Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)

Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Das Schutzgebiet St. Luce liegt im Südosten Madagaskars, nur 34 km nördlich der Großstadt Tolagnaro (Fort Dauphin). Zum Schutzgebiet gehören Strände und Felsklippen an der Küste des Indischen Ozeans, Tieflandregenwald, Sumpfgebiet, savannenartige Ebenen, Flüsse und Lagunen. Der verbliebene Regenwald ist in viele kleine Fragmente zersplittert. In der Gegend gibt es außerdem ein sehr großes Minenprojekt zum Abbau seltener Erden. 12 von 17 Waldfragmente von St. Luce sind dabei von den Minenarbeiten betroffen. Eine Gruppe von Wissenschaftler hat nun die Herpetofauna des Gebiets näher untersucht.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden Reptilien und Amphibien in St. Luce gesucht und gefangen. Die Suchen wurden mit dem bloßen Auge entlang bestehender Transekte durchgeführt. Zusätzlich wurden Bodenfallen entlang vier je 100 m langer Linien über zwei Wochen genutzt. Fünf künstliche Unterschlupfmöglichkeiten und fünf Wellbleche wurden an insgesamt 12 Orten ausgelegt, um darunter nach einer gewissen Zeit nach Tieren zu sehen.  Proben von Schwanzspitzen und Zehen wurden entnommen und Vermessungen durchgeführt, danach wurden die Tiere wieder an ihren ursprünglichen Fundorten freigelassen. Mittels genetischer Untersuchungen wurden die Arten bestimmt.

Von 17 Regenwaldfragmenten in St. Luce fanden die Wissenschaftler nur eines intakt und ein weiteres zwar intakt, aber stark in sich fragmentiert vor. Alle anderen Waldfragmente wurden mit deutlichen Anzeichen von Habitatzerstörung vorgefunden. Insgesamt konnten 22 Amphibien- und 54 Reptilienarten nachgewiesen werden. Vier Arten von Chamäleons waren unter den Reptilien: Palleon sp. aff. Nasus, Calumma tjiasmantoi, Furcifer major und Furcifer verrucosus. Alle vier Chamäleonarten kamen ausschließlich in den noch verbliebenen intakten oder intakten Bereichen der Wälder Angalavinaky, Ambandrika und Andranangy/Amboronteny/Agnalaro vor. In den Wäldern, die durch die Mine bereits zerstört werden, kamen gar keine Chamäleons vor. Unter den insgesamt 76 gefundenen Amphibien- und Reptilienarten waren 13 candidate species, die vermutlich unbeschriebene neue Arten darstellen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Artenvielfalt der Herpetofauna in St. Luce nach der vorliegenden Studie deutlich größer ist als früher angenommen. Sie schlagen vor, mehrere Waldfragmente in die “Mining Avoidance Zones“, also Gebiete, in denen nicht nach seltenen Erden gesucht werden soll, aufzunehmen und den Schutzstatus zu erhöhen.

A littoral treasure trove: a comprehensive assessment of the herpetofauna of Sainte Luce, southeastern Madagascar
Sam Hyde Roberts, Marco Sannolo, Hoby Tsimijaly Longosoa, Ryan Clark, Leo Jhaveri, Gonçalo M. Rosa, Walter Cocca, Franco Andreone, Angelica Crottini
Systematics and Biodiversity 23(1): 2513472
DOI: 10.1080/14772000.2025.2513472

Fotos: Aufnahmen gefundener Chamäleon in St. Luce aus der genannten Publikation

Frugivorie bei Furcifer oustaleti

Frugivorie bei Furcifer oustaleti

Beobachtungen Wissenschaft

Frugivorie, das Fressen von Früchten, ist bisher erst von wenigen Chamäleonarten bekannt. Dabei handelt es sich vor allem um einzelne Beobachtungen und wenige Studien. Japanische Wissenschaftler haben kürzlich untersucht, inwiefern Früchte fressenden Reptilien, darunter ein Chamäleon, zur Verbreitung von Pflanzensamen beitragen könnten.

Die Studie wurde im Nationalpark Ankarafantsika im Westen Madagaskars durchgeführt. Dazu wurden drei Arten von Reptilien während zweier Regenzeiten beobachtet und ihr Kot untersucht: Das Madagaskar-Riesenchamäleon Furcifer oustaleti, der Madagaskarleguan Oplurus cuvieri und die Schildechse Zonosaurus laticaudatus. Die Reptilien wurden tagsüber bei Frucht fressendem Verhalten gefilmt oder fotografiert und danach eingefangen. Chamäleons wurden vor allem nachts gefangen. Von Pflanzen, an denen Reptilien gefressen hatten, wurden Früchte mit Samen zur Bestimmung entnommen. Alle gefangenen Reptilien wurden für 6 Tage in Netzbehältern gehalten, bis Kot abgesetzt wurde. Danach wurden die Tiere mit Mikrochips versehen und wieder an ihren Fundorten ausgesetzt. Anschließend versuchten die Wissenschaftler, aus dem Kot der Tiere gewonnene Pflanzensamen zu gewinnen und auszusäen.

Insgesamt konnten 89 Chamäleons, 254 Madagaskarleguane und 38 Schildechsen für die Studie gefangen werden. 24,7% der beprobten Furcifer oustaleti hatten Pflanzensamen im Kot, während es bei den Leguanen 20,1% und bei den Schildechsen 15,8% waren. Die Beobachtungen ergaben, dass die Chamäleons und die Schildechsen von mindestens acht verschiedenen Pflanzen Früchte fraßen, während es bei den Leguanen sogar 18 verschiedene Pflanzenarten waren. Das Aussäen der aus dem Kot gewonnenen Pflanzensamen hatte teils Germinationsraten von über 50%.

Furcifer oustaleti fraß in der Beobachtungszeit in Ankarafantsika ausschließlich rote, schwarze oder braune Früchte mit maximal einem Zentimeter Durchmesser. Grüne oder größere Früchte wurden stets an den Pflanzen belassen. Die Früchte wurden meist zunächst mit der Zunge angetippt, bevor sie tatsächlich gefressen wurden. Manchmal wurden die Früchte auch mit der Zunge geschossen. Es wurden Früchte von Grangeria porosa, Terminalia boivinii, Trilepisium madagascariense, Antidesma madagascariense, Bridelia perviellana, Phyllanthus casticum, Chassalia princei und Doratoxylon chouxii von Furcifer oustaleti aufgenommen. Früchte wurden von den beiden Geschlechtern von Chamäleons und unabhängig von der Körpergröße in jedem der Beobachtungsmonate gefressen.

Die Autoren schließen daraus, dass alle drei Reptilienarten zur Verbreitung von Pflanzen in ihrem Lebensraum beitragen könnten. Bisher hielt man in Ankarafantsika vor allem den braunen Maki (Eulemur fulvus) für einen Saatgutverbreiter. Jetzt sollten die Überlegungen wohl auch auf Reptilien und ihre Rolle für das Ökosystem Wald erweitert werden – auch wenn der Anteil an Samen im Kot deutlich niedriger ist als der bei Lemuren.

Frugivory by three species of lizards in Madagascar: Implication for their ecological roles as seed disperser
Ryobu Fukuyama, Wataru Noyori, Shuichiro Tagane, Shouta Iyoda, Hiroki Sato
Biotropica 57(4): e70052
DOI: 10.1111/btp.70052

Foto: Furcifer oustaleti beim Verzehr von Früchten, Bild aus der oben genannten Publikation

Vortrag in Krefeld über Madagaskar

Vortrag in Krefeld über Madagaskar

Vorträge

Der Leiter der DGHT Regionalgruppe Saar-Pfalz, Patrick Schönecker, zeigt am Freitag, 04. Juni 2025 in Krefeld einen tollen Vortrag über Madagaskar. Die Insel im Indischen Ozean ist das Mekka für herpetologisch interessierte Reisende. Über 90% der hier vorkommenden Reptilien und Amphibien ist endemisch – es gibt sie nirgendwo sonst auf der Welt. Patrick war schon mehrfach vor Ort. Im Vortrag berichtet er von den Regenwäldern im zentralen Hochland und hiesigen Schutzbemühungen. Aber auch hoch in den Norden bis auf die kleine Insel Nosy Hara geht es – ein extrem spezielles Habitat und Heimat des zweitkleinsten Chamäleons der Welt.

Patrick Schönecker Madagaskar – Artenschutz und Artenvielfalt
DGHT Regionalgruppe Mönchengladbach/Krefeld
Vereinsheim SC 08 Schiefbahn
Siedlerallee 27
47877 Willich-Schiefbahn
Veranstaltungsbeginn 19.00 Uhr

Foto: Calumma parsonii parsonii, fotografiert von Patrick Schönecker

Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae

Erstes Wirbeltier mit jährlicher Allochronie: Chamaeleo chamaeleon musae

Wissenschaft

Allochronie beschreibt das Phänomen, dass zwei oder mehr Populationen einer Art zeitlich unterschiedliche Fortpflanzungszyklen haben, obwohl sie im gleichen Lebensraum vorkommen. Bei der sogenannten jährlichen Allochronie pflanzen sich die Populationen zu unterschiedlichen Jahreszeiten fort. Allochronie ist von vielen verschiedenen Arten bekannt, beispielsweise bei Insekten und Korallen, die zu verschiedenen Zeiten am Tag reproduzieren. Jährliche Allochronie dagegen ist extrem selten und bei Wirbeltieren bisher noch nie nachgewiesen worden. Zwei Wissenschaftler aus Israel haben nun bei Chamäleons dieses Phänomen erstmals festgestellt.

Sie untersuchten zwischen 2009 und 2021 an je zwei Nächten pro Monat die Chamaeleo chamaeleon musae Populationen im Holot Mash’abim Nature Reserve in Israel. Das Reservat liegt im nördwestlichen Bereich der Wüste Negev. Bei der Studie wurden die Chamäleons von einem langsam fahrenden Auto aus mit Taschenlampen entlang eines 4 km langen Weges gesucht. Gefundene Tiere wurden vermessen, das Geschlecht bestimmt, der Fundort aufgenommen und die Krallen in einer bestimmten Abfolge zur Identifikation gekürzt. Alle Tiere wurden innerhalb weniger als 20 Minuten wieder an ihrem Fundort freigelassen. Um das Alter der Tiere einzuschätzen, wurden zum einen die Zeiträume zwischen den Wiederfunden bereits markierter Tiere genutzt, aber auch ein mittels XGBoost entwickelter Algorithmus. Die Chamäleons konnten so den Altersklassen < 1 Jahr, 1-2 Jahre und > 2 Jahre zugewiesen werden. Alle Daten wurden statistisch ausgewertet.

Die erstaunlichen Ergebnisse zeigen, dass Chamaeleo chamaeleon musae wahrscheinlich in zwei voneinander durch jährliche Allochronie getrennte Population in der Wüste Negev vorkommt. In ungeraden Jahren schlüpft eine Population der Chamäleons im September. Diese Tiere überleben etwa bis November des darauffolgenden Jahres. In geraden Jahren schlüpft die zweite Population der Chamäleons, deren Tiere ebenfalls bis zum November des Folgejahrs leben. Die Lebenszeit der beiden Populationen überschneidet sich nur in einem kurzen Zeitraum, in dem gerade die eine Population schlüpft, die bereits adulten Tiere der anderen Population aber gerade Eier legen. Die fortpflanzungsfähigen Chamaeleo chamaeleon musae beider Populationen überschneiden sich damit nicht oder nur sehr selten durch sehr wenige, länger lebende Individuen.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler 1289 Chamäleons < 1 Jahr, 231 im Alter von 1 bis 2 Jahren und 27 Chamäleons > 2 Jahre finden. Davon waren 713 Chamaeleo chamaeleon musae bereit als Jungtiere erstmalig gefangen worden, so dass deren Alter sehr gut geschätzt werden konnte. Nur 9 davon wurden im Alter zwischen 1 und 2 Jahren noch einmal wiederentdeckt. Die Überlebensrate der Schlüpflinge bis zu ihrer ersten Fortpflanzungssaison war extrem niedrig. In ungeraden Jahren lag sie bei 1%, in geraden bei 2,5%. Das erste Jahr überlebten sogar noch weniger Chamäleons, mit 0,46% und 1,3%. Beide Populationen von Chamaeleo chamaeleon musae waren im ersten und zweiten Schlupfmonat am größten, um dann zügig abzusinken. Männliche Chamäleons überlebten die erste Fortpflanzungssaison ein bisschen seltener als weibliche, insgesamt war die Überlebensrate aber bei beiden Geschlechtern ähnlich. In jedem Beobachtungsjahr tauchten die ersten Schlüpflinge zwischen Mitte September und Mitte Oktober auf, zum Ende der heißen Saison. Während der kühleren und nässeren Saison von Dezember bis März wurden deutlich weniger Chamäleons, davon die meisten Jungtiere, gefunden.

Diese sehr spannende Studie wirft natürlich viele weitere Fragen auf. Kurzlebige Chamäleons gibt es einige, doch von nur wenigen wie Furcifer labordi ist der gesamte Lebenszyklus überhaupt bekannt oder untersucht. Möglicherweise finden sich noch mehr Wirbeltiere mit jährlicher Allochronie unter den Chamäleons – das gilt es noch zu erforschen!

First evidence of yearly allochrony in a terrestrial vertebrate: A case study of an annual chameleon
Liran Sagi, Amos Bouskila
Ecology 106(6), 2025: e70144
DOI: 10.1002/ecy.70144

Foto: Chamaeleo chamaeleon, fotografiert von Markus Grimm

Vögel als Fressfeinde des Indischen Chamäleons

Vögel als Fressfeinde des Indischen Chamäleons

Beobachtungen Wissenschaft

Diese Woche wurde eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, in der ein indischer Biologe eine Reihe von Beobachtungen zusammenfasst, bei denen Vögel Chamäleons in Sri Lanka und Indien angegriffen haben. Es handelt sich dabei ausschließlich um Beobachtungen mit Chamaeleo zeylanicus, dem Indischen Chamäleon, als Beute.

Insgesamt wurde bereits sieben Vögel zwischen 2012 und 2023 dabei beobachtet, Chamaeleo zeylanicus entweder angegriffen oder auch gefressen zu haben. In Bhadreshwar am westlichen Rand Indiens konnte ein Heckenkuckuck (Centropus sinensis) dabei beobachtet werden, wie er ein Chamäleon erbeutete. Im Janbughoda Wildlife Sanctuary im Osten Indiens war es eine Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda), die mit einem Chamäleon im Schnabel davonflog und dann beim Verzehr fotografiert werden konnte. In den Kolli Hills im Süden Indiens wurde ein Haubenschlangenadler (Spilornis cheela) beim Verzehr eines Indischen Chamäleons beobachtet. Drei weitere Haubenschlangenadler wurde im Wilpattu Nationalpark in Sri Lanka bei der Jagd gesehen. Eine andere Beobachtung im gleichen Nationalpark weist als Fressfeind von Chamäleons den Malabarhornvogel (Anthracoceros coronatus) aus.

Avian predators of the Indian Chameleon Chamaeleo zeylanicus
Raju Vyas
Biodiversity Observations 15, 2025: 96-98
DOI: 10.15641/bo.152

Foto: Wanderbaumelster beim Verzehr eines Indischen Chamäleons, das Foto stammt aus der genannten Publikation

Vortrag in Dortmund über Kenia

Vortrag in Dortmund über Kenia

Vorträge

Regina Liebel zeigt am Freitag, 04. Juli 2025 nahe Dortmund (Nordrhein-Westfalen) einen bilderreichen Vortrag über eine Kenia-Safari. Das Land im Osten Afrikas ist vor allem bekannt für seine „Big Five“. Dass auch die kenianische Herpetofauna einiges zu bieten hat und sich keinesfalls verstecken muss, zeigt dieser Vortrag. Regina Liebel begibt sich mit ihrern Zuhörern auf eine Reise durch fünf Nationalparks.

Regina Liebel Kenia-Safari durch fünf Nationalparks
DGHT Stadtgruppe Dortmund
Restaurant Olympia – Zur alten Post
Im alten Dorf 2
59192 Bergkamen – Weddinghofen
Veranstaltungsbeginn 19.30 Uhr

Erster Sachkundenachweis mit Schwerpunkt Chamäleons

Erster Sachkundenachweis mit Schwerpunkt Chamäleons

Sachkundenachweis

Wie unsere Tagungsteilnehmer bereits wissen, bietet das VDA-/DGHT-Sachkundezentrum Ost in diesem Jahr zum ersten Mal die Möglichkeit an, einen Sachkundenachweis mit Schwerpunkt Chamäleons abzulegen. Es handelt sich dabei um den Sachkundenachweis nach §11 TschG, den jeder gewerbsmäßige oder gewerbliche Halter ablegen muss; Privathalter können ihn freiwillig ablegen und so ihre Kenntnis nachweisen. Gewerbsmäßig kann übrigens auch schnell Privathalter betreffen, die über eine gewisse Zahl Nachzuchten im Jahr oder einen gewissen Umsatz durch verkaufte Nachzuchten kommen. Die erste Schwerpunktschulung Chamäleons findet vom 10. bis 12. Oktober 2025 in Berlin in Präsenz statt. Die Anmeldung ist hier per E-Mail möglich.

Vortrag in Leipzig über Madagaskar

Vortrag in Leipzig über Madagaskar

Vorträge

Johannes Pfleiderer zeigt am Mittwoch, 04. Juni 2025 in Leipzig (Sachsen) einen bilderreichen Vortrag über Madagaskar. Die Insel im Indischen Ozean ist das Mekka für herpetologisch interessierte Reisende. Über 90% der hier vorkommenden Reptilien und Amphibien ist endemisch – es gibt sie nirgendwo sonst auf der Welt. Unter den Endemiten sind nicht nur sehr viele Chamäleons, sondern auch die bekannten Buntfröschchen mit ihren vielen verschiedenen Vertretern.

Johannes Pfleiderer Unterwegs zu Mantella & Co. – Zoologische Reiseeindrücke aus Madagaskar
DGHT Stadtgruppe Leipzig
Gaststätte Neumann
Strelitzer Straße 1
04157 Leipzig
Veranstaltungsbeginn 19.00 Uhr

Invasive Pflanze tötet Chamäleons

Invasive Pflanze tötet Chamäleons

Beobachtungen

Eine interessante Beobachtung machte ein Madagaskarreisender mit seinem Guide im letzten Jahr: In Ranomafana im südlichen Hochland der Insel beobachtete er zwei Mal, dass Calumma oshaughnessyi Jungtiere sich in einer invasiven Pflanze verfangen und offenbar in Folge dessen gestorben waren. Die Autoren vermuten, dass die Tiere sich nicht mehr von den kleinen, feinen Widerhaken der Pflanze lösen konnten und dadurch möglicherweise verhungerten.

Die betreffende Pflanze ist der Spanische Klee (Desmodium uncinatum), der sich heute bereits weltweit verbreitet hat. Er ist eine gute Futterpflanze für Vieh, das auf Madagaskar einen hohen Symbolwert hat. Aus Indien und Australien gibt es jedoch Fallberichte, laut denen sich Fledermäuse und andere kleine Säugetiere an den klett-ähnlichen Pflanzenstängeln verfingen und starben. Untersuchungen zu diesem Thema wären sicher spannend und insbesondere für Jungtiere von Chamäleons auch durchaus wichtig.

Natural History Notes: Calumma oshaughnessyi
Michael Nash, Patrick Adriamihaja
Herpetological Review 55(3), 2024
DOI: nicht vorhanden

Foto: aus der genannten Publikation

Tagungsbericht 2025

Tagungsbericht 2025

Tagungsberichte

Vom 16. bis 18. Mai 2025 fand wieder einmal die Jahrestagung der AG Chamäleons in Boppard am Rhein statt. Traditionell trafen sich die schon freitags angereisten Chamäleonfreunde „Diverso“ in der Rheinallee zum gemütlichen und sehr leckeren Abendessen. Erfahrungsaustausch und viele Gespräche über, mit und um Chamäleons läuteten die Tagung ein.

Der Samstagmorgen begann mit dem ersten Remote-Vortrag direkt aus Berlin vor rund 35 Tagungsteilnehmern. Sophie Obermeier berichtete von den Sachkundeschulungen des VDA/DGHT-Sachkundezentrum Ost. Dort kann von Interessierten sowohl der Sachkundenachweis nach §2 TschG als auch der nach §11 für gewerbliche und – Achtung, das trifft auch auf viele Privathalter zu – gewerbsmäßige Halter absolviert werden. Sophie erklärte außerdem, weshalb jeder Chamäleonhalter einen Sachkundenachweis machen sollte – auch wenn es bisher in Deutschland keine Pflicht ist. Eine Schwerpunktschulung nur zu Chamäleons befindet sich derzeit in Planung. Nachdem die Technik nach kurzen Startschwierigkeiten einwandfrei funktionierte, gibt es schon die ersten Überlegungen, über diese Möglichkeit auf zukünftigen Jahrestagungen auch einmal Vortragende zu Wort kommen zu lassen, die auf Grund räumlicher Entfernung nicht die Möglichkeit zur persönlichen Teilnahme haben.

Im Anschluss stellte Falk Eckhardt seine Haltung von Trioceros serratus vor. Die Tiere sind – insbesondere die Weibchen – optisch nur schwer von Trioceros peretti und Triocecros wiedersheimi zu unterscheiden. Falk hatte eine Gruppe von einem anderen Halter übernommen und ebenfalls zur Nachzucht gebracht. Er stellte die Haltung in Gazegehegen mit an zwei Seiten angebrachten Korkwänden vor und ging auf Eiablage und erfolgreiche Inkubation der Eier ein. Nachdem das Herkunftsland der Art, Kamerun, seit Jahren keine Chamäleon-Exporte mehr erlaubt, ist die Terrarienpopulation von Trioceros serratus derzeit leider nicht besonders groß. Besonders ein Mangel an Weibchen lässt den langfristigen Erhalt der Art in deutschen Terrarien momentan eher unwahrscheinlich wirken. Wer Tiere der Art hält, auch einzelne, sollte sich unbedingt bei Falk melden, damit gegebenenfalls noch existente Einzeltiere vereint werden können.

 

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem reich bebilderten Reisevortrag von Gerd Fritzsche. Er hat schon zwei Mal die Region KwaZulu-Natal im Osten Südafrikas besucht. Seine „bucket list“ auf der letzten Reise umfasste dabei verschiedenste Zwergchamäleon-Arten, darunter Bradypodion melanocephalum, Bradypodion setaroi, Bradypodion thamnobates, Bradypodion caeroleogula und Bradypodiondracomontanum. Von Durban aus ging es mit dem Auto bis nach St. Lucia und zurück bis zu den berühmten Drakensbergen und Karkloof. Die ein oder andere Mamba wurde dabei von seinem ortskundigen, vor allem auf Schlangen spezialisierten Begleiter aus Hütten und Häusern entfernt. Und auch Nilpferde und Giraffen standen „als Beiwerk“ auf dem Reiseprogramm – wenn auch die vielfältigen Zwergchamäleons das Hauptziel der Reise waren.

Wieder zurück in die Terraristik ging es dann beim Vortrag von Jean-Dominique Dufraine. Er hält seit einiger Zeit Teppichchamäleons (Furcifer lateralis), eine kleine, aber umso farbgewaltigere Art aus dem Hochland Madagaskars. Jean-Dominique hofft, eine kleine Gruppe von Haltern zu finden, die Furcifer lateralis langfristig halten und nachzüchten möchten. Er ist besonders interessiert am Erfahrungsaustausch zu speziellen, arteigenen Anliegen wie dem „Eierwerfen“, für das Furcifer lateralis hinreichend bekannt ist. Jean-Dominique berichtet von der Erfahrung des Züchters seiner Tiere, dass die Chamäleons dann Eier im Sand vergruben, wenn das Licht einer Lampe bis zum Boden des Terrariums reichte. Mehrere Gelege sind nun im Inkubator. Es fanden sich noch vor Ort weitere Interessierte, die die Art vielleicht wieder oder erstmals pflegen möchten.

 

Der Fotowettbewerb war auch dieses Jahr wieder in zwei Kategorien unterteilt. Bei den Naturaufnahmen gewann Marko von der Osten-Ellinghaus mit seinem Foto eines erstaunlich bunten, balzenden Furcifer rhinoceratus Männchen auf Madagaskar den ersten Platz. Den zweiten Platz ergatterte Markus Bartels mit einem Foto eines Calumma parsonii parsonii der Farbvariante „green giant“, aufgenommen auf der Masoala-Halbinsel in Madagaskar. Gerd Fritzsche mit seinem Bradypodion setaroi aus St. Lucia, Südafrika, konnte den dritten Platz für sich verbuchen. In der Kategorie Terraristik gewann Gerd gleich noch einmal, diesmal allerdings den ersten Platz, mit einem sehr schönen Bradypodion damaranum. Auf den zweiten Platz schaffte es Benni Ludwig mit einem Parsons Chamäleon. Der dritte Platz wurde wegen Stimmengleichheit unter mehreren Teilnehmern ausgelost – Jean-Dominique Dufraine machte dabei das Rennen mit einem Teppichchamäleon. Die beiden Erstplatzierten erhielten je einen 50 €-Gutschein von Chimaira. Die zweiten und dritten Plätze erhielten jeweils Gutscheine über 30 bzw. 20 € von QB Insects und Der Terraristikladen. Letztere wurden vollständig für den Fotowettbewerb gesponsert, wofür wir uns herzlich bedanken möchten. Zusätzlich erhielt jeder Gewinner eine der Tagungs-Sammeltassen, die von Caro Vierbücher gestaltet werden und jedes Jahr – je nach Gewinnermotiv des Fotowettbewerbs im Vorjahr – die Chamäleonart wechseln.

Der Vortragsteil endete am Samstag mit der Mitgliederversammlung. AG-Sprecherin Dr. Alex Negro stellte in ihrem Jahresbericht vor, was das Leitungsteam in den letzten 24 Monaten auf die Beine gestellt hatte. Darunter waren unter anderem die über 120 Seiten starke CHAMAELEO 49 sowie zwei Flyer zur Mitgliederwerbung und zur Bewerbung der Nachzuchtstatistik. Aber auch Social Media und der rege genutzte Newsletter wurden weitergeführt. Die Nachzuchtstatistik, die seit 2022 intensiv beworben wurde, konnte für das Jahr 2024 erstmals seit fast 10 Jahren wieder erste Meldungen verbuchen. Nachdem Tim Vierbücher als Kassenwart zurückgetreten war, hatte Alex Negro außerdem provisorisch dessen Funktion übernommen. Sie zeigte daher auch die aktuelle finanzielle Situation der AG Chamäleon auf. Als Ziele für das kommende Jahr steht die 50. Jubiläumsausgabe der CHAMAELEO an. Außerdem ist ein Wettbewerb zur Modernisierung des inzwischen über 30 Jahre alten Logos der AG Chamäleons geplant.

Die Neuwahlen liefen dann wie erwartet schnell und unkompliziert ab: Das Leitungsteam wurde in seiner aktuellen Zusammensetzung bestätigt. Vervollständigt wird das Team aus Sprecherin und – neu, auch Schatzmeisterin – Alex Negro und den Beisitzern Jan-Benedikt Glaw, Monique Bartsch, Anne Stemper, Benjamin Ludwig und Svea Brüne außerdem nun von Lars Dwinger. Der Samstagabend klang beim gemeinsamen Pizzaessen aus.

 

Am Sonntag ging es los mit einem Vortrag über den aktuellen Stand der Chamäleonmedizin von Tierärztin Alex Negro. Sie berichtete, dass vor allem in den letzten zehn Jahren ein enormer Wissenszugewinn stattfand. Gab es Anfang der 1990er bei Gründung der AG Chamäleons nur vereinzelte Tierärzte und Tierärztinnen, die überhaupt Reptilien anschauten, so gibt es heute nicht nur über 120 auf der Liste der AG ARK gesammelte reptilienkundige Kolleginnen und Kollegen, sondern auch Referenzwerte für eine Vielzahl an Diagnostika wie Blutchemie, Blutbilder, Ultraschall, Röntgen und sogar für die Computertomographie nur für Chamäleons. Verschiedene Fallberichte aus aller Welt ergänzten den Vortrag.

Danach ging es praktischer und sehr reich bebildert weiter: Markus Bartels und Lars Dwinger berichteten von ihrer Madagaskarreise im April diesen Jahres. Sie verbrachten eine ganze Woche im Gebirgsregenwald von Marojejy im Nordosten Madagaskars, um dort zusammen mit dem Team von Tanalahorizon und Chamäleonforscher Dr. Frank Glaw unbeschriebene Arten zu finden, zu dokumentieren und – dank permits – auch zu sammeln. Im Anschluss an diese Schweiß treibende, aber was Chamäleons angeht sehr erfolgreiche Expedition ging es in den Tieflandregenwald von Bobangira direkt am Indischen Ozean. Auch dort warteten neue Entdeckungen – und eine recht beschwerliche Traktorfahrt.

 

Zum Abschluss gab es noch einige tolle Spenden an die AG:  Jutta Dwinger spendete den Erlös der von ihr verkauften, handgenähten Taschen in Höhe von 175 € . Caro Vierbücher spendete ihre Einnahmen aus dem Verkauf handbemalten Porzellans ebenfalls an die AG Chamäleons, noch einmal 184 €. Einen ganz herzlichen Dank an beide! Ein großes Dankeschön gilt natürlich auch allen Vortragenden für die interessanten, vielfältigen Beiträge und den Helfern im Hintergrund, die für das Gelingen der Tagung gesorgt haben. Und schlussendlich möchten wir uns bei Peter Sound für die Organisation der Räumlichkeiten bedanken.

Wir sehen uns 2026 in Hannover!

 

Tagungsprogramm 2025

  Freitag, 16. Mai 2025
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19:00 Anreise und gemütliches Abendessen
Diverso, Rheinallee 47a, 56154 Boppard
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  Samstag, 17. Mai 2025
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09:30 Eintreffen am Tagungsort: Altes Rathaus, Marktplatz, 56154 Boppard
09:45 Begrüßung und Tagungsbeginn
10:00 Sophie Obermaier: Sachkundenachweis für Chamäleonhalter in Deutschland
11:00 Falk Eckhardt: Haltung und Nachzucht von Trioceros serratus
12:00 Mittagspause
14:00 Gerd Fritzsche: Streifzug durch die Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika
15:00 Jean-Dominique Dufraine: Back to the roots – Teppichchamäleons
16:00 Kaffeepause
16:30 Fotowettbewerb
17:00 Mitgliederversammlung mit Neuwahlen
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  Sonntag, 18. Mai 2025
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09:45 Eintreffen am Tagungsort
10:00 Alex Negro: Neues, Skurilles und Interessantes aus der Chamäleonmedizin
11:00 Lars Dwinger, Markus Bartels: Der Gipfel von Marojejy und der Galeriewald von Bobangira – zwei nahezu unerforschte Chamäleonhabitate auf Madagaskar
12:00 Verabschiedung