[:de]Wie und wann Jemenchamäleons vibrieren[:en]How and when Veiled Chameleons show biotremors[:]

[:de]Wie und wann Jemenchamäleons vibrieren[:en]How and when Veiled Chameleons show biotremors[:]

Wissenschaft

[:de]

Manche Chamäleonarten können vibrieren wie Smartphones – das wissen die meisten Chamäleonhalter. Das bekannteste Beispiel für diese Fähigkeit ist das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus).  Gleich zwei neue Artikel von Wissenschaftlern aus den USA beschäftigen sich nun damit, wozu diese Vibrationen gut sind, wie sie entstehen und wie das Jemenchamäleon sie überhaupt einsetzt.

Neun adulte Jemenchamäleons (drei weiblich, sechs männlich) und sechs juvenile Jemenchamäleons (drei weiblich, drei männlich) nahmen insgesamt an den ersten Versuchen teil. Im ersten Experiment wurden elf davon einzeln nacheinander auf einem 77 cm langen und 5 mm dickem Holzstab platziert. Sobald sich das Chamäleon mittig daraufgesetzt hatte, wurde der Holzstab Vibrationen von 25, 50, 150, 300 und 600 Hz ausgesetzt. Nach jedem Stimulus wurde verglichen, ob das Chamäleon sich schneller, langsamer oder genauso wie vorher bewegte. Bei den Jungtieren wurde, um sie überhaupt zu Bewegung zu motivieren, nahe dem Ende des Holzstabes eine Pflanze angebracht. Zusätzlich sorgte ein kleiner Lüfter für die Imitation von leichtem Wind. Für das zweite Experiment wurden nacheinander alle 15 Jemenchamäleons in eine oben offene Holzbox auf einen 122 cm langen Holzstab gesetzt. Mit einer 27 G Kanüle wurde den Tieren in den Oberarm gepiekt. Ein auf den Helm, bei Jungtieren auf den Ast geklebter Beschleunigungssensor maß darauf erfolgte Reaktionen (Vibrationen) der Chamäleons.

Die Ergebnisse sind spannend: Adulte Jemenchamäleons reagierten auf 50 und 150 Hz zuverlässig mit „einfrieren“, also völliger Bewegungslosigkeit. Jungtiere dagegen reagierten mit diesem Verhalten auf andere Frequenzen, nämlich 50 und 300 Hz. Alle adulten Jemenchamäleons zeigten selbst Biotremore (Vibrationen). Bei den Jungtieren konnten die Wissenschaftler zwar bei allen Vibrationen spüren, aber nicht alle konnten mit dem Sensor nachgewiesen werden. Die Vibrationen wurden in zwei Klassen eingeteilt: „Hupen“ (hoots) mit durchschnittlich 7,5 dB und „Mini-Hupen“ (mini-hoots) mit -32,5 dB. Je länger die größeren Vibrationen andauerten, desto niedriger war die Frequenz.

Eine zweite Versuchsreihe verwendete sechs adulte Jemenchamäleons (vier männlich, zwei weiblich), vier juvenile Jemenchamäleons sowie ein adultes Chamaeleo gracilis. Je zwei Chamäleons wurden in eine durch eine Plexiglasscheibe in zwei Abteile getrennte Holzbox gesetzt. Mittels Videoaufnahme und Beschleunigungssensor wurden die Reaktionen aufeinander gemessen. Getestet wurden gleichgeschlechtliche Jemenchamäleons, Paare von Jemenchamäleons, ein Jemenchamäleon mit Chamaeleo gracilis und adulte gegenüber juvenilen Jemenchamäleons. Die adulten Jemenchamäleons zeigten in rund 85% der Versuche Vibrationen im Zusammenhang mit anderen adulten Jemenchamäleons. Die Stärke der Vibrationen war individuell sehr unterschiedlich. Klarer Auslöser der Biotremore schien der visuelle Kontakt zu einem anderen Chamäleon zu sein. Drohgebärden und aggressives Verhalten führten mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Vibrationen. In der zweiten Versuchsreihe wurde neben dem Hupen eine dritte Variante von Biotremoren entdeckt, ein Grollen (rumbles).

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part I – Biotremor production and response to substrate-borne vibrations
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad085

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part II – Social contexts
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad084

[:en]

Some chameleon species can vibrate like smartphones – most chameleon keepers know this. The best-known example of this ability is the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus). Two new articles by scientists from the USA now deal with what these vibrations are good for, how they occur, and how the Veiled Chameleon uses them in the first place.

Nine adult Veiled Chameleons (three females, six males) and six juvenile Veiled Chameleon (three females, three males) took part in the first experiments. Eleven of them were placed individually one after the other on a 77 cm long and 5 mm thick wooden stick. As soon as the chameleon sat in the middle, the wooden stick was subjected to vibrations of 25, 50, 150, 300, and 600 Hz. After each stimulus, a comparison was made to see whether the chameleon moved faster, slower, or the same as before. In order to motivate the young animals to move, a plant was placed near the end of the wooden stick. In addition, a small fan was used to imitate a light wind. For the second experiment, all 15 Veiled Chameleons were placed one after the other in a wooden box open at the top on a 122 cm long wooden stick. The animals were poked in the upper arm with a 27 G cannula. An acceleration sensor stuck to the helmet, or to the branch in the case of young animals, measured the reactions (vibrations) of the chameleons.

The results are exciting: Adult Veiled Chameleons reacted reliably to 50 and 150 Hz with „freezing“, i.e. complete immobility. Juveniles, on the other hand, reacted with this behaviour to other frequencies, namely 50 and 300 Hz. All adult Veiled Chameleons showed biotremors (vibrations). In the juveniles, the scientists could feel vibrations in all of them, but not all could be detected with the sensor. The vibrations were divided into two classes: „hoots“ with an average of 7.5 dB and „mini-hoots“ with -32.5 dB. The longer the larger vibrations lasted, the lower the frequency.

A second series of experiments used six adult Veiled Chameleons (four males, two females), four juvenile Veiled Chameleons, and one adult Chamaeleo gracilis. Two chameleons each were placed in a wooden box separated into two compartments by a plexiglass pane. Video recordings and accelerometers were used to measure their reactions to each other. Same-sex Veiled Chameleons, pairs of Veiled Chameleons, a Veiled Chameleon with a Chamaeleo gracilis and adult versus juvenile Veiled Chameleons were tested. The adult Veiled Chameleons showed vibrations in association with other adults in about 85% of the trials. The strength of the vibrations varied greatly from individual to individual. The clear trigger of the biotremors seemed to be visual contact with another chameleon. Threatening gestures and aggressive behaviour were more likely to cause vibrations. In the second series of experiments, a third variant of biotremors was discovered in addition to honking, rumbles.

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part I – Biotremor production and response to substrate-borne vibrations
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad085

Communication via biotremors in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus): Part II – Social contexts
Kathryn L. Denny, Steve Huskey, Christopher V. Anderson, Michael E. Smith
Integrative and Comparative Biology, 2023
DOI: 10.1093/icb/icad084

[:]

[:de]Vergleichende Anatomie der Vorderarme verschiedener Chamäleons[:en]Comparative anatomy of the forearms of different chameleons[:]

[:de]Vergleichende Anatomie der Vorderarme verschiedener Chamäleons[:en]Comparative anatomy of the forearms of different chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Die Anatomie der Chamäleons scheint stark an ihre Lebensweise angepasst. Baumbewohner unterscheiden sich dabei in vielen Aspekten von Bodenbewohnern. Mehrere Untersuchungen an der Universität von South Dakota haben sich in diesem Jahr bereits mit verschiedenen anatomischen Aspekten bei Chamäleon beschäftigt. Eine neue Untersuchung widmet sich un den Händen und Armen.

Zur Untersuchung wurden aus bereits vorhandenen Mikrocomputertomographie-Scans von insgesamt 12 Chamäleons jeweils die Arme und Hände isoliert in 3D dargestellt. Diese wurden mittels einer Software auf rund 30 verschiedene Längen und Breiten vermessen. Scans der Arten Bradypodion damaranum, Bradypodion occidentale, Calumma hilleniusi, Calumma crypticum, Chamaeleo namaquensis, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rhampholeon temporalis, Trioceros goetzei goetzei und Trioceros werneri wurden ausgewertet. Bei der Auswahl der Arten wurde darauf geachtet, pro Gattung jeweils ein strikt Baum bewohnendes Chamäleon sowie ein mehr Boden bewohnendes Chamäleon auszuwählen.

Die Auswertung ergab, dass Baum bewohnende Chamäleons nur wenige Unterschiede in der Anatomie der Vordergliedmaße im Vergleich mit Boden bewohnenden Chamäleons aufweisen. Baum bewohnende Arten zeigten mehrheitlich getrennte Metacarpalknochen 1-3, während Boden bewohnende Arten miteinander verschmolzene Mittelhandknochen aufweisen. Interessanterweise unterscheidet sich die Untersuchung damit von früheren Studien anderer Autoren, die andere Ergebnisse brachten. Möglicherweise hängt die insgesamt relativ kleine Zahl untersuchter Tiere damit zusammen. Größer angelegte Studien könnten hier hilfreich sein.

Ecological and evolutionary drivers of chameleon forelimb variation
Ellie M. Schley
Honors Thesis 302 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: gibt es nicht[:en]

The anatomy of chameleons seems to be strongly adapted to their way of life. Tree-dwellers differ in many aspects from ground-dwellers. Several studies at the University of South Dakota this year have already looked at various anatomical aspects of chameleons. A new study is dedicated to the hands and arms.

For the investigation, the arms and hands of a total of 12 chameleons were isolated from existing microcomputer tomography scans and displayed in 3D. These were measured to about 30 different lengths and widths using software. Scans of the species Bradypodion damaranum, Bradypodion occidentale, Calumma hilleniusi, Calumma crypticum, Chamaeleo namaquensis, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rhampholeon temporalis, Trioceros goetzei goetzei and Trioceros werneri were evaluated. When selecting the species, care was taken to select one strictly tree-inhabiting chameleon and one more ground-inhabiting chameleon per genus.

The evaluation revealed that tree-dwelling chameleons show few differences in forelimb anatomy compared to ground-dwelling chameleons. Tree-dwelling species showed a majority of separated metacarpal bones 1-3, while ground-dwelling species showed fused metacarpal bones. Interestingly, this study differs from earlier studies by other authors, which yielded different results. The relatively small number of animals studied may be related to this. Larger studies could be helpful here.

Ecological and evolutionary drivers of chameleon forelimb variation
Ellie M. Schley
Honors Thesis 302 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: gibt es nicht[:]

[:de]Karyotypen bei Chamäleons[:en]Karyotypes in chameleons[:]

[:de]Karyotypen bei Chamäleons[:en]Karyotypes in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler aus Großbritannien und Italien haben sich jetzt mit den Chromosomen verschiedener Chamäleonarten beschäftigt. Sie untersuchten den Karyotyp von insgesamt 83 verschiedenen Chamäleon-Arten. Darunter befanden sich 57 madagassische Chamäleonarten, von denen 32 Karyotypen zum ersten Mal überhaupt beschrieben wurden. Für Calumma brevicorne, Calumma fallax, Calumma parsonii und Furcifer verrucosus waren sogar jeweils mehrere Tiere zur Untersuchung vorhanden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass vermutlich die Verschmelzung (Fusion) von Chromosomen die Gesamtzahl von Chromosomen im Laufe der Evolution bei Chamäleons verringert hat. Vermutlich fusionierten dabei vor allem Mikrochromosomen (besonders kleine Chromosomen).

Microchromosome fusions underpin convergent evolution of chameleon karyotypes
Marcello Mezzasalma, Jeffrey W Streicher, Fabio M Guarino, Marc E H Jones, Simon P Loader, Gaetano Odierna, Natalie Cooper
Evolution, Juni 2023
DOI: 10.1093/evolut/qpad097[:en]

Scientists from Great Britain and Italy have now studied the chromosomes of different chameleon species. They examined the karyotype of a total of 83 different chameleon species. Among them were 57 Madagascan chameleon species, of which 32 karyotypes were described for the first time ever. For Calumma brevicorne, Calumma fallax, Calumma parsonii and Furcifer verrucosus, there were even several animals each available for examination. The scientists found out that presumably the fusion of chromosomes has reduced the total number of chromosomes in the course of evolution in chameleons. Presumably, it was mainly microchromosomes (particularly small chromosomes) that fused.

Microchromosome fusions underpin convergent evolution of chameleon karyotypes
Marcello Mezzasalma, Jeffrey W Streicher, Fabio M Guarino, Marc E H Jones, Simon P Loader, Gaetano Odierna, Natalie Cooper
Evolution, Juni 2023
DOI: 10.1093/evolut/qpad097

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[:de]Vergleich von Beckengürteln verschiedener Chamäleons[:en]Comparison of pelvic girdles in chameleons[:]

[:de]Vergleich von Beckengürteln verschiedener Chamäleons[:en]Comparison of pelvic girdles in chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Die Anatomie der Chamäleons ist stark an ihre Lebensweise angepasst. Baumbewohner unterscheiden sich dabei in vielen Aspekten von Bodenbewohnern. Der Beckengürtel ist anatomisch bei Chamäleons bisher wenig untersucht – eine Veröffentlichung aus den USA beschäftigt sich nun eingehender damit.

Zur Untersuchung wurden aus bereits vorhandenen Mikrocomputertomographie-Scans von insgesamt 22 Chamäleons jeweils die Beckengürtel isoliert in 3D dargestellt. Diese wurden mittels einer Software auf 16 verschiedene Längen und Winkel vermessen. Archaius tigris, Bradypodion damaranum, Calumma gallus, Calumma parsonii parsonii, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Kinyongia matschiei, Kinyongia tavetana, Nadzikambia mlanjense und Trioceros quadricornis gracilior wurden den Baumbewohnern zugeteilt. Brookesia brygooi, Chamaeleo namaquensis, Palleon nasus nasus, Rhampholeon temporalis und Rieppeleon brachyurus wurden den Boden bewohnenden Arten zugeschrieben. Die Arten Bradypodion occidentale, Brookesia ebenaui, Chamaeleo anchietae, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rieppeleon kerstenii kerstenii und Trioceros goetzei goetzei wurden als semiarboreal eingestuft. Es wurden vorwiegend Männchen untersucht.

Die Auswertung ergab wie erwartet, dass Baum bewohnende Chamäleons schmalere, kürzere Hüftgürtel aufwiesen als Boden bewohnende. Der schmalere Beckengürtel vereinfacht es, sich hinter Ästen verstecken und den Körper maximal abflachen zu können. Außerdem sorgt er dafür, dass der Körperschwerpunkt näher am Ast ist und erhöht so die Stabilität beim Klettern. Boden bewohnende Chamäleons dagegen wiesen größere und breitere Beckengürtel auf. Diese ermöglichen ihnen eine schnellere Schrittfolge und höhere Stabilität beim Laufen auf Bodenflächen.

How phylogeny and arboreality affect pelvic girdle anatomy of chameleons
Dakota J. John
Honors Thesis 299 der Universität von South Dakota, 2023
DOI: nicht vorhanden[:en]

The anatomy of chameleons is strongly adapted to their way of life. Tree-dwellers differ in many aspects from ground-dwellers. The pelvic girdle has been little studied anatomically in chameleons so far – a publication from the USA now deals with it in more detail.

For the study, the pelvic girdles of 22 chameleons were isolated from existing microcomputer tomography scans and displayed in 3D. These were measured to 16 different lengths and angles using software. Archaius tigris, Bradypodion damaranum, Calumma gallus, Calumma parsonii parsonii, Chamaeleo zeylanicus, Furcifer balteatus, Kinyongia matschiei, Kinyongia tavetana, Nadzikambia mlanjense and Trioceros quadricornis gracilior were assigned to tree dwellers. Brookesia brygooi, Chamaeleo namaquensis, Palleon nasus nasus, Rhampholeon temporalis and Rieppeleon brachyurus were attributed to ground-dwelling species. The species Bradypodion occidentale, Brookesia ebenaui, Chamaeleo anchietae, Furcifer campani, Rhampholeon spinosus, Rieppeleon kerstenii kerstenii and Trioceros goetzei goetzei were classified as semiarboreal. Mainly males were examined.

As expected, the evaluation showed that tree-dwelling chameleons had narrower, shorter girdles than ground-dwelling ones. The narrower pelvic girdle makes it easier to hide behind branches and flatten the body to the maximum. It also ensures that the body’s centre of gravity is closer to the branch and thus increases stability when climbing. Ground-dwelling chameleons, on the other hand, had larger and wider pelvic girdles. These allow them to step more quickly and provide greater stability when walking on ground surfaces.

How phylogeny and arboreality affect pelvic girdle anatomy of chameleons
Dakota J. John
Honors Thesis 299, University of South Dakota, 2023
DOI: none

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[:de]Das arabische Chamäleon in Abyan (Jemen)[:en]The Arabian Chameleon in Abyan (Yemen)[:]

[:de]Das arabische Chamäleon in Abyan (Jemen)[:en]The Arabian Chameleon in Abyan (Yemen)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Übersichtsstudien zum Vorkommen von Reptilien im Jemen stammen mehrheitlich aus den 1990er Jahren. Jüngere Forschung stützt sich vor allem auf stadtnahe Gebiete, aber weniger auf abgelegenere Regionen. Zwei Biologen der Universitäten von Aden und Abyan haben kürzlich eine Übersicht zum Vorkommen von Reptilien in Abyan veröffentlicht.

Das Gouvernement Abyan liegt im Süden des Jemen auf der arabischen Halbinsel. Es grenzt im Süden an den Golf von Aden und im Westen, Norden und Osten an die Gouvernements Aden, Lahji, Al Bayda, und Shabwa. 44 Gebiete in Abyan wurden innerhalb eines ganzen Jahres untersucht. Reptilien wurden von Hand gefangen und teils lediglich dokumentiert, teils getötet und konserviert. Insgesamt wurden 202 Tiere untersucht.

Insgesamt wurden 24 verschiedene Reptilienarten gefunden. Chamaeleo arabicus konnte in den Bezirken Lawdar, Zinjibar, Khanfir und Jayshan nachgewiesen werden. Von den 23 Funden wurden dabei die meisten im Westen Khanfirs unweit der Stadt Zinjibar gemacht. Zwei Chamäleons wurden im Norden Lawdars gefunden und nur eines im Süden Jayshans. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Chamäleons vor allem in Kulturlandschaft vorkommen.

Distribution of lizards in Abyan Governorate, Yemen
Salem M. Busais, Wafa A. Abo-Alib, Hasan M. Alrahowi
Electronic Journal of University of Aden for Basic and Applied Sciences 4 (1), 2023
DOI: 10.47372/ejua-ba.2023.1.220[:en]

The majority of overview studies on the occurrence of reptiles in Yemen date back to the 1990s. More recent research is mainly based on areas close to cities, but less on more remote regions. Two biologists from the Universities of Aden and Abyan have recently published a survey on the occurrence of reptiles in Abyan.

The Abyan governorate is located in the south of Yemen on the Arabian Peninsula. It borders the Gulf of Aden to the south and the governorates of Aden, Lahji, Al Bayda, and Shabwa to the west, north and east. 44 areas in Abyan were surveyed within a whole year. Reptiles were caught by hand and some were merely documented, while others were killed and preserved. A total of 202 animals were examined.

A total of 24 different reptile species were found. Chamaeleo arabicus was found in the districts of Lawdar, Zinjibar, Khanfir and Jayshan. Of the 23 finds, most were made in western Khanfir, not far from the town of Zinjibar. Two chameleons were found in northern Lawdar and only one in southern Jayshan. The authors point out that the chameleons are mainly found in cultivated landscapes.

Distribution of lizards in Abyan Governorate, Yemen
Salem M. Busais, Wafa A. Abo-Alib, Hasan M. Alrahowi
Electronic Journal of University of Aden for Basic and Applied Sciences 4 (1), 2023
DOI: 10.47372/ejua-ba.2023.1.220[:]

[:de]Aggressiver Hautpilz bei Pantherchamäleons entdeckt[:en]Aggressive fungal pathogen discovered in panther chameleons[:]

[:de]Aggressiver Hautpilz bei Pantherchamäleons entdeckt[:en]Aggressive fungal pathogen discovered in panther chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Pilze der Gattungen Nannizziopsis und Paranannizziopsis sind schon länger bei verschiedenen Reptilien als Ursache für schwere Hauterkrankungen bekannt. Dazu zählen auch in der Terraristik gefürchtete Arten wie CANV (Chrysosporium Anamorph von Nannizziopsis vriesii) und Nannizziopsis dermatitidis, die offenbar immer krankmachend (obligat pathogen) sind. Nun wurde ein ähnlicher Hautpilz bei Pantherchamäleons in Florida, USA, nachgewiesen.

Neun adulte Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) wurden aus einer wild lebenden Population in Florida entnommen. Sie wurden zunächst bei einem privaten Halter in Gruppen von zwei oder drei Chamäleons in Gazeterrarien mit Natur- und Kunstpflanzen untergebracht. Als Lampe wurden je eine ReptiSun 5.0 sowie eine herkömmliche Glühbirne zum Aufwärmen eingesetzt. Die Tiere wurden jeden zweiten Tag mit Heimchen und Zophobas gefüttert und zusätzlich mit Vitaminen und Kalzium supplementiert. Alle neun Pantherchamäleons sowie ein zehntes, später gefangenes, wurden schließlich dem United States Department of Agriculture (USDA) für eine Versuchsreihe übergeben. Die Haltung dort erfolgte einzeln in Stahlvolieren im Freien.

Ein männliches Pantherchamäleon zeigte rund ein Jahr nach Fang krustige, gelbe Hautveränderungen mit schwärzlichem Rand an Auge, Arm und Brust. Das Chamäleon wurde einzeln in ein Innenterrarium gesetzt. Biopsien der veränderten Hautbereiche wurden entnommen und histopathologisch im Labor untersucht. In den Gewebsschnitten fanden sich heterophile und histiozytäre Entzündungen der Haut, epidermale Nekrosen und Hyperkeratosen. Eine große Menge Pilzhyphen fielen auf. Weitere Untersuchungen identifizierten den Pilz als Paranannizziopsis australasiensis. Wenig später verstarb ein weibliches Pantherchamäleon mit ähnlichen Hautveränderungen im Bauchbereich. Auch bei diesem konnte im Labor Paranannizziopsis australasiensis identifiziert werden.

Daraufhin wurden die acht übrigen Pantherchamäleons ebenfalls untersucht. Tatsächlich wurden bei allen bis auf ein Chamäleon fehlende Krallen, Schwellungen an Händen und Füßen, kleine Hautwunden, Umfangsvermehrungen am Körper und/oder gelbe und schwarze Hautveränderungen gefunden. Ein Pilznachweis wurde nicht mehr durchgeführt, aber eine Infektion mit dem gleichen Pilz vermutet. Alle neun noch lebenden Pantherchamäleons wurden mit 25 mg/kg Terbinafin sowie 5 mg/kg Voriconazol, beides einmal täglich oral eingegeben, behandelt.

Nach sechs Wochen wurden die Pantherchamäleons erneut untersucht. Die Hautveränderungen waren nach wie vor vorhanden, bei zwei Tieren hatten sich die Hand- und Fußschwellungen verringert. Nach elf bis zwölf Wochen Behandlung waren bei sieben Chamäleons alle Symptome abgeklungen. Die Hautveränderungen hatten sich zu Narben entwickelt. Lediglich zwei Chamäleons zeigten noch Schwellungen im Fußbereich, jedoch geringer als zu Behandlungsbeginn. Nach 14 Wochen Therapie verstarb ein weiteres Pantherchamäleon. Die Obduktion ergab als Todesursache eine Nieren- und Organgicht. Da eine Beteiligung der eingesetzten Medikamente am Tod des Chamäleons nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde die Therapie bei sechs der acht Pantherchamäleons in Woche 15 beendet. Die beiden Pantherchamäleons, die immer noch Schwellungen an den Füßen zeigten, wurden weitere zwei Wochen therapiert.

Es handelt sich bei diesem Fallbericht um den ersten Nachweis von Paranannizziopsis australasiensis bei Chamäleons. Dieser Hautpilz wurde bisher in der Terraristik ausschließlich bei grünen Leguanen sowie Östlichen Bartagamen und in der Natur bei Tuataras, Skinken, Geckos und Schlangen nachgewiesen. Offen bleibt, wo die Pantherchamäleons sich mit dem Hautpilz infiziert hatten. Drei der in der anfänglichen Privathaltung genutzten Gazeterrarien waren zuvor von Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) und Ritteranolis bewohnt worden. Der Privathalter hatte die Terrarien danach mit Chlorbleiche desinfiziert. Sein übriger Reptilienbestand zeigte keine Hautveränderungen. Die beim USDA später genutzten Volieren hatten über Jahre leer gestanden und waren davor lediglich von Kleinvögeln bewohnt worden. Möglich ist, dass der Hautpilz über eingetopfte Pflanzen aus Gärtnereien eingeschleppt worden war, die regelmäßig einheimische Reptilien auf dem Gelände beobachten. Allerdings wurde Paranannizziopsis australasiensis bis dato in Florida noch bei keiner anderen wild lebenden Reptilienart nachgewiesen.

Am wahrscheinlichsten scheint das Szenario, dass die Chamäleons bereits vor ihrem Fang in Florida mit dem Hautpilz infiziert waren, die Erkrankung jedoch erst später ausbrach. Bereits die Ursprungstiere der Population könnten sich vor gut einem Jahrzehnt im Zoohandel bei Bartagamen angesteckt haben. Für eine latente Infektion mit spätem Ausbruch spricht, dass die Hautveränderungen in diesem Fallbericht mehrheitlich im Winter gefunden wurden, nachdem die Temperaturen unter 10°C fielen. Außerdem wurde vor Ausbruch der Symptome sogenannte „thermal limit trials“ durchgeführt, bei denen die Tiere kurz Extremtemperaturen von bis 45°C und 6°C ausgesetzt wurden. Ein weiteres Chamäleon aus der gleichen Population wurde zu einem späteren Zeitpunkt gefangen und entwickelte auch Hautveränderungen, was ebenfalls eine infizierte Population in Florida nahelegt.

Eine mit Paranannizziopsis australasiensis infizierte, freilebende Chamäleonpopulation könnte ein enormes Risiko für einheimische Reptilien darstellen. Der Hautpilz ist als hoch infektiös und aggressiv bekannt. Zudem werden inzwischen freilebende Pantherchamäleons in Florida von Händlern gefangen und an Privathalter verkauft, was die Verbreitung des Hautpilzes in privaten Reptilienbeständen zur Folge haben könnte. Weitere Untersuchungen müssen das Ausmaß des aktuellen Vorkommens von Paranannizziopsis australasiensis in Florida sowohl in der Terraristik als auch in der Natur dringend klären.

Dermatomycosis caused by Paranannizziopsis australasiensis in nonnative panther chameleons (Furcifer pardalis) captured in Central Florida, USA
Natalie M. Claunch, Colin M. Goodman, Madison Harman, Mariaguadalupe Vilchez, Savanna D. Smit, Bryan M. Kluever, James F.X. Wellehan, Robert J. Ossiboff, Christina M. Romagosa
Journal of Wildlife Diseases (4), 2023
DOI: 10.7589/JWD-D-22-00018[:en]

Fungi of the genera Nannizziopsis and Paranannizziopsis have long been known to cause severe skin diseases in various reptiles. These include species feared in herpetocolture such as CANV (Chrysosporium Anamorph of Nannizziopsis vriesii) and Nannizziopsis dermatitidis, which are apparently obligate pathogens. Now, a similar skin fungus has been detected in panther chameleons in Florida, USA.

Nine adult panther chameleons (Furcifer pardalis) were taken from a wild population in Florida. They were first housed in groups of two or three chameleons in screen cages with natural and artificial plants at a private keeper. A ReptiSun 5.0 lamp and a conventional light bulb were used. The animals were fed with crickets and zophobas every second day and supplemented with vitamins and calcium. All nine panther chameleons, plus a tenth that was captured later, were finally given to the United States Department of Agriculture (USDA) for a series of experiments. They were kept individually in steel aviaries outdoors.

Subsequently, the eight remaining panther chameleons were also examined. In fact, all but one of the chameleons were found to have either missing claws or swelling of the hands and feet, small skin wounds, circumferential proliferation on the body and/or yellow and black skin lesions. Fungal PCR was no longer carried out, but infection with the same pathogen was suspected. All nine panther chameleons still alive were treated with 25 mg/kg terbinafine and 5 mg/kg voriconazole, both given orally once daily.

After six weeks, the panther chameleons were examined again. The skin lesions were still present, in two animals the hand and foot swellings had decreased. After eleven to twelve weeks of treatment, all symptoms had disappeared in seven chameleons. The skin lesions had developed into scars. Only two chameleons still showed swelling in the foot area, but less than at the beginning of treatment. After 14 weeks of therapy, another panther chameleon died. The autopsy revealed kidney and organ damage as the cause of death. Since the contribution of the medication used to the death of the chameleon could not be ruled out, the therapy was terminated in week 15 for six of the eight panther chameleons. The two panther chameleons that still showed swelling of the feet were treated for another two weeks.

This case report is the first detection of Paranannizziopsis australasiensis in chameleons. So far, this fungal pathogen has only been found in green iguanas and Eastern bearded dragons in herpetoculture and in Tuataras, skinks, geckos, and snakes in nature. It remains unclear where the panther chameleons became infected. Three of the screen cages used in the initial private husbandry had previously been inhabited by Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) and Knight Anoles. The private keeper had disinfected the terrariums with chlorine bleach. The rest of his reptile population showed no skin lesions. The aviaries used later at the USDA had been empty for years and had previously only been inhabited by small birds. It is possible that the fungal pathogen had been introduced via potted plants from nurseries that regularly observe native reptiles on the premises. However, Paranannizziopsis australasiensis has not been found in any other wild reptile species in Florida to date.

The most likely scenario seems to be that the chameleons were already infected before they were caught in Florida, but the disease only broke out later. The original animals of the population could have been infected by bearded dragons in the pet trade a good decade ago. A latent infection with a late onset is supported by the fact that most of the skin lesions in this case report were found in winter, after temperatures had dropped below 10°C. Moreover, before the onset of symptoms, so-called „thermal limit trials“ were carried out, in which the animals were briefly exposed to extreme temperatures of up to 45°C and 6°C. Another chameleon from the same population was caught at a later time and also developed skin lesions, which indeed suggests an infected population in Florida.

A free-ranging chameleon population infected with Paranannizziopsis australasiensis could pose a huge risk to native reptiles. The fungal pathogen is known to be highly infectious and aggressive. In addition, free-ranging panther chameleons in Florida are now being captured by dealers and sold to private owners, which could result in the spread of the disease in private reptile populations. Further research is urgently needed to clarify the extent of the current occurrence of Paranannizziopsis australasiensis in Florida, both in herpetoculture and in the wild.

Dermatomycosis caused by Paranannizziopsis australasiensis in nonnative panther chameleons (Furcifer pardalis) captured in Central Florida, USA
Natalie M. Claunch, Colin M. Goodman, Madison Harman, Mariaguadalupe Vilchez, Savanna D. Smit, Bryan M. Kluever, James F.X. Wellehan, Robert J. Ossiboff, Christina M. Romagosa
Journal of Wildlife Diseases (4), 2023
DOI: 10.7589/JWD-D-22-00018[:]

[:de]Chamäleons auf unterschiedlichen Höhenstufen des Montagne d’Ambre (Madagaskar)[:en]Chameleons at different altitudes of the Amber Mountain (Madagascar)[:]

[:de]Chamäleons auf unterschiedlichen Höhenstufen des Montagne d’Ambre (Madagaskar)[:en]Chameleons at different altitudes of the Amber Mountain (Madagascar)[:]

Wissenschaft

[:de]

Internationale Wissenschaftler haben sich intensiv mit den unterschiedlichen Höhenlagen des Montagne d’Ambre und den dort vorkommenden Amphibien und Reptilien beschäftigt. Der Montagne d’Ambre ist ein ehemaliges Vulkanmassiv im Norden Madagaskars. Der bis zu 1475 m hohe Berg ist vor allem von Regenwald bedeckt, der dem gleichnamigen Nationalpark angehört. Im Norden des Berges liegt ein Trockenwald, der zum Forêt d’Ambre Special Reserve gehört. Die Nordwestflanke des Berges ist bisher nicht geschützt.

In der vorliegenden Arbeit wurden Amphibien und Reptilien über 12 km zwischen 700 und 1470 Höhenmeter beobachtet und beprobt. In die Studie wurde auch erstmals der Westhang des Montagne d’Ambre auf Höhen zwischen 770 und 1290 m eingeschlossen. Zusätzlich wurden Tiere im Forêt d’Ambre ab einer Höhe von 470 m beprobt. Alle gefundenen Tiere wurden vermessen. Es wurden sowohl Wangentupfer, Schuppen als auch lebende Tiere, die euthanasiert wurden, entnommen und genetisch untersucht. Insgesamt kam es zu 2631 Beobachtungen von 34 Arten Amphibien und 48 Arten von Reptilien. Wie erwartet kamen auf unterschiedlichen Höhenlagen unterschiedliche Tiere vor. Der Artenreichtum des Montagne d’Ambre war dabei auf rund 1000 m üNN mit 41 verschiedenen Arten am größten. Über 1100 m waren rund ein Drittel der vorgefundenen Arten lokal endemisch.

Beim Erdchamäleon Brookesia tuberculata konnten zwei genetische Cluster identifiziert werden. Gruppe 1 lebt auf an der Ostflanke des Montagne d’Ambre auf Höhen von 887 bis 1170 m, Gruppe 2 auf 1260 bis 1455 m an der Ostflanke sowie auf 956 bis 1150 m am Westhang des Montagne d’Ambre. Bei Gruppe 1 fielen besonders viele mitochondriale Haplotypen auf, während Gruppe 2 lediglich einen einzigen Haplotyp aufwies. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Art wegen ihrer geringen Körpergröße und hohen Standorttreue eher zu isolierten Gruppen neigt als Baum bewohnende Chamäleons, die natürliche Barrieren leichter überwinden und sich damit in einem wesentlich größerem Umgebungsradius fortbewegen können.

Bei Calumma linotum waren die genetischen Unterschiede zwischen drei Gruppen auf unterschiedlichen Höhen eher gering ausgeprägt. Auch die Messdaten verschiedener Körpermaße zeigten bei dieser Art auf den unterschiedlichen Höhenlagen keinen eindeutigen Trend. Zwar schienen Calumma linotum auf niedrigeren Höhen etwas kleiner zu sein, das könnte aber auch an als Weibchen fehlidentifizierten subadulten Individuen gelegen haben. Bei Calumma amber und Calumma ambreense sank die Körpergröße, je höher im Montagne d’Ambre die Chamäleons gefunden wurden. Möglicherweise hängt dies mit den kühleren Temperaturen in höheren Lagen zusammen, die zu einem langsameren Wachstum beitragen. Es könnte aber auch sein, dass schlicht mehr jüngere Tiere vermessen wurden.

Die Studie bringt interessante Anpassungen verschiedener Chamäleonarten an die Höhenunterschiede des Montagne d’Ambre zu Tage. Möglicherweise handelt es sich dabei bereits um erste Hinweise auf ein frühes Stadium von Artbildung. Die Arbeit verdeutlicht außerdem, wie wichtig die unterschiedlichen Höhenstufen für die Artenvielfalt sind.

Repeated divergence of amphibians and reptiles across an elevational gradient in northern Madagascar
Mark D. Scherz, Robin Schmidt, Jason L. Brown, Julian Glos, Ella Z. Lattenkamp, Zafimahery Rakotomalala, Andolalao Rakotoarison, Ricky T. Rakotonindrina, Onja Randriamalala, Achille P. Raselimanana, Safidy M. Rasolonjatovo, Fanomezana M. Ratsoavina, Jary H. Razafindraibe, Frank Glaw, Miguel Vences
Ecology and Evolution 13 (3)
DOI: 10.1002/ece3.9914[:en]

International scientists have intensively studied the different altitudes of the Amber Mountain and the amphibians and reptiles found there. The Amber Mountain (French Montagne d’Ambre) is a former volcanic massif in northern Madagascar. The mountain, which is up to 1475 m high, is mainly covered by rainforest, which belongs to the national park of the same name. To the north of the mountain is a dry forest that belongs to the Forêt d’Ambre Special Reserve. The north-western flank of the mountain has not yet been protected.

In the present work, amphibians and reptiles were observed and sampled over 12 km between 700 and 1470 metres altitude. The western slope of the Montagne d’Ambre at altitudes between 770 and 1290 m was also included in the study for the first time. In addition, animals were sampled in the Forêt d’Ambre from 470 m altitude. All animals found were measured. Cheek swabs, scales as well as live animals that had been euthanised were collected and genetically analysed. A total of 2631 observations of 34 species of amphibians and 48 species of reptiles were made. As expected, different animals occurred at different altitudes. The species richness of the Montagne d’Ambre was greatest at around 1000 m a.s.l. with 41 different species. Above 1100 m, about one third of the species found were locally endemic.

Two genetic clusters of the earth chameleon Brookesia tuberculata have been identified. Group 1 lives on the eastern flank of the Montagne d’Ambre at altitudes of 887 to 1170 m, group 2 at 1260 to 1455 m on the eastern flank and at 956 to 1150 m on the western slope of the Montagne d’Ambre. Group 1 showed a particularly high number of mitochondrial haplotypes, while group 2 had only one haplotype. The scientists assume that due to their small body size and high site fidelity, the species tends to form isolated groups rather than tree-inhabiting chameleons, which can overcome natural barriers more easily and thus move within a much larger environmental radius.

In Calumma linotum, the genetic differences between three groups at different altitudes were rather small. The measurement data of various body dimensions also showed no clear trend for this species at the different altitudes. Although Calumma linotum appeared to be slightly smaller at lower altitudes, this could have been due to subadult individuals misidentified as females. For Calumma amber and Calumma ambreense, body size decreased the higher the chameleons were found in the Montagne d’Ambre. This may be related to the cooler temperatures at higher altitudes, which contribute to slower growth. But it could also be that more younger animals were simply measured.

The study reveals interesting adaptations of different chameleon species to the altitudinal differences of the Montagne d’Ambre. It is possible that these are already the first indications of an early stage of speciation. The work also illustrates how important the different altitudinal levels are for species diversity.

Repeated divergence of amphibians and reptiles across an elevational gradient in northern Madagascar
Mark D. Scherz, Robin Schmidt, Jason L. Brown, Julian Glos, Ella Z. Lattenkamp, Zafimahery Rakotomalala, Andolalao Rakotoarison, Ricky T. Rakotonindrina, Onja Randriamalala, Achille P. Raselimanana, Safidy M. Rasolonjatovo, Fanomezana M. Ratsoavina, Jary H. Razafindraibe, Frank Glaw, Miguel Vences
Ecology and Evolution 13 (3)
DOI: 10.1002/ece3.9914[:]

[:de]Bewegungsmuster von Brookesia superciliaris[:en]Movement pattern of Brookesia superciliaris[:]

[:de]Bewegungsmuster von Brookesia superciliaris[:en]Movement pattern of Brookesia superciliaris[:]

Wissenschaft

[:de]

Bisher wurden Bewegungsmuster bei Chamäleons vor allem an Baum bewohnenden Arten erforscht. Die vorwiegend Boden bewohnenden Gattungen wie Brookesia, Rhampholeon, Palleon und Rieppeleon, die immerhin rund ein Drittel aller aktuell bekannten Chamäleons darstellen, wurden nur selten beachtet. Eine Gruppe von US-amerikanischen Forschern hat nun das Erdchamäleon Brookesia superciliaris genauer angeschaut.

Dabei wurde die Bewegung lebender Brookesia superciliaris auf verschiedenen Untergründen vermessen und Vergleiche mit Baum bewohnenden Chamäleons und anderen anderen Echsen angestellt. Erstaunlicherweise wiesen die Erdhamäleons Bewegungsmerkmale sowohl Baum bewohnender als auch Boden bewohnender Tiere auf. Auf Ästen bewegte sich Brookesia superciliaris langsamer als auf einen Boden imitierendem Substrat. Die Ganggeschwindigkeit wurde hauptsächlich durch die Schrittfrequenz und nicht durch die Schrittlänge reguliert. Obwohl zu Beginn eines Schrittes der Oberarm stark gestreckt wird, ein typisches Merkmal einer aborealen Fortbewegung, sind Schulter- und Hüftbewegungen auf Ästen geringer als für Baumbewohner üblich. Das könnte auf eine vorwiegend terrestrische Lebensweise hindeuten. Bewegt sich Brookesia superciliaris sehr langsam, nutzt es häufig eine sehr ungewöhnliche Schrittfolge und verfällt in einen Passgang. Brookesia superciliaris könnte wegen seiner frühen evolutionären Abspaltung von der Entwicklungslinie anderer Chamäleons als Beispiel für ein Zwischenstadium zwischen Boden- und Baumbewohner gelten.

Locomotor characteristics of the ground-walking chameleon Brookesia superciliaris
Chukwuyem Ekhator, Arnavi Varshney, Melody W. Young, Daniel Tanis, Michael C. Granatosky, Raul E. Diaz, Julia L. Molnar
Journal of Experimental Zoology Part A 339 (4), 2023
DOI: 10.1002/jez.2703[:en]

Until now, movement patterns in chameleons have mainly been studied in tree-dwelling species. The predominantly ground-dwelling genera such as Brookesia, Rhampholeon, Palleon and Rieppeleon, which represent about a third of all currently known chameleons, have only rarely been considered. A group of US researchers has now taken a closer look at the terrestrial chameleon Brookesia superciliaris.

The movement of living Brookesia superciliaris on different surfaces was measured and comparisons made with tree-dwelling chameleons and other lizards. Surprisingly, the terrestrial chameleons showed movement characteristics of both tree-dwelling and ground-dwelling animals. Brookesia superciliaris moved slower on branches than on substrate imitating soil. The gait speed was mainly regulated by the step frequency and not by the step length. Although at the beginning of a step the upper arm is strongly extended, a typical feature of aboreal locomotion, shoulder and hip movements on branches are less than usual for arboreal dwellers. This could indicate a predominantly terrestrial lifestyle. When Brookesia superciliaris moves very slowly, it often uses a very unusual step sequence and lapses into a passing gait. Brookesia superciliaris could be considered an example of an intermediate stage between ground and arboreal dwellers because of its early evolutionary split from the developmental lineage of other chameleons.

Locomotor characteristics of the ground-walking chameleon Brookesia superciliaris
Chukwuyem Ekhator, Arnavi Varshney, Melody W. Young, Daniel Tanis, Michael C. Granatosky, Raul E. Diaz, Julia L. Molnar
Journal of Experimental Zoology Part A 339 (4), 2023
DOI: 10.1002/jez.2703[:]

[:de]Wirbelsäulen von Baum- und Boden bewohnenden Chamäleons[:en]Spines of tree- and ground-dwelling chameleons[:]

[:de]Wirbelsäulen von Baum- und Boden bewohnenden Chamäleons[:en]Spines of tree- and ground-dwelling chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Von Säugetieren, insbesondere Primaten, sind verschiedene anatomische Anpassungen der Wirbelsäule zwischen Boden- und Baumbewohnern bekannt. Teils werden die unterschiedlichen Wirbel sogar mit bestimmten Bewegungsmustern verbunden. Zwei Wissenschaftler aus New York (USA) haben nun in einer vergleichenden Studie untersucht, worin sich die Wirbelsäule Boden und Baum bewohnender Chamäleons unterscheidet.

Sie vermaßen die bereits vorhandenen CT-Scans auf Morphosource.org von insgesamt 28 Chamäleons verschiedener Arten. Brookesia perarmata, Brookesia superciliaris, Brookesia thieli, Palleon nasus, Rhampholeon platyceps, Rhampholeon spectrum, Rieppeleon brevicaudatus und Rieppeleon kerstenii wurden als Bodenbewohner eingeteilt. Archaius tigris, Bradypodion melanocephalum, Bradypodion pumilum, Bradypodion thamnobates, Calumma amber, Calumma brevicorne, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo gracilis, hamaeleo zeylanicus, Furcifer lateralis, Furcifer pardalis, Furcifer verrucosus, Kinyongia carpenteri, Kinyongia tavetana, Kinyongia xenorhina, Nadzikambia mlanjensis, Trioceros feae, Trioceros jacksonii und Trioceros quadricornis wurden als Baumbewohner betrachtet. Die Wirbel wurden gezählt und Breite der Lamina, Länge, Breite, Höhe des Wirbelkörpers sowie die Höhe des Dornfortsatzes und der Querfortsätze an jedem Wirbel gemessen. Zusätzlich wurde der sogenannte präzygapophyseale Winkel bestimmt. Dabei handelt es sich um den Winkel des Zwischenwirbelgelenks, also der Kontaktflächen zwischen den einzelnen Wirbeln. Die Messungen von Boden- und Baumbewohnern wurden miteinander verglichen und statistisch ausgewertet. Betrachtet wurde dabei lediglich die Wirbelsäule des Rumpfes, die Schwanzwirbelsäule blieb außen vor.

Zunächst fiel bei den Ergebnissen auf, dass Boden bewohnende Chamäleons generell weniger Rumpfwirbel (15 bis 19) als Baum bewohnende Chamäleons (18 bis 23) aufweisen. Die Rumpfwirbelsäule konnte bei fast allen Arten in die schon bekannten drei Bereiche eingeteilt werden: Halswirbelsäule sowie vordere und hintere Rückenwirbelsäule. Eine Brust- und Lendenwirbelsäule wie beim Säugetier unterscheidet man beim Chamäleon wegen der durchgehenden Rippen allgemein nicht. Bei fünf Chamäleonarten existierten statt der drei Regionen vier: Sie zeigten eine vordere und eine hintere Halswirbelsäule, wobei die vordere lediglich aus zwei Wirbeln mit Rippenfortsätzen bestand. Sechs Chamäleonarten wiesen zwei zusätzliche Lendenwirbel auf und bei einer Art kamen drei Übergangswirbel im Bereich zwischen Hals- und Rückenwirbelsäule vor. Bei Kinyongia carpenteri konnten insgesamt sogar fünf Regionen in der Rumpfwirbesäule unterschieden werden: Das Chamäleon wies sowohl vordere und hintere Halswirbelsäule als auch vordere und hintere Rückenwirbelsäule sowie zwei zusätzliche Lendenwirbel auf. Brookesia perarmata war ebenfalls ein Sonderfall: Die Rumpfwirbelsäule dieses Chamäleons bestand nur aus zwei Regionen und gleichzeitig aus der geringsten Zahl Wirbeln aller untersuchter Arten.

Die größten Unterschiede zwischen Boden und Baum bewohnenden Chamäleons zeigten sich im präzygapophysealen Winkel (PZA) und der Höhe des Dornfortsatzes. Die Zwischenwirbelgelenksflächen im vorderen Rückenwirbelbereich der Baum bewohnenden Chamäleons waren deutlich mehr dorsoventral orientiert und kleiner als bei Boden bewohnenden Arten. Etliche Baumbewohner zeigten einen PZA von weniger als 90°. Bei Baum bewohnenden Chamäleons befanden sich die größten Dornfortsätze am Übergang von der Hals- zur Rückenwirbelsäule. Ähnlich verliefen die Dornfortsätze unter den Boden bewohnenden Arten lediglich bei Palleon nasus. Bei Boden bewohnenden Chamäleons variierte das Aussehen des Dornfortsatzes sehr stark. Beispielsweise Rieppeleon zeigte schmale, nach hinten geneigte Dornfortsätze, während die Dornfortsätze bei Brookesia eher eine Art Knochenbrücke als einen Fortsatz darstellten. Eine Ausnahme stellte Archaius tigris dar: Die Dornfortsätze bei diesem Chamäleon unterschieden sich kaum entlang der gesamten Wirbelsäule.

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass die Anatomie der unterschiedlichen Wirbelsäulen stark mit der Lebensweise der Chamäleons und der unterschiedlichen Fortbewegung zu tun haben. Die Zwischenwirbelgelenksflächen bei Baum bewohnenden Chamäleons sind wahrscheinlich für das Klettern wichtig, indem sie die Funktion des Schultergürtels unterstützen. Eine verringerte Beweglichkeit in der mediolateralen Ebene sorgt für eine größere Steifigkeit des Rumpfes, was Baumbewohnern das Klettern erleichtert. Eine Versteifung des Achsenskeletts (Schädel, Rumpfwirbelsäule und Brustkorb) ist auch von Baum bewohnenden Säugetieren bekannt. Die größeren Dornfortsätze bei größeren Chamäleons könnte die Rotation des Schultergürtels und die Muskelbewegung erleichtern, wodurch eine größere Schrittlänge, eine bessere Unterstützung des Kopfes und damit gegebenenfalls eine leichtere Futteraufnahme einherginge.

Morphological and functional regionalization of trunk vertebrae as an adaption for arboreal locomotion in chameleons
Julia Molnar, Akinobu Watanabe
Royal Society Open Science 10, 2023: 221509
DOI: 10.1098/rsos.221509

Abbildung: Wirbelsäulen verschiedener Chamäleonarten[:en]

Various anatomical adaptations of the spine between ground and tree dwellers are known from mammals, especially primates. In some cases, the different vertebrae are even associated with certain movement patterns and bodily functions. In a comparative study, two scientists from New York (USA) have now investigated how the spine of ground- and tree-dwelling chameleons differs.

They measured the already existing CT scans on Morphosource.org of a total of 28 chameleons of different species. Brookesia perarmata, Brookesia superciliaris, Brookesia thieli, Palleon nasus, Rhampholeon platyceps, Rhampholeon spectrum, Rieppeleon brevicaudatus and Rieppeleon kerstenii were classified as ground dwellers. Archaius tigris, Bradypodion melanocephalum, Bradypodion pumilum, Bradypodion thamnobates, Calumma amber, Calumma brevicorne, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo gracilis, hamaeleo zeylanicus, Furcifer lateralis, Furcifer pardalis, Furcifer verrucosus, Kinyongia carpenteri, Kinyongia tavetana, Kinyongia xenorhina, Nadzikambia mlanjensis, Trioceros feae, Trioceros jacksonii and Trioceros quadricornis were considered arboreal. The vertebrae were counted and the width of the lamina, length, width, height of the vertebral body, and the height of the spinous process and transverse processes on each vertebra were measured. In addition, the so-called prezygapophysial angle was determined. This is the angle of the intervertebral joint, i.e. the contact surfaces between the individual vertebrae. The measurements of ground and tree dwellers were compared and statistically evaluated. Only the vertebral column of the trunk was considered, the caudal vertebral column was left out.

First of all, the results showed that ground-dwelling chameleons generally have fewer trunk vertebrae (15 to 19) than tree-dwelling chameleons (18 to 23). The trunk spine of almost all species could be divided into the already known three areas: Cervical spine and anterior and posterior dorsal spine. A thoracic and lumbar spine as in mammals is generally not distinguished in chameleons because of the continuous ribs. Five chameleon species had four regions instead of three: they had an anterior and a posterior cervical spine, the anterior one consisting of only two vertebrae with rib processes. Six chameleon species had two additional lumbar vertebrae and one species had three transitional vertebrae in the region between the cervical and dorsal spine. In Kinyongia carpenteri, a total of five regions could be distinguished in the trunk spine: The chameleon had anterior and posterior cervical vertebrae as well as anterior and posterior dorsal vertebrae and two additional lumbar vertebrae. Brookesia perarmata was also a special case: the trunk spine of this chameleon consisted of only two regions and at the same time the smallest number of vertebrae of all species studied.

The greatest differences between ground and tree-dwelling chameleons were found in the prezygapophyseal angle (PZA) and the height of the spinous process. The intervertebral joint surfaces in the anterior dorsal vertebrae of tree-dwelling chameleons were clearly more dorsoventrally oriented and smaller than in ground-dwelling species. Several tree-dwellers showed a PZA of less than 90°. In tree-dwelling chameleons, the largest spinous processes were located at the transition from the cervical to the dorsal spine. Among the ground-dwelling species, the spinous processes were similar only in Palleon nasus. In ground-dwelling chameleons, the appearance of the spinous process varied greatly. Rieppeleon, for example, showed narrow, backward-sloping spinous processes, while the spinous processes in Brookesia were more like a kind of bone bridge than a process. Archaius tigris was an exception: The spinous processes in this chameleon hardly differed along the entire spine.

The authors conclude from the results that the anatomy of the different vertebrae is strongly related to the chameleons‘ way of life and different locomotion. The intervertebral joint surfaces in tree-dwelling chameleons are probably important for climbing by supporting the function of the shoulder girdle. Reduced mobility in the mediolateral plane provides greater trunk stiffness, which facilitates climbing in arboreal dwellers. Stiffening of the axial skeleton (skull, trunk spine and thorax) is also known from tree-dwelling mammals. The larger spinous processes in larger chameleons could facilitate shoulder girdle rotation and muscle movement, resulting in increased stride length, better head support, and thus possibly easier feeding.

Morphological and functional regionalization of trunk vertebrae as an adaption for arboreal locomotion in chameleons
Julia Molnar, Akinobu Watanabe
Royal Society Open Science 10, 2023: 221509
DOI: 10.1098/rsos.221509

Illustration: Spines of different chameleon species[:]

[:de]Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons[:en]Long-term study on sperm collection in chameleons[:]

[:de]Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons[:en]Long-term study on sperm collection in chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Assistierte Reproduktion, also medizinische Nachhilfe bei der Fortpflanzung, kommt im Artenschutz von extrem seltenen Tieren wie Spix-Ara oder nördlichen Breitmaulnashörnern in den letzten Jahren immer häufiger zum Zuge. Bei Reptilien gibt es bisher dagegen erst wenige Studien zur assistierten Reproduktion, speziell bei Chamäleons nur vereinzelte. Wissenschaftler aus den USA haben nun eine Studie dazu an männlichen Jemen- und Pantherchamäleons (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis) durchgeführt.

An der Louisiana State University wurden je 16 Männchen beider Arten unter standardisierten Bedingungen über ein Jahr lang gehalten. Die Pantherchamäleons wurden bei einem US-amerikanischen Züchter erworben, die Jemenchamäleons von einem Händler, der sie wiederum der Population wild lebender Jemenchamäleons in Florida entnommen hatte. Alle Männchen wurden einzeln in ReptiBreeze gehalten, ausgestattet mit automatischer Beregnung und künstlichen Pflanzen. Die Temperaturen lagen tagsüber bei rund 28-29°C mit Spots zum Aufsuchen höherer Werte. 12 h UV-B-Bestrahlung am Tag wurde angeboten. Gefüttert wurde mit Heimchen und Zophobas.

Vor Beginn der Studie wurden alle 32 Chamäleons klinisch untersucht und mehrere Parasitenbehandlungen durchgeführt. Erst nach einem Monat der Akklimatisierung begann dann die eigentliche Studie. Während des Studienjahres wurden alle Chamäleons zwei Mal pro Monat in Narkose gelegt. Jedes Mal wurde Blut aus der ventralen Schwanzvene oder der Jugularvene entnommen, um die Testosteron-Konzentration zu bestimmen. Mittels Ultraschalles wurde die Größe der Hoden vermessen. Zudem wurde jedes Mal versucht, mittels Elektroejakulation Sperma zu gewinnen. Bei der Elektroejakulation wurde eine kleine Metallsonde in die gesäuberte Kloake eingeführt. Jedes Chamäleon wurde dann bis zu drei Mal hintereinander mit bis zu 15 Stromstößen von 0,1/0,2/0,3 mAs behandelt. Die Absamversuche wurden abgebrochen, sobald das Tier ejakulierte. Das gewonnene Sperma wurde konserviert und auf Ejakulatvolumen, Vorhandensein von Spermien, Spermienbeweglichkeit, -konzentration und -morphologie untersucht.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Jemenchamäleons bei gleichbleibenden Haltungsbedingungen eine sogenannte prenuptiale Fortpflanzungsstrategie verfolgen. Die Testosteronkonzentration im Blut stieg bereits an, bevor das Spermavolumen der Männchen ihr Maximum erreicht hatte. Die besten Absamerfolge brachten die Monate Mai, April und Juni, das meiste Sperma brachten Elektroejakulationen im dritten Anlauf. Auch die Hodengrößen unterschieden sich übers Jahr, mit den größten Messungen von August bis Dezember.

Pantherchamäleons dagegen scheinen einer postnuptialen Fortpflanzungsstrategie zu folgen. Bei ihnen konnte das meiste Sperma erst weit nach dem höchsten Punkt der Testosteronkonzentration gewonnen werden. Die Absamungen klappten am besten im März, April, Mai und Juni. Wesentlich häufiger als bei Jemenchamäleons funktionierte die Elektroejakulation bei Pantherchamäleons schon im ersten Versuch. Die Hodengrößen variierten auch hier übers Jahr, allerdings waren sie mehrheitlich in den schon genannten Monaten am größten. Gemeinsam mit den genannten Faktoren veränderte sich ebenso das Volumen des Ejakulats, die Spermienkonzentration, -beweglichkeit und -morphologie im Jahresverlauf.

Die Autoren empfehlen, Elektroejakulation bei Chamäleons generell nur in Narkose durchzuführen. Die Erfolgsrate beim Absamen lag in den beiden höchsten Fällen bei 82 und 88%, was den Erfolgen bei anderen Reptilien während deren Fortpflanzungssaison entspricht. Die Mortalitätsrate unter den 32 Tieren lag über das ganze Jahr lediglich bei 0,12%. Ein Pantherchamäleon starb nach 10 Monaten während der 20. Narkose, nach dem Tod wurde ein Nierenschaden festgestellt. Aus der geringen Mortalitätsrate schließen die Autoren, dass die Elektroejakuation eher keine Rolle in der Entwicklung von Nierenerkrankungen spiele, wie es in anderen Studien vermutet wurde. Eine Untersuchung des Bluts auf Nierenwerte wurde allerdings bei keinem der überlebenden Chamäleons nach der Studie durchgeführt. Unklar bleibt auch, welche Rolle die fehlende Imitation von Regen- und Trockenzeit im Jahresverlauf für beide Arten und deren Fortpflanzungszyklus spielt.

Characterizing the annual reproductive cycles of captive male veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) and panther chameleons (Furcifer pardalis)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Ian Konsker, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (1), 2023, pp. 45-60
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00037

[:en]

Assisted reproduction has become increasingly common in the conservation of extremely rare animals such as the Spix’s macaw or northern white rhinoceros in recent years. In reptiles, on the other hand, there have only been a few studies on assisted reproduction, and only a few on chameleons in particular. Scientists from the USA have now conducted a study on male Veiled and Panther Chameleons (Chamaeleo calyptratus and Furcifer pardalis).

At Louisiana State University, 16 males of each species were kept under standardised conditions for over a year. The panther chameleons were purchased from a US breeder, the Yemen chameleons from a dealer who had taken them from the introduced wild chameleon population in Florida. All males were kept individually in ZooMed screen cages, equipped with automatic sprinklers and artificial plants. Temperatures were around 28-29°C during the day with spots to seek higher values. 12 h UV-B irradiation per day was offered. They were fed with crickets and zophobas.

Before the start of the study, all 32 chameleons were clinically examined and parasites were treated. Only after a month of acclimatisation did the actual study begin. During the study year, all chameleons were put under anaesthesia twice a month. Each time, blood was taken from the ventral tail vein or the jugular vein to determine the testosterone concentration. Ultrasound was used to measure the size of the testicles. In addition, each time an attempt was made to obtain sperm by electroejaculation. Electroejaculation involved inserting a small metal probe into the cleaned cloaca. Each chameleon was then treated up to three times in succession with up to 15 electric shocks of 0.1/0.2/0.3 mAs. The semen collection experiments were stopped as soon as the animal ejaculated. The sperm collected was preserved and examined for ejaculate volume, presence of sperm, sperm motility, concentration, and morphology.

The results suggest that Veiled Chameleons follow a so-called prenuptial reproductive strategy under constant husbandry conditions. The testosterone concentration in the blood already increased before the sperm volume of the males had reached its maximum. The months of May, April, and June brought the best sperm volumes, the most sperm was produced by electroejaculations in the third attempt. Testicle sizes also varied throughout the year, with the largest measurements from August to December.

Panther chameleons, on the other hand, seem to follow a postnuptial reproductive strategy. In them, most sperm could only be obtained well after the highest point of testosterone concentration. The electroejaculations worked best in March, April, May and June. Much more often than in Yemen chameleons, electroejaculation in panther chameleons worked already in the first attempt. The size of the testicles also varied throughout the year, but most were largest in the months mentioned above. Together with the factors mentioned above, the volume of ejaculate, sperm concentration, sperm motility and sperm morphology also changed during the year.

The authors recommend that electroejaculation in chameleons should generally only be performed under anaesthesia. The success rate for spermatozoa in the two highest cases was 82 and 88%, which is similar to the success in other reptiles during their reproductive season. The mortality rate among the 32 animals was only 0.12% over the whole year. One panther chameleon died after 10 months during the 20th anaesthesia, after death kidney damage was detected. From the low mortality rate, the authors conclude that electroejaculation rather does not play a role in the development of kidney disease, as was suspected in other studies. However, an examination of the blood for kidney values was not carried out on any of the surviving chameleons after the study. It also remains unclear what role the lack of imitation of rainy and dry seasons during the year plays for both species and their reproductive cycle.

Characterizing the annual reproductive cycles of captive male veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) and panther chameleons (Furcifer pardalis)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Ian Konsker, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (1), 2023, pp. 45-60
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00037

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