[:de]Zweiter Supermuskel in der Chamäleonzunge entdeckt[:en]Scientists discover second ’super muscle‘ in chameleon tongues[:]

[:de]Zweiter Supermuskel in der Chamäleonzunge entdeckt[:en]Scientists discover second ’super muscle‘ in chameleon tongues[:]

Wissenschaft

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Wissenschaftler beschäftigen sich seit Menschengedenken damit, wie die Zunge von Chamäleons so extrem lang aus dem Maul herausgeschossen werden kann. US-amerikanishe Biologen  haben nun ein weiteres Puzzlestück zur Funktion der Chamäleonzunge klären könen.

In der Studie wurde an 15 Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) verschiedenen Experimente durchgeführt. Alle 15 Tiere wurden zunächst mittels überdosierter Gasnarkose narkotisiert, um sie dann mittels Dekapitation zu töten.  Die vier Zungenmuskeln wurden dann herauspräpariert und in Messgeräte eingespannt. Mittels Stroms wurden die Muskeln stimuliert und die passive/aktive Kräfte sowie verschiedene Muskellängen gemessen. Anschließend wurden eine Reihe Berechnungen durchgeführt und Muskeln histologisch untersucht. Zusätzlich wurden Embryonen immunhistochemisch untersucht, die man zuvor aus Eiern gewonnen hatte, um festzustellen, ob die Zungenmuskeln in ihrer Entwicklung aus der gleichen oder zwei unterschiedlichen Muskelanlagen hervorgehen.

Die Ergebnisse der Studie sind sehr interessant und stützen sich vor allem auf die sogennanten Sarkomere der Muskeln. Ein Sarkomer ist die kleinste kontraktile Einheit des Muskels – also der Teil, der für die Ausdehnung und Kontraktion der Muskulatur zuständig ist. An beiden Enden jedes Sarkomers liegen die sogenannten Zwischenscheiben, abgekürzt Z-Scheiben. Quergestreifte Muskulatur, also unter anderem die Muskeln, die Arme, Beine und Körperstamm eines Wirbeltieres bewegen, können sich etwa auf die Hälfte ihrer Ruhelänge verkürzen. Bei Chamäleons gibt es jedoch einen ganz speziellen Typ Muskel, den sogenannten superkontrahierenden Muskel. Dabei handelt es sich per Definition um einen quergestreiften Muskel, dem es möglich ist, sich auch auf weniger als die Hälfte seiner Ruhelänge zu verkürzen. Beim Rektraktor der Zunge, dem Musculus hyoglossus, handelt es sich um genau so einen Muskel. Bei diesem Muskel sorgen perforierte Z-Scheiben an den Sarkomeren dafür, dass er sich weitaus besser ausdehnen kann als normale quergestreifte Muskulatur.

In der vorliegenden Studie wurde festgestellt, dass noch ein zweiter superkontrahierender Muskel am Zungenschuss beteiligt ist: Der Musculus sternohyoideos superficialis. Bei seinem Gegenstück, dem Musculus sternohyoideus profundus, konnten jedoch keine perforierten Z-Scheiben an den Sarkomeren nachgewiesen werden. Sein Längen-Spannungs-Verhältnis entsprach jedoch den beiden superkontrahierenden Zungenmuskeln. Das könnte aber durch den sehr breiten Ansatz des Muskels am Zungenbein kompensiert werden. Während des Zungenschusses werden diese Bereiche des Zungenbeins schnell gedreht, was die Sarkomere mechanisch verändern könnte.

Mittels Immunhistochmie konnten die Biologen außerdem an Chamäleon-Embryonen zeigen, dass die beiden Muskeln sich aus unterschiedlichen Anlagen entwickeln, was zur unterschiedlichen Ausprägung der Sarkomere passt. Sowohl der Musculus hyoglossus als auch die Musculi sternohyoidei bilden einen gemeinsamen Muskelapparat, wobei einer der Muskeln sogar bis ans Brustbein reicht. Das bedeutet, dass die maximale Länge der Chamäleonzunge beim Schuss nicht nur durch die besonderen Eigenschaften der Zungenmuskulatur ermöglicht wird, sondern auch durch die Gesamtlänge des Muskelapparates. Bei keinem anderen Wirbeltier weltweit wurden bisher zwei superkontrahierende Muskeln nachgewiesen.

Feats of supercontractile strength: functional convergence of supercontracting muscle properties among hyoid musculature in chameleons
Nikole G. Schneider, Nicholas A. Henchal, Raul E. Diaz Jr., Christopher V. Anderson
Proceedings B of Royal Society Publishing, 2025
DOI: 10.1098/rspb.2025.0078

Abbildung: Schematische Darstellung der Zungenmuskulatur und des Zungenbeins beim Jemenchamäleon aus der genannten Publikation[:en]

Scientists have been investigating how chameleons‘ tongues can shoot out of their mouths to such an extreme length for as long as anyone can remember. US biologists have now been able to solve another piece of the chameleon tongue puzzle.

In the study, experiments were carried out on 15 Veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus). All 15 animals were first anaesthetised using overdosed gas anaesthesia and then killed by decapitation. The four tongue muscles were then dissected out and clamped in measuring devices. The muscles were stimulated with an electric current and the passive/active forces and various muscle lengths were measured. A series of calculations were then carried out and muscles were examined histologically. In addition, embryos previously obtained from eggs were analysed immunohistochemically to determine whether the tongue muscles develop from the same or two different muscle systems.

The results of the study are very interesting and focus primarily on the so-called sarcomeres of the muscles. A sarcomere is the smallest contractile unit of the muscle – i.e. the part that is responsible for the expansion and contraction of the muscles. At both ends of each sarcomere are the so-called intermediate discs (German „Zwischenscheibe“), abbreviated as Z-discs. Transverse striated muscles, i.e. the muscles that move the arms, legs and trunk of a vertebrate, can shorten to about half their resting length. In chameleons, however, there is a very special type of muscle, the so-called supercontracting muscle. By definition, this is a striated muscle that is able to shorten to less than half its resting length. The rectractor of the tongue, the hyoglossus muscle, is just such a muscle. In this muscle, perforated Z-discs on the sarcomeres ensure that it can stretch far better than normal striated muscles.

In the present study, it was found that a second supercontracting muscle is involved in the tongue shot: the sternohyoid superficialis muscle. In its counterpart, the sternohyoid profundus muscle, surprisingly, no perforated Z-discs could be detected at the sarcomeres. However, its length-tension ratio corresponded to the two supercontracting tongue muscles. This could be compensated for by the very broad attachment of the muscle to the hyoid bone. During tongue shooting, these areas of the hyoid bone are rapidly rotated, which could mechanically alter the sarcomeres.

Using immunohistochemistry, the biologists were also able to show in chameleon embryos that the two muscles develop from different origins, which is consistent with the different sarcomeres. Both the hyoglossus muscle and the sternohyoid muscles form a muscular unit, with one of the muscles even extending to the sternum. This means that the maximum length of the chameleon tongue when shooting is not only made possible by the special properties of the tongue muscles, but also by the overall length of the muscular unit. No other vertebrate in the world has ever been found to have two supercontracting muscles.

Feats of supercontractile strength: functional convergence of supercontracting muscle properties among hyoid musculature in chameleons
Nikole G. Schneider, Nicholas A. Henchal, Raul E. Diaz Jr., Christopher V. Anderson
Proceedings B of Royal Society Publishing, 2025
DOI: 10.1098/rspb.2025.0078

Figure: Schematic representation of the tongue muscles and hyoid bone in the Veiled chameleon from the aforementioned publication[:]

[:de]Das größte Chamäleon der Welt[:en]The largest chameleon[:]

[:de]Das größte Chamäleon der Welt[:en]The largest chameleon[:]

Internationaler Chamäleontag

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Das größte Chamäleon der Welt – naja, eigentlich streiten sich mehrere Arten um den Titel. Drei Anwärter gibt es: Das Mellers Chamäleon (Trioceros melleri) aus Festland-Afrika, das Parsons Chamäleon (Calumma parsonii parsonii) aus Madagaskar und das Madagaskar-Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti).

Das Mellers Chamäleon kommt in den Bergen Tansanias, Nord-Mosambiks und Malawis vor. Als Hauptverbreitungsgebiet ist der Berg Zomba bekannt. Das größte bisher vermessene Chamäleons dieser Art soll 76 cm von der Nasen- bis zur Schwanzspitze gemessen und 600 g gewogen haben. Das Parsons Chamäleon dagegen kommt an verschiedenen Orten der zentralen und südlichen Ostküste Madagaskars vor. Hier soll das größte bisher gemessene Chamäleon 72 cm gehabt haben, aber beim Gewicht gibt es sogar Messungen über 700 g. Schwerer ist das Parsons Chamäleon also auf jeden Fall, die Größe kommt bei einigen Tieren gut an das Mellers Chamäleon heran. Bleibt noch das Madagaskar-Riesenchamäleon. Es kommt auf fast 70 cm und gewichtstechnisch bleibt es trotz teils beeindruckenden Größen fast immer unter 500 g. Es muss sich trotz seines Namens also wohl mit Platz drei begnügen.

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Fotos:
Trioceros melleri
Creative Commons Attribution 4.0 International, fotografiert von John Lyakurwa
Calumma parsonii parsonii, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, fotografiert von Jialiang Gao
Furcifer oustaleti, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, fotografiert von Sharp Photography

[:en]

The largest chameleon in the world – well, actually several species are fighting for the title. There are three contenders: the Meller’s chameleon (Trioceros melleri) from mainland Africa, the Parson’s Chameleon (Calumma parsonii parsonii) from Madagascar and the Madagascar giant chameleon (Furcifer oustaleti).

The Meller’s chameleon is found in the mountains of Tanzania, northern Mozambique and Malawi. The main distribution area is known to be Mount Zomba. The largest chameleon of this species measured to date is said to have measured 76 cm from the tip of its nose to the tip of its tail and weighed 600 g. The Parson’s chameleon, on the other hand, is found in various places on the central and southern east coast of Madagascar. Here, the largest chameleon measured so far is said to have been 72 cm long, but there are even measurements of over 700 g in weight. The Parson’s Chameleon is therefore definitely heavier, and the size of some animals comes close to that of the Meller’s chameleon. That leaves the Madagascar Giant Chameleon. It reaches almost 70 cm and, despite its sometimes impressive size, it almost always weighs less than 500 g. So despite its name, it will probably have to make do with third place.

#show your colours #internationalchameleonday #chameleonday #chameleondayMay9 #agchamaeleons

Pictures:
Trioceros melleri
Creative Commons Attribution 4.0 International, photographed by John Lyakurwa
Calumma parsonii parsonii, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, photographed by von Jialiang Gao
Furcifer oustaleti, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, photographed by Sharp Photography[:]