Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Artbeschreibung von Chamaeleo incognitus für ungültig erklärt

Neubeschreibungen Wissenschaft

Der Chamaeleo dilepis-Komplex wirft nach wie vor sehr viele Fragen auf. Eine weite Teile Afrikas übergreifende Untersuchung der Genetik und der Morphologie steht noch aus. 2025 beschrieb Nečas im von ihm selbst veröffentlichten Magazin Archaius die Art Chamaeleo incognitus. Außerdem erhob er die Unterarten Chamaeleo dilepis roperi sowie Chamaeleo dilepis martensi in den Artstatus. Südafrikanische Forscher haben sich nun noch einmal eingehender mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass sowohl die Neubeschreibung als auch die Artstatusänderungen ungültig sind.

Die Autoren des aktuellen Papers weisen auf mehrere Probleme hin, die dieser Artbeschreibung zugrunde liegen. Einmal geht Nečas davon aus, dass ein konserviertes Chamäleon aus Mombasa (Kenia) das „echte“ Chamaeleo dilepis ist. Die Typuslokalität von Chamaeleo dilepis ist jedoch Gabun, rund 3300 km von den ostafrikanischen Chamaeleo dilepis entfernt. Des Weiteren existieren vom Holotyp, also dem zuerst unter dem Namen Chamaeleo dilepis beschriebenen Tier, gar keine ausführliche Beschreibung der Hemipenes. Lediglich eine Publikation aus 2007 erwähnt die Hemipenes von Chamaeleo dilepis kurz in neun Worten. Trotzdem nutzt Nečas diese paar Worte als feststehende Beschreibung und erklärt, dass die Hemipenes von Chamaeleo incognitus davon abwichen. Was er dann sehr knapp beschreibt, entspricht jedoch den Hemipenes von Chamaeleo dilepis roperi. In den Fotos der Hemipenes von Chamaeleo incognitus erkennen die südafrikanischen Wissenschaftler – nur um die Verwirrung noch zu erhöhen – jedoch die gleichen Merkmale wie die an den Hemipenes der Chamaeleo dilepis aus Mombasa.

Dazu kommt, dass bereits eine Veröffentlichung 2022 mittels genetischer Untersuchungen feststellte, dass die Chamaeleo dilepis Ostafrikas sich deutlich von den Chamaeleo dilepis Westafrikas unterscheiden. Dabei bilden sowohl die Tiefland- als auch die Hochlandarten Ostafrikas eine zusammengehörige Clade. Rein äußerlich sind die Chamaeleo dilepis roperi aus dem Küstengebiet und die aus dem Hochland dabei nicht sicher zu unterscheiden. Würde man also eine der beiden Populationen als eigene Art – hier die im Hochand als Chamaeleo incognitus – beschreiben wollen, bräuchte es dafür genetische Beweise. Diese fehlen in der Veröffentlichung von Nečas. Es bleibt als einziger Artunterschied der unterschiedliche Lebensraum bzw. die Höhenlage – das ist für die südafrikanischen Wissenschaftler nicht ausreichend, um eine eigene Art zu beschreiben. Chamaeleo incognitus ist daher als Synonym zu Chamaeleo dilepis roperi zu sehen.

Die Beschreibung erfolgte außerdem nicht nach den Regeln des ICZN (international code of zoological nomenclature).  Gängige „best practice“-Regeln wie beispielsweise ein Hinweis auf den Interessenskonflikt wurden nicht beachtet. Dazu zählt beispielsweise, einen Artikel ohne Begutachtung durch Fachkundige (sogenanntes Peer Review) im eigenen Magazin zu veröffentlichen.

Chamaeleo incognitus or Chamaeleo ignotus? Questioning the taxonomic validity of a new chameleon species
Devon C. Main, Colin R. Tilbury
African Journal of Herpetology, April 2026
DOI: 0.1080/21564574.2025.2595158
Kostenloser Download des Artikels

Foto: Chamaeleo dilepis aus Botswana