Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon

Einfluss von Straßen auf das Europäische Chamäleon

Wissenschaft

Auf der iberischen Halbinsel ist das Europäische Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) zwar lokal verbreitet, sein Lebensraum wird jedoch im Bereich der dicht besiedelten Küste vielfach von Straßen durchschnitten. Biologen der Universität von Málaga (Spanien) haben kürzlich untersucht, ob und wie sich stark frequentierte Straßen auf das Verhalten und die Populationsdichte des Europäischen Chamäleons auswirkt.

Sie untersuchten ein Studiengebiet in Privatbesitz in der Provinz Málaga im Süden Spanien, das sich am Rand der Autobahn A7 befindet. Die A7 hat ein hohes Verkehrsaufkommen mit täglich rund 43.121 Autos. Das Studiengebiet bestand aus aufgegebenen Oliven- und Mandelhainen, aber vor allem großen Gebieten mit Buschland aus gelbem Ginster und ginsterähnlichen Gewächsen wie Lavendel, Fenchel und grünen Zwergpalmen.

Die Biologen teilten das Studiengebiet in fünf je 225 m breite Felder ein, die unterschiedlich weit von der A7 entfernt waren. Nachts wurde dann mit Taschenlampen nach Chamäleons gesucht. Geschlecht, Saison, Gewichte und Position gefundener Chamaeleo chamaeleon wurden aufgenommen und ihr Vorkommen statistisch ausgewertet. Zusätzlich wurde notiert, in welcher Vegetation die Tiere sich befanden und ob Nahrung verfügbar war. Um die Verfügbarkeit von Arthropoden besser einschätzen zu können, wurden diese mit Fallen gefangen und gezählt.

Insgesamt konnten 148 adulte und 92 juvenile Chamaeleo chamaeleo gefunden werden, wobei 592 Kontrollpunkte ohne Chamäleonbeobachtungen blieben. Es fiel auf, dass die Populationsdichte von Chamaeleo chamaeleon in den Feldern, die am weitesten von der A7 entfernt lagen, am höchsten war. Nur 24,3% der adulten Chamäleons wurde in direkter Nähe zur Autobahn entdeckt, 62,2% dagegen befanden sich in den am weitesten von der Autobahn entfernten Bereichen. In den beiden Feldern direkt an der Autobahn fanden sich dazu passend auch die wenigstens Jungtiere. Die Chamäleons scheinen also von der Autobahn gestört zu sein und ziehen sich aus deren Nähe zurück. Das Angebot an Arthropoden, also potenziellem Futter), war in allen fünf Bereichen jedoch vergleichbar groß. Interessanterweise stellte sich außerdem heraus, dass mehr Chamäleons in Bereichen mit weniger Sträuchern vorkamen. Das spricht dafür, dass Chamaeleo chamaeleo Lebensräume mit sehr dichtem Gestrüpp eher meidet.

Die Ergebnisse der Studie passen zu denen bei anderen Reptilien, die unter anderem die sogenannte Road-effect zone beschreiben. Dabei handelt es sich um das Phänomen, das gerade und über weite Strecken verlaufende Straßen auch dann zu sehr viel ungeeignetem Lebensraum führen, wenn sie „nur“ schmale Säume haben, die von den Tieren vermieden werden. Die Länge der Straße und die Vielzahl der Straßen kann dann trotzdem den Lebensraum einer Art extrem stark beschneiden oder verkleinern. Diese Erkenntnis ist für das Europäische Chamäleon neu und für den Artenschutz wichtig.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gebiete mit hoch frequentierten Straßen in weniger als 500 bis 675 m Entfernung für Chamaeleo chamaeleon ungeeignete Lebensräume darstellen.

Effects of habitat characteristics in an anthropized landscape on the spatial behavior and abundance of a common chameleon (Chamaeleo chameleon) population
M.A. Farfán, J. Duarte, D. Romero, L. Colorado-Pedrero, P. García-Quevedo, R. Arroyo-Morales, F. Dìaz-Ruiz
Conservation Science and Practice 2025: e70070.
DOI: 10.1111/csp2.70070
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Neue Daten zu Furcifer campani in Ankaratra (Madagaskar)

Neue Daten zu Furcifer campani in Ankaratra (Madagaskar)

Wissenschaft

Zwei madagassische Biologen haben sich kürzlich mit der aktuellen Lage des Chamäleons Furcifer campani im Schutzgebiet Ankaratra beschäftigt. Ankaratra liegt rund 80 km südlich der Hauptstadt Antananarivo im zentralen Hochland, unweit der Kleinstadt Ambatolampy. Das Schutzgebiet erstreckt sich über Höhen von 1601 bis 2656 m und deckt dichten Regenwald, Pinienforst und Savannen mit Gebieten ähnlich einer Heidelandschaft ab. Die Durchschnittstemperaturen liegen in der Trockenzeit (Juli) bei 11,9°C, in der Regenzeit (Januar) bei 17,9°C.

Die Studie wurde mittels sogenanntem Distance sampling durchgeführt. Dabei werden an unterschiedlichen Orten innerhalb des Studiengebiets je drei Linien von 50 m Länge gezogen, die jeweils 25 m entfernt voneinander liegen. Nach einer Wartezeit von 24 h gingen die beiden Biologen die Transekte in der Nacht mit Taschenlampen ab und suchten nach Chamäleons. Die Fundhöhe sowie das Geschlecht der aufgefundenen Chamäleons wurde notiert. Außerdem wurde beurteilt, ob sich das Tier in einem stark zerstörten Habitat befand oder nicht (Brandrodung in den letzten 4-5 Jahren).

Die Ergebnisse der Studie ergeben eine Populationsdichte von Furcifer campani in Ankaratravon 19,06 Individuen pro ha in wenig zerstörten Lebensräumen sowie 12,62 Individuen pro ha in stark zerstörten Habitaten. Ungefähr die Hälfte der Transekte befanden sich dabei in stark durch Brandrodung zerstörten Lebensräumen. Furcifer campani war nachts auf Höhen zwischen 4 cm und 3 m über dem Boden zu finden. Im Durchschnitt befanden sich die Chamäleons mit 47 cm gegenüber 40 cm in unzerstörten Lebensräumen etwas weiter oben in der Vegetation schlafend.

Die beiden Autoren machten in Ankaratra zwei große Gefahren für Furcifer campani aus: Zum einen Brandrodung, die allerdings in zweifacher Hinsicht ein Problem darstellt. Nicht nur zerstört Brandrodung durch den Menschen geeigneten Lebensraum unwiderbringlich, die Autoren fanden auch an Brandverletzungen verstorbene Furcifer campani während ihrer Studie. Als zweite große Bedrohung machten die Autoren die Pinienforste innerhalb des Schutzgebietes aus. Pinien wurden dort an vielen Stellen zur späteren Abholzung angepflanzt. Sie breiten sich aber auch außerhalb des ursprünglich dafür angedachten Gebietes aus und greifen auf andere Lebensräume über. Furcifer campani bevorzugt jedoch den Aufenthalt in Savannen, die in Ankaratra vor allem aus Philippia und Helichrysum-Gräsern besteht, und kann mit den Pinienforsten nichts anfangen. Eine nennenswerte Entnahme von Tieren für den internationalen Handel findet in den letzten Jahren nicht mehr statt und wird daher nicht als akute Bedrohung gesehen.

Habitat quality and roost preference of jewelled chameleon (Furcifer campani) in Ankaratra highlands, central Madagascar
Rodlis Raphali Andriantsimanarilafy, Joseph Christian Randrianantoandro
Scientific Reports in Life Sciences 6(3), 2025: 33-40.
DOI:  10.5281/zenodo.16895177
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Foto: Furcifer campani auf Madagaskar, fotografiert von Thorsten Negro

Neuer Fundort von Calumma vencesi (Madagaskar)

Neuer Fundort von Calumma vencesi (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Calumma vencesi kommt im Norden Madagaskars vor und ist dort bisher von den Fundorten Betaolana, Besariaka und Tsararano bekannt. Ein madagassisches Forscherteam hat die Art nun noch in einem weiteren Regenwald entdecken können: In Sorata. Sorata gehört zum sogenannten COMATSA-Korridor, der vor allem aus den Regenwäldern Marojejy, Anjanaharibe Sud und Tsaratanana besteht. Sorata dagegen liegt noch etwas nördlicher in Richtung Vohémar. Der Regenwald wird derzeit vom WWF zusammen mit dem örtlichen Verein Ambodimandresy Miaro ny Ala (AMA) verwaltet.

Die Wissenschaftler verteilten zufällig 14 Transekte im Regenwald, die aus je drei parallel verlaufenden Linien von 50 m bestanden. Dann suchten sie nachts mit Taschenlampen entlang der Transekte nach schlafenden Chamäleons. Die Häufigkeit der Art pro 100 m wurde berechnet, die genutzten Pflanzen dokumentiert und die Schlafhöhe gemessen.

Insgesamt konnten acht Calumma vencesi gefunden werden. Sie schliefen auf einer durchschnittlichen Asthöhe vvon 1,43 m meist auf Blättern, wenige Individuen auf Ästen. Fünf Chamäleons wurden vertikal schlafend angetroffen, drei eher horizontal. Sieben von acht Calumma vencesi schliefen mit dem Kopf nach oben, nur eines kopfüber.

Das Vorkommen von nur 0,38 Individuen pro 100 m ist erstaunlich gering und unterschreitet sogar das von als vom Aussterben bedroht eingestuften Chamäleonarten wie Calumma tarzan. Bisher war Calumma vencesi außerdem ausschließlich unter 1000 m gefunden worden, das Studiengebiet in Sorata lag jedoch durchschnittlich auf 1326 m. Calumma vencesi kommt damit in Sorata im gleichen Verbreitungsgebiet wie Brookesia nana vor, was die Schutzbedürftigkeit dieses Regenwaldes noch dringender macht. Der Wald Brandrodung und illegalem Holzschlag sowie weidendem Vieh und Vanilleplantagen bedroht.

 A new locality for the endangered Vence’s Chamaeleon, Calumma vencesi Andreone et al., 2001, from Sorata Forest, northeastern Madagascar
Jeanneney Rabearivony, Andriatsitohaina Ranaivojaona, Moussaïna Jao, Achille P. Raselimanana
Herpetology Notes 18, 2025: 817-820.
DOI: nicht vorhanden
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Foto: Calumma vencesi, fotografiert von Asméralie William, aus der genannten Publikation

Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons

Ultraschall des Urogenitaltrakts bei Chamäleons

Tiermedizin Wissenschaft

In den letzten Jahren gab es erste Studien zur Bildgebung in der Diagnose von Erkrankungen speziell bei Chamäleons. Eine weitere Untersuchung von Tierärzten der Universität Leipzig legt nun weitere Vergleichsdaten zum Urogenitaltrakt von Chamäleons vor.

Sie untersuchten Nieren, Blase und Geschlechtsorgane von 42 Echsen, die von privaten Haltern an der Uniklinik vorgestellt wurden, mittels Ultraschall. Unter den Patienten waren sieben Chamaeleo calyptratus, fünf Furcifer pardalis. Von diesen 12 Chamäleons waren sechs männlich und sechs weiblich. Alle Organe wurden vermessen, beschrieben und Beispielbilder gespeichert.

Leider konnten bei keinem der weiblichen Chamäleons die Geschlechtsorgane für die Studie beurteilt werden, da sie entweder krankhaft verändert oder mittels vorangehender Operation bereits entfernt worden waren. Als Ankopplungsort für den Ultraschall der Nieren stellte sich bei den Chamäleons eine seitliche Ankopplung etwa einen Zentimeter vor der Hüfte als günstig heraus. Der postpelvine Anteil der Nieren war stets kleiner als der präpelvine. Die Nieren wiesen bei allen männlichen Chamäleons heterogene Flecken auf, während die Nieren der Weibchen stets homogen waren. Diese Streifung ist vermutlich auf Sexualsegmente in den Nieren bei Männchen zurückzuführen. Das Nierengewebe war isoechogen zu Muskelgewebe und hypoechogener als Fettgewebe. Die Hoden der männlichen Chamäleons lagen jeweils im hinteren Drittel der Coelomhöhle direkt unter der Wirbelsäule und vor den Nieren. Der rechte Hoden lag jeweils etwas weiter vorne als der linke. Die Kapsel war bei allen Männchen hyperechogen, während die Hodenstruktur stets homogen war. Durchschnittliche Maße der Nieren und Hoden der Jemen- und Pantherchamäleons werden in der Studie ebenfalls angegeben.

Die Daten entsprechen größtenteils den bereits von Aßmann 2015 zusammengetragenen Daten zum Ultraschall des Urogenitaltrakts von Chamäleons. Lediglich die Nierenlänge unterschied sich deutlich (länger) von vorhergehenden Untersuchungen.

Comparative sonographic studies of the urogenital tract of lizards
Nils B. Klützow, Volker Schmidt
Veterinary Radiology & Ultrasound 2025, 66:e70075
DOI: 10.1111/vru.70075
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Gencodierung bei Chamäleonzähnen

Gencodierung bei Chamäleonzähnen

Wissenschaft

Chamäleons verfügen über akrodonte, das heißt dem Knochen direkt aufsitzende, Zähne. Säuger dagegen haben sogenannte Alveolen, in denen die Zähne sitzen. Wissenschaftler aus Michigan (USA) haben nun die genetische evolutionäre Entwicklung der Zahnstrukturen im Vergleich von Säugetieren zu akrodonten Reptilien untersucht.

Dazu verglichen sie die Genome von 24 akrodonten Reptilien und 12 Säugetierarten. Unter den akrodonten Reptilien befanden sich unter anderem die Chamäleonarten Furcifer pardalis, Trioceros harennae und Chamaeleo calyptratus sowie nicht auf Artebene bestimmte Chamäleons der Gattungen Chamaeleo, Bradypodion und Trioceros.  Die Gene für Aminosäuren, aus denen bestimmte Eiweiße des Zahnschmelzes gebaut werden, wurden mittels verschiedener Berechnungen und Analysen verglichen.

Dabei kam heraus, dass der Verlust des Zahnwechsels bei akrodonten Reptilien tatsächlich zu Veränderungen in den Genen für die Zahnschmelzbildung führte.

Reduction of tooth replacement disproportionately affects the evolution of enamel matrix proteins

John Abramyan, Gengxin Li, Hannah Khansa
Journal of Molecular Evolution 93, 2025: 494-510.
DOI: 10.1007/s00239-025-10258-4
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Foto: Präparat eines Pantherchamäleon-Schädels mit akrodonten Zähnen, fotografiert von Alex Negro

…und sie passen sich doch ihrem Hintergrund an!

…und sie passen sich doch ihrem Hintergrund an!

Wissenschaft

Die Überschrift passt nicht ganz, aber fast. Wissenschaftler aus Großbritannien haben kürzlich nachweisen können, dass Lappenchamäleons ihre Färbung zu einem gewissen Grad tatsächlich dem Hintergrund anpassen.

Dazu wurden acht subadulte Chamaeleo dilepis, die zuvor aus Tansania importiert worden waren, mehreren Experimenten unterzogen. Die Chamäleons wurden dabei in einem kleinen Terrarium auf horizontalen Stangen sitzend unterschiedlichen Hintergründen ausgesetzt: Im ersten Experiment waren die Hintergründe gelb, gelbgrün, orange und blaugrün, im zweiten Experiment waren die Hintergründe schwarz und weiß. Und im dritten Experiment waren die Hintergründe mit einem gelben, gelbgrünen, schwarzen oder weißen Muster in unterschiedlicher Skalierung versehen (das Muster stammte ursprünglich aus Fotos von Brombeerbüschen aus dem Lebensraum der Chamäleons). Als „neutraler Raum“ vor den Experimenten wurde ein Terrarium mit grauem Hintergrund genutzt. Die Tiere wurden bei den Experimenten jeweils 21 Minuten lang immer wieder fotografiert.

Auf dem gelben Hintergrund zeigten die Chamäleons ohne Beutegreifer-Attrappe am schnellsten einen Farbwechsel. Zwischen gelb und orange zeigte sich in der Geschwindigkeit des Farbwechsels kein Unterschied, genauso wenig zwischen gelbgrün und blaugrünem Hintergrund. Je länger die Chamäleons vor dem orangefarbenen Hintergrund saßen, desto mehr passten sie sich diesem an.

Saßen die Chamäleons auf schwarzen Hintergründen, wurde ihre Färbung ebenfalls deutlich dunkler als auf grauen oder weißen Hintergründen. Bei den Experimenten mit unterschiedlich gemusterten Hintergründen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Chamäleons ihr eigenes Farbmuster auf grünen oder gelben Hintergründen reduzierten, auf weißen oder schwarzen Mustern jedoch kaum – das spricht dafür, dass die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum vor allem in grünem/gelben Gras besser geschützt sind als auf schwarzem oder weißem Untergrund.

Die exakte Farbe des Hintergrunds annehmen wie ein Oktopus konnten die Lappenchamäleons freilich nicht – dieser Mythos bleibt nach wie vor genau das – nur ein Mythos. Jedoch wäre es sicherlich interessant, ob und wann Chamäleons ihre Färbung eher aus Gründen der Kommunikation, der Tarnung oder der Thermoregulation ändern. Es bleibt also viel Raum für weitere Forschung.

Flap-necked chameleons change colour to match their background
Tom major, Alexia C.M. Hesten, Jan Stipala, Michael A. Cant, Martin Stevens, Jolyon Triscianko
Biology Letters 21, 2025: 20250134
DOI: 10.1098/rsbl.2025.0134

Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika

Vergleiche zwischen Zwergchamäleons in Südafrika

Wissenschaft

Südafrikanische Wissenschaftler haben sich kürzlich damit beschäftigt, ob drei sehr nah verwandte Bradypodion Linien in der Provinz Ostkap, Südafrika, auf Grund ihrer unterschiedlichen Lebensräume unterschiedlich entwickelt haben oder andere Ursachen dafür verantwortlich sind.

Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit den beiden Arten Bradypodion ventrale aus der Nama-Karoo und Bradypodion taeniabronchium aus den Elandsberg und Tsitsikamma Mountains und dem Fynbos von Thyspunt und Honeyville sowie einer bisher nicht als eigenen Art beschriebenen Population von Zwergchamäleons aus dem Fynbos der Groot Winterhoek Mountains. Letztere werden, da sie unter anderem im Groendal Nature Reserve vorkommen, häufig als Bradypodion sp. „groendal“ bezeichnet.

Nachts wurden mittels Taschenlampe und bloßen Augen Chamäleons gesucht. Adulte Chamäleons mit einer Körperlänge (SVL) von über 36 mm wurden über Nacht mitgenommen, um am nächsten Tag wieder an der Fundstelle ausgesetzt zu werden. Alle Tiere wurden genau vermessen. Gewebeproben von der Schwanzspitze wurden entnommen. Zusätzlich wurde die Astdicke und -höhe der Äste gemessen, auf denen die Chamäleons gefunden wurden. Weitere Astdicken wurden entlang je drei 100 m langer Transekte in jeder Population aufgezeichnet. Die erhobenen Daten wurden statistisch ausgewertet, die Gewebeproben genetisch untersucht.

Insgesamt konnten 232 Chamäleon für die Studie beprobt werden. Bradypodion taeniabronchium zeigte deutlich kleinere Kopfmerkmale als die beiden anderen Arten, dafür aber größere Hände und Füße. Bradypodion ventrale war insgesamt größer als die anderen, hatte aber längere Extremitäten. Bradypodion taeniabronchium nutzte die breitesten Äste (durchschnittlich 2,83 mm im Durchmesser), aber auch die niedrigsten (durchschnittlich 82 cm über dem Boden). Bradypodion ventrale dagegen nutze die dünnsten Äste (durchschnittlich 1,52 mm im Durchmesser), dafür aber die höchsten (durchschnittlich knapp 93 cm über dem Boden).

Die Forscher stellten fest, dass es bei allen drei Populationen von Zwergchamäleons eine erhöhte äußere Ähnlichkeit (Konvergenz) gab, wenn sie in gleichen Lebensräumen vorkamen und sich Chamäleons weniger ähnlich sahen (Divergenz), wenn sie in unterschiedlichen Lebensräumen vorkamen. Die Zwergchamäleons nutzten dabei nach Populationen getrennt bestimmte Astdicken bevorzugt, obwohl in ihrem Lebensraum auch andere Äste vorhanden gewesen wären. Die Autoren weisen zuletzt auch darauf hin, dass alle bisher vorhandenen Indizien dafür sprechen, dass die noch nicht beschriebenen Zwergchamäleons des Groendal Nature Reserves eine eigene Art darstellen.

Ecological factors promote convergent evolution and ecological speciation in dwarf chameleons (Bradypodion)
Krystal A. Tolley, Devon C. Main, Keith M. Dube, Bettine Jansen van Vuuren, Jessica M. da Silva
Zoosystematics and Evolution 101(3) 2025: 1227-1247
DOI: 10.3897/zse.101.151926

Foto: Bradypodion ventrale, aus der genannten Publikation

Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons

Nutzen von UV-Fluoreszenz bei Zwergchamäleons

Wissenschaft

Chamäleons verfügen vor allem am Kopf über fensterartige, durchscheinende Schuppen über bestimmten Knochenfortsätzen. Bescheint man den Knochen an diesen Stellen mit UV-Licht, leuchten die Bereiche auf. Man geht bisher davon aus, dass diese UV-Fluoreszenz bzw. die fluoreszierenden Tuberkel zur innerartlichen Kommunikation verwendet werden. Südafrikanische Wissenschaftler haben dies nun an Zwergchamäleons weiter untersucht.

Fünf Bradypodion-Arten in verschiedenen Lebensräumen (Fynbos, Wald, Buschland) wurden dafür untersucht.

Wenn die fluoreszierenden Tuberkel der Kommunikation zwischen Männchen und Weibchen bei der Fortpflanzung dienen, müsste man annehmen, dass sich ihre Anzahl zwischen Männchen und Weibchen stark unterscheidet. Chamäleons, die in einem dichten Wald leben, müssten außerdem mehr davon aufweisen als Tiere in offenem und damit für Fressfeinde einfach einzusehendem Gelände.

Das Ergebnis der Studie ist ganz erstaunlich: Das jeweils größere Geschlecht der verschiedenen Zwergchamäleon-Arten wies die höhere Anzahl an fluoreszierenden Tuberkeln auf. Bradypodion gleicher Größe hatten dagegen immer in etwa die gleiche Zahl an fluoreszierenden Tuberkeln am Kopf. Die verschiedenen Lebensräume schienen keinen Einfluss auf die Zahl der fluoreszierenden Tuberkel zu haben. Auch zwischen sehr von Menschen beeinflussten Lebensräumen wie Gärten und naturnahen, unberührten Landschaften bestand kein Unterschied.

Die Autoren schließen daraus, dass die fluoreszierenden Knochentuberkel bei südafrikanischen Zwergchamäleons wohl eher nicht zur Kommunikation genutzt werden. Es bleibt nun spannend, ob dies auch bei anderen Chamäleonarten der Fall ist.

Body size, not habitat or sex, best explains the extent of ultraviolet fluorescence in African dwarf chameleons (Bradypodion)
Jody M. Barends, Wade K. Stanton-Jones, Graham J. Alexander, Krystal A. Tolley
Journal of Zoology
DOI: 10.1111/jzo.70032

Foto: stammt aus der oben genannten Publikation

Lappenchamäleons in Cabinda (Angola)

Lappenchamäleons in Cabinda (Angola)

Verbreitung Wissenschaft

Die Provinz Cabinda, ein zu Angola gehörendes, 7064 km² großes Gebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, gehört zu den herpetologisch am wenigsten erforschten Gebieten Afrikas. Die Enklave liegt rund 50 km nördlich des übrigen Staatsgebietes Angola direkt an der Küste des Atlantiks. Sowohl ihr Enklavenstatus als auch die schwere Zugänglichkeit der vorhandenen Waldgebiete haben bisher dazu beigetragen, dass nur wenig Informationen über die hiesige Herpetofauna existieren. Der Nationalpark Mayombe macht rund ein Drittel des Gebiets von Cabinda aus. Mayombe teilt sich in einen höher gelegen Parkanteil mit Regenwald zwischen 500 und 900 m sowie einen niedrigen gelegenen Teil zwischen den Flüssen Inhuca und Chiloango. Daran an schließt sich eine Küstenebene mit Tälern und trockenere Vegetation direkt an der Küste.

Während zehn Expeditionen zwischen 2018 und 2024 wurden tageweise mittels Reptilien und Amphibien gesucht. Insgesamt wurden dabei 17 verschiedene Orte abgedeckt, wovon 10 innerhalb des Mayombe Nationalpark lagen. Fotos von allen Tieren wurden gemacht und Proben entnommen, um genetische Identifikationen zu ermöglichen.

Chamaeleo dilepis, das in Angola weit verbreitet ist, wurde in Mbongo Zimune im Mayombe Nationalpark in Flussnähe in einer Plantage von eingeschlepptem Bambus entdeckt. Die Bambusplantagen liegen auf rund 324 m ü.N.N. Außerdem wurde die Art in Nganzi auf 107 m in den Tälern gefunden, wo man die Art laut anderer Literatur häufiger antrifft. In den trockeneren Küstengebieten, wo Chamaeleo dilepis ebenfalls oft vorkommen soll, konnte in der vorliegenden Studie kein Chamäleon nachgewiesen werden.

Insgesamt konnten 76 verschiedene Arten nachgewiesen werden, davon 48 Amphibien- und 28 Reptilienarten. 33 in früherer Literatur erwähnte Amphibien- und Reptilienarten konnten nicht wiedergefunden werden.

Filling the gaps: herpetological checklist of Mayombe National Park and Cabinda Province (Angola) shed light on one of the most unexplored corners of tropical Central Africa
Javier Lobón-Rovira, Ninda L. Baptista, Tyron Clark, Luke Verburgt, Gregory F.M. Jongsma, Werner Conradie, Luis Verissimo, Pedro Vaz Pinto
African Journal of Herpetology 74(1): 1-59
DOI: 10.1080/21564574.2024.2421007

Chamäleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagaskar)

Chamäleons in Andrafiamena-Andavakoera (Madagaskar)

Verbreitung Wissenschaft

Der Norden Madagaskars ist eine Schatztruhe der Artenvielfalt – das ist lange bekannt. Trotzdem sind auch noch im 21. Jahrhundert etliche Gebiete der Insel wenig erforscht. Eine Gruppe madagassischer und US-amerikanischer Biologen hat nun eine neue Übersichtsstudie vorgestellt, die sich mit einem solchen Gebiet befasst.

Das Schutzgebiet Andrafiamena-Andavakoera (Paysage Harmonieux Protége d’Andrafiamena-Andavakoera) liegt im Norden Madagaskars genau zwischen dem Nationalpark Ankarana und dem Schutzgebiet Analamerana. Es wird von der NGO Fanamby betreut und besteht unter anderem aus drei voneinander isolierten Trockenwäldern namens Binara, Antsahabe und Andrafiamena.

Während des Übergangs der der Trocken- zur Regenzeit wurden Beobachtungen tagsüber und nachts mit dem bloßen Auge entlang ausgewiesener Transekte unternommen und entlang dreier Transektlinien Eimerfallen in den Boden gegraben. Zusätzlich wurde unter möglichen Zufluchtsorten von Reptilien, beispielsweise unter Totholz, geschaut und Rufe von Fröschen aufgenommen.

Insgesamt konnten dadurch 13 Amphibien- und 39 Reptilienarten in den drei Wäldern nachgewiesen werden. Drei Arten von Chamäleons kamen häufig in allen drei Trockenwäldern vor: Brookesia stumpffi in der Laubschicht, Furcifer pardalis und Furcifer petteri auf Bäumen und Sträuchern. Erstaunlicherweise war ausgerechnet die häufigste Chamäleonart Madagaskars, Furcifer oustaleti, während des Studienzeitraums nur in Andrafiamena anzutreffen, in Binara und Antsahabe aber nicht. Brookesia stumpffi wurde stets auf dem Boden oder schlafend auf jungen Pflanzen unter 1 m Höhe gefunden. Furcifer petteri und Furcifer pardalis befanden sich eher im mittleren oder oberen Bereich der Bäume. Als mögliche Bedrohung des Schutzgebietes nennen die Autoren vor allem den Menschen und die damit verbundene Zerstörung von Lebensraum.

Herpetofaunal diversity in northern Madagascar: The Andrafiamena-Andavakoera protected area.
Fandresena Rakotoarimalala, Arianna Kuhn, Achille P. Raselimanana, Sara Ruane
Malagasy Nature 19, 2025: 160-174
DOI: nicht vorhanden

Foto: Männliches Furcifer petteri auf Madagaskar, fotografiert von Alex Negro