Bereits lange ist bekannt, dass Chamäleons akrodont sind. Das bedeutet, die Zähne sitzen dem Kieferknochen direkt auf und befinden sich nicht in Alveolen wie beim thekodonten Säuger. Wie genau die Verbindung zwischen Zahn und Kiefer sowie das Innere des Zahns aussieht, war bisher aber noch nicht ganz klar. Kanadische Wissenschaftler haben sich jetzt genauer damit beschäftigt.
Sie nutzten konservierte Museumsexemplare je eines Chamaeleo dilepis, eines Chamaeleo laevigatus, eines Trioceros johnstoni und eines unbestimmten Trioceros für Untersuchungen mittels des bloßen Auges, einem MikroCT und für histologische Gewebsschnitte. Zum Vergleich wurden histologische Schnitte eines Krokodils und eines grünen Leguans herangezogen.
Alle untersuchten Zähne an Chamäleons wiesen das gleiche Implantationsmuster („wie sitzt der Zahn im Knochen“) auf. Sie waren allesamt dreispitzig und mediolateral komprimiert. An allen Zähnen war mit steigendem Alter des Chamäleons Abrieb zu beobachten.
Außerdem konnte bereits makroskopisch eine schmale Furche erkannt werden, die jeweils die Zahnkrone vom Kieferknochen trennt. Auf der Seite der Lippe schiebt sich der Zahn teilweise in den Knochen hinein, auf der Zungenseite sitzt der Zahn dem Kieferknochen auf. Das entspricht nicht ganz exakt der ursprünglichen Vorstellung von Akrodontie, bei der die Zahnkrone vollständig oben auf dem Kieferknochen sitzen müsste. Die Fläche, entlang der Zahn den Kieferknochen berührt, ist insgesamt nicht plan.
Die Zahnkrone besteht aus Dentin, die an den Seiten von einem dünnen Epithel überzogen ist. Im inneren der Zahnkrone befindet sich eine Pulpahöhle, was in vorhergehenden Publikationen so teils nicht vermutet worden war. Zwischen Zahnkrone und Alveolarknochen befindet sich eine sehr dünne Schicht einer Art azellulären Zements, in den Sharpey-Fasern aus dem Alveolarknochen ziehen.
Histologisch weist der Alveolarknochen Osteozyten-Lakunen und eine unregelmäßige Ausrichtung der Gewebefasern auf. Der Zement weist eine unregelmäßige Matrix ähnlich des Alveolarknochens auf, jedoch ohne Gefäße oder Lakunen. Eine sogenannte „Umkehrlinie“ (reversal line), ein organisierter Bereich zwischen Unterkiefer- und Alveolarknochen, ist deutlich zu erkennen und hier zum ersten Mal bei Chamäleons beschrieben. Das Dentin der Zahnkrone verfügt über feine Dentinkanälchen, ein Merkmal des Orthodentin.
Man ging bisher davon aus, dass jeder Zahn mittels Ankylosen auf einer Art Knochenfortsatz befestigt wäre. Die aktuelle Studie widerlegt diese Vorstellung. Es sind bei Trioceros Alveolarknochen, Zement und periodontales Ligament vorhanden, also eine Art rudimentärer Zahnhalteapparat (Parodont).
Weitere Forschung bei anderen Chamäleongattungen wäre nun spannend, um herauszufinden, ob der Zahnaufbau tatsächlich bei allen Chamäleons gleich ist oder es möglicherweise zwischen einzelnen Gattungen oder sogar Arten noch feine Unterschiede gibt.
A description of dental microanatomy and implantation geometry in Chamaeleonidae
Giles D. Sukkert, Ilaria Paparella, Michael R. Doschak, Aaron R.H. LeBlanc, Michael W. Caldwell
Journal of Anatomy, 2026, 00: 1-15
DOI: 10.1111/joa.70194
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