[:de]Genom südafrikanischer Zwergchamäleons entschlüsselt[:en]Genome of South African dwarf chameleons decoded[:]

[:de]Genom südafrikanischer Zwergchamäleons entschlüsselt[:en]Genome of South African dwarf chameleons decoded[:]

Wissenschaft

[:de]

Nachdem kürzlich in China erstmals ein Referenzgenom für das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) veröffentlicht wurde, folgen nun Wissenschaftler aus Südafrika mit dem Genom zweier Zwergchamäleon-Arten.

Für die Analysen wurden ein männliches Bradypodion pumilum aus Kapstadt und ein männliches Bradypodion ventrale aus einer eingeschleppten Population in Johannesburg entnommen. Für die Langsequenzierung (HiC) wurde Muskel- und Lebergewebe verwendet. Die Genomgröße von Bradypodion pumilum liegt bei 2,43 Gigabasenpaaren (Gb), die von Bradypodion ventrale bei 2,40 Gb. Die BUSCO-Analyse wies eine hohe Vollständigkeit mit rund 97% aller existenten kodierenden Gene bei Wirbeltieren nach. Des Weiteren bestätigt die aktuelle Veröffentlichung die bereits vom Karyotyp in Bradypodion thamnobates 2017 vorgefundenen sechs Makrochromosomen. Verschiedene Vergleiche mit Anolis sagrei wurden angestellt. Es bleibt weiterhin offen, welche Chromosomen bei Bradypodion Geschlechtschromosomen sind.

Die Genome können im NCBI BioProjekt unter der Nummer PRJNA9861319 sowie jeweils unter den BioSample-Nummern SAMN35825189 und SAMN35825190 eingesehen werden.

De novo whole genome assemblies for two Southern African Dwarf Chameleons (Bradypodion, Chamaeleonidae)
Jody M. Taft, Krystal A. Tolley, Graham J. Alexander, Anthony J. Geneva
Genome Biology and Evolution 15 (10), 2023, pp. 1-8
DOI: 10.1093/gbe/evad182[:en]

After a reference genome for the panther chameleon (Furcifer pardalis) was recently published for the first time in China, scientists from South Africa have now followed with the genome of two dwarf chameleon species.

For the analyses, a male Bradypodion pumilum from Cape Town and a male Bradypodion ventrale from an introduced population in Johannesburg were taken. Muscle and liver tissue was used for long sequencing (HiC). The genome size of Bradypodion pumilum is 2.43 gigabase pairs (Gb), that of Bradypodion ventrale 2.40 Gb. The BUSCO analysis demonstrated a high completeness with about 97% of all existing coding genes in vertebrates. Furthermore, the current publication confirms the six macrochromosomes already found from the karyotype in Bradypodion thamnobates 2017. Various comparisons with Anolis sagrei were made. It remains open which chromosomes in Bradypodion are sex chromosomes.

The genomes can be viewed in the NCBI BioProject under the number PRJNA9861319 and under the BioSample numbers SAMN35825189 and SAMN35825190 respectively.

De novo whole genome assemblies for two Southern African Dwarf Chameleons (Bradypodion, Chamaeleonidae)
Jody M. Taft, Krystal A. Tolley, Graham J. Alexander, Anthony J. Geneva
Genome Biology and Evolution 15 (10), 2023, pp. 1-8
DOI: 10.1093/gbe/evad182[:]

[:de]Erkenntnisse zu den Synonymen von Trioceros ituriensis[:en]Findings on the synonyms of Trioceros ituriensis[:]

[:de]Erkenntnisse zu den Synonymen von Trioceros ituriensis[:en]Findings on the synonyms of Trioceros ituriensis[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Für das kongolesische Ituri-Chamäleon (Trioceros ituriensis) existieren seit etlichen Jahrzehnten Synonyme. Bei zweien davon stellt eine aktuelle Veröffentlichung des Herpetologen Wolfgang Böhme in Frage, ob sie nicht doch eigene Arten sein könnten.

Der US-amerikanische Herpetologe Karl Patterson Schmidt beschrieb das Chamäleon 1919 als Chamaeleon ituriensis. Als Typuslokalität gab Schmidt damals Medje, Ituri-Wald, in der Demokratischen Republik Kongo an. Ihm fiel bereits die äußerliche Ähnlichkeit zu Chamaeleon johnstoni affinis auf, weshalb er genau das als Synonym von seinem Chamaeleon ituriensis angab. Dabei darf Chamaeleon johnstoni affinis nicht mit dem heutigen Trioceros affinis verwechselt werden, einer eigenen Art aus Äthiopien, die bereits 1845 beschrieben worden war. Im Laufe des 20. Jahrhundert wurde Chamaeleo johnstoni affinis in die Gattung Trioceros gestellt, mal für eine eigene Unterart gehalten, mal wieder nicht. Böhme hält fest, dass es sich bei Trioceros johnstoni affinis definitiv um ein Synonym von Trioceros ituriensis handelt. Unterschiede zwischen Trioceros johnstoni und Trioceros ituriensis sind die Körpergröße, der „umgedrehte“ Geschlechtsdimorphismus (bei T. ituriensis sind die Weibchen größer als die Männchen), eine weiße Linie entlang des Bauches, mehrere Reihen vergrößerter Schuppen entlang der Körperseite, konische Schuppen an den Seiten des Kehlsacks und das Fehlen von rostralen und präokularen Hörnern in männlichen T. ituriensis.

Unklar dagegen ist für den Autor der Artstatus von Chamaeleo laevigularis. Die Art wurde ursprünglich 1926 aus Südafrika beschrieben, dann als Synonym von Trioceros johnstoni betrachtet und 2010 von Tilbury als T. ituriensis identifiziert. Böhme überlegt wegen unterschiedlicher Beschuppung des Kehlsacks, ob bei der Erstbeschreibung entweder ein falscher Fundort vermerkt wurde oder es sich um eine eigene Art handelt, die aber ausgestorben oder verschollen sein könnte.

Böhme kommt außerdem zu dem Schluss, dass das 1994 von Neĉas beschriebene Trioceros tremperi möglicherweise ebenfalls eine bereits ausgestorbene Art oder verschollene Art darstellen könnte und der Fundort schlicht einer fehlerhaften Angabe entsprach. Trioceros tremperi wurde zuletzt von Tilbury 2010 und Spawls 2018 als Synonym für Trioceros ituriensis angegeben. In der Typuslokalität in Kenia waren die Chamäleons bisher  kein weiteres Mal gefunden worden.

Documenting synonymies in Trioceros ituriensis (Schmidt, 1929) with remarks on sexual dimorphism in chameleons (Squamata: Chamaeleonidae)
Wolfgang Böhme
Revue Suisse de Zoologie 130(2), 2023: pp. 521-264
Nachtrag: Korrektur von 2024
DOI: 10.35929/RSZ.0099

Foto: Trioceros ituriensis im Wald von Budongo, Uganda, fotografiert von Katja Rembold[:en]

Synonyms for the Congolese Ituri chameleon (Trioceros ituriensis) have existed for several decades. A recent publication by the herpetologist Wolfgang Böhme questions whether two of them could be separate species.

The US herpetologist Karl Patterson Schmidt described the chameleon as Chamaeleon ituriensis in 1919. At that time, Schmidt gave Medje, Ituri Forest, in the Democratic Republic of Congo as the type locality. He already noticed the external similarity to Chamaeleon johnstoni affinis, which is why he gave exactly that as a synonym of his Chamaeleon ituriensis. At the same time, Chamaeleon johnstoni affinis must not be confused with today’s Trioceros affinis, a separate species from Ethiopia that had already been described in 1845. In the course of the 20th century, Chamaeleo johnstoni affinis was placed in the genus Trioceros, sometimes thought to be a subspecies of its own, sometimes not. Böhme states that Trioceros johnstoni affinis is definitely a synonym of Trioceros ituriensis. Differences between Trioceros johnstoni and Trioceros ituriensis are the body size, the „reversed“ sexual dimorphism (in T. ituriensis the females are larger than the males), a white line along the belly, several rows of enlarged scales along the side of the body, conical scales on the sides of the throat and the absence of rostral and preocular horns in male T. ituriensis.

However, the author is not sure about the species status of Chamaeleo laevigularis. The species was originally described from South Africa in 1926, then considered a synonym of Trioceros johnstoni and last identified as T. ituriensis by Tilbury in 2010. Böhme considers, because of different scaling of the throat, whether either a wrong locality was noted in the first description or it is a separate species, but could be extinct or lost.

Böhme also comes to the conclusion that Trioceros tremperi, which was described by Neĉas in 1994, could possibly also represent an already extinct species or a lost species and that the locality simply corresponded to incorrect information. Trioceros tremperi was last given as a synonym of Trioceros ituriensis by Tilbury 2010 and Spawls 2018. The chameleons had not been found in the type locality in Kenya before.

Documenting synonymies in Trioceros ituriensis (Schmidt, 1929) with remarks on sexual dimorphism in chameleons (Squamata: Chamaeleonidae)
Wolfgang Böhme
Revue Suisse de Zoologie 130(2), 2023: pp. 521-264
Correction from 2024
DOI: 10.35929/RSZ.0099

Photo: Trioceros ituriensis in the Budongo forest, Uganda, photographed by Katja Rembold[:]

[:de]Wirkung von humanem Choriongonadotropin bei Chamäleons[:en]Effect of human chorionic gonadotropin in chameleons[:]

[:de]Wirkung von humanem Choriongonadotropin bei Chamäleons[:en]Effect of human chorionic gonadotropin in chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Nachdem dieses Jahr bereits eine Studie zur Spermagewinnung bei Chamäleons veröffentlicht wurde, folgen nun weitere Ergebnisse des größtenteils gleichen Autorenteams. Dabei geht es darum, weiter an den Grundlagen der assistierten Reproduktion, also medizinischer Nachhilfe bei der Fortpflanzung, bei Chamäleons zu forschen.

An der Louisiana State University wurden 24 Jemenchamäleons unter standardisierten Bedingungen über ein Jahr lang gehalten. Alle Tiere stammten von einem Händler, der sie der Population wild lebender Jemenchamäleons in Florida entnommen hatte. Alle wurden einzeln in ReptiBreeze gehalten, ausgestattet mit automatischer Beregnung und künstlichen Pflanzen. Die Temperaturen lagen tagsüber bei rund 28-29°C mit Spots zum Aufsuchen höherer Werte. 12 h UV-B-Bestrahlung am Tag wurde angeboten. Gefüttert wurde mit Heimchen und Zophobas. Vor Beginn der Studie wurden alle 24 Chamäleons klinisch untersucht und mehrere Parasitenbehandlungen durchgeführt. Erst nach einem Monat der Akklimatisierung begann dann die eigentliche Studie.

Im ersten Experiment wurde getestet, welche Dosis von humanem Choriogonadotropin (hCG) nötig ist, um die Hormonspiegel von Testosteron im Blut um 50% zu steigern. Elf Jemenchamäleons wurden zufällig je einer von drei Gruppen zugeteilt. Die drei Gruppen erhielten in unterschiedlicher Reihenfolge Spritzen mit 100, 200 oder 300 IE hCG im Abstand von je zwei Wochen unter die Haut. Blutentnahmen fanden vor der ersten Hormongabe sowie jeweils 30 Minuten, eine Stunde, zwei, vier, acht, 12 und 24 Stunden danach statt.

Im zweiten Experiment wurde getestet, inwiefern die Behandlung mit hCG Auswirkung auf die Samenproduktion hat. 13 Jemenchamäleons wurden zufällig einer Behandlungs- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Einmal wöchentlich wurden die Tiere in der ersten Gruppe einen Monat lang mit 100 IE hCG behandelt, während die zweite Gruppe lediglich das gleiche Volumen isotonischer Kochsalzlösung gespritzt bekam. Nach einer vierwöchigen Pause wurden die Gruppen getauscht und das Experiment wiederholt. Blutentnahmen zur Messung des Testosteronspiegels wurden vor der Behandlung sowie an Tag 15 und 30 danach durchgeführt. Mittels Elektroejakulation in Narkose wurde am Tag vor der Behandlung sowie 30 Tage danach Sperma gesammelt.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Testosteronspiegel bei männlichen Jemenchamäleons direkt nach der Gabe von hCG deutlich anstieg und für rund 24 h erhöht blieb. Dabei war jedoch egal, welche Dosis hCG zuvor gegeben worden war. Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass der Testosteronspiegel signifikant nach der Gabe von hCG anstieg im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nur Kochsalzlösung bekam. Die Zahl der erfolgreichen Elektroejakulationen konnte unter hCG erhöht werden.

Effects of exogenous human chorionic gonadotropin administration on plasma testosterone and semen production in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (3), 2023, pp. 180-191
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00038[:en]

After a study on sperm collection in chameleons was already published this year, further results from the largely same team of authors now follow. The aim is to further research the basics of assisted reproduction, i.e. medical assistance in reproduction, in chameleons.

At Louisiana State University, 24 Veiled Chameleons were kept under standardised conditions for over a year. All animals came from a dealer who had taken them from the population of wild Veiled Chameleons in Florida. All were kept individually in ReptiBreeze, equipped with automatic sprinklers and artificial plants. Temperatures were around 28-29°C during the day with spots to seek higher values. 12 h UV-B irradiation per day was offered. Crickets and zophobas were fed. Before the start of the study, all 24 chameleons were clinically examined and several parasite treatments were carried out. Only after a month of acclimatisation did the actual study begin.

The first experiment tested what dose of human choriogonadotropin (hCG) is needed to increase the hormone levels of testosterone in the blood by 50%. Eleven Veiled Chameleons were randomly assigned to one of three groups. The three groups received injections of 100, 200 or 300 IU hCG under the skin at two-week intervals. Blood samples were taken before the first hormone injection and at 30 minutes, one hour, two hours, four hours, eight hours, 12 hours and 24 hours afterwards.

The second experiment tested the effect of hCG treatment on sperm production. 13 Veiled Chameleons were randomly assigned to a treatment or a control group. Once a week for one month, the animals in the first group were treated with 100 IU of hCG, while the second group was only injected with the same volume of isotonic saline. After a four-week break, the groups were switched and the experiment repeated. Blood samples to measure testosterone levels were taken before treatment and on day 15 and 30 afterwards. Semen was collected by electroejaculation under anaesthesia on the day before treatment and 30 days after.

The results showed that the testosterone level in male Veiled Chameleons increased significantly directly after the administration of hCG and remained elevated for about 24 hours. However, it did not matter which dose of hCG had been given beforehand. It could also be shown that the testosterone level increased significantly after the administration of hCG compared to the control group, which only received saline solution. The number of successful electroejaculations could be increased under hCG.

Effects of exogenous human chorionic gonadotropin administration on plasma testosterone and semen production in the Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (3), 2023, pp. 180-191
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00038[:]

[:de]Das Mikrobiom von Zwergchamäleons[:en]The microbiome of dwarf chameleons[:]

[:de]Das Mikrobiom von Zwergchamäleons[:en]The microbiome of dwarf chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Seit einigen Jahren schon ist der Begriff des Mikrobioms sehr populär. Man bezeichnet damit bei Mensch und Tier die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die ein Lebewesen besiedeln. Die meisten davon besiedeln den Magen-Darm-Trakt. Bei Chamäleons existiert zu diesem Thema bisher nur sehr begrenzte Literatur. Eine Masterarbeit aus Südafrika beschäftigt sich nun mit der bakteriellen Zusammensetzung des Mikrobioms bei südafrikanischen Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion.

Es wurden 60 Backenabstriche von wild lebenden Chamäleons in KwaZulu-Natal entnommen. Davon waren 20 Backenabstriche von Bradypodion melanocephalum, 20  von Bradypodion thamnobates und 20 von Bradypodion setaroi. Die gleichen 60 Tiere wurden nach der Beprobung in Stoffsäckchen zur Forschungsbasis transportiert, wo die Tiere 24 Stunden lang in 3,3 l-Boxen gehalten wurden, um Kotproben zu bekommen. Da nicht alle der ursprünglichen 60 Chamäleons Kot absetzten, wurde Kot von weiteren Chamäleons gesammelt.

Die Proben wurden allesamt genetisch untersucht. 40,43% der Proben enthielten Firmicutes, einen ähnlich großen Anteil der Proben enthielten mit 36,86% Proteobacteria. Mit etwas Abstand folgten dann Bacteroidota, die in knapp 16% der Proben nachgewiesen werden konnten. In deutlich geringerer Anzahl (bis 2%) kamen Verrucomicrobiota, Fusobacteriota, Actinobateriota, Spirochäten, Desulfobakteroa, Cyanobakterien, Thermoplamatota, Deferribacterota, Synergistota, Campylobacterota, Deinococcota, Halobacterota, Euryarchaeota, Elusimicrobiota und Myxococcota vor.

Das Mikrobiom bei Zwergchamäleons der Arten Bradypodion melanocephalum, Bradypodion thamnobates und Bradypodion setaroi ähnelt insgesamt dem anderer Reptilien. Es besteht vor allem aus Proteobakterien und Firmicutes, die womöglich zur Verdauung beitragen. Eine bestimmte Bakterienart deutet außerdem darauf hin, dass zur Nahrung der untersuchten Zwergchamäleons Käfer der Gattung Dendrophagus gehören könnten. Das Mikrobiom aller drei Zwergchamäleon-Arten ähnelte sich bei den Backenabstrichen stark – man spricht hier von einer Phylosymbiose –  während es im Kot Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen den Arten gab. Dabei war es bei allen drei Zwergchamäleon-Arten so, dass im Kot deutlich mehr unterschiedliche Bakterien als in den Backenabstrichen gefunden wurden. Ein Vergleich zwischen Männchen und Weibchen erbrachte keine wesentlichen Unterschiede im Mikrobiom aller drei Chamäleonarten. Der Autor geht davon aus, dass die Bakterienarten von den unterschiedlichen Habitaten der jeweiligen Art abhängen. Unklar ist noch, inwiefern das Mikrobiom mit Bakterien zusammenhängt, die ein Chamäleon vielleicht mit Futterinsekten oder vom Boden seiner Umgebung aufnimmt. Eine ausführliche Auflistung der vorgefundenen Bakterienarten findet sich im Anhang der Publikation.

The Hitchhiker’s Guide to dwarf chameleons (Bradypodion): The composition and function of the microbiome
Matthew G. Adair
Master of Science Dissertation an der Universität von Johannesburg, 2023
DOI: nicht vorhanden[:en]

The term microbiome has been very popular for some years now. In humans and animals, it refers to the totality of all microorganisms that colonise a living being. Most of them colonise the gastrointestinal tract. In the case of chameleons, there is only very limited literature on this topic. A master’s thesis from South Africa now deals with the bacterial composition of the microbiome in South African dwarf chameleons of the genus Bradypodion.

60 cheek swabs were collected from wild chameleons in KwaZulu-Natal. Of these, 20 were cheek swabs from Bradypodion melanocephalum, 20 from Bradypodion thamnobates and 20 from Bradypodion setaroi. After sampling, the same 60 animals were transported in cloth bags to the research base, where the animals were kept in 3.3 l boxes for 24 hours to obtain faecal samples. Since not all of the original 60 chameleons defecated, faeces were collected from additional chameleons.

The samples were all genetically tested. 40.43% of the samples contained Firmicutes, a similarly large proportion of the samples contained Proteobacteria with 36.86%. Bacteroidota followed with some distance, which could be detected in just under 16% of the samples. Verrucomicrobiota, Fusobacteriota, Actinobateriota, Spirochetes, Desulfobacteroa, Cyanobacteria, Thermoplamatota, Deferribacterota, Synergistota, Campylobacterota, Deinococcota, Halobacterota, Euryarchaeota, Elusimicrobiota and Myxococcota were found in significantly smaller numbers (up to 2%).

The microbiome of dwarf chameleons of the species Bradypodion melanocephalum, Bradypodion thamnobates and Bradypodion setaroi is similar to that of other reptiles. It consists mainly of proteobacteria and firmicutes, which may contribute to digestion. One particular bacterial species also suggests that the diet of the studied dwarf chameleons may include beetles of the genus Dendrophagus. The microbiome of all three dwarf chameleon species was very similar in the cheek swabs – this is called phylosymbiosis – while there were differences in composition between the species in the faeces. In all three dwarf chameleon species, significantly more different bacteria were found in the faeces than in the cheek swabs. A comparison between males and females did not reveal any significant differences in the microbiome of all three chameleon species. The author assumes that the bacterial species depend on the different habitats of the respective species. It is still unclear to what extent the microbiome is related to bacteria that a chameleon may ingest with feeding insects or from the soil of its environment. A detailed list of the bacterial species found can be found in the appendix of the publication.

The Hitchhiker’s Guide to dwarf chameleons (Bradypodion): The composition and function of the microbiome
Matthew G. Adair
Master of Science dissertation at the university of Johannesburg, 2023
DOI: not available[:]

[:de]Floridas eingeschleppte Pantherchamäleons[:en]Concerning Florida’s introduced panther chameleons[:]

[:de]Floridas eingeschleppte Pantherchamäleons[:en]Concerning Florida’s introduced panther chameleons[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Der „Sunshine State“ Florida in den USA verfügt wegen seines warmen Klimas über die größte Zahl nicht-einheimischer Arten an Reptilien weltweit. Zu den invasiven Arten, also solchen, die eigentlich nicht nach Florida gehören, sich aber dort inzwischen vermehren, gehört das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis). Eine Studie ist nun der Frage nachgegangen, was eigentlich die menschlichen Einwohner Floridas von den Chamäleons halten.

Es wird schon seit Längerem diskutiert, ob Pantherchamäleons zu den Arten gehören, die gezielt zwecks „Ranching“ ausgesetzt wurden, das heißt um die Nachkommen der ausgesetzten Chamäleons zum Verkauf einzusammeln. Dass Privatleute Pantherchamäleons absammeln, ist unstrittig. Laut den Autoren werden Ranching-Populationen in Florida meist geheim gehalten. Über Social Media wurden sie 2019 auf eine kleine Population in Orange County aufmerksam. Daraufhin suchten sie mit Taschenlampen nachts nach den Tieren und fanden tatsächlich während mehrerer Begehungen 26 Pantherchamäleons. Sie begegneten dabei mehrfach Privatpersonen, die ebenfalls Chamäleons suchten.

2020 wurden dann Fragebögen persönlich und über Flyer mit QR-Codes an 248 Haushalte verteilt, die sich innerhalb des vermuteten 0,9 km² großen Verbreitungsgebietes der Pantherchamäleon-Population befanden. Gefragt wurde nach Sorgen bezüglich des Vorkommens der Pantherchamäleons, aber auch nach dem vorhandenen Wissen um invasive Arten generell. Die Anwohner wurden außerdem in drei Bereiche eingeteilt: Eine Kernregion, in der mehrfach Chamäleons beobachtet worden waren, eine Randregion mit wenigen Funden und eine Außenregion, in der gar keine Chamäleons mehr gesichtet worden waren.

44 Haushalte beantworteten den Fragebogen. Tatsächlich hatten alle 11 befragten Anwohner in der Außenregion keinerlei Chamäleons gesichtet. Von den 33 befragten Anwohner der Kern- und Randregion gab etwa ein Drittel an, bereits Pantherchamäleons beobachtet zu haben. Genauso viele hatten nachts das Licht von Taschenlampen gesehen. 86% der befragten Anwohner wussten, dass Pantherchamäleons eigentlich nicht in Florida heimisch sind. Nur vereinzelte Anwohner gaben an, sich Sorgen wegen des Vorkommens zu machen. Sieben Anwohner hatten Sammler mit Taschenlampen angesprochen und gaben an, die Sammler hätten alle gesagt, sie würden Chamäleons zu Forschungszwecken suchen. Nur einer der Sammler hatte laut den Anwohnern gesagt, Tiere zum Verkauf zu suchen. Ein Anwohner berichtete von einer Auseinandersetzung, nachdem ihm fremde Personen mehrfach sein Grundstück betreten hatten, um dort nach Chamäleons zu suchen. Ein anderer Anwohner rief wegen einer ganzen Gruppe von Sammlern auf dem Nachbargrundstück die Polizei.

Leider wurde der Fragebogen nach den Suchbemühungen der Autoren selbst ausgegeben, so dass in den Antworten nicht ersichtlich ist, wie viele der Begegnungen mit Anwohnern und wie viele Taschenlampen-Sichtungen die Autoren selbst waren. Bei der Veröffentlichung handelt es sich außerdem um einen Preprint, es hat also noch kein Review-Prozess stattgefunden. Nachtrag: Das Paper wurde in Human-Wildlife Interactions 2024 als Fallbericht veröffentlicht.

Colorful lizards and the conflict of collection
Colin M. Goodman, Natalie M. Claunch, Zachary T. Steele, Diane J. Episcopio-Sturgeon, Christina M. Romagosa
Preprint, 2023
DOI: 10.1101/2023.08.10.552819

Colorful lizards and the conflict of collection
Colin M. Goodman, Natalie M. Claunch, Zachary T. Steele, Diane J. Episcopio-Sturgeon, Christina M. Romagosa
Human-Wildlife Interactions 18(1), 2024

 

Foto: Pantherchamäleon auf Madagaskar, Alex Laube

[:en]

The „Sunshine State“ Florida in the USA has the largest number of non-native species of reptiles in the world because of its warm climate. The panther chameleon (Furcifer pardalis) is one of the invasive species, i.e. those that do not actually belong in Florida but are now reproducing there. A study has now investigated the question of what the human inhabitants of Florida actually think of the chameleons.

It has been discussed for a long time whether panther chameleons belong to the species that were deliberately released for the purpose of „ranching“, i.e. to collect the offspring of the released chameleons for sale. That private individuals collect panther chameleons is not in dispute. According to the authors, ranching populations in Florida are mostly kept secret. They became aware of a small population in Orange County via social media in 2019. They then searched for the animals at night with torches and actually found 26 panther chameleons during several walks. They encountered private individuals on several occasions who were also looking for chameleons.

In 2020, questionnaires were distributed in person and via flyers with QR codes to 248 households located within the presumed 0.9 km² distribution area of the panther chameleon population. They were asked about concerns regarding the occurrence of panther chameleons, but also about existing knowledge about invasive species in general. The residents were also divided into three areas: A core region where chameleons had been observed several times, a peripheral region with few findings, and an outer region where no chameleons had been sighted at all.

44 households answered the questionnaire.  In fact, all 11 interviewed residents in the outer region had not sighted any chameleons. Of the 33 residents interviewed in the core and peripheral region, about a third said they had already observed panther chameleons. The same number had seen the light of torches at night. 86% of the residents surveyed knew that panther chameleons are not actually native to Florida. Only a few residents said they were concerned about the occurrence. Seven residents had approached collectors with torches and said the collectors had all said they were looking for chameleons for research purposes. Only one of the collectors had said he/she was looking for animals to sell, according to the residents. One resident reported an altercation after strangers entered his property several times looking for chameleons. Another resident called the police because of a whole group of collectors on the neighbouring property.

Unfortunately, the questionnaire was given out after the search efforts of the authors themselves, so it is not apparent from the responses how many of the encounters were indeed with people looking for chameleons for sale purposes. The publication is also a preprint, so no review process has taken place yet. Addendum: The paper was published in Human-Wildlife Interactions 2024 as a case report.

Colorful lizards and the conflict of collection
Colin M. Goodman, Natalie M. Claunch, Zachary T. Steele, Diane J. Episcopio-Sturgeon, Christina M. Romagosa
Preprint, 2023
DOI: 10.1101/2023.08.10.552819

Colorful lizards and the conflict of collection
Colin M. Goodman, Natalie M. Claunch, Zachary T. Steele, Diane J. Episcopio-Sturgeon, Christina M. Romagosa
Human-Wildlife Interactions 18(1), 2024

Picture: Alex Laube[:]

[:de]Unbekanntes Chamäleon im Wald von Ivohiboro (Madagaskar) entdeckt[:en]Unknown chameleon discovered in Ivohiboro forest (Madagascar)[:]

[:de]Unbekanntes Chamäleon im Wald von Ivohiboro (Madagaskar) entdeckt[:en]Unknown chameleon discovered in Ivohiboro forest (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Auf Madagaskar gibt es auch heute noch nahezu unerforschte Gebiete. Der Regenwald von Ivohiboro liegt im Südosten der Insel im gleichnamigen Schutzgebiet, südwestlich der südlichsten Ausläufer des Andringitra-Gebirges. Der Wald selbst ist rund 8,58 km² groß und nimmt damit nur einen kleinen Teil des Schutzgebietes ein. Er ist umgeben von Savannen und überspannt Höhenlagen von 650 bis 1460 m über Meeresniveau. Das Schutzgebiet wird derzeit von lokalen Organisationen sowie dem madagassischen Umweltministerium verwaltet. Die letzte Expedition zur Erkundung des Waldes von Ivohiboro fand 1924 statt. Seit 2016 haben nun Forscher aus den USA und Großbritannien sechs Expeditionen in den kleinen Wald unternommen, um die Artenvielfalt an Pflanzen, Vögeln, Säugetieren, Reptilien und Amphibien dort genauer zu untersuchen.

Zum Nachweis von Reptilien und Amphibien wurde der Wald in neun Transekte von rund 200 x 20 m geteilt, die jeweils mehr als 200 m voneinander entfernt waren. Mehrere Tage und Nächte wurden die Transekte durchsucht. Alle gefundenen Tiere wurden dokumentiert und, wenn möglich, bis auf Gattungs- oder Artebene bestimmt.

Im Ergebnis konnten die Wissenschaftler 107 Arten Wirbeltiere und 219 Pflanzen identifizieren. Diese enorme Artenvielfalt unterstreicht die Wichtigkeit, den Wald im Sinne des Artenschutzes zu erhalten und deutet auf ein gut funktionierendes Ökosystem hin. Unter den gefundenen Arten befanden sich zwei Chamäleons: Eine Palleon-Art sowie ein kleines Calumma. Zu ersterer gibt die Publikation leider keine weiteren Informationen. Das kleine Calumma wies einen auffällig blau gefärbten Nasenfortsatz auf, wie er bei Calumma linotum oder Calumma boettgeri im hohen Norden Madagaskar vorkommt. Da genetische Untersuchungen noch fehlen, ist unklar, ob es sich bei diesen Chamäleons um eine extrem weite Erweiterung des Verbreitungsgebietes handelt – Ivohiboro liegt rund 1000 km südlich der Verbreitungsgebiete von Calumma boettgeri und Calumma linotum – oder ob es vielleicht sogar eine neue, noch unbeschriebene Art ist.

A surprising haven: The biodiversity of an old-growth forest amidst a scorched landscape in Madagascar
Beatriz Otero Jimenez, Ren Montaño, Ryan S. Rothman, Rachel C. Williams, Patricia C. Wright
Conservation Science and Practice, 2023
DOI: 10.1111/csp2.12993[:en]

There are still almost unexplored areas on Madagascar today. The Ivohiboro rainforest is located in the southeast of the island in the protected area of the same name, southwest of the southernmost foothills of the Andringitra Mountains. The forest itself is about 8.58 km² in size and thus only occupies a small part of the protected area. It is surrounded by savannahs and spans altitudes from 650 to 1460 m above sea level. The protected area is currently managed by local organisations and Madagascar’s Ministry of Environment. The last expedition to explore the Ivohiboro forest took place in 1924. Since 2016, researchers from the USA and Great Britain have now undertaken six expeditions to the small forest to study the biodiversity of plants, birds, mammals, reptiles, and amphibians there in more detail.

To detect reptiles and amphibians, the forest was divided into nine transects of about 200 x 20 m, each more than 200 m apart. The transects were searched for several days and nights. All animals found were documented and, if possible, identified down to genus or species level.

As a result, the scientists were able to identify 107 species of vertebrates and 219 plants. This enormous diversity of species underlines the importance of preserving the forest in terms of species conservation and indicates a well-functioning ecosystem. Among the species found were two chameleons: a Palleon species and a small Calumma. Unfortunately, the publication does not provide any further information on the former. The small Calumma had a conspicuous blue coloured rostral appendage, as it is found in Calumma linotum or Calumma boettgeri in the far north of Madagascar. As genetic studies are still lacking, it is unclear whether these chameleons are an extremely wide range extension – Ivohiboro lies about 1000 km south of the ranges of Calumma boettgeri and Calumma linotum – or whether it is perhaps even a new, as yet undescribed species.

A surprising haven: The biodiversity of an old-growth forest amidst a scorched landscape in Madagascar
Beatriz Otero Jimenez, Ren Montaño, Ryan S. Rothman, Rachel C. Williams, Patricia C. Wright
Conservation Science and Practice, 2023
DOI: 10.1111/csp2.12993[:]

[:de]Genom des Pantherchamäleons entschlüsselt[:en]Genome of the panther chameleon decoded[:]

[:de]Genom des Pantherchamäleons entschlüsselt[:en]Genome of the panther chameleon decoded[:]

Wissenschaft

[:de]

In den letzten Jahrzehnten hat die Genforschung sich rasant entwickelt. Seit 2009 steht für die Sequenzierung von Genomen das sogenannte high fidelity (HiFi) Pacbio Sequenzierungs-Verfahren zur Verfügung. Trotzdem tut sich gerade im Reptilienbereich relativ wenig. Sogenannte Referenzgenome gibt es für Reptilien nur rund hundert, von Chamäleons gibt es gar keine. Wissenschaftler aus China haben nun ein Referenzgenom für das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) veröffentlicht.

Für die Analyse wurde ein 5 Jahre altes, männliches Pantherchamäleon mittels Isofluran getötet und anschließend seziert. Verschiedene Gewebe wurden in flüssigem Stickstoff eingefroren. Für die Kurzsequenzierung der Genom-DNA und die HI-C-Sequenzierung wurde Skelettmuskel verwendet. Für die HiFi-Sequenzierung wurde Leber genutzt. RNA aus Herz, Leber, Milz, Hoden, Lunge, Nieren und Haut wurden für die Transkriptom-Sequenzierung verwendet.

Die Genomgröße des Pantherchamäleons aus der K-mer-Analyse liegt bei 1,61 Gigabasenpaaren (Gbp), wobei es nur 22 sogenannte contigs, Sätze überlappender DNA, enthält. Der Karyotyp enthält 11 Chromosome, das aus jeweils ein bis vier contigs besteht. Zehn von elf Chromosomen weisen Repeatsequenzen auf (TAACCC). Die BUSCO-Analyse wies eine hohe Vollständigkeit des Genoms nach. Das Genom kann im NCBI BioProjekt unter der Nummer PRJNA974816 sowie in der ScienceDataBank eingesehen werden.

Efficient and highly continuous chromosome-level genome assembly of the first chameleon genome
Hongxin Xie, Zixuan Chen, Shuai Pang, Weiguo Du
Genome Biology and Evolution 131, 2023
DOI: 10.1093/gbe/evad131

 

Foto: Alex Laube[:en]

In recent decades, genetic research has developed rapidly. Since 2009, the so-called high fidelity (HiFi) Pacbio sequencing method has been available for sequencing genomes. Nevertheless, relatively little is being done in the reptile field. There are only about a hundred so-called reference genomes for reptiles, and none at all for chameleons. Scientists from China have now published a reference genome for the panther chameleon (Furcifer pardalis).

For the analysis, a 5-year-old male captive panther chameleon was killed using isoflurane and then dissected. Different tissues were frozen in liquid nitrogen. Skeletal muscle was used for short genome DNA sequencing and HI-C sequencing. Liver was used for HiFi sequencing. RNA from heart, liver, spleen, testis, lung, kidney, and skin were used for transcriptome sequencing.

The genome size of the panther chameleon from the K-mer analysis is 1.61 gigabase pairs (Gbp), containing only 22 so-called contigs, sets of overlapping DNA. The karyotype contains 11 chromosomes, each consisting of one to four contigs. Ten out of eleven chromosomes have repeat sequences (TAACCC). BUSCO analysis demonstrated a high completeness of the genome. The genome can be viewed in the NCBI BioProject under the number PRJNA974816 and in ScienceDataBank.

Efficient and highly continuous chromosome-level genome assembly of the first chameleon genome
Hongxin Xie, Zixuan Chen, Shuai Pang, Weiguo Du
Genome Biology and Evolution 131, 2023
DOI: 10.1093/gbe/evad131

 

Picture: Alex Laube[:]

[:de]Zoonotisches Potenzial von Jemenchamäleons auf Gran Canaria (Spanien)[:en]Zoonotic potential of Yemen chameleons in Gran Canaria (Spain)[:]

[:de]Zoonotisches Potenzial von Jemenchamäleons auf Gran Canaria (Spanien)[:en]Zoonotic potential of Yemen chameleons in Gran Canaria (Spain)[:]

Wissenschaft

[:de]

Die kanarischen Inseln liegen nordwestlich von Afrika nahe der Küste von Marokko. Auf Gran Canaria, der zweitgrößten Insel, sind von über 1000 Pflanzen- und Tierarten rund 290 eingeschleppt, also Arten, die ursprünglich nicht dort vorkommen. Seit mindestens 2017 gibt es freilebende Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) auf Gran Canaria. Spanische Wissenschaftler haben nun untersucht, ob von dieser eingeschleppten Chamäleonpopulation zoonotisches Potenzial ausgehen könnte.

Untersucht wurden 40 Jemenchamäleons, die von Red de Alerta Temprana de Canarias para la Detección e Intervención de Especies Exóticas Invasoras in Arucas zuvor gefangen und getötet worden waren. 36 der Chamäleons waren adult, vier juvenil. Bei jedem Chamäleon wurde Darminhalt entnommen und mittels diverser Methoden auf das Vorkommen verschiedener Bakterien untersucht.

Bei 28 der Jemenchamäleons wurde mindestens eine der gesuchten Bakterien gefunden. Rund die Hälfte der Chamäleons wies Yersinia enterocolitica auf, was die höchste bisher für dieses Bakterium nachgewiesene Prävalenz bei Reptilien ist. Das Bakterium kann beim Menschen unter anderem Durchfall verursachen. Unklar ist, wie die Jemenchamäleons sich damit infizierten – möglicherweise über Insekten. 16 der Jemenchamäleons wiesen Salmonellen im Darm auf. Salmonellen sind sehr häufig bei Reptilien und wurde auf Gran Canaria sogar schon bei endemischen Arten nachgewiesen. Ebenfalls häufig bei Reptilien gefunden werden Pseudomonas, die im Darm von 13 Tieren nachgewiesen werden konnten. Zwei Jemenchamäleons waren mit Campylobacter infiziert, bei einem davon konnte Campylobacter lari identizifiert werden. Dieses Bakterium kann selten bei Menschen zu Erkrankungen führen, für die sonst bei Reptilien üblichen Arten ist jedoch kein krankmachendes Potenzial für den Menschen bekannt. Campylobacter lari wurde bisher vor allem in Meeresfrüchten und Vögeln nachgewiesen – möglich ist, dass das Jemenchamäleon an der Küste das Bakterium aufgenommen hat und nicht selbst mitbrachte. Drei Jemenchamäleons wiesen Escherichia coli auf, was bei Menschen in seltenen Fällen zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) führen kann. Weitere zwei Chamäleons hatten Listeria monocytogenes im Darm, was bei Aufnahme mit dem Essen bei Schwangeren gefährlich werden kann. Fünf Jemenchamäleons hatten Mykobakterien, davon wurden mehrere als nicht-tuberkulös infiziert. Staphylokokken wurden in sieben Chamäleons nachgewiesen, sie gehören allerdings zur normalen Hautflora. Fünf Isolate waren jedoch positiv für Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika, was bei Staphylococcus aureus beim Menschen zunehmend zum Problem wird. Zuletzt konnte in einem einzelnen Jemenchamäleon Vibrio nachgewiesen werden, von denen einige Arten Durchfall beim Menschen auslösen können. Das Bakterium wurde früher schon bei eingeschleppten Anolis auf Teneriffa nachgewiesen.

Die Autoren halten fest, dass ein zoonotisches Potenzial für den Mensch durch das Handling eingeschleppter Jemenchamäleons auf Gran Canaria besteht. Inwiefern eine reale Gefahr für Menschen als auch endemische Tierarten besteht, muss jedoch weiter untersucht werden.

Study of zoonotic pathogens in alien population of Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) in the Canary Islands (Spain)
Román Pino-Vera, Néstor Abreu-Acosta, Pilar Foronda
Animals 13 (14), 2023
DOI:  10.3390/ani13142288[:en]

The Canary Islands are located northwest of Africa near the coast of Morocco. On Gran Canaria, the second largest island, around 290 of over 1000 plant and animal species have been introduced, i.e. species that do not originally occur there. Since at least 2017, there have been free-living Veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) on Gran Canaria. Spanish scientists have now investigated whether this introduced chameleon population could have zoonotic potential.

They examined 40 Veiled chameleons that had previously been caught and killed by Red de Alerta Temprana de Canarias para la Detección e Intervención de Especies Exóticas Invasoras in Arucas. 36 of the chameleons were adults, four were juveniles. Intestinal contents were taken from each chameleon and analysed for the presence of different bacteria using various methods.

At least one of the bacteria sought was found in 28 of the Veiled chameleons. About half of the chameleons had Yersinia enterocolitica, which is the highest prevalence ever recorded for this bacterium in reptiles. The bacterium can cause diarrhoea in humans, among other things. It is unclear how the Veiled chameleons became infected with it – possibly via insects. 16 of the Veiled chameleons had salmonella in their intestines. Salmonella is very common in reptiles and has even been found in endemic species on Gran Canaria. Pseudomonas is also frequently found in reptiles and was detected in the intestines of 13 animals. Two Veiled chameleons were infected with Campylobacter, in one of them Campylobacter lari could be identified. This bacterium can rarely cause illness in humans, but no pathogenic potential for humans is known for the species otherwise common in reptiles. Campylobacter lari has so far been detected mainly in seafood and birds – it is possible that the Veiled Chameleons picked up the bacterium on the coast and did not bring it with them. Three Veiled chameleons had Escherichia coli, which in rare cases can lead to haemolytic uraemic syndrome (HUS) in humans. Another two chameleons had Listeria monocytogenes in their intestines, which can be dangerous for pregnant women if ingested with food. Five Veiled Chameleons had mycobacteria, several of which were found to be non-tuberculous infections. Staphylococci were detected in seven chameleons, but they are part of the normal skin flora. However, five isolates were positive for resistance to certain antibiotics, which is becoming an increasing problem with Staphylococcus aureus in humans. Most recently, Vibrio was detected in a single Yemen chameleon, some species of which can cause diarrhoea in humans. The bacterium has previously been detected in introduced anoles on Tenerife.

The authors state that there is a zoonotic potential for humans due to the handling of introduced Veiled Chameleons on Gran Canaria. However, the extent to which there is a real risk for humans as well as endemic species needs to be further investigated.

Study of zoonotic pathogens in alien population of Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) in the Canary Islands (Spain)
Román Pino-Vera, Néstor Abreu-Acosta, Pilar Foronda
Animals 13 (14), 2023
DOI:  10.3390/ani13142288[:]

[:de]Chamäleons im Montagne des Français (Madagaskar)[:en]Chameleons in the Montagne des Français (Madagascar)[:]

[:de]Chamäleons im Montagne des Français (Madagaskar)[:en]Chameleons in the Montagne des Français (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Der Montagne des Français ist ein Kalksteinmassiv mit Trockenwald im Norden Madagaskars. Es reicht bis zu 425 m über den Meeresspiegel und liegt in Sichtweite der größten Küstenstadt des Nordens, Antsiranana (französisch Diego Suarez). Seit 2007 gilt es als Schutzgebiet. Wissenschaftler aus Madagaskar und den USA haben 2014 und 2020 Zählungen von Reptilien und Amphibien im Montagne des Français durchgeführt.

Gezählt wurde im Januar und Mai, also während und zum Ende der Regenzeit. 2014 wurde sich auf die Region um Andavakoera konzentriert, 2020 dagegen um Sahabedara, Ampitiliantsambo und Andavakoera. Um Tiere zu finden, wurde zum einen tagsüber und nachts entlang vorgegebener Wege gesucht, teils gezielt in geeignet erscheinenden Habitaten, zum anderen wurden Fallgruben genutzt.

Insgesamt wurden 20 Amphibien- und 50 Reptilienarten nachgewiesen. Vier neue Amphibien und ein Reptil konnten erstmals im Montagne des Français gefunden werden. Die Schlange Langaha pseudoalluaudi wurde erstmals seit 2007 wieder entdeckt. Bei den Chamäleons haben sich kleinere Neuerungen ergeben. Brookesia stumpffi konnte nur 2014, aber nicht mehr 2020 gefunden werden – auf Grund der relativ weiten Verbreitung der Art sollte dies jedoch kein Problem für die gesamte Population darstellen. Brookesia tristis, eines der kleinsten Chamäleons der Welt, wurde ebenfalls nur 2014 entdeckt. Hier könnte die Körpergröße, die ein Auffinden stark erschwert, und die Jahreszeit (Mai ist relativ spät für diese Art) eine Rolle spielen. Brookesia ebenaui konnte 2014 in Andavakoera und 2020 in Sahabedara nachgewiesen werden. Die beiden Baumbewohner Furcifer oustaleti und Furcifer pardalis konnten in beiden Jahren in Andavakoera und Ampitiliantsambo gefunden werden. Furcifer petteri dagegen kam in beiden Jahren an allen untersuchten Orten vor.

Amphibians and reptiles of the “Montagne des Français”: Update of the distribution and regional endemicity
Herizo Oninjatovo Radonirina, Bernard Randriamahatantsoa, Rabibisoa Harinelina Christian Nirhy, Christopher J. Raxworthy
Preprint
DOI: 10.20944/preprints202306.1499.v1

Foto: Furcifer petteri auf Madagaskar, fotografiert von A. Laube[:en]

The Montagne des Français is a limestone massif with dry forest in northern Madagascar. It reaches up to 425 m above sea level and is within sight of the largest coastal town in the north, Antsiranana (French Diego Suarez). It has been a protected area since 2007. Scientists from Madagascar and the USA conducted counts of reptiles and amphibians in the Montagne des Français in 2014 and 2020.

Counts were made in January and May, i.e. during and at the end of the rainy season. In 2014, the focus was on the region around Andavakoera, while in 2020 it was on Sahabedara, Ampitiliantsambo, and Andavakoera. In order to find animals, the search was conducted during the day and at night along predefined paths, partly in suitable habitats, and partly in pitfall pits.

A total of 20 amphibian and 50 reptile species were recorded. Four new amphibians and one reptile were found for the first time in the Montagne des Français. The snake Langaha pseudoalluaudi was discovered again for the first time since 2007. Among the chameleons, there were minor new discoveries. Brookesia stumpffi could only be found in 2014, but no longer in 2020 – however, due to the relatively wide distribution of the species, this should not be a problem for the entire population. Brookesia tristis, one of the smallest chameleons in the world, was also only seen in 2014. Here, the body size, which makes it very difficult to find, and the time of year (May is relatively late for this species) could play a role. Brookesia ebenaui was detected in Andavakoera in 2014 and in Sahabedara in 2020. The two tree dwellers Furcifer oustaleti and Furcifer pardalis were found in both years in Andavakoera and Ampitiliantsambo. Furcifer petteri, on the other hand, was present at all the sites surveyed in both years.

Amphibians and reptiles of the “Montagne des Français”: Update of the distribution and regional endemicity
Herizo Oninjatovo Radonirina, Bernard Randriamahatantsoa, Rabibisoa Harinelina Christian Nirhy, Christopher J. Raxworthy
Preprint
DOI: 10.20944/preprints202306.1499.v1

Photo: Furcifer petteri on Madagascar, photographed by A. Laube[:]

[:de]Habitat von Furcifer labordi in Andranomena (Madagaskar)[:en]Habitat of Furcifer labordi in Andranomena (Madagascar)[:]

[:de]Habitat von Furcifer labordi in Andranomena (Madagaskar)[:en]Habitat of Furcifer labordi in Andranomena (Madagascar)[:]

Wissenschaft

[:de]

Labordes Chamäleon (Furcifer labordi) ist seit einigen Jahren als kurzlebigstes Chamäleon der Welt bekannt. Drei Wissenschaftler aus Madagaskar haben nun ein bisher relativ unerforschtes Habitat der Art untersucht. Die Studie wurde durchgeführt im Spezialreservat Andranomena, das rund 30 km nördlich der Küstenstadt Morondava im Westen Madagaskars liegt. Das Spezialreservat verfügt über einen nachwachsenden sowie einen relativ intakten Teil Trockenwald, der auf Höhen von Meeresniveau bis 250 m liegt.

Zur Schätzung der Populationsdichte von Furcifer labordi wurde der Wald auf 150 m Breite in je drei Transekte unterteilt. Nachts wurden die Chamäleons dann mit der Taschenlampe gesucht und mit Nagellack farblich markiert. Tags darauf wurden pro Fundort je eine 5 x 5 m große Parzelle um den Fundort selbst sowie mindestens 5 m entfernt entlang der Transektlinie markiert. In allen Parzellen wurde der Deckungsgrad des Baumkronendach in Prozent, die Dicke der Laubschicht am Boden sowie Boden deckender Pflanzen in Zentimetern, die Anzahl der Sträucher bis 1 m, die Anzahl der Bäume über 1 m und die Anzahl gefällter und verbrannter Bäume gezählt. Fünf Tage nach der ersten Zählung wurden nachts erneut Chamäleons gesucht und gezählt. Zusätzlich wurden mittels Lichtfallen Insekten gefangen, gezählt und identifiziert. Außerdem wurden Greifvogel-Beobachtungen (Centropus toulou, Falco newtoni, Buteo brachyperus, Corvus albus und Accipiter francesii) entlang eines 1400 m langen Transekts alle 200 m gezählt. Weitere Prädatoren wie Schlangen (Madagascarophis colubrinus, Leiohterodon modestus, Mimophis mahfalensis, Dromicodryas bernieri) wurden ebenfalls durch Beobachtungen gezählt. Klimadaten  aus dem Stadtgebiet von Morondava wurden aufgenommen.

Statistische Auswertungen ergaben, dass mehr Furcifer labordi in Waldabschnitten vorkamen, in denen das Kronendach dichter sowie die Laubschicht am Boden dicker war und insgesamt mehr Bäume standen. In den Waldteilen, in denen überhaupt keine Chamäleons gefunden waren, wurden deutlich mehr gefällte Bäume gezählt. Wie zu erwarten war, konnten in der Trockenzeit wesentlich weniger Furcifer labordi entdeckt werden als während der Regenzeit. An Insekten wurden zehn verschiedene Familien gefunden, am häufigsten waren Homoptera (vor allem Zikaden), Coeloptera (Käfer), Dermaptera (Ohrwürmer) und Lepidoptera (Schmetterlinge). Die Verfügbarkeit der Insekten schien von Februar bis Mai gleichbleibend. Im Februar wurden mehr Schlangen gezählt als im März, die Anzahl der Greifvögel unterschied sich nicht im gesamten Beobachtungszeitraum.

Die Autoren überlegen, ob die Unterschiede zwischen den von Furcifer labordi bevorzugtem Mikrohabitat und nicht bewohnten Habitaten sich auf die Langlebigkeit der Art auswirken könnte. Eine Kausalität wurde leider nicht nachgewiesen.

Hinweis: Es handelt sich hier um eine Preprint-Publikation. Das bedeutet, dass noch kein Peer Review stattgefunden hat und sich Inhalte bis zur endgültigen Veröffentlichung in einem Journal noch ändern können. Nachtrag: Eine Besprechung des finalen Papers nach Peer Review findet sich hier.

Variation longitudinale de longévité de Furcifer labordi et analyse de facteurs à l’origine de sa longue durée de vie dans la reserve spéciale d’Andranomena-Morondava, Madagascar
Ahy Nirindrainiarivony Philibertin Honoré Djadagna, Achille Philippe Raselimanana, Lily-Arison René de Roland
ESI Preprints 18, 2023
DOI: 10.19044/esipreprint.6.2023.p700

[:en]

Labordes‘ chameleon (Furcifer labordi) has been known for some years as the world’s shortest-lived chameleon. Three scientists from Madagascar have now studied a previously relatively unexplored habitat of the species. The study was conducted in the Andranomena Special Reserve, located about 30 km north of the coastal town of Morondava in western Madagascar. The special reserve has a regrowth part as well as a relatively intact part of dry forest, which lies at altitudes ranging from sea level to 250 metres.

To estimate the population density of Furcifer labordi, the forest was divided into three transects each 150 m wide. At night, the chameleons were searched for with a torch and colour-marked with nail polish. The next day, a 5 x 5 m plot was marked around each site and at least 5 m away along the transect line. In all plots, the canopy cover was counted in percent, the thickness of the foliage layer on the ground and ground-covering plants in centimetres, the number of shrubs up to 1 m, the number of trees over 1 m and the number of felled and burnt trees. Five days after the first count, chameleons were again searched for and counted at night. In addition, insects were caught, counted and identified using light traps. Furthermore, raptor observations (Centropus toulou, Falco newtoni, Buteo brachyperus, Corvus albus and Accipiter francesii) were counted every 200 m along a 1400 m transect. Other predators such as snakes (Madagascarophis colubrinus, Leiohterodon modestus, Mimophis mahfalensis, Dromicodryas bernieri) were also counted by observation. Climatic data from the urban area of Morondava were recorded.

Statistical analyses showed that more Furcifer labordi were found in forest sections where the canopy was denser and the foliage layer on the ground was thicker, and where there were more trees overall. In the forest sections where no chameleons were found at all, significantly more felled trees were counted. As was to be expected, considerably fewer Furcifer labordi were found in the dry season than during the rainy season. Ten different families of insects were found, the most common being Homoptera (mainly cicadas), Coeloptera (beetles), Dermaptera (earwigs), and Lepidoptera (butterflies). Insect availability seemed consistent from February to May. More snakes were counted in February than in March, and the number of birds of prey did not differ throughout the observation period.

The authors consider whether the differences between the microhabitats preferred by Furcifer labordi and non-habitats could have an impact on the longevity of the species. Unfortunately, causality was not proven.

Note: This is a preprint publication. This means that no peer review has yet taken place and content may still change before final publication in a journal. Addendum: A discussion of the final paper after peer review can be found here.

Variation longitudinale de longévité de Furcifer labordi et analyse de facteurs à l’origine de sa longue durée de vie dans la reserve spéciale d’Andranomena-Morondava, Madagascar
Ahy Nirindrainiarivony Philibertin Honoré Djadagna, Achille Philippe Raselimanana, Lily-Arison René de Roland
ESI Preprints 18, 2023
DOI: 10.19044/esipreprint.6.2023.p700

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