[:de]Aggressiver Hautpilz bei Pantherchamäleons entdeckt[:en]Aggressive fungal pathogen discovered in panther chameleons[:]

[:de]Aggressiver Hautpilz bei Pantherchamäleons entdeckt[:en]Aggressive fungal pathogen discovered in panther chameleons[:]

Tiermedizin Wissenschaft

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Pilze der Gattungen Nannizziopsis und Paranannizziopsis sind schon länger bei verschiedenen Reptilien als Ursache für schwere Hauterkrankungen bekannt. Dazu zählen auch in der Terraristik gefürchtete Arten wie CANV (Chrysosporium Anamorph von Nannizziopsis vriesii) und Nannizziopsis dermatitidis, die offenbar immer krankmachend (obligat pathogen) sind. Nun wurde ein ähnlicher Hautpilz bei Pantherchamäleons in Florida, USA, nachgewiesen.

Neun adulte Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) wurden aus einer wild lebenden Population in Florida entnommen. Sie wurden zunächst bei einem privaten Halter in Gruppen von zwei oder drei Chamäleons in Gazeterrarien mit Natur- und Kunstpflanzen untergebracht. Als Lampe wurden je eine ReptiSun 5.0 sowie eine herkömmliche Glühbirne zum Aufwärmen eingesetzt. Die Tiere wurden jeden zweiten Tag mit Heimchen und Zophobas gefüttert und zusätzlich mit Vitaminen und Kalzium supplementiert. Alle neun Pantherchamäleons sowie ein zehntes, später gefangenes, wurden schließlich dem United States Department of Agriculture (USDA) für eine Versuchsreihe übergeben. Die Haltung dort erfolgte einzeln in Stahlvolieren im Freien.

Ein männliches Pantherchamäleon zeigte rund ein Jahr nach Fang krustige, gelbe Hautveränderungen mit schwärzlichem Rand an Auge, Arm und Brust. Das Chamäleon wurde einzeln in ein Innenterrarium gesetzt. Biopsien der veränderten Hautbereiche wurden entnommen und histopathologisch im Labor untersucht. In den Gewebsschnitten fanden sich heterophile und histiozytäre Entzündungen der Haut, epidermale Nekrosen und Hyperkeratosen. Eine große Menge Pilzhyphen fielen auf. Weitere Untersuchungen identifizierten den Pilz als Paranannizziopsis australasiensis. Wenig später verstarb ein weibliches Pantherchamäleon mit ähnlichen Hautveränderungen im Bauchbereich. Auch bei diesem konnte im Labor Paranannizziopsis australasiensis identifiziert werden.

Daraufhin wurden die acht übrigen Pantherchamäleons ebenfalls untersucht. Tatsächlich wurden bei allen bis auf ein Chamäleon fehlende Krallen, Schwellungen an Händen und Füßen, kleine Hautwunden, Umfangsvermehrungen am Körper und/oder gelbe und schwarze Hautveränderungen gefunden. Ein Pilznachweis wurde nicht mehr durchgeführt, aber eine Infektion mit dem gleichen Pilz vermutet. Alle neun noch lebenden Pantherchamäleons wurden mit 25 mg/kg Terbinafin sowie 5 mg/kg Voriconazol, beides einmal täglich oral eingegeben, behandelt.

Nach sechs Wochen wurden die Pantherchamäleons erneut untersucht. Die Hautveränderungen waren nach wie vor vorhanden, bei zwei Tieren hatten sich die Hand- und Fußschwellungen verringert. Nach elf bis zwölf Wochen Behandlung waren bei sieben Chamäleons alle Symptome abgeklungen. Die Hautveränderungen hatten sich zu Narben entwickelt. Lediglich zwei Chamäleons zeigten noch Schwellungen im Fußbereich, jedoch geringer als zu Behandlungsbeginn. Nach 14 Wochen Therapie verstarb ein weiteres Pantherchamäleon. Die Obduktion ergab als Todesursache eine Nieren- und Organgicht. Da eine Beteiligung der eingesetzten Medikamente am Tod des Chamäleons nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde die Therapie bei sechs der acht Pantherchamäleons in Woche 15 beendet. Die beiden Pantherchamäleons, die immer noch Schwellungen an den Füßen zeigten, wurden weitere zwei Wochen therapiert.

Es handelt sich bei diesem Fallbericht um den ersten Nachweis von Paranannizziopsis australasiensis bei Chamäleons. Dieser Hautpilz wurde bisher in der Terraristik ausschließlich bei grünen Leguanen sowie Östlichen Bartagamen und in der Natur bei Tuataras, Skinken, Geckos und Schlangen nachgewiesen. Offen bleibt, wo die Pantherchamäleons sich mit dem Hautpilz infiziert hatten. Drei der in der anfänglichen Privathaltung genutzten Gazeterrarien waren zuvor von Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) und Ritteranolis bewohnt worden. Der Privathalter hatte die Terrarien danach mit Chlorbleiche desinfiziert. Sein übriger Reptilienbestand zeigte keine Hautveränderungen. Die beim USDA später genutzten Volieren hatten über Jahre leer gestanden und waren davor lediglich von Kleinvögeln bewohnt worden. Möglich ist, dass der Hautpilz über eingetopfte Pflanzen aus Gärtnereien eingeschleppt worden war, die regelmäßig einheimische Reptilien auf dem Gelände beobachten. Allerdings wurde Paranannizziopsis australasiensis bis dato in Florida noch bei keiner anderen wild lebenden Reptilienart nachgewiesen.

Am wahrscheinlichsten scheint das Szenario, dass die Chamäleons bereits vor ihrem Fang in Florida mit dem Hautpilz infiziert waren, die Erkrankung jedoch erst später ausbrach. Bereits die Ursprungstiere der Population könnten sich vor gut einem Jahrzehnt im Zoohandel bei Bartagamen angesteckt haben. Für eine latente Infektion mit spätem Ausbruch spricht, dass die Hautveränderungen in diesem Fallbericht mehrheitlich im Winter gefunden wurden, nachdem die Temperaturen unter 10°C fielen. Außerdem wurde vor Ausbruch der Symptome sogenannte „thermal limit trials“ durchgeführt, bei denen die Tiere kurz Extremtemperaturen von bis 45°C und 6°C ausgesetzt wurden. Ein weiteres Chamäleon aus der gleichen Population wurde zu einem späteren Zeitpunkt gefangen und entwickelte auch Hautveränderungen, was ebenfalls eine infizierte Population in Florida nahelegt.

Eine mit Paranannizziopsis australasiensis infizierte, freilebende Chamäleonpopulation könnte ein enormes Risiko für einheimische Reptilien darstellen. Der Hautpilz ist als hoch infektiös und aggressiv bekannt. Zudem werden inzwischen freilebende Pantherchamäleons in Florida von Händlern gefangen und an Privathalter verkauft, was die Verbreitung des Hautpilzes in privaten Reptilienbeständen zur Folge haben könnte. Weitere Untersuchungen müssen das Ausmaß des aktuellen Vorkommens von Paranannizziopsis australasiensis in Florida sowohl in der Terraristik als auch in der Natur dringend klären.

Dermatomycosis caused by Paranannizziopsis australasiensis in nonnative panther chameleons (Furcifer pardalis) captured in Central Florida, USA
Natalie M. Claunch, Colin M. Goodman, Madison Harman, Mariaguadalupe Vilchez, Savanna D. Smit, Bryan M. Kluever, James F.X. Wellehan, Robert J. Ossiboff, Christina M. Romagosa
Journal of Wildlife Diseases (4), 2023
DOI: 10.7589/JWD-D-22-00018[:en]

Fungi of the genera Nannizziopsis and Paranannizziopsis have long been known to cause severe skin diseases in various reptiles. These include species feared in herpetocolture such as CANV (Chrysosporium Anamorph of Nannizziopsis vriesii) and Nannizziopsis dermatitidis, which are apparently obligate pathogens. Now, a similar skin fungus has been detected in panther chameleons in Florida, USA.

Nine adult panther chameleons (Furcifer pardalis) were taken from a wild population in Florida. They were first housed in groups of two or three chameleons in screen cages with natural and artificial plants at a private keeper. A ReptiSun 5.0 lamp and a conventional light bulb were used. The animals were fed with crickets and zophobas every second day and supplemented with vitamins and calcium. All nine panther chameleons, plus a tenth that was captured later, were finally given to the United States Department of Agriculture (USDA) for a series of experiments. They were kept individually in steel aviaries outdoors.

Subsequently, the eight remaining panther chameleons were also examined. In fact, all but one of the chameleons were found to have either missing claws or swelling of the hands and feet, small skin wounds, circumferential proliferation on the body and/or yellow and black skin lesions. Fungal PCR was no longer carried out, but infection with the same pathogen was suspected. All nine panther chameleons still alive were treated with 25 mg/kg terbinafine and 5 mg/kg voriconazole, both given orally once daily.

After six weeks, the panther chameleons were examined again. The skin lesions were still present, in two animals the hand and foot swellings had decreased. After eleven to twelve weeks of treatment, all symptoms had disappeared in seven chameleons. The skin lesions had developed into scars. Only two chameleons still showed swelling in the foot area, but less than at the beginning of treatment. After 14 weeks of therapy, another panther chameleon died. The autopsy revealed kidney and organ damage as the cause of death. Since the contribution of the medication used to the death of the chameleon could not be ruled out, the therapy was terminated in week 15 for six of the eight panther chameleons. The two panther chameleons that still showed swelling of the feet were treated for another two weeks.

This case report is the first detection of Paranannizziopsis australasiensis in chameleons. So far, this fungal pathogen has only been found in green iguanas and Eastern bearded dragons in herpetoculture and in Tuataras, skinks, geckos, and snakes in nature. It remains unclear where the panther chameleons became infected. Three of the screen cages used in the initial private husbandry had previously been inhabited by Veiled Chameleons (Chamaeleo calyptratus) and Knight Anoles. The private keeper had disinfected the terrariums with chlorine bleach. The rest of his reptile population showed no skin lesions. The aviaries used later at the USDA had been empty for years and had previously only been inhabited by small birds. It is possible that the fungal pathogen had been introduced via potted plants from nurseries that regularly observe native reptiles on the premises. However, Paranannizziopsis australasiensis has not been found in any other wild reptile species in Florida to date.

The most likely scenario seems to be that the chameleons were already infected before they were caught in Florida, but the disease only broke out later. The original animals of the population could have been infected by bearded dragons in the pet trade a good decade ago. A latent infection with a late onset is supported by the fact that most of the skin lesions in this case report were found in winter, after temperatures had dropped below 10°C. Moreover, before the onset of symptoms, so-called „thermal limit trials“ were carried out, in which the animals were briefly exposed to extreme temperatures of up to 45°C and 6°C. Another chameleon from the same population was caught at a later time and also developed skin lesions, which indeed suggests an infected population in Florida.

A free-ranging chameleon population infected with Paranannizziopsis australasiensis could pose a huge risk to native reptiles. The fungal pathogen is known to be highly infectious and aggressive. In addition, free-ranging panther chameleons in Florida are now being captured by dealers and sold to private owners, which could result in the spread of the disease in private reptile populations. Further research is urgently needed to clarify the extent of the current occurrence of Paranannizziopsis australasiensis in Florida, both in herpetoculture and in the wild.

Dermatomycosis caused by Paranannizziopsis australasiensis in nonnative panther chameleons (Furcifer pardalis) captured in Central Florida, USA
Natalie M. Claunch, Colin M. Goodman, Madison Harman, Mariaguadalupe Vilchez, Savanna D. Smit, Bryan M. Kluever, James F.X. Wellehan, Robert J. Ossiboff, Christina M. Romagosa
Journal of Wildlife Diseases (4), 2023
DOI: 10.7589/JWD-D-22-00018[:]