[:de]Zeckenart erstmals an Chamäleon nachgewiesen[:en]Tick species detected on chameleon for the first time[:]

[:de]Zeckenart erstmals an Chamäleon nachgewiesen[:en]Tick species detected on chameleon for the first time[:]

Beobachtungen Tiermedizin

[:de]

Zecken sind bei Chamäleons ein eher seltener Parasit. Ein aktueller Fallbericht von Zeckenbefall bei einem Chamäleon kommt aus dem Süden der Türkei.

Ein Chamaeleo chamaeleon mit einer vollgesogenen Zecke über dem rechten Auge fiel direkt neben einem Weg auf dem Campus einer Abteilung der Behörde für Agrarforschung und -politik in Demre einem Tierarzt auf. Er entfernte die Zecke und ließ sie weiter untersuchen. Unter dem Mikroskop stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine Nymphe der Art Hyalomma aegypticum handelte. Hyalomma aegypticum ist bisher bei Reptilien vor allem von Schildkröten der Gattung Testudo bekannt, zum Spektrum möglicher Wirte zählen aber auch zahlreiche Säugetiere. Chamäleons waren bisher als Wirte nicht bekannt, es handelt sich also um den ersten Fall weltweit.

Seit etwa zehn Jahren gibt es Zecken der Gattung Hyalomma übrigens auch in Deutschland. Sie können im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten „aktiv jagen“, das heißt ihren Wirt verfolgen, und sind dank medialer Übertreibung dadurch gewissermaßen „berühmt-berüchtigt“ geworden. Außerdem übertragen einige Arten das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber (CCHF), andere das Fleckfieber auf den Menschen. Bezugnehmend auf die aktuelle Veröffentlichung wäre interessant, ob andere Hyalomma-Arten, die hierzulande heimisch sind, möglicherweise potenzielle Wirte für Chamäleons in Außengehegen darstellen.

A novel host record: Hyalomma aegypticum (Linnaeus, 1758) infestation on the Mediterranean Chameleon, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758) in Türkiye
Gokhan Eren
Eurasian Journal of Veterinary Sciences 2025: 41:e0454
DOI: 10.63673/eurasianjvetsci.454

Foto: Die gefundene Zecke samt Wirtschamäleon aus der genannten Publikation[:en]

Ticks are a relatively rare parasite in chameleons. A recent case report of tick infestation in a chameleon comes from southern Turkey.

A Chamaeleo chamaeleon with an engorged tick above its right eye was noticed by a veterinarian right next to a path on the campus of a department of the Agricultural Research and Policy Authority in Demre. He removed the tick and had it examined further. Under the microscope, it turned out to be a nymph of the species Hyalomma aegypticum. Hyalomma aegypticum is known to date in reptiles, especially tortoises of the genus Testudo, but the spectrum of possible hosts also includes numerous mammals. Chameleons were not previously known as hosts, so this is the first case worldwide.

Incidentally, ticks of the genus Hyalomma have also been present in Germany for about ten years. Unlike many other tick species, they can ‘actively hunt’, i.e. pursue their host, and have become ‘notorious’ thanks to media exaggeration. In addition, some species transmit Crimean-Congo haemorrhagic fever (CCHF) to humans, while others transmit spotted fever. With reference to the current publication, it would be interesting to know whether other Hyalomma species native to this country are potentially hosts for chameleons in outdoor enclosures.

A novel host record: Hyalomma aegypticum (Linnaeus, 1758) infestation on the Mediterranean Chameleon, Chamaeleo chamaeleon (Linnaeus, 1758) in Türkiye
Gokhan Eren
Eurasian Journal of Veterinary Sciences 2025: 41:e0454
DOI: 10.63673/eurasianjvetsci.454

Photo: The tick found, together with the host chameleon, from the publication mentioned above.[:]

[:de]…und sie passen sich doch ihrem Hintergrund an![:en]…and they do adapt to their surroundings![:]

[:de]…und sie passen sich doch ihrem Hintergrund an![:en]…and they do adapt to their surroundings![:]

Wissenschaft

[:de]

Die Überschrift passt nicht ganz, aber fast. Wissenschaftler aus Großbritannien haben kürzlich nachweisen können, dass Lappenchamäleons ihre Färbung zu einem gewissen Grad tatsächlich dem Hintergrund anpassen.

Dazu wurden acht subadulte Chamaeleo dilepis, die zuvor aus Tansania importiert worden waren, mehreren Experimenten unterzogen. Die Chamäleons wurden dabei in einem kleinen Terrarium auf horizontalen Stangen sitzend unterschiedlichen Hintergründen ausgesetzt: Im ersten Experiment waren die Hintergründe gelb, gelbgrün, orange und blaugrün, im zweiten Experiment waren die Hintergründe schwarz und weiß. Und im dritten Experiment waren die Hintergründe mit einem gelben, gelbgrünen, schwarzen oder weißen Muster in unterschiedlicher Skalierung versehen (das Muster stammte ursprünglich aus Fotos von Brombeerbüschen aus dem Lebensraum der Chamäleons). Als „neutraler Raum“ vor den Experimenten wurde ein Terrarium mit grauem Hintergrund genutzt. Die Tiere wurden bei den Experimenten jeweils 21 Minuten lang immer wieder fotografiert.

Auf dem gelben Hintergrund zeigten die Chamäleons ohne Beutegreifer-Attrappe am schnellsten einen Farbwechsel. Zwischen gelb und orange zeigte sich in der Geschwindigkeit des Farbwechsels kein Unterschied, genauso wenig zwischen gelbgrün und blaugrünem Hintergrund. Je länger die Chamäleons vor dem orangefarbenen Hintergrund saßen, desto mehr passten sie sich diesem an.

Saßen die Chamäleons auf schwarzen Hintergründen, wurde ihre Färbung ebenfalls deutlich dunkler als auf grauen oder weißen Hintergründen. Bei den Experimenten mit unterschiedlich gemusterten Hintergründen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Chamäleons ihr eigenes Farbmuster auf grünen oder gelben Hintergründen reduzierten, auf weißen oder schwarzen Mustern jedoch kaum – das spricht dafür, dass die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum vor allem in grünem/gelben Gras besser geschützt sind als auf schwarzem oder weißem Untergrund.

Die exakte Farbe des Hintergrunds annehmen wie ein Oktopus konnten die Lappenchamäleons freilich nicht – dieser Mythos bleibt nach wie vor genau das – nur ein Mythos. Jedoch wäre es sicherlich interessant, ob und wann Chamäleons ihre Färbung eher aus Gründen der Kommunikation, der Tarnung oder der Thermoregulation ändern. Es bleibt also viel Raum für weitere Forschung.

Flap-necked chameleons change colour to match their background
Tom major, Alexia C.M. Hesten, Jan Stipala, Michael A. Cant, Martin Stevens, Jolyon Triscianko
Biology Letters 21, 2025: 20250134
DOI: 10.1098/rsbl.2025.0134[:en]

The headline isn’t quite right, but it’s close. Scientists from the United Kingdom have recently proven that flap-necked chameleons do indeed adapt their colouring to their surroundings to a certain extent.

To this end, eight subadult Chamaeleo dilepis, which had previously been imported from Tanzania, were subjected to several experiments. The chameleons were placed in a small terrarium sitting on horizontal bars and exposed to different backgrounds: in the first experiment, the backgrounds were yellow, yellow-green, orange and blue-green; in the second experiment, the backgrounds were black and white. And in the third experiment, the backgrounds were decorated with yellow, yellow-green, black or white patterns in different scales (the pattern was originally taken from photos of blackberry bushes from the chameleons‘ habitat). A terrarium with a grey background was used as a ‘neutral space’ before the experiments. The animals were photographed repeatedly for 21 minutes during each experiment.

On the yellow background, the chameleons without the predator decoy changed colour most quickly. There was no difference in the speed of colour change between yellow and orange, nor between yellow-green and blue-green backgrounds. The longer the chameleons sat in front of the orange background, the more they adapted to it.

When the chameleons sat on black backgrounds, their colouring also became significantly darker than on grey or white backgrounds. In experiments with differently patterned backgrounds, the scientists found that the chameleons reduced their own colour pattern on green or yellow backgrounds, but hardly at all on white or black patterns – this suggests that the animals are better protected in their natural habitat, especially in green/yellow grass, than on black or white backgrounds.

Of course, the flap-necked chameleons were not able to take on the exact colour of the background like an octopus – this myth remains just that – a myth. However, it would certainly be interesting to know if and when chameleons change their colouring for reasons of communication, camouflage or thermoregulation. So there is still plenty of room for further research.

Flap-necked chameleons change colour to match their background
Tom major, Alexia C.M. Hesten, Jan Stipala, Michael A. Cant, Martin Stevens, Jolyon Triscianko
Biology Letters 21, 2025: 20250134
DOI: 10.1098/rsbl.2025.0134[:]

[:de]Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika[:en]Comparisons between dwarf chameleons in South Africa[:]

[:de]Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika[:en]Comparisons between dwarf chameleons in South Africa[:]

Wissenschaft

[:de]

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich kürzlich damit beschäftigt, ob drei sehr nah verwandte Bradypodion Linien in der Provinz Ostkap, Südafrika, auf Grund ihrer unterschiedlichen Lebensräume unterschiedlich entwickelt haben oder andere Ursachen dafür verantwortlich sind.

Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit den beiden Arten Bradypodion ventrale aus der Nama-Karoo und Bradypodion taeniabronchium aus den Elandsberg und Tsitsikamma Mountains und dem Fynbos von Thyspunt und Honeyville sowie einer bisher nicht als eigenen Art beschriebenen Population von Zwergchamäleons aus dem Fynbos der Groot Winterhoek Mountains. Letztere werden, da sie unter anderem im Groendal Nature Reserve vorkommen, häufig als Bradypodion sp. „groendal“ bezeichnet.

Nachts wurden mittels Taschenlampe und bloßen Augen Chamäleons gesucht. Adulte Chamäleons mit einer Körperlänge (SVL) von über 36 mm wurden über Nacht mitgenommen, um am nächsten Tag wieder an der Fundstelle ausgesetzt zu werden. Alle Tiere wurden genau vermessen. Gewebeproben von der Schwanzspitze wurden entnommen. Zusätzlich wurde die Astdicke und -höhe der Äste gemessen, auf denen die Chamäleons gefunden wurden. Weitere Astdicken wurden entlang je drei 100 m langer Transekte in jeder Population aufgezeichnet. Die erhobenen Daten wurden statistisch ausgewertet, die Gewebeproben genetisch untersucht.

Insgesamt konnten 232 Chamäleon für die Studie beprobt werden. Bradypodion taeniabronchium zeigte deutlich kleinere Kopfmerkmale als die beiden anderen Arten, dafür aber größere Hände und Füße. Bradypodion ventrale war insgesamt größer als die anderen, hatte aber längere Extremitäten. Bradypodion taeniabronchium nutzte die breitesten Äste (durchschnittlich 2,83 mm im Durchmesser), aber auch die niedrigsten (durchschnittlich 82 cm über dem Boden). Bradypodion ventrale dagegen nutze die dünnsten Äste (durchschnittlich 1,52 mm im Durchmesser), dafür aber die höchsten (durchschnittlich knapp 93 cm über dem Boden).

Die Forscher stellten fest, dass es bei allen drei Populationen von Zwergchamäleons eine erhöhte äußere Ähnlichkeit (Konvergenz) gab, wenn sie in gleichen Lebensräumen vorkamen und sich Chamäleons weniger ähnlich sahen (Divergenz), wenn sie in unterschiedlichen Lebensräumen vorkamen. Die Zwergchamäleons nutzten dabei nach Populationen getrennt bestimmte Astdicken bevorzugt, obwohl in ihrem Lebensraum auch andere Äste vorhanden gewesen wären. Die Autoren weisen zuletzt auch darauf hin, dass alle bisher vorhandenen Indizien dafür sprechen, dass die noch nicht beschriebenen Zwergchamäleons des Groendal Nature Reserves eine eigene Art darstellen.

Ecological factors promote convergent evolution and ecological speciation in dwarf chameleons (Bradypodion)
Krystal A. Tolley, Devon C. Main, Keith M. Dube, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica M. da Silva
Zoosystematics and Evolution 101(3) 2025: 1227-1247
DOI: 10.3897/zse.101.151926

Foto: Bradypodion ventrale, aus der genannten Publikation[:en]

South African scientists have recently been investigating whether three closely related Bradypodion lineages in the Eastern Cape Province of South Africa have evolved differently due to their different habitats or whether other causes are responsible.

The scientists are studying the two species Bradypodion ventrale from the Nama Karoo and Bradypodion taeniabronchium from the Elandsberg and Tsitsikamma Mountains and the fynbos of Thyspunt and Honeyville, as well as a population of dwarf chameleons from the fynbos of the Groot Winterhoek Mountains that has not yet been described as a separate species. The latter are often referred to as Bradypodion sp. ‘groendal’ because they occur in the Groendal Nature Reserve, among other places.

At night, chameleons were searched for using flashlights and the naked eye. Adult chameleons with a body length (SVL) of more than 36 mm were taken away overnight to be released back at the site where they were found the next day. All animals were measured accurately. Tissue samples were taken from the tip of the tail. In addition, the thickness and height of the branches on which the chameleons were found were measured. Further branch thicknesses were recorded along three 100 m long transects in each population. The data collected was statistically evaluated and the tissue samples were genetically examined.

A total of 232 chameleons were sampled for the study. Bradypodion taeniabronchium had significantly smaller head features than the other two species, but larger hands and feet. Bradypodion ventrale was larger overall than the others, but had longer limbs. Bradypodion taeniabronchium used the widest branches (average diameter 2.83 mm), but also the lowest (average height 82 cm above the ground). Bradypodion ventrale, on the other hand, used the thinnest branches (average diameter 1.52 mm), but the highest (average just under 93 cm above the ground).

The researchers found that all three populations of dwarf chameleons showed increased external similarity (convergence) when they occurred in the same habitats and less similarity (divergence) when they occurred in different habitats. The dwarf chameleons preferred certain branch thicknesses depending on their population, even though other branches were also available in their habitat. Finally, the authors point out that all the evidence available so far suggests that the as yet undescribed dwarf chameleons of the Groendal Nature Reserve represent a separate species.

Ecological factors promote convergent evolution and ecological speciation in dwarf chameleons (Bradypodion)
Krystal A. Tolley, Devon C. Main, Keith M. Dube, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica M. da Silva
Zoosystematics and Evolution 101(3) 2025: 1227-1247
DOI: 10.3897/zse.101.151926

Photo: Bradypodion ventrale, from the publication cited[:]

[:de]Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons[:en]UV fluorescence in dwarf chameleons[:]

[:de]Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons[:en]UV fluorescence in dwarf chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Chamäleons verfügen vor allem am Kopf über fensterartige, durchscheinende Schuppen über bestimmten Knochenfortsätzen. Bescheint man den Knochen an diesen Stellen mit UV-Licht, leuchten die Bereiche auf. Man geht bisher davon aus, dass diese UV-Fluoreszenz bzw. die fluoreszierenden Tuberkel zur innerartlichen Kommunikation verwendet werden. Südafrikanische Wissenschaftler haben dies nun an Zwergchamäleons weiter untersucht.

Fünf Bradypodion-Arten in verschiedenen Lebensräumen (Fynbos, Wald, Buschland) wurden dafür untersucht.

Wenn die fluoreszierenden Tuberkel der Kommunikation zwischen Männchen und Weibchen bei der Fortpflanzung dienen, müsste man annehmen, dass sich ihre Anzahl zwischen Männchen und Weibchen stark unterscheidet. Chamäleons, die in einem dichten Wald leben, müssten außerdem mehr davon aufweisen als Tiere in offenem und damit für Fressfeinde einfach einzusehendem Gelände.

Das Ergebnis der Studie ist ganz erstaunlich: Das jeweils größere Geschlecht der verschiedenen Zwergchamäleon-Arten wies die höhere Anzahl an fluoreszierenden Tuberkeln auf. Bradypodion gleicher Größe hatten dagegen immer in etwa die gleiche Zahl an fluoreszierenden Tuberkeln am Kopf. Die verschiedenen Lebensräume schienen keinen Einfluss auf die Zahl der fluoreszierenden Tuberkel zu haben. Auch zwischen sehr von Menschen beeinflussten Lebensräumen wie Gärten und naturnahen, unberührten Landschaften bestand kein Unterschied.

Die Autoren schließen daraus, dass die fluoreszierenden Knochentuberkel bei südafrikanischen Zwergchamäleons wohl eher nicht zur Kommunikation genutzt werden. Es bleibt nun spannend, ob dies auch bei anderen Chamäleonarten der Fall ist.

Body size, not habitat or sex, best explains the extent of ultraviolet fluorescence in African dwarf chameleons (Bradypodion)
Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander, Krystal A. Tolley
Journal of Zoology
DOI: 10.1111/jzo.70032

Foto: stammt aus der oben genannten Publikation[:en]

Chameleons have window-like, translucent scales over certain bony processes, especially on the head. If the bone is illuminated with UV light at these points, the areas light up. It has previously been assumed that this UV fluorescence or the fluorescent tubercles are used for intra-species communication. South African scientists have now investigated this further in dwarf chameleons.

Five Bradypodion species in different habitats (fynbos, forest, bushland) were studied.

If the fluorescent tubercles are used for communication between males and females during reproduction, one would have to assume that their number differs greatly between males and females. Chameleons that live in a dense forest should also have more of them than animals in open terrain that is easy for predators to see.

The result of the study is quite astonishing: the larger sex of each of the different dwarf chameleon species had the higher number of fluorescent tubercles. Bradypodion of the same size, on the other hand, always had approximately the same number of fluorescent tubercles on their heads. The different habitats did not appear to have any influence on the number of fluorescent tubercles. There was also no difference between habitats heavily influenced by humans, such as gardens, and near-natural, unspoilt landscapes.

The authors conclude that the fluorescent bone tubercles in South African dwarf chameleons are probably not used for communication. It remains to be seen whether this is also the case in other chameleon species.

Body size, not habitat or sex, best explains the extent of ultraviolet fluorescence in African dwarf chameleons (Bradypodion)
Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander, Krystal A. Tolley
Journal of Zoology
DOI: 10.1111/jzo.70032[:]

[:de]Lappenchamäleons in Cabinda (Angola)[:en]Flap-necked chameleons in Cabinda (Angola)[:]

[:de]Lappenchamäleons in Cabinda (Angola)[:en]Flap-necked chameleons in Cabinda (Angola)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Die Provinz Cabinda, ein zu Angola gehörendes, 7064 km² großes Gebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, gehört zu den herpetologisch am wenigsten erforschten Gebieten Afrikas. Die Enklave liegt rund 50 km nördlich des übrigen Staatsgebietes Angola direkt an der Küste des Atlantiks. Sowohl ihr Enklavenstatus als auch die schwere Zugänglichkeit der vorhandenen Waldgebiete haben bisher dazu beigetragen, dass nur wenig Informationen über die hiesige Herpetofauna existieren. Der Nationalpark Mayombe macht rund ein Drittel des Gebiets von Cabinda aus. Mayombe teilt sich in einen höher gelegen Parkanteil mit Regenwald zwischen 500 und 900 m sowie einen niedrigen gelegenen Teil zwischen den Flüssen Inhuca und Chiloango. Daran an schließt sich eine Küstenebene mit Tälern und trockenere Vegetation direkt an der Küste.

Während zehn Expeditionen zwischen 2018 und 2024 wurden tageweise mittels Reptilien und Amphibien gesucht. Insgesamt wurden dabei 17 verschiedene Orte abgedeckt, wovon 10 innerhalb des Mayombe Nationalpark lagen. Fotos von allen Tieren wurden gemacht und Proben entnommen, um genetische Identifikationen zu ermöglichen.

Chamaeleo dilepis, das in Angola weit verbreitet ist, wurde in Mbongo Zimune im Mayombe Nationalpark in Flussnähe in einer Plantage von eingeschlepptem Bambus entdeckt. Die Bambusplantagen liegen auf rund 324 m ü.N.N. Außerdem wurde die Art in Nganzi auf 107 m in den Tälern gefunden, wo man die Art laut anderer Literatur häufiger antrifft. In den trockeneren Küstengebieten, wo Chamaeleo dilepis ebenfalls oft vorkommen soll, konnte in der vorliegenden Studie kein Chamäleon nachgewiesen werden.

Insgesamt konnten 76 verschiedene Arten nachgewiesen werden, davon 48 Amphibien- und 28 Reptilienarten. 33 in früherer Literatur erwähnte Amphibien- und Reptilienarten konnten nicht wiedergefunden werden.

Filling the gaps: herpetological checklist of Mayombe National Park and Cabinda Province (Angola) shed light on one of the most unexplored corners of tropical Central Africa
Javier Lobón-Rovira, Ninda L. Baptista, Tyron Clark, Luke Verburgt, Gregory F.M. Jongsma, Werner Conradie, Luis Verissimo, Pedro Vaz Pinto
African Journal of Herpetology 74(1): 1-59
DOI: 10.1080/21564574.2024.2421007[:en]

The province of Cabinda, a 7064 km² area belonging to Angola between the Democratic Republic of the Congo and the Republic of the Congo, is one of the least explored herpetological areas in Africa. The enclave is located around 50 kilometres north of the rest of Angola, directly on the Atlantic coast. Both its enclave status and the difficult accessibility of the existing forest areas have contributed to the fact that little information exists on the local herpetofauna. The Mayombe National Park makes up around a third of Cabinda’s territory. Mayombe is divided into a higher part of the park with rainforest between 500 and 900 metres and a lower part between the Inhuca and Chiloango rivers. This is followed by a coastal plain with valleys and drier vegetation directly on the coast.

During ten expeditions between 2018 and 2024, reptiles and amphibians were searched for on a daily basis. A total of 17 different locations were covered, 10 of which were within Mayombe National Park. Photos were taken of all animals and samples were taken to enable genetic identification.

Chamaeleo dilepis, which is widespread in Angola, was discovered in Mbongo Zimune in Mayombe National Park near the river in a plantation of introduced bamboo. The bamboo plantations are located at around 324 metres above sea level. The species was also found in Nganzi at 107 m in the valleys, where it is more common according to other literature. In the drier coastal areas, where Chamaeleo dilepis is also said to occur frequently, no chameleon could be detected in the present study.

A total of 76 different species were recorded, including 48 amphibian and 28 reptile species. 33 amphibian and reptile species mentioned in earlier literature could not be found again.

Filling the gaps: herpetological checklist of Mayombe National Park and Cabinda Province (Angola) shed light on one of the most unexplored corners of tropical Central Africa
Javier Lobón-Rovira, Ninda L. Baptista, Tyron Clark, Luke Verburgt, Gregory F.M. Jongsma, Werner Conradie, Luis Verissimo, Pedro Vaz Pinto
African Journal of Herpetology 74(1): 1-59
DOI: 10.1080/21564574.2024.2421007[:]

[:de]Chamäleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagaskar)[:en]Chameleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagascar)[:]

[:de]Chamäleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagaskar)[:en]Chameleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Der Norden Madagaskars ist eine Schatztruhe der Artenvielfalt – das ist lange bekannt. Trotzdem sind auch noch im 21. Jahrhundert etliche Gebiete der Insel wenig erforscht. Eine Gruppe madagassischer und US-amerikanischer Biologen hat nun eine neue Übersichtsstudie vorgestellt, die sich mit einem solchen Gebiet befasst.

Das Schutzgebiet Andrafiamena-Andavakoera (Paysage Harmonieux Protége d’Andrafiamena-Andavakoera) liegt im Norden Madagaskars genau zwischen dem Nationalpark Ankarana und dem Schutzgebiet Analamerana. Es wird von der NGO Fanamby betreut und besteht unter anderem aus drei voneinander isolierten Trockenwäldern namens Binara, Antsahabe und Andrafiamena.

Während des Übergangs der der Trocken- zur Regenzeit wurden Beobachtungen tagsüber und nachts mit dem bloßen Auge entlang ausgewiesener Transekte unternommen und entlang dreier Transektlinien Eimerfallen in den Boden gegraben. Zusätzlich wurde unter möglichen Zufluchtsorten von Reptilien, beispielsweise unter Totholz, geschaut und Rufe von Fröschen aufgenommen.

Insgesamt konnten dadurch 13 Amphibien- und 39 Reptilienarten in den drei Wäldern nachgewiesen werden. Drei Arten von Chamäleons kamen häufig in allen drei Trockenwäldern vor: Brookesia stumpffi in der Laubschicht, Furcifer pardalis und Furcifer petteri auf Bäumen und Sträuchern. Erstaunlicherweise war ausgerechnet die häufigste Chamäleonart Madagaskars, Furcifer oustaleti, während des Studienzeitraums nur in Andrafiamena anzutreffen, in Binara und Antsahabe aber nicht. Brookesia stumpffi wurde stets auf dem Boden oder schlafend auf jungen Pflanzen unter 1 m Höhe gefunden. Furcifer petteri und Furcifer pardalis befanden sich eher im mittleren oder oberen Bereich der Bäume. Als mögliche Bedrohung des Schutzgebietes nennen die Autoren vor allem den Menschen und die damit verbundene Zerstörung von Lebensraum.

Herpetofaunal diversity in northern Madagascar: The Andrafiamena-Andavakoera protected area.
Fandresena Rakotoarimalala, Arianna Kuhn, Achille P. Raselimanana, Sara Ruane
Malagasy Nature 19, 2025: 160-174
DOI: nicht vorhanden

Foto: Männliches Furcifer petteri auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro[:en]

The north of Madagascar is a treasure trove of biodiversity – this has long been known. Nevertheless, even in the 21st century, many areas of the island are still little explored. A group of Malagasy and US biologists has now presented a new overview study that focuses on one such area.

The Andrafiamena-Andavakoera Protected Area (Paysage Harmonieux Protége d’Andrafiamena-Andavakoera) is located in the north of Madagascar, right between the Ankarana National Park and the Analamerana Protected Area. It is managed by the NGO Fanamby and consists of three isolated dry forests called Binara, Antsahabe and Andrafiamena.

During the transition from the dry to the wet season, observations were made by day and night with the naked eye along designated transects and pitfall traps were dug into the ground along three transect lines. In addition, possible reptile refuges, for example under dead wood, were examined and frog calls were recorded.

A total of 13 amphibian and 39 reptile species were recorded in the three forests. Three species of chameleons were frequently found in all three dry forests: Brookesia stumpffi in the deciduous layer, Furcifer pardalis and Furcifer petteri on trees and shrubs. Surprisingly, the most common chameleon species in Madagascar, Furcifer oustaleti, was only found in Andrafiamena during the study period, but not in Binara and Antsahabe. Brookesia stumpffi was always found on the ground or sleeping on young plants below 1 m height. Furcifer petteri and Furcifer pardalis tended to be found in the middle or upper part of the trees. The authors cite humans and the associated destruction of habitat as a possible threat to the protected area.

Herpetofaunal diversity in northern Madagascar: The Andrafiamena-Andavakoera protected area.
Fandresena Rakotoarimalala, Arianna Kuhn, Achille P. Raselimanana, Sara Ruane
Malagasy Nature 19, 2025: 160-174
DOI: not available

Photo: Male Furcifer petteri in Madagascar, photographed by Alex Negro[:]

[:de]Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)[:en]Chameleons in St. Luce (Madagascar)[:]

[:de]Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)[:en]Chameleons in St. Luce (Madagascar)[:]

Verbreitung Wissenschaft

[:de]

Das Schutzgebiet St. Luce liegt im Südosten Madagaskars, nur 34 km nördlich der Großstadt Tolagnaro (Fort Dauphin). Zum Schutzgebiet gehören Strände und Felsklippen an der Küste des Indischen Ozeans, Tieflandregenwald, Sumpfgebiet, savannenartige Ebenen, Flüsse und Lagunen. Der verbliebene Regenwald ist in viele kleine Fragmente zersplittert. In der Gegend gibt es außerdem ein sehr großes Minenprojekt zum Abbau seltener Erden. 12 von 17 Waldfragmente von St. Luce sind dabei von den Minenarbeiten betroffen. Eine Gruppe von Wissenschaftler hat nun die Herpetofauna des Gebiets näher untersucht.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden Reptilien und Amphibien in St. Luce gesucht und gefangen. Die Suchen wurden mit dem bloßen Auge entlang bestehender Transekte durchgeführt. Zusätzlich wurden Bodenfallen entlang vier je 100 m langer Linien über zwei Wochen genutzt. Fünf künstliche Unterschlupfmöglichkeiten und fünf Wellbleche wurden an insgesamt 12 Orten ausgelegt, um darunter nach einer gewissen Zeit nach Tieren zu sehen.  Proben von Schwanzspitzen und Zehen wurden entnommen und Vermessungen durchgeführt, danach wurden die Tiere wieder an ihren ursprünglichen Fundorten freigelassen. Mittels genetischer Untersuchungen wurden die Arten bestimmt.

Von 17 Regenwaldfragmenten in St. Luce fanden die Wissenschaftler nur eines intakt und ein weiteres zwar intakt, aber stark in sich fragmentiert vor. Alle anderen Waldfragmente wurden mit deutlichen Anzeichen von Habitatzerstörung vorgefunden. Insgesamt konnten 22 Amphibien- und 54 Reptilienarten nachgewiesen werden. Vier Arten von Chamäleons waren unter den Reptilien: Palleon sp. aff. Nasus, Calumma tjiasmantoi, Furcifer major und Furcifer verrucosus. Alle vier Chamäleonarten kamen ausschließlich in den noch verbliebenen intakten oder intakten Bereichen der Wälder Angalavinaky, Ambandrika und Andranangy/Amboronteny/Agnalaro vor. In den Wäldern, die durch die Mine bereits zerstört werden, kamen gar keine Chamäleons vor. Unter den insgesamt 76 gefundenen Amphibien- und Reptilienarten waren 13 candidate species, die vermutlich unbeschriebene neue Arten darstellen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Artenvielfalt der Herpetofauna in St. Luce nach der vorliegenden Studie deutlich größer ist als früher angenommen. Sie schlagen vor, mehrere Waldfragmente in die “Mining Avoidance Zones“, also Gebiete, in denen nicht nach seltenen Erden gesucht werden soll, aufzunehmen und den Schutzstatus zu erhöhen.

A littoral treasure trove: a comprehensive assessment of the herpetofauna of Sainte Luce, southeastern Madagascar
Sam Hyde Roberts, Marco Sannolo, Hoby Tsimijaly Longosoa, Ryan Clark, Leo Jhaveri, Gonçalo M. Rosa, Walter Cocca, Franco Andreone, Angelica Crottini
Systematics and Biodiversity 23(1): 2513472
DOI: 10.1080/14772000.2025.2513472

Fotos: Aufnahmen gefundener Chamäleon in St. Luce aus der genannten Publikation[:en]

The St. Luce reserve is located in the south-east of Madagascar, just 34 km north of the city of Tolagnaro (Fort Dauphin). The protected area includes beaches and rocky cliffs on the coast of the Indian Ocean, lowland rainforest, marshland, savannah-like plains, rivers and lagoons. The remaining rainforest is broken up into many small fragments. There is also a very large rare earth mining project in the area. 12 of the 17 forest fragments of St. Luce are affected by the mining work. A group of scientists has now studied the herpetofauna of the area in more detail.

Over a period of two years, reptiles and amphibians were searched for and captured in St. Luce. The searches were carried out with the naked eye along existing transects. In addition, ground traps were used for two weeks along four 100 m long lines. Five artificial shelters and five corrugated sheets were laid out at a total of 12 locations to check for animals after a certain period of time. Samples of tail tips and toes were taken and measurements taken, after which the animals were released back to their original locations. The species were identified by genetic analysis.

Of 17 rainforest fragments in St. Luce, the scientists found only one intact and another intact but heavily fragmented. All other forest fragments were found with clear signs of habitat destruction. A total of 22 amphibian and 54 reptile species were found. Four species of chameleons were among the reptiles: Palleon sp. aff. Nasus, Calumma tjiasmantoi, Furcifer major and Furcifer verrucosus. All four chameleon species occurred exclusively in the remaining intact or intact areas of the Angalavinaky, Ambandrika and Andranangy/Amboronteny/Agnalaro forests. In the forests already destroyed by the mine, no chameleons were found at all. Of the 76 amphibian and reptile species found, 13 were candidate species, which are presumably undescribed new species.

The authors point out that, according to the present study, the diversity of the herpetofauna in St. Luce is significantly greater than previously assumed. They suggest that several forest fragments should be included in the “Mining Avoidance Zones”, i.e. areas where rare earths should not be searched for, and that the protection status should be increased.

A littoral treasure trove: a comprehensive assessment of the herpetofauna of Sainte Luce, southeastern Madagascar
Sam Hyde Roberts, Marco Sannolo, Hoby Tsimijaly Longosoa, Ryan Clark, Leo Jhaveri, Gonçalo M. Rosa, Walter Cocca, Franco Andreone, Angelica Crottini
Systematics and Biodiversity 23(1): 2513472
DOI: 10.1080/14772000.2025.2513472

Photos: Chameleons found in St. Luce from the aforementioned publication[:]

[:de]Frugivorie bei Furcifer oustaleti[:en]Frugivory in Furcifer oustaleti[:]

[:de]Frugivorie bei Furcifer oustaleti[:en]Frugivory in Furcifer oustaleti[:]

Beobachtungen Wissenschaft

[:de]

Frugivorie, das Fressen von Früchten, ist bisher erst von wenigen Chamäleonarten bekannt. Dabei handelt es sich vor allem um einzelne Beobachtungen und wenige Studien. Japanische Wissenschaftler haben kürzlich untersucht, inwiefern Früchte fressenden Reptilien, darunter ein Chamäleon, zur Verbreitung von Pflanzensamen beitragen könnten.

Die Studie wurde im Nationalpark Ankarafantsika im Westen Madagaskars durchgeführt. Dazu wurden drei Arten von Reptilien während zweier Regenzeiten beobachtet und ihr Kot untersucht: Das Madagaskar-Riesenchamäleon Furcifer oustaleti, der Madagaskarleguan Oplurus cuvieri und die Schildechse Zonosaurus laticaudatus. Die Reptilien wurden tagsüber bei Frucht fressendem Verhalten gefilmt oder fotografiert und danach eingefangen. Chamäleons wurden vor allem nachts gefangen. Von Pflanzen, an denen Reptilien gefressen hatten, wurden Früchte mit Samen zur Bestimmung entnommen. Alle gefangenen Reptilien wurden für 6 Tage in Netzbehältern gehalten, bis Kot abgesetzt wurde. Danach wurden die Tiere mit Mikrochips versehen und wieder an ihren Fundorten ausgesetzt. Anschließend versuchten die Wissenschaftler, aus dem Kot der Tiere gewonnene Pflanzensamen zu gewinnen und auszusäen.

Insgesamt konnten 89 Chamäleons, 254 Madagaskarleguane und 38 Schildechsen für die Studie gefangen werden. 24,7% der beprobten Furcifer oustaleti hatten Pflanzensamen im Kot, während es bei den Leguanen 20,1% und bei den Schildechsen 15,8% waren. Die Beobachtungen ergaben, dass die Chamäleons und die Schildechsen von mindestens acht verschiedenen Pflanzen Früchte fraßen, während es bei den Leguanen sogar 18 verschiedene Pflanzenarten waren. Das Aussäen der aus dem Kot gewonnenen Pflanzensamen hatte teils Germinationsraten von über 50%.

Furcifer oustaleti fraß in der Beobachtungszeit in Ankarafantsika ausschließlich rote, schwarze oder braune Früchte mit maximal einem Zentimeter Durchmesser. Grüne oder größere Früchte wurden stets an den Pflanzen belassen. Die Früchte wurden meist zunächst mit der Zunge angetippt, bevor sie tatsächlich gefressen wurden. Manchmal wurden die Früchte auch mit der Zunge geschossen. Es wurden Früchte von Grangeria porosa, Terminalia boivinii, Trilepisium madagascariense, Antidesma madagascariense, Bridelia perviellana, Phyllanthus casticum, Chassalia princei und Doratoxylon chouxii von Furcifer oustaleti aufgenommen. Früchte wurden von den beiden Geschlechtern von Chamäleons und unabhängig von der Körpergröße in jedem der Beobachtungsmonate gefressen.

Die Autoren schließen daraus, dass alle drei Reptilienarten zur Verbreitung von Pflanzen in ihrem Lebensraum beitragen könnten. Bisher hielt man in Ankarafantsika vor allem den braunen Maki (Eulemur fulvus) für einen Saatgutverbreiter. Jetzt sollten die Überlegungen wohl auch auf Reptilien und ihre Rolle für das Ökosystem Wald erweitert werden – auch wenn der Anteil an Samen im Kot deutlich niedriger ist als der bei Lemuren.

Frugivory by three species of lizards in Madagascar: Implication for their ecological roles as seed disperser
Ryobu Fukuyama, Wataru Noyori, Shuichiro Tagane, Shouta Iyoda, Hiroki Sato
Biotropica 57(4): e70052
DOI: 10.1111/btp.70052

Foto: Furcifer oustaleti beim Verzehr von Früchten, Bild aus der oben genannten Publikation[:en]

Frugivory, the eating of fruit, is only known from a few chameleon species. These are mainly isolated observations. Japanese scientists have recently investigated the extent to which fruit-eating chameleons could contribute to the spread of plant seeds.

The study was carried out in the Ankarafantsika National Park in western Madagascar. Three species of reptiles in Madagascar were observed during two rainy seasons and their droppings were examined: The Madagascar giant chameleon Furcifer oustaleti, the Madagascar iguana Oplurus cuvieri and the plated lizard Zonosaurus laticaudatus. The reptiles were observed during the day and filmed or photographed while feeding on fruit and then captured. Chameleons were mainly caught at night. Fruits with seeds were collected for identification from plants on which reptiles of the three species mentioned had been feeding. All captured reptiles were kept in net containers for 6 days until faeces were deposited. The animals were then microchipped and released back into their habitats. The scientists then attempted to sow plant seeds obtained from the animals‘ excrement.

A total of 89 chameleons, 254 Madagascar iguanas and 38 shield lizards were captured for the study. 24.7% of the Furcifer oustaleti sampled had plant seeds in their feces, compared to 20.1% of the iguanas and 15.8% of the tortoiseshell lizards. The observations showed that the chameleons and the plated lizards ate fruit from at least eight different plants, while the iguanas ate from as many as 18 different plant species. Some of the plant seeds obtained from the feces had germination rates of over 50%.

During the observation period in Ankarafantsika, Furcifer oustaleti only ate red, black or brown fruits with a maximum diameter of one centimeter. Green or larger fruits were always left on the plants. The fruits were usually first tapped with the tongue before they were actually eaten. Sometimes the fruits were also shot with the tongue. Fruits of Grangeria porosa, Terminalia boivinii, Trilepisium madagascariense, Antidesma madagascariense, Bridelia perviellana, Phyllanthus casticum, Chassalia princei and Doratoxylon chouxii were ingested by Furcifer oustaleti. Fruits were recorded from both sexes of chameleons and regardless of body size in each of the observation months.

The authors conclude that all three reptile species could contribute to the spread of plants in their habitat. Until now, the brown maki (Eulemur fulvus) in Ankarafantsika was primarily thought to be a seed disperser. Now the considerations should probably be extended to reptiles and their role in the forest ecosystem – even if the proportion of seeds in their droppings is significantly lower than that of lemurs.

Frugivory by three species of lizards in Madagascar: Implication for their ecological roles as seed disperser
Ryobu Fukuyama, Wataru Noyori, Shuichiro Tagane, Shouta Iyoda, Hiroki Sato
Biotropica 57(4): e70052
DOI: 10.1111/btp.70052

Photo: Furcifer oustaleti eating fruit, image from the above-mentioned publication[:]

[:de]Vortrag in Krefeld über Madagaskar[:en]Presentation in Krefeld about Madagascar[:]

[:de]Vortrag in Krefeld über Madagaskar[:en]Presentation in Krefeld about Madagascar[:]

Vorträge

[:de]

Der Leiter der DGHT Regionalgruppe Saar-Pfalz, Patrick Schönecker, zeigt am Freitag, 04. Juni 2025 in Krefeld einen tollen Vortrag über Madagaskar. Die Insel im Indischen Ozean ist das Mekka für herpetologisch interessierte Reisende. Über 90% der hier vorkommenden Reptilien und Amphibien ist endemisch – es gibt sie nirgendwo sonst auf der Welt. Patrick war schon mehrfach vor Ort. Im Vortrag berichtet er von den Regenwäldern im zentralen Hochland und hiesigen Schutzbemühungen. Aber auch hoch in den Norden bis auf die kleine Insel Nosy Hara geht es – ein extrem spezielles Habitat und Heimat des zweitkleinsten Chamäleons der Welt.

Patrick Schönecker Madagaskar – Artenschutz und Artenvielfalt
DGHT Regionalgruppe Mönchengladbach/Krefeld
Vereinsheim SC 08 Schiefbahn
Siedlerallee 27
47877 Willich-Schiefbahn
Veranstaltungsbeginn 19.00 Uhr

Foto: Calumma parsonii parsonii, fotografiert von Patrick Schönecker[:en]

The head of the DGHT Saar-Palatinate regional group, Patrick Schönecker, will be giving a great lecture on Madagascar on Friday, 4 June 2025 in Krefeld. The island in the Indian Ocean is the Mecca for travellers interested in herpetology. Over 90% of the reptiles and amphibians found here are endemic – they don’t exist anywhere else in the world. Patrick has been there several times. In his presentation, he talks about the rainforests in the central highlands and local conservation efforts. But he also travels up north to the small island of Nosy Hara – an extremely special habitat and home to the second smallest chameleon in the world.

Patrick Schönecker Madagascar – Biodiversity and conservation [German]
DGHT Regional group Mönchengladbach/Krefeld
Clubhouse SC 08 Schiefbahn
Siedlerallee 27
47877 Willich-Schiefbahn
Event starts at 7.00 pm

Photo: Calumma parsonii parsonii, photographed by Patrick Schönecker[:]

[:de]Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae[:en]First vertebrate with annual allochrony: Chamaeleo chamaeleon musae[:]

[:de]Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae[:en]First vertebrate with annual allochrony: Chamaeleo chamaeleon musae[:]

Wissenschaft

[:de]

Allochronie beschreibt das Phänomen, dass zwei oder mehr Populationen einer Art zeitlich unterschiedliche Fortpflanzungszyklen haben, obwohl sie im gleichen Lebensraum vorkommen. Bei der sogenannten jährlichen Allochronie pflanzen sich die Populationen zu unterschiedlichen Jahreszeiten fort. Allochronie ist von vielen verschiedenen Arten bekannt, beispielsweise bei Insekten und Korallen, die zu verschiedenen Zeiten am Tag reproduzieren. Jährliche Allochronie dagegen ist extrem selten und bei Wirbeltieren bisher noch nie nachgewiesen worden. Zwei Wissenschaftler aus Israel haben nun bei Chamäleons dieses Phänomen erstmals festgestellt.

Sie untersuchten zwischen 2009 und 2021 an je zwei Nächten pro Monat die Chamaeleo chamaeleon musae Populationen im Holot Mash’abim Nature Reserve in Israel. Das Reservat liegt im nördwestlichen Bereich der Wüste Negev. Bei der Studie wurden die Chamäleons von einem langsam fahrenden Auto aus mit Taschenlampen entlang eines 4 km langen Weges gesucht. Gefundene Tiere wurden vermessen, das Geschlecht bestimmt, der Fundort aufgenommen und die Krallen in einer bestimmten Abfolge zur Identifikation gekürzt. Alle Tiere wurden innerhalb weniger als 20 Minuten wieder an ihrem Fundort freigelassen. Um das Alter der Tiere einzuschätzen, wurden zum einen die Zeiträume zwischen den Wiederfunden bereits markierter Tiere genutzt, aber auch ein mittels XGBoost entwickelter Algorithmus. Die Chamäleons konnten so den Altersklassen < 1 Jahr, 1-2 Jahre und > 2 Jahre zugewiesen werden. Alle Daten wurden statistisch ausgewertet.

Die erstaunlichen Ergebnisse zeigen, dass Chamaeleo chamaeleon musae wahrscheinlich in zwei voneinander durch jährliche Allochronie getrennte Population in der Wüste Negev vorkommt. In ungeraden Jahren schlüpft eine Population der Chamäleons im September. Diese Tiere überleben etwa bis November des darauffolgenden Jahres. In geraden Jahren schlüpft die zweite Population der Chamäleons, deren Tiere ebenfalls bis zum November des Folgejahrs leben. Die Lebenszeit der beiden Populationen überschneidet sich nur in einem kurzen Zeitraum, in dem gerade die eine Population schlüpft, die bereits adulten Tiere der anderen Population aber gerade Eier legen. Die fortpflanzungsfähigen Chamaeleo chamaeleon musae beider Populationen überschneiden sich damit nicht oder nur sehr selten durch sehr wenige, länger lebende Individuen.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler 1289 Chamäleons < 1 Jahr, 231 im Alter von 1 bis 2 Jahren und 27 Chamäleons > 2 Jahre finden. Davon waren 713 Chamaeleo chamaeleon musae bereit als Jungtiere erstmalig gefangen worden, so dass deren Alter sehr gut geschätzt werden konnte. Nur 9 davon wurden im Alter zwischen 1 und 2 Jahren noch einmal wiederentdeckt. Die Überlebensrate der Schlüpflinge bis zu ihrer ersten Fortpflanzungssaison war extrem niedrig. In ungeraden Jahren lag sie bei 1%, in geraden bei 2,5%. Das erste Jahr überlebten sogar noch weniger Chamäleons, mit 0,46% und 1,3%. Beide Populationen von Chamaeleo chamaeleon musae waren im ersten und zweiten Schlupfmonat am größten, um dann zügig abzusinken. Männliche Chamäleons überlebten die erste Fortpflanzungssaison ein bisschen seltener als weibliche, insgesamt war die Überlebensrate aber bei beiden Geschlechtern ähnlich. In jedem Beobachtungsjahr tauchten die ersten Schlüpflinge zwischen Mitte September und Mitte Oktober auf, zum Ende der heißen Saison. Während der kühleren und nässeren Saison von Dezember bis März wurden deutlich weniger Chamäleons, davon die meisten Jungtiere, gefunden.

Diese sehr spannende Studie wirft natürlich viele weitere Fragen auf. Kurzlebige Chamäleons gibt es einige, doch von nur wenigen wie Furcifer labordi ist der gesamte Lebenszyklus überhaupt bekannt oder untersucht. Möglicherweise finden sich noch mehr Wirbeltiere mit jährlicher Allochronie unter den Chamäleons – das gilt es noch zu erforschen!

First evidence of yearly allochrony in a terrestrial vertebrate: A case study of an annual chameleon
Liran Sagi, Amos Bouskila
Ecology 106(6), 2025: e70144
DOI: 10.1002/ecy.70144

Foto: Chamaeleo chamaeleon, fotografiert von Markus Grimm[:en]

Allochrony describes the phenomenon that two or more populations of a species have different reproductive cycles over time, even though they occur in the same habitat. In so-called annual allochrony, the populations reproduce at different times of the year. Allochrony is known from many different species, such as insects and corals, which reproduce at different times of the day. Annual allochrony, on the other hand, is extremely rare and has never been demonstrated in vertebrates. Two scientists from Israel have now discovered this phenomenon in chameleons for the first time.

Between 2009 and 2021, they studied the Chamaeleo chamaeleon musae populations in the Holot Mash’abim Nature Reserve in Israel on two nights per month. The reserve is located in the northwestern part of the Negev desert. During the study, the chameleons were searched for from a slow-moving car with flashlights along a 4 km long path. Animals found were measured, sexed, location recorded and claws clipped in a specific sequence for identification. All animals were released at their location within less than 20 minutes. In order to estimate the age of the animals, the time periods between the recovery of previously marked animals were used, as well as an algorithm developed using XGBoost. The chameleons could thus be assigned to the age classes < 1 year, 1-2 years and > 2 years. All data was statistically analyzed.

The astonishing results show that Chamaeleo chamaeleon musae probably occurs in two populations in the Negev desert, separated by annual allochrony. In odd-numbered years, one population of chameleons hatches in September. These animals survive until about November of the following year. In even-numbered years, the second population of chameleons hatches, whose animals also live until November of the following year. The lifespans of the two populations only overlap for a short period of time, when one population is hatching and the already adult animals of the other population are laying eggs. The reproductive Chamaeleo chamaeleon musae of both populations therefore do not overlap or only very rarely due to very few, longer-lived individuals.

The scientists were able to find a total of 1289 chameleons < 1 year old, 231 aged 1 to 2 years and 27 chameleons > 2 years old. Of these, 713 Chamaeleo chamaeleon musae had already been caught for the first time as juveniles, so that their age could be estimated very well. Only 9 of these were rediscovered between 1 and 2 years of age. The survival rate of the hatchlings until their first breeding season was extremely low. In odd-numbered years it was 1%, in even-numbered years 2.5%. Even fewer chameleons survived the first year, at 0.46% and 1.3%. Both populations of Chamaeleo chamaeleon musae were highest in the first and second month of hatching and then declined rapidly. Male chameleons were slightly less likely to survive the first breeding season than females, but overall survival rates were similar for both sexes. In each year of observation, the first hatchlings emerged between mid-September and mid-October, at the end of the hot season. During the cooler and wetter season from December to March, significantly fewer chameleons, most of them juveniles, were found.

This very exciting study naturally raises many more questions. There are several short-lived chameleons, but the entire life cycle of only a few, such as Furcifer labordi, is even known or has been studied. It is possible that there are even more vertebrates with annual allochrony among the chameleons – this still needs to be researched!

First evidence of yearly allochrony in a terrestrial vertebrate: A case study of an annual chameleon
Liran Sagi, Amos Bouskila
Ecology 106(6), 2025: e70144
DOI: 10.1002/ecy.70144

Picture: Chamaeleo chamaeleon, photographed by Markus Grimm[:]