[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

[:de]Woran sterben Chamäleons in Zoos?[:en]What kills chameleons in zoos?[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Montréal (Frankreich) haben kürzlich die Todesursachen bei in Zoos gehaltenen Chamäleons zwischen 2011 und 2022 untersucht. Über das Zoological Information Management System (ZIMS) wurden Zoos gesucht, die aktuell Chamäleons halten oder seit 2011 hielten. Fragebögen wurden an insgesamt 245 Zoos verschickt. In den Fragebögen wurde die Zahl, Art und Geschlecht gehaltener Chamäleons abgefragt, außerdem ausgesuchte Haltungsbedingungen (kühlste und wärmste Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Fütterung) und Sektionsergebnisse.

Rund 1000 Chamäleons 36 verschiedener Arten werden derzeit in Zoos weltweit gehalten. 65 der befragten Zoos nahmen an der Studie teil, wovon immerhin 48 regelmäßig Sektionen an Chamäleons durchführten. Jedoch konnten nur 29 der teilnehmenden Zoos Sektionsergebnisse vorlegen. Insgesamt wurden 412 Pathologiebefunde von 14 verschiedenen Chamäleonarten ausgewertet. Unter den gehaltenen Arten waren Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, Chamäleons des Genus Brookesia ohne Artangabe, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium und Trioceros quadricornis. Am häufigsten wurden Pantherchamäleons gehalten (226 Tiere).

Die statistische Auswertung ergab, dass mit 46,8% die meisten Chamäleons in den teilnehmenden Zoos an infektiösen Erkrankungen starben. Zu den infektiösen Erkrankungen wurden dabei Septikämien, aber auch Entzündungen von Maulhöhle, Lunge, Leber und Nieren sowie Darm gezählt. Fast 20% der infektiösen Erkrankungen fielen auf den Bereich der Maulhöhle. Bei den Bakterien kamen Enterococcus und Pseudomonas am häufigsten vor. Bei den Pilzen waren Nannizziopsis einschließlich CANV, Fusarium und Metarhizium vertreten. Gut ein Drittel der Sektionsberichte gab zusätzlich Parasitosen an, wobei diese sowohl als Todesursache als auch als Zufallsbefund vorkamen. Kokzidien und Trematoden sowie diverse Nematoden waren hier oft vorhanden. Als zweithäufigste Todesursache in den teilnehmenden Zoos wurden mit 11,4% nichtinfektiöse Nierenerkrankungen angegeben. Nur knapp dahinter rangierten mit 10,7% der Fälle Erkrankungen des Reproduktionstraktes, darunter Legenot und Eidottercoelomitis.

Entgegen der ersten Annahme der Autoren zeigte sich kein Zusammenhang zwischen den abgefragten Haltungsparametern im Terrarium und dem Vorkommen von Nierenerkrankungen. Grundlegend gab es eine Tendenz zu vermehrten Nierenerkrankungen in Ländern, in denen die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit generell niedriger lag.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Foto: Pantherchamäleon auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro[:en]

Scientists at the University of Veterinary Medicine Montréal (France) recently analysed the causes of death in chameleons kept in zoos between 2011 and 2022. The Zoological Information Management System (ZIMS) was used to search for zoos that currently keep chameleons or have kept them since 2011. Questionnaires were sent to a total of 245 zoos. The questionnaires asked about the number, species and sex of chameleons kept, as well as selected husbandry conditions (coolest and warmest temperatures, humidity, feeding) and dissection results.

Around 1000 chameleons of 36 different species are currently kept in zoos worldwide. 65 of the zoos surveyed took part in the study, 48 of which regularly carried out dissections on chameleons. However, only 29 of the participating zoos were able to provide dissection results. A total of 412 pathological findings from 14 different chameleon species were analysed. Among the species kept were Brookesia stumpffi, Brookesia superciliaris, chameleons of the genus Brookesia without species identification, Calumma parsonii, Chamaeleo calyptratus, Chamaeleo chamaeleon, Furcifer lateralis, Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis, Rieppeleon brevicaudatus, Trioceros melleri, Trioceros montium and Trioceros quadricornis. Panther chameleons were kept most frequently (226 specimens).

The statistical analysis showed that most of the chameleons in the participating zoos died of infectious diseases (46.8%). Infectious diseases included septicaemia, but also inflammation of the oral cavity, lungs, liver, kidneys and intestines. Almost 20% of the infectious diseases were in the area of the oral cavity. The most common bacteria were Enterococcus and Pseudomonas. Among the fungi, Nannizziopsis including CANV, Fusarium and Metarhizium were represented. A good third of the necropsy reports also indicated parasitoses, with these occurring both as a cause of death and as an incidental finding. Coccidia and trematodes as well as various nematodes were often present. The second most common cause of death in the participating zoos was non-infectious kidney diseases (11.4%). This was closely followed by diseases of the reproductive tract, including egg loss and egg yolk coelomitis, which accounted for 10.7% of cases.

Contrary to the authors‘ initial assumption, there was no correlation between the surveyed husbandry parameters in the cages and the incidence of kidney disease. Basically, there was a tendency towards an increased incidence of kidney disease in countries where the average humidity was generally lower.

Evaluation of mortality causes and prevalence of renal lesions in zoo-housed chameleons: 2011-2022
Amélie Aduriz, Isabelle Lanthier, Stéphane Lair, Claire Vergnau-Grosset
Journal of Zoo and Wildlife Medicine 55(2), 2024
DOI: 10.1638/2023-0023

Photo: Panther chameleon in Madagascar, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Histologie der Chamäleonleber[:en]Histology of the chameleon liver[:]

[:de]Histologie der Chamäleonleber[:en]Histology of the chameleon liver[:]

Tiermedizin Wissenschaft

[:de]

Histologische Untersuchungen von Organgewebe gehören zu jeder pathologischen Untersuchung in der Tiermedizin. Bei Reptilien werden sie ebenfalls häufig angefertigt, Studien zur Histologie von gesundem Organgewebe gibt es aber wenige. Eine arabische Publikation beschäftigt sich jetzt mit histologischen Schnitten von Chamäleonlebern.

Sieben adulte Jemenchmäleons wurden in Abha City in der Region Aseer gefangen und anschließend mit Äther-Inhalation getötet. Die Lebern wurden in Formalin eingelegt, um sie dann in Paraffin zu gießen und Schnitte anzufertigen.

Morphologisch zeigte sich in der Sektion – wie bereits bekannt – die Leber als zweilappiges, dunkelbraunes Organ von ungefähr 3,7 x 2 cm Größe, das in der Coelomhöhle vor dem Magen liegt und die Gallenblase umschließt. Wie bei anderen Tieren umschließt eine Kapsel aus Bindegewebe die Leber.

Histologisch ähnelt die Leber bei Jemenchamäleons dem anderer Wirbeltiere in vielen Aspekten. Die Leberkapsel besteht aus dicht beieinander liegenden, kollagenen Fasern und glatten Muskelfasern. Normalerweise teilt trabekuläres Bindegewebe die Leber selbst in viele kleine Läppchen, eine solche Struktur scheint bei Jemenchamäleons aber nicht vorhanden zu sein. Die Leberzellen (Hepatozyten) sind auch im Gegensatz zu Säugetieren nicht radiär um jeweils eine Vene angeordnet, sondern eher unregelmäßig in Follikeln oder Alveolen. Die Hepatozyten sind von kapillaren Blutgefäßen umgeben. In den Blutgefäßen sind sogenannte Melanomakrophagen zu sehen, die es bei Vögeln und Säugetieren nicht gibt. Die Hepatozyten beim Jemenchamäleon sind polyedrisch oder pyramidenförmig und enthalten meistens mehrere große, runde Zellkerne in der Peripherie. Die Zellkerne enthalten auffällig dunkle Nucleoli. Hin und wieder sind Zellkerne zentral. Unter Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE) wirken die Hepatozyten sehr eosinophil. Im Bindegewebe konnten Zweige der Pfortader, Leberarterie, kleine Gallengänge und Lymphgefäße dargestellt werden. Im Bereich direkt unter der Leberkapsel konnte hämatopoetisches Gewebe gefunden werden.

Neben der histologischen Untersuchung wurden mehrere Leberstücke außerdem mittels Transmissionselektronenmikroskopie untersucht. Aufnahmen beider Untersuchungsmethoden finden sich in der Veröffentlichung.

Histomorphological, histochemical and ultrastructural studies on the healthy liver of Yemen Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Southern Saudi Arabia
Amin A. Al-Doaiss, Mohammed A. Alshehri, Ali A. Shati, Mohammad Y. Alfaifi, Mohammed A. Al-Kahtani, Ahmed Ezzat Ahmed, Refaat A. Eid, Laila A. Al-Shuraym, Fahd A. Al-Mekhlafi, Mohammed Al Zahrani, Mohammed Mubarak
International Journal of Morphology 41(5), 2023: pp. 1513-1526.
DOI: nicht vorhanden

Bild: Histologisches Schnittbild der Leber eines Jemenchamäleons aus der oben genannten Veröffentlichung[:en]

Histological examinations of organ tissue are part of every pathological examination in veterinary medicine. They are also frequently carried out in reptiles, but there are few studies on the histology of healthy organ tissue. An Arabic publication now deals with histological sections of chameleon livers.

Seven adult Yemen chameleons were captured in Abha City in the Aseer region and then killed with ether inhalation. The livers were placed in formalin and then poured into paraffin to make sections.

Morphologically, the liver was found to be a two-lobed, dark brown organ approximately 3.7 x 2 cm in size, which lies in the coelomic cavity in front of the stomach and surrounds the gall bladder. As in other animals, a capsule of connective tissue surrounds the liver.

Histologically, the liver of Yemen chameleons resembles that of other vertebrates in many respects. The liver capsule consists of closely spaced collagenous fibres and smooth muscle fibres. Normally, trabecular connective tissue divides the liver itself into many small lobules, but such a structure does not appear to be present in Yemen chameleons. In contrast to mammals, the liver cells (hepatocytes) are not arranged radially around a vein, but rather irregularly in follicles or alveoli. The hepatocytes are surrounded by capillary blood vessels. So-called melanoma macrophages, which are not found in birds and mammals, can be seen in the blood vessels. The hepatocytes in the Yemen chameleon are polyhedral or pyramid-shaped and usually contain several large, round cell nuclei in the periphery. The nuclei contain conspicuously dark nucleoli. Occasionally nuclei are central. Under haematoxylin-eosin (HE) staining, the hepatocytes appear very eosinophilic. In the connective tissue, branches of the portal vein, hepatic artery, small bile ducts and lymphatic vessels could be visualised. Haematopoietic tissue was found in the area directly under the liver capsule.

In addition to the histological examination, several pieces of liver were also examined using transmission electron microscopy. Images of both examination methods can be found in the publication.

Histomorphological, histochemical and ultrastructural studies on the healthy liver of Yemen Veiled Chameleon (Chamaeleo calyptratus) in Southern Saudi Arabia
Amin A. Al-Doaiss, Mohammed A. Alshehri, Ali A. Shati, Mohammad Y. Alfaifi, Mohammed A. Al-Kahtani, Ahmed Ezzat Ahmed, Refaat A. Eid, Laila A. Al-Shuraym, Fahd A. Al-Mekhlafi, Mohammed Al Zahrani, Mohammed Mubarak
International Journal of Morphology 41(5), 2023: pp. 1513-1526.
DOI: none

Image: Histological section of the liver of a Yemen chameleon from the above-mentioned publication[:]