustaleti und vier Teppichchamäleons jeweils alleine in ein Gehege mit 25 weiblichen asiatischen Tigermücken (Aedes albopictus), die man vorher 24 h nicht gefüttert hatte. Parallel wurden alle sechs Chamäleons mit einer Nadel in die Haut gestochen, um zu testen, ob auch dieses „Trauma“ einen Farbwechsel der Haut auslösen würde. Die Ergebnisse waren überraschend: Bei den vier Furcifer lateralis entstanden zahlreiche schwarze Hautverfärbungen nach Mückenstichen, bei den beiden Furcifer outaleti keine einzige. Die Punktionen mit der Nadel blieben bei allen sechs ohne Folgen.

Die Autoren des gerade veröffentlichten Artikels schlagen drei mögliche Theorien vor, wie die Farbveränderung in der Chamäleonhaut zustanden kommen könnte: Der Mückenspeichel könnte eine Art Lokalanästhetikum, Stickstoffmonoxid oder andere Proteine enthalten, die für das ausschließliche Sichtbarwerden der Melanophoren der Haut sorgen. Weitere Forschung in diesem Feld wäre sicherlich spannend!

Mosqito bite-induced color change in chameleon skin
Pablo Garcia, Raul E. Diaz Junior, Christopher V. Anderson, Tovo M. Andrianjafy, Len de Beer, Devin A. Edmonds, Ryan M. Carney
Herpetological Review 54(3), 2023, pp.353-358[:en]

Sometimes science starts small: last year, someone posted a photo of a Calumma globifer with a mosquito sitting on it on the online platform iNaturalist. Right there you could see a black discoloration of the scales. I wonder if there was a connection?

A handful of curious people searched for more photos of mosquitoes on chameleons and found what they were looking for: On Facebook there were some of Veiled chameleons, on iNaturalist more of Furcifer minor and Furcifer nicosiai. However, there were also six observations of mosquitoes on chameleons that did not appear to have black spots.

To test the connection, scientists in Madagascar placed two Furcifer oustaleti and four carpet chameleons alone in an enclosure with 25 female Asian tiger mosquitoes (Aedes albopictus), which had not been fed for 24 hours beforehand. At the same time, all six chameleons were pricked in the skin with a needle to test whether this „trauma“ would also trigger a color change in the skin. The results were surprising: in the four Furcifer lateralis, numerous black skin discolorations developed after mosquito bites, in the two Furcifer outaleti not a single one. The punctures with the needle remained without consequences in all six.

The authors of the recently published article propose three possible theories as to how the color change in the chameleon’s skin could come about: The mosquito saliva could contain a type of local anesthetic, nitric oxide or other proteins that cause the skin’s melanophores to become exclusively visible. Further research in this field would certainly be exciting!

Mosqito bite-induced color change in chameleon skin
Pablo Garcia, Raul E. Diaz Junior, Christopher V. Anderson, Tovo M. Andrianjafy, Len de Beer, Devin A. Edmonds, Ryan M. Carney
Herpetological Review 54(3), 2023, pp.353-358[:]

[:de]Chamäleons in Bobaomby (Madagaskar)[:en]Chameleons in Bobaomby (Madagascar)[:]

[:de]Chamäleons in Bobaomby (Madagaskar)[:en]Chameleons in Bobaomby (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Der Bobaomby-Komplex liegt am nördlichsten Zipfel Madagaskars, nördlich und westlich der größten Küstenstadt des Nordens, Antsiranana (französisch Diego Suarez). Er besteht aus Trockenwald auf Meeresniveau bis maximal 200 m üNN sowie ausgedehnten Savannen auf Karstgestein und verschiedenen Felsformationen. Bisher unterliegt die Gegend keinerlei Schutz.

Wissenschaftler aus Madagaskar führten 2018 Zählungen von Reptilien im Bobaomby Komplex durch. Gezählt wurde im Februar und März, also während der Regenzeit. Fünf verschiedene Orte wurden untersucht: Beantely, Antsisikala und Ambanililabe als Beispiele unterschiedlich stark zerstörten Trockenwalds, Anjiabe wegen seines intakten Trockenwalds und Ampombofofo mit relativ intaktem Wald. Um Tiere zu finden, wurde an 25 Tagen zum einen mit dem bloßen Auge tagsüber und nachts in ausgewählten Transekten gesucht, teils gezielt in geeignet erscheinenden Habitaten wie Blattachseln oder unter toten Baumstämmen, zum anderen wurden Fallgruben entlang aufgestellter Zäune genutzt.

Insgesamt wurden 42 Reptilienarten nachgewiesen. Alle davon, ausgenommen eine Gecko-Art, kommen ursprünglich nur auf Madagaskar vor, zwei weitere Gecko-Arten findet man inzwischen auch auf benachbarten Inseln. Bei den Chamäleons gibt es eine kleine Neuerung: Erstmals konnte das Erdchamäleon Brookesia ebenaui in Bobaomby, genauer in Beantely, nachgewiesen werden. Brookesia stumpffi und Furcifer petteri wurde in Beantely, Anjiabe und Ampombofofo gefunden. Furcifer pardalis und Furcifer oustaleti kamen wie erwartet im gesamten Bobaomby-Komplex vor.

Die Autoren schlagen vor, den Bobaomby-Komplex – insbesondere aber die drei Wälder, in denen die meisten Reptilien gefunden wurden, unter Schutz zu stellen, um die dortige Herpetofauna zu erhalten.

Overview of reptile diversity from Bobaomby complex, northern tip of Madagascar
Randriamialisoa, Raphali R. Andriantsimanarilafy, Alain J. Rakotondrina, Josué A. Rakotoarisoa, Nasaina T. Ranaivoson, Jeanneney Rabearivony, Achille P. Raselimanana
Animals 13: 3396, 2023
DOI:  10.3390/ani13213396

Foto: Furcifer petteri, männlich, im Norden Madagaskars, fotografiert von Alex Laube[:en]

The Bobaomby complex is located at the northernmost tip of Madagascar, north and west of the largest coastal town in the north, Antsiranana (Diego Suarez in French). It consists of dry forest at sea level up to a maximum of 200 metres above sea level as well as extensive savannahs on karst rock and various rock formations. The area has not been protected to date.

Scientists from Madagascar conducted reptile counts in the Bobaomby complex in 2018. The counts were carried out in February and March, i.e. during the rainy season. Five different locations were analysed: Beantely, Antsisikala and Ambanililabe as examples of varying degrees of degraded dry forest, Anjiabe for its intact dry forest and Ampombofofo with relatively intact forest. To find animals, the visual survey was used on 25 days during the day and at night in selected transects, sometimes specifically in suitable habitats such as leaf axils or under dead tree trunks, and pitfall traps along erected fences were also used.

A total of 42 reptile species have been recorded. All of them, except one gecko species, originally only occur on Madagascar, while two other gecko species are now also found on neighbouring islands. There is a small novelty among the chameleons: the leaf chameleon Brookesia ebenaui was recorded for the first time in Bobaomby, more precisely in Beantely. Brookesia stumpffi and Furcifer petteri were found in Beantely, Anjiabe and Ampombofofo. Furcifer pardalis and Furcifer oustaleti occurred as expected throughout the whole Bobaomby complex.

The authors suggest that the Bobaomby complex – especially the three forests where most of the reptiles were found – should be protected to preserve the local herpetofauna.

Overview of reptile diversity from Bobaomby complex, northern tip of Madagascar
Randriamialisoa, Raphali R. Andriantsimanarilafy, Alain J. Rakotondrina, Josué A. Rakotoarisoa, Nasaina T. Ranaivoson, Jeanneney Rabearivony, Achille P. Raselimanana
Animals 13: 3396, 2023
DOI:  10.3390/ani13213396

Photo: Furcifer petteri, male, in the north of Madagascar, photographed by Alex Laube[:]

[:de]Vortrag in Hamburg über Madagaskar[:en]Lecture in Hamburg about Madagascar[:]

[:de]Vortrag in Hamburg über Madagaskar[:en]Lecture in Hamburg about Madagascar[:]

Reiseberichte Vorträge

[:de]

AG-Mitglied Lars Dwinger zeigt gemeinsam mit Jutta Dwinger am Freitag, den 15. September 2023, einen bilderreichen Vortrag in Schleswig-Holstein. Die beiden bereisten im letzten Jahr den Norden Madagaskars, der bekannt ist für seine extreme Artenvielfalt.

Los geht die Reise im Nationalpark Marojejy, der sich über die Schluchten und steilen Hängen des gleichnamigen Gebirges erstreckt. Dort gibt es extrem selten fotografierte Chamäleons, aber auch einen großen Artenreichtum an Fröschen, Schlangen und Geckos zu sehen. Danach führte die Reise über die Ostküstenstädte Sambava und Vohémar in den Trockenwald von Daraina. Als nächstes Etappenziel standen die weltberühmten Tsingys im Nationalpark Ankarana auf dem Plan. Selbst in diesen beiden Trockenwäldern findet sich viel kleines und großes Leben. Den Abschluss macht das Camping inmitten eines Chamäleonparadieses: Dem Montagne d’Ambre im hohen Norden Madagaskars. Zwischen winzigen Erdchamäleons, die gerade auf eine Fingerkuppe passen, und den sanften Riesen des Regenwaldes begegnen den beiden Hamburgern auf dieser Reise viele faszinierende Geschöpfe.

Lars und Jutta Dwinger Streifzug durch vier Nationalparks im Norden Madagaskars
Terrarien-Freunde-Hamburg e.V.
Vereinsheim des SC Condor (5 min vom U-Bahnhof Farmsen zu Fuß!)
Berner Heerweg 188
22159 Hamburg
Vortragsbeginn 18 Uhr

Foto: Brookesia betschi in Marojejy, fotografiert von Jutta Dwinger[:en]

Together with Jutta Dwinger, AG member Lars Dwinger will be giving a presentation full of pictures in Schleswig-Holstein on Friday, 15th September 2022. Last year, the two travelled to the north of Madagascar, which is known for its extreme biodiversity.

The journey begins in the Marojejy National Park, which stretches across the gorges and steep slopes of the mountain range of the same name. There you can see extremely rarely photographed chameleons, but also a great variety of frogs, snakes and geckos. Afterwards, the journey led via the east coast towns of Sambava and Vohémar to the dry forest of Daraina. The next stop was the world-famous Tsingys in Ankarana National Park. Even in these two dry forests, there is a lot of small and big life. The final stop was camping in the middle of a chameleon paradise: The Montagne d’Ambre in the far north of Madagascar. Between tiny earth chameleons that just fit on the tip of a finger and the gentle giants of the rainforest, the two Hamburgers encounter many fascinating creatures on this trip.

Lars und Jutta Dwinger  Foray through four national parks in the north of Madagascar
Terrarien-Freunde-Hamburg e.V.
Vereinsheim des SC Condor
Berner Heerweg 188
22159 Hamburg
Start of the presentation at 6 p.m.

Picture: Brookesia betschi in Marojejy, photographed by Jutta Dwinger[:]

[:de]Chamäleons in der Mythologie[:en]Chameleons in mythology[:]

[:de]Chamäleons in der Mythologie[:en]Chameleons in mythology[:]

Allgemeines Zeitungsartikel

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Mit seinen unabhängig voneinander beweglichen Augen, der schießenden Zunge und der Fähigkeit zum Farbwechsel war das Chamäleon schon in der Antike Gegenstand von Aberglaube und Mythen – und ist es bis heute vielerorts geblieben. Ein jetzt erschienener Artikel von Prof. Dr. Wolfgang Böhme und Naturhistoriker Thore Koppetsch beschäftigt sich mit genau diesem Thema.

Der Inhalt reicht vom sogenannten Brooklyn-Papyrus, das ein nach wie vor ungeklärtes „Farben wechselndes“ Wesen der Antike beschrieb, bis zu skurrilen Ereignissen mit Muttermilch und Chamäleons im Gambia unserer Zeit. Der wohl älteste schriftliche Nachweis eines Chamäleons stammt aus Griechenland, von Aristoteles persönlich, der von 384 bis 322 vor Christus lebte. Auf das Griechische, geht vermutlich auch der Begriff Chamäleon selbst zurück: chamai und leon wurden zusammengesetzt zum „Erdlöwen“. Ganz unumstritten ist diese Deutung für die Herkunft des Wortes jedoch nicht. Der Artikel beschäftigt sich des Weiteren mit Aberglauben auf der Insel Samos, in Marokko, Tunesien, Togo, Benin, Kamerun sowie auf Madagaskar und der Nutzung von Chamäleons für Pseudomedizin und Okkultismus.

Chamäleons in der Mythologie der Völker
Wolfgang Böhme, Thore Koppetsch
Koenigiana 17, 2023, pp. 39-50
DOI: nicht vorhanden[:en]

With its independently moving eyes, shooting tongue and ability to change colour, the chameleon was already the subject of superstition and myths in ancient times – and has remained so in many places to this day. An article now published by Prof. Dr. Wolfgang Böhme and natural historian Thore Koppetsch deals with precisely this topic.

The content ranges from the so-called Brooklyn Papyrus, which described a still unexplained „colour-changing“ creature of antiquity, to bizarre events involving mother’s milk and chameleons in the Gambia of our time. Probably the oldest written record of a chameleon comes from Greece, from Aristotle himself, who lived from 384 to 322 BC. The term chameleon itself probably goes back to the Greek: chamai and leon were put together to form „earth lion“. However, this interpretation of the origin of the word is not entirely undisputed. The article also deals with superstitions on the island of Samos, in Morocco, Tunisia, Togo, Benin, Cameroon and Madagascar, and the use of chameleons for pseudo-medicine and occultism.

Chamäleons in der Mythologie der Völker
Wolfgang Böhme, Thore Koppetsch
Koenigiana 17, 2023, pp. 39-50
DOI: nicht vorhanden[:]