Vortrag in Dortmund über Kenia

Vortrag in Dortmund über Kenia

Reiseberichte Vorträge

Am Freitag, den 06.02.2026, wird Rolf Mätzkow einen reich bebilderten Vortrag über eine spannende Reise in Kenia halten. Und Chamäleons werden nicht zu kurz kommen!

Kenia lockt nicht nur mit einer hohen Artenvielfalt, sondern auch mit ganz unterschiedlichen Landschaftstypen. Die kleine herpetologische Rundreise führt die Zuschauer über Naivasha in den Kakamega Regenwald, dem einzigen tropischen kenianischen (Tiefland-) Regenwald. Auf der Weiterfahrt laden die chamäleonreichen Höhen von Njoro zu einem Stop ein, bevor die Reise in den Mount Kenia Nationalpark führt – nicht nur der Chamäleons wegen. Natürlich darf bei der Rundreise die Savannenlandschaft nicht fehlen und so fügt sich der Tsavo Nationalpark mit Schlangen, Echsen und Schildkröten nahtlos in unser Tourkonzept ein. Der Besuch der Küstenlandschaft von Watamu, wo wir zu guter Letzt Korallenskinke kennlernen dürfen, bildet schließlich den harmonischen Ausklang der kleinen Rundreise.

Rolf Mätzkow Kenia – eine herpetologische Rundreise
DGHT Stadtgruppe Dortmund
Restaurant Olympia – Zur alten Post
Im alten Dorf 2
59192 Bergkamen
Vortragsbeginn 19.30 Uhr

Fotos: Collage von Rolf Mätzkow zum Vortrag

Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons

Vortrag in Münster über Madagaskars Chamäleons

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

Die DGHT Münster startet ebenfalls mit vielen Chamäleons ins neue Jahr. Am Freitag, den 16.01.2026, wird Philip-Sebastian Gehring einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine vielen Chamäleons halten.

Madagaskar beherbergt nahezu die Hälfte aller weltweit bekannten Chamäleonarten, die allesamt ausschließlich auf dieser Insel vorkommen. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht die Chamäleons Madagaskars zu einem bedeutenden Forschungsobjekt für die Wissenschaft, da sie einzigartige Einblicke in die Mechanismen von Evolution und Anpassung bieten. In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Studien und neue Entdeckungen unser Verständnis der Artenvielfalt und der evolutionären Prozesse innerhalb dieser Echsengruppe maßgeblich erweitert. Besonders die Identifikation und Beschreibung neuer Arten sowie die Untersuchung ihrer genetischen Unterschiede haben zentrale Erkenntnisse zur Entstehung und Differenzierung von Arten geliefert. Im Vortrag wird ein umfassender Überblick über diese Forschungsarbeiten gegeben und der aktuelle Stand zur Erforschung der madagassischen Chamäleons anschaulich präsentiert.

Dr. Philip-Sebastian Gehring Evolution und Diversität der Chamäleons Madagaskars – Neues aus der Forschung
DGHT Stadtgruppe Münster
Zooschule des Allwetterzoos Münster
Sentruper Straße 315
48161 Münster
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über den Haupteingang des Zoos

Fotos: kleine Calumma-Art auf Madagaskar, fotografiert von Philip-Sebastian Gehring

Vortrag in Frankfurt über Madagaskar

Vortrag in Frankfurt über Madagaskar

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

Die DGHT Frankfurt startet mit einem Highlight in das neue Jahr. Aufgrund eines Heimatbesuchs haben sie das große Glück, Rainer Dolch von der Association Mitsinjo in Andasibe, Madagaskar, begrüßen zu können. Am Freitag, den 09.01.2026, wird er einen ausführlichen Vortrag über Madagaskar und seine herpetologische Vielfalt halten.

Madagaskars Amphibien und Reptilien bewohnen die verschiedensten Lebensräume, von Tieflandegenwäldern über die höchsten Berggipfel zu Karstgebieten, Trockenwäldern und einzigartigen Halbwüsten. Die lange Isolation Madagaskars nach dem Zerfall des Urkontinents Gondwana, seine Geographie und die enorme Vielfalt seiner Lebensräume hat evolutive Prozesse befördert, die zahlreiche endemische Arten von Amphibien und Reptilien hervorgebracht haben. Viele dieser Taxa kommen allopatrisch und mikroendemisch vor, sie sind also auf sehr kleine eng begrenzte Gebiete beschränkt. So haben endemische Familien wie die Madagaskarfrösche (Mantellidae), die Madagaskarnattern (Pseudoxyrhophiidae) und die Madagaskarleguane (Opluridae) jeweils große Radiationen erfahren. Eine große Vielfalt beinloser Skinke sowie einige der seltensten Schildkröten der Welt gehören ebenfalls zur außergewöhnlichen Herpetofauna der Insel. Schließlich ist Madagaskar ein Hotspot der Chamäleondiversität, insbesondere in der Chamäleongattung Calumma sind erst in jüngster Zeit viele kryptische Arten beschrieben worden, die zwar äußerlich fast identisch aussehen, aber genetisch so verschieden sind, dass sie sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. Viele der in Madagaskar heimischen Amphibien und Reptilien und die von ihnen bewohnten Habitate werden ebenso vorgestellt wie Bedrohungen und Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Dr. Rainer Dolch Mikroendemismus, kryptische Arten, faszinierende Vielfalt: Eine Tour d’Horizon durch die Herpetofauna Madagaskars
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zooschule des Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über das Ausgangstor am Haupteingang Alfred-Brehm-Platz (Tor zwischen Zoo-Shop und Zoogesellschaftshaus)

Fotos: herpetologische Vielfalt Madagaskars, fotografiert von Rainer Dolch

Vortrag in Frankfurt über Äthiopien

Vortrag in Frankfurt über Äthiopien

Reiseberichte Vorträge Wissenschaft

Der Herpetologe Dr. Arthur Tiutenko von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hält am Freitag, den 26. September 2025 einen bilderreichen Vortrag über einen sehr speziellen Wald in  Äthiopien.

Der Harenna-Wald, der sich entlang des Südhangs des Bale-Gebirges im Süden Äthiopiens erstreckt, ist eines der letzten Waldgebiete am Horn von Afrika und der größte noch verbliebene Regenwald des afrikanischen Festlandes. Er ist nicht nur die Heimat des Arabica-Kaffees, sondern beherbergt auch zahlreiche andere endemische Pflanzen- und Tierarten, von denen viele noch nicht wissenschaftlich entdeckt und beschrieben sind. Die Herpetofauna des Harenna-Waldes umfasst mehr als 40 Arten, darunter die beiden großen äthiopischen Vipern – Bitis harenna und Bitis parviocula. Die Lebensräume dieser Tiere und das gesamte Ökosystem werden durch Überbevölkerung und zunehmende wirtschaftliche Nutzung zerstört. Sogar die Zukunft der offiziell geschützten Teile des Waldes sieht schwarz aus. Umso wichtiger ist es, Wissen über die Arten zu erlangen, die im Wald noch leben, bevor es zu spät ist. Arthur Tiutenko hat den Harenna Wald in zehn Expeditionen erkundet, über deren Ergebnisse er in diesem Vortrag berichtet.

Dr. Arthur Tiutenko Harenna Forest, Äthiopien – 12 Jahre Expeditionen in den letzten Regenwald am Horn von Afrika
DGHT Stadtgruppe Frankfurt
Zooschule des Zoo Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Vortragsbeginn 19.00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr über das Ausgangstor am Haupteingang Alfred-Brehm-Platz (Tor zwischen Zoo-Shop und Zoogesellschaftshaus)

Foto: Trioceros balebicornutus, fotografiert von Arthur Tiutenko auf einer seiner Reisen

Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)

Chamäleons in St. Luce (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Das Schutzgebiet St. Luce liegt im Südosten Madagaskars, nur 34 km nördlich der Großstadt Tolagnaro (Fort Dauphin). Zum Schutzgebiet gehören Strände und Felsklippen an der Küste des Indischen Ozeans, Tieflandregenwald, Sumpfgebiet, savannenartige Ebenen, Flüsse und Lagunen. Der verbliebene Regenwald ist in viele kleine Fragmente zersplittert. In der Gegend gibt es außerdem ein sehr großes Minenprojekt zum Abbau seltener Erden. 12 von 17 Waldfragmente von St. Luce sind dabei von den Minenarbeiten betroffen. Eine Gruppe von Wissenschaftler hat nun die Herpetofauna des Gebiets näher untersucht.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden Reptilien und Amphibien in St. Luce gesucht und gefangen. Die Suchen wurden mit dem bloßen Auge entlang bestehender Transekte durchgeführt. Zusätzlich wurden Bodenfallen entlang vier je 100 m langer Linien über zwei Wochen genutzt. Fünf künstliche Unterschlupfmöglichkeiten und fünf Wellbleche wurden an insgesamt 12 Orten ausgelegt, um darunter nach einer gewissen Zeit nach Tieren zu sehen.  Proben von Schwanzspitzen und Zehen wurden entnommen und Vermessungen durchgeführt, danach wurden die Tiere wieder an ihren ursprünglichen Fundorten freigelassen. Mittels genetischer Untersuchungen wurden die Arten bestimmt.

Von 17 Regenwaldfragmenten in St. Luce fanden die Wissenschaftler nur eines intakt und ein weiteres zwar intakt, aber stark in sich fragmentiert vor. Alle anderen Waldfragmente wurden mit deutlichen Anzeichen von Habitatzerstörung vorgefunden. Insgesamt konnten 22 Amphibien- und 54 Reptilienarten nachgewiesen werden. Vier Arten von Chamäleons waren unter den Reptilien: Palleon sp. aff. Nasus, Calumma tjiasmantoi, Furcifer major und Furcifer verrucosus. Alle vier Chamäleonarten kamen ausschließlich in den noch verbliebenen intakten oder intakten Bereichen der Wälder Angalavinaky, Ambandrika und Andranangy/Amboronteny/Agnalaro vor. In den Wäldern, die durch die Mine bereits zerstört werden, kamen gar keine Chamäleons vor. Unter den insgesamt 76 gefundenen Amphibien- und Reptilienarten waren 13 candidate species, die vermutlich unbeschriebene neue Arten darstellen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Artenvielfalt der Herpetofauna in St. Luce nach der vorliegenden Studie deutlich größer ist als früher angenommen. Sie schlagen vor, mehrere Waldfragmente in die “Mining Avoidance Zones“, also Gebiete, in denen nicht nach seltenen Erden gesucht werden soll, aufzunehmen und den Schutzstatus zu erhöhen.

A littoral treasure trove: a comprehensive assessment of the herpetofauna of Sainte Luce, southeastern Madagascar
Sam Hyde Roberts, Marco Sannolo, Hoby Tsimijaly Longosoa, Ryan Clark, Leo Jhaveri, Gonçalo M. Rosa, Walter Cocca, Franco Andreone, Angelica Crottini
Systematics and Biodiversity 23(1): 2513472
DOI: 10.1080/14772000.2025.2513472

Fotos: Aufnahmen gefundener Chamäleon in St. Luce aus der genannten Publikation

Einfluss von Landwirtschaft auf Chamäleons in Madagaskar

Einfluss von Landwirtschaft auf Chamäleons in Madagaskar

Wissenschaft

In Madagaskars östlichem Hochland wird Ackerland für Reisfelder hauptsächlich durch Brandrodung von Primärwäldern oder Sekundärvegetation gewonnen. Die Reisfelder werden nur eine Saison verwendet, im anschließenden Jahr wird das Feld für Wurzelgemüse genutzt. Bereits nach einer Ernte liegt das Land dann bis zu fünf Jahre brach, bevor es erneut brandgerodet wird, um wieder Reis anzubauen. Schon fünf dieser Zyklen können fruchtbares Land in nicht mehr nutzbaren Boden wandeln. In den letzten Jahrzehnten sind brachliegende Flächen in immer kürzeren Abständen gerodet worden. Diese Praxis hat dafür gesorgt, dass invasive, nicht-einheimische Pflanzenarten sich ausbreiten konnten, während auf Primärwald angewiesene madagassische Pflanzen verschwanden. Madagassische Wissenschaftler haben nun erforscht, welchen Einfluss diese Form der Landwirtschaft auf Chamäleons an der Ostküste Madagaskars hat.

Als Studienobjekt wurde der Regenwaldkorridor von Ankeniheny-Zahamena im östlichen Hochland genutzt. Er verläuft an der Ostküste Madagaskars über eine Fläche von rund 5000 km², die teils nur durch sehr schmale Waldfragmente miteinander verbunden sind. Insgesamt während der Regenzeit 44 Orte wurden untersucht, die in fünf Habitattypen eingeteilt wurden: Zehn Orte mit geschlossenen Regenwäldern, acht mit Baumbrachen, elf mit Strauchbrachen, zehn Orte nach mindestens fünf Brandrodungszyklen und fünf Orte, an denen Wiederaufforstung betrieben wurde. Chamäleons wurden mehrheitlich nachts entlang vorgegebener Transekte (je drei bis vier parallele Linien von 50 m Länge) gesucht, bestimmt und vermessen.

Insgesamt konnten 15 Chamäleonarten der Gattungen Brookesia, Furcifer und Calumma gefunden werden, wobei je drei Arten nicht exakt bestimmt werden konnten (es handelt sich hier, soweit erkennbar, um Tiere aus dem Calumma nasutum/emelinae-Komplex). Die meisten Chamäleons bevorzugten geschlossenen Regenwald, wohingegen nach Brandrodung deutlich weniger Tiere und Arten zu finden waren. In Waldstücken mit Aufforstungsbemühungen war die Zahl der Chamäleons wieder deutlich höher. Beides unterstreicht sowohl den notwendigen Schutz noch vorhander Regenwälder als auch die Relevanz der Wiederaufforstung auf Madagaskar.

Sechs Arten (darunter Calumma cf. vencesi, Brookesia superciliaris, Brookesia therezieni, Calumma parsonii) zeigten sich deutlich sensibler gegenüber Landwirtschaft und können wahrscheinlich nur sehr eingeschränkt außerhalb von Primärwald überleben. Nur drei Arten kamen überhaupt noch auf intensiv landwirtschaftlich genutzter Fläche vor, davon war lediglich Furcifer lateralis am häufigsten dort zu finden.

Effects of shwidden agriculture on chameleon diversity and abundance in eastern tropical rainforest in Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro, Josué Rakotoarioa, Alain Jean Victorien Rakotondrina, Ruth Kelly, Alison Cameron
Sustainability and biodiversity conservation 3(2): 99-118.
DOI: 10.5281/zenodo.13861065

 

Foto: Teppichchamäleon am Rande eines Reisfeldes in Madagaskar, fotografiert von Alex Negro