Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Chamaeleo africanus in Griechenland außerhalb Pylos nachgewiesen

Verbreitung Wissenschaft

Dass Chamaeleo africanus in der Lagune von Gialova, Region Pylos (Griechenland) vorkommt, ist inzwischen lange bekannt. Es unterscheidet sich nicht nur optisch, sondern auch genetisch von den im südlichen Europa relativ weit verbreiteten Chamaeleo chameleon. Sporadische Berichte von weiteren Vorkommen von Chamaeleo africanus in Griechenland gibt es immer wieder, bisher fehlte jedoch ein wissenschaftlicher Nachweis der Art in anderen Gebieten als Pylos.

Wissenschaftler haben nun eine zweite Population der Art identifiziert. Sie konnten mindestens sieben Individuen der Art rund 130 km nördlich der Gialova-Laguna auf dem Peloponnes finden. Die Chamäleons leben in einem Natura 2000-Gebiet namens Limnothalassa Kalogrias /Dasos Strogylias Kai Elos Lamias. Ein Jungtier wurde per Backenabstrich beprobt, um genetisch die Art Chamaeleo africanus zu bestätigen.

Genetic evidence for the presence of Chamaeleo africanus in Greece outside the Pylos region
Erika Lego, Maria Koutsokali, Michael Valachas
Conservation Genetics Resourecs 18(5), 2026
DOI: 0.1007/s12686-026-01409-w
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Foto: Chamaeleo africanus, fotografiert von Benny Trapp, CC BY-SA 3.0

Vorkommen des Lappenchamäleons im Norden Mosambiks

Vorkommen des Lappenchamäleons im Norden Mosambiks

Verbreitung Wissenschaft

Wissenschaftler haben kürzlich nach Reptilien in der Gemeinde Mocuba im Norden Mosambiks gesucht, um die vorkommenden Arten zu inventarisieren. Sie untersuchten dabei einen sogenannten Miombo-Trockenwald (eine Art weitständige Waldsavanne mit kaum Unterholz) sowie einen nahe gelegenen Granitfelsen namens Mount Morué, der nur insgesamt 361 m hoch ist.

Während mehrerer Monate in der Regen- und Trockenzeit wurde für jeweils sieben Tage (insgesamt 42) beide Habitate durchsucht. Die Wissenschaftler nutzten Grubenfallen und suchten mit dem bloßen Auge tagsüber entlang festgelegter Transekte. Reptilien wurden an Hand vorhandener Field Guides und mit Hilfe von Experten identifiziert. Zusätzlich wurden einige Tiere getötet und der Sammlung der Universtität Zambezi zugeführt.

Insgesamt wurden 23 verschiedene Reptilienarten beobachtet. Chamaeleo dilepis wurde sechs Mal gefunden. Alle Chamäleons wurden im Miombo woodland gefunden und kein einziges Chamäleon auf dem Granitfelsen Mount Morué. Zwei Chamäleons befanden sich zwei gerade auf Beutesuche, zwei andere befanden sich noch in Schlafposition bei Fund am frühen Morgen. Ein weiteres Lappenchamäleon war in einer Grubenfalle gelandet. Die Art ist in Mosambik bereits von vielen Funden bekannt. Von Mocuba standen Funde bisher jedoch noch aus.

Beyond the asymptote: a near-complete reptile inventory in the Miombo woodland and on Mount Morué, Mocuba Municipality, with a major range extension for the lizard Nucras boulengeri Neumann, 1900
Avelino R. Miguel, Berta I. Sitole, Nando A.M. Calonga, Celso H. Duarte, Dolescêncio Armando, Célia J.A. Nanvonamuquitxo, Hinrich Kaiser
Herpetology Notes 18: 1051-1071.
DOI: unbekannt
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Foto: Chamaeleo dilepis an einer Fundstelle in den Miombo Woodlands, fotografiert von Miguel Avelino

Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons

Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

Die DGHT Münster startet ebenfalls mit vielen Chamäleons ins neue Jahr. Am Freitag, den 16.01.2026, wird Philip-Sebastian Gehring einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine vielen Chamäleons halten.

Madagaskar beherbergt nahezu die Hälfte aller weltweit bekannten Chamäleonarten, die allesamt ausschließlich auf dieser Insel vorkommen. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht die Chamäleons Madagaskars zu einem bedeutenden Forschungsobjekt für die Wissenschaft, da sie einzigartige Einblicke in die Mechanismen von Evolution und Anpassung bieten. In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Studien und neue Entdeckungen unser Verständnis der Artenvielfalt und der evolutionären Prozesse innerhalb dieser Echsengruppe maßgeblich erweitert. Besonders die Identifikation und Beschreibung neuer Arten sowie die Untersuchung ihrer genetischen Unterschiede haben zentrale Erkenntnisse zur Entstehung und Differenzierung von Arten geliefert. Im Vortrag wird ein umfassender Überblick über diese Forschungsarbeiten gegeben und der aktuelle Stand zur Erforschung der madagassischen Chamäleons anschaulich präsentiert.

Dr. Philip-Sebastian Gehring Evolution und Diversität der Chamäleons Madagaskars – Neues aus der Forschung
DGHT Stadtgruppe Münster
Zooschule des Allwetterzoos Münster
Sentruper Straße 315
48161 Münster
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über den Haupteingang des Zoos

Fotos: kleine Calumma-Art auf Madagaskar, fotografiert von Philip-Sebastian Gehring

Vortrag in Frankfurt über Madagaskar

Vortrag in Frankfurt über Madagaskar

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

Die DGHT Frankfurt startet mit einem Highlight in das neue Jahr. Aufgrund eines Heimatbesuchs haben sie das große Glück, Rainer Dolch von der Association Mitsinjo in Andasibe, Madagaskar, begrüßen zu können. Am Freitag, den 09.01.2026, wird er einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine herpetologische Vielfalt halten.

Madagaskars Amphibien und Reptilien bewohnen die verschiedensten Lebensräume, von Tieflandegenwäldern über die höchsten Berggipfel zu Karstgebieten, Trockenwäldern und einzigartigen Halbwüsten. Die lange Isolation Madagaskars nach dem Zerfall des Urkontinents Gondwana, seine Geographie und die enorme Vielfalt seiner Lebensräume hat evolutive Prozesse befördert, die zahlreiche endemische Arten von Amphibien und Reptilien hervorgebracht haben. Viele dieser Taxa kommen allopatrisch und mikroendemisch vor, sie sind also auf sehr kleine eng begrenzte Gebiete beschränkt. So haben endemische Familien wie die Madagaskarfrösche (Mantellidae), die Madagaskarnattern (Pseudoxyrhophiidae) und die Madagaskarleguane (Opluridae) jeweils große Radiationen erfahren. Eine große Vielfalt beinloser Skinke sowie einige der seltensten Schildkröten der Welt gehören ebenfalls zur außergewöhnlichen Herpetofauna der Insel. Schließlich ist Madagaskar ein Hotspot der Chamäleondiversität, insbesondere in der Chamäleongattung Calumma sind erst in jüngster Zeit viele kryptische Arten beschrieben worden, die zwar äußerlich fast identisch aussehen, aber genetisch so verschieden sind, dass sie sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. Viele der in Madagaskar heimischen Amphibien und Reptilien und die von ihnen bewohnten Habitate werden ebenso vorgestellt wie Bedrohungen und Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Dr. Rainer Dolch Mikroendemismus, kryptische Arten, faszinierende Vielfalt: Eine Tour d’Horizon durch die Herpetofauna Madagaskars
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zooschule des Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über das Ausgangstor am Haupteingang Alfred-Brehm-Platz (Tor zwischen Zoo-Shop und Zoogesellschaftshaus)

Fotos: herpetologische Vielfalt Madagaskars, fotografiert von Rainer Dolch

Calumma-Arten in drei Hochlandwäldern Madagaskars

Calumma-Arten in drei Hochlandwäldern Madagaskars

Wissenschaft

Biologen der Universität Antananarivo haben kürzlich untersucht, wie sich die verschiedenen Lebensräume auf das Vorhandensein von vier Calumma-Arten auf Madagaskar auswirken. Als Studiengebiete wählten sie das Spezialreservat Ambohitantely, verwaltet von Madagascar National Parks, sowie zwei Wälder im Korridor von Anjozorobe-Angavo: Anorana, offiziell nicht als Schutzgebiet deklariert und von lokalen Gemeinschaften verwaltet, und Antsahabe unter der Führung der NGO Fanamby. Die drei Studiengebiete deckten dabei von intaktem Regenwald bis zu Waldfragmenten mit vor allem jungen Bäumen verschiedenste Waldtypen ab, darunter auch Flächen nach Brandrodung. Alle drei Gebiete liegen im nördlichen Hochland Madagaskars.

Innerhalb der Trocken- und Regenzeiten zweier Jahre suchten die Biologen entlang 50 m langer Transekte (pro Ort je 14 Transekte mit je 3 parallel verlaufenden Linien) nach Chamäleons. Die Suchen wurden jeweils zu zweit nachts mit Taschenlampen durchgeführt. Jedes gefundene Chamäleon wurde artbestimmt, vermessen und verschiedene Daten zum Fundort aufgenommen. Zusätzlich wurden 16 botanische Transekte über je 100 m Länge genutzt, um Daten zum umgebenden Lebensraum zu sammeln.

Die Ergebnisse einzelner Transekte mussten aus der Auswertung entfernt werden, da in ihrer Nähe zeitnah zu den Suchnächten Brandrodung erfolgte und ein Einfluss auf die Tiere nicht ausgeschlossen werden konnte. Insgesamt konnten dadurch noch 32 Transekte ausgewertet werden.

Grundlegend wurden erst einmal sowohl Calumma gastrotaenia als auch Calumma globifer, Calumma crypticum und Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe an allen drei Studiengebieten gefunden. Am häufigsten wurde mit weitem Abstand Calumma gastrotaenia entdeckt.  Generell konnten wie erwartet deutlich mehr Chamäleons während der Regenzeit als während der Trockenzeit entdeckt werden, darunter vor allem mehr Schlüpflinge. An allen drei Orten waren zu allen Jahreszeiten mehr Weibchen als Männchen zu finden. In ungestörtem, intaktem Regenwald waren mehr Chamäleons unterwegs als in zerstörten Gebieten. Neben den gesuchten Calumma-Arten konnten auch Brookesia ramanantsoai, Brookesia thieli und Furcifer willsii entdeckt werden.

Zwischen Regen- und Trockenzeit konnten keine Unterschiede in der bevorzugten Höhe der zum Schlafen genutzten Plätze gefunden werden. Insgesamt nutzten die Chamäleons eine sehr hohe Bandbreite an Vegetation zum Schlafen. Schlüpflinge und Jungtiere nutzten allgemein schmalere und höher gelegene Schlafplätze als adulte Chamäleons.

Die höchste Populationsdichte von Calumma globifer fand sich in Anorana mit 88 Individuen pro Hektar. Im Durchschnitt schliefen die Tiere dieser Art zwischen 0,5 und 5 m Höhe und fast 40% saß dabei auf Lianen. Jungtiere konnten ab und an auf Bambus, Drachenbäumen (Dracaena ssp.) und Steineiben (Podocarpus madagascariensis). Calumma gastrotaenia und Calumma globifer bevorzugten Lebensräume mit großen Bäumen und dichterem Bewuchs zwischen 2 und 4 m Höhe. Calumma globifer bewohnte vor allem Lebensräume mit geschlossenem Blätterdach.

Die höchste Populationsdichte von Calumma gastrotaenia fand sich in Ambohitantely mit 60 Individuen pro Hektar. Die Art war vor allem in Unterholz mit Bambus, Farnen, Pflanzen mit länglichen Blättern und Gräsern vertreten. Dabei fiel auf, dass über 30% der Schlafplätze Bambus waren. Insgesamt schien die Art besser als die anderen mit zerstörtem Lebensraum zurecht zu kommen.

Die höchste Populationsdichte der Calumma nasutum-Gruppe fand sich in Ambohitantely mit 61 Individuen pro Hektar. Sie kamen vergleichsweise häufig auch während der Trockenzeit in Ambohitantely und Antsahabe vor. Die Art bevorzugte vor allem die Enden kleiner, dünner Äste und Kletterpflanzen zum Schlafen. Sie saßen meist zwischen 0,3 und 6 m Höhe. Über die Hälfte der gefundenen Tiere der Calumma nasutum-Gruppe waren auf den Ästen von Sträuchern und Blättern, die andere Hälfte fand sich auf Lianen und kletterndem Bambus (Nastus ssp.).

Calumma crypticum zeigte eine im Gegensatz zu den anderen Arten sehr viel geringere Populationsdichte in den untersuchten Wäldern, mit maximal 9 Individuen pro Hektar in Antsahabe. Calumma crypticum war während der Regenzeit als einzige Art höher zu finden als während der Trockenzeit, auf durchschnittlich 4 bis 6 m. Die Art zeigte aber auch allgemein eine hohe Variation in der Höhe der Schlafplätze, ein Chamäleon wurde auf nur 0,5 m Höhe entdeckt. Die Art bevorzugte vor allem dickere Äste. Sowohl Calumma crypticum als auch Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe bevorzugten offene Lebensräume, die trotzdem reich an Ästen waren. Unklar bleibt, ob insgesamt nur sieben im gesamten Studiengebiet aufgefundene Calumma brevicorne tatsächlich dieser Art zuzurechnen sind oder es sich hierbei um nicht zur fast 150 Jahre alten Originalbeschreibung passenden Individuen handelt.

Schlussendlich bestätigte sich, dass die Vegetationstruktur eines Lebensraums die Populationsdichte der untersuchten Calumma-Arten stark beeinflusst. Der von den Wissenschaftlern am als besten für Calumma-Arten geeignet beschriebenes Habitat boten die Wälder von Antsahabe und Anorana, beide befinden sich im Anjozorobe-Angavo-Korridor. In letzterem fanden sich auch die maximale Gesamtzahl an Calumma gastrotaenia und Calumma globifer. Das Reservat Ambohitantely dagegen fiel vor allem wegen sehr viel zerstörtem Waldgebiet auf. Allein in zwei Jahren während der Studie hatten mehrere große Feuer nach Brandrodung zu massivem Baumverlust geführt. Ambohitantely ist der Ort, von dem die Erstbeschreibung von Calumma crypticum stammt – dabei war genau diese Art in den Studiengebieten am geringsten vertreten.

Habitat use, selection, and population density of chameleon communities (Calumma spp.) in the fragmented central highland forests of Madagascar
Fandresena Raktoroarimalala, Arianna L. Kuhn, Achille P. Raselimanana, A. Tahinarivovny Jacquis, Sara Ruane
MBC Ecology and Evolution 25: 137.
DOI: 10.1186/s12862-025-02479-4
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Foto: Calumma globifer in Maintsoanala, fotografiert von Alex Negro

Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert

Der Sehnerv von Chamäleons ist hoch spezialisiert

Tiermedizin Wissenschaft

Dass Chamäleons sehr spezielle Augen haben, ist schon lange bekannt. Besonders faszinierend ist, dass sie ihre Augen unabhängig voneinander in nahezu alle Richtungen bewegen können. Ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, dass auch der Sehnerv bei Chamäleons extrem spezialisiert ist.

Sie untersuchten adulte Schuppenkriechtiere 34 verschiedener Arten an Hand von CT-Modellen. Brookesia superciliaris, Rieppeleon brevicaudatus und Chamaeleo calyptratus repräsentierten dabei die Familie der Chamäleons. Dabei stellten sie fest, dass bei allen drei Chamäleon-Arten der Sehnerv quasi aufgerollt war. Diese anatomische Besonderheit führt dazu, dass der Nervus opticus bei Chamäleons insgesamt wesentlich länger ist, als es bei einem ruhig geradeaus schauendem Auge nötig wäre. Er ermöglicht den Tieren wahrscheinlich ihre extrem beweglichen Augen, ohne dabei Einschränkungen der Sehfähigkeit hinnehmen zu müssen. Vereinfacht erklärt funktioniert der Sehnerv also ein bisschen wie eine Flexileine: Bewegt sich das Auge stark, wird ein Teil des Sehnervs „ausgerollt“. Bewegt das Auge sich zurück, schnellt der Sehnerv zurück an seine ursprüngliche Position, ohne dass die Nervenfasern dabei überdehnt wurden.

A new twist in the evolution of chameleons uncovers an extremely specialized optic nerve morphology
Emily Collins, Aaron M. Bauer, Raul E. Diaz Junior, Alexandra Herrera-Martínez, Esteban Lavilla, Edward L. Stanley, Monte L. Thies, Juan D. Daza
Scientific Reports 15, 2025: 38270.
DOI: 10.1038/s41598-025-20357-3
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Foto: Portrait von Brookesia superciliaris, fotografiert von Alex Negro

Erster digitaler Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons

Erster digitaler Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons

Tiermedizin Wissenschaft

Die Anatomie von Chamäleons wurde schon in vielen – vornehmlich älteren – Veröffentlichungen besprochen. Wissenschaftler des University College in London (Großbritannien) in Zusammenarbeit mit belgischen, französischen und Schweizer Kollegen haben nun den ersten digitalen Atlas zur Kopf-Anatomie des Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus) erstellt.

Dazu fertigten sie MikroCT-Scans von zwei toten, in Ethanol fixierten, adulten Chamaeleo calyptratus an. Ein Männchen und ein Weibchen wurden untersucht. Einige Wochen später wiederholten sie die CT-Scans noch einmal mit Spezialfärbungen. Anschließend wurden die Schädel beider Chamäleons digital mittels verschiedener Programme, darunter Dragonfly 3D World und UNet3D, herausgearbeitet. Knochenteile, Muskeln und sonstiges Weichteilgewebe wurde unterschieden und benannt. Zusätzlich wurden Schätzungen von Muskelkraft, Beißkraft, Muskelvolumen und Muskellängen vorgenommen.

Die Autoren stellten wie erwartet fest, dass das männliche Jemenchamäleon sich vom Weibchen vor allen durch den Gesichtsschädel und den höheren Helm unterschied. Der Muskel, der für die Bewegung des Unterkiefers zuständig ist, ist beim Männchen deutlich größer als beim Weibchen. Die MikroCT-Scans können allesamt hier kostenlos eingesehen werden.

3D anatomical atlas of the heads of male and female adult Chamaeleo calyptratus
Alice Leavey, Eloy Gálvez-López, Anthony Herrel, Laura B. Porro
The Anatomical Record, 2025: 1-33.
DOI: 10.1002/ar.70077
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Grafik: Farbige Darstellung der verschiedenen Knochenteile des Schädels und Unterkiefers beim Jemenchamäleon

Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?

Nutzen Zwergchamäleons unterschiedlichen Körperbaus unterschiedliche Äste?

Wissenschaft

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ob sich der Körperbau eines Zwergchamäleons auf die von ihm bevorzugt genutzten Äste auswirkt. In Südafrika sind drei verschiedene sogenannte Ektomorphe, also Körperbautypen, bei Zwergchamäleons der Gattung Bradypodion bekannt: Einmal den Waldtyp. Dieser Typ kommt in geschlossenen Wäldern vor, ist groß mit langem Schwanz, aber dabei relativ zierlich. Typisch für den Waldtyp sind leuchtende Farben und auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung. Der zweite Typ ist der des „kleinen braunen Chamäleons“, das in offenen Lebensräumen wie Heide, Grassavanne oder Fynbos vorkommt. Wie der Name es schon vermuten lässt, ist dieser Chamäleontyp klein, unauffällig braun oder grünlich gefärbt und zeigt eine stark reduzierte Kehl- und Helmbeschuppung. Der dritte Ektomorph ist der Buschlandtyp: Chamäleons in Buschland oder Dickicht, die groß, aber insgesamt eher plump und kurzschwänzig sind, eher unauffällig gefärbt, dabei aber eine auffällige Kehlsack- und Helmbeschuppung aufweisen.

Die Wissenschaftler maßen die Durchmesserung und Winkelung der von verschiedenen Bradypodion-Arten genutzten Ästen. Folgende Arten waren unter den Probanden: B. barabtulum, B. baviaanense, B. caffrum, B. damaranum, B. ketanicum, B. melanocephalum, B. occidentale, B. pumilum, B. setaroi, B. taeniabronchum, B. thamnobates, B. transvaalense und B. ventrale, zusätzlich die drei candidate species „emerald“, „groendal“ und „karkloof“. Chamäleons aus 38 verschiedenen Populationen in ganz Südafrika wurden jeweils nachts vermessen und in eine der drei genannten Körperbau-Typen sortiert. Zusätzlich wurde entlang je 100 m langer, zufällig ausgewählter Transekte alle 10 m Ast-Durchmesser und -winkel im Umkreis von je einem Meter vermessen.

Anschließend wurden die Daten statistisch ausgewertet. Im Zeitraum von 2007 bis 2024 konnten insgesamt 1755 adulte Bradypodion und deren Äste vermessen werden. Im Wald stand den Chamäleons eine wesentlich höhere Vielfalt and Durchmesser und Winkelung geeigneter Äste zur Verfügung als in den beiden anderen Habitaten. Die Chamäleons zeigten im Wald keine Bevorzugung bestimmter Äste, sondern „nutzten was da war“. Der Lebensraum der „kleinen braunen Chamäleons“ dagegen wies deutlich mehr vertikale, dünnere Äste als der Wald auf, die aber eine ähnliche Winkelung hatten. Die Dichte an Zweigen war in diesem Habitat am höchsten. Die „kleinen braunen Chamäleons“ wählten jedoch signifikant weniger häufig vertikale und meist auch dickere Äste als in ihrem Lebensraum vorhanden gewesen wäre. Im Buschland fanden die Wissenschaftler mehr vertikale und dünnere Äste als im Wald, und in der Zahl unterschieden sich die Äste nicht vom offenen Lebensraum wie Fynbos, aber durch einen anderen Astdurchmesser. Der Buschland-Körpertyp war größer als in den beiden anderen Lebensräumen. Auffällig war bei den Buschland-Chamäleons, dass Weibchen lieber dickere Äste nutzten und auch lieber weniger vertikale Äste als vorhanden waren.

Die Studie zeigt, dass tatsächlich unterschiedliche Ektomorphe von Zwergchamäleons in Südafrika auch unterschiedliche Lebensraumstrukturen besetzen.

Comparing perch availability and perch use between African dwarf chameleon (Bradypodion) ectomorphs
Jody M. Barends, Melissa A. Petford, Krystal A. Tolley
Current Zoology 71(5), 2025: 633-644
DOI: 10.1093/cz/zoae076
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Grafik: Die drei unterschiedlichen Körperbau-Typen, aus der oben genannten Publikation

Neue Verbreitungsdaten zu Rieppeleon brachyurus in Mosambik

Neue Verbreitungsdaten zu Rieppeleon brachyurus in Mosambik

Beobachtungen Verbreitung Wissenschaft

Rieppeleon brachyurus ist eine kleine Stummelschwanzchamäleon-Art, deren Erstbeschreibung vom Ende des 19. Jahhunderts von den Shire Highlands südlich des See Malawi berichtet. Die Art wurde seitdem in Malawi, Tansania und Mosambik gefunden. In Mosambik war sie bisher von Regen- und Galeriewäldern, sogenannten Miombo-Wäldern, bekannt. Bei Miombo-Wäldern handelt es sich um sehr offenenTrockenwälder, deren Boden nur spärlich von Gras bedeckt ist und daher einen eher savannenartigen Eindruck macht (daher auch der Begriff „Waldsavanne“). Der quer durch Mosambik verlaufende Fluss Sambesi galt bisher als natürliche Grenze für das Vorkommen von Rieppeleon brachyurus.

Herpetologen haben nun festgestellt, dass die Art auch südlich des Flusses vorkommt. Sie fanden zwei juvenile Individuen und zwei adulte Weibchen der Art in Coutada 11, einer 5000 km² großen Jagdkonzession im Herzen Mosambiks. Die Tiere wurden dort in einem Sandwald, einem seltenen tropischen Waldtyp auf Sanddünen, direkt neben einem flachen Feuchtgebiet. Diese Beobachtungen erweitern das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Art um rund 250 km weiter nach Süden.

Die Autoren berichten außerdem von zwei weiteren, neuen Fundorten von Rieppeleon brachyurus in Taratibu und Montepuez Rubi Mining Concession, wobei diese beiden Orte nördlich des Sambesi liegen. Bei beiden Beobachtungen wurden die Erdchamäleons in Miombo-Wald auf Höhen zwischen 250 und 400 m gefunden.

Rieppeleon brachyurus (Günther, 1893) Beardless Pygmy Chameleon First records south of the Zambezi River
W. Conradie, D. Botma, C. Nanvonnamuquitxo
African Herp News 88, 2025: 28-33
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Juveniles Rieppeleon brachyurus in Mosambik, fotografiert von Delport Botma, aus der oben genannten Publikation

Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar

Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar

Neubeschreibungen Wissenschaft

Schon länger weiß man, dass es sich bei Calumma gallus aus dem Osten Madagaskars eher nicht nur um eine Art handelt, sondern um einen ganzen Art-Komplex. Wissenschaftler haben sich nun näher mit dem Komplex beschäftigt und neue genetische Untersuchungen veranlasst – und dabei einige Arten völlig über den Haufen geworfen.

Die Kurzfassung:

Das, was man bisher für Calumma nasutum aus Andasibe, Anosibe An’Ala und Tarzanville hielt, heißt jetzt Calumma hofreiteri. Die Weibchen sind nach wie vor nicht sicher von Calumma emelinae zu unterscheiden. Das „echte“ Calumma nasutum kommt in Regenwäldern nahe Ranomafana und Mananjary vor. Die Männchen von Calumma nasutum tragen einen deutlich größeren Nasenfortsatz, der häufig gelb gefärbt ist während die Weibchen nur eine rote Stupsnase haben. Calumma nasutum gehört übrigens zum gallus-Komplex.

Das, was man bisher für Calumma gallus hielt und im Schutzgebiet Vohimana und Umgebung vorkommt, heißt nun Calumma pinocchio. Das „echte“ Calumma gallus kommt in einem Waldfragment nahe Tarzanville, in Tsinjoarivo und mehreren kleinen Gebieten nahe Toamasina an der Ostküste Madagaskars vor. Sein Nasenfortsatz ist oben gezahnt, während der Nasenfortsatz von Calumma pinocchio glatt ist.

Towards a revision of the Malagasy chameleons of the Calumma gallus complex: Redefinition of Calumma nasutum based on a museomics approach and descriptions of two new species
Frank Glaw, Stefanie Agne, David Prötzel, Philip-Sebastian Gehring, Jörn Köhler, Michaela Preick, Fanomezana M. Ratsoavina, Nicolas Straube, Katharina Wollenberg Valero, Angelica Crottini, Miguel Vences
Salamandra 61(4): 442-466, 2025.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: aus der oben genannten Veröffentlichung, Calumma nasutum