[:de]Erster digitaler Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons[:en]First digital atlas of the head anatomy of the veiled chameleon[:]

[:de]Erster digitaler Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons[:en]First digital atlas of the head anatomy of the veiled chameleon[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Die Anatomie von Chamäleons wurde schon in vielen – vornehmlich älteren – Veröffentlichungen besprochen. Wissenschaftler des University College in London (Großbritannien) in Zusammenarbeit mit belgischen, französischen und Schweizer Kollegen haben nun den ersten digitalen Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) erstellt.

Dazu fertigten sie MikroCT-Scans von zwei toten, in Ethanol fixierten, adulten Chamaeleo calyptratus an. Ein Männchen und ein Weibchen wurden untersucht. Einige Wochen später wiederholten sie die CT-Scans noch einmal mit Spezialfärbungen. Anschließend wurden die Schädel beider Chamäleons digital mittels verschiedener Programme, darunter Dragonfly 3D World und UNet3D, herausgearbeitet. Knochenteile, Muskeln und sonstiges Weichteilgewebe wurde unterschieden und benannt. Zusätzlich wurden Schätzungen von Muskelkraft, Beißkraft, Muskelvolumen und Muskellängen vorgenommen.

Die Autoren stellten wie erwartet fest, dass das männliche Jemenchamäleon sich vom Weibchen vor allen durch den Gesichtsschädel und den höheren Helm unterschied. Der Muskel, der für die Bewegung des Unterkiefers zuständig ist, ist beim Männchen deutlich größer als beim Weibchen. Die MikroCT-Scans können allesamt hier kostenlos eingesehen werden.

3D anatomical atlas of the heads of male and female adult Chamaeleo calyptratus
Alice Leavey, Eloy Gálvez-López, Anthony Herrel, Laura B. Porro
The Anatomical Record, 2025: 1-33.
DOI: 10.1002/ar.70077
Kostenloser Download des Artikels

Grafik: Farbige Darstellung der verschiedenen Knochenteile des Schädels und Unterkiefers beim Jemenchamäleon[:en]

The anatomy of chameleons has been discussed in many publications, primarily older ones. Scientists at University College London (UK), in collaboration with Belgian, French and Swiss colleagues, have now created the first digital atlas of the head anatomy of the Veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus).

To do this, they performed micro-CT scans of two dead adult Chamaeleo calyptratus specimens preserved in ethanol. One male and one female were examined. A few weeks later, they repeated the CT scans using special stains. The skulls of both chameleons were then digitally reconstructed using various programmes, including Dragonfly 3D World and UNet3D. Bone parts, muscles and other soft tissue were distinguished and named. In addition, estimates of muscle strength, bite force, muscle volume and muscle length were made.

As expected, the authors found that the male veiled chameleon differed from the female primarily in terms of its facial skull and higher casque. The muscle responsible for moving the lower jaw is significantly larger in males than in females. All of the micro-CT scans can be viewed here free of charge.

3D anatomical atlas of the heads of male and female adult Chamaeleo calyptratus
Alice Leavey, Eloy Gálvez-López, Anthony Herrel, Laura B. Porro
The Anatomical Record, 2025: 1-33.
DOI: 10.1002/ar.70077
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Graphic: Colour representation of the various bone parts of the skull and lower jaw of the veiled chameleon[:]

[:de]Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?[:en]Do different ecomorphs use different perches?[:]

[:de]Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?[:en]Do different ecomorphs use different perches?[:]

Wissenschaft

[:de]

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ob sich der Körperbau eines Zwergchamäleons auf die von ihm bevorzugt genutzten Äste auswirkt. In Südafrika sind drei verschiedene sogenannte Ektomorphe, also Körperbautypen, bei Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion bekannt: Einmal den Waldtyp. Dieser Typ kommt in geschlossenen Wäldern vor, ist groß mit langem Schwanz, aber dabei relativ zierlich. Typisch für den Waldtyp sind leuchtende Farben und auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung. Der zweite Typ ist der des „kleinen braunen Chamäleons“, das in offenen Lebensräumen wie Heide, Grassavanne oder Fynbos vorkommt. Wie der Name es schon vermuten lässt, ist dieser Chamäleontyp klein, unauffällig braun oder grünlich gefärbt und zeigt eine stark reduzierte Kehl- und Helmbeschuppung. Der dritte Ektomorph ist der Buschlandtyp: Chamäleons in Buschland oder Dickicht, die groß, aber insgesamt eher plump und kurzschwänzig sind, eher unauffällig gefärbt, dabei aber eine auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung aufweisen.

Die Wissenschaftler maßen die Durchmesserung und Winkelung der von verschiedenen Bradypodion-Arten genutzten Ästen. Folgende Arten waren unter den Probanden: B. barabtulum, B. baviaanense, B. caffrum, B. damaranum, B. ketanicum, B. melanocephalum, B. occidentale, B. pumilum, B. setaroi, B. taeniabronchum, B. thamnobates, B. transvaalense und B. ventrale, zusätzlich die drei candidate species „emerald“, „groendal“ und „karkloof“. Chamäleons aus 38 verschiedenen Populationen in ganz Südafrika wurden jeweils nachts vermessen und in eine der drei genannten Körperbau-Typen sortiert. Zusätzlich wurde entlang je 100 m langer, zufällig ausgewählter Transekte alle 10 m Ast-Durchmesser und -winkel im Umkreis von je einem Meter vermessen.

Anschließend wurden die Daten statistisch ausgewertet. Im Zeitraum von 2007 bis 2024 konnten insgesamt 1755 adulte Bradypodion und deren Äste vermessen werden. Im Wald stand den Chamäleons eine wesentlich höhere Vielfalt and Durchmesser und Winkelung geeigneter Äste zur Verfügung als in den beiden anderen Habitaten. Die Chamäleons zeigten im Wald keine Bevorzugung bestimmter Äste, sondern „nutzten was da war“. Der Lebensraum der „kleinen braunen Chamäleons“ dagegen wies deutlich mehr vertikale, dünnere Äste als der Wald auf, die aber eine ähnliche Winkelung hatten. Die Dichte an Zweigen war in diesem Habitat am höchsten. Die „kleinen braunen Chamäleons“ wählten jedoch signifikant weniger häufig vertikale und meist auch dickere Äste als in ihrem Lebensraum vorhanden gewesen wäre. Im Buschland fanden die Wissenschaftler mehr vertikale und dünnere Äste als im Wald, und in der Zahl unterschieden sich die Äste nicht vom offenen Lebensraum wie Fynbos, aber durch einen anderen Astdurchmesser. Der Buschland-Körpertyp war größer als in den beiden anderen Lebensräumen. Auffällig war bei den Buschland-Chamäleons, dass Weibchen lieber dickere Äste nutzten und auch lieber weniger vertikale Äste als vorhanden waren.

Die Studie zeigt, dass tatsächlich unterschiedliche Ektomorphe von Zwergchamäleons in Südafrika auch unterschiedliche Lebensraumstrukturen besetzen.

Comparing perch availability and perch use between African dwarf chameleon (Bradypodion) ectomorphs
Jody M. Barends, Melissa A. Petford, Krystal A. Tolley
Current Zoology 71(5), 2025: 633-644
DOI: 10.1093/cz/zoae076
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Grafik: Die drei unterschiedlichen Körperbau-Typen, aus der oben genannten Publikation[:en]

South African scientists have investigated whether the physique of a dwarf chameleon affects the branches it prefers to use. In South Africa, three different ectomorphs, or body types, are known among dwarf chameleons of the genus Bradypodion: First, there is the forest ecomorph. This ecomorph is found in closed canopy forests, is large with a long tail, but relatively gracile. Typical for the forest ecomorph are bright colours and conspicuous gular and and casque ornamentations. The second ecomorph is the ‘small brown chameleon’, which occurs in open habitats such as heathland, grass savannah or fynbos. As the name suggests, this type of chameleon is small, inconspicuous brown or greenish in colour and has reduced gular and casque ornamentation. The third ecomorph is the bushland ecomorph: chameleons in bushland or thickets that are large but generally rather heavy-bodied and short-tailed, rather inconspicuous in colour, but with conspicuous gular and casque ornamentation.

The scientists measured the diameter and angle of the branches used by different Bradypodion species. The following species were among the test subjects: B. barabtulum, B. baviaanense, B. caffrum, B. damaranum, B. ketanicum, B. melanocephalum, B. occidentale, B. pumilum, B. setaroi, B. taeniabronchum, B. thamnobates, B. transvaalense and B. ventrale, as well as the three candidate species ‘emerald’, “groendal” and ‘karkloof’. Chameleons from 38 different populations across South Africa were measured at night and sorted into one of the three body types mentioned above. In addition, branch diameters and angles were measured every 10 metres along randomly selected 100-metre-long transects within a radius of one metre.

The data was then statistically evaluated. Between 2007 and 2024, a total of 1,755 adult Bradypodion and their branches were measured. The forest ecomorph chameleons had access to a much greater variety of suitable branches in terms of diameter and angle than in the other two habitats. The chameleons did not show a preference for certain branches in the forest, but rather ‘used what was available’. The habitat of the ‘small brown chameleons’, on the other hand, had significantly more vertical, thinner branches than the forest, but these had a similar angle. The density of branches was highest in this habitat. However, the ‘small brown chameleons’ chose vertical and usually thicker branches significantly less often than would have been available in their habitat. In the shrubland, the scientists found more vertical and thinner branches than in the forest, and in terms of number, the branches did not differ from the open habitat such as fynbos, but differed in branch diameter. The shrubland ecomorph was larger than those ecomorphs of the other two habitats. It was noticeable that the female shrubland chameleons preferred to use thicker branches and also preferred fewer vertical branches than were available.

The study shows that different ectomorphs of dwarf chameleons in South Africa do indeed occupy different habitat structures.

Comparing perch availability and perch use between African dwarf chameleon (Bradypodion) ecomorphs
Jody M. Barends, Melissa A. Petford, Krystal A. Tolley
Current Zoology 71(5), 2025: 633-644
DOI: 10.1093/cz/zoae076
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Graphic: The three different ecomorphs, from the above-mentioned publication[:]

[:de]Neue Verbreitungsdaten zu Rieppeleon brachyurus in Mosambik[:en]New distribution data of Rieppeleon brachyurus in Mozambique[:]

[:de]Neue Verbreitungsdaten zu Rieppeleon brachyurus in Mosambik[:en]New distribution data of Rieppeleon brachyurus in Mozambique[:]

Beobachtungen Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Rieppeleon brachyurus ist eine kleine Stummelschwanzchamäleon-Art, deren Erstbeschreibung vom Ende des 19. Jahhunderts von den Shire Highlands südlich des See Malawi berichtet. Die Art wurde seitdem in Malawi, Tansania und Mosambik gefunden. In Mosambik war sie bisher von Regen- und Galeriewäldern, sogenannten Miombo-Wäldern, bekannt. Bei Miombo-Wäldern handelt es sich um sehr offenenTrockenwälder, deren Boden nur spärlich von Gras bedeckt ist und daher einen eher savannenartigen Eindruck macht (daher auch der Begriff „Waldsavanne“). Der quer durch Mosambik verlaufende Fluss Sambesi galt bisher als natürliche Grenze für das Vorkommen von Rieppeleon brachyurus.

Herpetologen haben nun festgestellt, dass die Art auch südlich des Flusses vorkommt. Sie fanden zwei juvenile Individuen und zwei adulte Weibchen der Art in Coutada 11, einer 5000 km² großen Jagdkonzession im Herzen Mosambiks. Die Tiere wurden dort in einem Sandwald, einem seltenen tropischen Waldtyp auf Sanddünen, direkt neben einem flachen Feuchtgebiet. Diese Beobachtungen erweitern das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Art um rund 250 km weiter nach Süden.

Die Autoren berichten außerdem von zwei weiteren, neuen Fundorten von Rieppeleon brachyurus in Taratibu und Montepuez Rubi Mining Concession, wobei diese beiden Orte nördlich des Sambesi liegen. Bei beiden Beobachtungen wurden die Erdchamäleons in Miombo-Wald auf Höhen zwischen 250 und 400 m gefunden.

Rieppeleon brachyurus (Günther, 1893) Beardless Pygmy Chameleon First records south of the Zambezi River
W. Conradie, D. Botma, C. Nanvonnamuquitxo
African Herp News 88, 2025: 28-33
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Juveniles Rieppeleon brachyurus in Mosambik, fotografiert von Delport Botma, aus der oben genannten Publikation[:en]

Rieppeleon brachyurus is a small stump-tailed chameleon species, first described at the end of the 19th century from the Shire Highlands south of Lake Malawi. The species has since been found in Malawi, Tanzania and Mozambique. In Mozambique, it was previously known from rainforests and gallery forests, known as miombo forests. Miombo forests are very open dry forests with sparse grass cover, giving them a savannah-like appearance (hence the term ‘forest savannah’). The Zambezi River, which runs across Mozambique, was previously considered the natural boundary for the occurrence of Rieppeleon brachyurus.

Herpetologists have now discovered that the species also occurs south of the river. They found two juvenile individuals and two adult females of the species in Coutada 11, a 5000 km² hunting concession in the heart of Mozambique. The animals were found there in a sand forest, a rare type of tropical forest on sand dunes, right next to a shallow wetland. These observations extend the previously known range of the species by about 250 km further south.

The authors also report two further new locations where Rieppeleon brachyurus has been found, in Taratibu and Montepuez Rubi Mining Concession, both of which are located north of the Zambezi River. In both observations, the ground chameleons were found in miombo forest at altitudes between 250 and 400 m.

Rieppeleon brachyurus (Günther, 1893) Beardless Pygmy Chameleon First records south of the Zambezi River
W. Conradie, D. Botma, C. Nanvonnamuquitxo
African Herp News 88, 2025: 28-33
DOI: not available
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Photo: Juvenile Rieppeleon brachyurus in Mozambique, photographed by Delport Botma, from the above-mentioned publication[:]

[:de]Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar[:en]Two „new old“ chameleon species from Madagascar[:]

[:de]Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar[:en]Two „new old“ chameleon species from Madagascar[:]

Neubeschreibungen Wissenschaft

[:de]

Schon länger weiß man, dass es sich bei Calumma gallus aus dem Osten Madagaskars eher nicht nur um eine Art handelt, sondern um einen ganzen Art-Komplex. Wissenschaftler haben sich nun näher mit dem Komplex beschäftigt und neue genetische Untersuchungen veranlasst – und dabei einige Arten völlig über den Haufen geworfen.

Die Kurzfassung:

Das, was man bisher für Calumma nasutum aus Andasibe, Anosibe An’Ala und Tarzanville hielt, heißt jetzt Calumma hofreiteri. Die Weibchen sind nach wie vor nicht sicher von Calumma emelinae zu unterscheiden. Das „echte“ Calumma nasutum kommt in Regenwäldern nahe Ranomafana und Mananjary vor. Die Männchen von Calumma nasutum tragen einen deutlich größeren Nasenfortsatz, der häufig gelb gefärbt ist während die Weibchen nur eine rote Stupsnase haben. Calumma nasutum gehört übrigens zum gallus-Komplex.

Das, was man bisher für Calumma gallus hielt und im Schutzgebiet Vohimana und Umgebung vorkommt, heißt nun Calumma pinocchio. Das „echte“ Calumma gallus kommt in einem Waldfragment nahe Tarzanville, in Tsinjoarivo und mehreren kleinen Gebieten nahe Toamasina an der Ostküste Madagaskars vor. Sein Nasenfortsatz ist oben gezahnt, während der Nasenfortsatz von Calumma pinocchio glatt ist.

Towards a revision of the Malagasy chameleons of the Calumma gallus complex: Redefinition of Calumma nasutum based on a museomics approach and descriptions of two new species
Frank Glaw, Stefanie Agne, David Prötzel, Philip-Sebastian Gehring, Jörn Köhler, Michaela Preick, Fanomezana M. Ratsoavina, Nicolas Straube, Katharina Wollenberg Valero, Angelica Crottini, Miguel Vences
Salamandra 61(4): 442-466, 2025.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: aus der oben genannten Veröffentlichung, Calumma nasutum [:en]

It has long been known that Calumma gallus from eastern Madagascar is not just one species, but rather an entire species complex. Scientists have now taken a closer look at the complex and conducted new genetic studies – completely overturning some species classifications in the process.

The short version:

What was previously thought to be Calumma nasutum from Andasibe, Anosibe An’Ala and Tarzanville is now called Calumma hofreiteri. The females still cannot be reliably distinguished from Calumma emelinae. The ‘real’ Calumma nasutum occurs in rainforests near Ranomafana and Mananjary. The males of Calumma nasutum have a significantly larger rostral appendage, which is often yellow in colour, while the females only have a red snub nose. Calumma nasutum belongs to the gallus complex.

What was previously thought to be Calumma gallus and occurs in the Vohimana reserve and surrounding area is now called Calumma pinocchio. The ‘real’ Calumma gallus occurs in a forest fragment near Tarzanville, in Tsinjoarivo and several small areas near Toamasina on the east coast of Madagascar. Its rostral appendage is serrated at the top, while the rostral appendage of Calumma pinocchio is smooth.

Towards a revision of the Malagasy chameleons of the Calumma gallus complex: Redefinition of Calumma nasutum based on a museomics approach and descriptions of two new species
Frank Glaw, Stefanie Agne, David Prötzel, Philip-Sebastian Gehring, Jörn Köhler, Michaela Preick, Fanomezana M. Ratsoavina, Nicolas Straube, Katharina Wollenberg Valero, Angelica Crottini, Miguel Vences
Salamandra 61(4): 442-466, 2025.
DOI: not available
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Photo: from the above publication, Calumma nasutum [:]

[:de]Bradypodion pumilum: Doch ein Lauerjäger[:en]Cape dwarf chameleons are ambush predators[:]

[:de]Bradypodion pumilum: Doch ein Lauerjäger[:en]Cape dwarf chameleons are ambush predators[:]

Beobachtungen Wissenschaft

[:de]

Klassisch wurde lange nur zwischen zwei Varianten der Nahrungssuche unterschieden: Verfolgungsjäger (active forage) und Lauerjäger (sit and wait oder ambush foragers). Vor vielen Jahren stuften zwei Veröffentlichungen Chamäleons dann als „cruise forager“, also sich langsam durch das Gebüsch bewegende Jäger, ein. Eine Studie aus Südafrika beschäftigt sich nun damit, ob das stimmt und ob nicht weitere Faktoren zur Bewegung beitragen. Denn um den Modus der Nahrungssuche bewerten zu können, müsste man eigentlich auch Bewegung zur Regulation der Körpertemperatur, dem Ausweichen vor Fressfeinden oder Kontrahenten, der Suche nach Weibchen oder für Mate Guarding „herausrechnen“.

Dazu wurden 38 markierte (12 davon besenderte) Bradypodion pumilum über 10 Tage im April und 10 Tage im Februar begleitet. Die Chamäleons leben im Brümmer Park in Stellenbosch in der Provinz Westkap. Sie teilten sich auf in 17 männliche, 19 weibliche und 2 unbestimmte Bradypodion pumilum. Die Tiere wurden jeden Abend und jeden Morgen an den genannten Tagen mittels Telemetrie und bloßem Auge lokalisiert. Jedes Chamäleon wurde für 60 bis 180 Minuten am Stück beobachtet, wobei je zwei bis vier Beobachter sich dabei mit einem Fernglas zwischen 5 und 10 m vom zu beobachtenden Chamäleon weg befanden. Die Forscher zeichneten Bewegungen und stillsitzendes Verhalten auf und ordneten den Bewegungen jeweils die dazugehörige Motivation zu, nahmen Futteraufnahme und Schusszahlen auf.

Insgesamt kamen 171 Stunden Beobachtungszeit zusammen. Die überwiegende Zeit des Tages (über 75%) verbrachten die Bradypodion pumilum im Brümmer Park unbeweglich auf ihrem Ast. Am Morgen saßen sie sogar zu über 80% herum, wobei fast die Hälfte dieser Zeit gesonnt wurde, vermutlich um sich aufzuwärmen, und die andere Hälfte in schattiger Vegetation verbracht wurde. 26 Bradypodion pumilum fraßen im Beobachtungszeitraum insgesamt 110 Mal. Dabei fraßen sie signifikant häufiger (über 80%), wenn sie sich gerade nicht bewegten. Ein starker Faktor für Bewegung war die Interaktion mit Artgenossen – während den Beobachtungen wurde ein Männchen sogar von einem Weibchen so vertrieben, das es vom Baum fiel.

Die Autoren schließen aus ihrer Studie, dass es sich bei Bradypodion pumilum wohl doch eher um einen Lauerjäger handelt.

 A multi-index approach to assessing foraging mode: a case study using chameleons
Wade K. Stanton-Jones, Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Graham J. Alexander
Current Zoology, 2025, zoaf065
DOI: 10.1093/cz/zoaf065
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Foto: Besendertes Bradypodion pumilum aus der genannten Studie[:en]

For a long time, only two types of foraging behaviour were distinguished: active foragers and sit-and-wait or ambush foragers. Many years ago, two publications classified chameleons as ‘cruise foragers’, i.e. hunters that move slowly through the bushes, stop to feed and then move on. A study from South Africa is now investigating whether this is true and whether other factors contribute to movement. In order to evaluate the mode of foraging, one would actually have to ‘factor out’ movement for regulating body temperature, evading predators or opponents, searching for females or mate guarding.

To this end, 38 tagged (12 of them radio-tagged) Bradypodion pumilum were tracked over 10 days in April and 10 days in February. The chameleons live in Brümmer Park in Stellenbosch in the Western Cape province. They were divided into 17 male, 19 female and 2 indeterminate Bradypodion pumilum. The animals were located every evening and every morning on the specified days using telemetry and the naked eye. Each chameleon was observed for 60 to 180 minutes at a time, with two to four observers using binoculars from a distance of 5 to 10 metres from the chameleon being observed. The researchers recorded movements and stationary behaviour and assigned the corresponding motivation to each movement, noting food intake and number of shots.

A total of 171 hours of observation time was accumulated. Bradypodion pumilum spent most of the day (over 75%) stationary on their branches in Brümmer Park. In the morning, over 80% of them were sitting around, with almost half of this time spent sunbathing, presumably to warm up, and the other half spent stationary in shady vegetation. During the observation period, 26 Bradypodion pumilum fed a total of 110 times. They ate significantly more often (over 80%) when they were not moving. A strong factor for movement was interaction with conspecifics – during the observations, one male was even chased away by a female, causing it to fall from the tree.

The authors conclude from their study that Bradypodion pumilum is more likely to be a ambush hunter.

A multi-index approach to assessing foraging mode: a case study using chameleons
Wade K. Stanton-Jones, Krystal A. Tolley, Jody M. Barends, Graham J. Alexander
Current Zoology, 2025, zoaf065
DOI: 10.1093/cz/zoaf065
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Photo: Bradypodion pumilum tagged with a transmitter from the study mentioned above[:]

[:de]Vortrag in Frankfurt über Äthiopien[:en]Presentation in Frankfurt about Ethiopia[:]

[:de]Vortrag in Frankfurt über Äthiopien[:en]Presentation in Frankfurt about Ethiopia[:]

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

[:de]

Der Herpetologe Dr. Arthur Tiutenko von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hält am Freitag, den 26. September 2025 einen bilderreichen Vortrag über einen sehr speziellen Wald in  Äthiopien.

Der Harenna-Wald, der sich entlang des Südhangs des Bale-Gebirges im Süden Äthiopiens erstreckt, ist eines der letzten Waldgebiete am Horn von Afrika und der größte noch verbliebene Regenwald des afrikanischen Festlandes. Er ist nicht nur die Heimat des Arabica-Kaffees, sondern beherbergt auch zahlreiche andere endemische Pflanzen- und Tierarten, von denen viele noch nicht wissenschaftlich entdeckt und beschrieben sind. Die Herpetofauna des Harenna-Waldes umfasst mehr als 40 Arten, darunter die beiden großen äthiopischen Vipern – Bitis harenna und Bitis parviocula. Die Lebensräume dieser Tiere und das gesamte Ökosystem werden durch Überbevölkerung und zunehmende wirtschaftliche Nutzung zerstört. Sogar die Zukunft der offiziell geschützten Teile des Waldes sieht schwarz aus. Umso wichtiger ist es, Wissen über die Arten zu erlangen, die im Wald noch leben, bevor es zu spät ist. Arthur Tiutenko hat den Harenna Wald in zehn Expeditionen erkundet, über deren Ergebnisse er in diesem Vortrag berichtet.

Dr. Arthur Tiutenko Harenna Forest, Äthiopien – 12 Jahre Expeditionen in den letzten Regenwald am Horn von Afrika
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zooschule des Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über das Ausgangstor am Haupteingang Alfred-Brehm-Platz (Tor zwischen Zoo-Shop und Zoogesellschaftshaus)

Foto: Trioceros balebicornutus, fotografiert von Arthur Tiutenko auf einer seiner Reisen[:en]

On Friday, 26 September 2025, herpetologist Dr Arthur Tiutenko from Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg will give a lecture accompanied by numerous images about a very special forest in Ethiopia.

The Harenna Forest, which stretches along the southern slopes of the Bale Mountains in southern Ethiopia, is one of the last remaining forest areas in the Horn of Africa and the largest remaining rainforest on the African mainland. It is not only home to Arabica coffee, but also to numerous other endemic plant and animal species, many of which have not yet been scientifically discovered and described. The herpetofauna of the Harenna Forest includes more than 40 species, including the two large Ethiopian vipers – Bitis harenna and Bitis parviocula. The habitats of these animals and the entire ecosystem are being destroyed by overpopulation and increasing economic exploitation. Even the future of the officially protected parts of the forest looks bleak. This makes it all the more important to gain knowledge about the species that still live in the forest before it is too late. Arthur Tiutenko has explored the Harenna Forest in ten expeditions, the results of which he reports on in this lecture.

Dr. Arthur Tiutenko Harenna Forest, Ethiopia – 12 years of expeditions into the last rainforest in the Horn of Africa [German]
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zoo school of Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Lecture begins at 7 p.m., doors open at 6:30 p.m. via the exit gate at the main entrance on Alfred-Brehm-Platz (gate between the zoo shop and the zoo society building).

Photo: Trioceros balebicornutus, photographed by Arthur Tiutenko on one of his travels[:]

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

[:de]Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon[:en]Impact of roads on the European chameleon[:]

Wissenschaft

[:de]

Auf der iberischen Halbinsel ist das Europäische Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) zwar lokal verbreitet, sein Lebensraum wird jedoch im Bereich der dicht besiedelten Küste vielfach von Straßen durchschnitten. Biologen der Universität von Málaga (Spanien) haben kürzlich untersucht, ob und wie sich stark frequentierte Straßen auf das Verhalten und die Populationsdichte des Europäischen Chamäleons auswirkt.

Sie untersuchten ein Studiengebiet in Privatbesitz in der Provinz Málaga im Süden Spanien, das sich am Rand der Autobahn A7 befindet. Die A7 hat ein hohes Verkehrsaufkommen mit täglich rund 43.121 Autos. Das Studiengebiet bestand aus aufgegebenen Oliven- und Mandelhainen, aber vor allem großen Gebieten mit Buschland aus gelbem Ginster und ginsterähnlichen Gewächsen wie Lavendel, Fenchel und grünen Zwergpalmen.

Die Biologen teilten das Studiengebiet in fünf je 225 m breite Felder ein, die unterschiedlich weit von der A7 entfernt waren. Nachts wurde dann mit Taschenlampen nach Chamäleons gesucht. Geschlecht, Saison, Gewichte und Position gefundener Chamaeleo chamaeleon wurden aufgenommen und ihr Vorkommen statistisch ausgewertet. Zusätzlich wurde notiert, in welcher Vegetation die Tiere sich befanden und ob Nahrung verfügbar war. Um die Verfügbarkeit von Arthropoden besser einschätzen zu können, wurden diese mit Fallen gefangen und gezählt.

Insgesamt konnten 148 adulte und 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo gefunden werden, wobei 592 Kontrollpunkte ohne Chamäleonbeobachtungen blieben. Es fiel auf, dass die Populationsdichte von Chamaeleo chamaeleon in den Feldern, die am weitesten von der A7 entfernt lagen, am höchsten war. Nur 24,3% der adulten Chamäleons wurde in direkter Nähe zur Autobahn entdeckt, 62,2% dagegen befanden sich in den am weitesten von der Autobahn entfernten Bereichen. In den beiden Feldern direkt an der Autobahn fanden sich dazu passend auch die wenigstens Jungtiere. Die Chamäleons scheinen also von der Autobahn gestört zu sein und ziehen sich aus deren Nähe zurück. Das Angebot an Arthropoden, also potenziellem Futter), war in allen fünf Bereichen jedoch vergleichbar groß. Interessanterweise stellte sich außerdem heraus, dass mehr Chamäleons in Bereichen mit weniger Sträuchern vorkamen. Das spricht dafür, dass Chamaeleo chamaeleo Lebensräume mit sehr dichtem Gestrüpp eher meidet.

Die Ergebnisse der Studie passen zu denen bei anderen Reptilien, die unter anderem die sogenannte Road-effect zone beschreiben. Dabei handelt es sich um das Phänomen, das gerade und über weite Strecken verlaufende Straßen auch dann zu sehr viel ungeeignetem Lebensraum führen, wenn sie „nur“ schmale Säume haben, die von den Tieren vermieden werden. Die Länge der Straße und die Vielzahl der Straßen kann dann trotzdem den Lebensraum einer Art extrem stark beschneiden oder verkleinern. Diese Erkenntnis ist für das Europäische Chamäleon neu und für den Artenschutz wichtig.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gebiete mit hoch frequentierten Straßen in weniger als 500 bis 675 m Entfernung für Chamaeleo chamaeleon ungeeignete Lebensräume darstellen.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
Kostenloser Download des Artikels[:en]

Although the European chameleon (Chamaeleo chamaeleon) is locally widespread on the Iberian Peninsula, its habitat is often cut through by roads in densely populated coastal areas. Biologists at the University of Málaga (Spain) recently investigated whether and how busy roads affect the behaviour and population density of the European chameleon.

They studied a privately owned study area in the province of Málaga in southern Spain, located on the edge of the A7 motorway. The A7 has a high volume of traffic, with 43,121 cars passing through every day. The study area consisted of abandoned olive and almond groves, but mainly large areas of scrubland with yellow broom and broom-like plants such as lavender, fennel and green dwarf palms.

The biologists divided the study area into five 225-metre-wide fields, each at different distances from the A7 motorway. At night, they searched for chameleons using torches. The sex, season, weight and position of any Chamaeleo chamaeleon found were recorded and their occurrence statistically evaluated. In addition, they noted the type of vegetation in which the animals were found and whether food was available. In order to better assess the availability of arthropods, these were caught in traps, identified and counted.

A total of 148 adult and 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo were found, with 592 control points remaining without chameleon observations. It was noticeable that the population density of Chamaeleo chamaeleon was highest in the fields furthest away from the A7 motorway. Only 24.3% of adult chameleons were discovered in the immediate vicinity of the motorway, while 62.2% were found in the areas furthest from the motorway. Accordingly, the two fields directly adjacent to the motorway also had the fewest juveniles. The chameleons therefore appear to be disturbed by the motorway and retreat from its vicinity. However, the availability of arthropods (i.e. potential food) was comparable in all five areas. Interestingly, it was also found that more chameleons were present in areas with fewer shrubs. This suggests that Chamaeleo chamaeleo tends to avoid habitats with very dense undergrowth.

The results of the study are consistent with those for other reptiles, which describe, among other things, the so-called road effect zone. This is the phenomenon whereby straight roads running over long distances lead to a large amount of unsuitable habitat, even if they ‘only’ have narrow verges that are avoided by the animals. The length of the road and the number of roads can still severely restrict or reduce the habitat of a species. This finding is new for the European chameleon and important for species conservation. The authors conclude that areas with highly frequented roads less than 500 to 675 metres away are unsuitable habitats for Chamaeleo chamaeleon.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
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[:de]Neue Daten zu Furcifer campani in Ankaratra (Madagaskar)[:en]New data about Furcifer campani in Ankaratra (Madagascar)[:]

[:de]Neue Daten zu Furcifer campani in Ankaratra (Madagaskar)[:en]New data about Furcifer campani in Ankaratra (Madagascar)[:]

Wissenschaft

[:de]

Zwei madagassische Biologen haben sich kürzlich mit der aktuellen Lage des Chamäleons Furcifer campani im Schutzgebiet Ankaratra beschäftigt. Ankaratra liegt rund 80 km südlich der Hauptstadt Antananarivo im zentralen Hochland, unweit der Kleinstadt Ambatolampy. Das Schutzgebiet erstreckt sich über Höhen von 1601 bis 2656 m und deckt dichten Regenwald, Pinienforst und Savannen mit Gebieten ähnlich einer Heidelandschaft ab. Die Durchschnittstemperaturen liegen in der Trockenzeit (Juli) bei 11,9°C, in der Regenzeit (Januar) bei 17,9°C.

Die Studie wurde mittels sogenanntem Distance sampling durchgeführt. Dabei werden an unterschiedlichen Orten innerhalb des Studiengebiets je drei Linien von 50 m Länge gezogen, die jeweils 25 m entfernt voneinander liegen. Nach einer Wartezeit von 24 h gingen die beiden Biologen die Transekte in der Nacht mit Taschenlampen ab und suchten nach Chamäleons. Die Fundhöhe sowie das Geschlecht der aufgefundenen Chamäleons wurde notiert. Außerdem wurde beurteilt, ob sich das Tier in einem stark zerstörten Habitat befand oder nicht (Brandrodung in den letzten 4-5 Jahren).

Die Ergebnisse der Studie ergeben eine Populationsdichte von Furcifer campani in Ankaratravon 19,06 Individuen pro ha in wenig zerstörten Lebensräumen sowie 12,62 Individuen pro ha in stark zerstörten Habitaten. Ungefähr die Hälfte der Transekte befanden sich dabei in stark durch Brandrodung zerstörten Lebensräumen. Furcifer campani war nachts auf Höhen zwischen 4 cm und 3 m über dem Boden zu finden. Im Durchschnitt befanden sich die Chamäleons mit 47 cm gegenüber 40 cm in unzerstörten Lebensräumen etwas weiter oben in der Vegetation schlafend.

Die beiden Autoren machten in Ankaratra zwei große Gefahren für Furcifer campani aus: Zum einen Brandrodung, die allerdings in zweifacher Hinsicht ein Problem darstellt. Nicht nur zerstört Brandrodung durch den Menschen geeigneten Lebensraum unwiderbringlich, die Autoren fanden auch an Brandverletzungen verstorbene Furcifer campani während ihrer Studie. Als zweite große Bedrohung machten die Autoren die Pinienforste innerhalb des Schutzgebietes aus. Pinien wurden dort an vielen Stellen zur späteren Abholzung angepflanzt. Sie breiten sich aber auch außerhalb des ursprünglich dafür angedachten Gebietes aus und greifen auf andere Lebensräume über. Furcifer campani bevorzugt jedoch den Aufenthalt in Savannen, die in Ankaratra vor allem aus Philippia und Helichrysum-Gräsern besteht, und kann mit den Pinienforsten nichts anfangen. Eine nennenswerte Entnahme von Tieren für den internationalen Handel findet in den letzten Jahren nicht mehr statt und wird daher nicht als akute Bedrohung gesehen.

Habitat quality and roost preference of jewelled chameleon (Furcifer campani) in Ankaratra highlands, central Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro
Scientific Reports in Life Sciences 6(3), 2025: 33-40.
DOI:  10.5281/zenodo.16895177
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Foto: Furcifer campani auf Madagaskar, fotografiert von Thorsten Negro[:en]

Two Madagascan biologists recently studied the current situation of the jewelled chameleon (Furcifer campani) in the Ankaratra reserve. Ankaratra is located around 80 km south of the capital Antananarivo in the central highlands, not far from the small town of Ambatolampy. The reserve extends over altitudes of 1601 to 2656 m and covers dense rainforest, pine forest and savannahs with areas similar to heathland. Average temperatures are 11.9°C in the dry season (July) and 17.9°C in the rainy season (January).

The study was conducted using a method known as distance sampling. This involves drawing three lines, each 50 metres long and 25 metres apart, at different locations within the study area. After a waiting period of 24 hours, the two biologists walked the transects at night with torches and searched for chameleons. The perch height and sex of the chameleons found were noted. In addition, an assessment was made as to whether or not the animal was in a severely destroyed habitat (= slash-and-burn in the last 4-5 years).

The results of the study show a population density of Furcifer campani in Ankaratra of 19.06 individuals per hectare in habitats with little destruction and 12.62 individuals per hectare in habitats with severe destruction. Approximately half of the transects were located in habitats severely destroyed by slash-and-burn practices. Furcifer campani was found at night at heights between 4 cm and 3 m above the ground. On average, the chameleons slept slightly higher up in the vegetation at 47 cm compared to 40 cm in undisturbed habitats.

The two authors identified two major threats to Furcifer campani in Ankaratra: firstly, slash-and-burn farming, which poses a double problem. Not only does slash-and-burn irretrievably destroy suitable habitat, but the authors also found Furcifer campani that had died from burn injuries during their study. The authors identified the pine forests within the protected area as the second major threat. Pine trees were planted there in many places for later logging. However, they are also spreading outside the area originally intended for them and encroaching on other habitats. Furcifer campani prefers to live in savannahs, which in Ankaratra consist mainly of Philippia and Helichrysum grasses, and cannot thrive in pine forests. There has been no significant removal of animals for international trade in recent years and this is therefore not considered an acute threat.

Habitat quality and roost preference of jewelled chameleon (Furcifer campani) in Ankaratra highlands, central Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro
Scientific Reports in Life Sciences 6(3), 2025: 33-40.
DOI:  10.5281/zenodo.16895177
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Picture: Furcifer campani in Madagascar, photographed by Thorsten Negro[:]

[:de]Neuer Fundort von Calumma vencesi (Madagaskar)[:en]New locality record of Calumma vencesi (Madagascar)[:]

[:de]Neuer Fundort von Calumma vencesi (Madagaskar)[:en]New locality record of Calumma vencesi (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Calumma vencesi kommt im Norden Madagaskars vor und ist dort bisher von den Fundorten Betaolana, Besariaka und Tsararano bekannt. Ein madagassisches Forscherteam hat die Art nun noch in einem weiteren Regenwald entdecken können: In Sorata. Sorata gehört zum sogenannten COMATSA-Korridor, der vor allem aus den Regenwäldern Marojejy, Anjanaharibe Sud und Tsaratanana besteht. Sorata dagegen liegt noch etwas nördlicher in Richtung Vohémar. Der Regenwald wird derzeit vom WWF zusammen mit dem örtlichen Verein Ambodimandresy Miaro ny Ala (AMA) verwaltet.

Die Wissenschaftler verteilten zufällig 14 Transekte im Regenwald, die aus je drei parallel verlaufenden Linien von 50 m bestanden. Dann suchten sie nachts mit Taschenlampen entlang der Transekte nach schlafenden Chamäleons. Die Häufigkeit der Art pro 100 m wurde berechnet, die genutzten Pflanzen dokumentiert und die Schlafhöhe gemessen.

Insgesamt konnten acht Calumma vencesi gefunden werden. Sie schliefen auf einer durchschnittlichen Asthöhe vvon 1,43 m meist auf Blättern, wenige Individuen auf Ästen. Fünf Chamäleons wurden vertikal schlafend angetroffen, drei eher horizontal. Sieben von acht Calumma vencesi schliefen mit dem Kopf nach oben, nur eines kopfüber.

Das Vorkommen von nur 0,38 Individuen pro 100 m ist erstaunlich gering und unterschreitet sogar das von als vom Aussterben bedroht eingestuften Chamäleonarten wie Calumma tarzan. Bisher war Calumma vencesi außerdem ausschließlich unter 1000 m gefunden worden, das Studiengebiet in Sorata lag jedoch durchschnittlich auf 1326 m. Calumma vencesi kommt damit in Sorata im gleichen Verbreitungsgebiet wie Brookesia nana vor, was die Schutzbedürftigkeit dieses Regenwaldes noch dringender macht. Der Wald Brandrodung und illegalem Holzschlag sowie weidendem Vieh und Vanilleplantagen bedroht.

 A new locality for the endangered Vence’s Chamaeleon, Calumma vencesi Andreone et al., 2001, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 18, 2025: 817-820.
DOI: nicht vorhanden
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Foto: Calumma vencesi, fotografiert von Asméralie William, aus der genannten Publikation[:en]

Calumma vencesi occurs in northern Madagascar and has so far been found in Betaolana, Besariaka and Tsararano. A Madagascan research team has now discovered the species in another rainforest: Sorata. Sorata is part of the COMATSA corridor, which mainly consists of the Marojejy, Anjanaharibe Sud and Tsaratanana rainforests. Sorata, on the other hand, is located slightly further north towards Vohémar. The rainforest is currently managed by the WWF in collaboration with the local association Ambodimandresy Miaro ny Ala (AMA).

The scientists randomly distributed 14 transects in the rainforest, each consisting of three parallel lines of 50 m. Then, at night, they searched for sleeping chameleons along the transects with flashlights. The frequency of the species per 100 m was calculated, the plants used were documented and the sleeping height was measured.

A total of eight Calumma vencesi were found. They slept at an average branch height of 1.43 m, mostly on leaves, with a few individuals on branches. Five chameleons were found sleeping vertically, three more horizontally. Seven of the eight Calumma vencesi slept with their heads up, only one upside down.

The occurrence of only 0.38 individuals per 100 m is surprisingly low and even falls below that of chameleon species classified as critically endangered, such as Calumma tarzan. Until now, Calumma vencesi had only been found below 1000 m, but the study area in Sorata was at an average altitude of 1326 m. Calumma vencesi occurs in Sorata in the same distribution area as Brookesia nana, which makes the need to protect this rainforest even more urgent. The forest is threatened by slash-and-burn farming, illegal logging, grazing livestock and vanilla plantations.

 A new locality for the endangered Vence’s Chamaeleon, Calumma vencesi Andreone et al., 2001, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 18, 2025: 817-820.
DOI: not available
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Photo: Calumma vencesi, photographed by Asméralie William, from the aforementioned publication[:]

[:de]Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons[:en]Ultrasound of the urogenital tract in chameleons[:]

[:de]Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons[:en]Ultrasound of the urogenital tract in chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

In den letzten Jahren gab es erste Studien zur Bildgebung in der Diagnose von Erkrankungen speziell bei Chamäleons. Eine weitere Untersuchung von Tierärzten der Universität Leipzig legt nun weitere Vergleichsdaten zum Urogenitaltrakt von Chamäleons vor.

Sie untersuchten Nieren, Blase und Geschlechtsorgane von 42 Echsen, die von privaten Haltern an der Uniklinik vorgestellt wurden, mittels Ultraschall. Unter den Patienten waren sieben Chamaeleo calyptratus, fünf Furcifer pardalis. Von diesen 12 Chamäleons waren sechs männlich und sechs weiblich. Alle Organe wurden vermessen, beschrieben und Beispielbilder gespeichert.

Leider konnten bei keinem der weiblichen Chamäleons die Geschlechtsorgane für die Studie beurteilt werden, da sie entweder krankhaft verändert oder mittels vorangehender Operation bereits entfernt worden waren. Als Ankopplungsort für den Ultraschall der Nieren stellte sich bei den Chamäleons eine seitliche Ankopplung etwa einen Zentimeter vor der Hüfte als günstig heraus. Der postpelvine Anteil der Nieren war stets kleiner als der präpelvine. Die Nieren wiesen bei allen männlichen Chamäleons heterogene Flecken auf, während die Nieren der Weibchen stets homogen waren. Diese Streifung ist vermutlich auf Sexualsegmente in den Nieren bei Männchen zurückzuführen. Das Nierengewebe war isoechogen zu Muskelgewebe und hypoechogener als Fettgewebe. Die Hoden der männlichen Chamäleons lagen jeweils im hinteren Drittel der Coelomhöhle direkt unter der Wirbelsäule und vor den Nieren. Der rechte Hoden lag jeweils etwas weiter vorne als der linke. Die Kapsel war bei allen Männchen hyperechogen, während die Hodenstruktur stets homogen war. Durchschnittliche Maße der Nieren und Hoden der Jemen- und Pantherchamäleons werden in der Studie ebenfalls angegeben.

Die Daten entsprechen größtenteils den bereits von Aßmann 2015 zusammengetragenen Daten zum Ultraschall des Urogenitaltrakts von Chamäleons. Lediglich die Nierenlänge unterschied sich deutlich (länger) von vorhergehenden Untersuchungen.

Comparative sonographic studies of the urogenital tract of lizards
Nils B. Klützow, Volker Schmidt
Veterinary Radiology & Ultrasound 2025, 66:e70075
DOI: 10.1111/vru.70075
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In recent years, initial studies have been conducted on imaging in the diagnosis of diseases specifically in chameleons. A further study by veterinarians at the University of Leipzig (Germany) now presents additional comparative data on the urogenital tract of chameleons.

They examined the kidneys, bladder and reproductive organs of 42 lizards brought to the university hospital by private owners using ultrasound. Among the patients were seven Chamaeleo calyptratus and five Furcifer pardalis. Of these 12 chameleons, six were male and six were female. All organs were measured, described and sample images were saved.

Unfortunately, the sex organs of none of the female chameleons could be assessed for the study, as they were either pathologically altered or had already been removed during previous surgery. The most suitable location for coupling the ultrasound probe to the kidneys of the chameleons was found to be approximately one centimetre in front of the hip. The postpelvic portion of the kidneys was always smaller than the prepelvic portion. The kidneys of all male chameleons showed heterogeneous stripes, while the kidneys of the females were always homogeneous. This striping is probably due to sexual segments in the kidneys of males. The kidney tissue was isoechogenic to muscle tissue and more hypoechoic than adipose tissue. The testes of the male chameleons were located in the posterior third of the coelomic cavity, directly below the spine and in front of the kidneys. The right testicle was slightly further forward than the left. The capsule was hyperechoic in all males, while the testicular structure was always homogeneous. The study also provides average measurements of the kidneys and testicles of Yemen and panther chameleons.

The data largely correspond to the data already compiled by Aßmann in 2015 on ultrasound of the urogenital tract of chameleons. Only the kidney length differed significantly (longer) from previous studies.

Comparative sonographic studies of the urogenital tract of lizards
Nils B. Klützow, Volker Schmidt
Veterinary Radiology & Ultrasound 2025, 66:e70075
DOI: 10.1111/vru.70075
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