Biologen der Universität Antananarivo haben kürzlich untersucht, wie sich die verschiedenen Lebensräume auf das Vorhandensein von vier Calumma-Arten auf Madagaskar auswirken. Als Studiengebiete wählten sie das Spezialreservat Ambohitantely, verwaltet von Madagascar National Parks, sowie zwei Wälder im Korridor von Anjozorobe-Angavo: Anorana, offiziell nicht als Schutzgebiet deklariert und von lokalen Gemeinschaften verwaltet, und Antsahabe unter der Führung der NGO Fanamby. Die drei Studiengebiete deckten dabei von intaktem Regenwald bis zu Waldfragmenten mit vor allem jungen Bäumen verschiedenste Waldtypen ab, darunter auch Flächen nach Brandrodung. Alle drei Gebiete liegen im nördlichen Hochland Madagaskars.
Innerhalb der Trocken- und Regenzeiten zweier Jahre suchten die Biologen entlang 50 m langer Transekte (pro Ort je 14 Transekte mit je 3 parallel verlaufenden Linien) nach Chamäleons. Die Suchen wurden jeweils zu zweit nachts mit Taschenlampen durchgeführt. Jedes gefundene Chamäleon wurde artbestimmt, vermessen und verschiedene Daten zum Fundort aufgenommen. Zusätzlich wurden 16 botanische Transekte über je 100 m Länge genutzt, um Daten zum umgebenden Lebensraum zu sammeln.
Die Ergebnisse einzelner Transekte mussten aus der Auswertung entfernt werden, da in ihrer Nähe zeitnah zu den Suchnächten Brandrodung erfolgte und ein Einfluss auf die Tiere nicht ausgeschlossen werden konnte. Insgesamt konnten dadurch noch 32 Transekte ausgewertet werden.
Grundlegend wurden erst einmal sowohl Calumma gastrotaenia als auch Calumma globifer, Calumma crypticum und Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe an allen drei Studiengebieten gefunden. Am häufigsten wurde mit weitem Abstand Calumma gastrotaenia entdeckt. Generell konnten wie erwartet deutlich mehr Chamäleons während der Regenzeit als während der Trockenzeit entdeckt werden, darunter vor allem mehr Schlüpflinge. An allen drei Orten waren zu allen Jahreszeiten mehr Weibchen als Männchen zu finden. In ungestörtem, intaktem Regenwald waren mehr Chamäleons unterwegs als in zerstörten Gebieten. Neben den gesuchten Calumma-Arten konnten auch Brookesia ramanantsoai, Brookesia thieli und Furcifer willsii entdeckt werden.
Zwischen Regen- und Trockenzeit konnten keine Unterschiede in der bevorzugten Höhe der zum Schlafen genutzten Plätze gefunden werden. Insgesamt nutzten die Chamäleons eine sehr hohe Bandbreite an Vegetation zum Schlafen. Schlüpflinge und Jungtiere nutzten allgemein schmalere und höher gelegene Schlafplätze als adulte Chamäleons.
Die höchste Populationsdichte von Calumma globifer fand sich in Anorana mit 88 Individuen pro Hektar. Im Durchschnitt schliefen die Tiere dieser Art zwischen 0,5 und 5 m Höhe und fast 40% saß dabei auf Lianen. Jungtiere konnten ab und an auf Bambus, Drachenbäumen (Dracaena ssp.) und Steineiben (Podocarpus madagascariensis). Calumma gastrotaenia und Calumma globifer bevorzugten Lebensräume mit großen Bäumen und dichterem Bewuchs zwischen 2 und 4 m Höhe. Calumma globifer bewohnte vor allem Lebensräume mit geschlossenem Blätterdach.
Die höchste Populationsdichte von Calumma gastrotaenia fand sich in Ambohitantely mit 60 Individuen pro Hektar. Die Art war vor allem in Unterholz mit Bambus, Farnen, Pflanzen mit länglichen Blättern und Gräsern vertreten. Dabei fiel auf, dass über 30% der Schlafplätze Bambus waren. Insgesamt schien die Art besser als die anderen mit zerstörtem Lebensraum zurecht zu kommen.
Die höchste Populationsdichte der Calumma nasutum-Gruppe fand sich in Ambohitantely mit 61 Individuen pro Hektar. Sie kamen vergleichsweise häufig auch während der Trockenzeit in Ambohitantely und Antsahabe vor. Die Art bevorzugte vor allem die Enden kleiner, dünner Äste und Kletterpflanzen zum Schlafen. Sie saßen meist zwischen 0,3 und 6 m Höhe. Über die Hälfte der gefundenen Tiere der Calumma nasutum-Gruppe waren auf den Ästen von Sträuchern und Blättern, die andere Hälfte fand sich auf Lianen und kletterndem Bambus (Nastus ssp.).
Calumma crypticum zeigte eine im Gegensatz zu den anderen Arten sehr viel geringere Populationsdichte in den untersuchten Wäldern, mit maximal 9 Individuen pro Hektar in Antsahabe. Calumma crypticum war während der Regenzeit als einzige Art höher zu finden als während der Trockenzeit, auf durchschnittlich 4 bis 6 m. Die Art zeigte aber auch allgemein eine hohe Variation in der Höhe der Schlafplätze, ein Chamäleon wurde auf nur 0,5 m Höhe entdeckt. Die Art bevorzugte vor allem dickere Äste. Sowohl Calumma crypticum als auch Chamäleons der Calumma nasutum-Gruppe bevorzugten offene Lebensräume, die trotzdem reich an Ästen waren. Unklar bleibt, ob insgesamt nur sieben im gesamten Studiengebiet aufgefundene Calumma brevicorne tatsächlich dieser Art zuzurechnen sind oder es sich hierbei um nicht zur fast 150 Jahre alten Originalbeschreibung passenden Individuen handelt.
Schlussendlich bestätigte sich, dass die Vegetationstruktur eines Lebensraums die Populationsdichte der untersuchten Calumma-Arten stark beeinflusst. Der von den Wissenschaftlern am als besten für Calumma-Arten geeignet beschriebenes Habitat boten die Wälder von Antsahabe und Anorana, beide befinden sich im Anjozorobe-Angavo-Korridor. In letzterem fanden sich auch die maximale Gesamtzahl an Calumma gastrotaenia und Calumma globifer. Das Reservat Ambohitantely dagegen fiel vor allem wegen sehr viel zerstörtem Waldgebiet auf. Allein in zwei Jahren während der Studie hatten mehrere große Feuer nach Brandrodung zu massivem Baumverlust geführt. Ambohitantely ist der Ort, von dem die Erstbeschreibung von Calumma crypticum stammt – dabei war genau diese Art in den Studiengebieten am geringsten vertreten.
Habitat use, selection, and population density of chameleon communities (Calumma spp.) in the fragmented central highland forests of Madagascar
Fandresena Raktoroarimalala, Arianna L. Kuhn, Achille P. Raselimanana, A. Tahinarivovny Jacquis, Sara Ruane
MBC Ecology and Evolution 25: 137.
DOI: 10.1186/s12862-025-02479-4
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Foto: Calumma globifer in Maintsoanala, fotografiert von Alex Negro


