Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons

Langzeitstudie zur Spermagewinnung bei Chamäleons

Tiermedizin Wissenschaft

Assistierte Reproduktion, also medizinische Nachhilfe bei der Fortpflanzung, kommt im Artenschutz von extrem seltenen Tieren wie Spix-Ara oder nördlichen Breitmaulnashörnern in den letzten Jahren immer häufiger zum Zuge. Bei Reptilien gibt es bisher dagegen erst wenige Studien zur assistierten Reproduktion, speziell bei Chamäleons nur vereinzelte. Wissenschaftler aus den USA haben nun eine Studie dazu an männlichen Jemen- und Pantherchamäleons (Chamaeleo calyptratus und Furcifer pardalis) durchgeführt.

An der Louisiana State University wurden je 16 Männchen beider Arten unter standardisierten Bedingungen über ein Jahr lang gehalten. Die Pantherchamäleons wurden bei einem US-amerikanischen Züchter erworben, die Jemenchamäleons von einem Händler, der sie wiederum der Population wild lebender Jemenchamäleons in Florida entnommen hatte. Alle Männchen wurden einzeln in ReptiBreeze gehalten, ausgestattet mit automatischer Beregnung und künstlichen Pflanzen. Die Temperaturen lagen tagsüber bei rund 28-29°C mit Spots zum Aufsuchen höherer Werte. 12 h UV-B-Bestrahlung am Tag wurde angeboten. Gefüttert wurde mit Heimchen und Zophobas.

Vor Beginn der Studie wurden alle 32 Chamäleons klinisch untersucht und mehrere Parasitenbehandlungen durchgeführt. Erst nach einem Monat der Akklimatisierung begann dann die eigentliche Studie. Während des Studienjahres wurden alle Chamäleons zwei Mal pro Monat in Narkose gelegt. Jedes Mal wurde Blut aus der ventralen Schwanzvene oder der Jugularvene entnommen, um die Testosteron-Konzentration zu bestimmen. Mittels Ultraschalles wurde die Größe der Hoden vermessen. Zudem wurde jedes Mal versucht, mittels Elektroejakulation Sperma zu gewinnen. Bei der Elektroejakulation wurde eine kleine Metallsonde in die gesäuberte Kloake eingeführt. Jedes Chamäleon wurde dann bis zu drei Mal hintereinander mit bis zu 15 Stromstößen von 0,1/0,2/0,3 mAs behandelt. Die Absamversuche wurden abgebrochen, sobald das Tier ejakulierte. Das gewonnene Sperma wurde konserviert und auf Ejakulatvolumen, Vorhandensein von Spermien, Spermienbeweglichkeit, -konzentration und -morphologie untersucht.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Jemenchamäleons bei gleichbleibenden Haltungsbedingungen eine sogenannte prenuptiale Fortpflanzungsstrategie verfolgen. Die Testosteronkonzentration im Blut stieg bereits an, bevor das Spermavolumen der Männchen ihr Maximum erreicht hatte. Die besten Absamerfolge brachten die Monate Mai, April und Juni, das meiste Sperma brachten Elektroejakulationen im dritten Anlauf. Auch die Hodengrößen unterschieden sich übers Jahr, mit den größten Messungen von August bis Dezember.

Pantherchamäleons dagegen scheinen einer postnuptialen Fortpflanzungsstrategie zu folgen. Bei ihnen konnte das meiste Sperma erst weit nach dem höchsten Punkt der Testosteronkonzentration gewonnen werden. Die Absamungen klappten am besten im März, April, Mai und Juni. Wesentlich häufiger als bei Jemenchamäleons funktionierte die Elektroejakulation bei Pantherchamäleons schon im ersten Versuch. Die Hodengrößen variierten auch hier übers Jahr, allerdings waren sie mehrheitlich in den schon genannten Monaten am größten. Gemeinsam mit den genannten Faktoren veränderte sich ebenso das Volumen des Ejakulats, die Spermienkonzentration, -beweglichkeit und -morphologie im Jahresverlauf.

Die Autoren empfehlen, Elektroejakulation bei Chamäleons generell nur in Narkose durchzuführen. Die Erfolgsrate beim Absamen lag in den beiden höchsten Fällen bei 82 und 88%, was den Erfolgen bei anderen Reptilien während deren Fortpflanzungssaison entspricht. Die Mortalitätsrate unter den 32 Tieren lag über das ganze Jahr lediglich bei 0,12%. Ein Pantherchamäleon starb nach 10 Monaten während der 20. Narkose, nach dem Tod wurde ein Nierenschaden festgestellt. Aus der geringen Mortalitätsrate schließen die Autoren, dass die Elektroejakuation eher keine Rolle in der Entwicklung von Nierenerkrankungen spiele, wie es in anderen Studien vermutet wurde. Eine Untersuchung des Bluts auf Nierenwerte wurde allerdings bei keinem der überlebenden Chamäleons nach der Studie durchgeführt. Unklar bleibt auch, welche Rolle die fehlende Imitation von Regen- und Trockenzeit im Jahresverlauf für beide Arten und deren Fortpflanzungszyklus spielt.

Characterizing the annual reproductive cycles of captive male veiled chameleons (Chamaeleo calyptratus) and panther chameleons (Furcifer pardalis)
Sean M. Perry, Sarah R. Camlic, Ian Konsker, Michael Lierz, Mark A. Mitchell
Journal of Herpetological Medicine and Surgery 33 (1), 2023, pp. 45-60
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00037

Vortrag in Hamburg über Namibia

Vortrag in Hamburg über Namibia

Reiseberichte Vorträge

Der erste Vorsitzende des DGHT Landesverbandes Hamburg zeigt am 31. März 2023 in Hamburg einen bilderreichen Vortrag über eine Reise nach Namibia und das westliche Südafrika. Es geht dabei von Kapstadt bis in den Etosha Nationalpark. Namibia, auch das „Land der roten Stille“ genannt, ist eines der faszinierendsten und facettenreichsten Länder der Erde. Stationen auf Rüdigers Reise waren unter anderem das Namaqualand, das ihn in herrlicher Blütenpracht empfing, mehrere namibische Gebirgsstöcke, die Namib um Swakopmund mit einer tollen Reptilientour und einer Fahrt durch das Welwitschia-Gebiet sowie die Dünengebiete bei Sossusvlei und der Fish River Canyon. Neben den Großsäugern des Etosha-Nationalparks galt Rüdigers Hauptaugenmerk auf dieser atemberaubenden Reise natürlich den Reptilien – und auch ein paar Chamäleons gab es zu sehen. Ein Feuerwerk für Naturliebhaber!

Rüdiger Schlepper Namibia – In 22 Tagen durch den Südwesten Afrikas
DGHT Landesverband Hamburg
Vereinsgaststätte „Am Sportplatzring“
Sportplatzring 47
22527 Hamburg
Vortragsbeginn 20 Uhr

Foto: Blütenteppich im Namaqualand, fotografiert von Rüdiger Schlepper

Unser Tagungsprogramm für Mai 2023

Unser Tagungsprogramm für Mai 2023

AG Interna

Nachdem wir im Dezember letzten Jahres bereits eine Vorschau auf das Tagungsprogramm veröffentlichen konnten, gibt es jetzt das finale Tagungsprogramm. Unsere diesjährige Tagung findet vom 05. bis 07. Mai 2023 im beschaulichen Boppard am Rhein statt. Da erfahrungsgemäß die Wochenenden in Boppard schnell ausgebucht sind, empfehlen wir, sich bald um Hotel oder Pension zu kümmern. Unser Programm ist eine schöne Mischung aus Haltungsberichten, allgemeiner Terraristik und Reiseberichten geworden. Am Freitag ist traditionell die Anreise und ein gemütliches Abendessen in den lokalen Gaststätten geplant.

Der Samstag beginnt mit einem klassischen Haltungs- und Nachzuchtbericht. Jean-Dominique Dufraine hält seit einigen Jahren Rieppeleon brevicaudatus und Archais tigris. Er spricht über Erfahrungen in der Zucht, aber auch bei der alltäglichen Haltung der beiden Arten. Anschließend nimmt uns Thorsten Negro mit auf die Suche nach Parsons Chamäleons in ihrem natürlichen Lebensraum auf Madagaskar.

Am Nachmittag wird uns Oliver Witte einen spannenden Einblick in Recht, Gesetz und Terraristik geben – keine Angst, es wird nicht so trocken, wie es klingt, sondern sehr interessant für Chamäleonhalter. Als Highlight hat uns außerdem die Physikerin Sarina Wunderlich von www.lichtimterrarium.de zugesagt. LEDs finden zunehmend Zuspruch in der Terraristik, nicht zuletzt, weil sich mit ihnen viel Strom sparen lässt. Sarina zeigt uns die Vorteile und Risiken von LEDs auf und geht auf die neueste Entwicklung, UV-LEDs, ein. Nach diesen beiden Vorträgen haben wir reichlich Zeit für Diskussion und Fragen eingeplant, denn es gibt sicherlich viel Gesprächsstoff. Zum Abschluss des Samstages stellt uns Rayana Vuillemain die Association Caméléon Centre Conservation (Schweiz) vor – dies ist der einzige Vortrag auf Englisch.

Am Sonntag wird es noch einmal bunt: Lars Dwinger berichtet über eine Madagaskarreise ins südliche Hochland und den zentralen Osten der Insel. Zwischen Teppichchamäleons und Reisfeldern war er genauso unterwegs wie im Regenwald von Ranomafana, wo er auf eine Vielfalt kleiner und großer Chamäleons traf. Den Abschluss macht Markus Grimm, der uns eine Übersicht zu Chamaeleo chamaeleon in seinem natürlichen Lebensraum in Europa sowie der Haltung und Nachzucht im Terrarium gibt.

Wir freuen uns sehr auf ein schönes Treffen und viele Chamäleonfreunde!

Chamaeleo namaquensis Nachzuchten in der AG

Chamaeleo namaquensis Nachzuchten in der AG

AG Interna Nachzuchten

Ein toller Nachzuchterfolg ist dem AG-Mitglied und ehemaligem AG-Sprecher Timo Weiß diese Woche gelungen: Seine Chamaeleo namaquensis Nachzuchten sind erfolgreich geschlüpft. Herzlichen Glückwunsch!

Das Namaqua-Chamäleon ist eines der wenigen existenten Chamäleons, die tatsächlich in echten Wüsten vorkommen. Es lebt in der Natur in Namibia, Südafrika und Angola auf dem afrikanischen Kontinent. Im Gegensatz zu vielen anderen Chamäleon-Arten bewohnt es vorwiegend den Boden und niedrige Sträucher.

Foto: Einen Tag altes Jungtier auf der Hand des erfolgreichen Halters

Vergleiche an Gliedmaßen von Hadramautagame und Jemenchamäleon

Vergleiche an Gliedmaßen von Hadramautagame und Jemenchamäleon

Wissenschaft

Ein jemenitischer Biologe der Al Saeed Universität hat kürzlich Messungen an zwei verschiedenen Reptilienarten vorgenommen, um deren Vorder- und Hintergliedmaßen strukturell und funktional zu vergleichen. Sowohl die Hadramautagame (Acantocercus adramitanus) als auch das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) kommen in gleichen Lebensräumen im Jemen vor, sie bewohnen jedoch unterschiedliche Mikrohabitate und bewegen sich unterschiedlich fort. Während die Agame vorwiegend am Boden und im niedrigen Gebüsch lebt, ist das Jemenchamäleon ein reiner Baumbewohner.

Für die Studie wurden jeweils 10 Exemplare beider Arten in Taiz aus der Natur entnommen. Die Kopf-Rumpf-Länge der Agamen lagen zwischen 52 und 125 mm, die der Chamäleons zwischen 90 und 200 mm. Die Tiere wurden getötet und die Gliedmaßen entfernt, gefärbt und dann vermessen.

Der Aufbau der Gliedmaßen war prinzipiell bei beiden Arten gleich, Hände und Füße unterschieden sich jedoch deutlich voneinander. Die Hadramautagame hat fünf Carpalknochen, während beim Jemenchamäleon die distalen Carpalknochen 2,3 und 4 verschmolzen sind. Bei beiden Arten fehlen die distalen Tarsalknochen 2 und 5. Beim Jemenchamäleon fehlen die bei der Agame variabel vorkommenden Sesamknöchelchen. Wie zu erwarten war, sind die Röhrenknochen der Jemenchamäleons an Vorder- und Hintergliedmaßen nahezu gleich lang, während bei den Agamen die Vordergliedmaßen deutlich kürzer als die Hintergliedmaßen sind. Insgesamt sind alle langen Röhrenknochen beim Jemenchamäleon länger als bei der Hadramautagame.

The skeletal characteristics of limb of two endemic lizard species (Acantocercus adramitanus and Chamaeleo calyptratus) in Yemen
Yaser H.A. Obady
Al-Saeed University Journal of Humanities and Applied Sciences 06 (1) 2023: pp. 188-210
DOI: 10.17161/randa.v30i1.18614

Neue Verbreitungsdaten zu Chamaeleo zeylanicus

Neue Verbreitungsdaten zu Chamaeleo zeylanicus

Verbreitung Wissenschaft

Ein Biologe aus Indien hat Funde des Indischen Chamäleons (Chamaeleo zeylanicus) veröffentlicht, die die Verbreitung der Art genauer eingrenzen. Das Aravalligebirge liegt rund 150 km westlich der indischen Hauptstadt New Delhi im Nordwesten Indiens. Es verläuft über 670 km in südwestlicher Richtung und führt dabei durch drei verschiedene Bundesstaaten: Haryana, Rajasthan und Gujarat. Bisher ging man davon aus, dass das Indische Chamäleon im Süden und im Zentrum Rajasthans vorkommt, aber weder im Norden, Osten noch Westen verbreitet sei. Aus Haryana waren bisher gar keine Funde dokumentiert.

Der Biologe beschreibt sechs Beobachtungen des Indischen Chamäleons zwischen 2015 und 2022. Dabei wurde Chamaeleo zeylanicus vier Mal im Sariska Tiger Reservat sowie je einmal an den Seen Manesar und Damdama gesehen, auf Höhen zwischen 223 und 476 m üNN. Ersteres liegt im Norden Rajasthan, die beiden Seen unweit davon im Süden Haryanas. Der Wald des Fundortes im Sariska Tiger Reserva sei dominiert von Indischem Lungenkraut (Adhatoda vasica), Prärieampfer (Parthenium integrifolium) und Mesquitebaum (Prosopis juliflora). Die Chamäleonfunde aus Haryana fanden an Straßenrändern mit Bewuchs durch Karira (Capparis decidua) und Mesquitebaum statt.

New distributional records of Asian Chameleons (Chamaeleo zeylanicus Laurenti 1768), from the Northern Aravali Hill range, India
Debaprasad Sengupta
Reptiles & Amphibians 30 (1), 2023: pp. 1-2
DOI: 10.17161/randa.v30i1.18614

Haltung und Zucht von Calumma linotum

Haltung und Zucht von Calumma linotum

Haltungsberichte

Die Haltung und Zucht von kleinen Chamäleons der Gattung Calumma findet bisher scheinbar nur in eher kleinem Rahmen Liebhaber. Umso schöner ist es, dass gerade ein neuer Bericht über die Haltung und insbesondere die erfolgreiche Nachzucht von Calumma linotum veröffentlicht wurde. Michael Nash aus den USA hält die Art seit über drei Jahren und gibt seine Erfahrungen ausführlich wieder.

Er hält seine Tiere in den bei uns gängigen Terrarien mit komplett belüftetem Deckel und entweder Lüftungen im Frontboden oder der gesamten Front als Lüftung, lebenden Pflanzen und lebendem Bodengrund. Als Beleuchtung kommen T5-Röhren mit und ohne UV-B zum Einsatz. Bei der Ernährung nutzt er zu gut 50% Fruchtfliegen (Drosophila spp.), und ansonsten unter anderem kleine Grillen, Heimchen, Schmeißfliegen und Mantidennymphen.

Die besten Zuchterfolge gelangen mit Einzelhaltung und dem Zusammensetzen für wenige Tage zur Paarung während der imitierten Regenzeit. Um Paarungsverhalten auszulösen, werden Trocken- und Regenzeit nachgestellt. Die Trockenzeit kennzeichnet sich vor allem durch eine massive Nachtabsenkung der Temperatur bis 10°C und weniger Beregnung. Während der imitierten Regenzeit steigen die Temperaturen tagsüber auf um 26°C und nachts 18-21°C, zusätzlich wird über Tag vermehrt beregnet.

Die Weibchen legen nach durchschnittlich 22 bis 40 Tagen Trächtigkeit 2-3 Eier. Dabei fiel bisher auf, dass verpaarte Weibchen der Art ungewöhnlich lange zur Vorratsbefruchtung fähig sind, nämlich bis zu fünf Gelege lang. Die Eier werden zunächst über zwei bis vier Wochen bei 16 bis 21°C inkubiert. Danach folgt eine Diapause über 30 bis 45 Tage bei 10 bis 15°C. Im Anschluss liegen die Eier bei tagsüber 22°C und nachts zwischen 16,7 und 19,5°C. Zeigen die Eier beim Schieren nach der Diapause noch keine Embryonal- und Gefäßentwicklung, ist es möglich, eine zweite Diapause zu imitieren – spätestens danach sollte erste Eientwicklung erkennbar sein. Nach 5 bis 7 Monaten schlüpften unter diesen Inkubationsbedingungen aktive Jungtiere. Der Autor hat bisher elf Gelege erfolgreich zum Schlupf gebracht.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Haltungsbericht, der hoffentlich andere Halter bei der Nachzucht und langfristigen Erhaltung dieser interessanten, kleinen Art im Terrarium unterstützt.

Keeping and breeding Calumma linotum
Michael Nash
Responsible Herpetoculture Journal 7, 2023
keine DOI vorhanden

Ungewöhnlicher Parasit bei Furcifer campani entdeckt

Ungewöhnlicher Parasit bei Furcifer campani entdeckt

Tiermedizin Wissenschaft

Physiologen, Mikrobiologen und Tierärzte aus den USA beschrieben kürzlich einen ungewöhnlichen Fall eines Parasitenbefalls bei Furcifer campani. 2021 waren 11 Furcifer campani aus Madagaskar als Wildfänge importiert und einer privaten Haltung zugeführt worden. Bei einem Männchen und einem Weibchen der Gruppe fiel zwei Monate nach Import ungewöhnliches Verhalten auf. Die beiden Tiere sonnten sich ungewöhnlich lange, suchten gezielt Temperaturen von 29-30°C sowie Plätze mit enorm hohen UV-Indizes auf. Die übrigen Tiere zeigten kein solches Verhalten. Innerhalb der nächsten drei Monate magerten beide Furcifer campani sichtlich ab, obwohl die Futterzufuhr erhöht und eine gute Futteraufnahme beobachtet werden konnte. Parallel fiel eine hellere Farbgebung auf. Kotuntersuchungen per Flotation waren negativ. Schließlich wurden beide Chamäleons lethargisch, schlossen tagsüber die Augen. Ein aufgedunsener Bauchbereich und vermehrter, wässriger Kotabsatz konnte beobachtet werden. Beide Furcifer campani verstarben.

In der histologischen Untersuchung wurden Muskelatrophie und Kachexie bestätigt. Bei beiden Chamäleons konnte eine massive Infiltration der Leber und des Magen-Darm-Traktes mit großen Mengen an Sporen nachgewiesen werden. Die Sporen erwiesen sich in der Methenamin-basierten Silberfärbung nach Grocott und der PAS-Färbung als positiv. Morphologisch wurden die Sporen als Dermocystidium-ähnlich eingestuft. Untersuchungen mittels PCR erbrachten eine hohe Ähnlichkeit mit Dermocystidium salmonis, der genaue Erreger konnte jedoch nicht sicher bestimmt werden.

Bei der Gattung Dermocystidium handelt es sich um parasitäre Mikroorganismen, die man als Protisten einordnet (sie sind weder Pilze noch Tiere oder Pflanzen). Spannend ist, dass sie bisher vor allem von Fischen und Amphibien, vereinzelt auch Säugetiere, bekannt waren. Von Reptilien ist bisher kein einziger Fall eines Befalls mit Dermocystidium beschrieben. Es könnte sich daher um eine noch unbeschriebene, neue Art handeln, die möglicherweise sogar chamäleonpezifisch ist. Eine wirksame Therapie ist bisher nicht bekannt.

A unique disease presentation associated with a Mesomycetozoean-like organism in the jeweled chameleon (Furcifer campani)
Michael Nash, Emily A. McDermott, Ashley K. McGrew, Juan Muñoz, Dayna Willems
Journal of Herpetological Medicine and Surgery, Februar 2023
DOI: 10.5818/JHMS-D-22-00033