Vögel als Fressfeinde des Indischen Chamäleons

Vögel als Fressfeinde des Indischen Chamäleons

Beobachtungen Wissenschaft

Diese Woche wurde eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, in der ein indischer Biologe eine Reihe von Beobachtungen zusammenfasst, bei denen Vögel Chamäleons in Sri Lanka und Indien angegriffen haben. Es handelt sich dabei ausschließlich um Beobachtungen mit Chamaeleo zeylanicus, dem Indischen Chamäleon, als Beute.

Insgesamt wurde bereits sieben Vögel zwischen 2012 und 2023 dabei beobachtet, Chamaeleo zeylanicus entweder angegriffen oder auch gefressen zu haben. In Bhadreshwar am westlichen Rand Indiens konnte ein Heckenkuckuck (Centropus sinensis) dabei beobachtet werden, wie er ein Chamäleon erbeutete. Im Janbughoda Wildlife Sanctuary im Osten Indiens war es eine Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda), die mit einem Chamäleon im Schnabel davonflog und dann beim Verzehr fotografiert werden konnte. In den Kolli Hills im Süden Indiens wurde ein Haubenschlangenadler (Spilornis cheela) beim Verzehr eines Indischen Chamäleons beobachtet. Drei weitere Haubenschlangenadler wurde im Wilpattu Nationalpark in Sri Lanka bei der Jagd gesehen. Eine andere Beobachtung im gleichen Nationalpark weist als Fressfeind von Chamäleons den Malabarhornvogel (Anthracoceros coronatus) aus.

Avian predators of the Indian Chameleon Chamaeleo zeylanicus
Raju Vyas
Biodiversity Observations 15, 2025: 96-98
DOI: 10.15641/bo.152

Foto: Wanderbaumelster beim Verzehr eines Indischen Chamäleons, das Foto stammt aus der genannten Publikation

Erstmalig beobachtet: Uhu erbeutet Chamäleon

Erstmalig beobachtet: Uhu erbeutet Chamäleon

Beobachtungen Wissenschaft

Der Uhu (Bubo bubo) ist die größte einheimische Eule Europas und hat ein großes Verbreitungsgebiet, das bis nach Griechenland reicht. Er ist nicht nur sehr anpassungsfähig, was genutzten Lebensraum angeht, sondern auch bei seiner Beute. Zu bekannten und üblichen Beutetieren zählen im Mittelmeerraum vor allem kleine bis mittlere Säugetiere und andere, kleinere Vögel. Ampihibien, Reptilien, Fische und Wirbellose wie Insekten werden zwar auch erbeutet, galten bisher aber stets eher als Notbehelf vor allem in Gegenden von Griechenland, wo ein Mangel an größeren Beutetieren herrscht.

Eine sehr spezielle Beobachtung zum Beutespektrum der Eulenart haben kürzlich griechische Autoren in der Gegend um Pylos in der westlichen Peloponnes gemacht. Im Juli 2024 beobachteten die Autoren am frühen Morgen einen Uhu bei der Jagd. Er erbeutete zu ihrer Überraschung ein Chamaeleo africanus. Dies ist die erste veröffentlichte Beobachtung, bei der ein Uhu ein Chamäleon erbeutete. Weitere Forschung darüber wäre wünschenswert, denn tatsächlich fehlt es insgesamt an Daten zum Beutespektrum von Uhus in der Peloponnes.

An exceptionally rare predation on a chameleon species (Squamata: Chamaeleonidae) by a Eurasian Eagle-Owl (Aves: Strigidae)
Apostolos Christopoulos, Luca Cornacchia, Christos Kotselis, Yiannis G. Zevgolis
Diversity 17, 2025: 333
DOI: 10.3390/d17050333

Foto: aus der genannten Publikation

Madagaskar-Riesenchamäleon frisst Teppichchamäleon

Madagaskar-Riesenchamäleon frisst Teppichchamäleon

Beobachtungen Wissenschaft

Aus der Hauptstadt Madagaskars, Antananarivo, berichten drei Autoren von einer interessanten Beobachtung. In der Nähe von Akamasoa beobachteten sie ein männliches Furcifer oustaleti, das gerade dabei war, ein anderes Chamäleon zu verschlingen. Das Tier war nicht beim Jagen beobachtet worden. Das Opfer, vermutlich ein Tepichchamäleon (Furcifer lateralis), wurde innerhalb weniger Minuten vollständig verschlungen.

Die Beobachtung reiht sich ein in wenige spannende Sichtungen von relativ großen Chamäleons, die auf den ersten Blick „zu große“ Beute fressen. Es scheint aber nicht allzu oft vorzukommen, denn die existenten wenigen Beobachtungen verteilen sich über mehrere Jahrzehnte. Interessant ist, dass die neue Beobachtung in der Trockenzeit gemacht wurde, wenn die Insektendichte im Vergleich zur Regenzeit deutlich niedriger ist.

Predation on Furcifer sp. by Oustalet’s Chameleon, Furcifer oustaleti (Mocquard, 1894), in the Central Highlands of Madagascar
Angelinah René de Roland, Duvivier Razarazafy, Séraphin Fabrice
Herpetology Notes 18: 305-306.
DOI: nicht vorhanden

Foto: aus der genannten Veröffentlichung

Furcifer verrucosus im Magen einer Schlange entdeckt

Furcifer verrucosus im Magen einer Schlange entdeckt

Beobachtungen Wissenschaft

Einen kuriosen Fund machten Biologen der Universtität Michigan (USA) kürzlich: Sie untersuchten eine vor 31 Jahren präparierte Schlange der Art Langaha madagascariensis per Sektion und MikroCT. Das Präparat befand sich bereits seit 1994 weitestgehend unangetastet im Zoologischen Museum der Universität von Michigan. Ursprünglich gesammelt wurde die Schlange von R.A. Nussbaum im äußersten Süden Madagaskars, unweit von Tolagnaro. Über den Speiseplan der Blattnasennatter ist wenig bekannt, man weiß lediglich von anekdotischen Fallberichten. Nun reihen sich auch Chamäleons in die Reihe potenzieller Beutetiere ein: Im Magen der untersuchten weiblichen Blattnasennatter fand sich ein adultes Furcifer verrucosus.

Natural history notes: Langaha madagascariensis (Malagasy leaf-nosed snake)
Andressa L. Viol, Hayley L. Crowell, Justin L. Lee, Tristan D. Schramer
Herpetological Review 55 (2), 2025: 223-226.
DOI: nicht verfügbar

Foto: Furcifer verrucosus, fotografiert von Nick Newberry, CC BY 4.0