[:de]Faktoren der geografischen Ausbreitung von Chamäleons[:en]Factors in the geographical dispersal of chameleons[:]

[:de]Faktoren der geografischen Ausbreitung von Chamäleons[:en]Factors in the geographical dispersal of chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Schon lange wird versucht zu ergründen, wie und warum Chamäleons sich über den afrikanischen Kontinent, auf Inseln und bis nach Europa und Asien ausgebreitet haben. Französische Wissenschaftler haben jetzt in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen mittels Phylogenetik und verschiedenen Berechnungsmodellen untersucht, wie sich die Faktoren Körpergröße, küstennaher Lebensraum und extreme Lebensweisen auf die Verbreitung verschiedener Chamäleonarten ausgewirkt haben könnte. Die Studie untersuchte 181 Arten, die sich auf neun biogeografische Hauptregionen aufteilen: Nordafrika und Arabien, Zentralafrika, Südostafrika, Südwestafrika, Indien, Sokotra, Madagaskar, die Komoren und die Seychellen.

Chamäleonarten, die mehr als 10 km vom Meer entfernt vorkamen, verbreiteten sich historisch deutlich weniger als die 74 küstennah lebende Chamäleonarten. Ein ähnliches Phänomen ist von Skinken und Krokodilen bekannt. Die Verbreitung fand wahrscheinlich vor allem entlang der Küsten statt, zumeist auf dem gleichen Kontinent und nur selten über das Wasser zu anderen Kontinenten oder Inseln hin.

Die Größe der verschiedenen Chamäleons scheint ihre Ausbreitung in der Geschichte ebenfalls beeinflusst zu haben: Große Chamäleons verbreiteten sich weiter und häufiger als kleine Chamäleons. Das könnte damit zusammenhängen, dass größere Chamäleons eine geringere Stoffwechselrate haben – damit benötigen sie im Verhältnis zu kleineren Konkurrenten insgesamt weniger Energie. Außerdem legen größere Chamäleons Gelege mit deutlich mehr Eiern, wodurch sie ganz einfach zahlenmäßig im Vorteil sind.

Ein etwas unerwartetes Ergebnis erbrachte die Untersuchung verschiedener Lebenszyklen. Man würde zunächst annehmen, dass kurze Lebenszyklen mit schnellerer Verbreitung einhergehen. Tatsächlich zeigten die Berechnungen, dass vor allem Chamäleonarten mit extremen Lebenszyklen sich weiter verbreiteten. Wer also besonders langsam oder besonders schnell reproduzierte, war historisch unter Chamäleons erfolgreicher als die Arten „im Mittelfeld“. Die Autoren überlegen diesbezüglich, ob besonders langsame Lebenszyklen mit später Geschlechtsreife und langer Trächtigkeit möglicherweise auf dem gleichen Kontinent erfolgreicher sind, während schnellere Vermehrungsstrategien mit großen Gelegen günstiger für die Verbreitung übers Meer auf Inseln und andere Kontinente sind. Dazu passt, dass Furcifer polleni und Furcifer cephalolepis auf den Komoren und Chamaeleo zeylanicus in Indien, alles drei Beispiele für eine Ausbreitung übers Wasser, einen sehr schnellen Lebenszyklus aufweisen.

Die 34 Chamäleonarten mit der Kombination küstennah lebend, groß und extremen Lebenszyklus hatten zu 98% eine höhere Verbreitungsrate als Arten ohne diese Merkmale.  Insgesamt handelt es sich sicherlich um eine sehr theoretische Studie, die aber dennoch spannende Aufschlüsse über die historische Ver- und Ausbreitung von Chamäleons aufzeigt.

Chameleon biogeographic dispersal is associated with extreme life history strategies
Sarah-Sophie Weil, Laurie Gallien, Sébastien Lavergne, Luca Börger, Gabriel W. Hassler, Michaël P.J. Nicolaï & William L. Allen
Ecography
DOI: 10.1111/ecog.06323[:en]

For a long time, people have been trying to find out how and why chameleons have spread across the African continent, to islands and as far as Europe and Asia. French scientists, in collaboration with international colleagues, have now used phylogenetics and various computational models to investigate how the factors of body size, coastal habitat and extreme lifestyles may have affected the distribution of different chameleon species. The study examined 181 species divided into nine main biogeographical regions: North Africa and Arabia, Central Africa, Southeast Africa, Southwest Africa, India, Socotra, Madagascar, Comoros and Seychelles.

Chameleon species that occurred more than 10 km from the sea historically spread significantly less than the 74 coastal chameleon species. A similar phenomenon is known from skinks and crocodiles. Dispersal probably took place mainly along the coasts, mostly on the same continent and only rarely across the water to other continents or islands.

The size of the different chameleons also seems to have influenced their dispersal throughout history: Large chameleons spread further and more frequently than small chameleons. This could be related to the fact that larger chameleons have a lower metabolic rate – so they need less energy overall relative to smaller competitors. In addition, larger chameleons lay clutches with significantly more eggs, which simply gives them an advantage in numbers.

A somewhat unexpected result came from the study of different life cycles. One would initially assume that short life cycles are associated with faster dispersal. In fact, the calculations showed that especially chameleon species with extreme life cycles spread further. Thus, those that reproduced particularly slowly or particularly quickly were historically more successful among chameleons than the species „in the middle“. In this regard, the authors consider whether particularly slow life cycles with late sexual maturity and long gestation might be more successful on the same continent, while faster reproductive strategies with large clutches are more favourable for dispersal across the sea to islands and other continents. In line with this, Furcifer polleni and Furcifer cephalolepis in Comoros and Chamaeleo zeylanicus in India, all three examples of aquatic dispersal, have a very fast life cycle.

The 34 chameleon species with the combination of living close to the coast, large size and extreme life cycle had a 98% higher dispersal rate than species without these characteristics.  All in all, this is certainly a very theoretical study, but it nevertheless provides exciting insights into the historical distribution and dispersal of chameleons.

Chameleon biogeographic dispersal is associated with extreme life history strategies
Sarah-Sophie Weil, Laurie Gallien, Sébastien Lavergne, Luca Börger, Gabriel W. Hassler, Michaël P.J. Nicolaï & William L. Allen
Ecography
DOI: 10.1111/ecog.06323[:]

[:de]Versteckte Arten innerhalb der Gattung Chamaeleo[:en]Hidden species within the genus Chamaeleo[:]

[:de]Versteckte Arten innerhalb der Gattung Chamaeleo[:en]Hidden species within the genus Chamaeleo[:]

Wissenschaft

[:de]

Die Bestimmung von Arten ist heute dank genetischer Untersuchungen viel genauer möglich als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Genetik wirft jedoch dadurch auch immer neue Fragen auf. Die Gattung Chamaeleo verfügt über aktuell 14 Arten. Wissenschaftler aus Südafrika haben jetzt untersucht, ob es in der Gattung womöglich weitere, ‚versteckte‘ Arten der Gattung Chamaeleo gibt. Parallel untersuchten sie, wo wohl der Ursprung der Gattung Chamaeleo liegt. Dazu wurde genetisches Material aller 14 bisher anerkannten Arten untersucht. Dabei kamen spannende Ergebnisse zutage: Von den vierzehn Chamaeleo-Arten wurden 13 bestätigt, eine jedoch in Frage gestellt. Zusätzlich konnten mehrere neue candidate species ausgemacht werden.

Die beiden unterschiedlichen Populationen von Chamaeleo anchietae im westlichen Angola sowie im südöstlichen Kongo und Tansania stellen vermutlich zwei unterschiedliche Arten dar. Sollten die Tiere aus der Demokratischen Republik Kongo und Tansania in Zukunft tatsächlich in den Artstatus erhoben werden, müssten sie der Taxonomie und einer Artbeschreibung von 1950 nach Chamaeleo vinckei genannt werden.

Chamaeleo gracilis scheint – was auf Grund seiner weiten Verbreitung nicht weiter verwunderlich wäre – mindestens drei eigenständige Arten zu verstecken. Die „echten“ Chamaeleo gracilis kämen demnach in Liberia vor, außerdem in Sierra Leone und Guinea. Die beiden anderen Gruppen stammen  zum einen aus dem Länderdreieck zwischen Chad, Kamerun und zentralafrikanischer Republik und von der Ländergrenze zwischen Kenia und Tansania. Leider wurden von Chamaeleo gracilis nur Einzeltiere beprobt, so dass an dieser Stelle noch keine weiter reichende Empfehlung zur Aufsplittung von Arten gegeben werden kann.

Das derzeit als eine einzige Art beschriebene Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) könnte insgesamt drei Arten beinhalten. Eine der genetisch unterschiedlichen Populationen kommt im Osten Afrikas in Tansania und Ruanda vor, während eine zweite Art im südlichen und östlichen Afrika, von Südafrika über Botswana, Sambia, Namibia, Mosambik und Malawi bis nach Südtansania, lebt. Die dritte Art wäre im Westen Zentralafrikas zwischen Angola und dem Kongo verbreitet. Dabei passt keine der candidate species zu den acht bisher rein vom Aussehen beschriebenen Unterarten. Hier ist also eine vollständige Aufarbeitung der bisherigen Unterarten, deren Status sowie dem Artstatus der drei neu aufgetauchten clades notwendig.

Interessant sind zudem die Untersuchungsergebnisse zu Chamaeleo necasi aus Benin. Es stellte sich heraus, dass die Genetik das beprobte Tier als Chamaeleo gracilis identifizierte. Das Exemplar selbst wurde von den Forschern jedoch nicht untersucht. Es könnte sich dabei um ein durch sein Aussehen falsch eingeordnetes Chamaeleo gracilis handeln. Hier müssten die zur Artbeschreibung 2007 verwendeten Exemplare noch einmal gesichtet und beprobt werden, um mehr Informationen über den tatsächlichen Artstatus zu erhalten.

Im Zuge der genetischen Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass der Ursprung der Gattung Chamaeleo vermutlich in Südafrika liegt. Chamaeleo namaquensis, das einzige terrestrisch lebende Chamäleon der Gattung Chamaeleo, spaltete sich bereits vor 40 Millionen Jahren im Eozän von den anderen Chamaeleo-Arten ab. Damit ist das Namaqua-Chamäleon aus der Namibwüste und Damaraland das „älteste“ Chamäleon der Gattung Chamaeleo. Chamaeleo anchietae folgte etwa vor 29 Millionen Jahren.

Out of southern Africa: origins and cryptic speciation in Chamaeleo, the most widespread chameleon genus
Devon C. Main, Bettine Jansen van Vuuren, Colin R. Tilbury & Krystal A. Tolley Conceptualisation
Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 175, Oktober 2022
DOI: 10.1016/j.ympev.2022.107578[:en]

Thanks to genetic studies, the identification of species is much more precise today than it was a few decades ago. However, genetics always raises new questions. The genus Chamaeleo currently has 14 species. Scientists from South Africa have now investigated whether there might be other ‚hidden‘ species of the genus Chamaeleo. At the same time, they investigated where the origin of the genus Chamaeleo might lie. For this purpose, the genetic material of all 14 species recognised so far was examined. Exciting results came to light: of the fourteen Chamaeleo species, thirteen were confirmed, but one was questioned. In addition, several new candidate species were identified.

The two different populations of Chamaeleo anchietae in western Angola and in south-eastern Congo and Tanzania probably represent two different species. If the animals from the Democratic Republic of Congo and Tanzania were true to be elevated to species status in the future, they would have to be named Chamaeleo vinckei according to taxonomy and a species description from 1950.

Chamaeleo gracilis seems to hide – which would not be surprising due to its wide distribution – at least three independent species. The „real“ Chamaeleo gracilis would be found in Liberia, Sierra Leone and Guinea. The other two groups originate from the triangle of countries between Chad, Cameroon and the Central African Republic and from the border between Kenya and Tanzania. Unfortunately, only single specimens of Chamaeleo gracilis have been sampled, so no more far-reaching recommendation on the splitting of species can be made at this point.

The flap-necked chameleon (Chamaeleo dilepis), currently described as a single species, could contain a total of three species. One of the genetically distinct populations occurs in eastern Africa in Tanzania and Rwanda, while a second species is found in southern and eastern Africa, from South Africa through Botswana, Zambia, Namibia, Mozambique and Malawi to southern Tanzania. The third species would be distributed in west central Africa between Angola and the Congo. None of the candidate species matches the eight subspecies described so far purely on the basis of appearance. Therefore, a complete review of the previous subspecies, their status and the species status of the three newly emerged clades is necessary.

The results of the study on Chamaeleo necasi from Benin are also interesting. It turned out that the genetics identified the sampled animal as Chamaeleo gracilis. However, the specimen itself was not examined by the researchers. It could be a Chamaeleo gracilis misclassified by its appearance. In this case, the specimens used for the species description in 2007 would have to be viewed and sampled again in order to obtain more information about the actual species‘ status.

In the course of the genetic investigations, the researchers found out that the origin of the genus Chamaeleo probably lies in South Africa. Chamaeleo namaquensis, the only terrestrial chameleon of the genus Chamaeleo, split off from the other Chamaeleo species as early as 40 million years ago in the Eocene. This makes the Namaqua chameleon from the Namib Desert and Damaraland the „oldest“ chameleon of the genus Chamaeleo. Chamaeleo anchietae followed about 29 million years ago.

Out of southern Africa: origins and cryptic speciation in Chamaeleo, the most widespread chameleon genus
Devon C. Main, Bettine Jansen van Vuuren, Colin R. Tilbury & Krystal A. Tolley Conceptualisation
Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 175
DOI: 10.1016/j.ympev.2022.107578[:]

[:de]Unerwartete genetische Vielfalt bei Erdchamäleons im Westen Madagaskars[:en]Unexpected genetic diversity in leaf chameleons in western Madagascar[:]

[:de]Unerwartete genetische Vielfalt bei Erdchamäleons im Westen Madagaskars[:en]Unexpected genetic diversity in leaf chameleons in western Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Bisher dachte man, dass das Erdchamäleon Brookesia bonsi ausschließlich in den Tsingy von Namoroka im Westen Madagaskars vorkommt. Deutsche und madagassische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass gut 150 km weiter nördlich unweit der Küstenstadt Mahajanga sehr nahe Verwandte der Art leben. Die Erdchamäleons aus einem Wald bei Antsanitia sehen zwar äußerlich eher Brookesia decaryi ähnlich, genetisch sind sie aber näher verwandt mit Brookesia bonsi. Dagegen scheinen die echten Brookesia decaryi aus Ankarafantsika, 80 km östlich von Mahajanga, ausschließlich auf dieses Vorkommen beschränkt und nicht weiter verbreitet zu sein, wie man ursprünglich angenommen hatte. In den gleichen Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass eine weitere Population Erdchamäleons aus dem UNESCO Weltnanturerbe Tsingy de Bemaraha ebenfalls nahe verwandt mit Brookesia bonsi ist. Die Erdchamäleons der dort vorkommenden Population hatte man rein optisch bisher eher Brookesia brygooi zugeordnet.

Weitere Arbeiten sind nun notwendig, um die genaue genetische Identität der Brookesia aff. bonsi zu klären. Sind es eigene Arten oder lediglich lokal isolierte Populationen von Brookesia bonsi? Eins jedoch ist schon jetzt sicher: Der Lebensraum nahe Mahajanga sollte dringend unter Schutz gestellt werden. Die Erdchamäleons müssen geschützt werden, damit sie überhaupt weiter erforscht werden können. Nach der aktuellen Datenlage könnten sie bereits jetzt vom Aussterben bedroht (IUCN: critically endangered) sein. Und die weitere Forschung könnte noch sehr spannend werden!

New records of threatened leaf chameleons highlight unexpected genetic diversity of the Brookesia decaryi / B. bonsi species complex in western Madagascar
Frank Glaw, Njaratiana A. Raharinoro, Rojo N. Ravelojaona, David Prötzel und Miguel Vences
Der Zoologische Garten 90, 2022 (1)
DOI 10.53188/zg003[:en]

Until now, it was thought that the earth chameleon Brookesia bonsi occurs exclusively in the Tsingy of Namoroka in western Madagascar. German and Malagasy researchers have now discovered that very close relatives of the species live a good 150 km further north, not far from the coastal town of Mahajanga. The earth chameleons from a forest near Antsanitia look more like Brookesia decaryi on the outside, but genetically they are more closely related to Brookesia bonsi. In contrast, the true Brookesia decaryi from Ankarafantsika, 80 km east of Mahajanga, seems to be exclusively restricted to this occurrence and not more widespread, as originally assumed. In the same studies, the scientists found that another population of leaf chameleons from the UNESCO World Heritage Site Tsingy de Bemaraha is also closely related to Brookesia bonsi. The leaf chameleons of the population found there had previously been assigned to Brookesia brygooi on a purely visual basis.

Further work is now necessary to clarify the exact genetic identity of Brookesia aff. bonsi. Are they separate species or merely locally isolated populations of Brookesia bonsi? One thing, however, is already certain: the habitat near Mahajanga should urgently be placed under protection. The leaf chameleons must be protected so that they can be studied further. According to current data, they could already be critically endangered (IUCN). And further research could still be very exciting!

New records of threatened leaf chameleons highlight unexpected genetic diversity of the Brookesia decaryi / B. bonsi species complex in western Madagascar
Frank Glaw, Njaratiana A. Raharinoro, Rojo N. Ravelojaona, David Prötzel und Miguel Vences
Der Zoologische Garten 90, 2022 (1)
DOI 10.53188/zg003[:]

[:de]Einfluss von UV-B aufs Wachstum[:en]Influence of UV-B on growth[:]

[:de]Einfluss von UV-B aufs Wachstum[:en]Influence of UV-B on growth[:]

Kurzmitteilungen Wissenschaft

[:de]

In einer Kurzmitteilung in der Herpetological Review wurde eine interessante Haltererfahrung aus den USA vorgestellt. Zwölf Teppichchamäleon-Schlüpflinge (Furcifer lateralis) aus dem gleichen Gelege wurden in vier Gruppen zu je drei Tieren aufgeteilt. Während den ersten zehn Wochen nach Schlupf wurden zwei Gruppen täglich 12 h lang ein UV-Index bis 3 zur Verfügung gestellt, den anderen beiden Gruppen ein UV-Index bis 7. Um die verschiedenen UV-Indizes zu erreichen, wurden Reptisun 5.0 verwendet. Gemessen wurde mit dem Solarmeter 6.5. Die Chamäleons hatten Ausweichmöglichkeiten bis UVI 0. Nach sechs, acht und zehn Wochen wurden die Teppichchamäleons vermessen und gewogen. Dabei fiel auf, dass in Woche 6 und 10 jeweils die Gruppen mit dem niedrigeren UV-Index bis zu 25% schwerer waren als die Vergleichsgruppen.

Die beiden Autoren ziehen daraus den Schluss, dass höhere UV-Indizes während der Aufzucht in den ersten Wochen bei Teppichchamäleons zu langsameren Wachstumsraten führen könnten. Das würde der Beobachtung in der Natur entsprechen, dass Jungtiere eher selten „sonnenbaden“ und sich versteckter im Gebüsch aufhalten. Auf Grund der kleinen Probandengruppe und gemischter Gruppen statt Einzelhaltung muss man mit Rückschlüssen hier noch vorsichtig sein. Dazu kommt, dass leider noch weitestgehend unerforscht ist, ob und wie Chamäleons ihre Vitamin D3-Regulation im Kunstlicht im Vergleich zu natürlichem Sonnenlicht regeln können. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr interessanter Ansatz, der sich weiterzuverfolgen sicher lohnt.

Furcifer lateralis (carpet chameleon): Impact of Ultraviolet Light on growth
Michael J. Nash, Christopher V. Anderson
Herpetological Review 52 (2), 2022[:en]

An interesting husbandry experience from the USA was presented in a short note in the Herpetological Review. Twelve carpet chameleon hatchlings (Furcifer lateralis) from the same clutch were divided into four groups of three animals each. During the first ten weeks after hatching, two groups were provided with a daily UV index of up to 3 for 12 h, the other two groups with a UV index of up to 7. Reptisun 5.0 was used to achieve the different UV indices. Measurements were taken with the Solarmeter 6.5. The chameleons were allowed to avoid UVI up to 0. After six, eight and ten weeks, the carpet chameleons were measured and weighed. It was noticed that in weeks 6 and 10, the groups with the lower UV index were up to 25% heavier than the comparison groups.

The two authors conclude that higher UV indices during rearing in the first weeks could lead to slower growth rates in carpet chameleons. This would correspond to the observation in nature that young animals „sunbathe“ rather rarely and stay more hidden in the bushes. Due to the small group of test subjects and mixed groups instead of individual keeping, you must still be cautious with conclusions here. In addition, it is unfortunately still largely unexplored whether and how chameleons can regulate their vitamin D3 regulation in artificial light compared to natural sunlight. Nevertheless, it is a very interesting approach that is certainly worth pursuing.

Furcifer lateralis (carpet chameleon): Impact of Ultraviolet Light on growth
Michael J. Nash, Christopher V. Anderson
Herpetological Review 52 (2), 2022[:]

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Furcifer labordi ist bekannt als das kurzlebigste Chamäleon der Welt. Innerhalb von drei Monaten wachsen diese Tiere vom Schlüpfling zum adulten Chamäleon, verpaaren sich, legen Eier und sterben größtenteils direkt danach. Wissenschaftler der Universtität Göttingen forschten darüber, ob die kurze Lebensdauer einen Einfluss auf die Paarungsstrategie von Furcifer labordi hat.

Studienort war der Trockenwald von Kirindy im Westen Madagaskars. Kirindy liegt rund 60 km nördlich der Küstenstadt Morondava und etwa 20 km vom Meer entfernt in der Region Menabe. In der Regenzeit Anfang 2020 wurden dort 39 Furcifer labordi beiden Geschlechts mit Radio-Transmittern versehen. Gewicht und Körperlänge beim Fund sowie einige andere Werte wurden gemessen, die Schlafhöhe der nachts aufgefundenen Tiere wurde notiert. Danach wurden die Tiere am Fundort ausgesetzt. Im Folgenden machten die Forscher die Chamäleons über mehrere Wochen zwei Mal tagsüber und einmal nachts mittels Telemetrie ausfindig, um GPS-Daten aufzunehmen und Bewegungs- und Verhaltensmuster zu erstellen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass weibliche Furcifer labordi in Kirindy sehr standorttreu sind. Sie legen nur kurze Wegstrecken zurück. Im Gegensatz dazu bewegen sich männliche Furcifer labordi wesentlich mehr und über weitere Wegstrecken, so dass in einem Waldabschnitt sieben bis vierzehn Mal mehr Männchen als Weibchen beobachtet werden konnten. Die beobachteten Weibchen paarten sich mit bis zu sechs verschiedenen Männchen – allerdings fanden die Forscher immer wieder nicht markierte Männchen bei den beobachteten Weibchen. Das deutet darauf hin, dass Furcifer labordi tatsächlich eine deutlich höhere Zahl verschiedener Fortpflanzungspartner haben könnte. Die individuell sehr unterschiedliche Körpergröße der Männchen sowie unterschiedlich stark ausgeprägte Nasenfortsätze hatten keine Verbindung zu Bewegungsmustern. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Furcifer labordi keine Reviere besetzt und verteidigt. Das bedeutet, dass vermutlich die kurze Lebenszeit tatsächlich dazu führt, dass der Wettbewerb um die wenigen vorhandenen Weibchen intensiver – und wie Beobachtungen zeigen auch aggressiver – geführt wird als bei anderen Chamäleonarten. Es handelt sich bei der Studie um die erste Untersuchung des Paarungssystems eines madagassischen Chamäleons.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Erschienen in Scientific Reports 12
Open Access (kostenloser Download möglich)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

 [:en]

Furcifer labordi is known as the world’s shortest-lived chameleon. Within three months, these animals grow from hatchling to adult chameleons, mate, lay eggs and mostly die immediately afterwards. Scientists at the University of Göttingen researched whether the short lifespan has an influence on the mating strategy of Furcifer labordi.

The study site was the dry forest of Kirindy in western Madagascar. Kirindy is located about 60 km north of the coastal town of Morondava and about 20 km from the sea in the Menabe region. During the rainy season in early 2020, 39 Furcifer labordi of both sexes were fitted with radio transmitters there. Weight and body length at the time of discovery as well as some other values were measured, and the sleeping height of the animals found at night was noted. The animals were released at the site where they were found. The researchers then tracked the chameleons twice during the day and once at night for several weeks using telemetry to record GPS data and establish movement and behaviour patterns.

The results of the study show that female Furcifer labordi in Kirindy are very site-faithful. They only cover short distances. In contrast, male Furcifer labordi move much more and over longer distances, so that seven to fourteen times more males than females could be observed in a forest section. The observed females mated with up to six different males – however, the researchers repeatedly found unmarked males among the observed females. This suggests that Furcifer labordi could actually have a significantly higher number of different reproductive partners. The individually very different body sizes of the males as well as differently pronounced nasal processes had no connection to movement patterns. Furthermore, it could be shown that Furcifer labordi does not occupy and defend territories. This means that presumably the short lifespan actually leads to competition for the few available females being more intense – and as observations show also more aggressive – than in other chameleon species. This study is the first investigation of the mating system of a Malagasy chameleon.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Published in Scientific Reports 12
Open Access (free download possible)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

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