[:de]Vortrag in Neumünster über Madagaskar[:en]Lecture in Neumünster about Madagascar[:]

[:de]Vortrag in Neumünster über Madagaskar[:en]Lecture in Neumünster about Madagascar[:]

Reiseberichte Vorträge

[:de]

AG-Mitglied Lars Dwinger zeigt gemeinsam mit Jutta Dwinger am Freitag, den 21. Oktober 2022, einen bilderreichen Vortrag in Schleswig-Holstein. Die beiden bereisten in diesem Jahr den Norden Madagaskars, der bekannt ist für seine extreme Artenvielfalt.

Los geht die Reise im Nationalpark Marojejy, der sich über die Schluchten und steilen Hängen des gleichnamigen Gebirges erstreckt. Dort gibt es extrem selten fotografierte Chamäleons, aber auch einen großen Artenreichtum an Fröschen, Schlangen und Geckos zu sehen. Danach führte die Reise über die Ostküstenstädte Sambava und Vohémar in den Trockenwald von Daraina. Als nächstes Etappenziel standen die weltberühmten Tsingys im Nationalpark Ankarana auf dem Plan. Selbst in diesen beiden Trockenwäldern findet sich viel kleines und großes Leben. Den Abschluss macht das Camping inmitten eines Chamäleonparadieses: Dem Montagne d’Ambre im hohen Norden Madagaskars. Zwischen winzigen Erdchamäleons, die gerade auf eine Fingerkuppe passen, und den sanften Riesen des Regenwaldes begegnen den beiden Hamburgern auf dieser Reise viele faszinierende Geschöpfe.

Lars und Jutta Dwinger Streifzug durch vier Nationalparks im Norden Madagaskars
DGHT Stadtgruppe Neumünster
Gaststätte „Schafstall“
May-Eyth-Str. 14
24537 Neumünster
Vortragsbeginn 20 Uhr

Foto: Brookesia betschi in Marojejy, fotografiert von Jutta Dwinger[:en]

Together with Jutta Dwinger, AG member Lars Dwinger will be giving a presentation full of pictures in Schleswig-Holstein on Friday, 21 October 2022. This year, the two travelled to the north of Madagascar, which is known for its extreme biodiversity.

The journey begins in the Marojejy National Park, which stretches across the gorges and steep slopes of the mountain range of the same name. There you can see extremely rarely photographed chameleons, but also a great variety of frogs, snakes and geckos. Afterwards, the journey led via the east coast towns of Sambava and Vohémar to the dry forest of Daraina. The next stop was the world-famous Tsingys in Ankarana National Park. Even in these two dry forests, there is a lot of small and big life. The final stop was camping in the middle of a chameleon paradise: The Montagne d’Ambre in the far north of Madagascar. Between tiny earth chameleons that just fit on the tip of a finger and the gentle giants of the rainforest, the two Hamburgers encounter many fascinating creatures on this trip.

Lars und Jutta Dwinger  Foray through four national parks in the north of Madagascar
DGHT Stadtgruppe Neumünster
Gaststätte „Schafstall“
May-Eyth-Str. 14
24537 Neumünster
Lecture starts at 8 pm

Picture: Brookesia betschi in Marojejy, photographed by Jutta Dwinger[:]

[:de]Faktoren der geografischen Ausbreitung von Chamäleons[:en]Factors in the geographical dispersal of chameleons[:]

[:de]Faktoren der geografischen Ausbreitung von Chamäleons[:en]Factors in the geographical dispersal of chameleons[:]

Wissenschaft

[:de]

Schon lange wird versucht zu ergründen, wie und warum Chamäleons sich über den afrikanischen Kontinent, auf Inseln und bis nach Europa und Asien ausgebreitet haben. Französische Wissenschaftler haben jetzt in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen mittels Phylogenetik und verschiedenen Berechnungsmodellen untersucht, wie sich die Faktoren Körpergröße, küstennaher Lebensraum und extreme Lebensweisen auf die Verbreitung verschiedener Chamäleonarten ausgewirkt haben könnte. Die Studie untersuchte 181 Arten, die sich auf neun biogeografische Hauptregionen aufteilen: Nordafrika und Arabien, Zentralafrika, Südostafrika, Südwestafrika, Indien, Sokotra, Madagaskar, die Komoren und die Seychellen.

Chamäleonarten, die mehr als 10 km vom Meer entfernt vorkamen, verbreiteten sich historisch deutlich weniger als die 74 küstennah lebende Chamäleonarten. Ein ähnliches Phänomen ist von Skinken und Krokodilen bekannt. Die Verbreitung fand wahrscheinlich vor allem entlang der Küsten statt, zumeist auf dem gleichen Kontinent und nur selten über das Wasser zu anderen Kontinenten oder Inseln hin.

Die Größe der verschiedenen Chamäleons scheint ihre Ausbreitung in der Geschichte ebenfalls beeinflusst zu haben: Große Chamäleons verbreiteten sich weiter und häufiger als kleine Chamäleons. Das könnte damit zusammenhängen, dass größere Chamäleons eine geringere Stoffwechselrate haben – damit benötigen sie im Verhältnis zu kleineren Konkurrenten insgesamt weniger Energie. Außerdem legen größere Chamäleons Gelege mit deutlich mehr Eiern, wodurch sie ganz einfach zahlenmäßig im Vorteil sind.

Ein etwas unerwartetes Ergebnis erbrachte die Untersuchung verschiedener Lebenszyklen. Man würde zunächst annehmen, dass kurze Lebenszyklen mit schnellerer Verbreitung einhergehen. Tatsächlich zeigten die Berechnungen, dass vor allem Chamäleonarten mit extremen Lebenszyklen sich weiter verbreiteten. Wer also besonders langsam oder besonders schnell reproduzierte, war historisch unter Chamäleons erfolgreicher als die Arten „im Mittelfeld“. Die Autoren überlegen diesbezüglich, ob besonders langsame Lebenszyklen mit später Geschlechtsreife und langer Trächtigkeit möglicherweise auf dem gleichen Kontinent erfolgreicher sind, während schnellere Vermehrungsstrategien mit großen Gelegen günstiger für die Verbreitung übers Meer auf Inseln und andere Kontinente sind. Dazu passt, dass Furcifer polleni und Furcifer cephalolepis auf den Komoren und Chamaeleo zeylanicus in Indien, alles drei Beispiele für eine Ausbreitung übers Wasser, einen sehr schnellen Lebenszyklus aufweisen.

Die 34 Chamäleonarten mit der Kombination küstennah lebend, groß und extremen Lebenszyklus hatten zu 98% eine höhere Verbreitungsrate als Arten ohne diese Merkmale.  Insgesamt handelt es sich sicherlich um eine sehr theoretische Studie, die aber dennoch spannende Aufschlüsse über die historische Ver- und Ausbreitung von Chamäleons aufzeigt.

Chameleon biogeographic dispersal is associated with extreme life history strategies
Sarah-Sophie Weil, Laurie Gallien, Sébastien Lavergne, Luca Börger, Gabriel W. Hassler, Michaël P.J. Nicolaï & William L. Allen
Ecography
DOI: 10.1111/ecog.06323[:en]

For a long time, people have been trying to find out how and why chameleons have spread across the African continent, to islands and as far as Europe and Asia. French scientists, in collaboration with international colleagues, have now used phylogenetics and various computational models to investigate how the factors of body size, coastal habitat and extreme lifestyles may have affected the distribution of different chameleon species. The study examined 181 species divided into nine main biogeographical regions: North Africa and Arabia, Central Africa, Southeast Africa, Southwest Africa, India, Socotra, Madagascar, Comoros and Seychelles.

Chameleon species that occurred more than 10 km from the sea historically spread significantly less than the 74 coastal chameleon species. A similar phenomenon is known from skinks and crocodiles. Dispersal probably took place mainly along the coasts, mostly on the same continent and only rarely across the water to other continents or islands.

The size of the different chameleons also seems to have influenced their dispersal throughout history: Large chameleons spread further and more frequently than small chameleons. This could be related to the fact that larger chameleons have a lower metabolic rate – so they need less energy overall relative to smaller competitors. In addition, larger chameleons lay clutches with significantly more eggs, which simply gives them an advantage in numbers.

A somewhat unexpected result came from the study of different life cycles. One would initially assume that short life cycles are associated with faster dispersal. In fact, the calculations showed that especially chameleon species with extreme life cycles spread further. Thus, those that reproduced particularly slowly or particularly quickly were historically more successful among chameleons than the species „in the middle“. In this regard, the authors consider whether particularly slow life cycles with late sexual maturity and long gestation might be more successful on the same continent, while faster reproductive strategies with large clutches are more favourable for dispersal across the sea to islands and other continents. In line with this, Furcifer polleni and Furcifer cephalolepis in Comoros and Chamaeleo zeylanicus in India, all three examples of aquatic dispersal, have a very fast life cycle.

The 34 chameleon species with the combination of living close to the coast, large size and extreme life cycle had a 98% higher dispersal rate than species without these characteristics.  All in all, this is certainly a very theoretical study, but it nevertheless provides exciting insights into the historical distribution and dispersal of chameleons.

Chameleon biogeographic dispersal is associated with extreme life history strategies
Sarah-Sophie Weil, Laurie Gallien, Sébastien Lavergne, Luca Börger, Gabriel W. Hassler, Michaël P.J. Nicolaï & William L. Allen
Ecography
DOI: 10.1111/ecog.06323[:]

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

[:de]Neue Forschung zum Labords Chamäleon in Kirindy, Madagaskar[:en]New research on the Labord’s chameleon in Kirindy, Madagascar[:]

Wissenschaft

[:de]

Furcifer labordi ist bekannt als das kurzlebigste Chamäleon der Welt. Innerhalb von drei Monaten wachsen diese Tiere vom Schlüpfling zum adulten Chamäleon, verpaaren sich, legen Eier und sterben größtenteils direkt danach. Wissenschaftler der Universtität Göttingen forschten darüber, ob die kurze Lebensdauer einen Einfluss auf die Paarungsstrategie von Furcifer labordi hat.

Studienort war der Trockenwald von Kirindy im Westen Madagaskars. Kirindy liegt rund 60 km nördlich der Küstenstadt Morondava und etwa 20 km vom Meer entfernt in der Region Menabe. In der Regenzeit Anfang 2020 wurden dort 39 Furcifer labordi beiden Geschlechts mit Radio-Transmittern versehen. Gewicht und Körperlänge beim Fund sowie einige andere Werte wurden gemessen, die Schlafhöhe der nachts aufgefundenen Tiere wurde notiert. Danach wurden die Tiere am Fundort ausgesetzt. Im Folgenden machten die Forscher die Chamäleons über mehrere Wochen zwei Mal tagsüber und einmal nachts mittels Telemetrie ausfindig, um GPS-Daten aufzunehmen und Bewegungs- und Verhaltensmuster zu erstellen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass weibliche Furcifer labordi in Kirindy sehr standorttreu sind. Sie legen nur kurze Wegstrecken zurück. Im Gegensatz dazu bewegen sich männliche Furcifer labordi wesentlich mehr und über weitere Wegstrecken, so dass in einem Waldabschnitt sieben bis vierzehn Mal mehr Männchen als Weibchen beobachtet werden konnten. Die beobachteten Weibchen paarten sich mit bis zu sechs verschiedenen Männchen – allerdings fanden die Forscher immer wieder nicht markierte Männchen bei den beobachteten Weibchen. Das deutet darauf hin, dass Furcifer labordi tatsächlich eine deutlich höhere Zahl verschiedener Fortpflanzungspartner haben könnte. Die individuell sehr unterschiedliche Körpergröße der Männchen sowie unterschiedlich stark ausgeprägte Nasenfortsätze hatten keine Verbindung zu Bewegungsmustern. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Furcifer labordi keine Reviere besetzt und verteidigt. Das bedeutet, dass vermutlich die kurze Lebenszeit tatsächlich dazu führt, dass der Wettbewerb um die wenigen vorhandenen Weibchen intensiver – und wie Beobachtungen zeigen auch aggressiver – geführt wird als bei anderen Chamäleonarten. Es handelt sich bei der Studie um die erste Untersuchung des Paarungssystems eines madagassischen Chamäleons.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Erschienen in Scientific Reports 12
Open Access (kostenloser Download möglich)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

 [:en]

Furcifer labordi is known as the world’s shortest-lived chameleon. Within three months, these animals grow from hatchling to adult chameleons, mate, lay eggs and mostly die immediately afterwards. Scientists at the University of Göttingen researched whether the short lifespan has an influence on the mating strategy of Furcifer labordi.

The study site was the dry forest of Kirindy in western Madagascar. Kirindy is located about 60 km north of the coastal town of Morondava and about 20 km from the sea in the Menabe region. During the rainy season in early 2020, 39 Furcifer labordi of both sexes were fitted with radio transmitters there. Weight and body length at the time of discovery as well as some other values were measured, and the sleeping height of the animals found at night was noted. The animals were released at the site where they were found. The researchers then tracked the chameleons twice during the day and once at night for several weeks using telemetry to record GPS data and establish movement and behaviour patterns.

The results of the study show that female Furcifer labordi in Kirindy are very site-faithful. They only cover short distances. In contrast, male Furcifer labordi move much more and over longer distances, so that seven to fourteen times more males than females could be observed in a forest section. The observed females mated with up to six different males – however, the researchers repeatedly found unmarked males among the observed females. This suggests that Furcifer labordi could actually have a significantly higher number of different reproductive partners. The individually very different body sizes of the males as well as differently pronounced nasal processes had no connection to movement patterns. Furthermore, it could be shown that Furcifer labordi does not occupy and defend territories. This means that presumably the short lifespan actually leads to competition for the few available females being more intense – and as observations show also more aggressive – than in other chameleon species. This study is the first investigation of the mating system of a Malagasy chameleon.

Sex-specific movement ecology of the shortest-lived tetrapod during the mating season
Lennart Hudel & Peter M. Kappeler

Published in Scientific Reports 12
Open Access (free download possible)
DOI https://doi.org/10.1038/s41598-022-14156-3

 

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