Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Lebensräume verschiedener Chamäleons in Vohimana (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Eine Studie zur Verbreitung und den Lebensräumen verschiedener Chamäleonarten wurde kürzlich in Vohimana in Madagaskar durchgeführt. Das Reservat Vohimana liegt zwischen 800 und 1000 m Höhe im östlichen Hochland der Insel. Es erstreckt sich über eine Fläche von 15 km², davon 6 km² Primärregenwald, 8,5 km² Sekundärvegetation und etwas über 1 km² Eukalyptusforst. Die Regenzeit reicht von Oktober bis Mai und ist vor allem von vermehrtem Regen gekennzeichnet, wobei die Trockenzeit ebenfalls über verhältnismäßig viele Niederschläge verfügt.

An insgesamt 195 Tagen, davon 158 in der Regenzeit und 37 in der Trockenzeit wurden Chamäleons innerhalb des Reservats entlang der vorhandenen Wege mit dem bloßen Auge gesucht. Dabei liefen verschiedene Personen insgesamt 350 km Strecke. 80% der Datenerhebung fand nachts statt, nur 20% tagsüber. Jedes gefundene Chamäleon wurde fotografiert sowie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und UV-Index am Fundort gemessen. Die Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.

Während der gesamten Studienzeit konnten 577 Chamäleons dokumentiert werden. Darunter befanden sich ein einziges Calumma brevicorne, sieben Furcifer willsii, zwei Brookesia ramanantsoai, sieben Brookesia thieli, 143 Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni (zusammengefasst zu einer Gruppe), 53 Calumma furcifer, 207 kleine Calumma des nasutum-Komplexes (auf Grund von Schwierigkeiten bei der der rein äußerlichen Artbestimmung zu einer Gruppe zusammengefasst), 24 Calumma parsonii, 118 Calumma pinocchio, 11 Furcifer bifidus und 4 Furcifer pardalis.

Am häufigsten in Vohimana waren Brookesia superciliaris und Brookesia therezieni, kleine Chamäleons des Calumma nasutum-Komplex und Calumma pinocchio. Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni und Calumma furcifer wurden nur selten außerhalb des Primärwaldes aufgefunden. Calumma pinocchio war am häufigsten in einem kleinen Primärwaldrest im Nordosten des Reservats zu finden. Alle übrigen Arten konnten die Wissenschaftler sowohl in Primärwald als auch in Sekundärvegetation immer wieder entdecken. Calumma parsonii, Calumma pinocchio als auch Arten des nasutum-Komplexes wurden häufig im Bereich von Waldrändern gefunden.

Die Temperaturen der Fundorte lagen in der Regenzeit durchschnittlich bei 24,2°C, in der Trockenzeit dagegen bei durchschnittlich 18,3°C. Während der Regenzeit wurden tagsüber mehr Chamäleons an Orten mit höherem UV-Index gemessen (durchschnittlich 0,5). Die relative Luftfeuchtigkeit war in Vohimana das ganze Jahr über hoch mit einem Durchschnitt über 90% für beide Jahreszeiten. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Chamäleonarten waren eher gering, was die Mikroklimata anging. Einzelne Furcifer pardalis und Furcifer willsii wurde zu den höchsten gemessenen Tages- und Nachttemperaturen (29°C und 27,5° tagsüber, 25°C nachts) gefunden. Diese beiden Arten sonnten auch im höchsten durchschnittlich gemessenen UVI (8,2 für Furcifer pardalis und 7,7 für Furcifer willsii). Die UV-Indizes aller übrigen Arten lagen im Durchschnitt deutlich niedriger.

Diversity, distribution, and microclimatic conditions experienced by the chameleons of the Vohimana Reserve, Madagascar
Olivier Marquis, Marc Gansuana, Sébastian Métrailler
Herpetological Conservation and Biology 21(1), 2026: 101-119
DOI: nicht verfügbar
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Foto: Calumma pinocchio im Reservat von Vohimana, fotografiert von Alex Negro

Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar

Zwei „neue alte“ Chamäleonarten aus Madagaskar

Neubeschreibungen Wissenschaft

Schon länger weiß man, dass es sich bei Calumma gallus aus dem Osten Madagaskars eher nicht nur um eine Art handelt, sondern um einen ganzen Art-Komplex. Wissenschaftler haben sich nun näher mit dem Komplex beschäftigt und neue genetische Untersuchungen veranlasst – und dabei einige Arten völlig über den Haufen geworfen.

Die Kurzfassung:

Das, was man bisher für Calumma nasutum aus Andasibe, Anosibe An’Ala und Tarzanville hielt, heißt jetzt Calumma hofreiteri. Die Weibchen sind nach wie vor nicht sicher von Calumma emelinae zu unterscheiden. Das „echte“ Calumma nasutum kommt in Regenwäldern nahe Ranomafana und Mananjary vor. Die Männchen von Calumma nasutum tragen einen deutlich größeren Nasenfortsatz, der häufig gelb gefärbt ist während die Weibchen nur eine rote Stupsnase haben. Calumma nasutum gehört übrigens zum gallus-Komplex.

Das, was man bisher für Calumma gallus hielt und im Schutzgebiet Vohimana und Umgebung vorkommt, heißt nun Calumma pinocchio. Das „echte“ Calumma gallus kommt in einem Waldfragment nahe Tarzanville, in Tsinjoarivo und mehreren kleinen Gebieten nahe Toamasina an der Ostküste Madagaskars vor. Sein Nasenfortsatz ist oben gezahnt, während der Nasenfortsatz von Calumma pinocchio glatt ist.

Towards a revision of the Malagasy chameleons of the Calumma gallus complex: Redefinition of Calumma nasutum based on a museomics approach and descriptions of two new species
Frank Glaw, Stefanie Agne, David Prötzel, Philip-Sebastian Gehring, Jörn Köhler, Michaela Preick, Fanomezana M. Ratsoavina, Nicolas Straube, Katharina Wollenberg Valero, Angelica Crottini, Miguel Vences
Salamandra 61(4): 442-466, 2025.
DOI: nicht verfügbar
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Foto: aus der oben genannten Veröffentlichung, Calumma nasutum