Wissenschaftler haben kürzlich die Bestandsdichten dreier Arten von Erdchamäleons im zentralen Osten Madagaskars untersucht. Die Studie wurde in den Regenwaldfragmenten Ampitambe nahe Moramanga sowie Fierenana nahe des Ankeniheny-Zahamena-Korridors durchgeführt. Beide Waldfragmente werden lokal verwaltet und zum Absammeln von Chamäleons für den Export, aber auch zu anderen Zwecken durch Einheimische genutzt.
In jedem Waldgebiet wurden vier parallele Transekte mit jeweils 50 m Länge angelegt, die nach 24 h in der Nacht von je drei Personen mit Taschenlampen abgesucht wurden. Dabei konnten insgesamt 5,8 km Strecke untersucht werden, jeweils 2,9 km pro Waldfragment. Gefundene Chamäleons wurden zur Vermessung und Artbestimmung mitgenommen und am nächsten Tag zurückgebracht. Schlafposition, Astdicken und -höhen wurden ebenfalls notiert.
Insgesamt konnten acht Chamäleonarten nachgewiesen werden. Sechs Arten wurden in beiden Waldgebieten gefunden, während jeweils eine Art ausschließlich in einem der beiden Untersuchungsgebiete vorkam. Brookesia ramanantsoai wurde nur in Fierena nachgewiesen, Calumma juliae hingegen ausschließlich in Ampitambe. Besonders häufig wurden Brookesia superciliaris mit 105 Individuen und einer berechneten Dichte von 29,77 Individuen/ha sowie B. therezieni und B. thieli mit jeweils 55 Individuen gefunden. Die ermittelten Dichten betrugen für B. therezieni 12,63 Individuen/ha und für B. thieli 22,33 Individuen/ha. Für B. ramanantsoai konnte aufgrund der geringen Funde keine verlässliche Bestandsdichte berechnet werden. Jungtiere wurden von der Berechnung generell ausgenommen. Weitere nachgewiesene Arten waren Calumma brevicorne, C. gastrotaenia und ein nicht näher beschriebenes kleines Calumma der ehemaligen nasutum-Gruppe.
Der überwiegende Teil der gefundenen Chamäleons waren adult, zudem wurden insgesamt mehr Weibchen als Männchen registriert. Besonders deutlich war dieser Unterschied bei Brookesia thieli, bei der rund 80 % der gefundenen Individuen Weibchen waren.
Auch die Schlafplatzwahl wurde untersucht. Dabei zeigten sich zwischen den Arten Unterschiede hinsichtlich der Höhe der Schlafplätze über dem Boden. Die durchschnittlichen Schlafhöhen lagen zwischen etwa 0,23 und 0,30 m. B. thieli nutzte dabei als kleinstes Chamäleon die niedrigsten Schlafplätze, während B. therezieni mit bis zu 1,05 m die höchsten Schlafplätze aufwies. Die durchschnittlichen Astdurchmesser an den Schlafplätzen lagen zwischen 3,29 und 3,82 mm. Insgesamt waren die Unterschiede in der Schlafhöhe zwischen den Arten jedoch nicht statistisch signifikant. Bei B. superciliaris und B. therezieni wurden zudem Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt: Männchen nutzten höhere Schlafplätze als Weibchen. Auch die Körpergröße unterschied sich bei diesen beiden Arten zwischen den Geschlechtern, wobei die Männchen größer waren.
Im Vergleich zu früheren Untersuchungen lagen die ermittelten Bestandsdichten insgesamt niedriger. Die Autoren vermuten, dass dies mit dem Lebensraum zusammenhängen könnte, da frühere Studien überwiegend innerhalb von Schutzgebieten durchgeführt wurden, während die beiden hier untersuchten Waldgebiete immer wieder durch menschliche Nutzung gestört werden. Sie sprechen sich daher für eine Überarbeitung der bestehenden CITES-Entnahmequoten sowie für die Durchführung von Studien aus, die die Entwicklung der Bestandsdichten vor und nach Entnahmen von Chamäleons beobachten. Solche Untersuchungen könnten dazu beitragen, die Auswirkungen der Entnahme auf natürliche Populationen besser einzuschätzen und langfristig eine nachhaltige Nutzung der Bestände sicherzustellen.
Population status and roost characteristics of three traded dwarf chameleons outside protected areas in Central-Eastern Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Elisoa Fidéline Hantalalaina, Attale Ravaoarimalala, Jean Claude Razafimampiandra, Fabien Zikisà Benedicte, Randriamialisoa, Eric Robsomanitrandrasana
Scientific reports in life Sciences 7(2), 2026: 18-29.
DOI: 10.5281/zenodo.22981429
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Foto: Brookesia superciliaris auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro
