[:de]Nutzung von Lappenchamäleons auf städtischen Heiler-Märkten in Südafrika[:en]Utilisation of flap-necked chameleons at urban markets in South Africa[:]

[:de]Nutzung von Lappenchamäleons auf städtischen Heiler-Märkten in Südafrika[:en]Utilisation of flap-necked chameleons at urban markets in South Africa[:]

Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler der African Amphibian Conservation Research Group haben die existente Literatur zum Thema ausgewertet. Fortunate M. Phaka besuchte außerdem sechs städtische Märkte in Durban, Johannesburg, Petermaritzburg, Polokwane und Pretoria. Auf den Märkten suchte er nach für medizinische Zwecke verkaufte Amphibien und Reptilien und deren Benennung durch die Verkäufer. 11 traditionelle Gesundheitspraktiker in Limpopo, Gauteng und KwaZulu-Natal konnte er ausführlich befragen, von neun davon durfte er Proben der verkauften Amphibien und Reptilien zur Artidentifikation mitnehmen.

Insgesamt konnten 33 Arten Reptilien und eine Amphibienart in der Nutzung für traditionelle Medizin identifiziert werden. Bei den Marktbesuchen wurden neun davon vor Ort gefunden und identifiziert. Die befragten traditionellen Heiler gaben an, die genutzten Tierteile entweder selbst gejagt, Jägern abgekauft oder aus überfahrenen Tieren entnommen zu haben. Fett und innere Organe werden entfernt, die Karkassen mit Asche oder Salz eingerieben und in der Sonne getrocknet. Gewöhnlich werden keine vollständigen Karkassen von den Kunden der Heiler gekauft, sondern nur kleine Teile der angebotenen Reptilien. Von den 111 entnommenen Tierproben konnte bei 90 noch genügend DNA zur Identifikation der Art gewonnen werden. 23% der getesteten Proben waren falsch benannt worden.

Chamaeleo dilepis war unter den genutzten Reptilienarten. Es konnte zwar kein vollständiges Chamäleon auf den besuchten Märkten gefunden werden. Auf dem Warwick Muthi Market in KwaZulu-Natal wurden aber mehrere Reptilienteile beprobt, die laut DNA-Vergleich von Lappenchamäleons stammten. Chamäleons generell wurden von den Heilern nicht auf Artebene bestimmt. Das IsiZulu Wort unwabu steht für jedes Chamäleon.

Barcoding and traditional health practitioner perspectives are informative to monitor and conserve frogs and reptiles traded for traditional medicine in urban South Africa
Fortunate M. Phaka, Edward C. Netherlands, Maarten Van Steenberge, Erik Verheyen, Gontran Sonet, Jean Hugé, Louis H. du Preez, Maarten P.M. Vanhove

Molecular Ecology Resources Vol 25(2), 2025
DOI: 10.1111/1755-0998.13873[:en]

Scientists from the African Amphibian Conservation Research Group have analysed the existing literature on the subject. Fortunate M. Phaka also visited six municipal markets in Durban, Johannesburg, Petermaritzburg, Polokwane and Pretoria. At the markets, he searched for amphibians and reptiles sold for medicinal purposes and the names given to them by the vendors. He was able to interview 11 traditional health practitioners in Limpopo, Gauteng and KwaZulu-Natal in detail, from nine of whom he was allowed to take samples of the amphibians and reptiles sold for species identification.

In total, 33 species of reptiles and one species of amphibian used for traditional medicine were identified. Nine of these were found and identified on site during the market visits. The traditional healers interviewed stated that they had either hunted the animal parts themselves, bought them from hunters or taken them from roadkill. Fat and internal organs are removed, the carcasses are rubbed with ash or salt and dried in the sun. Usually, the healers‘ customers do not buy complete carcasses, but only small parts of the reptiles on offer. Of the 111 animal samples taken, sufficient DNA to identify the species was obtained from 90 of them. 23% of the samples tested were incorrectly named by the healers.

Chamaeleo dilepis was among the reptile species utilised. No complete chameleon could be found at the markets visited. At the Warwick Muthi Market in KwaZulu-Natal, however, several reptile parts were sampled which, according to DNA comparisons, came from lobed chameleons. Chameleons in general were not identified to species level by the healers. The IsiZulu word unwabu stands for any chameleon.

Barcoding and traditional health practitioner perspectives are informative to monitor and conserve frogs and reptiles traded for traditional medicine in urban South Africa
Fortunate M. Phaka, Edward C. Netherlands, Maarten Van Steenberge, Erik Verheyen, Gontran Sonet, Jean Hugé, Louis H. du Preez, Maarten P.M. Vanhove
Molecular Ecology Resources Vol 25(2), 2025
DOI: 10.1111/1755-0998.13873

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[:de]Chamaeleo gracilis in Nechisar (Äthiopien)[:en]Chamaeleo gracilis in Nechisar (Ethiopia)[:]

[:de]Chamaeleo gracilis in Nechisar (Äthiopien)[:en]Chamaeleo gracilis in Nechisar (Ethiopia)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Innerhalb der letzten hundert Jahre hat der Mensch den Wald Äthiopiens von etwa 40% der Fläche auf nur noch 2,36% reduziert. Trotzdem ist über die herpetologische Fauna des Landes immer noch stellenweise wenig bekannt. Wissenschaftler aus Ägypten, den USA und Äthiopien haben kürzlich eine Übersichsstudie in einem Nationalpark durchgeführt.

Der Nationalpark Nechisar liegt im Südwesten Äthiopiens auf der Linie des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, über 500 km südlich der Hauptstadt Addis Abeba. Necisar verfügt über eine Fläche von 514 km², die im Norden und Süden von zwei Seen, im Osten vom Amaraogebirge und im Westen von der Stadt Arbaminch begrenzt wird. In Nechisar ist es das ganze Jahr über sehr heiß mit nur wenig Niederschlag.

Insgesamt zwei Expeditionen während der Regen- und zwei während der Trockenzeit wurden durchgeführt. Dabei wurden Transekte mit einer Gesamtlänge von 290 km bei neun Metern Breite abgelaufen, 230 km davon in Graslandschaft und steinigem Gelände, 60 km im Wald und entlang der Seeufer. Neben manueller Suche mit dem bloßen Auge wurden kleine Fallgruben und Abdeckbleche genutzt.

Insgesamt konnten 34 Arten von Reptilien gefunden werden, darunter auch Chamaeleo gracilis. Die Art wurde zwei Mal entdeckt. Beide Chamäleons befanden sich bei Fund in der Nähe verschiedener Flüsse, eines im Buschland und eines im Wald.

Survey of reptiles in Nechisar National Park, Southern Ethiopia
Samy A. Saber, Fikirte Gebresenbet, Afework Bekele, Eman N. Salama
Russian Journal of Herpetology 31(5): 291-301
DOI: 10.30906/1026-2296-2024-31-5-293-301[:en]

Over the last hundred years, humans have reduced Ethiopia’s forest cover from around 40% to just 2.36%. Despite this, little is still known about the country’s herpetological fauna in some places. Scientists from Egypt, the USA and Ethiopia recently carried out a survey study in a national park.

Necisar National Park is located in south-west Ethiopia on the line of the Great Rift Valley, more than 500 kilometres south of the capital Addis Ababa. Necisar covers an area of 514 square kilometres, bordered to the north and south by two lakes, to the east by the Amarao Mountains and to the west by the town of Arbaminch. Nechisar is very hot all year round with very little rainfall.

A total of two expeditions were carried out during the rainy season and two during the dry season. Transects with a total length of 290 km and a width of nine metres were covered, 230 km of which were in grassland and stony terrain, 60 km in the forest and along the lakeshore. In addition to manual searches with the naked eye, small pitfall traps and cover plates were used.

A total of 34 species of reptiles were found, including Chamaeleo gracilis. The species was discovered twice. Both chameleons were found near different rivers, one in the scrubland and one in the forest.

Survey of reptiles in Nechisar National Park, Southern Ethiopia
Samy A. Saber, Fikirte Gebresenbet, Afework Bekele, Eman N. Salama
Russian Journal of Herpetology 31(5): 291-301
DOI: 10.30906/1026-2296-2024-31-5-293-301[:]

[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Montréal (Frankreich) haben kürzlich die Todesursachen bei in Zoos gehaltenen Chamäleons zwischen 2011 und 2022 untersucht. Über das Zoological Information Management System (ZIMS) wurden Zoos gesucht, die aktuell Chamäleons halten oder seit 2011 hielten. Fragebögen wurden an insgesamt 245 Zoos verschickt. In den Fragebögen wurde die Zahl, Art und Geschlecht gehaltener Chamäleons abgefragt, außerdem ausgesuchte Haltungsbedingungen (kühlste und wärmste Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Fütterung) und Sektionsergebnisse.

Rund 1000 Chamäleons 36 verschiedener Arten werden derzeit in Zoos weltweit gehalten. 65 der befragten Zoos nahmen an der Studie teil, wovon immerhin 48 regelmäßig Sektionen an Chamäleons durchführten. Jedoch konnten nur 29 der teilnehmenden Zoos Sektionsergebnisse vorlegen. Insgesamt wurden 412 Pathologiebefunde von 14 verschiedenen Chamäleonarten ausgewertet. Unter den gehaltenen Arten waren Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, Chamäleons des Genus Brookesia ohne Artangabe, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium und Trioceros quadricornis. Am häufigsten wurden Pantherchamäleons gehalten (226 Tiere).

Die statistische Auswertung ergab, dass mit 46,8% die meisten Chamäleons in den teilnehmenden Zoos an infektiösen Erkrankungen starben. Zu den infektiösen Erkrankungen wurden dabei Septikämien, aber auch Entzündungen von Maulhöhle, Lunge, Leber und Nieren sowie Darm gezählt. Fast 20% der infektiösen Erkrankungen fielen auf den Bereich der Maulhöhle. Bei den Bakterien kamen Enterococcus und Pseudomonas am häufigsten vor. Bei den Pilzen waren Nannizziopsis einschließlich CANV, Fusarium und Metarhizium vertreten. Gut ein Drittel der Sektionsberichte gab zusätzlich Parasitosen an, wobei diese sowohl als Todesursache als auch als Zufallsbefund vorkamen. Kokzidien und Trematoden sowie diverse Nematoden waren hier oft vorhanden. Als zweithäufigste Todesursache in den teilnehmenden Zoos wurden mit 11,4% nichtinfektiöse Nierenerkrankungen angegeben. Nur knapp dahinter rangierten mit 10,7% der Fälle Erkrankungen des Reproduktionstraktes, darunter Legenot und Eidottercoelomitis.

Entgegen der ersten Annahme der Autoren zeigte sich kein Zusammenhang zwischen den abgefragten Haltungsparametern im Terrarium und dem Vorkommen von Nierenerkrankungen. Grundlegend gab es eine Tendenz zu vermehrten Nierenerkrankungen in Ländern, in denen die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit generell niedriger lag.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Foto: Pantherchamäleon auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro[:en]

Scientists at the University of Veterinary Medicine Montréal (France) recently analysed the causes of death in chameleons kept in zoos between 2011 and 2022. The Zoological Information Management System (ZIMS) was used to search for zoos that currently keep chameleons or have kept them since 2011. Questionnaires were sent to a total of 245 zoos. The questionnaires asked about the number, species and sex of chameleons kept, as well as selected husbandry conditions (coolest and warmest temperatures, humidity, feeding) and dissection results.

Around 1000 chameleons of 36 different species are currently kept in zoos worldwide. 65 of the zoos surveyed took part in the study, 48 of which regularly carried out dissections on chameleons. However, only 29 of the participating zoos were able to provide dissection results. A total of 412 pathological findings from 14 different chameleon species were analysed. Among the species kept were Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, chameleons of the genus Brookesia without species identification, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium and Trioceros quadricornis. Panther chameleons were kept most frequently (226 specimens).

The statistical analysis showed that most of the chameleons in the participating zoos died of infectious diseases (46.8%). Infectious diseases included septicaemia, but also inflammation of the oral cavity, lungs, liver, kidneys and intestines. Almost 20% of the infectious diseases were in the area of the oral cavity. The most common bacteria were Enterococcus and Pseudomonas. Among the fungi, Nannizziopsis including CANV, Fusarium and Metarhizium were represented. A good third of the necropsy reports also indicated parasitoses, with these occurring both as a cause of death and as an incidental finding. Coccidia and trematodes as well as various nematodes were often present. The second most common cause of death in the participating zoos was non-infectious kidney diseases (11.4%). This was closely followed by diseases of the reproductive tract, including egg loss and egg yolk coelomitis, which accounted for 10.7% of cases.

Contrary to the authors‘ initial assumption, there was no correlation between the surveyed husbandry parameters in the cages and the incidence of kidney disease. Basically, there was a tendency towards an increased incidence of kidney disease in countries where the average humidity was generally lower.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Photo: Panther chameleon in Madagascar, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Das Europäische Chamäleon in Belezma (Algerien)[:en]The Common Chameleon in Belezma (Algeria)[:]

[:de]Das Europäische Chamäleon in Belezma (Algerien)[:en]The Common Chameleon in Belezma (Algeria)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das Belezma Biosphärenreservat wurde erst 2015 gegründet und liegt in der Provinz Batna im Norden Algeriens. Es überspannt eine Fläche von 262 km² in den Belezmabergen und liegt auf Höhen zwischen 915 und 2136 m üNN. Das Gelände besteht aus mediterranen Zedern-, Pinien- und Eichenwäldern, typischen Buschlandschaften (sogenannter Macchia), Klippen und nur saisonal vorhandenen Wasserläufen (sogennanten Oueds); etwa 53 km² bestehen aus Zedernwald. Bisher gab es von dort nur vereinzelte Veröffentlichungen zur Herpetofauna.  Eine aktuelle Übersichtsstudie zu dort vorkommenden Amphibien und Reptilien wurde nun von Biologen der Universität Batna erarbeitet.

Macchia im Belezma Biosphärenreservat

Die Tiere wurden ausschließlich mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen sowohl tagsüber als auch nachts unsystematisch Transekte ab, insgesamt 500 Stunden lang an 28 Orten innerhalb des Reservats. Die gefundenen Tiere wurden entweder direkt identifiziert oder fotografiert und wieder freigelassen.

Insgesamt konnten 23 Amphibien- und Reptilienarten gefunden und identifiziert werden. Chamaeleo chamaeleon wurde erstmals in Belezma nachgewiesen. Die Chamäleons wurden auf rund 1040 m in der charakteristischen Macchia sowie auf 1280 m in offenem Gelände gefunden. Die Macchia in Belezma besteht vorwiegend aus Eichen- und Olivenbäumen sowie Mastixsträuchern und phönizischem Wacholder.

Herpetofauna of Belezma Biosphere Reserve, province of Batna, northeastern Algeria
Messaoud Saoudi, Mohamed Bensaci, Abdeldjabar Necer, Houria Baazi, Zohra Nemili, Farouk Khelfaoui
African Journal of Biological Sciences 6 (15), 2024
DOI: 10.48047/AFJBS.6.15.2024.10672-10700[:en]

The Belezma Biosphere Reserve was only established in 2015 and is located in the province of Batna in northern Algeria. It covers an area of 262 km² in the Belezma Mountains and lies at altitudes between 915 and 2136 metres above sea level. The terrain consists of Mediterranean cedar, pine and oak forests, typical scrubland (so-called maquis), cliffs and only seasonal watercourses (so-called oueds); around 53 km² consist of cedar forest. So far, there have only been a few publications on the herpetofauna there. A recent overview study of the amphibians and reptiles found there has now been compiled by biologists from the University of Batna.

Maquis in Belezma Biosphere Reserve

The animals were searched for visually only. Various people walked transects unsystematically both during the day and at night, for a total of 500 hours at 28 locations within the reserve. The animals found were either identified directly or photographed and released.

A total of 23 amphibian and reptile species were found and identified. Chamaeleo chamaeleon was identified for the first time in Belezma. The chameleons were found at around 1040 metres in the characteristic shrublands and at 1280 metres in open terrain. The maquis in Belezma consists mainly of oak and olive trees as well as mastic bushes and Phoenician juniper.

Herpetofauna of Belezma Biosphere Reserve, province of Batna, northeastern Algeria
Messaoud Saoudi, Mohamed Bensaci, Abdeldjabar Necer, Houria Baazi, Zohra Nemili, Farouk Khelfaoui
African Journal of Biological Sciences 6 (15), 2024
DOI: 10.48047/AFJBS.6.15.2024.10672-10700

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[:de]Zwergchamäleons in Südafrika in städtischer Umgebung größer als in der Natur[:en]Dwarf chameleons in South Africa larger in urban environments than in the wild[:]

[:de]Zwergchamäleons in Südafrika in städtischer Umgebung größer als in der Natur[:en]Dwarf chameleons in South Africa larger in urban environments than in the wild[:]

Wissenschaft

[:de]

Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion aus Südafrika sind seit Längerem dafür bekannt, sich sehr gut auch an städtische Lebensräume anzupassen. Zwei Wissenschaftler Aus Kapstadt und Johannesburg haben nun untersucht, wie sich verschiedene Populationen in Körpergröße, -gewicht und Body Condition Score voneinander innerhalb städtischer und natürlicher Umgebungen unterscheiden.

Untersucht wurden innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren insgesamt 1107 Individuen von fünf verschiedenen Zwergchamäleon-Arten. Dazu wurden Bradypodion damaranum in George (Westkap), Bradypodion melanocephalum in Durban (KwaZulu-Natal), Bradypodion setaroi in St. Lucia (KwaZulu-Natal), Bradypodion thamnobates in Howick (KwaZulu-Natal) und Bradypodion ventrale in Jeffrey’s Bay (Ostkap) and jeweils drei bis acht Standorten nachts gesucht. Als “natürlicher Standort” wurden Waldfragmente, Grassavannen oder Küstenbuschland in weniger als 15 km Entfernung vom Zentrum der nächsten Stadt eingestuft. Als „städtisch“ wurde alle Standorte eingestuft, die innerhalb einer Stadt lagen und aus sowohl eingeschleppter als auch einheimischer, von Menschenhand regelmäßig zurückgeschnittener Flora bestanden (Gärten, öffentliche Parks und Grünflächen, Straßenränder). Die gefundenen Zwergchamäleons wurden vermessen, gewogen, geschlechtsbestimmt und mit einem Filzstift markiert, um doppelte Messungen an gleichen Tieren zu vermeiden. Offensichtich trächtige Weibchen wurden nicht vermessen.

Bei der statistischen Auswertung und Vergleichen fiel auf, dass die Chamäleons an natürlichen Standorten im Durchschnitt stets kleiner und leichter waren als die Populationen der gleichen Arten an städtischen Standorten. Signifikant größer und schwerer in der Stadt waren bei Bradypodion damaranum beide Geschlechter, bei Bradypodion melanocephalum, ventrale und setaroi die Männchen und bei Bradypodion thamnobates die Weibchen. Der Body Condition Score war in Stadtgebieten bei beiden Geschlechtern von Bradypodion damaranum und setaroi sowie Männchen von Bradypodion melanocephalum höher als bei den Chamäleons an Naturstandorten. Bei Bradypodion ventrale und thamnobates zeigten sich keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen im Body Condition Score.

Forschung, wie es genau zu diesen spannenden Unterschieden kommt, steht noch aus.

Big cities, big bodies: urbanisation correlates with large body sizes and enhanced body condition in African dwarf chameleons (Genus: Bradypodion)
Jody M. Barends, Krystal A. Tolley
African Zoology 2024, 59(3)
DOI: 10.1080/15627020.2024.2402256

Foto: Bradypodion melanocephalum, fotografiert von suncana, Lizenz Creative Commons Attribution 4.0 International

 [:en]

Dwarf chameleons of the genus Bradypodion from South Africa have long been known to adapt very well to urban habitats. Two scientists from Cape Town and Johannesburg have now investigated how different populations differ in body size, body weight and body condition score within urban and natural environments.

A total of 1107 individuals of five different dwarf chameleon species were studied over a period of four years. Bradypodion damaranum in George (Western Cape), Bradypodion melanocephalum in Durban (KwaZulu-Natal), Bradypodion setaroi in St Lucia (KwaZulu-Natal), Bradypodion thamnobates in Howick (KwaZulu-Natal) and Bradypodion ventrale in Jeffrey’s Bay (Eastern Cape) were each searched at night at three to eight locations. Forest fragments, grass savannahs or coastal bushland less than 15 km from the centre of the nearest town were classified as ‘natural sites’. All sites located within a city and consisting of both introduced and native flora regularly cut back by humans (gardens, public parks and green spaces, roadsides) were categorised as ‘urban’. The dwarf chameleons found were measured, weighed, sexed and marked with a felt-tip pen to avoid duplicate measurements on the same animals. Obviously pregnant females were not measured.

Statistical analyses and comparisons revealed that the chameleons at natural sites were always smaller and lighter on average than the populations of the same species at urban sites. Significantly larger and heavier in the city were both sexes in Bradypodion damaranum, the males in Bradypodion melanocephalum, ventrale and setaroi and the females in Bradypodion thamnobates. The body condition score was higher in urban areas for both sexes of Bradypodion damaranum and setaroi and males of Bradypodion melanocephalum than for the chameleons in natural habitats. In Bradypodion ventrale and thamnobates, there were no differences in body condition score between the different populations.

Research into exactly how these exciting differences come about is still pending.

Big cities, big bodies: urbanisation correlates with large body sizes and enhanced body condition in African dwarf chameleons (Genus: Bradypodion)
Jody M. Barends, Krystal A. Tolley
African Zoology 2024, 59(3)
DOI: 10.1080/15627020.2024.2402256

Photo: Bradypodion melanocephalum, photographed by suncana, licence Creative Commons Attribution 4.0 International[:]

[:de]Die neue CHAMAELEO ist draußen![:en]The new CHAMAELEO is out now![:]

[:de]Die neue CHAMAELEO ist draußen![:en]The new CHAMAELEO is out now![:]

AG Interna Beobachtungen CHAMAELEO Haltungsberichte Wissenschaft

[:de]

Was lange währt, wird endlich gut: Soeben haben wir die aktuellen Hefte der CHAMAELEO 49 bekommen. Sie werden nun schnellstmöglich in die Post gehen und sind dann auf dem Weg zu allen AG-Mitgliedern. Die aktuellen Inhalte finden sich hier. Und wer noch nicht Mitglied der AG Chamäleons ist, möchte das vielleicht schnell noch werden! Wie gefällt euch die aktuelle Ausgabe? Gibt es Anmerkungen, Wünsche, Kritik? Zu dick, zu dünn, zu viel Englisch, zu wenig? ;) Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen!

[:en]

Good things come to those who wait: we have just received the latest issues of CHAMAELEO 49. They will now go into the mail as soon as possible and will then be on their way to all AG members. The current contents can be found here. And if you are not yet a member of the AG Chameleons, you might want to become one soon! How do you like the current issue? Do you have any comments, wishes or criticism? Too thick, too thin, too much English, too little? ;) We look forward to your feedback!

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[:de]Einfluss von Landwirtschaft auf Chamäleons in Madagaskar[:en]Impact of agriculture on chameleons in Madagascar[:]

[:de]Einfluss von Landwirtschaft auf Chamäleons in Madagaskar[:en]Impact of agriculture on chameleons in Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

In Madagaskars östlichem Hochland wird Ackerland für Reisfelder hauptsächlich durch Brandrodung von Primärwäldern oder Sekundärvegetation gewonnen. Die Reisfelder werden nur eine Saison verwendet, im anschließenden Jahr wird das Feld für Wurzelgemüse genutzt. Bereits nach einer Ernte liegt das Land dann bis zu fünf Jahre brach, bevor es erneut brandgerodet wird, um wieder Reis anzubauen. Schon fünf dieser Zyklen können fruchtbares Land in nicht mehr nutzbaren Boden wandeln. In den letzten Jahrzehnten sind brachliegende Flächen in immer kürzeren Abständen gerodet worden. Diese Praxis hat dafür gesorgt, dass invasive, nicht-einheimische Pflanzenarten sich ausbreiten konnten, während auf Primärwald angewiesene madagassische Pflanzen verschwanden. Madagassische Wissenschaftler haben nun erforscht, welchen Einfluss diese Form der Landwirtschaft auf Chamäleons an der Ostküste Madagaskars hat.

Als Studienobjekt wurde der Regenwaldkorridor von Ankeniheny-Zahamena im östlichen Hochland genutzt. Er verläuft an der Ostküste Madagaskars über eine Fläche von rund 5000 km², die teils nur durch sehr schmale Waldfragmente miteinander verbunden sind. Insgesamt während der Regenzeit 44 Orte wurden untersucht, die in fünf Habitattypen eingeteilt wurden: Zehn Orte mit geschlossenen Regenwäldern, acht mit Baumbrachen, elf mit Strauchbrachen, zehn Orte nach mindestens fünf Brandrodungszyklen und fünf Orte, an denen Wiederaufforstung betrieben wurde. Chamäleons wurden mehrheitlich nachts entlang vorgegebener Transekte (je drei bis vier parallele Linien von 50 m Länge) gesucht, bestimmt und vermessen.

Insgesamt konnten 15 Chamäleonarten der Gattungen Brookesia, Furcifer und Calumma gefunden werden, wobei je drei Arten nicht exakt bestimmt werden konnten (es handelt sich hier, soweit erkennbar, um Tiere aus dem Calumma nasutum/emelinae-Komplex). Die meisten Chamäleons bevorzugten geschlossenen Regenwald, wohingegen nach Brandrodung deutlich weniger Tiere und Arten zu finden waren. In Waldstücken mit Aufforstungsbemühungen war die Zahl der Chamäleons wieder deutlich höher. Beides unterstreicht sowohl den notwendigen Schutz noch vorhander Regenwälder als auch die Relevanz der Wiederaufforstung auf Madagaskar.

Sechs Arten (darunter Calumma cf. vencesi, Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni, Calumma parsonii) zeigten sich deutlich sensibler gegenüber Landwirtschaft und können wahrscheinlich nur sehr eingeschränkt außerhalb von Primärwald überleben. Nur drei Arten kamen überhaupt noch auf intensiv landwirtschaftlich genutzter Fläche vor, davon war lediglich Furcifer lateralis am häufigsten dort zu finden.

Effects of shwidden agriculture on chameleon diversity and abundance in eastern tropical rainforest in Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro, Josué Rakotoarioa, Alain Jean Victorien Rakotondrina, Ruth Kelly, Alison Cameron
Sustainability and biodiversity conservation 3(2): 99-118.
DOI: 10.5281/zenodo.13861065

 

Foto: Teppichchamäleon am Rande eines Reisfeldes in Madagaskar, fotografiert von Alex Negro[:en]

In Madagascar’s eastern highlands, farmland for rice fields is mainly obtained by slashing and burning primary forests or secondary vegetation. The rice fields are only used for one season. The following year the field is used for root vegetables. After just one harvest, the land lies fallow for up to five years before it is slash-and-burned again to grow rice again. Just five of these cycles can turn fertile land into degraded. In recent decades, fallow land has been cleared at ever shorter intervals. This practice has allowed invasive, non-native plant species to spread, while Malagasy plants that depend on primary forest have disappeared. Malagasy scientists have now investigated the impact of this form of agriculture on chameleons on the east coast of Madagascar.

The Ankeniheny-Zahamena rainforest corridor in the eastern highlands was used as the object of study. It runs along the east coast of Madagascar over an area of around 5000 km², some of which are only connected by very narrow forest fragments. A total of 44 sites were investigated during the rainy season, which were categorised into five habitat types: Ten sites with closed canopy rainforests, eight with tree fallows, eleven with shrub fallows, ten sites after at least five slash-and-burn cycles (degraded land) and five sites where reforestation was practised. The majority of chameleons were searched for, identified and measured at night along predefined transects (three to four parallel lines each 50 metres long).

A total of 15 chameleon species of the genera Brookesia, Furcifer and Calumma were found, although three species could not be precisely identified (as far as recognisable, these are animals from the Calumma nasutum/emelinae complex). Most chameleons favoured closed rainforest, whereas significantly fewer animals and species were found after slash-and-burn clearing. In forest areas with reforestation efforts, the number of chameleons was significantly higher than in degraded areas. Both emphasise the need to protect remaining rainforests as well as the relevance of reforestation in Madagascar.

Six species (including Calumma cf. vencesi, Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni, Calumma parsonii) were clearly more sensitive to agriculture and can probably only survive to a very limited extent outside primary forest. Only three species were found on intensively farmed land, of which only Furcifer lateralis was most frequently found there.

Effects of shwidden agriculture on chameleon diversity and abundance in eastern tropical rainforest in Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro, Josué Rakotoarioa, Alain Jean Victorien Rakotondrina, Ruth Kelly, Alison Cameron
Sustainability and biodiversity conservation 3(2): 99-118.
DOI: 10.5281/zenodo.13861065

Photo: Carpet chameleon at the edge of a rice field in Madagascar, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Gemeinschaftliche Eiablage bei Furcifer minor[:en]Communal egglaying in Furcifer minor[:]

[:de]Gemeinschaftliche Eiablage bei Furcifer minor[:en]Communal egglaying in Furcifer minor[:]

Wissenschaft

[:de]

Bei den Chamäleons gibt es bisher nur wenige Berichte von Weibchen, die an sehr nahe beieinandere liegenden Ablageplätzen Eier legen. Von Archaius tigris ist sogar eine Art gemeinschaftliche Eiablage bekannt. Eine solche Beobachtung gibt es nun auch aus Madagaskar, genauer dem Itremo-Massif im südlichen Hochland der Insel.

Dabei wurden im Januar diesen Jahres ein weibliches Furcifer minor im Wald von Antsirankambiaty bei der Eiablage beobachtet. Kurz nachdem das erste Weibchen seine Eiablage beendet hatte, schickte sich ein zweites Weibchen nur 30 cm entfernt an, ebenfalls Eier abzulegen (ein Video davon gibt es hier). Zwei Tage später legte ein drittes Furcifer minor Weibchen zwischen den beiden schon vorhandenen Nestern ihre Eier ab.

Alle drei Nester wurden in den Sand eines Flussufers etwa 2-3 Meter vom Wasser entfernt gegraben. Die Stelle war mit über 5 Sonnenstunden täglich ein eher sonniger Platz, daher also besser geeignet zur Eiablage als der Boden im angrenzenden Waldfragment. Es wäre allerdings auch möglich, dass die anhaltende Abholzung und damit der sich verringernde Lebensraum für Furcifer minor dazu führt, dass Weibchen sich außerhalb ihres eigentlichen Lebensraumes Eiablagestellen suchen. Unklar ist, ob es sich bei dem dritten Weibchen um eines der ersten beiden handelt, das zurückkehrte – eine Differenzierung war leider nicht möglich.

Communal egg-laying in the Lesser Chameleon, Furcifer minor (Günther, 1879), at Itremo Massif Amoron’i Mania Region, Madagascar
Devin Edmonds
Herpetology Notes 17, 2024: 579-581
DOI: nicht vorhanden

Foto: Eines der Furcifer minor bei der Eiablage, fotografiert von Devin Edmonds[:en]

In chameleons, there are only a few reports of females laying eggs in very close proximity to each other. Archaius tigris is even known to lay eggs together. Such an observation has now also been made in Madagascar, more precisely in the Itremo Massif in the southern highlands of the island.

In January this year, a female Furcifer minor was observed laying eggs in the forest of Antsirankambiaty. Shortly after the first female had finished laying her eggs, a second female only 30 cm away also started to lay eggs (see a video here). Two days later, a third Furcifer minor female laid her eggs between the two existing nests.

All three nests were dug into the sand of a riverbank about 2-3 metres from the water. The site was a rather sunny place with more than 5 hours of sunshine a day, so it might have been better suited for oviposition than the ground in the neighbouring forest fragment. However, it is also possible that the ongoing deforestation and thus the decreasing habitat is causing female Furcifer minor to look for oviposition sites outside their actual habitat. It is unclear whether the third female is one of the first two that returned – unfortunately it was not possible to differentiate between them.

Communal egg-laying in the Lesser Chameleon, Furcifer minor (Günther, 1879), at Itremo Massif Amoron’i Mania Region, Madagascar
Devin Edmonds
Herpetology Notes 17, 2024: 579-581
DOI: nicht vorhanden

Foto: Eines der Furcifer minor bei der Eiablage, fotografiert von Devin Edmonds[:]

[:de]Karyogramme fünf madagassischer Chamäleons beschrieben[:en]Karyograms of five Malagasy chameleons described[:]

[:de]Karyogramme fünf madagassischer Chamäleons beschrieben[:en]Karyograms of five Malagasy chameleons described[:]

Wissenschaft

[:de]

Dass das Geschlecht bei Chamäleons genetisch festgelegt wird, ist schon viele Jahre bekannt. Die Karyogramme vieler Arten, also die Chromsomeneigenschaften, sind jedoch noch nicht von allen Arten bekannt. Italienische Wissenschaftler haben sich nun mit den Karyogrammen fünf madagassischer Chamäleonarten beschäftigt.

Zur Untersuchung genutzt wurde bereits vorhandene, konservierte Chamäleons. Je ein Weibchen der Arten Furcifer balteatus, Furcifer petteri, Furcifer major und Furcifer minor wurden beprobt. Ein männliches und ein weibliches Brookesia superciliaris wurden ebenfalls für die Studie herangezogen. Alle Proben wurden einer DNA-Barcoding-Analyse unterzogen, als Marker genutzt wurde das mitochondriale Genfragment COI. Die extrahierte DNA wurde per PCR vervielfacht und dann sequenziert, um für jedes Tier ein Karyogramm zu erstellen.

Das Karyogramm von Brookesia superciliaris lautet 2 n = 34 für beide Geschlechter. Von den 34 Chromsomen sind sechs Makrochromosomenpaare, elf Mikrochromosomenpaare. Alle Makrochromosomen sind metazentrisch. Morphologisch unterscheiden sich die Chromosomen nicht voneinander, so dass bisher unklar bleibt, welche die Geschlechtschromosomen sein könnten.

Furcifer balteatus verfügt über ein sehr spezielles Karyogramm, was eigentlich besser zu denen der Gattungen Brookesia und Palleon als zur Gattung Furcifer passt. Das Karyogramm lautet 2n = 34, was die höchste Chromosomenzahl unter den Chamäleons darstellt. Von den 34 Chromosomen sind sechs Makrochromosomenpaare und elf Mikrochromosomenpaare. Die ersteren sind alle metazentrisch. Zwischen den Chromosomenpaare sind keine morphologischen Unterschiede zu erkennen, so dass das Geschlechtschromosom bisher nicht festgestellt werden konnte.

Das Karyogramm von Furcifer major ist 2n = 24. Neun der Chromosomenpaare sind Makrochromosomen-, drei Mikrochromosomenpaare. Sieben der Makrochromosomenpaare sind metazentrisch, nur die Paare zwei und drei sind submetazentrisch. Das elfte Chromosomenpaar, ein Mikrochromosomenpaar, codiert für das Geschlechtschromosom W.

Furcifer minor verfügt über ein Karyogramm von 2n = 22 Chromosomen. Davon sind je acht Paare Makro-, drei Mikrochromosomenpaare. Unter den Makrochromosomen sind die ersten fünf Paare metazentrisch, während die übrigen drei Paare akrozentrischsind. Ein Anteil des sechsten Chromosomenpaars war fast vollständig heterochromatisch und stellt vermutlich das Geschlechtschromosom W dar.

Das Karyogramm von Furcifer petteri ist ebenfalls 2n = 22. Acht Chromosomenpaare davon sind Makro-, drei Mikrochromosomen. Sieben Paare der Makrochromosomen sind metazentrisch, lediglich das fünfte Paar ist submetazentrisch. Das Geschlechtschromosom W ist Teil des siebten Makrochromosomenpaar.

Alle neu beschriebenen Karyogramme sind bei GenBank unter der Nummer PQ272538-4 hinterlegt. Die Gattung Furcifer zeigte sich auch in dieser Studie als die mit der höchsten Vielfalt in den Karyogrammen. Sie scheint auch die einzige Gattung unter allen Wirbeltieren zu sein, die alle Varianten der Diversifikation der Geschlechtschromosomen aufweist.

New insights on Chromosome Diversification in Malagasy Chameleons
Marcello Mezzasalma, Gaetano Odierna, Rachele Macirella, Elvira Brunelli
Animals 2024, 14: 2818
DOI: 10.3390/ani14192818

Grafik: Karyogramme von Brookesia superciliaris und Furcifer balteatus aus der genannten Studie[:en]

It has been known for many years that the sex of chameleons is genetically determined. However, the karyograms of many species, i.e. the chromosome characteristics, are not yet known for all species. Italian scientists have now analysed the karyograms of five Madagascan chameleon species.

Existing, preserved chameleons were used for the study. One female each of the species Furcifer balteatus, Furcifer petteri, Furcifer major and Furcifer minor were sampled. One male and one female Brookesia superciliaris were also used for the study. All samples were subjected to DNA barcoding analysis using the mitochondrial gene fragment COI as a marker. The extracted DNA was amplified by PCR and then sequenced to create a karyogram for each animal.

The karyogram of Brookesia superciliaris is 2 n = 34 for both sexes. Of the 34 chromosomes, six are macrochromosome pairs and eleven are microchromosome pairs. All macrochromosomes are metacentric. Morphologically, the chromosomes do not differ from each other, so that it remains unclear which could be the sex chromosomes.

Furcifer balteatus has a very special karyogram, which actually fits better with those of the genera Brookesia and Palleon than with the genus Furcifer. The karyogram is 2n = 34, which is the highest number of chromosomes among the chameleons. Of the 34 chromosomes, six are macrochromosome pairs and eleven are microchromosome pairs. The former are all metacentric. There are no morphological differences between the chromosome pairs, so that the sex chromosome has not yet been determined.

The karyogram of Furcifer major is 2n = 24. Nine of the chromosome pairs are macrochromosome pairs and three are microchromosome pairs. Seven of the macrochromosome pairs are metacentric, only pairs two and three are submetacentric. The eleventh chromosome pair, a microchromosome pair, codes for the sex chromosome W.

Furcifer minor has a karyogram of 2n = 22 chromosomes. Of these, eight pairs are macrochromosome pairs and three are microchromosome pairs. Among the macrochromosomes, the first five pairs are metacentric, while the remaining three pairs are acrocentric. A portion of the sixth pair of chromosomes was almost completely heterochromatic and probably represents the sex chromosome W.

The karyogram of Furcifer petteri is also 2n = 22, of which eight pairs of chromosomes are macrochromosomes and three microchromosomes. Seven pairs of macrochromosomes are metacentric, only the fifth pair is submetacentric. The sex chromosome W is part of the seventh pair of macrochromosomes.

All newly described karyograms are deposited in GenBank under the number PQ272538-4. In this study, the genus Furcifer was also found to have the highest diversity in the karyograms. It also appears to be the only genus among all vertebrates that shows all variants of sex chromosome diversification.

New insights on Chromosome Diversification in Malagasy Chameleons
Marcello Mezzasalma, Gaetano Odierna, Rachele Macirella, Elvira Brunelli
Animals 2024, 14: 2818
DOI: 10.3390/ani14192818

Graphic: Karyograms of Brookesia superciliaris and Furcifer balteatus from the above-mentioned study[:]

[:de]Neuer Fundort von Kinyongia magomberae[:en]New distribution record for Kinyongia magomberae[:]

[:de]Neuer Fundort von Kinyongia magomberae[:en]New distribution record for Kinyongia magomberae[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler aus Tansania und England führten kürzlich eine Übersichsstudie zur Herpetofauna im Wald von Kimboza durch. Kimboza liegt im Osten Tansanias am Rande der Eastern Arc Mountains, einer 600 km langen Gebirgskette. Im Westen Kimbozas befinden sich die Uluguru-Berge, im Osten das Ruvu Reservat. Kimboza ist eines der kleinsten Reservate Tansanias mit einer Fläche von nur 4 km². Es reicht über Höhen von 170 bis 480 m.

Zum Nachweis von Reptilien und Amphibien wurden in zwei Nächten im Dezember und Januar sowie elf Monate am Stück zwischen Dezember und Juni zeitlich begrenzt manuell gesucht. Außerdem wurden entlang zweier Linien Eimerfallen in den Boden gesetzt, insgesamt zwischen 11 und 20 Eimer in je 5 m Entfernung zueinander. Die gefundenen Tiere wurden morphologich an Hand vorhandener Field Guides identifiziert. Von 12 Funden wurden Proben entnommen, um die Artidentifikation genetisch abzusichern.

Insgesamt konnten 42 verschiedene Reptilienarten sowie 29 Amphibienarten in Kimboza nachgewiesen werden. Unter den bekannten Chamäleons des Waldes waren wie erwartet Trioceros melleri, Rieppeleon brevicaudatus und Chamaeleo dilepis. Die Studie brachte aber auch Erstaunliches zu Tage: Kinyongia magomberae, eigentlich bekannt aus dem Wald von Magombera und aus dem Tiefland des Udzungwa Mountains Nationalpark, wurde dort gefunden. Das entspricht einer Erweiterung des Verbreitungsgebietes dieser Art von 128 km. In einer Studie von 1994 wird bereits einmal Kinyongia oxyrhina in Kimboza erwähnt. Bereits dabei könnte es sich um eine Verwechslung und eigentlich ein Kinyongia magomberae gehandelt haben. Die Art war früher möglicherweise viel weiter verbreitet als heute. Da die Tieflandregenwälder Tansanias jedoch seit vielen Jahrzehnten extensiv abgeholzt werden, hat sich der Lebensraum der Chamäleons stark verkleinert – und könnte zur Verbreitung einer Art in heute gar nicht mehr zusammenhängenden Waldgebieten geführt haben.

Kimboza, a small lowland forest with an outstanding herpetofauna diversity in east Africa
John V. Lyakurwa, Simon P. Loader, Wilirk Ngalason, Rikki Gumbs, Caleb Ofori-Boateng, H. Christoph Liedtke
Nature Notes 14(10), 2024
DOI: 10.1002/ece3.70406

Foto: Kinyongia magomberae, fotografiert von Andrew R Marshall im Wald von Mwanihana, Creative Commons Attribution 3.0 Unported[:en]

Scientists from Tanzania and England recently carried out a survey study of the herpetofauna in the Kimboza forest. Kimboza is located in eastern Tanzania on the edge of the Eastern Arc Mountains, a 600 km long mountain range. To the west of Kimboza are the Uluguru Mountains, to the east the Ruvu Reserve. Kimboza is one of the smallest reserves in Tanzania with an area of only 4 km². It ranges in altitude from 170 to 480 metres.

To detect reptiles and amphibians, manual searches were carried out on two nights in December and January and for eleven consecutive months between December and June. In addition, bucket traps were placed in the ground along two lines, a total of between 11 and 20 buckets at a distance of 5 metres from each other. The animals found were identified morphologically using existing field guides. Samples were taken from 12 finds in order to genetically confirm the species identification.

A total of 42 different reptile species and 29 amphibian species were recorded in Kimboza. As expected, Trioceros melleri, Rieppeleon brevicaudatus and Chamaeleo dilepis were among the known chameleons of the forest. However, the study also revealed something astonishing: Kinyongia magomberae, actually known from the forest of Magombera and from the lowlands of the Udzungwa Mountains National Park, was found there. This corresponds to an extension of the distribution area of this species of 128 km. In a study from 1994, Kinyongia oxyrhina is already mentioned once in Kimboza. Even then it could have been a case of confusion and actually a Kinyongia magomberae. The species may have been much more widespread in the past than it is today. However, as the lowland rainforests of Tanzania have been extensively deforested for many decades, the chameleon’s habitat has been greatly reduced – and could have led to the spread of a species in forest areas that are no longer contiguous today.

Kimboza, a small lowland forest with an outstanding herpetofauna diversity in east Africa
John V. Lyakurwa, Simon P. Loader, Wilirk Ngalason, Rikki Gumbs, Caleb Ofori-Boateng, H. Christoph Liedtke
Nature Notes 14(10), 2024
DOI: 10.1002/ece3.70406

Picture: Kinyongia magomberae, photographed by Andrew R Marshall in Mwanihana forest, Creative Commons Attribution 3.0 Unported[:]