Zeig her deine Zunge!

Internationaler Chamäleontag

Die Zunge von Chamäleons ist etwas ganz Besonderes: Mit ihr fangen Chamäleons auf spektakuläre Art und Weise ihr Futter, indem sie damit schießen. Lange dachte man, dass einer der Zungenmuskeln für die Schusskraft verantwortlich sein müsste. Heute weiß man, dass ein Apparat aus vielen Schichten von Kollagenfasern für die notwendige Schussfähigkeit sorgt. Vereinfacht gesagt funktioniert die Chamäleonzunge wie eine Art Katapult mit Gummiband, nur in Millisekundenschnelle. Hier gibt es den Aufbau der Zunge genauer erklärt.

Die Chamäleonzunge schießt mit einer irren Beschleunigung aus dem Maul heraus, trifft das Futter und wird dann langsam wieder eingezogen. Dabei schließt das Chamäleon die Augen, um Verletzungen dieser wertvollen Sinnesorgane beim Zurückschnellen der Zunge samt Insekt zu vermeiden. Vollständig „ausgefahren“ ist die Zunge bei den meisten Chamäleons anderthalb mal so lang wie der Körper, bei sehr kleinen Arten wie Erdchamäleons sogar bis zu zweieinhalb mal so lang. Ein wirklich bemerkenswertes Organ!

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Video: Madcham.de

ChamäleonTAG? Chamäleon-WOCHENENDE!

ChamäleonTAG? Chamäleon-WOCHENENDE!

AG Interna Internationaler Chamäleontag

Und wer auf den Geschmack gekommen ist und gar nicht genug von Chamäleons bekommen kann: Es gibt dieses Jahr nicht nur einen Internationalen Chamäleontag, sondern auch ein ganzes Wochenende mit dem Thema Chamäleons! Auf unserer Tagung 2024 bist du dafür genau richtig. Vom 24. Bis 26. Mai 2024 treffen sich Chamäleonfreunde aus aller Welt in Fulda, um Erfahrungen auszutauschen, Tipps und Tricks zu lernen und dem gemeinsamen Hobby nachzugehen, der Welt der Chamäleons. Wir haben eine bunte Vortragsreihe und einen Fotowettbewerb vorbereitet. Wer Lust hat, kann sich unverbindlich über unsere Website anmelden. Wir freuen uns auf „alte Bekannte“, aber gerne auch auf neue Gesichter!

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Kann man Chamäleons als Haustier halten?

Kann man Chamäleons als Haustier halten?

Internationaler Chamäleontag

Über viele, viele Jahre galten Chamäleons als „unhaltbar“. Während Hunde und Katzen schon Jahrhunderte den Menschen begleiteten, wurden vermeintlich „exotischere“ Arten erst später als mögliche Haustiere entdeckt. Wegen ihrer doch nicht ganz niedrigen Haltungsansprüche standen Chamäleons jedoch über Jahrzehnte immer ein wenig abseits. Erst mit großen Weiterentwicklung in der Terrarientechnik ab den 1990er Jahren gelang es immer mehr Haltern, verschiedene Arten von Chamäleons erfolgreich zu halten und zu vermehren. Heute gibt es sogar mehrere Arten, die man selbst Anfängern in der Terraristik guten Gewissens empfehlen kann. Es hat sich also sehr viel getan in der Terraristik. Galten Chamäleons oder einzelne Arten vor ein paar Jahrzehnten noch als „unhaltbar“, haben wir heute eine Vielzahl positiver Haltungsberichte von den verschiedensten Arten aus aller Welt. Das Magazin der AG Chamäleons, die CHAMAELEO, veröffentlicht solche Haltungsberichte seit vielen Jahren. Nach Arten sortiert findest du über hundert Haltungsberichte davon hier: Übersicht Haltungsberichte.

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Foto: Pantherchamäleon, eine der am häufigsten gepflegten Arten in der Terraristik, fotografiert von Bernard Dupont, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Schwanzvergleich

Schwanzvergleich

Internationaler Chamäleontag

Chamäleons haben einen einzigartigen, beweglichen Schwanz. Er ist die Verlängerung der Wirbelsäule und kann komplett eingerollt werden, damit das Chamäleon größer wirkt. Davon machen die Tiere z.B. Gebrauch, wenn sie Artgenossen drohen. Durch die Form der Wirbel bedingt kann der Schwanz ausschließlich nach unten eingerollt werden – auch wenn Disney das irgendwie nicht mitbekommen hat. Baum bewohnende Chamäleons haben meist einen Schwanz, der ungefähr nochmal so lang ist wie ihr Körper. Eine Ausnahme ist Furcifer balteatus, das verhältnismäßig wohl den längsten Schwanz hat. Baum bewohnende Chamäleons nutzen ihren Schwanz beim Klettern zum Greifen und können daran problemlos ihr gesamtes Körpergewicht herunterhängen lassen. Boden bewohnende Chamäleons verfügen in der Regel nur über einen kurzen Stummelschwanz, der lediglich beim Laufen stabilisierend auf den Untergrund aufgesetzt wird.

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Foto: Schwanz eines Parsons Chamäleons, fotografiert von Alex Laube

Der Panoramablick

Der Panoramablick

Internationaler Chamäleontag

Chamäleons sind bekannt dafür, dass sie ihre Augen unabhängig voneinander bewegen können. Sie stehen weit aus dem Gesichtsschädel heraus und sind bis auf eine schmale Iris und die Pupile komplett mit schuppiger Lidhaut bedeckt. Diese anatomische Besonderheit verschafft Chamäleons den Effekt einer Lochkamera auf beiden Augen: Sie sehen dadurch viel schärfer. Bis zu einen Kilometer (!) weit können Chamäleons scharf sehen. Die Fokussiergeschwindigeit beträgt etwa 60 Dioptrien pro Sekunde – das vierfache dessen, wozu ein Mensch fähig ist. Chamäleons sehen vor allem Farben und wenig Kontraste, was sie nachts praktisch blind macht. Kleine Öltröpfchen, die sich auf den Zapfen anlagern, verschaffen Chamäleons außerdem eine Art „eingebaute Sonnenbrille“. Chamäleon-Augen können aber noch viel mehr! Das Chamäleon hat ein unglaublich großes Sehfeld von 90° vertikal und 180° horizontal. Insgesamt beträgt das Sichtfeld fantastische 342°! Nur über dem Rücken direkt hinter dem Kopf gibt es einen toten Winkel von 18°, in denen ein Chamäleon nichts sehen kann. Zum Vergleich: Der Mensch hat nur läppische 189° als Sehfeld zur Verfügung. Zusätzlich verfügen Chamäleons noch über ganz spezielle Linsen. Die Akkomodationsbreite liegt beim Chamäleon bei unglaublichen 45 Dioptrien. Der Mensch kann als Jugendlicher gerade mal 15 Dioptrien akkomodieren, im Alter sogar noch deutlich weniger. Ob die Sehschärfe beim Chamäleon im Alter abnimmt, ist dagegen nicht bekannt.

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Foto: Auge eines Pantherchamäleons, fotografiert von Brice Miller, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Die Hände und Füße des Chamäleons

Die Hände und Füße des Chamäleons

Internationaler Chamäleontag

Chamäleons können sich perfekt auf dünnen und dickeren Ästen bewegen. Dazu befähigen sie ihre umgebauten Hände und Füße. Von den Knochen her sind sowohl Hände als auch Füße sehr ähnlich aufgebaut wie bei uns Menschen. Nur sind sie in kleine Greifzangen geteilt, damit dass Chamäleon sich besser an Ästen festhalten kann. Damit fällt ihm das Klettern wesentlich leichter als uns! An den Händen sind zwei Finger nach außen und drei nach innen gerichtet. An den Füßen ist es genau andersherum. Man nennt diese „zusammen gewachsenen“ Finger Syndaktile. An jedem Finger und jeder Zehe befindet sich eine kleine, spitze Kralle. Diese Krallen ermöglichen es den Weibchen, effektiv zu graben, um später ihre Eier ablegen zu können. Deshalb werden bei einigen Arten die Krallen während der Fortpflanzungssaison auch länger als sonst.

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Abbildung: aus The Osteology of Reptiles, 1925
Foto: Chamaeleo zeylanicus, fotografiert von Hari K Patibanda, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Eier oder nicht

Internationaler Chamäleontag

Chamäleons legen Eier! Aber nicht alle. Es gibt bei den Chamäleons zwei Varianten der Fortpflanzung. Die allermeisten Chamäleons legen tatsächlich Eier. Die Eier sind meistens weiß bis beigefarben, weichschalig und klein. Zu den Ei legenden Arten gehören die Gattungen Brookesia, Calumma, Chamaeleo, Furcifer, Kinyongia, Nadzikambia, Palleon, Rhampholeon und Rieppeleon. Die kleinsten Eier legt ein kleines, braunes Erdchamäleon aus Madagaskar, Brookesia nana. Sie sind wenige als 10 mm groß! Die größten Eier dagegen legt das Parsons Chamäleon, Calumma parsonii parsonii, das ebenfalls aus Madagaskar kommt. Seine Eier sind zum Ende der unglaublich langen Inkubationsphase von anderthalb Jahren mehrere Zentimeter lang. Die meisten Eier legen übrigens die großen Mellers Chamäleons (Trioceros melleri) und Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus), obwohl letztere wesentlich kleiner sind. Bei starker Fütterung in der Terraristik schaffen Jemenchamäleon-Weibchen über 50 Eier, was ungaublich viel für so ein kleines Tier ist. Vom Mellers Chamäleon sind sogar Gelege mit über 80 Eiern bekannt.

Dagegen sind die Gattungen Archaius, Bradypodion und viele Arten der Gattung Trioceros eilebendgebärend oder ovovivipar. Das bedeutet, dass diese Chamäleons lebende Jungtiere gebären, die bei der Geburt noch von einer dünnen Eihaut umgeben sind. Man vermutet, dass es sich dabei um eine Anpassung an kühlere Temperaturen handelt. Denn die eilebendgebärenden Chamäleons leben hoch oben auf Bergen, wo es nicht so warm wird wie weiter unten im Land.

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Video: BBC Earth, Frozen Planet II

Wer hat die meisten Hörner?

Wer hat die meisten Hörner?

Internationaler Chamäleontag

Viele Chamäleons tragen Hörner oder andere Nasenfortsätze. Doch wer hat die meisten? Regulär ist das das Vierhorn-Chamäleon, Trioceros quadricornis. Es kommt aus Kamerun und Nigeria. Vor allem die Männchen dieser Art tragen meistens gleich vier echte Hörner auf der Nase. Die Unterart Trioceros quadricornis gracilior kann sogar vereinzelt bis zu sechs Hörner haben – häufig ist dieser Hornrekord aber nicht. Übrigens können sogar die Weibchen dieser Art behornt sein – das ist bei vielen anderen Arten nicht der Fall.

Man unterscheidet bei Chamäleons übrigens echte Hörner von unechten. Chamäleons mit echten Hörnern haben einen Knochenfortsatz auf der Nase, der von einer dünnen Keratinschicht bedeckt ist. Diese Keratinschicht entwickelt sich aus einer einzigen Schuppe. Vor allem in der Gattung Trioceros kommen diese echten Hörner vor. Unechte Hörner dagegen haben zwar auch eine knöcherne Grundlage, sind aber mit normaler, schuppiger Haut bedeckt. Unechte Hörner kommen bei vielen madagassischen Chamäleons vor. Und zuletzt gibt es noch dermale Hörner, die nur aus Haut bestehen. Sie sind weich, biegsam und haben keinen Knochen darunter. Auch diese Hörner kommen vor allem bei madagassischen Chamäleons vor.

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Foto: Jacksons Chamäleon, Trioceros jacksonii, tragen ebenfalls echte Hörner; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, fotografiert von Benjamint444

Das älteste Chamäleon der Welt

Das älteste Chamäleon der Welt

Internationaler Chamäleontag

Das älteste Chamäleon der Welt kommt aus Myanmar. Genauer wurde es eher zufällig entdeckt. Seit über einem Jahrhundert verfügt Myanmar – vermutlich als einzigstes Land der Welt – über kommerzielle Bernsteinminen aus der Kreidezeit. Die ergiebigsten Minen dieses „Burmit“ genannten Bernsteins liegen im Tal von Hukawng in Kachin im Norden Myanmars. Diese bedienen vor allem den chinesischen Markt, ein Teil wird auch direkt vor Ort an interessierte Privatleute verkauft. Wissenschaftler haben unter den verkauften Bernsteinen seit Jahren immer wieder paläontologisch hochinteressante Funde gemacht.

Das besagte Chamäleon wurde zusammen mit anderen in Bernstein eingeschlossenen Fossilien an Schmuckhändler verkauft, die die Steine zu sogenannten Cabochons, einer Schmucksteinform, schliffen. Von dort wurden die Stücke an Privatleute verkauft, darunter James Zigras und Scott Anderson, private Sammler. Wissenschaftler durften die Bernsteine untersuchen und steckten sie unter anderem ins CT. Heraus kam, dass das kleine Chamäleon wohl ein Jungtier sein musste. Fast das gesamte Skelett und nahezu die gesamte Haut sind erhalten. Es ist nur 10,6 mm lang und besonders die Krallen sind sehr gut erhalten. Der gesamte Habitus des Tieres lässt auf ein Chamäleon schließen, lediglich die Zähne und die Anordnung der Finger und Zehen passt nicht ganz zu den heutigen Chamäleons. Man geht heute aus, dass dieses Chamäleon über 99 Millionen Jahre alt ist und solange schon im Bernstein steckt. Eine heute existierende Art Chamäleon ist es natürlich nicht, aber ein Verwandter. Man nennt es „Protochamäleon“, es ist also ein Vorläufer unserer heutigen Chamäleons. Im Bild oben ist das Chamäleon übrigens ganz rechts unten zu sehen, im viereckigen Bernstein mit dem 1 cm-Maß darunter. Dieser Bernstein befindet sich heute nach wie vor in einer privaten Sammlung und nicht im Museum.

…um noch eine Frage zu klären, die du dir sicher auch gestellt hast, die aber noch nicht beantwortet wurde: Soweit man bisher weiß, werden Parsons Chamäleon aus Madagaskar am ältesten von allen Chamäleons. Aus der Terraristik sind einzelne Männchen bekannt, die über 20 Jahre alt sind.

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Foto: Verschiedene Fossilien in Bernstein, Quelle: Juan D. Daza, Edward L. Stanley, Philipp Wagner, Aaron M. Bauer, David A. Grimald; Mid-Cretaceous amber fossils illuminate the pastdiversity of tropical lizards, Download

Warum wechseln Chamäleons die Farbe?

Warum wechseln Chamäleons die Farbe?

Internationaler Chamäleontag

Dass Chamäleons ihre Farben danach aussuchen können, worauf sie sitzen, ist ein Mythos. Genauso stimmt es nicht, dass Chamäleons sich ihrem Hintergrund anpassen und quasi „unsichtbar“ werden können. Tatsächlich nutzen Chamäleons ihre Fähigkeit zum Farbwechsel, um zu kommunizieren und ihre Stimmung auszudrücken. Leuchtende Farben sollen Kontrahenten beeindrucken. Kontrastreiche Muster zeigen bei den Weibchen an, dass sie trächtig sind. Blasse Farben zeigen, dass ein Kontrahent einem anderen unterlegen ist, gerade keine Fortpflanzungssaison ist oder es dem Chamäleon nicht so gut geht. So passt übrigens das Sprichwort des „sich schwarz Ärgerns“ perfekt zum Chamäleon: Wenn Chamäleons sehr schlechte Laune haben, werden sie tatsächlich schwarz.

Jede Chamäleonart hat ein begrenztes Farbspektrum zur Verfügung. Der Farbwechsel selbst wird durch Guaninkristalle in der Haut verursacht und findet unbewusst statt. Und auch innerhalb der einzelnen Art kann jedes Chamäleon nur bestimmte Farben annehmen. Bei Pantherchamäleons, bei denen die Männchen als besonders farbgewaltig bekannt sind, kann beispielsweise grüne Haut bei Erregung gelb oder orange werden, blaue Haut kann sogar weiß werden, rote Haut jedoch kann nur in der Intensität wechseln.

Und dann gibt es da übrigens noch Erdchamäleons, die gar nicht „chamäleontypisch bunt“ sind. Dabei sind sie genauso Chamäleons, nur eben weniger bekannt. Sie tragen, ihrem Lebensraum am Boden geschuldet, vor allem braune und beige Farbtöne.

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Fotos:
Pantherchamäleon in ruhigem (links) und erregtem Zustand (rechts), Quelle: Jérémie Teyssier, Suzanne V. Saenko, Dirk van der Marel, Michel C. Milinkovitch, Photonic crystals cause active colour change in chameleons, Download
Chamaeleo zeylanicus in verschiedenen Färbungen über den Tag, fotografiert von Dr. Raju Kasambe, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International
Bradypodion damaranum, Bradypodion transvaalense und Bradypodium caffrum, Färbung bei dominanten (links) und unterlegenen (rechts) Männchen, Quelle: Devi Stuart-Fox & Adnan Moussalli, Selection for Social Signalling drives the evolution of chameleon colour change, Download