[:de]Histologie der Chamäleonleber[:en]Histology of the chameleon liver[:]

[:de]Histologie der Chamäleonleber[:en]Histology of the chameleon liver[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Histologische Untersuchungen von Organgewebe gehören zu jeder pathologischen Untersuchung in der Tiermedizin. Bei Reptilien werden sie ebenfalls häufig angefertigt, Studien zur Histologie von gesundem Organgewebe gibt es aber wenige. Eine arabische Publikation beschäftigt sich jetzt mit histologischen Schnitten von Chamäleonlebern.

Sieben adulte Jemenchmäleons wurden in Abha City in der Region Aseer gefangen und anschließend mit Äther-Inhalation getötet. Die Lebern wurden in Formalin eingelegt, um sie dann in Paraffin zu gießen und Schnitte anzufertigen.

Morphologisch zeigte sich in der Sektion – wie bereits bekannt – die Leber als zweilappiges, dunkelbraunes Organ von ungefähr 3,7 x 2 cm Größe, das in der Coelomhöhle vor dem Magen liegt und die Gallenblase umschließt. Wie bei anderen Tieren umschließt eine Kapsel aus Bindegewebe die Leber.

Histologisch ähnelt die Leber bei Jemenchamäleons dem anderer Wirbeltiere in vielen Aspekten. Die Leberkapsel besteht aus dicht beieinander liegenden, kollagenen Fasern und glatten Muskelfasern. Normalerweise teilt trabekuläres Bindegewebe die Leber selbst in viele kleine Läppchen, eine solche Struktur scheint bei Jemenchamäleons aber nicht vorhanden zu sein. Die Leberzellen (Hepatozyten) sind auch im Gegensatz zu Säugetieren nicht radiär um jeweils eine Vene angeordnet, sondern eher unregelmäßig in Follikeln oder Alveolen. Die Hepatozyten sind von kapillaren Blutgefäßen umgeben. In den Blutgefäßen sind sogenannte Melanomakrophagen zu sehen, die es bei Vögeln und Säugetieren nicht gibt. Die Hepatozyten beim Jemenchamäleon sind polyedrisch oder pyramidenförmig und enthalten meistens mehrere große, runde Zellkerne in der Peripherie. Die Zellkerne enthalten auffällig dunkle Nucleoli. Hin und wieder sind Zellkerne zentral. Unter Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE) wirken die Hepatozyten sehr eosinophil. Im Bindegewebe konnten Zweige der Pfortader, Leberarterie, kleine Gallengänge und Lymphgefäße dargestellt werden. Im Bereich direkt unter der Leberkapsel konnte hämatopoetisches Gewebe gefunden werden.

Neben der histologischen Untersuchung wurden mehrere Leberstücke außerdem mittels Transmissionselektronenmikroskopie untersucht. Aufnahmen beider Untersuchungsmethoden finden sich in der Veröffentlichung.

Histomorphological, histochemical and ultrastructural studies on the healthy liver of Yemen Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Southern Saudi Arabia
Amin A. Al-Doaiss, Mohammed A. Alshehri, Ali A. Shati, Mohammad Y. Alfaifi, Mohammed A. Al-Kahtani, Ahmed Ezzat Ahmed, Refaat A. Eid, Laila A. Al-Shuraym, Fahd A. Al-Mekhlafi, Mohammed Al Zahrani, Mohammed Mubarak
International Journal of Morphology 41(5), 2023: pp. 1513-1526.
DOI: nicht vorhanden

Bild: Histologisches Schnittbild der Leber eines Jemenchamäleons aus der oben genannten Veröffentlichung[:en]

Histological examinations of organ tissue are part of every pathological examination in veterinary medicine. They are also frequently carried out in reptiles, but there are few studies on the histology of healthy organ tissue. An Arabic publication now deals with histological sections of chameleon livers.

Seven adult Yemen chameleons were captured in Abha City in the Aseer region and then killed with ether inhalation. The livers were placed in formalin and then poured into paraffin to make sections.

Morphologically, the liver was found to be a two-lobed, dark brown organ approximately 3.7 x 2 cm in size, which lies in the coelomic cavity in front of the stomach and surrounds the gall bladder. As in other animals, a capsule of connective tissue surrounds the liver.

Histologically, the liver of Yemen chameleons resembles that of other vertebrates in many respects. The liver capsule consists of closely spaced collagenous fibres and smooth muscle fibres. Normally, trabecular connective tissue divides the liver itself into many small lobules, but such a structure does not appear to be present in Yemen chameleons. In contrast to mammals, the liver cells (hepatocytes) are not arranged radially around a vein, but rather irregularly in follicles or alveoli. The hepatocytes are surrounded by capillary blood vessels. So-called melanoma macrophages, which are not found in birds and mammals, can be seen in the blood vessels. The hepatocytes in the Yemen chameleon are polyhedral or pyramid-shaped and usually contain several large, round cell nuclei in the periphery. The nuclei contain conspicuously dark nucleoli. Occasionally nuclei are central. Under haematoxylin-eosin (HE) staining, the hepatocytes appear very eosinophilic. In the connective tissue, branches of the portal vein, hepatic artery, small bile ducts and lymphatic vessels could be visualised. Haematopoietic tissue was found in the area directly under the liver capsule.

In addition to the histological examination, several pieces of liver were also examined using transmission electron microscopy. Images of both examination methods can be found in the publication.

Histomorphological, histochemical and ultrastructural studies on the healthy liver of Yemen Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Southern Saudi Arabia
Amin A. Al-Doaiss, Mohammed A. Alshehri, Ali A. Shati, Mohammad Y. Alfaifi, Mohammed A. Al-Kahtani, Ahmed Ezzat Ahmed, Refaat A. Eid, Laila A. Al-Shuraym, Fahd A. Al-Mekhlafi, Mohammed Al Zahrani, Mohammed Mubarak
International Journal of Morphology 41(5), 2023: pp. 1513-1526.
DOI: none

Image: Histological section of the liver of a Yemen chameleon from the above-mentioned publication[:]

[:de]Jemenchamäleon sucht neue Halter[:en]Veiled Chameleon seeks new keeper[:]

[:de]Jemenchamäleon sucht neue Halter[:en]Veiled Chameleon seeks new keeper[:]

Abzugeben Allgemeines

[:de]

Ein weibliches, noch recht junges Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) aus einer amtlichen Beschlagnahmung suchen innerhalb Deutschlands neue und vor allem chamäleonkundige Halter. Bei Interesse schreibt uns gerne an info@agchamaeleons.de für weitere Informationen.

[:en]

A female, still quite young Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) from an official confiscation is looking for new and, above all, chameleon-friendly owners within Germany. If you are interested, please contact us at info@agchamaeleons.de for further information.

[:]

[:de]Zoonotisches Potenzial von Jemenchamäleons auf Gran Canaria (Spanien)[:en]Zoonotic potential of Yemen chameleons in Gran Canaria (Spain)[:]

[:de]Zoonotisches Potenzial von Jemenchamäleons auf Gran Canaria (Spanien)[:en]Zoonotic potential of Yemen chameleons in Gran Canaria (Spain)[:]

Wissenschaft

[:de]

Die kanarischen Inseln liegen nordwestlich von Afrika nahe der Küste von Marokko. Auf Gran Canaria, der zweitgrößten Insel, sind von über 1000 Pflanzen- und Tierarten rund 290 eingeschleppt, also Arten, die ursprünglich nicht dort vorkommen. Seit mindestens 2017 gibt es freilebende Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) auf Gran Canaria. Spanische Wissenschaftler haben nun untersucht, ob von dieser eingeschleppten Chamäleonpopulation zoonotisches Potenzial ausgehen könnte.

Untersucht wurden 40 Jemenchamäleons, die von Red de Alerta Temprana de Canarias para la Detección e Intervención de Especies Exóticas Invasoras in Arucas zuvor gefangen und getötet worden waren. 36 der Chamäleons waren adult, vier juvenil. Bei jedem Chamäleon wurde Darminhalt entnommen und mittels diverser Methoden auf das Vorkommen verschiedener Bakterien untersucht.

Bei 28 der Jemenchamäleons wurde mindestens eine der gesuchten Bakterien gefunden. Rund die Hälfte der Chamäleons wies Yersinia enterocolitica auf, was die höchste bisher für dieses Bakterium nachgewiesene Prävalenz bei Reptilien ist. Das Bakterium kann beim Menschen unter anderem Durchfall verursachen. Unklar ist, wie die Jemenchamäleons sich damit infizierten – möglicherweise über Insekten. 16 der Jemenchamäleons wiesen Salmonellen im Darm auf. Salmonellen sind sehr häufig bei Reptilien und wurde auf Gran Canaria sogar schon bei endemischen Arten nachgewiesen. Ebenfalls häufig bei Reptilien gefunden werden Pseudomonas, die im Darm von 13 Tieren nachgewiesen werden konnten. Zwei Jemenchamäleons waren mit Campylobacter infiziert, bei einem davon konnte Campylobacter lari identizifiert werden. Dieses Bakterium kann selten bei Menschen zu Erkrankungen führen, für die sonst bei Reptilien üblichen Arten ist jedoch kein krankmachendes Potenzial für den Menschen bekannt. Campylobacter lari wurde bisher vor allem in Meeresfrüchten und Vögeln nachgewiesen – möglich ist, dass das Jemenchamäleon an der Küste das Bakterium aufgenommen hat und nicht selbst mitbrachte. Drei Jemenchamäleons wiesen Escherichia coli auf, was bei Menschen in seltenen Fällen zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) führen kann. Weitere zwei Chamäleons hatten Listeria monocytogenes im Darm, was bei Aufnahme mit dem Essen bei Schwangeren gefährlich werden kann. Fünf Jemenchamäleons hatten Mykobakterien, davon wurden mehrere als nicht-tuberkulös infiziert. Staphylokokken wurden in sieben Chamäleons nachgewiesen, sie gehören allerdings zur normalen Hautflora. Fünf Isolate waren jedoch positiv für Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika, was bei Staphylococcus aureus beim Menschen zunehmend zum Problem wird. Zuletzt konnte in einem einzelnen Jemenchamäleon Vibrio nachgewiesen werden, von denen einige Arten Durchfall beim Menschen auslösen können. Das Bakterium wurde früher schon bei eingeschleppten Anolis auf Teneriffa nachgewiesen.

Die Autoren halten fest, dass ein zoonotisches Potenzial für den Mensch durch das Handling eingeschleppter Jemenchamäleons auf Gran Canaria besteht. Inwiefern eine reale Gefahr für Menschen als auch endemische Tierarten besteht, muss jedoch weiter untersucht werden.

Study of zoonotic pathogens in alien population of Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) in the Canary Islands (Spain)
Román Pino-Vera, Néstor Abreu-Acosta, Pilar Foronda
Animals 13 (14), 2023
DOI:  10.3390/ani13142288[:en]

The Canary Islands are located northwest of Africa near the coast of Morocco. On Gran Canaria, the second largest island, around 290 of over 1000 plant and animal species have been introduced, i.e. species that do not originally occur there. Since at least 2017, there have been free-living Veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) on Gran Canaria. Spanish scientists have now investigated whether this introduced chameleon population could have zoonotic potential.

They examined 40 Veiled chameleons that had previously been caught and killed by Red de Alerta Temprana de Canarias para la Detección e Intervención de Especies Exóticas Invasoras in Arucas. 36 of the chameleons were adults, four were juveniles. Intestinal contents were taken from each chameleon and analysed for the presence of different bacteria using various methods.

At least one of the bacteria sought was found in 28 of the Veiled chameleons. About half of the chameleons had Yersinia enterocolitica, which is the highest prevalence ever recorded for this bacterium in reptiles. The bacterium can cause diarrhoea in humans, among other things. It is unclear how the Veiled chameleons became infected with it – possibly via insects. 16 of the Veiled chameleons had salmonella in their intestines. Salmonella is very common in reptiles and has even been found in endemic species on Gran Canaria. Pseudomonas is also frequently found in reptiles and was detected in the intestines of 13 animals. Two Veiled chameleons were infected with Campylobacter, in one of them Campylobacter lari could be identified. This bacterium can rarely cause illness in humans, but no pathogenic potential for humans is known for the species otherwise common in reptiles. Campylobacter lari has so far been detected mainly in seafood and birds – it is possible that the Veiled Chameleons picked up the bacterium on the coast and did not bring it with them. Three Veiled chameleons had Escherichia coli, which in rare cases can lead to haemolytic uraemic syndrome (HUS) in humans. Another two chameleons had Listeria monocytogenes in their intestines, which can be dangerous for pregnant women if ingested with food. Five Veiled Chameleons had mycobacteria, several of which were found to be non-tuberculous infections. Staphylococci were detected in seven chameleons, but they are part of the normal skin flora. However, five isolates were positive for resistance to certain antibiotics, which is becoming an increasing problem with Staphylococcus aureus in humans. Most recently, Vibrio was detected in a single Yemen chameleon, some species of which can cause diarrhoea in humans. The bacterium has previously been detected in introduced anoles on Tenerife.

The authors state that there is a zoonotic potential for humans due to the handling of introduced Veiled Chameleons on Gran Canaria. However, the extent to which there is a real risk for humans as well as endemic species needs to be further investigated.

Study of zoonotic pathogens in alien population of Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) in the Canary Islands (Spain)
Román Pino-Vera, Néstor Abreu-Acosta, Pilar Foronda
Animals 13 (14), 2023
DOI:  10.3390/ani13142288[:]

[:de]Zwillingsschlupf bei Jemenchamäleons in Lettland[:en]Twins in Veiled Chameleons in Latvia[:]

[:de]Zwillingsschlupf bei Jemenchamäleons in Lettland[:en]Twins in Veiled Chameleons in Latvia[:]

Kurzmitteilungen Nachzuchten

[:de]

Aus Riga wurde der Schlupf von zwei Zwilingspaaren bei Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) in Lettland gemeldet. Die Elterntiere leben im Zoo von Riga, die Jungtiere schlüpften im März 2022. Bei den Zwillingen handelte es sich um zwei männliche und zwei weibliche Jemenchamäleon, die jeweils als Paar in je einem Ei waren. Sie stammen aus einem Gelege von 85 Eiern, von denen letztendlich 48 schlüpften. Alle vier Jungtiere zeigten sich zunächst aktiv und nahmen Futter an. Im Alter von zwei Monaten starb eines der Jungtiere, die drei übrigen lebten im Februar 2023 noch immer.

Der Artikel gibt außerdem eine kurze Übersicht über Fälle von Zwillingen bei Reptilien aus der bereits vorhandenen Literatur.


A review of twinning in lizards and a report of Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) twin births
Alessandro di Marzio, Elza Birbele, Lucia Puchades, Andris Lazdiņš
Herpetology Notes 16: 471-476, 2023
DOI:

Foto: Eines der Zwillingspaare beim Schlupf[:en]

The hatching of two pairs of twins of Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) in Latvia has been reported from Riga. The parents live at Riga Zoo and the young hatched in March 2022. The twins were two male and two female Veiled Chameleons, each pair in one egg. They came from a clutch of 85 eggs, of which 48 eventually hatched. All four young animals were active at first and accepted food. At the age of two months, one of the juveniles died, the remaining three were still alive in February 2023.

The article also gives a brief overview of cases of twins in reptiles from the existing literature.

A review of twinning in lizards and a report of Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) twin births
Alessandro di Marzio, Elza Birbele, Lucia Puchades, Andris Lazdiņš
Herpetology Notes 16: 471-476, 2023
DOI:

Photo: One of the twin pairs at hatching[:]

[:de]Wie und wann Jemenchamäleons vibrieren[:en]How and when Veiled Chameleons show biotremors[:]

[:de]Wie und wann Jemenchamäleons vibrieren[:en]How and when Veiled Chameleons show biotremors[:]

Wissenschaft

[:de]

Manche Chamäleonarten können vibrieren wie Smartphones – das wissen die meisten Chamäleonhalter. Das bekannteste Beispiel für diese Fähigkeit ist das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus).  Gleich zwei neue Artikel von Wissenschaftlern aus den USA beschäftigen sich nun damit, wozu diese Vibrationen gut sind, wie sie entstehen und wie das Jemenchamäleon sie überhaupt einsetzt.

Neun adulte Jemenchamäleons (drei weiblich, sechs männlich) und sechs juvenile Jemenchamäleons (drei weiblich, drei männlich) nahmen insgesamt an den ersten Versuchen teil. Im ersten Experiment wurden elf davon einzeln nacheinander auf einem 77 cm langen und 5 mm dickem Holzstab platziert. Sobald sich das Chamäleon mittig daraufgesetzt hatte, wurde der Holzstab Vibrationen von 25, 50, 150, 300 und 600 Hz ausgesetzt. Nach jedem Stimulus wurde verglichen, ob das Chamäleon sich schneller, langsamer oder genauso wie vorher bewegte. Bei den Jungtieren wurde, um sie überhaupt zu Bewegung zu motivieren, nahe dem Ende des Holzstabes eine Pflanze angebracht. Zusätzlich sorgte ein kleiner Lüfter für die Imitation von leichtem Wind. Für das zweite Experiment wurden nacheinander alle 15 Jemenchamäleons in eine oben offene Holzbox auf einen 122 cm langen Holzstab gesetzt. Mit einer 27 G Kanüle wurde den Tieren in den Oberarm gepiekt. Ein auf den Helm, bei Jungtieren auf den Ast geklebter Beschleunigungssensor maß darauf erfolgte Reaktionen (Vibrationen) der Chamäleons.

Die Ergebnisse sind spannend: Adulte Jemenchamäleons reagierten auf 50 und 150 Hz zuverlässig mit „einfrieren“, also völliger Bewegungslosigkeit. Jungtiere dagegen reagierten mit diesem Verhalten auf andere Frequenzen, nämlich 50 und 300 Hz. Alle adulten Jemenchamäleons zeigten selbst Biotremore (Vibrationen). Bei den Jungtieren konnten die Wissenschaftler zwar bei allen Vibrationen spüren, aber nicht alle konnten mit dem Sensor nachgewiesen werden. Die Vibrationen wurden in zwei Klassen eingeteilt: „Hupen“ (hoots) mit durchschnittlich 7,5 dB und „Mini-Hupen“ (mini-hoots) mit -32,5 dB. Je länger die größeren Vibrationen andauerten, desto niedriger war die Frequenz.

Eine zweite Versuchsreihe verwendete sechs adulte Jemenchamäleons (vier männlich, zwei weiblich), vier juvenile Jemenchamäleons sowie ein adultes Chamaeleo gracilis. Je zwei Chamäleons wurden in eine durch eine Plexiglasscheibe in zwei Abteile getrennte Holzbox gesetzt. Mittels Videoaufnahme und Beschleunigungssensor wurden die Reaktionen aufeinander gemessen. Getestet wurden gleichgeschlechtliche Jemenchamäleons, Paare von Jemenchamäleons, ein Jemenchamäleon mit Chamaeleo gracilis und adulte gegenüber juvenilen Jemenchamäleons. Die adulten Jemenchamäleons zeigten in rund 85% der Versuche Vibrationen im Zusammenhang mit anderen adulten Jemenchamäleons. Die Stärke der Vibrationen war individuell sehr unterschiedlich. Klarer Auslöser der Biotremore schien der visuelle Kontakt zu einem anderen Chamäleon zu sein. Drohgebärden und aggressives Verhalten führten mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Vibrationen. In der zweiten Versuchsreihe wurde neben dem Hupen eine dritte Variante von Biotremoren entdeckt, ein Grollen (rumbles).

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part I – Biotremor production and response to substrate-borne vibrations
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad085

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part II – Social contexts
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad084

[:en]

Some chameleon species can vibrate like smartphones – most chameleon keepers know this. The best-known example of this ability is the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus). Two new articles by scientists from the USA now deal with what these vibrations are good for, how they occur, and how the Veiled Chameleon uses them in the first place.

Nine adult Veiled Chameleons (three females, six males) and six juvenile Veiled Chameleon (three females, three males) took part in the first experiments. Eleven of them were placed individually one after the other on a 77 cm long and 5 mm thick wooden stick. As soon as the chameleon sat in the middle, the wooden stick was subjected to vibrations of 25, 50, 150, 300, and 600 Hz. After each stimulus, a comparison was made to see whether the chameleon moved faster, slower, or the same as before. In order to motivate the young animals to move, a plant was placed near the end of the wooden stick. In addition, a small fan was used to imitate a light wind. For the second experiment, all 15 Veiled Chameleons were placed one after the other in a wooden box open at the top on a 122 cm long wooden stick. The animals were poked in the upper arm with a 27 G cannula. An acceleration sensor stuck to the helmet, or to the branch in the case of young animals, measured the reactions (vibrations) of the chameleons.

The results are exciting: Adult Veiled Chameleons reacted reliably to 50 and 150 Hz with „freezing“, i.e. complete immobility. Juveniles, on the other hand, reacted with this behaviour to other frequencies, namely 50 and 300 Hz. All adult Veiled Chameleons showed biotremors (vibrations). In the juveniles, the scientists could feel vibrations in all of them, but not all could be detected with the sensor. The vibrations were divided into two classes: „hoots“ with an average of 7.5 dB and „mini-hoots“ with -32.5 dB. The longer the larger vibrations lasted, the lower the frequency.

A second series of experiments used six adult Veiled Chameleons (four males, two females), four juvenile Veiled Chameleons, and one adult Chamaeleo gracilis. Two chameleons each were placed in a wooden box separated into two compartments by a plexiglass pane. Video recordings and accelerometers were used to measure their reactions to each other. Same-sex Veiled Chameleons, pairs of Veiled Chameleons, a Veiled Chameleon with a Chamaeleo gracilis and adult versus juvenile Veiled Chameleons were tested. The adult Veiled Chameleons showed vibrations in association with other adults in about 85% of the trials. The strength of the vibrations varied greatly from individual to individual. The clear trigger of the biotremors seemed to be visual contact with another chameleon. Threatening gestures and aggressive behaviour were more likely to cause vibrations. In the second series of experiments, a third variant of biotremors was discovered in addition to honking, rumbles.

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part I – Biotremor production and response to substrate-borne vibrations
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad085

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part II – Social contexts
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad084

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[:de]Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons[:en]Long-term study on sperm collection in chameleons[:]

[:de]Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons[:en]Long-term study on sperm collection in chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Assistierte Reproduktion, also medizinische Nachhilfe bei der Fortpflanzung, kommt im Artenschutz von extrem seltenen Tieren wie Spix-Ara oder nördlichen Breitmaulnashörnern in den letzten Jahren immer häufiger zum Zuge. Bei Reptilien gibt es bisher dagegen erst wenige Studien zur assistierten Reproduktion, speziell bei Chamäleons nur vereinzelte. Wissenschaftler aus den USA haben nun eine Studie dazu an männlichen Jemen- und Pantherchamäleons (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis) durchgeführt.

An der Louisiana State University wurden je 16 Männchen beider Arten unter standardisierten Bedingungen über ein Jahr lang gehalten. Die Pantherchamäleons wurden bei einem US-amerikanischen Züchter erworben, die Jemenchamäleons von einem Händler, der sie wiederum der Population wild lebender Jemenchamäleons in Florida entnommen hatte. Alle Männchen wurden einzeln in ReptiBreeze gehalten, ausgestattet mit automatischer Beregnung und künstlichen Pflanzen. Die Temperaturen lagen tagsüber bei rund 28-29°C mit Spots zum Aufsuchen höherer Werte. 12 h UV-B-Bestrahlung am Tag wurde angeboten. Gefüttert wurde mit Heimchen und Zophobas.

Vor Beginn der Studie wurden alle 32 Chamäleons klinisch untersucht und mehrere Parasitenbehandlungen durchgeführt. Erst nach einem Monat der Akklimatisierung begann dann die eigentliche Studie. Während des Studienjahres wurden alle Chamäleons zwei Mal pro Monat in Narkose gelegt. Jedes Mal wurde Blut aus der ventralen Schwanzvene oder der Jugularvene entnommen, um die Testosteron-Konzentration zu bestimmen. Mittels Ultraschalles wurde die Größe der Hoden vermessen. Zudem wurde jedes Mal versucht, mittels Elektroejakulation Sperma zu gewinnen. Bei der Elektroejakulation wurde eine kleine Metallsonde in die gesäuberte Kloake eingeführt. Jedes Chamäleon wurde dann bis zu drei Mal hintereinander mit bis zu 15 Stromstößen von 0,1/0,2/0,3 mAs behandelt. Die Absamversuche wurden abgebrochen, sobald das Tier ejakulierte. Das gewonnene Sperma wurde konserviert und auf Ejakulatvolumen, Vorhandensein von Spermien, Spermienbeweglichkeit, -konzentration und -morphologie untersucht.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Jemenchamäleons bei gleichbleibenden Haltungsbedingungen eine sogenannte prenuptiale Fortpflanzungsstrategie verfolgen. Die Testosteronkonzentration im Blut stieg bereits an, bevor das Spermavolumen der Männchen ihr Maximum erreicht hatte. Die besten Absamerfolge brachten die Monate Mai, April und Juni, das meiste Sperma brachten Elektroejakulationen im dritten Anlauf. Auch die Hodengrößen unterschieden sich übers Jahr, mit den größten Messungen von August bis Dezember.

Pantherchamäleons dagegen scheinen einer postnuptialen Fortpflanzungsstrategie zu folgen. Bei ihnen konnte das meiste Sperma erst weit nach dem höchsten Punkt der Testosteronkonzentration gewonnen werden. Die Absamungen klappten am besten im März, April, Mai und Juni. Wesentlich häufiger als bei Jemenchamäleons funktionierte die Elektroejakulation bei Pantherchamäleons schon im ersten Versuch. Die Hodengrößen variierten auch hier übers Jahr, allerdings waren sie mehrheitlich in den schon genannten Monaten am größten. Gemeinsam mit den genannten Faktoren veränderte sich ebenso das Volumen des Ejakulats, die Spermienkonzentration, -beweglichkeit und -morphologie im Jahresverlauf.

Die Autoren empfehlen, Elektroejakulation bei Chamäleons generell nur in Narkose durchzuführen. Die Erfolgsrate beim Absamen lag in den beiden höchsten Fällen bei 82 und 88%, was den Erfolgen bei anderen Reptilien während deren Fortpflanzungssaison entspricht. Die Mortalitätsrate unter den 32 Tieren lag über das ganze Jahr lediglich bei 0,12%. Ein Pantherchamäleon starb nach 10 Monaten während der 20. Narkose, nach dem Tod wurde ein Nierenschaden festgestellt. Aus der geringen Mortalitätsrate schließen die Autoren, dass die Elektroejakuation eher keine Rolle in der Entwicklung von Nierenerkrankungen spiele, wie es in anderen Studien vermutet wurde. Eine Untersuchung des Bluts auf Nierenwerte wurde allerdings bei keinem der überlebenden Chamäleons nach der Studie durchgeführt. Unklar bleibt auch, welche Rolle die fehlende Imitation von Regen- und Trockenzeit im Jahresverlauf für beide Arten und deren Fortpflanzungszyklus spielt.

Characterizing the annual reproductive cycles of captive male veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) and panther chameleons (Furcifer pardalis)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Ian Konsker, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (1), 2023, pp. 45-60
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00037

[:en]

Assisted reproduction has become increasingly common in the conservation of extremely rare animals such as the Spix’s macaw or northern white rhinoceros in recent years. In reptiles, on the other hand, there have only been a few studies on assisted reproduction, and only a few on chameleons in particular. Scientists from the USA have now conducted a study on male Veiled and Panther Chameleons (Chamaeleo calyptratus and Furcifer pardalis).

At Louisiana State University, 16 males of each species were kept under standardised conditions for over a year. The panther chameleons were purchased from a US breeder, the Yemen chameleons from a dealer who had taken them from the introduced wild chameleon population in Florida. All males were kept individually in ZooMed screen cages, equipped with automatic sprinklers and artificial plants. Temperatures were around 28-29°C during the day with spots to seek higher values. 12 h UV-B irradiation per day was offered. They were fed with crickets and zophobas.

Before the start of the study, all 32 chameleons were clinically examined and parasites were treated. Only after a month of acclimatisation did the actual study begin. During the study year, all chameleons were put under anaesthesia twice a month. Each time, blood was taken from the ventral tail vein or the jugular vein to determine the testosterone concentration. Ultrasound was used to measure the size of the testicles. In addition, each time an attempt was made to obtain sperm by electroejaculation. Electroejaculation involved inserting a small metal probe into the cleaned cloaca. Each chameleon was then treated up to three times in succession with up to 15 electric shocks of 0.1/0.2/0.3 mAs. The semen collection experiments were stopped as soon as the animal ejaculated. The sperm collected was preserved and examined for ejaculate volume, presence of sperm, sperm motility, concentration, and morphology.

The results suggest that Veiled Chameleons follow a so-called prenuptial reproductive strategy under constant husbandry conditions. The testosterone concentration in the blood already increased before the sperm volume of the males had reached its maximum. The months of May, April, and June brought the best sperm volumes, the most sperm was produced by electroejaculations in the third attempt. Testicle sizes also varied throughout the year, with the largest measurements from August to December.

Panther chameleons, on the other hand, seem to follow a postnuptial reproductive strategy. In them, most sperm could only be obtained well after the highest point of testosterone concentration. The electroejaculations worked best in March, April, May and June. Much more often than in Yemen chameleons, electroejaculation in panther chameleons worked already in the first attempt. The size of the testicles also varied throughout the year, but most were largest in the months mentioned above. Together with the factors mentioned above, the volume of ejaculate, sperm concentration, sperm motility and sperm morphology also changed during the year.

The authors recommend that electroejaculation in chameleons should generally only be performed under anaesthesia. The success rate for spermatozoa in the two highest cases was 82 and 88%, which is similar to the success in other reptiles during their reproductive season. The mortality rate among the 32 animals was only 0.12% over the whole year. One panther chameleon died after 10 months during the 20th anaesthesia, after death kidney damage was detected. From the low mortality rate, the authors conclude that electroejaculation rather does not play a role in the development of kidney disease, as was suspected in other studies. However, an examination of the blood for kidney values was not carried out on any of the surviving chameleons after the study. It also remains unclear what role the lack of imitation of rainy and dry seasons during the year plays for both species and their reproductive cycle.

Characterizing the annual reproductive cycles of captive male veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) and panther chameleons (Furcifer pardalis)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Ian Konsker, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (1), 2023, pp. 45-60
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00037

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[:de]Vergleiche an Gliedmaßen von Hadramautagame und Jemenchamäleon[:en]Comparisons on limbs of Hadramaut agama and Veiled Chameleon[:]

[:de]Vergleiche an Gliedmaßen von Hadramautagame und Jemenchamäleon[:en]Comparisons on limbs of Hadramaut agama and Veiled Chameleon[:]

Wissenschaft

[:de]

Ein jemenitischer Biologe der Al Saeed Universität hat kürzlich Messungen an zwei verschiedenen Reptilienarten vorgenommen, um deren Vorder- und Hintergliedmaßen strukturell und funktional zu vergleichen. Sowohl die Hadramautagame (Acantocercus adramitanus) als auch das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) kommen in gleichen Lebensräumen im Jemen vor, sie bewohnen jedoch unterschiedliche Mikrohabitate und bewegen sich unterschiedlich fort. Während die Agame vorwiegend am Boden und im niedrigen Gebüsch lebt, ist das Jemenchamäleon ein reiner Baumbewohner.

Für die Studie wurden jeweils 10 Exemplare beider Arten in Taiz aus der Natur entnommen. Die Kopf-Rumpf-Länge der Agamen lagen zwischen 52 und 125 mm, die der Chamäleons zwischen 90 und 200 mm. Die Tiere wurden getötet und die Gliedmaßen entfernt, gefärbt und dann vermessen.

Der Aufbau der Gliedmaßen war prinzipiell bei beiden Arten gleich, Hände und Füße unterschieden sich jedoch deutlich voneinander. Die Hadramautagame hat fünf Carpalknochen, während beim Jemenchamäleon die distalen Carpalknochen 2,3 und 4 verschmolzen sind. Bei beiden Arten fehlen die distalen Tarsalknochen 2 und 5. Beim Jemenchamäleon fehlen die bei der Agame variabel vorkommenden Sesamknöchelchen. Wie zu erwarten war, sind die Röhrenknochen der Jemenchamäleons an Vorder- und Hintergliedmaßen nahezu gleich lang, während bei den Agamen die Vordergliedmaßen deutlich kürzer als die Hintergliedmaßen sind. Insgesamt sind alle langen Röhrenknochen beim Jemenchamäleon länger als bei der Hadramautagame.

The skeletal characteristics of limb of two endemic lizard species (Acantocercus adramitanus and Chamaeleo calyptratus) in Yemen
Yaser H.A. Obady
Al-Saeed University Journal of Humanities and Applied Sciences 06 (1) 2023: pp. 188-210
DOI: 10.17161/randa.v30i1.18614

[:en]

A Yemeni biologist at Al Saeed University recently took measurements on two different reptile species to compare their forelimbs and hindlimbs structurally and functionally. Both the Hadramaut Agama (Acantocercus adramitanus) and the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) occur in the same habitats in Yemen, but they inhabit different microhabitats and move differently. While the agama lives mainly on the ground and in low bushes, the Veiled Chameleon is a pure tree dweller.

For the study, 10 specimens of each species were taken from the wild in Taiz. The head-torso length of the agamas ranged from 52 to 125 mm, and that of the chameleons from 90 to 200 mm. The animals were killed and the limbs were removed, stained, and then measured.

The structure of the limbs was basically the same in both species, but the hands and feet were clearly different. The Hadramaut Agama has five carpal bones, whereas, in the Veiled Chameleon, the distal carpal bones 2,3, and 4 are fused. Both species lack distal tarsal bones 2 and 5. The Veiled Chameleon lacks the sesamoid ossicles, which are variable in the agama. As expected, the long bones of the Veiled Chameleons were almost equally long on the forelimbs and hindlimbs, while in the agamas the forelimbs were significantly shorter than the hindlimbs. Overall, all long tubular bones were longer in the chameleon than in the Hadramaut Agama.

The skeletal characteristics of limb of two endemic lizard species (Acantocercus adramitanus and Chamaeleo calyptratus) in Yemen
Yaser H.A. Obady
Al-Saeed University Journal of Humanities and Applied Sciences 06 (1) 2023: pp. 188-210
DOI: 10.17161/randa.v30i1.18614

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[:de]Eingeschleppte Chamäleons in Florida[:en]Introduced chameleons in Florida[:]

[:de]Eingeschleppte Chamäleons in Florida[:en]Introduced chameleons in Florida[:]

Wissenschaft

[:de]

Der „Sunshine State“ Florida im Südosten der USA ist schon lange bekannt für eine Vielzahl eingeschleppter Reptilien. Studenten der Universität von Florida haben kürzlich eine kleine Broschüre über den aktuellen Stand dort eingeschleppter Chamäleon-Arten veröffentlicht.

Bereits in den späten 1800er Jahren fand nachweislich ein nicht-einheimisches Reptil mit einem Schiff den Weg nach Florida: Ein Anolis. Seitdem wurden rund 150 eingeschleppte Arten in dem US-Bundesstaat dokumentiert, darunter acht Arten Chamäleons. Drei davon sind inzwischen über die gesamte südliche Hälfte der Halbinsel verbreitet und vermehren sich sogar: Das Jemenchamäleon Chamaeleo calyptratus, das Madagaskar-Riesenchamäleon Furcifer oustaleti und das Pantherchamäleon Furcifer pardalis.

Aktuell bekannte Verbreitung von Panther-, Jemen- und Madagaskar-Riesenchamäleon in Florida

Man geht davon aus, dass alle drei Arten mit zunehmendem Zoohandel und der Privathaltung von Chamäleons ins Land kamen. Furcifer oustaleti ist seit mindestens dem Jahr 2000 in Florida. Bekannt wurden damals erste Funde in einer Avocadoplantage, die sich in direkter Nähe der Gebäude eines ehemaligen Importeurs in Miami – Dade County, befand. Chamaeleo calyptratus wurde nur wenig später, 2002, erstmals in Fort Myers auf einem leerstehenden Grundstück nachgewiesen. Furcifer pardalis folgte 2008.

Die Frage, ob eine der drei genannten Arten als invasiv zu betrachten ist, ist mangels Daten bisher schwierig zu beantworten. Als invasiv wird eine Art gesehen, die nicht-einheimisch ist, durch den Menschen eingeschleppt wurde und nachweislich Schaden an der einheimischen Flora und Fauna verursacht. Der letzte Punkt ist jedoch strittig. Während von Jacksons Chamäleons auf Hawaii nachgewiesen wurde, dass sie unter anderem einheimische bedrohte Schnecken-Arten verzehren, ist dergleichen aus Florida bisher unbekannt. Dort gelten die Tere aktuell eher als Lästlinge, allerdings mit Potenzial zur Bedrohung der einheimischen Wirbellosenfauna.

Problematisch ist, dass wohl nach wie vor Chamäleons ausgesetzt werden – teils entlaufen sie unabsichtlich, teils werden jedoch auch gezielt Tiere ausgesetzt, um später den Nachwuchs einzusammeln und zu verkaufen. Für letzteres benötigt man eine Genehmigung in Florida. Interessant dazu: Jeder darf eingeschleppte Chamäleons auf dem eigenen Grundstück „auf humane Weise“ töten. An einigen Orten werden bereits gezielt Chamäleons abgesammelt, um sie an Privathalter zu vermitteln.

Die Studenten rufen dazu auf, Beobachtungen von Chamäleons in Florida im Internet über IveGot1.org oder über die gleichnamige App zu melden. Bisher sind nicht alle Populationen bekannt, da viele Informationen nur unter der Hand weitergegeben werden. Des Weiteren bitten sie darum, „lästig gewordene“ Chamäleons nicht auszusetzen, sondern beim Exotic Pet Amnesty Program der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission abzugeben. Die Abgabe dort ist kostenlos, das EPAP sucht letztlich neue Halter für die Tiere.

Florida’s introduced reptiles: Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus), Oustalet’s chameleon (Furcifer oustaleti), and panther chameleon (Furcifer pardalis)
Max Maddox, Karissa Beloyan, Natalie M. Claunch, Steve A. Johnson
Veröffentlichung des Wildlife Ecology and Conservation Department, Universität of Florida
DOI: 10.32473/edis-UW501-2022

[:en]

The „Sunshine State“ Florida in the southeast of the USA has long been known for a variety of introduced reptiles. Students at the University of Florida recently published a small brochure on the current status of chameleon species introduced there.

As early as the late 1800s, a non-native reptile was documented to have found its way to Florida by ship: an anole. Since then, some 150 introduced species have been documented in the US state, including eight species of chameleons. Three of them are now spread over the entire southern half of the peninsula and even reproduce: the Yemen chameleon Chamaeleo calyptratus, the Malagasy Giant chameleon Furcifer oustaleti, and the panther chameleon Furcifer pardalis.

Current known distribution of Panther, Veiled, and Malagasy Giant Chameleons in Florida.

All three species are thought to have come into the country with increasing pet trade and private keeping of chameleons. Furcifer oustaleti has been in Florida since at least the year 2000. At that time, the first findings became known in an avocado plantation located in the immediate vicinity of the buildings of a former importer in Miami – Dade County. Chamaeleo calyptratus was first recorded in Fort Myers on a vacant lot only a little later, in 2002. Furcifer pardalis followed in 2008.

The question of whether any of the three species mentioned should be considered invasive is difficult to answer so far due to a lack of data. A species is considered invasive if it is non-native, has been introduced by humans, and has been proven to cause damage to native flora and fauna. The last point, however, is debatable. While Jackson’s chameleons in Hawaii have been shown to consume endangered native snail species, among others, the same is not yet known from Florida. There, the animals are currently considered more of a nuisance, but with the potential to threaten the native invertebrate fauna.

The problem is that chameleons are still being released – sometimes they escape unintentionally, but sometimes they are deliberately released in order to collect and sell the offspring later. For the latter, you need a permit in Florida. Interesting to note: Anyone is allowed to kill introduced chameleons on their own property „in a humane way“. In some places, chameleons are already being collected to be sold to private owners.

The students call for observations of chameleons in Florida to be reported on the internet via IveGot1.org or via the app of the same name. So far, not all populations are known, as much information is only passed on by hand. Furthermore, they ask that chameleons that have become a nuisance should not be abandoned, but handed into the Exotic Pet Amnesty Program of the Florida Fish and Wildlife Conservation Commission. The surrender there is free of charge, and the EPAP is ultimately looking for new keepers for the animals.

Florida’s introduced reptiles: Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus), Oustalet’s chameleon (Furcifer oustaleti), and panther chameleon (Furcifer pardalis)
Max Maddox, Karissa Beloyan, Natalie M. Claunch, Steve A. Johnson
Veröffentlichung des Wildlife Ecology and Conservation Department, Universität of Florida
DOI: 10.32473/edis-UW501-2022

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[:de]Genetik: Karyotyp beim Jemenchamäleon[:en]Genetics: Karyotype in the Veiled Chameleon[:]

[:de]Genetik: Karyotyp beim Jemenchamäleon[:en]Genetics: Karyotype in the Veiled Chameleon[:]

Wissenschaft

[:de]

Dass das Geschlecht beim Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) genetisch festgelegt wird, ist schon länger bekannt. Die Art verfügt über ein XX-/XY-System. Wissenschaftler aus Russland, Großbritannien, Italien und Thailand haben sich nun mit dem Karyotyp der Art beschäftigt, also den Eigenschaften der Chromosomen.

Der wahrscheinlich ursprünglichste Karyotyp aller Chamäleons ist 2n= 36. Dabei hatte dieses „Urchamäleon“ sechs Paare metazentrischer Makrochromosomen und zwölf Paare Mikrochromosomen, besonders kleine Chromosomen. Das Jemenchamäleon dagegen hat eine geringere Chromosomenzahl, nämlich nur 2n=24. Mittels verschiedener genetischer Untersuchungsmethoden fanden die Forscher in der vorliegenden Studie heraus, dass dieser Karyotyp wahrscheinlich durch Fusionen entstand. Dabei verschmolzen offenbar zwei Mal Mikrochromosomen miteinander, und gleich vier Mal fusionierten Mikro- und Makrochromosomen. Letzteres, die sogenannte heterogene Fusion zwischen unterschiedlich großen Chromosomen, ist ungewöhnlich für Wirbeltiere. Normalerweise liegen Makro- und Mikrochromosomen an verschiedenen Plätzen im Zellkern und werden unterschiedlich schnell transkribiert und repliziert. Das Phänomen ist aber schon von Alligatoren und Schildkröten bekannt – für Chamäleons ist es neu.

Unklar war bisher auch, welches Chromosomenpaar beim Jemenchamäleon eigentlich für das Geschlecht zuständig ist. Bei Chamaeleo chamaeleon codiert das zweitgrößte Chromosomenpaar für das Geschlecht. Erste Mutmaßungen legen jedoch nahe, dass beim Jemenchamäleon stattdessen das fünfte Chromosomenpaar (CCA5) das Geschlechtschromosomenpaar sein könnte. Die Vermutung muss durch weitere Forschung noch validiert werden. Es steht außerdem noch zur Diskussion, welches Gen eigentlich vorwiegend für die Entwicklung der Geschlechtsorgane im Embryo verantwortlich ist – die Forschere identifizierten mindestens drei in Frage kommende Gene auf CCA5.

Identification of Iguania ancestral syntenic blocks and putative sex chromosomes in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus, Chamaeleonidae, Iguania)
Katerina V. Tishakova, Dmitry Yu. Prokopov, Guzel I. Davletshina, Alexander V. Rumyantsev, Patricia C. M. O’Brien, Malcolm A. Ferguson-Smith, Massimo Giovannotti, Artem P. Lisachov, Vladimir A. Trifonov
International Journal of Molecular Sciences 23, Dezember 2022
DOI: 10.3390/ijms232415838

 [:en]

It has been known for some time that the sex of the Veiled chameleon (Chamaeleo calyptratus) is genetically determined. The species has an XX/XY system. Scientists from Russia, Great Britain, Italy, and Thailand have now studied the karyotype of the species, i.e. the characteristics of the chromosomes.

The probably most original karyotype of all chameleons is 2n= 36. This „primal chameleon“ had six pairs of metacentric macrochromosomes and twelve pairs of microchromosomes, particularly small chromosomes. The Veiled chameleon, on the other hand, has a smaller number of chromosomes, namely only 2n=24. Using various genetic investigation methods, the researchers in the present study found that this karyotype probably arose through fusions. Microchromosomes apparently fused with each other twice, and micro- and macrochromosomes fused no less than four times. The latter, the so-called heterogeneous fusion between chromosomes of different sizes, is unusual for vertebrates. Normally, macro- and microchromosomes are located at different locations in the cell nucleus and are transcribed and replicated at different rates. However, this phenomenon is already known from alligators and turtles – for chameleons it is new.

Until now, it was also unclear which pair of chromosomes in the Veiled chameleon is actually responsible for the sex. In Chamaeleo chamaeleon, the second largest chromosome pair codes for sex. However, initial speculation suggests that in the Veiled chameleon the fifth chromosome pair (CCA5) may instead be the sex chromosome pair. The conjecture still needs to be validated by further research. It is also still up for discussion which gene is actually predominantly responsible for the development of the sex organs in the embryo – the researchers identified at least three possible genes on CCA5.

Identification of Iguania ancestral syntenic blocks and putative sex chromosomes in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus, Chamaeleonidae, Iguania)
Katerina V. Tishakova, Dmitry Yu. Prokopov, Guzel I. Davletshina, Alexander V. Rumyantsev, Patricia C. M. O’Brien, Malcolm A. Ferguson-Smith, Massimo Giovannotti, Artem P. Lisachov, Vladimir A. Trifonov
International Journal of Molecular Sciences 23, December 2022
DOI: 10.3390/ijms232415838[:]